1. “Freispruch für Karl Dall” (nzz.ch, Brigitte Hürlimann) Karl Dall wird vor dem Bezirksgericht Zürich vom Vorwurf der Vergewaltigung und der versuchten Nötigung freigesprochen: “Marc Engler, der Verteidiger des 73-jährigen Komikers, listet vor dem Bezirksgericht Zürich die Parallelen im Vorgehen der Frau auf: Sie nutzt ihre Stellung als Journalistin, um mit prominenten Männern in Kontakt zu kommen. Das anfänglich berufliche Interesse wechselt rasch in ein privates, erotisches über, wobei die Avancen von ihr ausgehen. Entwickelt sich die Beziehung mit dem Prominenten nicht so, wie sie es sich wünscht, fangen Bedrohungen und Belästigungen an, die sie auch auf die Familie der Männer ausdehnt. (…) Sogar Staatsanwalt Edwin Lüscher räumt ein, es sei nicht klar, was in jener Nacht in jenem Zürcher Hotelzimmer geschehen sei. Die Schilderungen der beiden Beteiligten stünden sich diametral gegenüber, es bestehe eine eigentliche Pattsituation, und er beneide das Gericht nicht darum, diesen Fall entscheiden zu müssen.”
2. “Spiegel vs. Online: Das Erwachen der Macht” (gutjahr.biz)
Richard Gutjahr rekapituliert seine Erfahrungen mit verschiedenen Redaktionen: “Jedes Haus besitzt kreative Köpfe. Visionäre, Querdenker, Rock’n Roll. Aber selten sitzen diese Leute in den Positionen, in denen sie eigentlich sitzen müssten. Dort sitzen die kleinen Fürsten, die Karrieristen, mit ihren lieb gewonnenen Privilegien – das eigentliche Problem.”
3. “TV-Leute veralbern den Islamischen Staat” (nzz.ch, Cigdem Akyol)
Cigdem Akyol stellt die Comedy-Serie “Dawlat al-Khurafa” (Staat der Mythen) vor: “Produziert wurde die Comedy in Bagdad; das irakische Staatsfernsehen al-Iraqiya TV strahlte sie im September aus. Alle Folgen sind auf Youtube auf Irakisch-Arabisch abrufbar, leider ohne englische oder hocharabische Untertitel. Aus Furcht vor Fundamentalisten wollten einige Akteure nicht im Abspann erwähnt werden.”
4. “Ist halt so, ist die Wahrheit!” (faz.net, Anna Prizkau)
Anna Prizkau schaut sich YouTube-Videos an, die “Kopf- bis Bauchschmerzen machen, wenn man sie anschaut”. Und hört Jürgen Elsässer zu, dessen Parolen sie als “böse und schlimm” bewertet: “Doch das Allerschlimmste ist es, mitanzusehen, wie die Menschen auf ihn reagieren. ‘Ami, go home!’, sagt Elsässer unaufgeregt in ein Mikrofon, nachdem er über Amerika – das Lieblingshassthema auf Montagsveranstaltungen – gesprochen hat. Eine berauschte Menge schreit es ihm darauf nach. ‘Ami, go home!’ Immer und immer wieder.”
1. “‘Unfassbar, was der Kerl sich erlaubt'” (zeit.de, Henning Sussebach)
Fußballer Per Mertesacker und Reporter Boris Büchler unterhalten sich über ihr Gespräch nach dem WM-Spiel Deutschland gegen Algerien. Büchler: “Das werfe ich euch Medienjournalisten von den überregionalen Zeitungen ja immer vor: das Verwissenschaftlichen und Bemäkeln dieser 90 Sekunden! Natürlich gibt es unten am Spielfeldrand nur einen begrenzten Fragenkanon! Ich kann direkt nach dem Abpfiff – schon aus Achtung vor dem Athleten – doch keine Fragen stellen, für die ich später vielleicht einen Poetenpreis bekomme. Einige Kritiker in ihren Büros machen es sich da sehr einfach: mokieren sich immer über unsere vermeintlich sinnentleerten Fragen. Aber wenn eure Blätter alle paar Jahre – immer, wenn EM oder WM ist – mal ein paar Kollegen schicken, fragen viele gar nicht, sondern halten nur still ihre Tonbandgeräte mit rein.”
