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Wirecard-Berichterstattung, “Medien-Doktor”, Fremder Fame

1. Zuerst wurden die Journalisten verdächtigt
(deutschlandfunk.de, Christopher Ophoven, Audio: 6:21 Minuten)
Jahrelang berichtete die “Financial Times” über die Unregelmäßigkeiten beim Finanzdienstleister Wirecard. Dies bekam auch die zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit. Doch anstatt Anzeige gegen das mittlerweile insolvente Unternehmen zu stellen, dem auf rätselhafte Weise 1,9 Milliarden Euro abhanden gekommen sind, von denen unklar ist, ob es sie jemals gab, erstattete die Behörde Anzeige gegen die Journalistinnen und Journalisten.

2. Es gibt jetzt einen Medien-Doktor für Ernährungsjournalismus
(medien-doktor.de, Marcus Anhäuser)
Beim “Medien-Doktor für Ernährungsjournalismus” geht es darum, wie Redaktionen über Lebensmittel, Ernährungsformen, Diäten und Substanzen berichten, und um die Frage, was gut und was schlecht läuft in der Berichterstattung. Das Forschungsprojekt untersuche Beiträge aus deutschen Medien, in denen positive oder negative Effekte von Ernährung beschrieben werden. Einer der Projektverantwortlichen erklärt das Ziel: “Mit dem Medien-Doktor Ernährung möchten wir die Verbraucher sensibilisieren, nicht jedem Heilsversprechen in den Medien Glauben zu schenken. Wir schaffen Transparenz, indem wir die Quellen und dahinter liegenden Studienergebnisse überprüfen.”

3. YouTube löscht sechs bekannte rechtsextreme Kanäle
(spiegel.de)
Vor ein paar Tagen machte Reddit das Forum “The_Donald” dicht, in dem sich rund 800.000 Trump-Sympathisanten, Rassisten, Verschwörungsmystiker und Anhänger der neurechten Alt-Right-Bewegung tummelten. Die Video-Plattform Twitch sperrte gar den Kanal des US-Präsidenten, wenn auch nur zeitweilig (weiterführende Infos). Nun hat Youtube sechs der bekanntesten rassistischen und rechtsextremen US-Kanäle geschlossen: den des rechtsnationalen Richard Spencer und seines “National Policy Institute”, die Kanäle eines Ex-Ku-Klux-Klan-Anführers und eines neurechten Bloggers sowie das Magazin “American Renaissance” mitsamt seines Podcast-Angebots.

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4. Attila Hildmann ist der am schlechtesten vorbereitete Verschwörungstheoretiker Deutschlands
(vice.com, Theresa Locker)
Der vom Kochbuchautor zum Verschwörungserzähler gewandelte Attila Hildmann sei erstaunlich einfach schachmatt zu setzen, findet Theresa Locker: “Man könnte Hildmann sogar als den am schlechtesten vorbereiteten Anhänger von Verschwörungsmythen bezeichnen – sobald jemand nachhakt, kommt er schneller ins Straucheln, als er seinen Telegram-Pin eintippen kann.” Im direkten Gespräch und wenn es um Quellen für seine Behauptungen gehe, wirke Hildmann oft schlicht und ratlos, “was ihn fast schon sympathisch macht, würde es nicht um hasserfüllte Ideologien gehen, die er verbreitet.”

5. Ein gefährlicher Präzedenzfall
(taz.de, Niklas Franzen)
Ein brasilianischer Kolumnist der Deutschen Welle habe auf seinem Twitter-Account eine satirische Abwandlung eines historischen Zitats veröffentlicht, die sich gegen die engen Beziehungen zwischen der Regierung des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro und den fundamentalistischen Pfingstkirchen richtet. Der Journalist wurde dafür nicht nur von Bolsonaro-Fans angefeindet und bedroht, sondern verlor auch seinen Job bei der Deutschen Welle (DW). Niklas Franzen kommentiert: “Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Druck der Rechten ausschlaggebend für die Entscheidung der DW war.”

6. “FameMaker”: Hat Stefan Raab seine neue Show nur abgekupfert?
(rnd.de, Thomas Kielhorn)
Vor drei Wochen habe der Fernsehsender ProSieben den Start einer völlig neuen Musikcomedyshow verkündet, die von Stefan Raab entwickelt worden sei. Bei “FameMaker” würden die Kandidatinnen und Kandidaten unter einer schalldichten Glaskuppel vor der Jury performen. Ob es sich tatsächlich um eine Erfindung Raabs handelt, sei fraglich: Das Konzept ähnele auffällig dem südkoreanischen Erfolgsformat “I Can See Your Voice”, das von RTL für den deutschen Markt eingekauft wurde und im Sommer gesendet werden soll.

