Tiefrote “Nius”-Bilanz, Merz sagt “Nein”, Digitale Macht begrenzen

1. Verluste bei Reichelts “Nius” weiten sich aus
(t-online.de, Lars Wienand)
Lars Wienand hat ins Unternehmensregister geschaut und die Bilanz für das Jahr 2024 der Betreibergesellschaft von Julian Reichelts rechtem Krawallportal “Nius” analysiert. Diese sei “tiefrot”: “Bei einer Bilanzsumme von gut sieben Millionen Euro lag 2024 das Minus, der Jahresfehlbetrag, bei knapp 16,2 Millionen Euro. Den Kosten stehen weiterhin kaum Erlöse gegenüber.” Der “Nius”-Geldgeber Frank Gotthardt habe “wieder einen zweistelligen Millionenbetrag nachschießen” müssen, die Abo-Einnahmen von Reichelts Portal seien “vergleichsweise winzig”, und die Zahl der Leserinnen und Leser sei “zuletzt auf ein Rekordtief gefallen.”

2. Verfassungsrechtler über AfD-Pläne: “Kompliziert, langwierig und teuer”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Im Interview mit “DWDL” ordnet der Verfassungs- und Medienrechtler Christoph Degenhart die AfD-Pläne ein, in Sachsen-Anhalt die Rundfunkstaatsverträge zu kündigen. Rechtlich sei eine Kündigung zwar möglich, praktisch aber mit enormen Problemen verbunden: Sachsen-Anhalt müsste dann wohl ein eigenes öffentlich-rechtliches Angebot organisieren, Vermögen, Rechte und Pensionslasten des MDR müssten aufwendig auseinandergesetzt werden, und günstiger würde es vermutlich auch nicht.

3. Merz sagt “Nein” zu Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Bundeskanzler Friedrich Merz habe auf dem Deutschen Katholikentag ein pauschales Social-Media-Verbot für Minderjährige abgelehnt. Stattdessen habe er sich dafür ausgesprochen, Plattformen besser zu regulieren und Risiken für Kinder und Jugendliche gezielter zu adressieren. Ganz eindeutig sei seine Position allerdings nicht, weil Merz zugleich Altersgrenzen und Zugangsbeschränkungen als möglichen “richtigen Weg” bezeichnet habe.

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4. re:publica 26: Markus Beckedahl – Digitale Macht begrenzen: Der Weg in die digitale Souveränität
(youtube.com, Markus Beckedahl, Video: 59:35 Minuten)
In seiner Keynote anlässlich der re:publica 2026 spricht sich Markus Beckedahl dafür aus, digitale Macht zu begrenzen, um den “Weg in die digitale Souveränität” freizuräumen: “Um die Macht zu begrenzen, sind gute Regeln und ihre Durchsetzung notwendig. Aber die besten Regeln bringen nichts, wenn wir nicht auch Alternativen fördern, damit wir eine Wahlfreiheit haben.”

5. Abschied vom Schlagwort
(taz.de, Klaudia Lagozinski)
Klaudia Lagozinski erklärt in den “wichtigsten Fragen und Antworten”, wie KI-Zusammenfassungen die Onlinesuche verändern. Websites seien lange vor allem für Google und SEO optimiert worden, doch nun verschiebe sich der Fokus zur direkten Antwort durch Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Für Medien und Webseitenbetreiber bedeute dies weniger Klicks, weil Nutzerinnen und Nutzer oft schon mit der KI-Antwort zufrieden seien.

6. Wie politisch darf gemeinnütziger Journalismus sein?
(npj.news)
“NPJ.news”, eine Seite über Nonprofit-Journalismus im deutschsprachigen Raum, hat die aktuelle Rechtslage zum gemeinnützigen Journalismus zusammengefasst. Das Fazit: “Gemeinnütziger Journalismus darf politisch relevant sein. Es muss aber gezeigt werden, dass die politische Relevanz der Berichterstattung aus Aufklärung, Information und Einordnung entsteht und nicht etwa aus parteipolitischer oder kampagnenförmiger Zielsteuerung. Weil Journalismus kein eigener Steuerzweck ist, müssen Redaktionen in gemeinnütziger Trägerschaft diese Grenze sorgfältiger ziehen als klassische Medienunternehmen.”

Böhmermanns Kritik an der Kritik, Struktureller Sexismus, Jobfresser

1. Politischer Einfluss auf den ÖRR
(zdf.de, Jan Böhmermann, Video: 33:53 Minuten)
Jan Böhmermann widmet sich im “ZDF Magazin Royale” der politischen Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ausgangspunkt sind Vorwürfe, dass ARD und ZDF zu teuer seien, zu groß oder zu links, sowie aktuelle Aussagen von Politikerinnen und Politikern wie Julia Klöckner, Wolfram Weimer und Markus Söder. Außerdem geht es um Fragen wie “Was bedeutet eigentlich ‘staatsfern’? Wie viele TV-Total-Nippel verträgt eine ZDF-Show? Und: Ist der Star-Moderator wirklich ein größeres Arschloch als ein Blauwal-Anus?”

2. Von Rocklegenden und Popfeen: Der strukturelle Sexismus im Musikjournalismus
(kobuk.at, Sarah Neururer)
Eine Analyse von mehreren hundert Artikeln bei “Rolling Stone”, “Musikexpress”, “Spiegel” und “Standard” zeige, dass männliche Musiker deutlich häufiger als “Legenden”, “Götter”, “Pioniere” oder “Genies” beschrieben würden. Künstlerinnen würden hingegen öfter verniedlicht, sexualisiert oder über Klischees wie “Prinzessin”, “Engel”, “Domina” und “Rotzgöre” eingeordnet. Sarah Neururers Fazit: “Solche Zuschreibungen prägen sich ein, sie schreiben alte Rollenklischees fort und sind sexistisch. Indem der Musikjournalismus unterscheidet, wer eine Legende sein darf und wer eine Fee bleibt, prägt er auch unser kulturelles Gedächtnis.”

