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Im Wald mit Hildmann, Rüder Kanzler, Deutschrap auf dem Prüfstand

1. “Spiegel” sieht Hildmann vor lauter Bäumen nicht
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der “Spiegel” hat sich mit dem vormaligen Kochbuchautor und jetzigen Verschwörungs-Extremisten Attila Hildmann zum “Waldspaziergang” getroffen und die Inhalte des Gesprächs in einem zweiseitigen Beitrag aufbereitet. Medienkritiker Stefan Niggemeier kann dem Treffen wenig bis gar nichts abgewinnen: “Vermutlich soll die Geschichte Hildmann klein wirken lassen. Klein wirkt stattdessen der ‘Spiegel’.”
Weiterer Lesetipp: Auf Facebook fragt der “6 vor 9”-Kurator: “Sollte man einem verwirrten Schreihals und Gernegroß mit rechtsextremen Allmachtsträumen und sadistischen Gewaltfantasien seinen Wunsch nach Berühmtheit erfüllen und ihn berühmt(er) machen?”

2. “Aber Sie haben ja ein eigenes Hirn”
(sueddeutsche.de, Oliver Das Gupta & Bastian Obermayer)
“Aber Sie haben ja ein eigenes Hirn” … auf diese äußerst rüde Weise ging Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz in einem Fernsehinterview die Puls-24-Journalistin Alexandra Wachter an. Bei Ausstrahlung des Gesprächs fehlte jedoch genau diese Szene (hier die gekürzte Version). Oliver Das Gupta und Bastian Obermayer ordnen den Fall ein, bei dem es auch um den Faktor Geld geht: “So erhielt Puls 24, das zu Pro Sieben Sat 1 Puls 4 gehört, für das laufende Jahr mehr als 1,4 Millionen Euro [aus Österreichs staatlicher Presseförderung], und aus der Corona-Förderung nochmals 1,2 Millionen Euro extra. Ein weiterer Anreiz, es sich mit der Regierung nicht zu verscherzen.”
Weiterer Lesehinweis: Auf Twitter zerlegt Natascha Strobl in gekonnt kunstvoller Weise das Interview.

3. Wir sind wie U-Boote
(gutjahr.biz)
“Eine Gruppierung konservativer Wahlkampf-Veteranen hat sich zusammengetan, um Donald Trump aus dem Weißen Haus zu jagen. Dabei greifen die Strategen des ‘Lincoln Projects’ tief in die Trickkiste des Online-Trollens und versuchen Trump mit den eigenen Waffen zu schlagen.” Richard Gutjahr berichtet über die Republikaner-Allianz, die mit “Negative Campaigning” in Form von zugespitzten Videos (Beispiel 1 , 2 und 3) eine Wiederwahl von Donald Trump verhindern will.

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4. #Bundeswehr/Bohnert: Schräge Vorwürfe gegen Panorama
(daserste.ndr.de)
Vergangene Woche kritisierte die ARD-Sendung “Panorama” den Social-Media-Leiter der Bundeswehr. Dieser sympathisiere mit Rechtsradikalen, like Beiträge mit Bezug zu den “Identitären” und habe Vorträge in rechten Zirkeln gehalten. In den einschlägigen Kreisen tauchten sofort Gegenvorwürfe auf, die den Vorgang herunterspielen sollen. “Panorama” stellt die drei wichtigsten Falschbehauptungen in diesem Zusammenhang klar. Man habe den Oberstleutnant beispielsweise vor Ausstrahlung des Beitrags durchaus um eine Stellungnahme gebeten.

5. Der steinige Weg zu den eigenen Daten
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Seit zwei Jahren gilt in der EU die sogenannte Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und das darin verankerte Auskunftsrecht: Nutzer und Nutzerinnen können bei Anbietern Auskunft darüber verlangen, ob Daten von ihnen gespeichert werden, wie diese verwendet werden und ob sie weitergegeben wurden. Ein aktueller Fall zeigt eindrucksvoll, dass das beste Recht nichts nutzt, wenn es nicht umgesetzt werden kann. So habe ein Nutzer im März beim Videokonferenzanbieter Zoom seine Daten angefordert, läuft jedoch mit seiner Anfrage trotz Unterstützung durch die Datenschutzbehörden ins Leere.

6. F****! Sch*****! B****!
(spiegel.de, Björn Rohwer)
Das Ergebnis der Untersuchung mag nicht ganz überraschend kommen, aber laut einer vom “Spiegel” in Auftrag gegebenen Datenanalyse spielt Sexismus im Deutschrap eine große Rolle. Dies belege eine Auswertung von immerhin 30.000 Liedtexten. Dass es dabei auch auf die Auslegung ankommt, beweist nach Ansicht des “6 vor 9”-Kurators eine kritisierte Textstelle des Rappers Cro aus dem Song “Easy”. Diese liest sich ohne Kontext und Aussprache schlimmer als sie ist: “Und wenn sie heiraten will und nach drei Tagen chillen schon dein ganzes Haus und deinen Leihwagen will – erschieß sie.” Cro zieht die Worte “erschieß sie” zu einem “err-cheesy” zusammen, so dass sie sich auf “easy” reimen. Es ist einer der albernen und bewusst bemühten Wort- und Sprachwitze, die sich durch das ganze Lied ziehen – also keineswegs eine ernst oder auch nur unterschwellig ernst gemeinte Gewaltandrohung oder gar Aufforderung zum Mord (abgesehen davon geht der Song wie folgt weiter: “Yeah! Doch das würd’ ich mich nicht trauen, Mann, das weiß ich genau. Denn davor hau’ ich ab”). Natürlich kann man das Lied trotzdem kritisieren, aber es als “nicht weniger schlimm” zu bezeichnen als die tatsächlich existierenden üblen Fälle, scheint zumindest dem “6 vor 9”-Kurator überzogen.