Was falsch läuft, Klenks Kampf, Diversitäts-Checkliste

1. Was falsch läuft im Journalismus
(br.de, Knut Cordsen)
Birk Meinhardt schrieb lange Zeit als festangestellter Reporter für die “Süddeutsche Zeitung”, doch irgendwann setzte eine Entfremdung ein, und Meinhardt verließ schließlich das Blatt. In seinem neuen Buch “Wie ich meine Zeitung verlor” schildert er, warum er der “SZ” den Rücken kehrte. Im Telefoninterview mit dem BR gibt Meinhardt den Medien eine Mitschuld am Lagerdenken: “Der Journalismus trägt meines Erachtens eine Riesenschuld an der Verhärtung der Fronten, die er selber beklagt. Er bringt sie maßgeblich mit hervor und er beklagt sie danach.” Typisch sei ein Satz, der einmal in der “Süddeutschen” gestanden habe: “Da hieß es: Wir sollten schon mit den Ausgescherten, also mit den Populisten, den Wütenden, all denen, zu denen wir nicht mehr dringen, reden, auch wenn es fast sicher ist, dass wir sie nicht werden überzeugen können. Das ist ein scheinbar banaler Satz. Wenn man ihn aber einmal hin- und herwendet, dann ist eine ungeheure Anmaßung darin enthalten: die Anmaßung, wir, die Journalisten, könnten und müssten die Leute von etwas überzeugen, auch wenn uns das nicht gelingen wird. Und was auch darin steckt: Wir müssen nicht überzeugt werden. Wir wollen von der Gegenseite gar nichts empfangen.”

2. Reddit sperrt Gruppe mit 800.000 Trump-Anhängern
(spiegel.de)
Die Online-Plattform Reddit hat eine Trump-Supporter-Gruppe mit 800.000 Mitgliedern wegen fortgesetzter Hassrede geschlossen. Die Moderatoren hätten sich geweigert, “unsere einfachsten Erwartungen zu erfüllen”, so die Reddit-Verantwortlichen. Bei der Amazon-Tochter Twitch sei der offizielle Kanal von US-Präsident Donald Trump wegen beleidigender Kommentare in einem Stream zumindest zeitweilig gesperrt worden.
Weiterer Lesehinweis: Reddit, Acting Against Hate Speech, Bans ‘The_Donald’ Subreddit (nytimes.com, Mike Isaac).

3. Dieter E. Zimmer gestorben
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Die “Süddeutsche Zeitung” erinnert an den Journalisten, Autor und Übersetzer Dieter E. Zimmer (“der letzte Universalfeuilletonist”), der vergangene Woche im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben ist.

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4. Ich hab mich ja schon gefragt, wieso die Krone und ihr Redakteur Pommer so auf mich gefeuert hat.
(twitter.com/florianklenk)
“Falter”-Chefredakteur Florian Klenk wurde vor einiger Zeit vom “Krone”-Kolumnisten Michael Jeannée auf besonders üble Weise beschimpft und in die Nähe des sexuellen Missbrauchs gerückt (auf Klenks Facebook-Seite per Foto dokumentiert). Im März hat das Landesgericht Wien über die Sache entschieden und Jeannée zu einer Geldstrafe von 9000 Euro sowie die “Krone” zu einer Entschädigung von 6000 Euro verurteilt. Das Urteil weise nach Klenks Ansicht jedoch einen Schönheitsfehler auf: “Wir werden das Urteil aber bekämpfen, denn der Richter hat nur einen kleinen Teil der Suada berücksichtigt, die Jeannee über mich ergossen hat. Viele andere Unwahrheiten blieben unsanktioniert und wurden ihm als ‘Meinung’ erlaubt. Das werden wir vor dem OLG monieren.” Auf Twitter schreibt er weiter dazu: “Mein ‘Sieg’ gegen Jeannee ist nur zum Teil Grund zur Freude. Denn das Gericht hat nur die Bezeichung ‘verderbte Figur’ als Beleidigung gewertet. Alle anderen Insultationen wurden als ‘sachbezogene Kritik’ beurteilt. Ich reibe mir immer noch die Äuglein.”

5. Filmförderung führt Diversitäts-Checkliste gegen Klischees ein
(rnd.de)
Wer bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) einen Förderantrag stellt, muss auch einen Diversity-Fragebogen ausfüllen. Dabei gehe es in erster Linie darum, die Drehbuchautoren, Produzentinnen oder Regisseure auf diesem Gebiet zu sensibilisieren und unbewusste Vorurteile und Klischees zu hinterfragen. “Wir wollen verstehen und wissen, warum sie ihre Rollen so besetzt und den Stoff so entwickelt haben, wie sie es getan haben”, so die FFHSH-Sprecherin Claudia Hartmann. “Manchmal gibt es ja auch inhaltliche Gründe, warum ein Film nicht divers ist. Die wollen wir aber nachvollziehen können.”

6. Neue Glücks-Zahlen eingetroffen!
(uebermedien.de, Mars Schönauer)
Mats Schönauer ist der offizielle Regenbogenpressebeauftragte des medienkritischen Portals “Übermedien”. Dort ruft er regelmäßig zum “Schlagzeilenbasteln” auf: “Kettensägen raus, es wird wieder gebastelt! Wir geben Ihnen eine Nachricht, und Sie schnippeln daraus eine titelseitenwürdige Schlagzeile. Sind Sie so gut wie die Profis? Probieren Sie es aus!”

Später Triumph, Unpure Pur-Abos, Tönnies und der Buddy-Journalismus

1. Der späte, aber große Triumph der Financial Times
(meedia.de, Nils Jacobsen)
Der mittlerweile insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard galt vor seinem tiefen Fall lange Zeit als Vorzeigevertreter des Finanztechnologie-Sektors. Die “Financial Times” warnte hingegen seit Jahren vor dem Unternehmen sowie dessen Geschäftspraktiken und handelte sich für ihre kritische Berichterstattung viel Ärger, Widerstand und eine Schadensersatzklage ein. Nils Jacobsen würdigt in seinem Beitrag die Beharrlichkeit der Finanzrechercheure, die den Fall Wirecard mit aufzudecken halfen: “Es ist ein Triumph des Journalismus, der in Zeiten der andauernden Branchenkrise eine nicht zu überschätzende Beachtung verdient.”

