Suchergebnisse für ‘youtube’

Jung&Naiv, Volontariat, Netzfingerabdruck

1. “Der Traum vom Journalistenleben”
(mdr.de, Audio, 29:23 Minuten)
Zwanzig Jahre nach dem Besuch der Journalistenschule ruft Philip Meinhold ehemalige Mitschüler an und fragt sie, ob sie ihre Vorstellungen von Journalismus verwirklichen konnten.

2. “Bitte bewerben – ihr braucht dafür auch nur drei Tage”
(sara-weber.tumblr.com)
Noch bis zum 8. Juli kann man sich beim britischen “Spectator” für ein ein- oder zweiwöchiges Praktikum bewerben. Sara Weber findet die Anforderungen dafür sehr hoch, das Bewerbungsverfahren “unverschämt”.

3. “Meine Laudatio für Jung&Naiv: Die konservative Konterrevolution hat Youtube erreicht”
(leitmedium.de, ccm)
“Jung & Naiv” mit Tilo Jung revolutioniere nicht den Journalismus auf Youtube, sondern es sei “ein Intranetformat für Medienmacher und Politiker”, schreibt Caspar Clemens Mierau: “Jung bringt den am Zuschauer desinteressierten Journalisten auf die Videoplattform und erntet damit natürlich den Applaus einiger Journalisten-Kollegen, die auch lieber ohne Leser schreiben würden.”

4. “Stromnetz verrät Whistleblower”
(heute.de, Peter Welchering)
Eine Verzerrung der Stimme des Informanten ist kein wirkungsvoller Schutz, schreibt Peter Welchering: “Denn mit einer IT-forensischen Methode können die Einstreuungen der elektrischen Netzfrequenz in Tonaufnahmen herausgefiltert und zu einer Art Netzfingerabdruck verdichtet werden. Dieser Netzfingerabdruck wird dann mit Frequenzdatenbanken abgeglichen, um herauszubekommen, wann und wo die Aufnahme gedreht wurde.”

5. “Das Chaos der Anderen”
(neues-deutschland.de, Tobias Riegel)
Tobias Riegel malt sich in der sozialistischen Tageszeitung “Neues Deutschland” aus, wie es wäre, wenn ausländische Politiker und Medien deutsche Politiker kritisieren, die versuchen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen: “Wir können uns in Deutschland kaum vorstellen, wie das wäre, wenn sich der US-Außenminister regelmäßig tadelnd zu unserem Umgang mit Demonstranten äußern würde. Es ist aber zu vermuten: Sollte eine linke Bundesregierung einst den Austritt aus der NATO anstreben – wir würden das Gefühl der ständigen Ermahnung kennenlernen. Dann wären die Randalierer vom 1. Mai für die ‘Bild’-Zeitung plötzlich die ‘friedliche und demokratische’ Speerspitze gegen eine ‘autokratische’ und ganz allgemein ‘korrupte’ Bundesregierung – die schleunigst durch Technokraten ersetzt werden muss.”

6. “Keine Handyfotos auf der Pressetribüne erlaubt”
(twitter.com/LarsWallrodt)

Bild  

Böses Foul an Schweinifurt!

Stuttgart liegt am Ganges /
Berlin liegt an der Seine …

(Traditioneller “Bild”-Merkreim)

Mit dem Deutschlandbild der “Bild”-Zeitung stimmt was nicht. Gut, das hatten wir in der vergangenen Woche schon festgestellt, aber es ist seitdem nicht besser geworden.

Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft berichtet das Blatt heute, dass “wir” “ab heute ballaballa sind”. Es hat den größten Teil der Titelseite für etwas freigeräumt, das es “die wahre Deutschland-Karte” nennt und als Vorwand für die schlechtesten Wortspiele der Welt nimmt, darunter: “Fifalkensee” statt Falkensee, “DFBeelitz” statt Beelitz, “Pfostsee” statt Ostsee; “Bumm” für Bonn und “Gelsenkonter” für Gelsenkirchen.