Burdas Gegenverdarstellung, EuGH-Urteil, Gegen Rechtsextremismus

1. “Mit diesem Urteil ist es nicht vorbei”
(zeit.de, Lenz Jacobsen)
Ein türkisches Gericht hat den “Welt”-Journalisten Deniz Yücel in Abwesenheit zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Yücel hatte wegen seiner journalistischen Arbeit bereits 2017 in der Türkei in Haft gesessen und konnte nach einem Jahr endlich nach Deutschland ausreisen. “Zeit Online” hat mit ihm über das Gerichtsurteil, das türkische Rechtssystem und die vielen anderen politisch motivierten Gerichtsprozesse in der Türkei gesprochen.
Weiterer Lesehinweis: Anlässlich des gegen ihn ergangenen Hafturteils schreibt Yücel in der “Welt”: “Mich schmerzt es, dass dieses großartige Land unter diesem autoritären, islamistisch-nationalistischen, vor allem aber kriminellen Regime leidet. Ich bin frei; Hunderte Journalisten und andere aus politischen Gründen Inhaftierte sind es nicht. Und Millionen in diesem Freiluftgefängnis Tayyipistan sind es auch nicht.”

2. Streit um Gegendarstellung – Burda verliert erneut vor Gericht
(badische-zeitung.de, Hubert Röderer)
Der Burda-Verlag und die dort erscheinende “Freizeit Revue” haben die Gerichte zweimal in derselben Sache beschäftigt. Beide Male ging sie zu Ungunsten von Burda aus: In Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Schlagersängerin Helene Fischer war die “Freizeit”-Postille zum Abdruck einer Gegendarstellung gezwungen worden. Doch damit war die Angelegenheit nicht vom Tisch, denn Burda hatte die Gegendarstellung mit einem Zusatz versehen. Nun müsse die “Freizeit Revue” ein weiteres Mal gegendarstellen oder beim Oberlandesgericht Rechtsmittel einlegen.

3. Diese irreführenden Cookiebanner habe ich auch echt satt.
(twitter.com, Caspar M. Mierau)
Websitebetreiber müssen sich bei ihren Nutzerinnen und Nutzern das Einverständnis für Cookies holen beziehungsweise sie über deren Einsatz informieren. Viele Seiten, darunter auch renommierte Medienseiten, verwenden dazu Dialogfenster, bei denen man fast Täuschungsabsicht unterstellen könnte. Caspar M. Mierau zeigt dazu auf Twitter ein Beispielbild: “Diese irreführenden Cookiebanner habe ich auch echt satt. Vorauswahl: essenzielle Banner. Großer grüner Knopf darunter aktiviert aber alle. Man muss statt dessen den grauen darunter benutzen. Gezielte Irreführung durch UX-Antipattern. Dieser hier ist von @DIEZEIT.”

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4. EuGH kippt Privacy Shield
(taz.de, Christian Rath)
Der Europäische Gerichtshof hat in seiner jüngsten Entscheidung das EU-US-Datenschutz-Abkommen Privacy Shield gekippt. Auf dieser Grundlage dürften Unternehmen wie Facebook nun keine Daten mehr in die USA transferieren, so der rechtspolitische “taz”-Experte Christian Rath. In seinem Artikel ordnet Rath das Urteil ein, das es ohne die Klage des österreichischen Datenschutz-Aktivisten Max Schrems nicht gegeben hätte.

5. Es kann keine ideologiefreien Filme geben – Im Gespräch mit Wolfgang M. Schmitt
(diefreiheitsliebe.de, Julius Jamal)
Wolfgang M. Schmitt ist ein Filmkritiker, dessen Besprechungen sowohl in althergebrachten Medien als auch auf seinem Youtube-Kanal “Filmanalyse” erscheinen. Im Interview erzählt Schmitt von seiner Funktion als Ideologiekritiker und spricht über Mainstreamproduktionen, Law and Order, Diversität und den Kampfplatz Youtube.

6. Wie Online-Plattformen gegen Rechtsextremismus vorgehen
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein)
Von “Deplatforming” ist die Rede, wenn Social-Media-Netzwerke bestimmten Personen oder Gruppen die Plattform entziehen, also deren Konten, Profile oder Kanäle sperren beziehungsweise löschen. In der letzten Zeit passierte dies vor allem bei rechtsextremen Accounts wie denen der “Identitären Bewegung”. Isabelle Klein ist für den Deutschlandfunk der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen die Sperr-Strategie im Kampf gegen Rechtsextremismus hat.

Twitter-Bitcoin-Hack, Der falsche Stammbaum, Hofberichterstattung

1. Twitter-Accounts von Prominenten offenbar gehackt
(spiegel.de)
Gestern Abend kam es zu einem Hackerangriff auf Twitter-Konten von mehreren Prominenten und großen Firmen. In untergeschobenen Tweets riefen die von der Attacke betroffenen Personen und Unternehmen dazu auf, ihnen Bitcoins zu senden. Man würde den Betrag doppelt zurückzahlen oder spenden. Betroffen waren unter anderem die Accounts des früheren New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg, des Rappers Kanye West und des Microsoft-Gründers Bill Gates sowie Profile von Firmen wie Apple und Uber. Twitter will der Sache nachgehen, verständlicherweise und mehr als dringend.
Weiterer Lesehinweis: Warum es so gefährlich war, dass Hacker über Twitters interne Systeme prominente Accounts steuern konnten (netzpolitik.org, Markus Reuter).