2. Nicht ganz ohne
(netzpolitik.org, Matthias Eberl)
Der österreichische “Standard” bietet seit einiger Zeit ein sogenanntes “Pur-Abo” an. Damit sei der Besuch der Website werbefrei, werbetrackingfrei, trackingfrei und DSGVO-konform. “Zeit Online” und “Spiegel” sind dem “Standard” gefolgt und bieten ebenfalls “Pur-Abos” an. Ganz so pur wie das Vorbild aus Österreich seien diese jedoch nicht, wie der Journalist und Datenschutz-Experte Matthias Eberl in seiner Recherche herausgefunden hat.

3. “Zielgruppe ist die breite Masse”
(taz.de, Baha Kirlidokme)
Die “taz” hat sich mit Thomas Laschyk unterhalten, der unter dem Namen “Volksverpetzer” eine Art “Anti-Fake-News-Blog” betreibt. In dem Interview geht es unter anderem um die Fragen, warum sich Verschwörungsmythen auf Social Media vor allem unter Rechten so gut verbreiten und was man dem entgegensetzen kann. Der “Volksverpetzer” bediene sich bei seinen Schlagzeilen oft eines reißerischen Tons, so ein Vorhalt: “Wenn wir gehört werden wollen, müssen wir nach den Regeln von Social Media spielen. Dazu gehört eindeutiges Framing, die richtigen Schlagworte oder der Appell an Emotionen. Wir versuchen also die Strategien der Verschwörungsideologen gegen sie zu verwenden, allerdings ist unser Anspruch, auch alles belegen zu können.”

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4. Liebesgrüße nach Rheda-Wiedenbrück
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
“Ich will gar nicht erst versuchen, den Eindruck zu erwecken, ich sei unvoreingenommen. Clemens Tönnies war bei meiner Geburtstagsfeier eingeladen. Ich bei seiner. Wir kennen uns schon viele Jahre, wir haben uns über den Fußball kennengelernt.” So lauten die ersten Zeilen eines “Bild”-Beitrags über die Causa Tönnies. Jürn Kruse findet: “Wenn man dem eigenen Kommentar eine solche Präambel voranstellen muss, sollte man eigentlich die Finger von dem Thema lassen”. Er hat trotzdem weitergelesen und fühlte sich prompt an einen anderen Fall von Buddy-Journalismus erinnert.

5. Facebook will stärker gegen Hassbotschaften vorgehen
(zeit.de)
Wenn Facebook demnächst stärker gegen Hassbotschaften und Rassismus vorgeht, liegt das eventuell nicht an Appellen der Zivilgesellschaft, Forderungen von Justiz und Politik oder gar einer eigenen moralischen Einsicht, sondern schlicht an wirtschaftlichen Interessen: Erst der Boykott einiger zahlungskräftiger Werbekunden habe den Konzern dazu bewogen, seine bisherige Praxis zu überdenken.

6. Gefährlicher Insta-Hype im Nationalpark
(br.de, Florian Heinhold, Video: 5:24 Minuten)
Der Königsbach-Wasserfall im Nationalpark Berchtesgaden mitsamt seines “Infinity-Pools” ist ein beliebter Foto-Spot für Influencerinnen und Influencer. Am Königssee ist man jedoch nicht begeistert über den Hype: Die Instagram-Junkies brächten sich und andere in Gefahr, würden die Natur stören und Müll hinterlassen. Was tun?

Wenigstens werden diesmal keine Witwen geschüttelt

20 Millionen Euro soll der Axel-Springer-Verlag derzeit in den Versuch stecken, “Bild” auch als (Live-)Video-Plattform zu etablieren. Das kann schon aus rein inhaltlicher Sicht kein wohltätiges Projekt sein und das soll es sicher auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht sein – Springer will mit “Bild TV” Geld verdienen.

Das soll vor allem durch Werbung reinkommen. Seit ein paar Wochen kann man beobachten, wie das beim “Bild”-Fernsehen aussieht: In der Fußball-Talk-Sendung “Reif ist live” mit Marcel Reif ist seit einigen Folgen auf ganz geschickte und natürliche Weise eine Produktplatzierung eingebunden. Nicht mit dem Holzhammer – das würde ja stören und kaum wirken -, sondern feinfühlig, wie man es von “Bild” gewohnt ist. Aber seht selbst:

In einem Prospekt (PDF) präsentiert der Springer-Vermarkter Media Impact die verschiedenen Möglichkeiten, mit denen Firmen in “Reif ist live” werben können. Auch dabei: “PRODUCT PLACEMENT”. Wie viel Müllermilch dafür bezahlt hat, dass der Chefredakteur des “Bild”-“Sport-Kompetenzcenters” Matthias Brügelmann die Flaschen schüttelt, als hätte er schon immer mal einen Sex on the Beach mit einem Augenzwinkern servieren wollen, oder der “Bild”-Sportchef Walter M. Straten verzweifelt nach Überleitungen sucht, die ihn nicht komplett wie einen Werbeheini aussehen lassen, erfährt man dort leider nicht.