Angesichts dessen sind die geographischen Unzulänglichkeiten der Karte, zugegeben, harmlos, aber nicht minder rätselhaft.

Kaiserslautern, zum Beispiel, liegt plötzlich in Sichtweite des Rheins, aus Hof ist Bayreuth geworden, Schweinfurt hat den Platz von Coburg eingenommen, und Bamberg ist über den Main in Richtung Norden gezogen. Dafür hat sich die Fränkische Schweiz auf den Weg in die umgekehrte Richtung gemacht und liegt nun nicht mehr nördlich, sondern südlich von Nürnberg und Fürth.

Auch diese Karte ist ein Geschenk für den Geographieunterricht in der Schule, und wahrscheinlich kann man mehrere Stunden damit füllen, gemeinsam alle Fehler zu entdecken (“Liegt Magdeburg wirklich nördlicher als Berlin?”).

Das eigentliche Rätsel aber ist, warum die “Bild”-Grafiker nicht einfach vorhandenes Kartenmaterial verwenden anstatt sich immer wieder vergeblich daran zu versuchen, die Geographie Deutschlands zu erraten.

Mit Dank an Matthias B.!

Forget.me, Echo-Medien, Norbert Lammert

1. “Staatsanwaltschaft geht mit Durchsuchungsbeschluss gegen Echo-Medien vor”
(echo-online.de)
Zum ersten Mal “in der fast siebzigjährigen Geschichte der Echo-Zeitungen überhaupt” erhalten die ECHO-Medien in Darmstadt Besuch von der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei. Gefordert wird die Identität hinter einem inzwischen gelöschten Leserkommentar.

2. “Forget.me illustriert, wie nah Datenschutz und Zensur beieinander liegen”
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert stellt Forget.me vor. Die französische Website zeichne sich auch dadurch aus, “dass User nicht wie beim Google-‘Löschservice’ manuell die zu entfernenden Website-URLs liefern müssen. Stattdessen zeigt Forget.me eine Live-Ergebnisliste zur Suche nach dem persönlichen Namen an. Neben jedem Eintrag befindet sich eine prominent platzierte Schaltfläche ‘Forget this’. Wer diese betätigt, muss auf der Folgeseite noch die passende juristische Rechtfertigung auswählen und den Scan eines Dokuments zur Identifizierung hochladen. Fertig.”

3. “Auf einmal”
(umblaetterer.de, Paco)
Paco fragt sich, weshalb der “Freitag” den Jakob-Augstein-Text “Wir töten, was wir lieben” über Frank Schirrmacher offline gestellt hat.

4. “Der digitale Kulturpessimismus des Feuilletons langweilt”
(schulesocialmedia.com, Philippe Wampfler)
“Kulturpessimismus floriert im Feuilleton”, stellt Philippe Wampfler fest: “Über die Gründe kann ich nur spekulieren – es wundert mich immer wieder, warum aus all den Menschen, die zu digitalen Entwicklungen etwas sagen könnten, immer die mit den platten Angst-Thesen Platz erhalten.”

5. “Die scheinheilige Empörung über Schumachers gestohlene Krankenakte”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier reagiert auf die “Warnung vor Veröffentlichung” der entwendeten Krankenakte von Michael Schumacher durch den DJV: “Die Veröffentlichung der Krankenakte wäre gerade deshalb auch so empörend, weil ihr Inhalt wahr wäre. Im Gegensatz zu all dem unzuverlässigen Geraune, mit dem die Medien ihre Schumacher-Berichterstattung füllen.”

6. “Lammerts Lebenshilfe: Überwachung mit Fassung tragen!”
(youtube.com, Video, 1:31 Minuten)
Siehe dazu auch “Arbeitserleichterung für die NSA: Deutscher Bundestag bezieht Internet von US-Anbieter Verizon” (netzpolitik.org, Andre Meister).

