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Bauerntheater (Wiederholung)

Über Wochen haben “Bild”, “Bild am Sonntag” und Bild.de die RTL-Kuppelshow “Bauer sucht Frau” mit ihrer Berichterstattung flankiert. “Bild” verriet “Liebesgeheimnisse” (“Stina aus dem Ruhrgebiet und Lukas aus dem Sauerland werden ein echtes Paar.”), zeigte sich verwirrt (“Was ist bloß mit Bäuerin Karina passiert?”) und zeigt sich milde enttäuscht empört (“Die Macher hatten für die dralle Brünette auch eine Duschszene vorgesehen. Moni lehnte ab.”).

Ein Fall hatte es der Redaktion jedoch besonders angetan: der von Milchbauer Johannes.

Bereits im November (und damit lange vor der TV-Ausstrahlung) berichtete “Bild am Sonntag”, dass Johannes’ Auserwählte Anja von einem anderen Mann schwanger sei, eine andere Frau wiederum ein Kind von Johannes erwarte:

Mit dieser Marion hatte Johannes kurz vor Beginn der Dreharbeiten eine Affäre. Und diese Affäre hat Folgen.

Im März soll das Kind auf die Welt kommen, und ein Wunschkind sei es nicht, flüstern die Dorfbewohner.

Marions Eltern werden da schon etwas lauter. Ihre Tochter sei ja schon 41, erzählen sie BILD am SONNTAG, und sie habe bereits bessere Männer ziehen lassen.

Doch damit nicht genug:

Bauer Johannes hat nämlich noch eine Ehefrau. Sie heißt Simone*. Und die beiden leben zwar getrennt, geschieden sind sie aber noch nicht.

Am 8. Dezember enthüllte Bild.de “Die ganze Wahrheit über Bio-Bauer Johannes” (“er arbeitet hauptberuflich als angestellter Fensterbauer”, “Anja ist mittlerweile zu ihrem Johannes gezogen – vergangenen Sonntag brachte sie eine gesunde Tochter zur Welt.”).

Darunter:

Apropos Nachwuchs: Im März wird Johannes selbst ein zweites Mal Vater – eine Frau, mit der der kernige Landwirt vor Beginn der Dreharbeiten eine Affäre hatte, erwartet von ihm ein Baby. Und ganz nebenbei ist Johannes auch noch verheiratet. “Aber die Scheidung ist bald durch; meine Frau und ich trennen uns einvernehmlich und ohne Streit.”

Gestern dann enthüllte “Bild” (zum wiederholten Male), was RTL verschwiegen hatte:

Was das TV gestern verschwieg: RTL-Bauer lässt schwangere Freundin sitzen

Als wäre es irgendwie neu, berichtete John Puthenpurackal:

“Er hat mein Leben zerstört”, sagt Bärbel (41, Name geändert). Sie sitzt im Rinderstall in einem kleinen Dorf bei Heidelberg. “Johannes wünschte sich doch ein Kind von mir, ich wurde schwanger.”

UND DANN?

“Dann wollte Johannes unbedingt ins Fernsehen”, erzählt Bärbel. Er bewarb sich als angeblicher Single bei “Bauer sucht Frau”.

Noch etwas Neues hatte der Reporter herausgefunden:

Johannes ist in Wahrheit übrigens auch nicht Biobauer sondern Fensterbauer. Baut der denn nur Mist?

Und womöglich hat Puthenpurackal die gesamte bisherige Berichterstattung seines eigenen Auftraggebers tatsächlich nicht verfolgt — so überrascht, wie er heute im Interview wirkt:

BILD: Wollen Sie heiraten?
Johannes: “Ja, ich bin aber noch verheiratet …”
BILD: Wie bitte?
Johannes: “… aber die Scheidung läuft! Ideal ist das alles nicht.”

Mit Dank an Christian G.

Nachtrag, 23. Dezember: Es geht weiter.