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Aber kommt dieses Bauerntheater bei den “Bild”-Zuschauerinnen und -Zuschauern an? Lohnt sich das eifrige Werbeschütteln? Die Reaktionen unter den entsprechenden “Reif ist live”-Youtube-Videos lauten:

Wegen dieser beschissenen Werbung werde ich mir nie wieder auch nur 1 einzige Flasche Müller Milch kaufen.

Und auf einmal schüttelt er sich die müllermilch, ich Dreh ab

Dieses geschüttel während einer Fragestellung .. unmöglich

Reif Ehrenmann rührt Müllermilch nicht an

Ihr macht euch mit dieser Müllermilch lächerlich!!

Hahahaha der schüttelt die Müller Milch und legt sie wieder hin hahahah

Böse Zungen behaupten, der Bild-Sportmodertor geht nach jeder Talkshow erst einmal brechen.

Sorry, das ist so affig und zum Fremdschämen… geschüttelt, nicht gerührt. Wie fremdgesteuert muss hier geschüttelt werden… :-)

Also ich mochte Müller Milch aber jetzt würde ich das nicht mehr kaufen das nenne ich mal Werbung

Oh je ist das schlecht mit der Müllermilch, Leute lasst es einfach weg bitte und versucht nicht noch Werbeeinnahmen zu generieren.

Die Müller Milch Werbung ist einfach peinlich.

Diese unfassbar dumme Werbung ist soooooooooo peinlich und zum fremdschämen. Einfach nur lächerlich.

Diese Werbung nervt ungemein

Wie Horny die Müllermilch geschüttelt wird.

Verstehe ja, dass man Werbung macht um Geld zu verdienen aber das war schon sehr aufgesetzt und wirkte unangenehm unnatürlich.

Bild, einfach nur peinlich, wie immer !!! Warum hält er die Flasche nicht einfach debil grinsend direkt in die Kamera. Dann weiss auch der letzte wie seriöser Journalismus funktioniert !!

… wir könnten hier noch lange weitermachen.

Mit Dank an J. A. für den Hinweis!

Konflikt bei der “taz”, Rezos Antwort, Kritik zum Hasskriminalitätsgesetz

1. Schwerer Konflikt bei der “Taz”
(sueddeutsche.de, Elisa Britzelmeier & Jens Schneider)
Der Konflikt um eine umstrittene Kolumne in der “taz” über die Polizei scheint mittlerweile völlig eskaliert. Eine Mitteilung im Hausblog der “taz”, eine Stellungnahme der Chefredaktion und verschiedene Gegenstimmen (so die von Bettina Gaus und die von Stefan Reinecke) lösen sich ab, nun wolle angeblich sogar Innenminister Seehofer mit einer Anzeige reagieren.
Weiterer Lesehinweis: Darf die “taz” Yaghoobifarah kritisieren? (NDR.de, Daniel Bouhs & Inga Mathwig).

2. Die dümmsten und lustigsten Reaktionen
(youtube.com, Rezo, Video: 32:09 Minuten)
In seinem Video “Die Zerstörung der Presse” rechnete Youtuber Rezo mit verschiedenen Medien ab. Dies betraf nicht nur den Boulevard und Titel der Regenbogenpresse, sondern auch ernst zu nehmende Presseorgane und Redaktionen. Ein Dreh- und Angelpunkt seines Videos war eine Recherche, bei der sich der Youtuber angeschaut angeschaut hatte, wie über ihn berichtet wurde. Laut Rezo habe die Berichterstattung von “FAZ” und “Welt” eine hohe Fehlerquote aufgewiesen. Beide Medien reagierten auf die Vorwürfe: Die “FAZ” mit einem halbstündigen “Gegen-Video”, die “Welt” mit einem “Faktencheck” aus ihrer Sicht. Nun hat Rezo mit einem erneuten Video geantwortet, das den Eindruck einer zweiten “Zerstörung der Presse” aufkommen lässt.

3. Zahl der Bilder von Kindesmissbrauch im Netz in Coronakrise stark gestiegen
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
In der Zeit der Corona-Pandemie sei die Zahl der im Netz geteilten Bilder von Kindesmissbrauch sprunghaft angestiegen, so ein Bericht der EU-Polizeibehörde (PDF). Max Hoppenstedt erzählt von den wichtigsten Erkenntnissen der Ermittlerinnen und Ermittler und weist zum Schluss seines Artikels auf die #Say-No-Kampagne von Europol (englisch) hin.

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4. Wie es ist, ohne Chefredaktion zu arbeiten
(journalist.de, Laurenz Schreiner)
An der Deutschen Journalistenschule wird nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch gearbeitet: Ein Teil der Ausbildung umfasse die Produktion eines eigenen Magazins. Dieses Jahr habe sich die Lehrredaktion für ein neues Modell der Zusammenarbeit und gegen die üblichen Funktionsbezeichnungen sowie eine Chefredaktion entschieden. Laurenz Schreiner erzählt, wie es mit dem kollaborativen Team-Modell geklappt hat.

5. Das Gesetz, das Daten sammelt, statt Hass zu verhindern
(zeit.de, Henrik Oerding)
Vergangenen Donnerstag hat der Bundestag das “Gesetz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität” beschlossen, trotz einiger Bedenken von Fachleuten im Vorfeld. Das neue Gesetz sei zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht, wie Hendrik Oerding in seiner Analyse konstatiert: “Es verhindert Hass im Internet nicht, sondern gräbt bedenklich große Löcher in den Datenschutz aller Nutzerinnen: Es zwingt Internetseiten zur Datenspeicherung, erlaubt dem Bundeskriminalamt (BKA) Passwörter anzufordern und macht soziale Netzwerke zu Pseudopolizisten.”