Sport Bild, Spiegel Online, Social-Media-Redakteur

1. “Der Social-Media-Redakteur – das überschätzte Wesen?”
(onlinejournalismusblog.com, Stephan Dörner)
Die Frage, “was von den eigenen Inhalten beachtet wird und was nicht”, entgleite den Redaktionen zunehmend, stellt Stephan Dörner fest, weshalb es zunehmend auch gar keine “Blattmacher” benötige. “Auch für Werbekunden erfordert die wachsende Bedeutung von Social Media ein Umdenken: Kann der Werbekunde, der eine Anzeige bei Handelsblatt Online oder dem Wall Street Journal bucht, wirklich noch sicher sein, dass diese vor allem die Zielgruppe erreicht? Vermutlich immer weniger, je größer der Anteil von Lesern wird, der eher zufällig auf der Website landet, weil ein einzelner Artikel – wenn er ein Reizthema behandelt oder das Thema einer gut vernetzten Gruppe – zum Facebook-Hit wird.”

2. “Die substantiellen Probleme von Spiegel Online”
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat befasst sich mit der Online-Strategie von “Spiegel” und “Spiegel Online”: “Die Zwei Klassen-Gesellschaft in der Spiegel Gruppe, also die Printredaktion mit ihren Gesellschafteranteilen (Mitarbeiter-KG) versus Online ohne Anteile am Verlag, bleiben das zentrale Problem.”

3. “Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Für die nicht wissen wie”
(titanic-magazin.de, Stefan Gärtner)
“Sport Bild” lässt Kevin Großkreutz Fragebogen mit witzig gemeinten Antworten ausfüllen (BILDblog berichtete), um ihm diese später ernsthaft vorzuhalten.

4. “Er kann es einfach nicht”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig liest das Buch “Ganz oben ganz unten” von Christian Wulff: “Ich habe inzwischen keinen Zweifel daran, dass Wulff in einer Mischung aus selbst­verschuldetem Unglück und narzisstischem Jagdtrieb einiger wildgewordener Egomanen einem eben auch qualitätsmedialen Blutrausch erlag, in dem sich zu Beginn mehrere Jäger gleichzeitig auf das gleiche Objekt konzentrierten. Zunächst begann ein Wettkampf (‘Bild’, ‘stern’, ‘Spiegel’). Als ‘Bild’ durch die Mailbox-Nachricht praktisch über Nacht ein Faustpfand in der Hand hatten, übernahm ‘Bild’ die Führungsrolle. Willig liessen sich nahezu alle selbsternannten Qualitätsmedien vor den Karren spannen.”

5. “The German war against the link”
(buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch)
Jeff Jarvis kommentiert die Forderung deutscher Verleger an Suchmaschinen, “bis zu elf Prozent der Umsätze, die sie mit Ausschnitten aus Online-Presseerzeugnissen erzielen, an die Zeitungen und Zeitschriften” weiterzureichen: “They are trying to blackmail net companies in hopes of getting some payoff from them.”

6. “Fußballfloskeln wörtlich genommen”
(youtube.com, Video, 5:15 Minuten)
Die Sendung mit der Maus nimmt Fußballreporter mal wörtlich.

Exklusiv, Bloomsday, Tatort

1. “BamS klaut und kämpft für Franz gegen die FIFA-Russenmafia”
(jensweinreich.de)
Jens Weinreich schreibt zur gestrigen Titelgeschichte der “Bild am Sonntag”, “Der FIFA-Boss und die Russen-Mafia”: “Sieht man von einigen falschen Details und aufgeblasenen Formulierungen (‘heißt es aus deutschen Sicherheitskreisen’) ab, die wohl eher nicht stimmen, dann hat BamS im Grunde nur abgeschrieben und in pubertäre Zusammenhänge gebracht, was im Herbst 2008 in diesem Blog ‘exklusiv’ vermeldet wurde.”

2. “‘Bild’ stürzte Wulff mit einer Falschmeldung. Das kümmert aber keinen.”
(stefan-niggemeier.de)
“Ist es nicht bemerkenswert, dass Wulff am Ende durch eine Falschmeldung der ‘Bild’-Zeitung zu Fall gebracht wurde?”, fragt Stefan Niggemeier zum Rücktritt von Christian Wulff am 17. Februar 2012. “Offenbar nicht. Kaum jemand hat darüber berichtet.”