2. Darf Facebook Ihre Daten in die USA senden?
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Dürfen Unternehmen personenbezogene Daten von Europäerinnen und Europäern in die USA schicken – Daten, die dort auch von den Geheimdiensten genutzt werden können? Darüber entscheide heute, aller Voraussicht nach, der Europäische Gerichtshof. Lisa Hegemann behandelt die wichtigsten Fragen zum Thema: Was ist das genaue Problem bei der Datenweitergabe? Was verbirgt sich hinter dem Privacy-Shield-Abkommen? Und wie sind die möglichen Entscheidungen des Gerichts zu bewerten?

3. Der erste Nestbeschmutzer aus dem Homeoffice
(netzwerkrecherche.org, Malte Werner)
Die Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten aus dem Master-Studiengang Journalistik und Kommunikationswissenschaften an der Uni Hamburg haben gemeinsam an einem Heft gearbeitet (PDF), das sich thematisch an die Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche anlehnt. Empfehlenswert für alle Medieninteressierten – und noch dazu kostenlos.

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4. Der falsche Stammbaum
(kontextwochenzeitung.de, Johanna Henkel-Waidhofer)
Tagelang machte das einem Polizeipräsidenten in den Mund gelegte Wort von der “Stammbaumforschung” die Runde. Dieser Polizeipräsident hatte das jedoch nie gesagt. Johanna Henkel-Waidhofer hat den Fall in einer Chronologie aufgearbeitet: “Verursacht wurde die ganze Aufregung von einem Sternschnuppen-Journalismus, der ungeniert Meldungen verbreitet, ohne ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.”

5. Diversität in Medien muss zur Normalität werden
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Bei den Medientagen München ging es unter anderem um die Frage, wie Diversität zum selbstverständlichen Wert redaktioneller Arbeit werden kann (Videomitschnitt der Veranstaltung). Petra Schwegler fasst die verschiedenen Aussagen, Wünsche und Forderungen von Teilnehmern und Teilnehmerinnen zusammen.

6. Sein Schloss, sein Schiff, sein Himmel, unser Aufmacherfoto
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Angela Merkels Treffen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder glich einem durchorchestrierten und inszenierten Staatsbesuch. Dabei entstanden Bilder von, nun ja, ungeheurer visueller Wucht, die begierig von vielen Redaktionen aufgegriffen wurden. Stefan Niggemeier hat sich die Titelblätter einiger Zeitungen angeschaut und kommentiert die spezielle Form der Hofberichterstattung.

Kontaktschuld, Kontrollversuche im Lokaljournalismus, Techjournalismus

1. Damit ist jedes Ihrer Argumente wertlos.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre nimmt sich eines moralisch-ethischen Themas an, das vor allem in den Sozialen Medien immer wieder für Streit und Diskussionen sorgt: der sogenannten “Kontaktschuld”. Macht man sich schuldig, wenn man Kontakt zu jemandem hat, der zum Gegner erklärt wurde? Über diese schwierige Thematik hat Buhre mit einer betroffenen Person gesprochen. Das Interview sei anonymisiert worden, weil die interviewte Person selbst Opfer von Kontaktschuldvorwürfen sei und sich daraufhin mit dem Arbeitgeber darauf verständigt habe, sich in betreffender Causa bis auf Weiteres nicht zu äußern. Das Gespräch (sowie Buhres empfehlenswerter Begleittext) liefert viel Stoff zum Nachdenken und für etwaige weitere Diskussionen.

2. Warum der Bund mit der Presse-Förderung einen gewaltigen Fehler begeht
(meedia.de, Gregory Lipinski)
Die Große Koalition wolle in den nächsten Jahren die Zeitungsbranche mit 220 Millionen Euro fördern. Eigentlich eine gute Idee, findet Gregory Lipinski, doch die Sache habe einen Haken: Das Geld solle mehrheitlich in die Digitalisierung fließen, von den ursprünglich eingeplanten 40 Millionen Euro Zuschuss für die Auslieferung von Printprodukten sei keine Rede mehr. Ein Fehler, so Lipinski. Zusammen mit dem steigenden Mindestlohn mache es der Bund den Verlagschefs quasi unmöglich, die Zustellung ihrer Zeitungen dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben: “Vor allem in vielen ländlichen Regionen drohen rasch weiße Flecke. Denn hier sind die Zustellkosten aufgrund größerer Wegstrecken am höchsten.”

3. Kontrollversuche im Lokaljournalismus
(ndr.de, Daniel Bouhs)
Der Wunsch, Berichterstattung zu kontrollieren, zeigt sich unter anderem in der Autorisierungspraxis von Interviews. Viele Promis, Politikerinnen und Politiker lassen sich nach einem Gespräch mit überregionalen Medien oder Magazinen das jeweilige Interview zur Freigabe vorlegen. Diese Praxis scheint sich auch im Lokaljournalismus auszubreiten. “Wir haben es ständig mit Leuten zu tun, die den Text vorher lesen wollen – wohlgemerkt: Amateure, ganz normale Bürger”, so der Chefredakteur der “Ostfriesen-Zeitung”, Joachim Braun, gegenüber dem Medienmagazin “Zapp”. “Das nimmt seit zwei, drei Jahren zu.”

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4. Der traurige Zustand des deutschen Techjournalismus am Beispiel Shopify
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Der deutsche Gründer Tobias Lütke hat mit Shopify ein Unternehmen geschaffen, das einen Marktwert von Daimler und Volkswagen habe – wohlgemerkt: zusammen. Dennoch werde über diese Erfolgsgeschichte in deutschen Medien so gut wie nicht berichtet. Ein Versäumnis, für das Thomas Knüwer deutliche Worte findet: “So lange die versammelte Autorenschaft der großen Medienmarken solch ein Thema verschläft, muss sie sich die Frage gefallen lassen, wofür die Redakteure bezahlt werden – und wofür der Leser sie bezahlen sollte.”