3. Das nächste Virus geht schon viral
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Ann-Kathrin Leclère kritisiert die mediale Aufregung um den Hantavirus-Ausbruch auf der “MS Hondius”. Obwohl laut Weltgesundheitsorganisation derzeit kein Pandemie-Szenario drohe, würden Schlagzeilen, Liveticker und Social-Media-Videos alte Corona-Bilder und Ängste reaktivieren. Medien sollten zwischen gesicherten Informationen und Spekulationen klar unterscheiden. Beim Thema Hantavirus heiße das, eher ruhig einzuordnen als im Breaking-News-Modus zu berichten.

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4. Frisst Künstliche Intelligenz die Jobs im Journalismus?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 15:48 Minuten)
Bei “Holger ruft an” spricht Holger Klein mit Medienjournalist Marvin Schade vom “Medieninsider” über Stellenabbau bei “Bild” und “Spiegel”, wo Aufgaben in Produktion und Layout künftig automatisiert oder von Künstliche Intelligenz übernommen werden sollen. Schade sieht KI nicht grundsätzlich kritisch und hält sie etwa beim Redigieren für kleinere Redaktionen für nützlich.

5. Wer einen Chatbot betreibt, ist für dessen Lügen verantwortlich
(spiegel.de)
Das Oberlandesgericht Hamm habe entschieden, dass Betreiber von Chatsbots für deren falsche Aussagen haften. Im konkreten Fall habe der Chatbot einer Schönheitsklinik erfundene beziehungsweise unzutreffende Facharztbezeichnungen für Ärzte genannt. Das Gericht habe die Angaben als irreführende geschäftliche Handlung gewertet. Ähnlich habe zuvor schon das Landgericht Hamburg entschieden: Auch Plattformbetreiber wie X müssten für falsche Aussagen ihrer KI-Systeme einstehen.

6. Der ewige Streit um “moderne Medien”: Wie Straf­ver­fahren die Ste­no­grafie vor­an­brachten
(lto.de, Martin Rath)
Martin Rath zeichnet den Streit um ausführliche Protokolle in Strafverfahren medienhistorisch nach und zeigt, dass schon die Stenografie als “modernes Medium” juristische Machtfragen auslöste. Ausgangspunkt ist ein Fall des Bundesgerichtshofs von 1963, in dem eine stenografierende Anwaltsgehilfin zu Unrecht aus dem Gerichtssaal gewiesen worden sei. Außerdem geht es um frühere Auseinandersetzungen um Kurzschrift, Gerichtsprotokolle, parlamentarische Dokumentation und spätere Ton- und Filmaufnahmen in Prozessen.

KW 20/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Ein zahnloser Tiger? Der Deutsche Presserat!
(youtube.com, Markus Wolsiffer & Tanjev Schultz, Video: 39:26 Minuten)
In der aktuellen “Medienversteher”-Folge sprechen Markus Wolsiffer und Tanjev Schultz über den Deutschen Presserat als freiwillige Selbstkontrolle der Presse. Dabei geht es auch um typische Konfliktfelder wie Sorgfaltspflicht, Opferschutz, Persönlichkeitsrechte, Schleichwerbung und Sensationsberichterstattung. Die zentralen Fragen: Hat der Presserat zu wenig Sanktionsmacht? Und wie kann er sich im digitalen Zeitalter, etwa mit Blick auf KI und neue Medienformen, weiterentwickeln?

2. “Viele Leute sind total dankbar, wenn man ihnen Dinge mal erklärt”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 43:17 Minuten)
Bei “Nice & Nötig” unterhält sich Annika Schneider mit dem “Lage-der-Nation”-Macher Philip Banse über den Erfolg des Politik-Podcasts, den er zusammen mit Ulf Buermeyer betreibt. Die ruhige und detailreiche Analyse helfe vielen Hörerinnen und Hörern gegen Nachrichtenstress und erreiche laut Banse bis zu zwei Millionen Downloads im Monat.

3. Meinung in Medien: Wie wir berichten sollten in Zeiten von Krisen
(bonjourno.de, Olivia Samnick, Audio: 40:48 Minuten)
Olivia Samnick tauscht sich in ihrem Podcast “Bonjourno” mit der Journalistin und Autorin Özge İnan über Meinung in Medien aus: “Wie hilft Meinungsjournalismus in Zeiten vermehrter Krisen? Kann er Orientierung bieten? Und: Wie schafft man überhaupt fundierte Meinungen für die Öffentlichkeit?”

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4. Medienwandel: Papier oder Social Media?
(youtube.com, Kim van der List & Nele Nitschky, Audio: 46:26 Minuten)
Bei den Schülermedientagen 2026 haben zwei Volontärinnen erklärt, wie Lokaljournalismus heute für Print, Online und Instagram aufbereitet wird, warum Social-Media-Beiträge viel Planung, Recherche und Schnittarbeit brauchen und weshalb journalistische Standards auch dort gelten. Es geht um die Präsenz im Netz und die Frage: “Oder liegt das journalistische Glück doch noch in der Zeitung, die ich in der Hand halte, und die ganzen Social-Media-Kanäle sind ‘out’ bevor sie ‘in’ waren”?