3. “Vernarrt in die Verfehlung”
(zeit.de, Ursula März)
Das RTL-Boulevardmagazin “Exclusiv”, moderiert von Frauke Ludowig: “Die Zeiten, in denen Boulevardfernsehen nichts anderes vorhatte, als erstaunliche oder mondäne Geschichten aus der Starwelt zu erzählen, sind wohl passé. Die Sprache, die in Exclusiv gesprochen wird, erinnert vielmehr an eine Untersuchungskommission, die ihre Arbeit aufnimmt, weil sie einer bösen Vermutung auf den Grund gehen muss.”

4. “Putins Trolle”
(sueddeutsche.de, Julian Hans)
Julian Hans wertet “interne Dokumente und E-Mails leitender Mitarbeiter” einer “Agentur zur Analyse des Internets” mit rund 600 Mitarbeitern in St. Petersburg aus, “die eine Gruppe anonymer Informanten im Internet zugänglich gemacht hat”.

5. “‘Nach Kuh-Schweizer-Deutsch darf es ja dann auch nicht klingen'”
(tagesanzeiger.ch, Simon Knopf)
Urs Fitze, Bereichsleiter Fiktion des Schweizer Fernsehens, nimmt Stellung zur Frage, warum der Schweizer “Tatort” die schlechtesten Quoten einfährt. “Die ARD möchte, dass man das Schweizerische auch in der Synchronfassung hört. Für uns bedeutete dies aber einen Spagat. Nach Kuh-Schweizer-Deutsch darf es ja dann auch nicht klingen. Also müssen wir subtil arbeiten. Die Schauspieler sprechen Hochdeutsch, sagen aber ‘Grüezi’ oder verwenden Helvetismen wie Pneu oder Trottoir.”

6. “Bloomsday 2009”
(youtube.com, Video, 46:44 Minuten)
Ein Zusammenschnitt von Szenen, die am 16. Juni 2009 im deutschen Fernsehen zu sehen waren. Siehe dazu auch “Die Tour kann beginnen: Bloomsday 2014” (fernsehkritik.tv, Fernsehkritiker).

Hackfleischbrötchen, Hillsborough, Christian Wulff

1. “Wulff bleibt Wulff – wie’s singt und lacht”
(ndr.de, Video, 5:09 Minuten)
Boris Rosenkranz besucht die Pressekonferenz (youtube.com, Video, 53 Minuten) zum Buch “Ganz oben, ganz unten” von Christian Wulff und stellt Fragen, unter anderem an “Bild”-Mitarbeiter Peter Thiede.

2. “Itzkovitchs Kanone”
(blog.tagesanzeiger.ch/deadline, Constantin Seibt)
Im Journalismus treffe die “Meritokratie des Handwerks” (Journalisten) auf die “Meritokratie der Effizienz” (Verlage): “Das heisst, dass einige der ehrgeizigsten Werke der Teppichetage – Synergien, Einsparungen, Kooperationen – von den Journalisten als Sabotage begriffen werden. Während die zentrale Schwäche der Journalisten ist, dass sie kein Geschäft machen wollen, sondern diesen Job.”

3. “Journalisten in der DDR: Der willige Propagandist?”
(freiepressevolontaere.wordpress.com, Jürgen Freitag)
Redakteure der “Freien Presse” erinnern sich an ihre Zeit in der DDR. Viola Martin: “Ich musste mal jede Menge Stellungnahmen abgeben, nur weil ich geschrieben hatte, dass es abends in Limbach-Oberfrohna kein Brot mehr gab. Und das stimmte.”