5. Schlechte Zeiten für fiktionales Fernsehen?
(uebermedien.de, Wilfried Urbe)
Die Corona-Krise ist auch eine Krise des fiktionalen Fernsehens und Films. Laut dem europäischen Film- und TV-Produzentenverband CEPI hätten zwei Drittel aller Produktionsfirmen in Europa ihre Produktionen zumindest vorübergehend stoppen müssen. Außerdem erlitten die privaten Sender erhebliche finanzielle Verluste durch den Rückgang der Werbeeinnahmen. Bei der ProSiebenSat.1-Gruppe ist von einem Minus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum die Rede. Wilfried Erbe hat sich in der angeschlagenen Branche umgesehen, dabei aber auch Krisengewinnler entdeckt.

6. Kritik an SWR-Sportsendung: Freundschaftsinterview mit Jürgen Klopp
(ondemand-mp3.dradio.de, Christoph Sterz, Audio: 2:07 Minuten)
Im SWR-Fernsehen wurde ein Interview mit dem Fußballtrainer Jürgen Klopp ausgestrahlt, bei dem es recht freundschaftlich und fast privat zuging. Kein Wunder, denn die Reporterin Lea Wagner und Klopp kennen sich gut: Wagner ist die Tochter des Fußballtrainers David Wagner, die Familien Klopp und Wagner seien miteinander befreundet (Jürgen Klopp ist laut “FAZ” sogar der Patenonkel von Lea Wagner). Im Hinblick auf kritische Distanz sind derlei persönliche Verflechtungen problematisch. Doppelt problematisch wird es, wenn die Beziehung, wie im vorliegenden Fall, nicht angesprochen wird.

Spannervideos, Rechtsextreme auf Imagesuche, Maskenfreies Fernsehen

1. Spannervideos – das heimliche Verbrechen
(ardmediathek.de, Patrizia Schlosser, Video: 42:57 Minuten)
Das Thema ist unerfreulich und abstoßend, doch der Beitrag darüber ist herausragend und unbedingt sehenswert: Patrizia Schlosser hat sich für ihre Investigativreportage mit bewundernswerter Courage in die Welt der Spanner begeben, die Frauen heimlich auf Klos oder unter der Dusche filmen und die Videos auf Pornoportalen veröffentlichen. Dabei geht es auch um die politische und juristische Dimension, denn manchen Tätern sei bei der derzeitigen (lückenhaften) Gesetzeslage nicht beizukommen.

2. Blanker Hass
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Donald Trumps Lieblingssendung bei Fox News sei “Tucker Carlson Tonight”, eine Sendung, die vom “paleokonservativen” politischen Kommentator Tucker Carlson moderiert wird. Nun sei bekannt geworden, dass der Chefautor der Sendung offenbar jahrelang unter Pseudonym im Internet Hetze, Rassismus und Frauenfeindlichkeit verbreitet habe. Das war anscheinend selbst Fox News zu viel: Sender und Autor haben sich getrennt. Tucker Carlson wolle sich erst in seiner Sendung am Montagabend zu dem Fall äußern.

3. Warum in Fernsehserien keine Masken getragen werden
(deutschlandfunk.de, Pia Behme, Audio: 4:53 Minuten)
Unser Alltag in Corona-Zeiten ist von Schutzmaßnahmen, Distanzregeln und Atemschutzmasken bestimmt. In der TV-Unterhaltung ist die Zeit jedoch meist vor der Pandemie stehengeblieben. Pia Behme hat bei Branchenvertreterinnen und -vertretern nachgefragt, warum die Corona-Thematik in fiktionalen Filmen oder Serien derzeit so gut wie keine Rolle spiele.

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4. Entlang der roten Linien in China
(mmm.verdi.de, Günther Herkel)
Der freie Journalist Marcel Grzanna lebte und arbeitete neun Jahre lang in China. Seine Erfahrungen und Eindrücke hat er in einem Buch zusammengefasst: “Eine Gesellschaft in Unfreiheit. Ein Insiderbericht aus China, dem größten Überwachungsstaat der Welt”. Im Interview spricht Grzanna über die schwierige Situation des Journalismus in dem asiatischen Land, das nahezu unmögliche Berichten über Missstände und den Vorwurf des “China-Bashings”.

5. Wie sich Rechtsextreme ein neues Image geben
(belltower.news, Stefan Lauer)
Vor Kurzem hat Twitter mehrere Accounts der “Identitären Bewegung” (“IB”) beziehungsweise aus dem dazugehörigen Umfeld gelöscht. Von der Löschaktion betroffen ist auch das prominente “IB”-Aushängeschild Martin Sellner, dem auf Twitter 40.000 Menschen folgten. Stefan Lauer hat sich die Reaktionen von Sympathisanten der Bewegung angeschaut, darunter auch Parteimitglieder von AfD und FPÖ.

6. BILD-Zweigstelle direkt in Söders Arsch eröffnet
(der-postillon.com)
Wie erklärt sich die obsessive Liebe der “Bild”-Redaktion für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder? Was vielen Branchenkennern bislang ein Rätsel war, haben die Kollegen vom “Postillon” nun endlich gelöst: Es müsse mit der regionalen Nähe zu tun haben.

Gespenstische Gesichtersuche, Korrekt gendern, Marseille

1. Eine polnische Firma schafft gerade unsere Anonymität ab
(netzpolitik.org, Daniel Laufer & Sebastian Meineck)
“Toll, endlich eine elektronische Suche für Gesichter”, mögen manche etwas unbedarfte Zeitgenossinnen und Zeitgenossen denken, wenn sie auf Pimeyes stoßen. Doch Fachleute erkennen in der kostenlos abrufbaren Datenbank mit mehr als 900 Millionen Gesichtern ein enormes Missbrauchspotenzial. Daniel Laufer und Sebastian Meineck sind der Sache in einer aufwändigen Recherche nachgegangen.