Guttenberg, The Atlantic, 9Live

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Liebe der Adeligen in den Zeiten des Krieges”
(dradio.de, Arno Orzessek)
Arno Orzessek erkennt kunsthistorische Ahnenreihen im Bildprogramm des “nach Posen lechzenden Verteidigungsministers” Karl-Theodor zu Guttenberg. “Offenkundig will er die vom Gleichheitswahn angekränkelten Deutschen durch moderne Re-Inszenierung wieder mit dem Herrschaftsporträt alter Schule vertraut machen.”

2. “Marke Wikileaks: was Verlage neidisch macht”
(meedia.de, Don Alphonso)
Don Alphonso glaubt, dass Wikileaks etwas hat, von dem die Verleger träumen: “ein funktionierendes Geschäftsmodell im Internet auf Basis der Einnahmen von Lesern. Und das ohne jede Abhängigkeit von Werbung.”

3. Interview mit Vaughan Smith
(zeit.de, Khue Pham)
Vaughan Smith hat Wikileaks-Gründer Julian Assange Unterschlupf geboten. “Die Medien missbrauchen Wikileaks als Schild: Sie publizieren die Geschichten und machen damit Quote, zeigen gleichzeitig aber mit dem Finger auf ihn, schreiben über Sexgeschichten und machen ihn zum Bösewicht.”

4. “Das CIA-Gerücht im Infokrieg – Julian Assanges falsche Freunde”
(rpzine.de, Robert Pitterle)
Eine der beiden Frauen, die Julian Assange anklagen, habe CIA-Kontakte. Robert Pitterle prüft die durch einen Retweet von Keith Olbermann ausgehenden Gerüchte.

5. “Web Focus Helps Revitalize The Atlantic”
(nytimes.com, Jeremy W. Peters)
“The Atlantic” erzielt nach tiefgreifenden Umstrukturierungen (Abbruch der Paywall, Zusammenführung von Print- und Onlineredaktion, Aufhebung der Unterschiede zwischen Print und Online bei den Anzeigenverkäufen, Einstellung junger Journalisten) fast 40 Prozent der Werbeeinnahmen online.

6. “Cashcow hat ausgedient: Sind die Tage von 9Live gezählt?”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Der Call-In-Sender 9Live befindet sich in der Krise, weil “die Auflagen und Informationspflichten verschärft” wurden – “die kontinuierliche Aufklärungsarbeit über die Tricks des Call-In-Geschäfts durch aufmerksame und engagierte TV-Zuschauer im Internet hat dort sicher ihren Beitrag geleistet.” Nachtrag, 16. Dezember: Christoph Bellmer von ProSiebenSat.1 dementiert: “Presse-Spekulationen über eine Einstellung von 9Live entbehren jeder Grundlage.”

Karl-Theodor I.

Bild.de liegt in einem Artikel über ein Filmporträt über die Familie Guttenberg, das gestern im Ersten lief, knapp daneben:

Gestern Abend lief die ARD-Doku-Reihe “Deutsche Dynastien” an. Teil 1: „Die Guttenbergs”.

Tatsächlich war “Deutsche Dynastien – Die Guttenbergs” nach den Thyssens (8.11.) und den Oetkers (15.11.) bereits der dritte und letzte Teil der Serie.

Aber vielleicht hat sich der Autor einfach nicht vorstellen können, dass Karl-Theodor, wenn auch nur dieses eine Mal, nicht Nummer 1 sein könnte:

Sie sind DAS Glamour-Paar der Politik-Szene in Deutschland – Karl Theodor zu Guttenberg und seine Frau Stephanie. (…)

Haltung und Verantwortungsbewusstsein  – das sind laut Vater Enoch DIE prägenden Charakterzüge der Guttenbergs. (…)

So wurde Karl-Theodor zu Guttenberg zu einem der besten Redner in der deutschen Politik. Und das politische Talent hat er wohl vom Großvater. (…)

“Trotz seines Aussehens, trotz seines finanziellen Hintergrundes erzeugt er keinen Neid. Da ist was ganz besonders in Deutschland. Wenn heute einer Geld hat und gut aussieht, erzeugt er meistens Neid bei anderen Menschen”, sagt die Adels-Expertin Stephanie von Pfuel. (…)

Guttenberg hingegen weckt Begeisterung wo immer er auftritt. (…)

Wird er womöglich Kanzler?
Wer den Film gesehen hat, bekommt den Eindruck: Hier will einer auf dem Teppich und seinen Überzeugungen treu bleiben.