4. “Uberflieger des Journalismus”
(gestern-nacht-im-taxi.de, Sash)
Sascha Bors liest Zeitungsberichte zu Taxi-Apps: “Als Fazit bleibt bei mir hängen, dass die Zeitungen wie immer schon die beiden Apps durcheinanderbringen und sich irgendwie auf ‘das Internet’ als Gegner eingeschossen haben. Ein bisschen komisch, wo die Fahrtvermittlung per App – sei es mit taxi.eu durch die traditionellen Zentralen oder mit z.B. MyTaxi als neuem Anbieter – längst einen großen Raum einnimmt. Aber ‘das Internet’ ist ja auch im Journalismus Schuld an allem Übel, wie sollte es beim Taxigewerbe anders sein?” Siehe dazu auch “Was Taxifahrer und Journalisten verbindet” (carta.info, Wolfgang Michal).

5. “Mit dem Zweiten wirbt man besser”
(kontextwochenzeitung.de, Jürgen Lessat)
Das ZDF zeigt “industrielle Hackfleischbrötchen” im besten Licht: “Die Kamera wechselte zwischen saftigen Fleischfladen und hübschen Testerinnen, schnelle Schnitte führten von blitzenden Grillküchen auf grüne Kuhweiden, alles untermalt mit flotter Chart-Mucke, die nur abebbte, wenn Experte Müller oder eine verführerische Stimme aus dem Off die Ergebnisse in den sieben Testdisziplinen verkündete. Und damit auch der dümmste Zuschauer kapierte, um wessen Buletten es sich zur besten Sendezeit im Zweiten drehte, wurden die größten in Deutschland tätigen Fast-Food-Ketten der Fernsehnation heiß serviert. Während des 45-minütigen Burger-Duells tauchten die beiden Firmenlogos der Grillkonzerne Dutzende Male auf.”

6. “Hillsborough: Postal staff refuse to deliver free Sun copies”
(bbc.com,englisch)
Mitarbeiter der britischen Post weigern sich, eine Sonderbeilage der “Sun” zur Fußball-Weltmeisterschaft auszuliefern, in Erinnerung an die Berichterstattung der Zeitung zur Hillsborough-Katastrophe 1989. “One Royal Mail worker in Skelmersdale said: ‘If they try to make us deliver The Sun on Thursday we will refuse and will be suspended and lose a day’s pay, but we think principles are more important than money.'”

Wulff kritisiert Jagdfieber und fehlende Unschuldsvermutung


Screenshot: Phoenix

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat der “Bild”-Zeitung vorgeworfen, die Unschuldsvermutung zu ignorieren. Am Nachmittag stellte er in Berlin sein Buch “Ganz oben – Ganz unten” vor, das die Vorgänge rund um seinen Rücktritt aus seiner Sicht schildern soll. Dabei wies er unter anderem auf einen Bild.de-Artikel hin, der am Tag seines Freispruchs über ihn formulierte: “seit dem 27. Februar gilt er als unschuldig”. Wulff sagte wörtlich:

Das ist verkehrte Welt. Bisher galt jeder als so lange unschuldig, bis er rechtskräftig verurteilt wurde. Inzwischen wird man aber von der “Bild” angeklagt, verurteilt, und erlebt, wie auch ich, die Vollstreckung des Urteils und dessen positive Kommentierung. Und danach muss dann erst der Freispruch im gerichtlichen Verfahren durchgesetzt werden, um als unschuldig zu gelten? Das bin ich nicht bereit hinzunehmen. Gegen diese Art, die Macht der Medien, der vierten Gewalt, auszuüben, setze ich mich zur Wehr. Auch in meinem Buch, denn die Unschuldsvermutung ist ein Menschenrecht, und das darf niemandem entzogen werden. Das geschieht durch eine solche Berichterstattung, in der sich Medien an die Stelle der Justiz, unter Missachtung der Justiz als einer der drei anderen Gewalten, setzen. (…)

Mein Buch ist kein Angriff auf die Medien. Wir haben in Deutschland einen Qualitäts-Journalismus, auf den wir stolz sein können, der im internationalen Maßstab spektakulär ist. (…)

Es gibt jedoch von Verstößen gegen die Verhältnismäßigkeit bis zur vollständigen Ignoranz der Unschuldsvermutung Auswüchse, die nach meiner Überzeugung diskutiert werden müssen. Ich habe den Eindruck, dass sie auf Störungen in der Machtbalance zwischen Politik, Presse und auch Justiz hinweisen. Mein Fall ist dafür exemplarisch.