5. Krise im Sportjournalismus: Droht eine “Abwärtsspirale”?
(ardsounds.de, Linus Lüring, Audio: 27:25 Minuten)
Linus Lüring unterhält sich bei “BR24 Medien” mit dem Sport- und Kommunikationswissenschaftler Christoph Bertling von der Deutschen Sporthochschule über dessen Buch “Abwärtsspirale” und über die Krise im Sportjournalismus: “Warum unterscheidet sich Sportjournalismus von anderen Medienbereichen? Sind Sportjournalisten vor allem Fans und haben zu wenig Distanz? Und müssen ARD und ZDF eigentlich Spitzensport übertragen?”

6. Re:publica 2026 – oder: Warum wir das Netz nicht aufgeben
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 32:33 Minuten)
Bei “Satzzeichen” spricht Gastgeber Christian Jakubetz mit Andreas Gebhard, Mitgründer und Geschäftsführer der re:publica, über Geschichte, Selbstverständnis und Zukunft der Digitalkonferenz. Es geht um die Anfänge als Blogger-Treffen, die besondere Atmosphäre der Veranstaltung und das diesjährige Motto “Never Gonna Give You Up”. Gebhard beschreibt die re:publica als Hoffnungsort für eine freie, offene digitale Gesellschaft.

Fake-“Nius”, Kennzeichnung von KI, Plattform-Abgaben rechtmäßig

1. Frau wegen NiUS-Erfindung bedroht
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 38:34 Minuten)
Mats Schönauer rekonstruiert in seinem neuesten Video, wie das rechte Krawallportal “Nuis” aus einer privat bezahlten Kantineneröffnung in der Dortmunder Arbeitsagentur einen vermeintlichen Ramadan-Skandal gemacht habe. Die Falschbehauptungen von “Nius” über ein steuerfinanziertes Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger seien von Influencern und AfD-Politikern weiterverbreitet worden, woraufhin die betroffene Gastronomin bedroht worden sei.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. Ulf Poschardt gibt Herausgeber-Position bei “Welt” auf
(taz.de)
Ulf Poschardt gebe zum 1. Juli seinen Posten als Herausgeber bei der “Welt” sowie den Deutschlandablegern von “Politico” und “Business Insider” ab. Laut Axel-Springer-Verlag geschehe dieser Schritt auf Poschardts eigenen Wunsch. Künftig solle er als “freiester Autor” und Podcaster für verschiedene Springer-Medien arbeiten, darunter auch “Bild”. Geplant seien unter anderem Social-Media-Clips, Talkformate, Kolumnen und Videos.

3. Transparente Kennzeichnung von KI im Journalismus
(media-lab.de, Francesca Lehmann)
Francesca Lehmann hat in ihrer Abschlussarbeit untersucht, wie KI-Inhalte im Journalismus transparent gekennzeichnet werden können. Sie zeigt, dass es bislang keine einheitliche Praxis gebe: Manche Redaktionen markieren KI-generierte Zusammenfassungen klar, andere setzen KI-Hinweise ohne erkennbare Systematik. Lehmanns Fazit: “Insgesamt zeigt sich ein klares Bedürfnis, journalistische Transparenz im KI-Zeitalter auszubauen.”

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4. Abgaben von Online-Plattformen rechtmäßig
(urheber.info)
Der Europäische Gerichtshof habe entschieden, dass EU-Mitgliedstaaten Verlagen eine angemessene Vergütung einräumen dürfen, wenn Onlineplattformen journalistische Inhalte nutzen. Anlass sei ein Verfahren von Meta in Italien gegen Vorgaben der Medienaufsicht AGCOM gewesen.

5. Reflekt
(npj.news)
Das Schweizer Rechercheteam “Reflekt” baue eigene Social-Video-Formate auf, um investigativen Journalismus stärker in Community und Mitgliedschaften zu übersetzen. Mit Host-Videos, vor allem mit Gülsha Adilji, sollen komplexe Recherchen verständlich, unterhaltsam und plattformgerecht für Instagram aufbereitet werden. Ziel sei vor allem der Aufbau direkter Beziehungen zur Zielgruppe.

6. Was aktuell auf Instagram und TikTok viral geht
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pycha zeigt bei “DWDL” in einem “Trend-Ticker”, welche Trends auf TikTok und Instagram seit Ende 2025 Reichweite erzeugt haben: von Sounds, KI-Filtern und Beziehungsformaten bis zu Nostalgie-Posts und Meme-Insidern. Zugleich warnt er vor problematischen Entwicklungen wie gefährlichen Challenges, Falschmeldungen oder rechtlich heiklen “Speedruns”.

Alterskontrollen per EU-App?, Freies NSDAP-Archiv, Texas verklagt Netflix

1. Von der Leyen kommt eigenen Fachleuten zuvor und will Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dränge auf ein Social-Media-Verbot für Minderjährige, noch bevor das von ihr eingesetzte Expertengremium Empfehlungen vorgelegt habe. Sie spreche beschönigend von einem “Aufschub” statt von einem Verbot und setze stark auf emotionale Argumente, schreibt netzpolitik.org-Redakteur Sebastian Meineck. Er warnt, dass Alterskontrollen per EU-App Datenschutz, Anonymität und digitale Teilhabe gefährden würden. Sinnvoller sei es, Plattformen sicherer zu machen.

2. “Correctiv” und “Katapult” ermöglichen freie Suche in NSDAP-Mitgliederkartei
(turi2.de, Björn Czieslik)
Björn Czieslik berichtet bei “turi2”, dass die Redaktionen von “Correctiv” und “Katapult” gemeinsam eine frei durchsuchbare Version der NSDAP-Mitgliederkartei veröffentlicht hätten. Grundlage seien Bestände des US-Nationalarchivs und die Plattform brownarchive.org. Anders als ähnliche Angebote von “Zeit” und “Spiegel” sei die Suche frei zugänglich, also ohne Paywall nutzbar.
Nachtrag: Bei “Correctiv” ist die NSDAP-Mitgliederkartei nicht mehr abrufbar, auch die Seite brownarchive.org ist nicht mehr erreichbar. Die “Correctiv”-Redaktion hat einen neuen Artikel zu dem Thema veröffentlicht und schreibt unter anderem: “Am 12. Mai haben Katapult und CORRECTIV gemeinsam eine frei zugängliche Datenbank zur NSDAP-Mitgliederkartei veröffentlicht. Die Veröffentlichung in dieser Form entspricht nicht unseren journalistischen und dokumentarischen Standards. Wir haben die Datenbank vorläufig offline genommen.”

