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Tangstgefühle, Foxconn, The Local

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Unglaublich: Journalismus a la ‘Bild am Sonntag'”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Thomas Lückerath beobachtet eine Unterhaltung zwischen Pro7-Sprecher Christoph Körfer und einem Mitarbeiter von “Bild am Sonntag”: “Er wurde von Körfer darauf hingewiesen, dass der Artikel vom vergangenen Wochenende von vorne bis hinten falsch sei. Die Reaktion des Journalisten: ‘Ist mir egal’. Die Ankündigung des ProSieben-Sprechers, man werde Gegendarstellungen zu dem Bericht verlangen, quittierte der ‘BamS’-Vertreter mit einem gleichgültigen Achselzucken und lief weiter.”

2. “Der Tod steht ihnen gut”
(cicero.de, Christian Kortmann)
Christian Kortmann beschreibt die Vermeldung von verstorbenen Prominenten in Online-Portalen. “Steht die Eilmeldung vom Tod eines Prominenten auf der Seite eines Nachrichtenportals, stellt in der Regel auch die nächste Website eine Meldung online. Das wiederum beobachtet das erste Portal, sieht sich in seiner Einschätzung der Nachrichtenlage bestätigt und zieht mit einem neuen, ausführlicheren Artikel zum Thema nach.”

3. “Grundformen der Tangst”
(wissenslogs.de, Anatol Stefanowitsch)
Anatol Stefanowitsch spürt in einem langen, lesenswerten Beitrag einer von den Medien hundertfach verbreiteten Pressemeldung nach, in der es um “Krankheitsbilder” wie “Textaphrenie, post-textisches Stresssyndrom, ‘Tangst’gefühle (aus Text und Angst) und Koma-Texten” geht. Dazu: “The Science News Cycle” (aus den Kommentaren).

4. “Foxconn mutiert zum Skandalhersteller: Kaum Besserung in der Berichterstattung”
(macnotes.de, Richard Joos)
Seit seinem Beitrag vom 28. Mai 2010 kann Richard Joos kaum eine Besserung in der Berichterstattung über den “Skandalhersteller Foxconn” (Spiegel Online) feststellen. “Der eigentliche Skandal dürfte sein, dass nach wie vor nirgends die Selbstmordquote bei Foxconn in eine Relation gesetzt wird – denn sie liegt unter dem chinesischen Durchschnitt.”

5. “British newspapers plagiarising The Local”
(thelocal.de, Marc Young, englisch)
Marc Young, Managing Director von “The Local Germany”, beschuldigt einen in Berlin für die britischen Tageszeitungen “The Scotsman”, “Daily Telegraph” und “Daily Mail” tätigen Korrespondenten des Plagiats. “He has also copied from our colleagues at Spiegel Online, Reuters and AFP in the past.” Anmerkung, 13:20 Uhr: Der Artikel ist nicht mehr verfügbar, offenbar wurde er inzwischen gelöscht.

6. “Welt des Journalismus (13)”
(zweitens-magazin.de)
“Preisfrage: um welche Personen wird sich dieser Artikel drehen?”

All The President’s Men

Laut BILD.de-Umfrage würden 73 Prozent der Deutschen den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler wählen, nur 27 Prozent würden sich für den eigentlichen Favoriten Christian Wulff (51, CDU), Ministerpräsident von Niedersachsen, entscheiden. Luc Jochimsen, Kandidatin der Linken, läuft chancenlos mit knapp zehn Prozent.

Für die Option “Weiß nicht / Mir egal” haben sich unseren Berechnungen zufolge demnach Minus zehn Prozent entschieden.

Mit Dank an Benedikt R. und Stephan K.

Nachtrag, 13.05 Uhr: Bild.de hat den Satz über Luc Jochimsen ersatzlos gestrichen und auch den großflächigen Link zu der Umfrage entfernt, in der sie zur Wahl steht.

Es gibt nämlich zwei Umfragen bei Bild.de: Die eine lief schon, bevor Frau Jochimsen ihre Kandidatur verkündet hatte, und lässt den Lesern auch heute nur die Wahl zwischen Gauck (gerade bei 72%) und Wulff (28%). Die andere berücksichtigt auch Jochimsen (nicht aber Frank Rennicke) und sieht Gauck im Moment bei 62%, Wulff bei 31% und Jochimsen bei 7%.

