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Recherchetreff, Regenbogenpresse empört, Tatort

1. Dokumentation nr17
(netzwerkrecherche.org)
Die Journalistenvereinigung “Netzwerk Recherche” setzt sich für Informationsfreiheit, investigativen Journalismus und die Vermittlung von Recherchetechniken ein. Einmal im Jahr trifft man sich zur Jahreskonferenz. Dieses Mal waren es mehr als 700 Teilnehmer, die an zwei Tagen in rund 120 Veranstaltungen über Probleme und Chancen der aktuellen Medienwelt diskutierten. Einige der behandelten Themen: Recherchen im Dark Net, Investigativer Sportjournalismus, Journalisten mit Migrationshintergrund und die Frage, wie Medien mit der AfD umgehen sollen (weitere Beiträge über den Link oben).

2. Regenbogenpresse empört: Wir lügen doch gar nicht immer nur!
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die Medienseite “kress.de” hat drei Chefredakteuren von Regenbogenblättern aus dem Hause “Bauer” die Möglichkeit gegeben, sich als hehre Journalisten darzustellen, die sich mit der “Königsdisziplin des Journalismus”, so die Eigenwahrnehmung, beschäftigen. Mehr oder wenige parallel hatte das “Netzwerk Recherche” den Verlagen Bauer, Burda und Funke stellvertretend für die Regenbogenpresse den Negativpreis „Verschlossene Auster“ verliehen. Mit Dialogbereitschaft steht es in diesem Segment nämlich nicht so gut, wie Medienjournalist Stefan Niggemeier durch Offenlegung eines Mailwechsels dokumentiert.

3. Wie Debatten Wahlen entscheiden
(sueddeutsche.de, Julian Dörr)
Marcus Maurer ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Mainz. Sein Schwerpunkt: politische Kommunikation. Die “Süddeutsche” hat sich mit ihm darüber unterhalten, warum unsere Gesellschaft seit ein paar Jahren von Großthemen wie Migration und innerer Sicherheit dominiert wird und Themen wie soziale Gerechtigkeit im Wahlkampf kaum jemanden interessieren.

4. Knebelvertrag ärgert Fotografen
(laut.de)
Das Schweizer Online-Magazin “Negative White” protestiert gegen die Bedingungen, die professionellen Fotografen von der Hardrock-Band “Guns N’ Roses” auferlegt werden. Und die dazu geführt haben, dass man von einem Konzertbesuch Abstand genommen hat: “Natürlich wär ich enttäuscht gewesen, dass ich nur den Anfang des Konzerts mitbekomme und den Rest des Auftritts verpasse. Aber wenn mir dann auch noch die Rechte an meinen Bildern abgesprochen werden und ich die wenigen erlaubten Bilder auch noch ein einziges Mal in schlechter Qualität publizieren soll, dann habe ich gar keine Lust mehr, diese Band überhaupt zu fotografieren.”

5. Wehrhafte Juden sieht man nicht gern
(taz.de, René Martens)
Immer noch wird über die Entscheidung des Fernsehsenders “Arte” debattiert, der eine “WDR”-Doku über Antisemitismus wegen angeblicher Unausgewogenheit nicht ausstrahlt. Die “taz” hat sich den zurückgehaltenen Film zwischenzeitlich angeschaut. Man könne dem Film vielleicht vorwerfen, dass er zu viel auf einmal wolle. Der teilweise sarkastische Tonfall des Films sei zwar ungewöhnlich, aber angemessen: “Man kann auf die wahnhaften Äußerungen, die der Film aufgreift, kaum nüchtern reagieren. Selbst, wenn man die sarkastischen Einsprengsel für unangebracht hielte, wäre das nur ein geschmäcklerischer Einwand, der es nicht rechtfertigt, den Film in den Giftschrank zu packen.”

6. Reich und erfolgreich durch „Pranks“?
(faz.net, Niklas Záboji)
Im Dresdner “Tatort” ging es um die bunte Youtube-Welt mitsamt ihrer Stars und Sternchen. Die “FAZ” fragt: “Sind das fiktive Szenarien oder reale Abgründe – und wie läuft das Geschäft mit den jungen Internetstars?” Passend dazu: Die “taz” berichtet über eine Studie, welche die Realitätsnähe des “Tatort” untersucht. In den 34 analysierten Folgen aus dem Jahr 2015 wurden insgesamt 96 Gesetzesverstöße festgestellt.

“Inside” stinks, TrumpiLeaks, Dauerwerbe-Youtuber

1. Beulenpest und Schenkelschande
(pinkstinks.de, Nils Pickert)
Nils Pickert hat sich die Wut über die “Inside” von der Seele geschrieben, das “Star-Magazin mit den spannendsten News, Bildern und Reportagen aus der glamourösen Welt der Promis”. Besonders ärgert ihn, dass dort eine rein weibliche Redaktion “eimerweise Häme, Mist und Body Shaming über Geschlechtsgenossinnen auskübelt”. Ein besonderes Spezialgebiet sind unvorteilhafte Frauenfotos, die von der Redaktion mit Alliterationen von peinlicher Bemühtheit kommentiert werden wie “Schenkel-Schande, Knie-Katastrophen, Furchen-Fiasko” und “Dellen-Drama”. Natürlich nicht ohne Hintergedanken, wie Pickert in seinem offenen Brief an die Inside-Redaktion anmerkt: “Mit 110.000 Exemplaren wanzt du monatlich an Frauen an und erzählst ihnen, dass sie hässliche, wertlose Geschöpfe sind, aber mit diesem und jenem Produkt hier daran womöglich noch was machen könnten.”