4. “Die rührende Hilflosigkeit der Holzwirtschaft” (zeit.de, Jochen Hörisch)
Germanist und Medienwissenschaftler Jochen Hörisch schreibt über den Medienwandel: “Jeder, der nicht über exquisite Verdrängungsleistungen verfügt, kann seit Langem wissen, dass die Internet-Revolution die klassischen Printmedien unumkehrbar marginalisiert. (…) Gedruckte Zeitungen werden wieder das, was sie in ihrer Frühzeit einmal waren – ‘hinkende Boten’, langsame Reflexionsmedien. Der schnell reitende Bote kam mit der Siegesnachricht, der hinkende Bote machte darauf aufmerksam, dass man noch mehr Siege nicht verkraften könne.”
5. “Morgen fangen sie an” (faz.net, Harald Staun)
Harald Staun stellt neue deutsche TV-Serien vor: “Ein gutes Dutzend neuer Serien ist in Planung – und kaum eine von ihnen kommt ohne den Hinweis auf die Inspiration durch internationale Standards aus.”
6. “5 Thesen zum Misstrauen in die Medien” (tageswoche.ch, Thom Nagy und Matthias Oppliger)
Thom Nagy und Matthias Oppliger stellen fünf Thesen zum Misstrauen in die Medien zur Diskussion.
1. “Die große Syrien-Schlamperei” (taz.de, Idrees Ahmad)
Die Berichterstattung aus Syrien: “Von Anfang an hat Damaskus versucht, die Kontrolle über die Berichterstattung zu behalten, indem es die Arbeit für ausländische Journalisten lebensgefährlich machte – außer sie waren ‘eingebettet’. Einige wenige gefährdeten dennoch ihr Leben, andere nutzten Skype, Youtube oder Twitter, um Material für Berichte zu sammeln. Wieder andere ignorierten die besonderen Umstände und hielten sich an orts- und zeitunabhängige Ideologien. Je weniger Journalisten nach Syrien reisten, desto stärker dominierten die Klischees die westliche Berichterstattung.” Siehe dazu auch “Kurt Pelda erhält Menschenrechtspreis und kritisiert die Medien” (srf.ch).
2. “Nenn mich nicht Mob – Der Umgang von Journalisten mit Inhalten aus sozialen Netzwerken” (socialmediawatchblog.org, Eve)
Eve sieht die Haltung, “dass was öffentlich gepostet wurde, auch bedenkenlos weiterveröffentlicht werden kann”, kritisch: “Ein Tweet, der im Kontext einer Timeline als spontane Äußerung an eine bestimmte Zielgruppe gepostet wird, von der ein gewisses Vorwissen und oft auch ein Konsens erwartet werden kann, wird durch unbedachte Veröffentlichung im völlig anderen Kontext eines Nachrichtenmediums plötzlich zur fixierten kontroversen Position.”
3. “‘Wir wurden gleich mit der Propaganda-Keule begrüßt'” (heise.de/tp, Harald Neuber)
Harald Neuber spricht mit dem Chefredakteur von “RT deutsch”, Iwan Rodionow: “Diejenigen, die sich informieren möchten, wie die Medien in Russland geknebelt, gesteuert und unterdrückt werden, die können sich durchaus bei der BILD, bei der Tagesschau, beim Spiegel oder bei der FAZ bedienen. Vielleicht wären sie etwas enttäuscht, wenn sie auf RT Deutsch klickten und dort auch auf solch plumpe Behauptungen träfen.”