3. Politik zwingt MDR in die Knie
(verdi.de)
Verdi kritisiert die Sparmaßnahmen beim öffentlich-rechtlichen MDR als Folge der ausgebliebenen Rundfunkbeitragserhöhung und politischer Blockaden. Die geplanten Kürzungen bei “Tatort”, “Polizeiruf”, “MDR um 2”, Social Media, Podcasts und beim Jugendradio Sputnik würden aus Sicht der Gewerkschaft Programmvielfalt, regionale Berichterstattung und die Stellen von rund 200 Beschäftigten gefährden. Verdi fordert eine gesicherte Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sozial verantwortliche Reformen und eine faire Bezahlung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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4. »Sie schauen Netflix, Netflix schaut Ihnen zu« – Texas verklagt Streamingportal
(spiegel.de)
Der US-Bundesstaat Texas verklage Netflix wegen angeblich illegaler Datensammlung und suchtgefährdender Plattformgestaltung. Die Staatsanwaltschaft werfe dem Streamingdienst vor, Sehgewohnheiten und sensible Verhaltensdaten zu erfassen und für Werbung nutzbar zu machen. Besonders werde die standardmäßig aktivierte Autoplay-Funktion kritisiert, die Nutzerinnen und Nutzer länger auf der Plattform halten solle. Netflix weise die Vorwürfe als unbegründet zurück.
Weiterer Lesetipp: Der “Netflix-Effekt”: Netflix rechnet seinen weltweiten Impact vor: “Mit Investitionen von 135 Milliarden Dollar in Filme und Serien hat Netflix in den letzten zehn Jahren die weltweite TV-Branche verändert. Mit allerhand Daten will man nun den Impact auf Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft darlegen”. (dwdl.de, Uwe Mantel)

5. So endete die letzte Monitor-Sendung mit Georg Restle
(youtube.com, Monitor, Video: 5:11 Minuten)
Beachtliche 30 Jahre war Georg Restle beim Politmagazin “Monitor”, davon 14 Jahre als Redaktionsleiter. In wenigen Wochen zieht es Restle nach Kenia, er übernimmt dort die Leitung des crossmedialen ARD-Studios Nairobi. Zum Abschied hat ihm seine Redaktion einen Überraschungsfilm zusammengebastelt.

6. Wieso die Horoskop-Masche nicht mehr funktioniert hat
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 16:36 Minuten)
Die aktuelle “Walulis”-Folge blickt satirisch auf den eingestellten Esoterik-Sender Astro TV zurück. Sie zeigt, wie Astro TV seit 2004 mit Kartenlegen, Chakra-Reinigung, spirituellen Produkten und angeblicher Lebensberatung gearbeitet habe. Philipp Walulis kritisiert vor allem das Geschäftsmodell: Anrufe in die Sendung hätten Geld gekostet, die eigentliche Beratung sei über teure Minutenhotlines der verbundenen Plattform Questico gelaufen.

Anonymität verbieten?, Spardruck beim MDR, Das perfekte Feindbild

1. Wer Kinder ausschließen will, muss Anonymität verbieten
(netzpolitik.org, Martin Schwarzbeck)
Martin Schwarzbeck berichtet über eine Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlaments zu VPNs und Jugendschutz. Demnach könnten Alterskontrollen auch für VPN-Anbieter diskutiert werden, weil Jugendliche Zugangssperren durch die Nutzung solcher Dienste leicht umgehen könnten. Schwarzbeck warnt, derartige Kontrollen würden Anonymität, Datenschutz und freie Recherche im Internet gefährden. Betroffen wären etwa Whistleblower, Oppositionelle, Medienschaffende sowie private Nutzerinnen und Nutzer.

2. Das “perfekte” Feindbild? Warum Journalisten angegriffen werden (mit Patrick Peltz)
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Video: 54:20 Minuten)
Im Podcast “This Is Media Now” spricht Luca Schöne mit Patrick Pelz vom European Centre for Press and Media Freedom über Angriffe auf und Anfeindungen gegen Journalistinnen und Journalisten. Es geht um dokumentierte körperliche Angriffe, besonders bei Demonstrationen, aber auch um digitale Hetze, Drohungen und Einschüchterung. Pelz erläutert, dass rechte und verschwörungsideologische Milieus dabei eine zentrale Rolle spielen würden. Besonders problematisch sei die schleichende Wirkung auf Redaktionen und Medienhäuser.

3. Spardruck: MDR pausiert bei “Tatort” und “Polizeiruf”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der öffentlich-rechtliche MDR wolle wegen massiven Spardrucks drei Jahre lang keine neuen “Tatort”- und “Polizeiruf-110”-Filme produzieren lassen (bereits fertige oder vertraglich vereinbarte Folgen würden aber noch ausgestrahlt). Intendant Ralf Ludwig begründe die Einschnitte mit der ausgebliebenen Erhöhung des Rundfunkbeitrags. Außerdem solle bei “MDR um 2”, dem “Mittagsmagazin”, Social Media und Podcasts gespart werden.