2. Konzertierte Repressalien gegen Al-Dschasira
(reporter-ohne-grenzen.de)
Im Zusammenhang mit der diplomatischen Krise um das Golf-Emirat Katar kommt es nun auch zu Repressionen mehrerer arabischer Staaten gegen den Fernsehsender “Al Jazeera”, ob Büroschließung, Lizenzentzug oder Sperrung der Webseite. Der Geschäftsführer der “Reporter ohne Grenzen” Christian Mihr: “Was Al Jazeera in diesen Tagen erlebt, ist eine offensichtlich international abgestimmte Kampagne unverhohlener politischer Zensur. Mit dieser massiven Repressionswelle gegen einen Nachrichtensender von internationaler Bedeutung demonstrieren Saudi-Arabien und seine Verbündeten ihre völlige Geringschätzung der Medienfreiheit.”

3. So eine Zeitung
(taz.de, Peter Praschl)
Die „Jungle World“ wird 20 Jahre alt. Für Peter Praschl Anlass für eine persönliche Würdigung. Lange Jahre war er regelmäßiger Leser, jetzt ist er es nur noch gelegentlich. Dann jedoch umso begeisterter: “Aber immer wieder schaue ich noch rein, lese mich fest, denke: Wie irre, dass es das noch gibt, wie kann man diesen Spirit 20 Jahre lange durchhalten, und bin dankbar dafür.”
In diesem Zusammenhang lesenswert der “strikt subjektive” und unterhaltsame Rückblick von Elke Wittich: Teil 1: And so it began, Teil 2: Viel Herumgesitze und eine Besetzung und Teil 3: My private Arbeitskampf

4. Der Datenjournalist Lorenz Matzat fordert: Automatisier’ Dich, Lokaljournalismus!
(kress.de, Lorenz Matzat)
Datenjournalist Lorenz Matzat wünscht sich einen zeitgemäßen Lokaljournalismus, der ihn punktgenau mit allen wesentlichen Informationen rund um seinen Arbeits- und Wohnort versorgt: “War nicht Personalisierung in Form von Lokalisierung die Stärke des Lokaljournalismus? Ist es wirklich so fernliegend, dass Lokalzeitungen (wieder) Aufgaben des Gemeinwesens übernehmen? Insgesamt ist die Nische im sublokalen Level so groß, dass sie einer klaffenden Wunde gleicht. Die hauptsächlich konsumgetriebenen Angebote von Google, Yelp usw. decken dort nur einen kleinen Teil des Möglichen und des Bedarfs ab. Dieses Niemandsland – Kommunalverwaltungen liefern hier ebenfalls nicht – hat noch kein Anbieter im Digitalen wirklich besetzt.”

5. TrumpiLeaks
(michaelmoore.com)
Der Filmemacher Michael Moore hat “TrumpiLeaks” gestartet. “Patriotische Amerikaner in der Regierung, den Strafverfolgungsbehörden und in der Privatwirtschaft, die etwas über Verbrechen, Lügen und Verfehlungen von Donald J. Trump und seine Mitarbeiter wissen, sind aufgefordert, dies zu melden, um die Vereinigten Staaten von Amerika vor der Tyrannei zu beschützen.”

6. Medienrat der MA HSH beschließt Geldbuße in Höhe von 10.500 Euro gegen YouTuber „Flying Uwe“ wegen fehlender Werbekennzeichnungen
(ma-hsh.de)
Der Medienrat der Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH) hat den YouTuber „Flying Uwe“ (Kampfsport- und Fitness / 1,1 Millionen Abonnenten) zu einem Bußgeld von 10.500 Euro verdonnert. Der Youtuber hatte es trotz mehrfacher Hinweise unterlassen, drei seiner Videos, in denen er Produkte ausgiebig positiv darstellt, als Dauerwerbesendung zu kennzeichnen.

Antisemitismus-Doku, Falsche Fluten, Kampagnen-Hashtags

1. Streit um Antisemitismus-Doku
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio, 7:23 Min.)
Der deutsch-französische Sender “Arte” will die 90-minütige Doku “Auserwählt und ausgegrenzt — Der Hass auf Juden in Europa” nicht zeigen. Der Film über die Ausgrenzung von Juden sei nicht ausgewogen. Im Gespräch weist der Autor die Vorwürfe zurück. (Für den Audiobeitrag im Beitragsbild rechts unten auf “HÖREN” klicken)

2. Die falschen Fluten von Rakka
(ndr.de, Fiete Stegers)
In einem Nachrichtenvideo von “Focus Online” wird darüber berichtet, dass die Terrormiliz “IS” Teile der von ihr besetzten Stadt Rakka unter Wasser gesetzt hat und zeigt dabei Bilder der überschwemmten Gebiete. Das Problem: Die gezeigten Gebiete liegen nicht in Rakka, sondern in Amerika und Asien… Fiete Stegers dazu: “Natürlich kommt es bei TV-Beiträgen und Online-Videos häufig vor, dass symbolische Bilder oder Archivmaterial verwendet werden. In der Regel sollte dies sich allerdings den Zuschauern auf den ersten Blick erschließen oder deutlich kenntlich gemacht werden, insbesondere bei klassischen Nachrichten. Dies fehlt bei Focus Onlines phanstasievoller Flut-Kollage völlig.”