Mit Dank an Jochen N.

Old Before They Die

Die häufigste Todesursache in Deutschland war in den vergangenen Jahren eine Erkrankung des Herz-/Kreislauf-Systems, das hat das statistische Bundesamt heute mitgeteilt.

Bild.de fasst zusammen:

Insgesamt verstarben 2009 in Deutschland 854 544 Menschen, davon 404 969 Männer und 449 575 Frauen. Im Vergleich zu 2008 stieg die Zahl der Todesfälle um 1,2 Prozent. Das durchschnittliche Sterbealter betrug 55 Jahre bei Männern und 58 Jahre bei Frauen.

Ein durchschnittliches Sterbealter, das um mehr als 20 Jahre von der durchschnittlichen Lebenserwartung abweicht, ist einigermaßen unwahrscheinlich. Dafür bräuchte es in der Regel Kriege oder verheerende Naturkatastrophen. Oder eben Bild.de.

Dabei stehen die zitierten Zahlen wirklich in der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes. Nur in einem etwas anderen Kontext:

9 571 Personen schieden im Jahr 2009 freiwillig aus dem Leben. (…) Das durchschnittliche Sterbealter betrug hier 55 Jahre bei Männern und 58 Jahre bei Frauen.

Mit Dank an Heitmeier, Mario S., Hannes Sch. und Nicolaj.

Nachtrag, 19. Oktober: Bild.de hat das mit dem Alter vorsichtshalber ganz aus dem Artikel entfernt.

Bild  

Where the fuck is Alice?

Alice Schwarzer, Herausgeberin der Zeitschrift “Emma” und “Bild”-Gerichtsreportage-Praktikantin, werde den Prozess gegen Jörg Kachelmann “weiterhin aus der Nähe verfolgen”, so schreibt es ihre Redaktion.

In der heutigen “Bild” liest sich das beispielsweise so:

In dieser vierten Verhandlungswoche im Landgericht Mannheim ist Schluss mit Spekulationen und Interpretationen.

Knallharte Fakten wurden da am Mittwoch auf den Tisch gelegt. Beziehungsweise Zeugenaussagen:

Richter Siegfried B. tritt in den Zeugenstand. Er hatte nach der Verhaftung die Fortdauer der Untersuchungshaft für Jörg Kachelmann angeordnet, weil er dessen Schilderung zum Ablauf des Abends “nicht einleuchtend” fand.

Schwarzer erzählt von den “beiden erfahrenen Kriminalkommissarinnen”, die “da sind” und “berichten, dass das mutmaßliche Opfer am Boden zerstört gewesen sei”. Sie weiß, dass Hauptkommissarin Angelika S. als Erste aussagt, der Richter “nachhakt” und was die Polizisten darauf “erwidert”.

Auftritt der zweiten Kripobeamtin. Auch sie berichtet über das mutmaßliche Opfer: “Sie war fertig, völlig fertig.” Und auf Nachfrage: Nein, von einem “Verfolgungseifer” der Frau habe sie nichts bemerkt. Die habe nur gesagt: “Elf Jahre. Und jetzt ist alles aus.”

Schwarzer hat diese Gerichtsprosa gut verinnerlicht, sie beschreibt anschaulich, was da im Gerichtssaal vor sich ging. Auch der Angeklagte ist ihrem geschulten Auge nicht entgangen:

Und Jörg Kachelmann? Der schweigt, wie von seinem Verteidiger Birkenstock verordnet. Nur seine Gesten sprechen – aber welche Sprache? Mal cremt er sich die Lippen, mal fährt er sich durchs Haar, mal grinst er. Dabei gab es an diesem Tag wirklich nichts zu lachen für ihn.

Dem aufmerksamen “Bild”-Leser erzählt Alice Schwarzer damit nichts Neues, im Wesentlichen stand das gestern schon alles in der Zeitung.