6. John Bolton: «Grossartig für die USA» – und jetzt glaubwürdig?
(infosperber.ch, Christian Müller)
Donald Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton hat ein Buch über seine Zeit mit dem US-amerikanischen Präsidenten geschrieben, das in zahlreichen Medien bereits vor Erscheinen für viel Aufmerksamkeit sorgt. Christian Müller rät den erwartungsvollen Trump-Kritikern jedoch, “die Geisteshaltung des Autors nicht zu vergessen – oder sich das Lesen ganz zu ersparen”. Bolton habe vor seinem Amtsantritt als Chairman des Think-Tanks “Gatestone Institute” gewirkt, einer ganz rechten Denkfabrik, die unter anderem für die Veröffentlichung anti-muslimischer Artikel bekannt ist.
Weiterer Lesehinweis (Archiv): Die Geschichtenerzähler: Beim “Gatestone Institute” entstehen Falschmeldungen, die bis nach Deutschland wandern (correctiv.org, Till Eckert & Cristina Helberg & Tania Röttger).

Julian Reichelt in der Champions League der Heuchler

Eine der großen Stärken von “Bild”-Chef Julian Reichelt war schon immer seine Doppelmoral. Er, der schlimmste Schläger auf dem Schulhof, zeigt sich regelmäßig völlig überrascht/entsetzt/angeekelt, sobald eine Keilerei mal ihn oder “Bild” betrifft. Die Maßstäbe, die Reichelt bei anderen anlegt, müssen ja keineswegs für ihn oder seine Redaktion gelten. Und damit herzlich willkommen zu Folge 3471 der Serie “Julian gefällt sich in der Opferrolle”.

Gestern, nach dem Bundesligaspiel zwischen der TSG Hoffenheim und Union Berlin, twitterte Holger Kliem, der in Hoffenheim für die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, folgendes (von ihm unkenntlich gemachtes) Foto:

Screenshot eines Tweets von Holger Kliem - Hier schwänzt Bild die Maskenpflicht! Auf allen Bundesliga-Pressetribünen herrscht weiterhin Maskenpflicht nur Bild macht es anders, trotz mehrmaligen Hinweises! - Dazu sieht man ein Foto eines Bild-Reporters, der seinen Mund-Nase-Schutz nicht über Mund und Nase trägt und dabei telefoniert.

Julian Reichelt fand es selbstverständlich gar nicht in Ordnung, dass Kliem öffentlich machte, dass ein “Bild”-Reporter “trotz mehrmaligen Hinweises” seinen Mund-Nase-Schutz lieber als Kinnschutz verwendete. Der “Bild”-Chef kommentierte bei Twitter:

Screenshot eines Tweets von Julian Reichelt - Gleich zwei deutsche Volkssportarten in einem Stadion: Fußball und Denunziation.

Nun wäre dieser Reichelt-Tweet lediglich eine weitere Folge in der oben erwähnten Serie. Hätte der, der hier laut “Da ist eine Petze!” ruft, nicht mit seinem Team nur wenige Stunden zuvor selbst und verblüffend ähnlich gepetzt:

Screenshot Bild.de - In Berlin-Tegel - Hier sitzt Kretschmann ohne Mundschutz im Flughafen

In dem Bild.de-Artikel geht es um ein Foto, auf dem Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu sehen ist, wie er am Flughafen ein paar Süßigkeiten isst und dabei — wenig überraschend — keinen Mund-Nase-Schutz trägt. Laut einer Augenzeugin habe Kretschmann auch später keine Maske getragen. Ein Sprecher Kretschmanns sagt hingegen, dass die Maske nur für “ganz kurze Zeit” nicht aufgesetzt gewesen sei.

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Die Kombination aus Kretschmann-Artikel und Reichelt-Tweet lässt letztlich nur einen logischen Schluss zu: Julian Reichelt und seine “Bild”-Redaktion sind aus Sicht von Julian Reichelt Denunzianten.

Mit Dank an @the_real_urbsi und die vielen Hinweisgeber!

Kochbuchautor goes Antisemitismus, Prinzenfonds, Mallorca-Touristen

1. Attila Hildmann gibt Juden die Schuld – und verteidigt Hitler
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
“Tagesspiegel”-Autor Sebastian Leber berichtet über einen Fall von Antisemitismus im Netz. Der Berliner Kochbuchautor Attila Hildmann behaupte, jüdische Familien würden die “deutsche Rasse auslöschen” wollen. Neben seinen antisemitischen Ausfällen verbreite Hildmann verstärkt Reichsbürger-Ideologie. Bei der Polizei seien bereits mehrere Strafanzeigen gegen Hildmann eingegangen.
Weiterer Lesehinweis: “Justizministerin Lambrecht verschärft den Kampf gegen strafbare Hetze im Netz mit einem weitreichenden Gesetz. Die Maßnahmen könnten helfen, bergen aber auch Gefahren.” Max Hoppenstedt analysiert für den “Spiegel” das neue Gesetz gegen Hate Speech. Der Deutsche Journalisten-Verband hat ebenfalls Bedenken und kritisiert das Antihassgesetz als “Schlag gegen den Informantenschutz und das Redaktionsgeheimnis”.