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4. Bayern bessert Rundfunkgesetz nach
(verdi.de, Volker Nünning)
Bayern wolle den Entwurf zur Reform des BR-Rundfunkgesetzes nach Kritik entschärfen. Medienminister Florian Herrmann habe angekündigt, das geplante Verbot sogenannter “Gestaltungsziele” zu streichen. Kritiker hätten gewarnt, der ursprüngliche Entwurf könne die Programmautonomie des öffentlich-rechtlichen Senders einschränken und politischen Druck auf die Berichterstattung erleichtern.

5. Die «NZZ am Sonntag» macht Werbung im redaktionellen Teil
(infosperber.ch, Marco Diener)
“Infosperber”-Autor Marco Diener kritisiert einen Artikel der “NZZ am Sonntag” über ultraleichte Wanderausrüstung als verkappte Werbung. Der Beitrag empfehle zahlreiche konkrete Markenprodukte, die von den Herstellern zur Verfügung gestellt worden seien. Zudem sei die in der Überschrift genannte Angabe irreführend.

6. Musiker*innen erheben ihre Stimme: Wir fordern von der Bundesregierung Wucher-Tickets zu verbieten
(promusikverband.de)
Ein Bündnis aus Pro Musik, dem BDKV, zahlreichen Musikerinnen und Musikern sowie Branchenverbänden fordere die Bundesregierung auf, den Ticketzweitmarkt stärker zu regulieren. Eintrittskarten würden automatisiert aufgekauft und teils zu extrem überhöhten Preisen weiterverkauft. Der offene Brief (PDF), unterzeichnet unter anderem von Die Toten Hosen, Nina Chuba, Die Ärzte, AnnenMayKantereit, Kraftklub und K.I.Z, verlange Schutz für Fans, Künstlerinnen und Künstler sowie Veranstalter vor Wucher und Betrug.

“Spiegel” darf berichten, “OAZ” vs. “Volksverpetzer”, ORF-Protest

1. Spiegel darf über Deep­fake-Ver­dacht und Gewalt­vor­würfe berichten
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
“Christian Ulmen zog gegen den Spiegel wegen des Berichts ‘Du hast mich virtuell vergewaltigt’ vor Gericht. Er geht vor allem gegen Deep-Fake-Verdächtigungen und Gewaltvorwürfe vor. Damit ist er jetzt vor dem LG Hamburg gescheitert.” Bei “Legal Tribune Online” ordnet Felix W. Zimmermann die Entscheidung des Landgerichts Hamburg juristisch ein.
Weiterer Lesetipp: Der “Spiegel” berichtet in eigener Sache: Ulmen scheitert vor Gericht – SPIEGEL-Bericht bleibt praktisch unangetastet. (spiegel.de, Lukas Eberle & Max Hoppenstedt Heinrichs & Juliane Löffler)

2. Wie die Ostdeutsche Allgemeine Volksverpetzer zum Schweigen bringen will
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
“Volksverpetzer”-Leiter Thomas Laschyk wirft der “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung” von Verleger Holger Friedrich vor, auf kritische Berichte mit Diffamierung und einer Abmahnung zu reagieren: “Die Medien des Millionärs vergleichen unsere Aufklärung mit Stasi-Methoden und NS‑Propaganda.” Laschyk sieht darin den Versuch, ein kleines, spendenfinanziertes Medium juristisch und finanziell einzuschüchtern.

3. Auf dem Lerchenberg der Ahnungslosen
(medien-doktor.de, Holger Wormer)
Der “Medien-Doktor” kritisiert, dass die Nachrichtensendung “ZDF heute” eine PR-getriebene Umfrage eines Versicherungsunternehmens als nachrichtentaugliche Studie aufgegriffen habe. Autor Holger Wormer meint, viele angebliche Studien seien vor allem Marketinginstrumente, würden von Redaktionen aber gerade bei alltagsnahen “Soft News” zu unkritisch übernommen. Das ZDF hätte die Seriosität der Untersuchung besser prüfen oder Wissenschaftsredakteure einbeziehen müssen.
Weiterer Lesetipp: Hier das detaillierte Gutachten: Mental Load in Familien (medien-doktor.de).

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4. Kontext-Chefredakteurin über Medien in Zeiten rechter Normalisierung
(belltower.news, Shila Samanthi)
“Kontext”-Chefredakteurin Anna Hunger sagt im Interview mit “Belltower News”, dass Medien angesichts rechter Normalisierung mehr aufklären und einordnen müssten. Neutralität halte sie für einen Mythos. Rechtsextreme und populistische Positionen müssten klar benannt werden: “Journalistische Verantwortung beginnt bei den Grundlagen: Sorgfaltspflichten ernst nehmen, Dinge prüfen, nicht einfach Polizeimeldungen übernehmen. Und klar entscheiden, wem man eine Bühne gibt. Interviews mit AfD-Vertreterinnen und -Vertretern halte ich für problematisch. Die Idee, sie zu ‘stellen’, funktioniert oft nicht.”

5. ORF: Jetzt reden die Mitarbeitenden
(verdi.de)
ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter protestieren mit der Kampagne “Mituns” gegen politische Einflussnahme, Machtmissbrauch und Missstände bei dem österreichischen öffentlich-rechtlichen Sender. Nach einer ersten Aktion mit mehr als 500 Beschäftigten stünden nun über 350 weitere öffentlich mit Namen und Gesicht für Reformen ein. Gefordert würden ein unabhängiger Stiftungsrat, faire Anstellungsverhältnisse und Führungsbesetzungen nach Kompetenz statt politischen Verbindungen.