Assouline, Bauerntheater, Zapp

6 vor 9

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1. “Das tägliche Brot der Demokratie”
(blaetter.de, Heribert Prantl)
Heribert Prantl schreibt in einem langen, historisch ausholenden Text, was Wissenschaft, Publizistik und Politik miteinander zu tun haben: “Mich erinnern die Blogger von heute an die politisierten Bürger von 1848/49 – Blogs sind mehr Demokratie. Soll da wirklich der professionelle Journalismus die Nase hochziehen, so wie es vor 160 Jahren die etablierten fürstlichen Herrschaften und die monarchischen Potentaten getan haben?”

2. “Doku-Soaps ohne Wahrheitsgehalt”
(ndr.de, Tina Schober, Video, 6:21 Minuten)
Im Nachmittagsprogramm der Privatsender haben sich die mit Laienschauspieler besetzten Doku-Soaps als Quotenerfolge festgesetzt. “Die moderne Form des Bauerntheaters” sei wahnsinnig erfolgreich.

3. Interview mit Julia Stein und Steffen Eßbach
(meedia.de, Christine Lübbers)
Die Macher des medienkritischen NDR-Magazins “Zapp” (siehe Link 2) in einem ausführlichen Interview: “Journalisten sind so groß im Austeilen, aber so ganz schlecht im Einstecken. Deshalb wird man als Medienjournalist häufig als Nestbeschmutzer wahrgenommen.”

4. “Promis am Pranger”
(taz.de, Christian Rath)
Christian Rath fragt, ob verdächtige Prominente wie Jörg Kachelmann, über den fast täglich berichtet werde, vor den Medien geschützt werden müssen. “Selbst wenn er am Ende freigesprochen würde, droht seiner Karriere ein schwerer Dämpfer, weil in der öffentlichen Wahrnehmung meist eben doch etwas hängen bleibt.”

5. “Der Online-Reich-Ranicki”
(freitag.de, Frank Fischer)
Frank Fischer stellt das französische Literaturblog “La république des livres” von Pierre Assouline vor, das mit fast jedem Beitrag hunderte von Kommentaren hervorruft. “Wenn es ein deutsches Pendant zu Pierre Assouline gäbe, es handelte sich wahrscheinlich um ein Mischwesen aus Marcel Reich-Ranicki, Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger, Matthias Matussek und Don Alphonso.”

6. “Boston Globe Tailors Print Edition For Three Remaining Subscribers”
(theonion.com, Video, 2:19 Minuten, englisch)
Der “Boston Globe” richtet sich angeblich ganz auf seine drei verbleibenden Abonnenten aus.

And here are the results of the “RP Online”-Jury

Bekanntlich ist keine Bild.de-Meldung zu blöd, um nicht vom Online-Ableger der “Rheinischen Post” besinnungslos abgeschrieben zu werden.

Nachdem Bild.de also heute Nacht auf Basis einer einzigen Jurywertung erklärt hatte, dass Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest mit einem noch größeren Vorsprung gewonnen hätte, wenn nur das Publikum hätte abstimmen dürfen (BILDblog berichtete), wusste “RP Online” heute Mittag nachzulegen:

Eurovision Song Contest: Lena punktete vor allem bei den Fans

Der Artikel ist im Großen und Ganzen eine eher halbherzige Paraphrasierung der Bild.de-Geschichte, doch im Vorspann wird die Unfugs-Schraube noch etwas fester angezogen:

Obwohl “Lovely Lena” mit ihrem Song “Satellite” auch den Großteil der Jurys der jeweiligen Länder überzeugen konnte, haben vor allem die Anrufe der Fernsehzuschauer zu Lenas Sieg in Oslo beigetragen.

Mit Dank an Basti.

Nachtrag, 17.25 Uhr: “RP Online” hat den gesamten Artikel offline genommen.

2. Nachtrag, 21.25 Uhr: Bei “tonight”, dem Nightlife-Portal von “RP Online”, existiert der Artikel weiterhin.

3. Nachtrag, 5. Juni: Jetzt ist der Artikel auch bei “tonight” offline.

And here are the results of the Bild.de-Jury

Nachdem Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest gewonnen hatte (“wir” also mutmaßlich Grand Prix “sind”), schrieb “Bild”-People-Experte Alexander von Schönburg am Montag:

Künftig wollen wir sie öfter auf unserer Seite sehen.

Das klang angesichts der Tatsache, dass die junge Sängerin nicht mit “Bild” sprechen will, schon beinahe wie eine Drohung. Und tatsächlich sind Zeitung und Onlineauftritt seit Tagen voll von Lena — oder genauer: von irgendwas, was “Bild” und Bild.de mit dem Wort “Lena” versehen können.