2. Pressefreiheit überwiegt
(taz.de, Christian Rath)
Das “Manager Magazin” hat 2011 über den einschlägig bekannten Ulrich Marseille berichtet, den Chef der bundesweit tätigen Marseille-Kliniken AG (heute MK-Kliniken AG). In dem Porträt wurde auch eine für Marseille leicht peinliche Anekdote erwähnt: Der Konzernleiter sei 1984 im juristischen Staatsexamen bei einem Täuschungsversuch ertappt worden und habe das Studium ohne Abschluss abbrechen müssen. Marseille klagte, zunächst erfolgreich, gegen die Berichterstattung, musste jetzt jedoch eine Niederlage hinnehmen: Der Bericht über die Jugendverfehlung sei zulässig gewesen, so das Verfassungsgericht. “Es gebe zwar eine ‘Chance auf Vergessenwerden’, so die Verfassungsrichter, bei einer Abwägung im Fall Marseille überwiege aber das Recht der Presse, wahrheitsgemäß zu berichten. Schließlich sei Marseille stets öffentlich tätig gewesen und habe auch die Öffentlichkeit gesucht.”

3. Korrekt gendern – wie geht das?
(genderleicht.de, Christine Olderdissen)
Anlässlich des einjährigen Bestehens von Genderleicht.de hat Projektleiterin Christiane Olderdissen einen lesenswerten Beitrag zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch verfasst, der für mehr Gelassenheit wirbt: “Die Weiterentwicklung der Sprache ist ein hoch demokratischer Prozess, denn die Mehrheit entscheidet, was funktioniert und was so zur Sprachnorm wird. Wir müssen zum Beispiel hinnehmen, dass der Genitiv zunehmend vom Dativ verdrängt wird. Diesen Prozess können wir sprachliebend beweinen und persönlich mit korrektem Einsatz des Genitivs gegenhalten. Aufhalten lässt sich die Entwicklung nicht. Genauso wenig wie ‘das Gendern’.”

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4. Das (zu) späte Erwachen der Medienverbände
(ndr.de, Daniel Moßbrucker)
Durch ein von netzpolitik.org veröffentlichtes Leak wurde bereits im März 2019 bekannt, dass deutsche Geheimdienste nicht nur Schwerstkriminelle und Terroristen abhören beziehungsweise “hacken” dürfen, sondern in Einzelfällen auch Medien. Doch erst jetzt scheinen die Medienverbände das Thema entdeckt und mit einer Stellungnahme (PDF) darauf reagiert zu haben. Der Einspruch komme spät – vermutlich sogar zu spät, so Daniel Moßbruckers Einschätzung.

5. Wo stehen die Verlage jetzt?
(deutschlandfunk.de, Christopher Ophoven, Audio: 4:48 Minuten)
Die Corona-Pandemie hat viele Medien- und Verlagshäuser schwer getroffen, trotz gestiegener Onlinenutzung und Zuwachs beim Verkauf von Digitalabos. Wie wird es weitergehen? Experten sind nicht allzu optimistisch: “Wenn jetzt Werbekunden sich entschieden haben, ich verzichte erstmal auf Werbung in der Zeitung, dann ist durchaus nicht ausgemacht, dass nur wenn die wirtschaftliche Situation für die Werbekunden wieder besser wird, sie auch wieder mehr Geld für Werbung in der Zeitung ausgeben. Vielleicht geben sie dann auch für Werbung in anderen Werbeformen aus, also, dass sie dauerhaft weg sind.”

6. Facebook entfernt Accounts von Hassgruppe und Trump-Vertrautem
(zeit.de)
Facebook habe mehr als einhundert Konten gesperrt, die mit Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro und Donald Trumps Berater Roger Stone in Verbindung gebracht wurden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des brasilianischen Präsidenten hätten ein “Desinformationsnetzwerk” erschaffen, das spalterische politische Botschaften verbreitet habe. Der langjährige Trump-Berater Roger Stone und dessen Partner hätten 50 persönliche und geschäftliche Seiten betrieben und gefälschte Konten und Follower genutzt, um Stones Bücher und Beiträge anzupreisen.
Dazu eine Guckempfehlung des “6 vor 9”-Kurators für das Wochenende: Die gleichermaßen unterhaltsame wie fassungslos machende Netflix-Doku: “Get me Roger Stone” (Dazu Jürgen Schmieder auf Süddeutsche.de: “Gegen den US-Politikberater Roger Stone wirkt selbst Frank Underwood aus ‘House of Cards’ wie ein Pimpf mit zu vielen Skrupeln.”)

Pflicht zum Pixeln, Polizeiliches Twittern, Scheuers Wahrheiten

1. Die Pflicht zum Pixeln liegt bei der Redaktion
(sueddeutsche.de, Wolfgang Janisch)
Das Bundesverfassungsgericht hat die Strafe gegen einen Fotografen wegen fehlender Verpixelung aufgehoben. Die Unkenntlichmachung liege nicht in seiner Verantwortung, sondern sei Aufgabe der Redaktion. Die Kammer habe klargestellt, “dass es Pressefotografen und Journalisten möglich sein muss, ohne Furcht vor Strafe unverpixeltes Bildmaterial an Redaktionen zu liefern. Eine strafrechtliche Verantwortlichkeit für Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch eine spätere Veröffentlichung besteht auch dann nicht, wenn die Zulieferer die Veröffentlichung aktiv anstreben.” Das sei jedoch kein Freibrief für Bildjournalisten, so der justizpolitische “SZ”-Korrespondent Wolfgang Janisch: “Fotografen müssen den Redaktionen sehr wohl die konkreten Umstände einer Aufnahme offenlegen, jedenfalls dann, wenn dies entscheidend für den Schutz der Betroffenen sein kann. Denn dass der Gang vor den Strafrichter für Fotografen völlig ausgeschlossen wäre – das hat das Bundesverfassungsgericht nicht festgestellt.”