6. Pariser Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen gegen Musk ein
(spiegel.de)
Die Pariser Staatsanwaltschaft habe förmliche Ermittlungen gegen Elon Musk, dessen Plattform X und die frühere X-Chefin Linda Yaccarino eingeleitet. Hintergrund seien Vorwürfe, X-Algorithmen hätten rechtsextreme Inhalte begünstigt. Außerdem gehe es um Holocaustleugnung und sexualisierte KI-Deepfakes. Musk und Yaccarino seien einer Anhörung ferngeblieben, was die Ermittlungen aber nicht stoppe. X bestreite die Vorwürfe und sehe Redefreiheit und Grundrechte gefährdet.

KW 19/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. So fies ist die Masche mit Fake-Medikamenten
(youtube.com, Konstanze Nastarowitz, Video: 26:50 Minuten)
Kriminelle würden Künstliche Intelligenz nutzen, um das Gesicht und die Stimme von Eckart von Hirschhausen zu fälschen und damit fragwürdige Gesundheitsprodukte zu bewerben. Im Gespräch mit “Zapp”-Reporterin Konstanze Nastarowitz berichtet der Arzt und Fernsehmoderator, wie belastend dieser Identitätsmissbrauch für ihn ist und wie er dagegen vorgeht. Zugleich geht es um die größere Frage, wie dieses Betrugssystem funktioniert, wer dahintersteckt und wer daran verdient.

2. Wie Milliardäre rechte Medien finanzieren
(youtube.com, Oliver Kalkofe, Video: 26:23 Minuten)
Bei “Fun Facts” nimmt Oliver Kalkofe milliardenschwere Medienbesitzer und Plattformchefs ins Visier: von Elon Musk über Jeff Bezos und Mark Zuckerberg bis zu Rupert Murdoch, Mathias Döpfner und das “Nius”-Umfeld. Kalkofes These: Superreiche kaufen oder prägen Medien um politischen Einfluss, Aufmerksamkeit und Deutungshoheit zu gewinnen.

3. Wer kauft beim Nazi-Verlag “Der Schelm”?
(mdr.de, Secilia Kloppmann & Christian Bergmann, Audio: 34:27 Minuten)
Der Beitrag von “MDR Investigativ” geht der Frage nach, wer beim rechtsextremen “Schelm”-Verlag bestellt und wie das Netzwerk hinter dem Verlag funktioniert. Ausgangspunkt ist eine erneute Razzia im März in Leipzig und anderen Städten gegen den Verlag, der Propagandamaterial und Nachdrucke aus der NS-Zeit vertreibe: “Warum ist es so schwierig, dieses Netzwerk zu zerschlagen?”

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4. Wie viel Hass müssen wir online aushalten?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 27:09 Minuten)
Holger Klein unterhält sich mit der Strafrechtlerin Elisa Hoven über die Frage, wie mit Beleidigungen und Hass im Internet umgegangen werden sollte. Sie sprechen über Fälle, in denen Politiker wegen Beschimpfungen Strafanträge gestellt haben. Hoven hält zwar fest, dass auch Politikerinnen und Politiker nicht alles hinnehmen müssten, kritisiert aber, dass die strafrechtliche Verfolgung solcher Äußerungen inzwischen überzogen sei.

5. Was KI nicht liefern kann: Vertrauen, Haltung, Perspektive
(youtube.com, Martin Fehrensen, Video: 35:10 Minuten)
Wie verändert Künstliche Intelligenz den Journalismus? Darüber spricht Martin Fehrensen mit Gregor Schmalzried: Was kann KI schon heute im Arbeitsalltag leisten? Warum wirken Chatbots anders als algorithmische Social-Media-Feeds? Und weshalb hat gutes Prompting viel mit klarem Denken, Delegieren und Führung zu tun? Die Grundthese des Gesprächs ist eher optimistisch: KI müsse nicht automatisch verarmen oder radikalisieren.

6. Der Reality ins Auge schauen feat. Mr. Trash TV
(medienkuh.de, Kevin Körber, Audio: 2:24:59 Stunden)
In Folge 525 der “Medienkuh” ist Patrick Abele, online bekannt als “Mr. Trash TV”, zu Gast. Abele zählt zu den frühen deutschen Reaction-YouTubern und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Trash- und Reality-TV. Im Gespräch geht es um seine Medienbiografie, seine Liebe zum Fernsehen und die Frage, ob die Reality-TV-Blase langsam zu platzen droht.

Neuer Gaza-Appell, Das Problem des ORF, Spaß mit Fakten

1. Medien-Appell: “Lasst uns nach Gaza”
(verdi.de)
Internationale Medienhäuser würden erneut fordern, dass Israel ausländischen Journalistinnen und Journalisten einen unabhängigen Zugang zum Gazastreifen ermöglicht. Sie würden kritisieren, dass das Verbot seit über 930 Tagen bestehe und selbst ein Verfahren vor dem israelischen Supreme Court bislang nicht zu einer Entscheidung geführt habe. Der Appell betone die Pressefreiheit als Grundwert offener Gesellschaften.

2. Was ist das Problem des ORF?
(arminwolf.at)
ORF-Moderator Armin Wolf stellt in seinem Beitrag fest, dass das Hauptproblem des öffentlich-rechtlichen Senders dessen parteipolitisch geprägte Aufsichtsstruktur sei. Der Stiftungsrat vertrete nicht die Öffentlichkeit, sondern faktisch die Parteien, wodurch sich für Führungskräfte falsche Anreize ergäben. Entscheidend seien politische Netzwerke statt fachlicher Eignung. Das schrecke qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber ab und gefährde die Unabhängigkeit des ORF. Als Lösung fordert Wolf einen unabhängig und fachlich besetzten Stiftungsrat.

3. Netflix-Zahlung beschert Warner einen Milliarden-Verlust
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Das Medienunternehmen Warner Bros. Discovery habe im ersten Quartal zwar operativ solide abgeschnitten, unter dem Strich aber einen Milliardenverlust verbucht. Hauptgrund sei eine Abstandszahlung in Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar an Netflix, nachdem ein Übernahmevertrag wegen des höheren Angebots von Paramount Skydance aufgelöst worden sei.