Da wurde Bekanntes und Vermutetes zusammengetragen (BILDblog berichtete), Horst Köhlers Rücktrittsrede in “Lena-Sprech” übersetzt und der Versuch einer Exegese der Danksagungen in Lenas vor fast vier Wochen erschienener CD zur Seite-1-Story (“Den wichtigsten Menschen in ihrem Leben sagt sie jetzt Danke!”) verdreht.

Heute jetzt erklärt Bild.de:

Lena Meyer-Landrut: So wählten die Fans beim Grand Prix wirklich

Hätten NUR die Fans wählen dürfen, Lena Meyer-Landrut (19, “Satellite”) wäre NOCH weiter vorne gewesen …

Bild.de ist sich sicher:

Hätte es in diesem Jahr keine Jury-Entscheidung gegeben, die zu 50 Prozent zählte, wäre Lenas Sieg (246 Punkte) noch viel höher ausgefallen!

Wie genau die Fans “wirklich” abgestimmt haben, weiß auch Bild.de nicht, aber anders als bei weiten Teilen der sonstigen Lena-Berichterstattung gibt es immerhin Belege:

So erhielt Lena zum Beispiel von der rumänischen Jury keinen Punkt. Die rumänischen Anrufer wählten sie jedoch unter die Top 5. Ergebnis: 3 Punkte aus Rumänien.

Das “Beispiel” hat nur einen kleinen Haken: Rumänien scheint das bisher einzige von 39 Ländern zu sein, das seine Jury-Wertungen veröffentlicht hat. Die übrigen Ergebnisse werden irgendwann in den nächsten Tagen und Wochen bekannt gegeben.

Erst wenn alle 39 Jurywertungen bekannt sind, kann man also ausrechnen, wie groß die theoretischen Abweichungen gegenüber dem offiziellen Endergebnis tatsächlich wären.

PS: Und dann war da noch die Bild.de-Klickstrecke “So stimmte Europa für Lena”, die mit dieser geographischen Sensation aufwartete:

Georgien gab 0 Punkte: Nix für uns, 12 Punkte für Nachbar Weißrussland. Gemein!

Mit Dank an Bertha, Daniel P. und die vielen anderen Hinweisgeber.

Nachtrag, 28. Juni: Die European Broadcasting Union hat die Punktezahlen nach Jury- und Zuschauervotes getrennt veröffentlicht.

Das überraschende Ergebnis: Hätten nur die Fans wählen dürfen, hätte Lena Meyer-Landrut 243 Punkte bekommen (statt 246) und ihr Abstand zur zweitplatzierten Türkei hätte statt 76 Punkten nur noch 66 Punkte betragen.

Bild.de lag also voll daneben.

Der Grill-Mob von Athen

Aus unserer Serie “Die etwas unglücklich platzierte Werbeanzeige”:

Athen brennt - 3 Tote. jetzt mitbrutzeln und heiße Preise gewinnen!

Mit EDEKA in die Grillsaison starten.

Inzwischen wurde das großflächige Werbebanner von der Bild.de-Startseite entfernt.

Mit Dank an Markus, Birger L., Sebastian K. und Matthias.

Theisen, Pocher, Jarvis

6 vor 9

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1. “Millionen-Deal mit Jugendmagazin”
(spiegel.de, Christoph Titz)
Der Bundesrechnungshof rügt einen von der Bundesagentur für Arbeit an die Zeitschrift “Bravo” vergebenen Auftrag. “Die Kooperation startete vor gut drei Jahren unter dem schnittigen Namen ‘Bravo Job-Attacke’ – am Mittwoch wird die Zusammenarbeit den Haushaltsausschuss des Bundestags beschäftigen”.

2. “Einstweilige Verfügung gegen Blogger wegen Meinungsäußerung”
(webevangelisten.de, Thomas Pfeiffer)
Thomas Pfeiffer über eine einstweilige Verfügung, welche die Diözese Regensburg vertretende Anwälte gegen den Blogger Stefan Aigner von regensburg-digital.de erwirkt haben.

3. Landesmedienanstalten beanstanden RTL2 und Kabel1
(alm.de)
Die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) beanstandet Schleichwerbung bei RTL2 (“RTL2 News” und “The Dome”) und stellt “Verstöße gegen die Gewinnspielsatzung” bei Kabel1 fest (“Nightquiz”).