3. Warum politische Kampagnen-Hashtags fast immer failen
(fearlessdemocracy.org, Kai Heiderich)
Oftmals wird versucht, eine politische Debatte auf Twitter durch die Verwendung eines Hashtags zu befördern. Doch das kann sich als kontraproduktiv erweisen, wenn politische Gegner den Begriff kapern: “Traurige Realität ist jedoch: die Lustlosigkeit und die wenig an Medienrealitäten angelegte Integration von Hashtags in Kampagnenlogiken führt gerade bei Themen, die speziell die Rechten gerne für sich in Anspruch nehmen wollen, zu Hijacks. Anders ausgedrückt: Öffentlich-rechtliche Anstalten oder die Bundesregierung werben mit Hashtags, die dann faktisch auf twitter von AfD & Co besetzt werden.”

4. Publizistin: “Man kann völlig ungeniert lügen”
(derstandard.at, Lisa Breit)
Der österreichische “Standard” hat sich mit der am Institut für Publizistik in Wien lehrenden Julia Wippersberg über Fake News unterhalten Der Grundstein für Medienkompetenz müsse in den Schulen gelegt werden. Doch auch das sei nicht einfach: “Dort gibt es aber bereits einen ambitionierten Lehrplan, zu wenig Personal, viele Schüler haben schlechte Deutschkenntnisse. Wie sollen Lehrer da zusätzlich Medienkompetenz unterrichten? Zudem müsste man vielen von ihnen erst einmal Medienkompetenz beibringen.”

5. Einfach weggesperrt
(taz.de, Karim El-Gawhary)
Der ägyptische Pressefotograf Shawkan (Mahmud Abu Zeid) sitzt seit fast vier Jahren ohne Urteil in Haft. Anlass seiner Inhaftierung: Er hat für eine Bildagentur als Pressefotograf am Rabaa-Adawiya-Platz in Kairo ein Protestlager der Muslimbrüder fotografiert. Nach Aussagen des Bruders von Shawkan geht es ihm mittlerweile gesundheitlich sehr schlecht. Er sei zusammen mit 22 weiteren Menschen in einer Zelle eingepfercht und leide an Hepatitis C und Anämie, ohne angemessen behandelt zu werden.

6. TSV 1860 München: Die Medien sind ein ständiger Unruheherd
(journalisten-training.de, Bernd Oswald)
Bernd Oswald ist der Meinung, dass die Medien eine Mitschuld daran hätten, dass es beim Münchner Fußballverein TSV 1860 so chaotisch zugehe. Sein Vorschlag: Statt sich auf die Wiedergabe der Versäumnisse und Schuldzuweisungen im Verein zu beschränken, sollten die Münchner Sportmedien lösungsorientierter berichten.

Staatliche Pressetrojaner, Herkunftsnennung, RTL2-Rekruten

1. Schutz vor staatlichen Hackerangriffen
(reporter-ohne-grenzen.de)
“Reporter ohne Grenzen” wendet sich gegen den geplanten Einsatz von Staatstrojanern. Da keine Schutzrechte für Journalisten geplant seien, könnten Ermittler über eingeschleuste Trojaner vertrauliche Gespräche und Chats von Journalisten mit Informanten abfangen. Die Organisation dazu: „Journalisten sind auf Verschlüsselung angewiesen, um sich vertraulich mit Kollegen und Informanten auszutauschen. Die Pläne von Heiko Maas bewirken, dass es in Deutschland kein digitales Kommunikationsmittel mehr gibt, mit denen Journalisten zweifelsfrei vor Überwachung geschützt sind. Die Große Koalition muss im Gesetz klarstellen, dass Journalisten bei ihrer Arbeit nicht abgehört werden dürfen. Ein Staatstrojaner hat auf dem Handy eines Journalisten nichts verloren.“
Link zur ausführlichen Stellungnahme zur Einführung der Quellen-TKÜ und Online-Durchsuchung (PDF)

2. Ist die Herkunft von Tätern und Verdächtigen wirklich von öffentlichem Interesse?
(sueddeutsche.de, David Denk)
Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Medien bei Straftaten die Herkunft des Täters nennen dürfen beziehungsweise sollen. Der Presserat hat dazu nun Leitsätze mit aktuellen Beispielen formuliert, die für schnellere und bessere Entscheidungen im Redaktionsalltag führen sollen. Ergänzend führt der Presserat aus, dass weder “Neugier” oder “Gruppeninteressen”, noch die “Nennung einer Gruppenzugehörigkeit durch Quellen, etwa durch Behörden” die Redaktionen von ihrer “eigenständigen presseethischen Verantwortung” entbinde.
Die Praxisleitlinie (Richtlinie 12.1 des Pressekodex) kann beim Presserat eingesehen werden (PDF).

3. Eine ganz andere Sicht
(taz.de, Volkan Agar)
“taz”-Autor Volkan Agar stellt in einem Überblicksartikel die wichtigsten linken Medien der Vergangenheit und Gegenwart vor. Mit dabei sind der Liebling der Sponti-Szene “Pflasterstrand”, die teilweise massiv verfolgte und beschlagnahmte “Agit 883”, die autonome, feministische Zeitschrift “Courage”, das Magazin “konkret”, “analyse & kritik”, die anarchistische “Graswurzelrevolution”, das linksradikale und antifaschistische Newsportal “Indymedia”, die linke Wochenzeitung “Jungle World” und die linksalternative, österreichische Zeitschrift “malmoe”.