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4. “Die Presse” und “Kleine Zeitung” nutzen künftig redaktionelle Inhalte gemeinsam
(derstandard.at, Harald Fidler)
Wie der “Standard” berichtet, wollen die österreichischen Blätter “Die Presse” und die “Kleine Zeitung” aus dem Styria-Konzern redaktionell enger zusammenarbeiten. Die “Kleine Zeitung” solle sich stärker auf regionale Berichterstattung konzentrieren und dafür vor allem bei überregionaler Politik- und Wirtschaftsberichterstattung Inhalte der “Presse” nutzen. Hintergrund seien wirtschaftlicher Druck und der Versuch, Synergien zu schaffen.

5. Spaß mit Fakten: Wie “Fun Facts” Journalismus auf die Bühne und zu Youtube bringt
(turi2.de, Alexander Matzkeit)
Alexander Matzkeit ordnet das YouTube-Format “Fun Facts” als unterhaltsame Bühnen- und Onlineshow ein, die aktuelle Themen mit Humor, Prominenz und Factchecking verbinde. Die Kombination von Liveauftritten und digitaler Verbreitung sei gelungen. Zugleich bezweifelt Matzkeit, dass es sich um eine echte journalistische Innovation handelt: Inhaltlich ähnele das Format bekannten Satireshows und biete eher meinungsstarke Einordnung als originäre Nachrichten.

6. Was war nochmal das Problem mit Louis CK?
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
Bernhard Hiergeist argumentiert, dass der US-Comedian Louis C.K. mit einem neuen Netflix-Deal nicht wirklich zurück sei, weil seine Rehabilitierung in der Comedybranche längst stattgefunden habe. Trotz der Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens und seines Geständnisses sei Louis C.K. nie wirklich verschwunden, sondern habe weitergespielt, Preise gewonnen und ein Publikum behalten. Hiergeist kritisiert, dass Medien und Branche vor allem die künstlerische Arbeit von Louis C.K. in den Mittelpunkt stellen würden. Die Perspektive der betroffenen Frauen bleibe hingegen weitgehend ausgeblendet.

Unbeirrt von Gerichtsentscheid, Korrupter Fusionsplan, Good News

1. Unbeirrt von Gerichtsentscheid: Weimer bleibt bei kritischer Linie zur Kulturförderung
(tagesspiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer halte trotz eines Beschlusses des Berliner Verwaltungsgerichts an seiner Linie in der Kulturförderung fest. Anlass ist der Streit um den Deutschen Buchhandlungspreis, bei dem Weimer drei Buchläden ausgeschlossen hatte. Das Gericht untersagte ihm später aber, die Betreiber als “politische Extremisten” zu bezeichnen. Weimer beschreibe die Lage als zugespitzten Kulturkampf, weise aber zurück, selbst ein rechter Kulturkämpfer zu sein.

2. dju: Kritik an Verfahrenseinstellung
(verdi.de)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in Verdi kritisiere die Einstellung eines Verfahrens zu Angriffen auf Journalisten bei einer Veranstaltung in Schnellroda. Aus Sicht der Gewerkschaft habe es sich um einen gezielten und koordinierten Angriff auf Medienschaffende und damit auf die Pressefreiheit gehandelt. Die dju beanstande vor allem, dass die Staatsanwaltschaft die verfassungsrechtliche Dimension des Falls nicht ausreichend berücksichtigt habe, und warne, dass solche Entscheidungen Täter ermutigen und langfristig die Pressefreiheit und Medienvielfalt schwächen könnten.

3. “Korrupter Fusionsplan”: Was WarnerMount zu Fall bringen könnte
(dwdl.de, Torsten Zarges)
Die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount gerate politisch und juristisch immer stärker unter Druck. Kritiker sähen die Gefahr, dass es weniger Wettbewerb, höhere Preise sowie eine eingeschränkte Vielfalt bei Nachrichten und Kino geben könnte. Zusätzlichen Sprengstoff liefere die Finanzierung des Deals durch Staatsfonds aus der Golfregion. Außerdem könnte es nach Donald Trumps Amtszeit einen Rückbau geben: “WarnerMount müsste unter demokratischer Präsidentschaft und Kongressmehrheit wohl befürchten, wieder aufgelöst zu werden.”

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4. «In meiner Welt haben wir Sex, wenn ich Sex will.»
(infosperber.ch, Barbara Marti)
Barbara Marti schildert den Fall des ehemaligen ORF-Generaldirektors Roland Weißmann, dem eine Mitarbeiterin übergriffige sexuelle Chats und die Übersendung von Dickpics vorwerfe. Zwar habe eine ORF-interne Compliance-Kommission keine sexuelle Belästigung “im rechtlichen Sinn” festgestellt, wohl aber unangemessenes Verhalten. Weißmanns Weiterbeschäftigung sei als untragbar bewertet und er entlassen worden. Andere Juristen widersprächen der engen ORF-Auslegung und sähen in Weißmanns Verhalten sehr wohl sexuelle Belästigung.

5. Tägliche Dosis Optimismus – wie das Portal “Good News” und andere Medien gute Nachrichten verbreiten.
(turi2.de, Christoph Arens)
Die Plattform “Good News” sammele bewusst positive und konstruktive Nachrichten, um der wachsenden Nachrichtenmüdigkeit und dem Doomscrolling etwas entgegenzusetzen. Finanziert werde das Berliner Portal über freiwillige Beiträge, die Nutzung wachse laut Redaktion spürbar.