4. “Informiert oder propagandiert?” (weblog.medienwissenschaft.de, s2mmhoff)
Ein Resümee einiger zum Start von “RT deutsch” publizierter Artikel: “Es ist also festzuhalten, dass RT Deutsch durchaus berechtigt ist, Kritik am Westen auszuüben, aber nach genauerer Betrachtung zeigt sich, dass RT Deutsch nicht objektiv arbeitet. Renommierte Journalisten belegen dies. Es kommt nicht zur Abwägung. Gegenpositionen kommen nicht zum Zug oder werden vollkommen verdreht. In ihren Methoden lassen sich klar propagandistische Absichten erkennen.”
Die Filmemacher und DFB-Verantwortlichen müssen sehr stolz auf dieses Zitat sein, denn es eröffnet nicht nur den Trailer und war Inspiration für den Titel, sondern wurde gar zur „Leitidee“ des ganzen Projekts erklärt. In einer Pressemitteilung schrieb der DFB vor einigen Wochen:
Der Film […] stellt den besonderen Teamgedanken als entscheidend für den vierten Titelgewinn heraus. “Brasilien hat Neymar. Argentinien hat Messi. Portugal hat Ronaldo. Deutschland hat eine Mannschaft!” Dieses Motto, ein Twitter-Beitrag des englischen Kapitäns Steven Gerrard nach dem 7:1-Triumph des DFB-Teams im Halbfinale gegen Brasilien, ist die Leitidee.
Doof nur: Das Zitat stammt gar nicht von Steven Gerrard.
Der „Twitter-Beitrag“, auf den sich der DFB bezieht, sieht so aus:
Da steht zwar „Steven Gerrard“, und das Foto zeigt ihn auch, doch hinter dem Account steckt nicht Gerrard selbst, sondern ein Fan. Das erkennt man zum Beispiel daran, dass über Gerrard in der dritten Person getwittert wird, oder auch am fehlenden blauen Haken (Sportler dieser Größenordnung haben in der Regel verifizierte Accounts, wie man schön an dieser Liste sieht), vor allem aber an der Profilbeschreibung, in der es heißt:
Your mouth-piece centre for #LFC transfers news and rumours #DareToGerrard #TeamGerrard
Als Website wird im Profil außerdem eine Steven-Gerrard-Fanseite verlinkt.
Kurzum: Eigentlich hätte auch der DFB darauf kommen können, dass das ach so schöne Zitat nicht vom damaligen Kapitän der Engländer stammt, sondern von irgendwem.
Und die Medien genauso. Aber die sind auch drauf reingefallen, schon damals, als der Tweet um die Welt ging. Und zwar durch die Bank. So erschien das angebliche Gerrard-Zitat unter anderem in der „Bild“-Zeitung, in der „Berliner Zeitung“, in der „Süddeutschen Zeitung“, in der „Welt“, im „Stern“, im „Focus“, im „Tagesspiegel“, in der „Badischen Zeitung“, der „Saarbrücker Zeitung“, der „Kölnischen Rundschau“, der „Rheinischen Post“, den „Aachener Nachrichten“, dem „Darmstädter Echo“, der „Westdeutschen Zeitung“, dem „Bonner General-Anzeiger“, auf den Webseiten des „Handelsblatts“, der „Berliner Morgenpost“, der „Sport Bild“, der „Augsburger Allgemeinen“, der “Sportschau”, der „Hamburger Morgenpost“, bei Web.de, T-Online, der AFP, dem SID und bei vielen, vielen mehr.
Aber vielleicht als kleiner Trost, damit wir die fußballpatriotische Ein-Hoch-auf-uns-Stimmung jetzt nicht völlig zerschießen: Es gibt noch ein anderes Zitat, nämlich vom damaligen Trainer der Brasilianer, der nach der 1:7-Niederlage gegen Deutschland sagte:
We tried to do what we could, we did our best – but we came up against a great German team.
Das knallt zwar nicht so schön, ist aber wenigstens kein Fake.