2. Scheuers “taktisches Verhältnis zur Wahrheit”
(ndr.de, Daniel Bouhs, Video: 4:30 Minuten)
Der “Spiegel”-Journalist Gerald Traufetter kommentiert das Verhalten des Bundesverkehrsministeriums im Umgang mit Medienanfragen. Traufetter wirft Verkehrsminister Andreas Scheuer ein “taktisches Verhältnis zur Wahrheit” vor. Dem NDR und WDR vorliegende E-Mails aus dem Ministerium würden zeigen, dass Scheuers Kommunikationsabteilung eine Anfrage des “Spiegel” “torpedieren” wollte. Anscheinend eine besondere Ausprägung des dort vorherrschenden “strategischen Medienmanagements”, zu dem offenbar auch gehört, Interviews zur PR-Arbeit zu verweigern.

3. Boykott-Organisatoren erkennen bei Facebook keinen Willen zur Veränderung
(spiegel.de)
Facebook wird immer wieder vorgeworfen, zu wenig gegen Hass und Hetze zu unternehmen – eine Kritik, die schließlich zu einem weltweiten Werbeboykott führte. Dem Sozialen Netzwerk liegt mittlerweile der Bericht einer zweijährigen externen Untersuchung vor, der angeblich zu Veränderungen führen soll. Die Organisatoren des Werbeboykotts zeigten sich jedoch nach Gesprächen mit der Facebook-Spitze pessimistisch, was den tatsächlichen Veränderungswillen des Konzerns anbelangt.
Weiterer Lesehinweis: Das Aufständchen gegen Facebook (spiegel.de, Patrick Beuth).

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4. Corona-Ausfallfonds für Filmproduktionen
(mmm.verdi.de)
Zur Absicherung von Filmproduktionen hat die Bundesregierung ein Corona-Hilfspaket aufgelegt, einen mit 50 Millionen Euro ausgestatteten Fonds. Nun zieht das Land Nordrhein-Westfalen nach und kündigt die Bereitstellung von 10 Millionen Euro an. Diese Gelder sollen vor allem kleineren und mittleren Produktionsunternehmen helfen, die wegen fehlender Ausfallversicherungen oft vor einer Rückkehr zum Normalbetrieb zurückschrecken würden.

5. Die zehn besten Tipps fürs Bloggen
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Vielleicht ist es nicht mehr der ganz große Hype, dennoch wird in Deutschland oft und gerne gebloggt. Blogger Christof Herrmann hat dem “Fachjournalist” seine zehn Tipps fürs Bloggen verraten. Dabei geht es um Themen wie Inhalte, Technik, Zielgruppe und Vernetzung, aber auch um den menschlichen Aspekt: “Worauf ich achte, wenn ich selbst einen Blog lese: Auf jeden Fall ist mir wichtig, dass eine persönliche Komponente dabei ist, eine wirkliche Person ihre Erfahrungen mit einbringt.”

6. Warum Polizeibehörden nicht beliebig twittern dürfen
(netzpolitik.org, Friedrich Schmitt)
Der Jurist Friedrich Schmitt kommentiert die gelegentlich etwas flapsige Kommunikation von Polizeibehörden beispielsweise auf Twitter. Polizeiliche Social-Media-Arbeit müsse nicht in erster Linie “locker” oder “lustig” sein, sondern vor allem rechtsstaatlichen Mindeststandards genügen, die Grundrechte achten und mit der Freiheit der öffentlichen Meinungsbildung vereinbar sein. “Die Öffentlichkeitsarbeit ist zwar das Recht und die Pflicht aller staatlichen Stellen. (…) Dabei darf aber nicht aus dem Blick geraten, dass es sich bei der polizeilichen Öffentlichkeitsarbeit um die Ausübung hoheitlicher Gewalt handelt, die nur in den Grenzen des (Verfassungs-)Rechts zulässig ist und sich deshalb nicht ‘frei’ auf Twitter und Co. entfalten kann.”

Lanz-Liebeserklärung, “Princess of Science”, Rechtschreibungsfehler

1. Schluss mit Peter Lustig
(sueddeutsche.de, Johannes Nebe)
“Princess of Science”, so lautet der Name des neuen Kika-Wissensmagazins. In insgesamt acht Folgen geht es darum, wie sich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik im Alltag von Kindern und Jugendlichen auswirkt. Wer sind die drei Moderatorinnen des Wissensmagazins, die allesamt aus der Wissenschaft kommen? Und sind Sendungstitel und Aufmachung tatsächlich zu kritisieren, wie es vor allem auf Twitter der Fall gewesen sei?

2. Buch: Leiser Abschied vom Journalismus
(medienwoche.ch, Lothar Struck)
Birk Meinhardt war lange Zeit ein etablierter und preisgekrönter Reporter der “Süddeutschen Zeitung”, doch irgendwann “entfremdeten” sich Medium und Journalist. Über eben jene Entfremdung hat Meinhardt ein Buch geschrieben (“Wie ich meine Zeitung verlor”). Rezensent Lothar Struck kann die Ansichten des Autors an vielen Stellen nicht teilen: “Meinhardt dokumentiert einen leisen Abschied von einem Ideal, das es vielleicht so nie gegeben hat.”