4. Hatespeech ist nicht, wenn Journalisten mit Kritikern skypen
(broadly.vice.com, Yasmina Banaszczuk)
Was hat die “Tagesschau” mit ihrer Aktion “Sag’s mir ins Gesicht – für eine bessere Diskussionskultur im Netz” erreicht? Live wollte man sich von den Zuschauern die Meinung sagen lassen und für das Thema Hass im Netz sensibilisieren. Doch auf Hater und Trolle wartete man vergeblich, der Großteil der Anrufer trat höflich bis freundlich auf. Nicht überraschend wie Yasmina Banaszczuk im Gespräch mit Social-Media-Profis herausgefunden hat. “Ich glaube, die wahren Trolle, die wirklichen Hater, sind nirgendwo zu Wort gekommen, weil das gar nicht das ist, was sie wollen.”, befand die Journalistin Katrin Weßling. Ähnlich sah es die Autorin Ninia LaGrande. Und der Blogger Ali Schwarzer störte sich bereits an der Grundidee: “Als hätten Trolle und Hater nicht schon genug Raum, bekommen sie jetzt auch noch ein weiteres Podium.”

5. „Unsere Denkweise war ganz simpel“
(verguetungsregeln.wordpress.com, Martin Schreier)
Vor einigen Tagen hat der Journalist Martin Schreier mit einem Vertreter des “Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger” (BDZV) über die Kündigung der Gemeinsamen Vergütungsregeln für hauptberuflich freie Journalisten an Tageszeitungen gesprochen (6vor9 berichtete). Mittlerweile hat er weitere Stellungnahme-Interviews geführt und zwar mit dem Justitiar des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) Benno Pöppelmann, dem dju-Tarif-Sekretär Matthias von Fintel und der Vorstandsvorsitzenden der Freischreiber Carola Dorner.

6. RTL2 will Werbefilme für Bundeswehr senden
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz & Sebastian Wellendorf)
Die von der Bundeswehr für die Verteilung über Youtube produzierte Werbereihe “Die Rekruten” hat mittlerweile mehr als 44 Millionen Views. Nun hat sich “RTL2” die Fernsehrechte an der 90-teiligen Bundeswehr-Reality-Soap gesichert. Das könnte ein Fall für die Medienaufsicht werden. Die Medienjournalistin Brigitte Baetz kritisiert im Deutschlandfunkgespräch, dass Grenzen zwischen Berichterstattung und PR verschwimmen, wenn der Gegenstand der Berichterstattung selbst zum Berichterstatter wird. Im Zweifel müsse es eine Einblendung geben, die anzeigt, dass es sich um eine Art Sonderwerbeform handelt.

Note 666

Aktuell kommt es aber wirklich knüppeldick für den TSV 1860 München: die 0:2-Niederlage gestern im Relegationsrückspiel gegen Jahn Regensburg, der sichere Abstieg in die 3. Liga, vielleicht sogar Insolvenz und Abstieg in die Regionalliga, dazu angebliche Erpressungsversuche vom Investor aus Jordanien.

Und dann haut gestern Abend, keine halbe Stunde nach dem verlorenen Regensburg-Spiel, auch noch die “Abendzeitung” aus München 14 Mal obendrauf:

Egal, ob Torwart, Abwehrchef, Mittelfeldregisseur oder Stürmer, in der Startelf oder Einwechselspieler: alle Note 6!

Nun scheint die Zeit, in der Sportredaktionen rücksichtsvoll bei der Notenvergabe agieren (ein Vorgehen, das sich nach dem Suizid des Fußballtorwarts Robert Enke entwickelte), sowieso vorbei zu sein — erst neulich verteilten die “Bild”-Fußballlehrer zwölf Sechsen an “die HSV-Flaschen”. Was für ein Unsinn aber das kollektive Abwatschen durch die “Abendzeitung” ist, zeigt sich beim Blick auf die Kritiken zu den einzelnen Spielern.

Da wäre zum Beispiel Torwart Stefan Ortega, der zwar zwei Gegentore bekam, sich sonst aber keine groben Schnitzer leistete. Die “Abendzeitung” begründet die glatte 6 so:

Note 6. Kam nach 15 Minuten stark gegen Jahn-Torjäger Marco Grüttner aus seinem Tor. Im Sechzehner aber nicht immer auf Höhe. Letztlich schuldlos an den Gegentoren, aber auch er ließ jede Körpersprache vermissen.

Oder Florian Neuhaus:

Note 6. Der Jüngste war noch bester Löwe! Schüttelte mehrmals seine Gegenspieler ab, war der einzige, der auch mal einen gefährlichen Pass spielte, aber auch er tauchte nach der Pause ab.

Oder Levent Aycicek:

Note 6. Nach 27 Minuten mit der größten Chance, als er gegen Jahn-Keeper Philipp Pentke einen Schritt zu spät kam. Mühte sich — vergeblich.

Oder Sascha Mölders:

Note 6. Brachte bis auf ein paar beherzte Sprints nach der Halbzeit keinerlei Gefahr ins Spiel.

Oder Maximilian Wittek:

Note: 6. [Trainer] Pereiras letzter Joker, doch auch brachte nicht die Wende.

In der München-Ausgabe der “Bild”-Zeitung gab es heute ebenfalls Noten für die Spieler von 1860 München: siebenmal Note 6, fünfmal Note 5 (unter anderem Neuhaus und Wittek), zweimal Note 4 (Ortega und Mölders).