*Korrektur/Nachtrag, 13. November: Das falsche Gerrard-Zitat taucht nur im Trailer auf, nicht im Film selbst, wie wir zunächst geschrieben hatten. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
Inzwischen haben wir auch den Verfasser des Tweets erreicht und ihm ein paar Fragen gestellt:
Hallo @iSteven8Gerrard, nur der Vollständigkeit halber: Bist Du der echte Steven Gerrard?
Nein, ich bin nicht der echte Steven Gerrard.
Du hast ja mitbekommen, dass Dein Tweet (“Deutschland hat eine Mannschaft!“) ganz schön die Runde macht. Stammt das Zitat denn von Dir oder vom echten Gerrard?
Das Zitat ist von mir. Während der Weltmeisterschaft haben meine Freunde ich darüber gesprochen, dass sich die Deutschen so gut schlagen, weil sie im Gegensatz zu Brasilien oder Argentinien als Mannschaft spielen. Dann bin ich auf Twitter gegangen, und das waren die Sätze, die mir in den Kopf kamen.
Wie heißt Du denn wirklich und worum geht’s bei Deinem Twitter-Projekt?
Mein echter Name ist Seumas Beathan. Der Twitter-Account hat als normale Fanseite [über Gerrard und den FC Liverpool] begonnen, und zurzeit arbeite ich noch an einer Website für Liverpool-Fans.
Seit Juli hat dein Tweet über 35.000 Retweets bekommen. Ist das Dein erfolgreichster Tweet?
Ich hatte ein paar, die über 1.000-mal retweeted wurden, aber dieser ist mit Abstand der erfolgreichste.
Jetzt taucht er sogar im Trailer zum offiziellen DFB-WM-Film auf und wurde zur „Leitidee“ des Projekts erklärt — ist das der krönende Moment?
Nun, ja und nein. Ja, weil es natürlich unglaublich ist, meinen Tweet im Trailer zu sehen, aber auch nein, weil ich keine Anerkennung dafür bekommen habe. Außer ein paar Journalisten und deutschen Fans hat niemand gemerkt, dass der Tweet in Wirklichkeit gar nicht von Steven Gerrard kam.
Aber hast Du denn nicht manchmal ein schlechtes Gewissen, Dich als Steven Gerrard auszugeben? Oder besser: Wenn so viele Leute glauben, Du seist er?
Ich gebe mich nicht wirklich als er aus. Offensichtlich gibt es einige Leute, die mich fälschlicherweise für den echten Gerrard halten, aber der Großteil meiner Follower ist sich bewusst, dass es ein Fan-Account ist. Und ich versuche so gut wie möglich, die Leute zu korrigieren und darauf hinzuweisen, dass es nur eine Fanseite ist.
Hat Dich jemals irgendein deutscher Journalist oder Fußball-/Film-Mensch kontaktiert, um zu überprüfen, ob Du der echte Gerrard bist?
Nein, und das enttäuscht mich. Der DFB hat mein Zitat ohne Erlaubnis benutzt, darüber bin ich ziemlich unglücklich.
Hast Du überlegt, Dir einen Anwalt zu nehmen?
Nein, das möchte ich nicht. Mir missfällt auch nicht unbedingt die Tatsache, dass der Tweet benutzt wurde, sondern dass sie mich nicht kontaktiert und es nicht geschafft haben, mich korrekt zu zitieren.
Hast Du den echten Gerrard eigentlich jemals getroffen?
Nein, leider noch nicht. Aber ich hoffe, dass ich das eines Tages werde.