2. Der Prinzenfonds
(fragdenstaat.de)
Nach Angaben von “FragDenStaat” geht der Hohenzollern-Vertreter Georg Friedrich Prinz von Preußen mit Abmahnungen und Klagen gegen aus seiner Sicht unerwünschte Berichterstattung vor – vor allem in Zusammenhang mit der Erforschung der Rolle der Hohenzollern im Nationalsozialismus und daraus resultierenden Auswirkungen auf die Entschädigungsforderungen der Familie. Georg Friedrich Prinz von Preußen habe in den vergangenen Jahren dutzende Personen aus Wissenschaft, Journalismus und Politik für Äußerungen zur Geschichte und Gegenwart der Hohenzollern abgemahnt und verklagt. “FragDenStaat” hat daraufhin einen Rechtshilfefonds für Betroffene gegründet, der sich vor allem über Spenden trägt.

3. Theodor-Wolff-Preis für Hans-Georg Gottfried Dittmann, Katja Füchsel, Tina Kaiser, Katrin Langhans und Julia Schaaf
(bdzv.de)
Der Theodor-Wolff-Preis wird vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) ausgeschrieben und ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Die fünf Preise zu je 6.000 Euro gehen dieses Jahr an Julia Schaaf (“FAS”), Hans-Georg Gottfried Dittmann (“Mindener Tageblatt”), Katja Füchsel (“Tagesspiegel”), Tina Kaiser (“Welt am Sonntag”) und Katrin Langhans (“Süddeutsche Zeitung”). An der Ausschreibung hätten sich 401 Journalistinnen und Journalisten beteiligt.

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4. nr-Jahresbericht 2019
(netzwerkrecherche.org, Franziska Senkel)
Beim Netzwerk Recherche geht es vor allem um die “Förderung der Bildung durch Vermittlung von Recherchetechniken, Vermittlung von Wissen über professionelle Recherche zur Qualitätssteigerung der Medienberichterstattung, Erfahrungsaustausch über investigativen Journalismus”. Der Blick in den aktuellen Jahresbericht (PDF) ist auch für Nicht-Mitglieder interessant.
Weiterer Teilnahmehinweis: Heute und morgen findet die normalerweise analoge Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche als Webinarreihe statt. Das Thema in diesem Jahr: “Corona und wir – Wie das Virus unsere Arbeit verändert”. Eine Anmeldung ist nötig, die Teilnahme ist kostenlos.

5. So hat Kurzgesagt-Gründer Philipp Dettmer mit Erklärvideos eine Milliarde Views gemacht
(omr.com, Torben Lux, Audio: 1:02:41 Stunden)
Beim “OMR”-Podcast ist Philipp Dettmer zu Besuch, der Gründer des erfolgreichen Youtube-Kanals “Kurzgesagt”. Hinter dem Kanal mit meist zehnminütigen Erklärvideos stecke ein mittlerweile 35-köpfiges Team. Vor sieben Jahren gegründet, habe “Kurzgesagt” inzwischen 12,2 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten und über eine Milliarde Views. Im Gespräch verrät Dettmer das dahinterstehende Geschäftsmodell und erklärt, welche Themen am besten funktionieren und weshalb “Kurzgesagt” von der Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt wird.

6. Mallorca-Touristen begeistert von Medien empfangen
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 2:34 Minuten)
“Lockdown beendet: Anfang der Woche durften die ersten Urlauberinnen und Urlauber wieder nach Mallorca fliegen. Allerdings könnte es sein, dass die meisten ‘Urlauber’ dort einfach Journalistinnen und Journalisten sind.” Boris Rosenkranz hat das mediale Mallorca-Geplapper in ein zweieinhalbminütiges Video gegossen.

“Probleme bei der Rechteklärung”, Ver­un­glimp­fung von Frauen, Burda

1. Warum die ARD “Wuhan – Chronik eines Ausbruchs” kurzfristig abgesetzt hat
(spiegel.de, Klaus Raab)
Gestern Abend sollte im Ersten die SWR-Doku “Wuhan – Chronik eines Ausbruchs” ausgestrahlt werden. Die Produktion war im Vorfeld stark kritisiert worden, vor allem wegen der Verwendung von Filmmaterial einer chinesischen Propagandastelle. Nun kam es zu einer kurzfristigen Absetzung des Films, bei der vor allem die Begründung überraschte: Es gebe “Probleme bei der Rechteklärung”. Klaus Raab erklärt, was es damit auf sich hat.

2. Ver­un­glimp­fung von Frauen kann Volks­ver­het­zung sein
(lto.de)
Ein Mann hatte auf seiner Internetseite Frauen in zahlreichen Beiträgen als “Menschen zweiter Klasse”, “minderwertige Menschen” und “den Tieren näherstehend” bezeichnet und war dafür zunächst wegen Volksverhetzung verurteilt, danach jedoch freigesprochen worden. Nun hat das Oberlandesgericht Köln den Freispruch aufgehoben. Hauptanwendungsbereich der Volksverhetzung sei zwar immer noch rechtsradikale Hetze gegen Minderheiten, diskriminierende Äußerungen gegen Frauen seien jedoch auch vom Tatbestand erfasst.