Wenn selbst eine “Bild”-Redaktion in ihrem Urteil differenzierter ist, dann muss man etwas falsch gemacht haben.

Mit Dank an Ralf F. für den Hinweis!

Penis! Penis! Hier klicken! PENIS!!!

In Kapstadt ist Medizinern vor wenigen Tagen etwas Besonderes gelungen: In einer neuneinhalbstündigen Operation haben sie erfolgreich einen Penis transplantiert. Auch Bild.de berichtete über diese “medizinische Sensation in Südafrika”, wobei der Fokus in der Überschrift eher auf den Hautfarben von Spender und Empfänger lag und nicht so sehr auf der Leistung der Ärzte:

Medizinische Sensation in Südafrika - Schwarzer bekommt weißen Penis transplantiert

Was wird dem durchschnittlichen Bild.de-Leser beim Betrachten dieser Schlagzeile wohl durch den Kopf gehen? Und welche Folgefrage halten die Mitarbeiter aus der Redaktion für besonders dringend?

a) Menschenskinder — toll, was Ärzte heutzutage so alles hinbekommen! Wie funktioniert das denn?
b) Nanu?! Ein Weißer und ein Schwarzer? Reagieren die nicht allergisch aufeinander?
c) Ohgottohgott! Kann man mir meinen Penis auch einfach wegnehmen?

Klar, Bild.de weiß eben, was die eigene Leserschaft umtreibt:

Nach Transplantation - Kann ich den Penis als Organspender ausschließen?

Die Frage ist natürlich ziemlicher Quatsch. Denn der Penis gehört überhaupt nicht — anders als Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm — zu den offiziell vom Organspendeausweis abgedeckten Spenderorganen. Das schreibt dann auch Bild.de im Artikel:

Nach der erfolgreichen Penis-Transplantation in Kapstadt fragen sich viele Besitzer eines Organspende-Ausweises: Gehört auch der Penis zu den Organen, die nach dem Tod entnommen werden können?

Die Antwort darauf ist aktuell wohl nein.

Für jene Leser, die dennoch um ihren Penis fürchten, hat das Bild.de-Team einen Nummer-sicher-Tipp:

Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, kann auf seinem Organspende-Ausweis Organe vermerken, dass der Penis nicht zu den Spender-Organen zählt.

Den besonders Begriffsstutzigen hat das Penisportal das Ganze auch noch mal als Grafik zur Verfügung gestellt:

Organspendeausweis mit dem Vermerk, dass der Penis nicht entnommen werden soll

Vielleicht sind die Geschlechtsteilexperten von Bild.de aber auch nur so vorsichtig, weil sie schon ahnten, was ein Urologe ihnen und ihren zahlenden “Bild plus”-Kunden heute erklärt hat:

Urologe erklärt - Der Penis ist die Antenne des Herzens

Und wer will schon fahrlässig seine “Antenne des Herzens” aufs Spiel setzen?

Mit Dank an Christian M. für den Hinweis!

Kaputtmacher Maas, Pfeifopfer Helene Fischer, Bild von Jammerlappen

1. Heiko Maas macht die freie Presse kaputt
(faz.net, Thomas Thiel)
Es sind heftige Worte, die “FAZ”-Redakteur Thomas Thiel für das neue Gesetzesvorhaben zum Urheberrecht findet. Die Digitalisierung von Presseartikeln und Aufnahme in Bibliotheken bedeute schwerwiegende Einnahmeverluste, die er alleine für die “FAZ” auf einen siebenstelligen Betrag beziffert. Justizminister Heiko Maas mache damit die freie Presse kaputt. Wenn Maas damit durchkäme, werde es keine freien Zeitungsverlage mehr geben. “Wer gibt dem Justizminister das Recht, Privateigentum gegen eine weitestgehend wertlose Entschädigung in Staatseigentum umzuwandeln? Meint er vielleicht, dass auch die Arbeit von Redakteuren und freien Autoren vom Staat bezahlt wird? Und wie kommt er dazu, die Arbeit ganzer Berufszweige zu verhöhnen? So ein Entwurf konnte nur zustande kommen, weil im Justizministerium die Verachtung geistiger Leistungen um sich gegriffen hat.”
Nicht alle gehen mit dem Entwurf für das neue Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz derart hart ins Gericht: Auf der Urheberrechtsplattform “irights.info” werden die Beschwerden der Verlagsbranche als “kalkulierte Horrorszenarien” bezeichnet.

2. Die Fans haben nicht Helene Fischer ausgepfiffen, …
(sueddeutsche.de, Martin Schneider)
Martin Schneider beschäftigt sich auf süddeutsche.de mit dem brutalen Pfeifkonzert, das sich Helene Fischer in der Halbzeitpause des DFB-Pokalfinales hat anhören müssen. Schneider sieht jedoch nicht die Sängerin in der Kritik, sondern die Kommerzialisierung und “Eventisierung” des Fußballs allgemein: “Wer Helene Fischer in der Halbzeit auftreten lässt, vermittelt auch die Botschaft: Mir reicht eure Stimmung nicht, ich will selbst für mehr Stimmung sorgen. Der Deutsche Fußball-Bund hätte das ahnen können. Er weiß, dass er es bei Frankfurtern und Dortmundern mit anderen Fans zu tun hat, als beim Familien-Publikum der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Er hat es trotzdem riskiert und Helene Fischer der Arena ausgeliefert, wenn man so will.”