Im “Spiegel” las ich, Jagdfieber sei ein konstituierendes Element dieser Demokratie. Ich bin nicht dieser Ansicht. Ich halte das Bild sogar für gefährlich. Wenn es so viele Jäger gibt, wer hat dann überhaupt noch Lust, das gejagte Wild zu werden, sprich: sich auf Politik einzulassen? Wenn es für das Gejagtwerden durch die Presse nicht einmal ein paar allgemein akzeptierte Spielregeln gibt, eine Bereitschaft der Medien, nicht nur an andere hohe Maßstäbe anzulegen, bis hinein in den privatesten Bereich, sondern auch sich selbst von Zeit zu Zeit einige kritische Fragen vorzulegen, sie zumindest zuzulassen, und darüber zu diskutieren, ob sich aus meiner Geschichte nicht doch etwas lernen lässt für die Zukunft. Denn ich bin der Überzeugung, mein Fall, meine Geschichte, darf sich in dieser Weise in diesem Land nicht wiederholen.

Wulff lieferte sich mehrere angespannte Wortwechsel mit Peter Tiede, der für die “Bild”-Zeitung in der Pressekonferenz saß. “Als ich die Griffe der ‘Bild’-Zeitung in die untersten Schubladen erlebte über Monate, da fühlte ich mich ganz unten”, sagte er. Er empfahl dem “Bild”-Mann, mal darüber nachzudenken, für wen er da arbeite. Das Buch sei “vor allem für Sie lesenswert”, sagte er in Richtung “Bild”.

Nachtrag, 18:55 Uhr. In einem frei zugänglichen längeren Auszug aus dem Buch schildert Wulff ausführlich die merkwürdigen Umstände einer entscheidenden vermeintlichen Enthüllung der “Bild”-Zeitung. Er spricht von einer “Manipulation” des Blattes. Die Gründe dafür, dass “Bild” vom Wulff-Freund zum Wulff-Gegner wurde, seien “offenbar in meiner Haltung zum Islam und im persönlichen Ehrgeiz ihres Chefredakteurs zu suchen”, schreibt Wulff.

Nachtrag, 20:15 Uhr. An die Journalisten gerichtet sagte Wulff bei der Pressekonferenz auch:

Unterschätzen Sie Ihre Macht nicht. Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel. Sondern seien Sie sich Ihrer Macht bewusst, denn zu viel Macht der Medien gehört auch viel Verantwortung. Und ich frage, ob Sie als Medien dieser großen Macht, die Sie haben, auch die Verantwortung gegenüberstellen, die Sie damit haben. Und da sagen mir viele Ihre Kolleginnen und Kollegen: Wir selber sind inzwischen erschreckt.

Ich zitiere auch einen Journalisten, einen bekannten, der sagt, er wollte einen Politiker begleiten, um ein Portrait zu machen. Und dann hat der Chef, der die Dienstreise genehmigen sollte, gesagt: Portrait machen? Das machen wir schon lange nicht mehr, aus welchem Jahrhundert sind Sie denn? — Ja, was machen wir denn? — Wir jagen sie.

Wissen Sie, da ist ne Veränderung innerhalb der Mediengesellschaft, mit immer weniger Leuten und unter immer größerem zeitlichen Druck, die immer schnellere Klicks findende, im Internet findende Schlagzeile. Und diese Problematik, die muss diskutiert werden. Weil: Die macht auch den Menschen Angst, wenn sie sagen, ist denn das alles seriös recherchiert, ist das denn alles überprüft, stimmt das denn alles? Natürlich haben Sie auch ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil Sie quasi Dinge an die Wand gemalt haben, und am Ende neutrale Gerichte nach unendlich viel Verhandlungstagen mit unendlich viel Zeugen ganz klar erklärt haben: Es war nichts dran. Und das, finde ich, muss diskutiert werden. Wer sich der Diskussion entzieht, wird sich nicht wundern dürfen über abnehmendes Interesse auch an seriösen Qualitätsmedien. Ich glaube, diese Fragen kann Ihnen niemand ersparen.