1. “Nestbeschmutzung: Das bequeme Märchen vom aufrechten Magazinjournalismus” (wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi geht auf Entlassungen von festen Textredakteuren bei der “Brigitte” ein und erklärt den Unterschied zwischen Journalisten und Textern: “Der Journalist steht für eine Sache, manchmal sogar für eine Geisteshaltung. Er verkauft auch seine Sprache, seine ganz bestimmte Art, Themen aufzuarbeiten. Wer ihn anheuert, will ihn haben – keinen anderen. Er ist nicht beliebig, nicht austauschbar, auch weil er Netzwerke, Erfahrung und Insiderwissen mitbringt. Der Texter füllt einen Textkasten zu einem Thema. Locker, lesbar, verständlich, auf Zeile genau. Er kann Kinokritiken ebenso schreiben wie Starklatsch und einen Abriss über die Geschichte der Badewanne. Im Idealfall hat er KEINE eigene Sprache, weil das in einem generischen Umfeld auffallen würde. Er ist nicht gut, weil er aufdeckt oder entlarvt, sondern weil er pünktlich und verlässlich liefert.”
2. “Von Putinverstehern und Journalistenverstehern” (stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier beschäftigt sich mit den Reaktionen von Journalisten etablierter Medien auf den Verlust von Vertrauen durch das Publikum. “Ich glaube nicht, dass viele deutsche Journalisten in irgendeinem engeren oder weiteren Sinne gekauft sind. Ich glaube aber, dass sie nicht unvoreingenommen sind.”
3. “Wie der Protektionismus der Verlage Googles Marktposition stärkt” (presseschauer.de, Daniel Schultz)
Mit dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger haben die Verlage “die Vormachtstellung von Google nicht nur gefördert, sondern zementiert”, findet Daniel Schultz – “zu Lasten kleinerer Wettbewerber und damit zu Lasten der Allgemeinheit”. “Es bleibt zu prüfen, ob die in der VG Media organisierten Verlage mit diesen exklusiven ‘Gratislizenzen’ ihr Monopolrecht als wettbewerbsfeindliches Kartell missbrauchen.”
4. “Verfahren gegen Dieter Nuhr eingestellt” (ndr.de, Stefan Schölermann)
Die Staatsanwaltschaft Osnabrück stellt das Ermittlungsverfahren gegen Dieter Nuhr wegen des Verdachts auf Islambeleidigung ein. “Zur Begründung hieß es, für die Erfüllung des Volksverhetzungsparagrafen fehle es in den Werken von Nuhr an der ‘fremdenfeindlichen Gesinnung’. Auch das Kriterium der Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft sei nicht erfüllt, da es sich erkennbar um Satire handle.”
1. “In der DDR gab es keinen echten Journalismus” (thueringer-allgemeine.de, Hanno Müller)
Hanno Müller erinnert an den Journalismus in der DDR: “In der DDR gibt es 1989 zwei Fernsehprogramme, fünf Radiostationen und die zentral gelenkte Nachrichtenagentur ADN. Dazu eine überregionale und 15 regionale SED-Zeitungen sowie 18 Zeitungen der sogenannten Blockparteien. Unabhängige Medien – Fehlanzeige. Journalisten sind Teil des Systems.”
2. “Traktat über einen Mann, den es so gar nicht gibt” (ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Die Berichterstattung über Wladimir Putin: “Er gebiert Meldungen, die dem Konsumenten ein Bild vermitteln, das nicht über wirkliche Geschehnisse aufklärt, sondern etwaige Vorurteile nur bestätigt. Der beschriebene Putin ist eine Konstruktion, die nicht mit Ergebnisoffenheit recherchiert wird, sondern nach verplanten Attributen. Er ist so voller einseitiger Boshaftgkeit, Durchtriebenheit und Heimtücke, dass er nur als Personifikation verstanden werden kann.”
3. “Unter Druck” (zeit.de, Charlotte Parnack)
Peter Noßeks “Harburger Blatt”: “Noßek, 55 Jahre alt, ist Erfinder des Harburger Blatts und dessen Herausgeber. Er ist weiterhin: Chefredakteur, Chefreporter, Artdirector, Fotograf, Anzeigenleiter, Vertriebschef, Buchhalter, Sekretär, Zeitungsbote. (…) Alle zwei Wochen bringt er acht Seiten Lokalnachrichten heraus. Acht Seiten Print. Nur Print.”