3. RTL startet neuen Sender für Kinder
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 4:47 Minuten)
In Deutschland existieren zahlreiche Radiosender, doch das Hörfunkangebot für Kinder ist relativ begrenzt. Nun will Super RTL mit seinem neuen Sender Toggo die Lücke schließen. Doch wie groß ist der Markt eigentlich? Zumindest bei den Öffentlich-Rechtlichen habe man das Angebot reduziert: Der Kinderradiokanal KiRaKa sei vergangenes Jahr eingestellt worden, das bekannte Kindermagazin “Kakadu” gebe es nur noch digital auf Abruf. Michael Borgers hat bei einem Experten für Kinderradio nachgefragt.

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4. Nichtrassistische Sprache: Abschied von Blacklist und Whitelist
(heise.de, Matthias Parbel)
In der Softwareentwickler-Szene gebe es derzeit Diskussionen, wie man sich im Sinne einer diskriminierungsfreien Sprache von althergebrachten Fachtermini wie “Master” und “Slave” oder “Blacklist” und “Whitelist” lösen kann. Ganz neu seien die Vorstöße jedoch nicht. Beispielsweise habe das Drupal-Projekt bereits 2014 entsprechende Neudefinitionen vorgenommen, denen sich andere Entwicklerinnen, Entwickler und Teams angeschlossen hätten.

5. Newsletter Netzwerk Recherche, Nr. 186, 15.06.2020
(netzwerkrecherche.org, Daniel Drepper & Albrecht Ude)
Das Netzwerk Recherche widmet sich vornehmlich der “Förderung der Bildung durch Vermittlung von Recherchetechniken, Vermittlung von Wissen über professionelle Recherche zur Qualitätssteigerung der Medienberichterstattung, Erfahrungsaustausch über investigativen Journalismus”. Der Verein wird in der Branche für seine Jahreskonferenz geschätzt, eine Art Pflichtveranstaltung für Journalisten und Journalistinnen mit und ohne Rechercheambitionen. Und gelegentlich gibt es einen Newsletter, der eine wahre Fundgrube an weiterführenden Links und spannenden Beiträgen ist und allen Medieninteressierten ausdrücklich empfohlen werden kann.

6. Burda erweckt Fake-Tochter von Prinzessin Diana zum Leben
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Regenbogenpresse-Experte Mats Schönauer macht auf einen besonders beschämenden Fall von Betrug an Leserinnen und Lesern aufmerksam: Die Burda-Zeitschrift “Freizeit Spaß” präsentiert die angebliche Tochter von Prinzessin Diana (“Lady Di”) und spricht dabei von einer “sensationellen Enthüllung”. Sensationell ist dabei jedoch höchstens, wie scham- und gewissenlos die Geschichte zusammengebaut und zusammengelogen wurde.

Billiger Ruf nach härteren Strafen, Umstrittene Wuhan-Doku, Irrglaube

1. Härter, härter, härter
(diekolumnisten.de, Heinrich Schmitz)
Der Jurist Heinrich Schmitz kommentiert die neue “Bild”-Kampagne für höhere Strafen bei Kindesmissbrauch und “Kinderpornographie”: “Wer den Missbrauch von Kindern verhindern will, muss früher ansetzen. Strafgesetze greifen immer erst, sobald eine Tat begangen wurde. Dann ist es zu spät. Aber – und das macht den großen Reiz von Gesetzesverschärfungen für Politiker aus – verschärfte Gesetze kosten nichts und lassen sich im Wahlkampf gut vermarkten. Das ist wohl der Hauptgrund, warum so gerne lautstark nach ihnen gerufen wird. Wirksame Maßnahmen hingegen sind teuer und unpopulär.”

2. Gesetz gegen Hasskriminalität im Netz soll verabschiedet werden
(spiegel.de, Frank Patalong)
Diese Woche stimmt der Bundestag über das “Gesetz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität” ab. Es gehe darum, die Identifizierung von Netz-Hetzern und -Hetzerinnen zu ermöglichen oder zu erleichtern sowie die Durchsetzbarkeit von Klagen zu verbessern. Der Gesetzesentwurf werde wahrscheinlich eine Mehrheit finden, doch es gebe auch Kritik an den neuen Bestimmungen, wie Frank Patalong erklärt.

3. Die ARD zeigt Chinas Kampf gegen Corona – wie China ihn sehen will
(uebermedien.de, Hinnerk Feldwisch-Drentrup)
Heute Abend um 22:45 Uhr strahlt das Erste die SWR-Doku “Die Story im Ersten: Wuhan – Chronik eines Ausbruchs” aus, zu der es bereits vor wenigen Tagen Kritik in der “SZ” gab. Bemängelt wurde zum Beispiel, dass die Filmproduktionsfirma nicht in China gewesen sei und stattdessen Material des chinesischen Propagandaapparats verarbeitet habe. Hinnerk Feldwisch-Drentrup hat den Fall für “Übermedien” nochmal gründlich aufgearbeitet: “Auch wenn der Sender sich ‘von Anfang an der nicht unheiklen Materiallage bewusst’ gewesen sei, wie ein Sprecher betont, übernimmt die Doku in weiten Strecken die Inszenierung der KP: Nach dieser kam in der Coronakrise die Wende, als die Zentralregierung in Peking ‘die Zügel’ in die Hand nahm. Dabei war Xi schon Anfang Januar über den Ausbruch informiert und damit befasst. Das lässt der Film aber ebenso unerwähnt wie viele andere Probleme aus der Frühphase der Pandemie.”