3. Jan Böhmermann füllt Hörsaal, aber keine Köpfe
(jetzt.de, Peter Krauch)
806 Menschen drängelten sich im größten Hörsaal ReWi1 an der Universität Mainz, als Jan Böhmermann zum “SWR UniTalk” erschien. Die Karten für die Veranstaltung sollen binnen 10 bis 15 Minuten vergriffen gewesen sein… Peter Krauch geht der Frage nach, warum Böhmermann derart viele Menschen anzieht, dass sie zu Hunderten in einen Hörsaal drängen, nur um ihn live auf der Bühne zu sehen. “Die richtigen Botschaften und Themen hatte Jan Böhmermann im Gepäck, um junge Leute zu engagierteren Bürgern zu machen. Die Frage ist, ob er das will. Vielleicht ist der Hype um ihn für dieses Vorhaben auch zum Verhängnis geworden, weil sich viele nicht für das interessieren, was der Mensch Jan Böhmermann, außerhalb seines Berufs als Satiriker, zu erzählen hatte.”

4. Publikum
(neues-deutschland.de, Leo Fischer)
Nicht nur für schlechte Menschen, sondern auch für ausgemachte Jammerlappen hält Leo Fischer einige “Bild”-Journalisten. Diese würden auf Twitter kräftig austeilen, aber nicht einstecken können: “Am liebsten hätten sie ihr Publikum wieder so wie vor dem Internet: eine stumme, folgsame Masse, die widerstandslos das herunterschluckt, was sie ihnen vorsetzen. Sie wollen die Reichweite und die Wirkmacht von Twitter, ohne jedoch den Widerspruch auszuhalten, der ihnen dort entgegenhallt.” Fischer dreht den Spieß um und fordert den Twitter-Support auf: “Löscht Diekmann, Reichelt, Röpcke! Es handelt sich um gefährliche Trolle, die Hassbotschaften verbreiten und überdies eure Geschäftsgrundlage beschädigen!”

5. Käßmann erwägt rechtliche Schritte gegen Fake News nach AfD-Kritik
(chrismon.evangelisch.de)
Was passieren kann, wenn man Sätze verkürzt und aus dem Kontext löst, kann man derzeit beim Streit um ein angebliches Zitat der prominenten evangelischen Theologin Margot Käßmann sehen. Diese hatte auf dem Kirchentag in Berlin die Forderung der AfD nach einer höheren Geburtenrate kritisiert. Es wurden jedoch vereinzelt Sätze angeführt, die belegen sollten, dass Käßmann alle Bürger mit deutschen Ahnen zu Neonazis erklärt hätte. Für Käßmann eine “lächerlich und absurde” Unterstellung, gegen die sie rechtliche Schritte erwäge.

6. Über Tweetklau
(xbg.blogsport.eu, Klaas Berger)
“Darf man eigentlich nach Telefonaten fremder Leute in der U-Bahn Fragen stellen, wenn einem etwas unklar geblieben ist?” Haben Sie den Spruch schon mal irgendwo gesehen? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, denn er taucht immer wieder auf, ob in Witzesammlungen, auf Twitter oder bei Facebook. Gestern hat zum Beispiel die “Zeit” eine entsprechende Bildtafel retweeted, der aus dem Fundus einer geradezu industriellen Tweetverwertungsmaschinerie stammt und noch dazu einen falschen Urheber nennt. Eine schöne Gelegenheit, an den Tweetklau-Artikel von Klaas Berger zu erinnern, von dem der Spruch ursprünglich stammt.

Was nicht passt, wird Passlack gemacht

Wenn zu einem Thema schon so gut wie alles berichtet wurde, muss man ganz schön was konstruieren lange nachdenken, um doch noch einen neuen Aspekt zu finden. Nehmen wir als Beispiel das Finale um den DFB-Pokal zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund heute Abend. “Bild” und Bild.de hatten am Mittwoch beziehungsweise Dienstagabend einen Artikel mit einem ganz eigenen Dreh dazu veröffentlicht:

BVB-Bubi Passlack will sein persönliches Double holen - Holt dieser Dortmunder in einer Woche mehr Titel als Bayern in einer Saison?

Zum Hintergrund: BVB-Profi Felix Passlack (noch bis übermorgen 18 Jahre alt) hat am Montag bei den A-Junioren seines Vereins mitgespielt und im Finale um die Deutsche U19-Meisterschaft den FC Bayern München geschlagen. Das ist Titel Nummer eins. Heute Abend kann er mit den BVB-Profis den DFB-Pokal gewinnen. Das wäre Titel Nummer zwei.

Also, die Frage, die “Bild” und Bild.de stellen:

Holt dieser Dortmunder in einer Woche mehr Titel als Bayern in der gesamten Saison?

Der Rekordmeister konnte sich in diesem Jahr nur die Schale in der Liga holen.

Das stimmt nicht. “Der Rekordmeister”, also der FC Bayern München, hat nicht nur “die Schale in der Liga”, also die Deutsche Meisterschaft, geholt, sondern zu Saisonbeginn auch den DFL-Supercup. 2:0 gewannen die Bayern am 14. August 2016 gegen Borussia Dortmund. Beim Supercup stehen sich der Meister und der Pokalsieger aus der Vorsaison gegenüber; sollten Meister und Pokalsieger identisch sein, spielen Meister und Vizemeister gegeneinander. Der DFL-Supercup gilt als der erste Titel, der in der jeweils neuen Fußball-Saison ausgespielt wird.