3. Er will’s wirklich wissen
(taz.de, Peter Unfried)
Der Chefreporter der “taz”, Peter Unfried, hat eine Art Liebeserklärung an den ZDF-Moderator Markus Lanz verfasst. Er geht dabei auch auf die vielfach geäußerte Kritik an Lanz ein (wie zum Beispiel am Gespräch mit Sahra Wagenknecht ) beziehungsweise versucht, sie zu entkräften. Es ist einer dieser Texte, bei denen es sich lohnt, auch andere Stimmen zu hören (oder diesen immer noch aktuellen Text von Stefan Niggemeier aus dem Jahr 2012 zu lesen).
Weiterer Lesehinweis aus der Feder des “6 vor 9”-Kurators (Archiv): Die Moderationskarten von Markus Lanz für die Gottesmutter (Teil des satirischen Adventskalenders auf “Übermedien”).

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4. Warum Rechtschreibung in der Kultur der Digitalität an Bedeutung verliert
(schulesocialmedia.com, Philippe Wampfler)
Die Digitalisierung und die damit verbundenen Einsparmaßnahmen wirken sich gelegentlich an überraschenden Stellen aus, wie man gerade in der Schweiz sehen kann. Dort hätten Schweizer Medienkonzerne damit begonnen, Korrektorate zuerst ins Ausland auszulagern, dann ganz abzuschaffen. Mit fatalen Folgen hinsichtlich der Orthografie, wie die Korrektoratsleiterin der “Schaffhauser Nachrichten” Jaqueline Preisig auf Twitter an einem Beispiel festgemacht hat. Philippe Wampfler kommentiert: “Korrekturabteilungen einzusparen ist eine (falsche) Antwort auf die Frage, [wie] mit dem (vermeintlichen) Produktionsgewinn umgegangen werden soll.”
Weiterer Lesehinweis: “Bei grossen Schweizer Medienkonzernen, allen voran bei der TX Group, werden Korrektorinnen zur bedrohten Spezies. Wie lange kann beim Korrektorat gespart und abgebaut werden, ohne dass die Qualität leidet?” Daniel Meyer schreibt in der “Republik” über “Die Lücke, die uns ersetzt”.

5. Panama Papers: Anonyme Suchmaschine für Journalisten
(heise.de, Stefan Krempl)
Das Internationale Netzwerk investigativer Journalisten hat eine Schweizer Universität mit der Entwicklung eines “Datashare Networks” beauftragt, eines nach eigenen Angaben “vollständig anonymen dezentralen Forschungs- und Informationsaustauschsystems”. Damit solle es den mehr als 200 Mitgliedern in 70 Ländern leichter gemacht werden, über das Internet zusammenzuarbeiten und umfangreiche Datenpakete mit Data-Mining-Techniken zu analysieren. Stefan Krempl erklärt, wie das innovative System funktioniert.

6. Spotify reagiert auf Kundenkritik und löscht rechtsextreme Musik von Plattform
(rnd.de)
Nach zahlreichen Protesten hat der Musikstreamingdienst Spotify die Songs des als Rechtsextremist eingestuften Musikers Chris Ares von der Plattform entfernt. Bei Amazon Music und Deezer seien die Ares-Lieder gar nicht erst abrufbar gewesen. Doch beim, im Vergleich zu Spotify wesentlich kleineren, Anbieter Apple Music stünden die Titel noch immer zum Download bereit.

Scheuers Spielchen, Dubiose Internet-Gurus, Welterklärer

1. Scheuers Spielchen mit den Medien
(tagesschau.de, Martin Kaul & Antonius Kempmann)
Dass Ministerien und Behörden zur Presse manchmal nicht das beste Verhältnis haben, ist bekannt. Ein interessantes Beispiel liefert derzeit das Ministerium von Andreas Scheuer. Interne Mails aus dem Bundesverkehrsministerium würden zeigen, wie man dort versucht habe, kritische Berichterstattung zu erschweren. Einige dem WDR und NDR vorliegende Dokumente würden gar dokumentieren, “wie der Minister Anweisung gab, die Arbeit eines ‘Spiegel’-Journalisten bei der Aufarbeitung der Maut-Affäre zu konterkarieren”.
Weiterer Lesetipp: Daniel Bouhs kommentiert: Scheuers PR-Tricks werden Folgen haben! (ndr.de).

2. Dubiose Internet-Gurus: Wenn 14-Jährige das große Geld versprechen
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
In den Sozialen Netzwerken tummeln sich unzählige Online-Coaches, die den gutgläubigen Interessentinnen und Interessenten Reichtum, Erfolg und ein sorgloses Leben versprechen. Oft mit allerlei Tricks: Da wird geschwindelt, getäuscht und manipuliert. Da verspricht dann schon einmal ein 14-Jähriger seinen potenziellen Kunden und Kundinnen den lang ersehnten “Ausbruch aus dem Hamsterrad”. Matthias Schwarzer hat sich einige der Online-Gurus und deren fragwürdige Coachingangebote angeschaut.

3. Mehrere dicke Enden auf einmal
(taz.de, Erica Zingher)
Mit dem Popmagazin “Spex” und dem Berliner Stadtmagazin “Zitty” werden gleich zwei jahrzehntelang existierende Projekte eingestellt. Der Grund für das zweifache Aus sollen die coronabedingt fehlenden Werbeeinnahmen gewesen sein, doch ist das die einzige Wahrheit? Erica Zingher wirft einen Blick in die Vergangenheit und geht der Frage nach, ob es schon zuvor Anzeichen für das nahende Ableben beider Magazine gegeben hat.

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4. “Die Hautfarbe war nie ein Hinderungsgrund”
(sueddeutsche.de, Kathleen Hildebrand)
Der Musiksender Viva ist auch heute noch ein positives Beispiel für Diversität in den Medien. Kathleen Hildebrand hat sich mit dem früheren Viva-Chef Dieter Gorny über das Musikfernsehen von damals unterhalten und ihm die Frage gestellt, warum das deutsche Fernsehen heute so gleichförmig aussehe: “Es hat, was Diversität, aber auch was Innovation angeht, eine jahrzehntelange Minus-Entwicklung gegeben. Es gibt eine Kluft zwischen Fernsehen und Popkultur. Das normale Mainstream-Fernsehen begreift sich eher nicht als Trendscout und produziert für eine Gesellschaftsstruktur, die es so eigentlich immer weniger gibt.”