Für Frau Schwarzer hingegen könnte es sich tatsächlich um Neuigkeiten gehandelt haben: Sie war nämlich am Mittwoch gar nicht im Mannheimer Landgericht, wie uns mehrere Leser berichteten, die selbst vor Ort waren.

Alice Schwarzers Büro erklärte uns auf Anfrage, Frau Schwarzer sei “zurzeit im Ausland und erst Anfang nächster Woche wieder erreichbar”.

Mit Dank auch an Boris K.

Nachtrag, 4. Oktober: Alice Schwarzer hat auf unsere Anfrage geantwortet:

Ich war in der vergangenen Woche nicht im Prozess zugegen – und habe das darum auch nicht suggeriert. Wenn Sie meine bisher sieben Bild-Beiträge genau lesen (oder auch das EMMA-Editorial und den Blog), wird deutlich bzw. schreibe ich explizit, wann ich dabei war und wann nicht.

Meine Quellen für den Verhandlungstag sind: ALLE Agenturen sowie ein minutiöses Protokoll. Es ist Ihnen sicherlich nicht entgangen, dass JournalistInnen manchmal auch über etwas schreiben, wo sie nicht daneben standen.

A farewell to brothers in arms

Die Geschichte ist so ungewöhnlich, dass das Polizeipräsidium Bochum im ersten Satz seiner Pressemitteilung erst einmal verkündet, dass der Inhalt der nachfolgenden Polizeipressemeldung “nun wirklich sehr ungewöhnlich” sei: Ein 35 Jahre alter Mann aus Herne ließ sich wegen einer Geschwulst am Kopf im Krankenhaus untersuchen, woraufhin die Ärzte auf seinem Röntgenbild einen Fremdkörper entdeckten, der sich bei einer Operation als Projektil des Kalibers 22 herausstellte.

Oder wie “Spiegel Online” es formuliert:

Ein Mann aus Herne hat jahrelang mit einer Pistolenkugel im Kopf gelebt. Er hatte in einer Silvesternacht angetrunken einen Schlag am Hinterkopf verspürt, dem aber keine Bedeutung beigemessen. Die Polizei vermutet, dass er das Opfer eines Schützenbruders wurde.

Diese Vermutung äußert die Polizei allerdings weltexklusiv auf “Spiegel Online”. Wie uns der Polizeisprecher auf Anfrage bestätigte, habe er nie von einem “Schützenbruder” gesprochen. Er habe lediglich in einem der zahlreichen Gespräche mit Journalisten aus aller Welt erklärt, dass Projektile des Kalibers 22 (5,6 mm) typisch für Sportschützen seien — und die Polizei regelmäßig vor Silvester davor warne, mit Salutschüssen das Jahr zu begrüßen.

Mit Dank an Benedikt K.

Somewhere outside the USA

Okay, CNN.com ist jetzt weder ein deutsches, noch ein deutschsprachiges Medium. Aber es geht um Deutschland.

Beziehungsweise eben nicht:

An aerial view shows parts of Ostritz, Germany, swamped by the floodwaters of the Neisse River on Sunday, August 8.

Denn das Luftbild zeigt eben keine “Teile von Ostritz, Deutschland, überschwemmt von den Fluten der Neisse”, sondern die Region von Kot Addu in der südlichen Provinz Punjab in Pakistan, wie man bei Getty Images nachlesen kann:

This aerial view from a Pakistan army rescue helicopter shows the flooded area of Kot Addu, in the southern province of Punjab on August 8, 2010. Landslides raised the death toll in flood-hit Pakistan on August 8, cutting off roads and hampering aid efforts as rescuers battled to beat rains exacerbating the country

Aber bei den vielen Überschwemmungen gerade kann man ja schon mal durcheinander kommen.

Mit Dank an M.B.