4. “Wie TV TOTAL arglose Jugendliche vorführt” (youtube.com, Video, 6:53 Minuten)
Welche Rechte sich die TV-Produktionsfirma Brainpool von Jugendlichen einräumen lässt, die gemäß einer einzelnen Aussage im Glauben gelassen wurden, sie nähmen an einem Casting teil.
6. “‘Wir verschießen ständig Potenzial'” (krautreporter.de, Theresa Bäuerlein)
Ein Interview mit einer 32-Jährigen, die während einigen Jahren als Prostituierte in Berlin gearbeitet hat.
2. “‘Der Untergang der deutschen Zeitschriftenkultur’ – Thomas Koch über die Entlassungen bei G+J” (meedia.de, Stefan Winterbauer)
Der Verlag Gruner + Jahr trennt sich von allen festen Textredakteuren der Zeitschrift “Brigitte”. Thomas Koch schreibt dazu: “Die Kultur einer Zeitschrift – das was sie von allen anderen unterscheidet – macht die Redaktion. Das können nur engagierte, langjährig angestellte Journalisten, die tagein nachtaus für ‘ihre’ Brigitte leben. Das können externe, freie Schreiber, die am nächsten Tag für die Für Sie schreiben, definitiv nicht. Traurig genug, dass man den Verlagen das heutzutage wie einem Kleinkind erklären muss.”
3. “Die Entschleunigung des Hauptstadtjournalismus” (de.ejo-online.eu, Nicolas Miehlke)
Nicolas Miehlke befragt Korrespondenten und Büroleiter in Berlin: “Trotz mancher Exzesse (wie die Berichte, dass Wulff sich für ein Bobbycar erkenntlich gezeigt haben soll) will auch in der Wulff-Affäre kaum einer der Befragten der Medienmacht ein zu großes Gewicht beimessen, wobei natürlich zu bedenken ist, dass es sich um Selbstauskünfte von Journalisten und damit tendenziell auch um sozial erwünschte Antworten bezüglich ihres Rollenbildes handelt.”
5. “Eine neue Ära von Journalismus auf Facebook?” (socialmediawatchblog.org, Martin)
Martin Giesler glaubt eine “neue Ära von Journalismus auf Facebook” zu erkennen: “Journalismus könnte bald vollumfänglich auf Facebook selbst stattfinden.”
1. “Warum Journalismus der beste Job der Welt ist” (derstandard.at, Fritz Dittlbacher)
ORF-Chefredakteur Fritz Dittlbacher hält Journalismus für unverzichtbar: “Eine große, komplexe, demokratisch verfasste soziale Einheit kann ohne professionellen Journalismus nicht bestehen. Die von fachlich gut ausgebildeten und moralisch und ethisch gefestigten Menschen kuratierte Information ist ein ebensolches Grundbedürfnis einer Gesellschaft wie sauberes Wasser, Gesundheitsvorsorge, Sicherheit oder Bildung.”
2. “Wie die 1. Ukrainische Teilung ihren Weg in die Medien fand” (wiesaussieht.de, Frank Lübberding)
Die Bewertung und Einordnung von Informationen werde von Medien kaum noch ausgeübt, schreibt Frank Lübberding anlässlich von Beispielen, wo Informationen lediglich weitergetragen wurden. Wenn man wisse, wie das heutige Mediensystem funktioniere, sei das leicht auszunützen.
3. “‘Wir leben in einer Welt der Totalüberwachung'” (tagesanzeiger.ch, Mathias Morgenthaler)
Sascha Lobo erinnert an die Überwachung: “Ob wir unser Smartphone nutzen, Mails verschicken, Bahn fahren oder mit dem Auto unterwegs sind – all das wird registriert, und wir haben keine Ahnung, wer diese Daten wozu verwendet.”
5. “Was machen wir hier?” (wasmachendieda.de)
Isabel Bogdan und Maximilian Buddenbohm erklären ihr Interviewprojekt “Was machen die da?”: “Einer unserer Interviewpartner hat mal gefragt, ob wir ihn dafür bezahlen, dass er bei uns mitmacht. Ein anderer fragte vorsichtig, ob er uns dafür bezahlen müsse. Beides ist nicht der Fall, hiermit verdient niemand Geld.”