Das alles klingt nach Erbsenzählen und Haarespalten? Sicher, etwas. Aber eine Redaktion, die direkt über dem großen Artikel zum Titelsammler Felix Passlack verkündet …

Bester Sportteil aller Tageszeitungen

… sollte solche Details durchaus kennen.

Mit Dank an David K. für den Hinweis!

Drei heiße Tipps fürs Sommerloch

Es beginnt immer damit, dass irgendjemand aus der Redaktion an einem Montagmorgen feststellt: Gar nicht so viel los heute. Vier Kollegen im Urlaub. Um 10 Uhr keine Pressekonferenz. Und anscheinend auch sonst keine Termine. Dann schauen sich die Redakteure den Kalender noch einmal ganz genau an und sehen, dass sich daran auch in den darauf folgenden Tagen nichts ändern wird. Zwei Stunden später versiegt überraschend der E-Mail-Fluss. Aber daran, dass die Penis-Verlängerungsangebote auch weiterhin im Minutentakt eintrudeln, ist zu erkennen, dass es an der Technik wohl nicht liegen wird. Und so wird langsam allen klar: Das muss das Sommerloch sein.

Ralf Heimann hat vor ein paar Jahren aus Versehen einen Zeitungsbericht über einen umgefallenen Blumenkübel berühmt gemacht. Seitdem lassen ihn abseitige Meldungen nicht mehr los. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt zusammen mit Jörg Homering-Elsner “Bauchchirurg schneidet hervorragend ab — Perlen des Lokaljournalismus”. Fürs BILDblog kümmert er sich um all die unwichtigen Dinge, die in Deutschland und auf der Welt so passieren.
(Foto: Jean-Marie Tronquet)

Das Sommerloch öffnet sich in jedem Jahr ungefähr zur gleichen Zeit, kommt aber trotzdem immer unerwartet. Kein Redakteur hat je damit gerechnet. Daher ist auch noch nie etwas vorbereitet worden. Es müssen schnelle Lösungen her.

Vor allem Lokalredaktionen haben das Glück, sich in diesem frühen Stadium noch ein paar Tage mit Umfragen über Wasser halten zu können. Freie Mitarbeiter schwärmen in die Fußgängerzonen aus, um dort Menschen, die für einen kurzen Moment unachtsam sind, um ihren Content zu erleichtern:

“Was ist Ihre Lieblings-Eissorte?”

“An welchem Ort genießen Sie die Sonne?”

“Wohin geht’s dieses Jahr in den Urlaub?”

Viele Leser warten schon seit Monaten darauf, dass diese Fragen endlich beantwortet werden. Die Redakteure wissen das natürlich und räumen den Umfragen entsprechend viel Platz ein. Aber nach ein paar Tagen geht auch dieser Vorrat zur Neige. Und dann bleibt nur noch eine allerletzte thematische Reserve: getürmte Tiere im Tümpel.

Sobald die Nachricht die Runde macht, dass wieder irgendein Viech ausgebüxt ist, sprechen sie in den Redaktionen die ersten Gebete, es möge bitte so lange wie möglich verschollen bleiben, damit sein Verschwinden auch in den nächsten Tagen noch Anlass für Berichte über die Suchaktionen, das weitere Vorgehen und Spekulationen liefert. Meistens wird es dann aber doch schnell wiedergefunden.

Das stellt die Redaktion vor größere Probleme, denn wie soll es weitergehen — ganz ohne Inhalte? Das rettende Ufer des Ferienendes ist noch nicht mal in Sichtweite. Es herrscht Ratlosigkeit. Die Redaktion stürzt in eine tiefe Krise. Und da kommen wir ins Spiel.

Hier wären drei praktische Tricks, die in Not geratenen Redaktionen garantiert helfen, das Sommerloch zu überwinden …

1. Die Ausschluss-Frage
Schauen Sie doch mal nach, ob im Postfach noch zwei Polizei-Meldungen liegen. Irgendwas aus den vergangenen Tagen. Der Handtaschen-Raub in der Innenstadt, der angefahrene Hund an der Gartenstraße. So was in der Art. Sie wissen schon. Haben Sie was gefunden? Gut. Dann rufen Sie doch mal die Polizei-Pressestelle an und fragen:

“Können Sie ausschließen, dass es zwischen den Taten einen Zusammenhang gibt?”

Können sie nicht? Aha. Das ist ja interessant. Vielleicht können die Polizisten sogar nicht einmal ausschließen, dass dieser Täter auch für den umgeworfenen Grabstein auf dem Friedhof neulich verantwortlich war und für den Sparkassen-Überfall am vergangenen Dienstag? Finden Sie nicht, dass Ihre Leser das wissen sollten? Schreiben Sie es auf — am besten so, wie der Polizei-Pressesprecher es Ihnen gesagt hat.








Und wo Sie den Mann schon mal dran haben: Fragen sie doch mal, ob die Polizei ausschließen kann, dass der Taschendieb neulich im Stadtpark ein Triebtäter war. Kann die Polizeistelle auch nicht ausschließen? Oha. Das ist dann ja vielleicht sogar was für die Seite eins.

2. Die Metamorphosen-Meldung
Sie finden gar keine Polizei-Meldungen in Ihrem Postfach? Kein Problem. Auch für den Fall hätten wir was. Haben wir hier im vergangenen Jahr schon erwähnt. Ist aber immer noch aktuell. Die Ausschnitte hier sind erst ein paar Tage alt.