6. CNN-Gründer Ted Turner ist tot
(spiegel.de)
Ted Turner, der Gründer von CNN, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Mit dem Start des Senders im Jahr 1980 habe Turner das Fernsehen grundlegend verändert, weil er als Erster einen Nachrichtensender mit 24-Stunden-Berichterstattung etabliert und damit ein neues Verständnis von Live-Nachrichten geprägt habe. Später habe er ein großes Medienimperium mit weiteren Sendern wie TBS, TNT, Cartoon Network und Turner Classic Movies aufgebaut.

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BILDblog-Klassiker

neu  

Von Katzen und dummen Menschen

Gestern berichtete “Bild”:

… und okay-okay, im letzten Absatz, ganz am Ende ihrer Berichterstattung hat “Bild” im Vornamen der darin zitierten Tierschützerin “Annelise Krauß” ein “e” vergessen. Aber selbst Anneliese Krauß findet das nicht so schlimm. Allerdings steht ihr Name natürlich nicht nur zum Spaß in “Bild”. Zitiert wird sie dort – und zwar wie folgt:

‘Das ist so schlimm wie grausame Tierversuche’, wettert Annelise Krauß vom Tierschutzverein Dresden.”

Und das sei nun wirklich “Quatsch”, sagt Krauß, wenn man sie fragt. Weil sie nämlich den von “Bild” zitierten Satz weder gewettert noch gesagt habe. Im Gegenteil: “Das wäre ja auch idiotisch,” sagt Krauß, “denn wenn es um tote Tiere geht, dann ist das ja kein Problem des Tierschutzes!” Zusammenfassend sagt uns die Tierschützerin über die Erfindung von Christian Koch (der laut “Bild” ja “aus Katzen Benzin machen” kann):

“Von unserer Seite ist daran nichts auszusetzen.”

Und genau so habe sie das im Übrigen auch zu “Bild” gesagt. (Aber, so Krauß weiter, wenn “der Herr Helfricht”, also einer der Autoren des “Bild”-Artikels, sie anrufe, dann wisse sie schon aus Erfahrung, dass hinterher Sachen in “Bild” stünden, die sie so gar nicht gesagt habe. Das gehe in Dresden schließlich schon über zehn Jahre so, so Krauß. — Und soviel vielleicht nur zum letzten Absatz des obigen Artikels.)

Kommen wir zum Rest, dem Eigentlichen, also darum, dass “Dr. Christian Koch (55) aus Kleinhartmannsdorf (Sachsen)”, wie es in “Bild” heißt, “aus Katzen Benzin machen” könne: Denn dass die “Benzin”-Überschrift Unsinn ist, verrät schließlich schon der dazugehörige “Bild”-Text selbst, weil darin nur von “Bio-Diesel” oder “Diesel” die Rede ist… Tatsächlich aber hat Koch offenbar eine ungewöhnliche und effektive Alternativmethode zur Treibstoffgewinnung entwickelt: die katalytische drucklose Verölung (KDV), über die beispielsweise schon der MDR im Mai 2003, 3sat im Juli 2004, die “Welt” im Januar 2005, die “Pirmasenser Zeitung” im Juli, der RBB vergangene Woche oder auch RTL berichteten. Und all diesen Berichten ist eines gemein: dass sie dem Gegenstand, über den sie (durchaus auch kritisch) berichten, gerecht werden.

“Bild” indes nennt Kochs Erfindung einen “Spezialreaktor” und schreibt Sätze wie diesen:

“Die Katzen-Kraft lässt sich theoretisch exakt berechnen: Aus einem ausgewachsenen 13-Pfund-Kater könnten 2,5 Liter Sprit entstehen, vier Miezen würden für 100 Kilometer reichen, für eine Tankfüllung wären 20 tote Katzen erforderlich.”

Und fragt man einfach mal nach bei dem “Mann, der (Stuben-)Tiger in den Tank packen kann” (“Bild”), antwortet Christian Koch, der “Bild”-Bericht habe “nichts mit der Wahrheit zu tun” und sei “zudem grenzenlos dumm”. Koch weiter:

“Wie kann man mit gekochtem tierischen Material Auto fahren? Wasser würde jeden Motor sofort zum Stillstand bringen. Hier wird an die niedrigsten Instinkte von dummen Menschen appelliert, um eine wertvolle Entwicklung zu verunglimpfen. (…) Mir zu unterstellen, dass ich mit Tierkadavern herumhantiere, ist kriminell. Das ist nicht im geringsten der Inhalt der Entwicklung und kann deshalb nur als gezielte Verleumdung angesehen werden.”

Auf der Website von Kochs Firma heißt es zudem inzwischen:

Mit Dank an Jan S. für die Anregung.
 
Nachtrag, 12:15:
“Bild” hat die Sache mit der “Katzen-Kraft” heute noch einmal aufgegriffen:

Darf man aus Katzen wirklich Benzin machen?

Doch wenn es jetzt etwas vorsichtiger als gestern heißt, dass Christian Koch “theoretisch auch aus Katzen” Bio-Diesel herstellen “könnte”, wenn jetzt nicht Koch, sondern ein Konkurrent die gestern von “Bild” aus der Luft gegriffene Skandalisierung zurechtrücken darf, wenn nun auch die gelassene Position der Tierschützer weniger sinnenstellend als gestern wiedergegeben wird und sich im heutigen “Bild”-Bericht immerhin ein einziger halbwegs sinnvoller Satz (“Die Diskussion ist überflüssig”) wiederfindet, dann macht das alles den Nonsens von gestern weder ungeschehen noch besser — und sei es nur deshalb, weil es “Bild” offenbar immer noch nicht gelingen will, zwischen “Benzin” (Überschrift) und “Diesel” (Text) zu unterscheiden…

Mehr dazu hier und hier.