Leserreporter, Hamburger, Migrationsthemen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Kuranyi! Im Urlaub!! Auf Ibiza!!!”
(fr-online.de, Daniel Bouhs)
Seit vier Jahren arbeitet “Bild” mit Leserreportern zusammen. Daniel Bouhs zieht ein vorläufiges Fazit. “Das Unglück von Duisburg zeigt: In Zeiten, in denen Handys jeder Preisklasse mit Foto- und Videokameras ausgerüstet sind, entgeht der Öffentlichkeit nichts mehr. Das wollen auch professionelle Medienmacher für sich nutzen – allen voran die Bild-Zeitung.”

2. “Das Lachen nach dem Schluss”
(stijlroyal.de, Huck Haas)
Huck Haas denkt nach über die Privataufnahmen von der Loveparade in Duisburg und ihre Aufnahme bei Twitternutzern. Trotz aller Härte hält er die “Demokratisierung der Bilder von der Basis” wichtig. “Wir Zuschauer können nicht die ganze Verzweiflung begreifen und nachvollziehen, aber so ist sie ein bisschen gegenwärtig, man versteht ein bisschen warum selbst gestandene Sanitäter weinend zusammengebrochen sind. Man kann es erahnen.”

3. “Daily Mail and Sun pay out to Tamil hunger striker”
(guardian.co.uk, Sam Jones, englisch)
Auf den Online-Portalen entschuldigen sich “Sun” und “Daily Mail” bei Parameswaran Subramanyam, dem sie 2009 unterstellt haben, während eines Hungerstreiks Hamburger gegessen zu haben. Der Hungerstreikende dazu: “I have been shunned, publicly abused and received numerous extremely distressing and frightening telephone calls and text messages. I have received death threats and on occasions felt unable to leave my home for fear that I may be attacked.”

4. “Brad Pitt und die Kochprofis”
(klatschkritik.blog.de, Antje Tiefenthal)
Schauspieler Brad Pitt schneidet sich den Bart ab und begleitet seine Frau zu einer Filmpremiere. Eine Ausgangslage, die Klatschmagazine zu Spekulationen anregt, die in alle Richtungen gehen.

5. “Journalistin mit Migrationshintergrund”
(taz.de, Cigdem Akyol)
Cigdem Akyol fragt sich, warum Journalisten aufgrund ihres Migrationshintergrunds von ihr immer wieder Texte über Migrationsthemen fordern. Sie habe “Völkerrecht studiert, nicht Einwandererdasein”. – “Ja aber, sie müssen doch mehr dazu sagen können, gerade Sie, mit ihrem Namen”.

6. “Best Leak Ever”
(thedailyshow.com, Video, 8:59 Minuten, englisch)
Jon Stewart begutachtet die investigativen Fähigkeiten, mit denen US-amerikanische TV-Sender Informationen zu den Afghanistan-Protokollen von Wikileaks verarbeiten.

Themenvorschläge, Vulgarisierung, Wikileaks

6 vor 9

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1. “Kai Diekmanns Briefwechsel mit Zapp”
(ndr.de)
Seit April 2010 sendet “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann Themenvorschläge an die Redaktion des medienkritischen NDR-Magazins “Zapp”. Die Redaktion dokumentiert den Briefwechsel.

2. “Boulevard-Medien zur Loveparade”
(taz.de, Kirsten Reinhardt)
Kirsten Reinhardt glaubt, dass die “große Ironisierphase der neunziger Jahre, in denen es auch unter linken Intellektuellen eine Zeit lang als schick galt, die Bild-Zeitung ‘ironisch zu lesen'”, vorbei ist.

3. “Vom Volk bezahlte Verblödung”
(zeit.de, Jens Jessen)
Das Vulgäre ziehe ein in das öffentlich-rechtliche Fernsehen, schreibt Jens Jessen. Jene Sendungen hingegen, die Gebühren rechtfertigen, würden auf unpopuläre Sendeplätze gesetzt. “Das Fernsehen, weit davon entfernt, die Zuschauer auf die Höhen der bürgerlichen Bildung zu heben (wie eine berühmte Formulierung der deutschen Arbeiterbewegung lautete) oder ihnen auch nur die Chance auf Teilhabe zu eröffnen, konkurriert mit den billigsten Boulevardmedien um die niedrigsten Instinkte der dümmsten Bevölkerungsteile.”