4. “Die Vulkankompetenz des Hessischen Rundfunks”
(faz.net/blogs/fernsehblog, Peer Schader)
Ein Blick auf den “Brennpunkt” zur Aschewolke über Europa mit Alois Theisen. “Was Theisen besser kann als Vulkannamen auszusprechen ist: beim Reden die Punkte zwischen den Sätzen wegzulassen. Und dafür manchmal. Pausen an Stellen zu machen, an die gar keine hingehören. Irritiert die richtige Kamera zu suchen. Und nicht zu wissen, wann er sich besser nicht im Studio umsieht, weil er noch im Bild ist während die Wetterexpertin gerade redet.”

5. “Kindergeburtstag zum 60.”
(fernsehkritik.tv, Video)
Fernsehkritik.tv sieht in den Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag der ARD einen “peinlichen Kindergeburtstag”. Etwas später in der Sendung (ab 33:40 Minuten): Auch “Domian” feiert Geburtstag und wird dabei von seiner Redaktion unter anderem mit Oliver Pocher überrascht. In der Leitung bleibt währenddessen ein Anrufer mit einem offenbar ernsten Problem.

6. “Warum Jeff Jarvis die richtigen Fragen stellt”
(haltungsturnen.de)
Für den Haltungsturner stellt Jeff Jarvis die richtigen Fragen. Zum Beispiel: “Ist die ‘default privat’ Haltung, die bei Menschen über 35 in diesem Land mehrheitlich vorzuherrschen scheint, wirklich besser als die ‘default public’ Haltung, die ein großer Teil der Jüngeren hat und die in anderen Kulturen schon länger gilt?”

Bild  

Out in the Woods

“Bild”, 9. März 2010, Seite 16:
In & Out - Out: Tiger-Woods-Witze. Gähn - wer will denn die noch hören?

“Bild”, 12. März 2010, Seite 16:
Wer hat noch nicht mit Tiger Woods (34) geschlafen? Diese Frage ist schwer zu klären. Aber es gibt nur eine, die sein Bett teilte und dafür 75 000 Dollar Preisgeld bekommt: Unterwäschemodel Jamie Jungers (26) wurde jetzt in der US-Talkshow von Howard Stern zu "Tigers bester Geliebten" gewählt! Warum? Weil sie die dreckigsten Details aus- packte. Beispiel: "Tigers Tiger ist 22 Zentimeter lang." Beeindruckend, dieser Schniedel-Woods!

Here Comes “The Sun”

Es geschah John Lennon ganz Recht, dass er 1980 vom geistig verwirrten Mark David Chapman erschossen wurde. Das scheint zumindest “Bild am Sonntag” zu denken:

Das böse Omen der Beatles. Dieses bisher unveröffentlichte Foto zeigt John Lennon, der so tut, als würde er sterben. Zwölf Jahre später wurde er erschossen. Moral: Let it be!

Aber selbst wenn man den Versuch ignoriert, einen Zusammenhang zwischen Foto und Attentat zu konstruieren, und außer Acht lässt, dass “Let It Be” im gleichnamigen Beatles-Song sehr wahrscheinlich eher im Sinne von “lass es geschehen” denn als “lass es sein” gemeint sein dürfte, ist an diesen drei Sätzen noch etwas merkwürdig. Im Sinne von “falsch”.

Das laut “Bild am Sonntag” “bisher unveröffentlichte Foto” ist nämlich alles andere als bisher unveröffentlicht: Es ist Teil einer 23-teiligen Fotoserie, die seit 1998 in Galerien und Museen zu sehen ist — so auch im Jahr 2003 in Liverpool, der Heimatstadt der Beatles. Die BBC berichtete damals darüber und zeigt das Foto seitdem auf ihrer Website.

Vielleicht war “Bild am Sonntag” verwirrt, dass die Galerie, in der die Fotos zur Zeit zu sehen sind, schreibt, dass die Bilder für drei Jahrzehnte “unbesehen, weggepackt in der Dunkelheit, beinahe vergessen waren” — die drei Jahrzehnte zwischen ihrer Entstehung 1968 und der ersten Ausstellung eben.

Aber vielleicht hat “Bild am Sonntag” auch nur auf die Recherche-Qualität der britischen “Sun” vertraut, die am Samstag auf ihrer Internetseite von “unveröffentlichten Beatles-Fotos” schwadronierte, die “für Jahrzehnte in Umschlägen gelagert” gewesen seien.

Von der “Sun” scheint “Bild am Sonntag” zumindest auch die Information zu haben, dass die Fotos (von jedem gibt es 195 nummerierte und signierte Abzüge) “pro Stück 114.000 Euro” kosten sollen — was etwas unwahrscheinlich ist, wenn die Original-Dias laut Ausstellungankündigung vom Auktionshaus Christie’s mit 100.000 US-Dollar (ca. 74.000 Euro) und damit deutlich niedriger bewertet werden.