Und warum soll das Format nicht auch in anderen Ressorts funktionieren?

Vielleicht haben Sie noch Fotos, die den Stadtpark im Winter zeigen. Vielleicht finden Sie sogar noch welche aus dem Herbst. Machen Sie eine Serie draus. So sieht der Stadtpark doch jetzt nicht mehr aus, oder?

Oder machen Sie einen Screenshot von Ihrer Nachrichten-Website. Mit jeder neuen Meldung in ihrem Angebot wird der historische Screenshot zu wertvollem Content.

Ach, und fragen Sie die Kollegen aus dem Sport. Suchen Sie sich die Tabelle der Fußball-Landesliga raus, am besten die von vor drei Wochen. Da hat sich doch kurz vor Saison-Ende noch einiges getan, oder? Sehen Sie. Die Leute lesen so was.

Und wenn die Kollegen aus dem Sport gerade im Urlaub sind, auch nicht schlimm. Fotografieren Sie einen Politiker, geben Sie ihm einen Kamm in die Hand, und danach fotografieren Sie ihn noch mal. Das geht ganz schnell. Und das funktioniert auch im überregionalen Politik-Teil.

Sagen Sie das am besten auch den Kollegen aus den anderen Ressorts. Die freuen sich. Bei denen ist über die Sommermonate ja auch nicht viel los.

3. Spekulative Hard Facts
Die Metamorphosen-Meldung gefällt Ihnen auch nicht so gut? Dann hätten wir noch einen dritten Vorschlag. Der ist garantiert was für Sie. Gibt es nicht noch irgendeine Meldung, die Sie wirklich gerne bringen würden? Denken Sie mal nach. Diese Brücke, die schon so lange gesperrt ist, die müsste doch langsam mal wieder freigegeben werden. Oder diese Straße. Irgendwie hat man auch den Eindruck, dass das Freibad demnächst für länger schließen könnte. Oder? Und in Richtung der Straßenbahn-Haltestelle hat’s doch gestern Abend so einen lauten Knall gegeben. Klang das nicht ein bisschen wie ein Pistolenschuss? Finden Sie auch? Will aber keiner bestätigen? Egal. Schreiben Sie’s einfach. Die anderen machen’s ja auch. 




“Das habe ich aber nicht gesagt”

Die Fußballer des SC Freiburg haben am letzten Bundesligaspieltag zwar 1:4 gegen den FC Bayern München verloren, insgesamt haben sie aber eine ziemlich gute Saison gespielt. In der Abschlusstabelle stehen die Freiburger auf Rang 7 und können noch, vorausgesetzt Borussia Dortmund gewinnt am Samstag den DFB-Pokal, auf die Qualifikation für die Europa League hoffen.

Bild.de schrieb am späten Dienstagabend, dass Freiburgs Trainer Christian Streich eine noch viel bessere Platzierung voraussah:

Im Artikel bezieht sich die Redaktion auf eine Aussage des Freiburger Stürmers Nils Petersen, die er ihr im Interview gegeben haben soll:

Freiburg Siebter — zum Saisonstart undenkbar. Aber nicht für Christian Streich (51)! Der Trainer sah Europa voraus!

Nils Petersen (28): “Am ersten Spieltag haben wir in Berlin in der Nachspielzeit verloren. Eine Woche später hat der Trainer eine Ansprache gehalten.”

Petersen: “Der Trainer hat gesagt, dass wir unter den ersten Drei landen. Wenn wir gut spielen. Jeder hat gedacht: Oh, mutige Ansage.”

Gestern hat sich Petersen auf seiner Facebook-Seite zum Bild.de-Artikel geäußert:

Facebook-Post von Nils Petersen - Guten Morgen. Ich möchte kurz was richtigstellen. In der Bild-Zeitung von heute werde ich wie folgt zitiert: Der Trainer hat gesagt, dass wir unter den ersten Drei landen. Wenn wir gut spielen. Jeder hat gedacht: Oh, mutige Ansage. Das habe ich aber nicht gesagt. Richtig ist: Der Trainer hat gesagt, dass wir im oberen Drittel landen. Das Missverständnis wollte ich kurz ausräumen. Euch allen einen entspannten Tag.

Auch Frank Schneider, stellvertretender Sportchef bei “Bild Süd”, hat Petersens Post entdeckt. Er kommentierte:

Guten Morgen von BILD. Nils Petersen hat Recht. Wir haben eben das Band nochmal abgehört. Unser Fehler, wird online sofort korrigiert. Sorry dafür! Ein Orakel bleibt der Trainer mit seiner Aussage aber natürlich trotzdem…Gruß, Frank Schneider

Und tatsächlich: Der Bild.de-Artikel wurde — still und heimlich und ohne jeglichen Hinweis — korrigiert.

Mit Dank an @fuszball für den Hinweis!

Nachtrag, 26. Mai: Ein Leser wies darauf hin, dass das obere Drittel der Bundesliga, in der 18 Mannschaften spielen, die Plätze 1 bis 6 umfasst. Der SC Freiburg wurde 7. und landete somit nicht im oberen Drittel.

Da Bild.de die Orakelhaftigkeit von Christian Streich auf die Teilnahme in einem europäischen Wettbewerb bezogen hat (was für die Freiburger ja noch möglich ist), haben wir die Diskrepanz zwischen Platz 7 und dem obersten Drittel in diesem Blogpost nicht weiter thematisiert.

Mit Dank an Hendrik U. für den Hinweis!

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