Aus dem Archiv:

Happy Birthday, BILDblog!

Tadaa!

Da sind Sie überrascht, was? Wir dachten uns, jetzt, wo wir doch zehn Jahre alt werden — und zwar heute auf den Tag genau –, gönnen wir uns mal ein neues Outfit.

Ein bisschen größer, ein bisschen luftiger, statt gelb jetzt rot, mit neuen Schriftarten, neuen Buttons, neuen … Sie sehen es ja selbst. Schauen Sie sich gerne überall um — wir hoffen, Ihnen gefällt’s! Hier und da ruckelt es vielleicht noch ein wenig, aber wir arbeiten fleißig daran. Wenn Ihnen irgendwas auffällt, das merkwürdig aussieht oder nicht funktioniert, schreiben Sie uns doch bitte eine kurze Mail an [email protected].

Übrigens können Sie uns jetzt auch per Mail abonnieren. Einfach hier Ihre Adresse eintragen, dann werden Sie automatisch benachrichtigt, wenn es einen neuen Eintrag gibt.

Und keine Sorge: Innerlich bleiben wir ganz die alten. Das “für alle” ist zwar wieder aus dem Namen verschwunden, aber wir kümmern uns natürlich auch weiterhin “um alle”. Wir können ja nicht tatenlos zusehen, bei so vielen merkwürdigen und schlimmen Dingen, die täglich im deutschen Journalismus passieren, und zwar überall, nicht nur bei “Bild”.

Aber: vor allem bei “Bild”. Vor zehn Jahren genauso wie heute. Darum auch weiterhin — und mit Betonung: BILDblog.

Dass es farblich wieder (bzw. wieder) zurück zu den BILDblog-Wurzeln geht, passt auch insofern ganz gut, als wir — dem ein oder anderen ist es vielleicht im Impressum aufgefallen — nach vier tollen Jahren im Ruhrpott wieder zurück nach Berlin gezogen sind. Und Mats, der neue Chef, also ich freue mich wahnsinnig darauf, mit Ihnen und Euch ins nächste BILDblog-Jahrzehnt zu starten.

Und weil wir Geburtstag haben, gibt’s heute auch ein Geschenk. Für Sie!

Hiermit präsentieren wir Ihnen voller Stolz und nahezu weltexklusiv: BILDblog, der Film.

Viel Spaß dabei!

PS: BILDblog wird auch in Zukunft kostenlos bleiben. Dafür brauchen wir aber Ihre finanzielle Unterstützung.

Viralplattformen, Stuttgart21, Glenn Greenwald

1. “Heftig.co & Urheberrecht – Ein erfolgreiches, aber riskantes Geschäftsmodell”
(rechtzweinull.de, Carsten Ulbricht)
Ein Blick auf das Geschäftsmodell von Viralplattformen aus urheberrechtlicher Sicht: “Die schlichte Übernahme fremder (übersetzter) Texte, Bilder und Videos stellt sich ohne entsprechende Zustimmung des Rechteinhabers nach deutschem Recht in aller Regel als Urheberrechtsverletzung dar. Der Rechteinhaber kann im Wege der Abmahnung oder Klage Unterlassungs-, Kostenerstattungs- und Schadenersatzansprüche gegen die Betreiberfirma (bzw. in vielen Fällen auch gegen die Geschäftsführer persönlich) geltend machen.”

2. “Die Klickdiebe”
(journalist.de, Jakob Schulz)
Auch Jakob Schulz widmet sich dem Erfolg von Boulevardportalen, die auf virale Inhalte setzen: “Die Macher setzen auf die Gelangweilten dieser Welt, die sich über leicht zu konsumierende Inhalte freuen.”