4. “The Story Behind the Publication of WikiLeaks’s Afghanistan Logs”
(cjr.org, Clint Hendler, englisch)
Ein Hintergrundartikel über die Zusammenarbeit zwischen Wikileaks und den Medienmarken “New York Times”, “Guardian” und “Spiegel” bei den veröffentlichten Afghanistan-Protokollen (Afghan War Diary, 2004-2010, wikileaks.org).

5. Interview mit Julian Assange
(democracynow.org, Amy Goodman, englisch)
“Democracy Now!” dokumentiert, was Barack Obama zu den Protokollen sagt und redet mit Julian Assange von Wikileaks, der nicht versteht, warum die “New York Times” nicht auf Wikileaks verlinkt: “I mean, it is just ridiculous. The public can see that and Google it, if they want.”

6. “Archiv von Tagesschau.de zwischen 1999-2010”
(netzpolitik.org, markus)
Netzpolitik.org weist darauf hin, dass auf “The Pirate Bay” eine Torrent-Datei mit dem “Archiv von Tagesschau.de im XML-Format aus den vergangenen elf Jahren von 1999 – 2010” geteilt wird. Siehe dazu auch “Depublizieren: Die Leere hinter dem Link” (faz.net, 19. Juli 2010).

DFB, Lokaljournalismus, Back to the Future

6 vor 9

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1. “Sympathisch, aber selbstzensierend”
(zeit.de, Steffen Dobbert)
“Ein Wortlautinterview ist auf jeden Fall journalistisch korrekt, wenn es das Gesagte richtig wiedergibt” steht in der Richtlinie 2.4 des Pressekodex. “Zeit Online” veröffentlicht dennoch nur die Fragen eines Interviews mit Oliver Bierhoff, weil der DFB und Bierhoff selbst “im Nachhinein” eine Veröffentlichung untersagten. “Das Gespräch mit ihm dauerte nur ein knappe halbe Stunde. Bierhoff hatte sich in Rage geredet. Aber er hatte nichts gesagt, was die Fußballwelt erschüttern würde. Vielleicht wirkte er so authentisch, weil er ehrlich war. Vielleicht dürfen seine Worte deshalb nicht veröffentlicht werden.”

2. “Rechte Regionalzeitungen”
(taz.de, Andreas Speit)
Durch den Abbau von Lokalredaktionen auf dem Land breiten sich von der NPD finanzierte und organisierte Zeitungen aus.

3. “Das Lokale lieben lernen: Eine Lektion”
(benjamin-runge.de)
Der 24-jährige Journalist Benjamin Runge versucht, Fußgänger in Dieburg zu “Spontan-Portraits” zu bewegen.

4. “Wir brauchen ein neues Medienbewusstsein”
(oeffingerfreidenker.blogspot.com, Stefan Sasse)
Stefan Sasse glaubt, dass die Meinung von “Bild” vor vierzig Jahren “noch keinem Politiker mehr als ein abwertendes Grunzen wert gewesen” sei. Doch heute gelte sie “als eines der, wenn nicht das politische Leitmedium in der Hauptstadt, an dessen erregtem Pulsschlag sich der ohnehin derzeit nicht durch besonders überlegte Ruhe auszeichnende Politikbetrieb orientiert”.

5. “Herr Löw greift sich ans Kinn”
(wintermaerchen2010.com, Kai Schächtele)
Ein Besuch im Hauptquartier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Erasmia, einem Vorort von Pretoria. “Es würde für den Tross, der nach Südafrika allein wegen des Fußballs gekommen ist, keinen Unterschied machen, ob diese WM in Afrika, auf einer Eisscholle in Alaska oder hinter dem Mond ausgetragen wird.”

6. “Back to the Future fans fooled by Twitter hoax”
(telegraph.co.uk, Murray Wardrop, englisch)
“Thousands of Back to the Future fans mistakenly celebrated July 5, 2010 as a crucial date in the hit film trilogy after a hoax circulated on Twitter.”

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