1. “Zur rechtlichen Zulässigkeit satirischer Berichterstattung aus dem Bundestag” (telemedicus.info, Jonas Kahl)
Eine rechtliche Einschätzung der Nicht-Akkreditierung der “heute-show” im Bundestag: “Beim Betrachter bleibt der Eindruck zurück, dass formale Gründe konstruiert wurden, um unerwünschte Satire zu unterbinden. Zu behaupten, es habe bei der Versagung kein Ermessensspielraum bestanden, ist bei einem grundsätzlich derart weit definierbaren Begriff, wie ‘politisch-parlamentarischer Berichterstattung’ geradezu absurd.”
2. “Proteste gegen Drehverbot” (taz.de)
Inzwischen gibt es Proteste und Petitionen gegen nicht nicht erteilte Drehgenehmigung: “Dem Bundestag gehe es nicht um eine inhaltliche Einflussnahme, sagte der Sprecher. Auch künftig werde man Anträge der ‘heute show’ einzeln und sorgfältig prüfen, wie in jedem anderem Fall auch. Das ZDF teilte mit, die Satiresendung werde auch weiterhin versuchen, Drehgenehmigungen für den Bundestag zu erhalten.”
3. “Das nervt an Journalisten” (blog.tagesanzeiger.ch/offtherecord, Christian Lüscher)
Christian Lüscher zählt 16 Punkte auf, die ihn an Journalisten nerven: “Eine Unsitte der Journalistenzunft ist es, sich gegenseitig nicht wehzutun. Man klopft sich lieber auf die Schultern, als dass man Kritik übt. Und wenn, dann drischt man gerne auf jene ein, die schon am Boden liegen.”
4. “Wirbel um Falschmeldung: Dieser Mann soll Banksy sein” (berliner-zeitung.de, Corinne Plaga)
Die Identität des Künstlers Banksy soll enthüllt worden sein. “Die Nachricht über die wahre Identität von Banksy machte schon öfters die Runde und erwies sich jedesmal als klassischer ‘Hoax’, also als scherzhafte Falschmeldung.”
1. “Es ist ein Kampf. Sagt Herr Allenstein.” (tagesspiegel.de, Lucas Vogelsang)
Zu Besuch in einem Kiosk in Berlin-Mitte: “Früher, sagt Frau Allenstein, haben sie fünfzehn ‘Spiegel’ verkauft. Heute werden sie in einer Woche noch zwei los. Vielleicht auch mal fünf. Kommt auf den Titel an.”
2. “Deo? Gratias!” (stefanolix.wordpress.com)
Das “Canaletto-Gespräch” in den Dresdner Neuesten Nachrichten: “Wie stark dürfen sich die Tätigkeiten Journalismus und PR miteinander verbinden? Und: Wie unabhängig kann eine Lokalredaktion über Interviewpartner eines solchen Gesprächs berichten, wenn mit dem Unternehmen mal etwas schiefgeht?”
3. “‘Wir versuchen so objektiv wie möglich zu berichten'” (medienpolitik.net)
“Die Zuschauer hören und sehen genau hin und sie teilen uns oft sehr unverblümt mit, womit sie nicht einverstanden sind”, stellt ZDF-Chefredakteur Peter Frey fest: “Dabei werden wir in Einzelfällen auch darauf aufmerksam gemacht, dass die Berichterstattung nicht hundertprozentig exakt war. Wir hatten zum Beispiel ein Problem mit der Übersetzung eines O-Tones, wo der Korrespondent eine Passage übernommen hatte, die nicht so übersetzt wurde, wie sie im Russischen gesagt worden war. Es stellte sich heraus, dass das, was übersetzt wurde, im Interview vorkam, aber nicht an der Stelle, die dann im Programm zu hören war.”