Trotz all dieser Ungereimtheiten gibt “Bild am Sonntag” an, mit dem Fotografen gesprochen zu haben.

PS:

Am 8. Dezember 1989 transportiert ein Leichenwagen den toten John Lennon vor dem Dakota-Building in New York ab

Keine Ahnung, was das für eine Leichenwagen ist, aber der tote John Lennon wurde damit ganz sicher nicht vor dem Dakota-Building abtransportiert. Lennon war nämlich schwerverletzt mit einem Polizeiauto zum Roosevelt Hospital Center gefahren worden, wo er schließlich für tot erklärt wurde.

Aber das mit John Lennons Tod scheint für deutsche Journalisten sowieso etwas schwierig zu sein.

Mit Dank an RisingEd.

Nachtrag, 24. Februar: Unser Leser Samuel J. wusste, was das für ein Leichenwagen ist: Tatsächlich (laut Getty-Images) der, in dem John Lennons Leiche transportiert wurde — nur eben nicht vor dem Dakota Building und kurz nach den Schüssen:

Der Leichenwagen mit der Leiche des ermordeten britischen Musikers John Lennon, geparkt vor dem Bestattungsinstitut Frank E. Campbell, New York City, Dezember 1980

(“Frank E. Campbell” steht übrigens gleich zwei Mal auf dem Eingang des Gebäudes — aber den hat “Bild am Sonntag” abgeschnitten.)

Medizinmythen, Raffelhüschen, Lkw-Fahrer

6 vor 9

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1. “Medizinmythen”
(zeit.de, Harro Albrecht)
“Früher verbreiteten sich Wissenschaftsmythen in Salons, Vereinen und per mündlicher Überlieferung – und verschwanden bald wieder.” Doch heute sind sie fast nicht totzukriegen – in den Medien und im Internet werden sie immer wieder von Neuem aufgegriffen.

2. “Der Unbelehrbare”
(oeffingerfreidenker.blogspot.com, Stefan Sasse)
Stefan Sasse stellt sich den “Sieben bitteren Wahrheiten über Hartz IV” von Professor Bernd Raffelhüschen in “Bild” entgegen und nennt ihn einen Brandstifter und Pharisäer: “Er ist selbst Bezieher staatlicher Leistungen, eines der höchsten Beamtengehälter der BRD nämlich, und genießt dazu Unkündbarkeit. Dass solche Menschen aus ihrem Elfenbeinturm heraus glauben, anderen niedrige Löhne und eine Abschaffung des Kündigungsschutzes verordnen zu müssen ist wahrhaftig widerlich.”

3. “Geschriebener Unsinn”
(truckonline.de)
Ostsee-zeitung.de ändert nach der Intervention eines Lesers eine Schlagzeile und macht aus dem Wort “Lkw-Maut-Preller” das Wort “Lkw-Fahrer”. Das Statement dazu aus der Redaktion: “Diese Meldung kam von dpa und wurde von uns so übernommen. Wir können nicht jede einzelne Meldung überprüfen, zumahl der Online – Bereich kaum Gewinn abwirft!”.

4. “Kempowski statt Hegemann”
(tagesspiegel.de, Harald Martenstein)
“Was ich wirklich peinlich finde: Die wachsende Hysterie der Kulturbeobachter, die inflationär vorhandene Bereitschaft, an jeder Straßenecke ein Meisterwerk wahrzunehmen, dieser von sich selbst berauschte, sich selbst schon im Moment des Aussprechens dementierende Jubelton, der, weil er so unrealistisch ist, jederzeit in sein Gegenteil kippen kann.”

5. “NYT Reveals Repeated Acts Of Plagiarism By Business Reporter Zachery Kouwe”
(nytpick.com, englisch)
Die “New York Times” schreibt in einer “Editors’ Note” über ihren Reporter Zachery Kouwe: “In a number of business articles in The Times over the past year, and in posts on the DealBook blog on NYTimes.com, a Times reporter appears to have improperly appropriated wording and passages published by other news organizations.”

6. “Potenziell vorsichtig, potenziell zuversichtlich”
(falk-lueke.de)
Falk Lüke fragt sich, warum in Deutschland so viele, er inklusive, die Risiken jeder potenziellen Chance “bis zum Ende der Vorstellungskraft abwägen wollen”.

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