5. Thomas Fischer erklärt die Welt
(lto.de, Pia Lorenz)
Es gibt bereits einige beliebte Podcasts zu Rechtsfragen, doch der allergrößten Beliebtheit erfreuen sich True-Crime-Formate. Im SWR2-Podcast “Sprechen wir über Mord?!” erklärt der bekannte Kolumnist und Ex-Bundesrichter Thomas Fischer seinen Mit-Podcastenden Viktoria Merkulova und Holger Schmidt seine Sicht auf einen konkreten Fall beziehungsweise darauf, was bei diesem Fall das tatsächliche Problem sei. “Ein echtes Hörvergnügen für alle, die True Crime und Strafrecht lieben”, findet Pia Lorenz in ihrer Rezension.

6. Über eine Million US-Dollar pro Post trotz Corona: Das ist die “Instagram Rich List 2020”
(omr.com, Torben Lux)
OMR hat sich die aktuelle “Instagram Rich List” angeschaut, die wiedergibt, welcher Star am meisten für einen (werblichen) Instagram-Post kassiert. Auch wenn die Liste wegen ihrer vielfach nur geschätzten Zahlen mit Vorsicht zu genießen sei, gebe sie einige aufschlussreiche Hinweise. Angeführt wird die Tabelle vom Schauspieler und ehemaligen Wrestler Dwayne “The Rock” Johnson, der für einen Werbe-Post rund eine Million Dollar aufrufen könne.

Unbekannter Pionier, “Coolibri” vor dem Aus, Google und die Verleger

1. “Sind die Bilder erst einmal im Netz, ist alles zu spät”
(zeit.de, Lisa Hegemann)
(Triggerwarnung: Kindesmissbrauch) Familienrechtler Rudolf von Bracken vertritt seit mehr als drei Jahrzehnten Betroffene von Kindesmissbrauch vor Gericht. Im Gespräch mit “Zeit Online” erklärt er, wie Betroffene Missbrauchsabbildungen aus dem Internet bekommen (gar nicht), warum es für die Bekämpfung von dokumentiertem Kindesmissbrauch keine Vorratsdatenspeicherung braucht, und warum er sowohl auf den Staat als auch auf die Gesellschaft wütend ist: “Weil der Missbrauch unter den schlafenden Augen des Staates passiert. Weil die Gesellschaft all das weiß oder zumindest ahnt. Aber sie guckt einfach weg, und das schon immer.”

2. Paywall: “Tagesspiegel” führt neues Bezahlangebot ein
(dwdl.de, Alexander Krei)
Unter dem Namen “Tagesspiegel Plus” führt der “Tagesspiegel” ein kostenpflichtiges Angebot für ausgewählte Inhalte ein. Das neue Abo koste 9,99 Euro im Monat und werde vom “Tagesspiegel”-Geschäftsführer in feinstem Marketingsprech gepriesen: “Nachdem wir die ‘Leser Experience’ konsequent optimiert haben, runden wir gemäß unserer subscription first strategy mit ‘Tagesspiegel Plus’ unser Digitalabo-Angebot ab”.

3. Ruhrpott-Magazin “Coolibri” vor dem Aus
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
37 Jahre nach der ersten Ausgabe droht dem Ruhrpott-Magazin “Coolibri” das wirtschaftliche Aus. Gedruckte Stadtmagazine hätten es bereits vor der Corona-Krise schwer am Markt gehabt. Doch nun könnten die wegbrechenden Anzeigenerlöse die unheilvolle Entwicklung beim Veranstaltungsmagazin mit Sitz in Dortmund beschleunigt haben.

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4. Google will News, und umgekehrt
(taz.de, Steffen Grimberg)
Die Zeitungsverleger liegen seit Jahren mit Google im Clinch. Der Suchmaschinenriese würde ihre Inhalte ausbeuten und das Anzeigengeschäft kaputt machen. Eine Folge des Wehklagens war das Leistungsschutzrecht, das sich für die Verlage jedoch aus verschiedenen Gründen nicht ausgezahlt hat. Nun gebe es überraschend Anzeichen für eine Kooperation zwischen den verfeindeten Parteien.

5. Auf der Suche nach mehr als Brosamen
(sueddeutsche.de, Claus Hulverscheidt)
Die renommierte “New York Times” steigt bei Apples Journalismus-Flatrate-Angebot Apple News aus. Claus Hulverscheidt kommentiert: “Der US-Finanzsender CNBC etwa berichtete vor einiger Zeit, viele Medien erlösten über das in Deutschland nicht erhältliche Apple-News-Angebot gerade einmal wenige Zehntausend Dollar im Monat. Für ein Unternehmen wie die New York Times, das im Jahr einen Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar erwirtschaftet, ist das kaum der Rede wert. Überlegt man zudem, dass die Zusammenarbeit mit Apple zwar die Reichweite erhöht, zugleich aber die Vermarktung der eigenen, bezahlpflichtigen App erschwert, erscheint die Entscheidung des Blattes nachvollziehbar.”

6. Ein unbekannter Pionier aus Leipzig
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 5:20 Minuten)
Kaum jemand kann etwas mit dem Namen Timotheus Ritzsch anfangen, dabei hat der Mann vor genau 370 Jahren die Tageszeitung erfunden. Der Deutschlandfunk erinnert an den Verleger und hat mit dem Medienwissenschaftler Uwe Krüger sowie mit Stephanie Jakobs vom Buch- und Schriftmuseum über die Bedeutung des Mediums Tageszeitung gesprochen.

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