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4. Markus Lanz im ZDF: Ein Moderator verblüfft mit gewaltiger Ignoranz
(fr.de, Daland Segler)
Daland Segler kritisiert den ZDF-Moderator Markus Lanz, den er für politisch voreingenommen hält: “Drei Dinge sollte mitbringen, wer als Gast zu einer Talkshow geht: Selbstbewusstsein, Kompetenz beim Thema und eine gewisse Dickfelligkeit. Wer sich von Markus Lanz einladen lässt, braucht allerdings noch etwas mehr: Ein gerüttelt Maß an Masochismus. Wobei: Das gilt vor allem für Menschen, die der Moderator (der keiner ist), verdächtigt, links zu sein.”

5. Verschwörungstheorien: Was gegen den Irrglauben hilft
(aerzteblatt.de, Alina Reichardt)
Alina Reichardt wendet sich mit ihrem Beitrag über Verschwörungserzählungen vornehmlich an Ärztinnen und Ärzte. Im medizinischen Alltag gebe es immer wieder Patientinnen und Patienten, die dem klassischen Gesundheitssystem und “der Schulmedizin” misstrauisch gegenüberständen, weil sie allerlei Mythen, Spekulationen und Verschwörungsideen aufsäßen. Der Artikel ist auch für medizinische Laien geeignet und kann dazu beitragen, die Gründe für derartige Verhaltens- und Denkmuster besser zu verstehen.

6. “Immer die gleiche Polizeiarbeit”
(taz.de, Erica Zingher)
Die “taz” hat sich mit der Kulturwissenschaftlerin und Literaturexpertin Sandra Beck über Krimis unterhalten. Wie wirken sich TV-Polizeiserien auf unser Verständnis von Wahrheit und Gerechtigkeit aus? Warum sind Polizeigewalt und Rassismus in Polizeiserien eher selten ein Thema? Und wie könnte eine neue Ethik des Erzählens im Krimi aussehen?

AfD-Elfmeter, Sarah Coopers Trump, Abnehmendes Corona-Interesse

1. Wie Medien der AfD helfen, sich rechtlich reinzuwaschen
(uebermedien.de, Johannes Hillje)
2018 veröffentlichte das Bundesinnenministerium auf seiner Website ein Interview, in dem Minister Horst Seehofer die AfD “staatszersetzend” nannte – eine “Verletzung des Rechts einer Partei auf Chancengleichheit im politischen Wettbewerb”, wie das Bundesverfassungsgericht befand. Leider schloss sich dem Versagen der Behörde das Versagen einiger Medien bei der Berichterstattung an. Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje zeigt anhand von Beispielen, was schiefgelaufen ist.

2. Facebooks teure Jagd auf den “schlimmsten kriminellen” Nutzer
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Patrick Beuth berichtet von einer True-Crime-Story mit einigen rechtlichen Implikationen und einem moralisch-ethischen Dilemma: Facebook habe dem FBI dabei geholfen, einem Erpresser Schadsoftware unterzuschieben, mit deren Hilfe dessen IP-Adresse ermittelt werden konnte. Der Mann habe jahrelang auf Facebook junge Mädchen erpresst und bedroht und seine Spuren mit einem speziellen Betriebssystem verwischt.

3. Zoom schließt kurzzeitig Konten chinesischer Menschenrechtsaktivisten
(zeit.de)
Die US-amerikanische Plattform für Videokonferenzen Zoom greift anscheinend in Gespräche von chinesischen Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten ein beziehungsweise beendet oder unterdrückt sie. Zoom begründe das Vorgehen damit, dass man sich “an örtliche Gesetze” halten müsse.
Weiterer Lesehinweis: Twitter hat nach eigenen Angaben eine umfangreiche Löschaktion durchgeführt und dabei 170.000 chinesische Propaganda-Accounts entfernt (spiegel.de).

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4. News-Angebote leiden unter abnehmendem Corona-Interesse
(meedia.de, Jens Schröder)
Im Monat Mai hat sich einiges getan bei den Abrufzahlen der hundert erfolgreichsten journalistischen Digital-Angebote in Deutschland. Jens Schröder erklärt bei “Meedia”, was sich im Ranking verschoben hat. Bei den teilweise drastischen Abstürzen und bedeutenden Zuwächsen spiele das abnehmende Interesse an der Corona-Berichterstattung, aber auch ein geänderter Google-Algorithmus eine Rolle.

5. Volontariat in Corona-Zeiten
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 5:23 Minuten)
Anh Tran berichtet im Deutschlandfunk, wie sich die Corona-Pandemie auf das journalistische Volontariat bei Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen auswirkt. Viele der Auswahlverfahren seien in diesem Jahr coronabedingt ausgesetzt oder hätten per Videoschalte stattgefunden. Tran hat sich mit Verantwortlichen sowie Bewerberinnen und Bewerbern über die derzeit erschwerten Umstände unterhalten.

6. Wie man Trump wird
(faz.net, Tobias Rüther)
Die Comedy-Künstlerin und Entertainerin Sarah Cooper wird derzeit für ihre kurzen Videoclips gefeiert, in denen sie US-Präsident Donald Trump synchronisiert (Lip sync) und auf hinreißend komische Weise imitiert: “Zum Vorschein kommen die Gesten eines Chefs, der seinen Worten durch Posen Macht verleiht, und dadurch auch sich selbst. Cooper wiederum reißt diese Posen an sich und macht so Trumps Präpotenz sichtbar. Dabei dachte man eigentlich, man hätte ihn längst durchschaut.”

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