3. “Fakten, Fakten, Fakten und glatte Lügen”
(kontextwochenzeitung.de)
Focus.de behauptet in einer “Leserdebatte” zu Stuttgart21 zunächst: “Die Gegner trieben die Kosten von 2,4 Milliarden Euro auf 6,5 Milliarden Euro.”

4. “American Empire – Glenn Greenwald – Jung & Naiv: Episode 168”
(youtube.com, Video, 47:37 Minuten, englisch)
Tilo Jung befragt Glenn Greenwald am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Siehe dazu auch das Transkript der Folge (netzpolitik.org).

5. “Mit unserer Anleitung basteln Sie sich in fünf Minuten ein Drehbuch, das es mit jedem Sonntagabendfilm auf SRF aufnehmen kann”
(watson.ch, Simone Meier und Patrick Toggweiler)
Ein Plotgenerator für den Sonntagabendfilm im Schweizer Fernsehen.

6. “Erspart dir den Klick”
(twitter.com/Erspartdenklick)

Wladimir Putin, Tilo Jung, Saved You A Click

1. “Die Putin-Show”
(nzz.ch, Ulrich M. Schmid)
Die Dramaturgie der Ukraine-Krise habe das russische Fernsehen wie eine Fernsehserie inszeniert, schreibt Ulrich M. Schmid: “Die erste Staffel begann mit einem inszenierten Blick hinter die Kulissen der Macht: Putin liess sich vom Föderationsrat die Ermächtigung zum Einsatz der Armee ausserhalb von Russland geben. (…) Anschliessend wechselte das Genre vom Politdrama zur Science-Fiction. Aus dem Nichts tauchten ‘grüne Männchen’ auf der Krim auf. Wie bei Eindringlingen vom Mars wusste man zunächst nicht, ob sie gefährlich sind oder ob man ihnen vertrauen kann. Dieses sorgfältig aufgebaute Spannungsmoment wurde im Zeitraffer aufgelöst: Innerhalb von wenigen Tagen kam es in einer Serie von Paukenschlägen zum Referendum, zur Unabhängigkeitserklärung und zum Anschluss an Russland.”

2. “Kommentar zu ‘Macht Google jetzt das Internet kaputt?'”
(sistrix.de, Hanns Kronenberg)
Hanns Kronenberg befasst sich mit dem Artikel “Macht Google jetzt das Internet kaputt?” auf Welt.de.

3. “Warum ich die Krautreporter unterstütze”
(perlentaucher.de, Thierry Chervel)
Thierry Chervel unterstützt Krautreporter.de: “Das offene Netz ist heute der einzige denkbare Ort einer breiten Öffentlichkeit. Hauptimpulse dafür sollten nicht von überkommenen Akteuren oder der Politik – sondern von den Bürgern selbst kommen.”

4. “Ein Typ zum Kuscheln”
(faz.net, Mareike Nieberding)
Mareike Nieberding porträtiert Tilo Jung, den Macher von “Jung & Naiv”: “Joiz bewirbt Jungs Format mit der Zeile, Jung stelle ‘die Fragen, die sich sonst keiner zu stellen traut’. Vielleicht stellt sie aber auch einfach kein anderer Journalist, weil Politikberichterstattung von Entwicklung lebt und nicht davon, immer wieder von vorne anzufangen. Und weil es im Journalismus nicht nur darum geht, komplexe Fragen zu erklären; sondern auch darum, die Intelligenz der Zuschauer nicht zu beleidigen.”

5. “Heftig.co-Gründer: ‘Wir klauen nicht'”
(wiwo.de, Michael Kroker und Peter Steinkirchner)
“Wir betreiben keinen Journalismus”, erklären Michael Glöß und Peter Schilling von Heftig.co. Zielgruppe des Portals seien “weibliche Nutzer eher jüngeren Alters, die bisher kaum Medien konsumieren”: “Das sind, salopp gesagt, Frauen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren, die eigentlich nicht medienaffin sind.”

6. “Saved You A Click”
(twitter.com/savedyouaclick, englisch)
“Don’t click on that. I already did.”

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