Suchergebnisse für ‘sport’

Lügenstatistiken, Republik-Rekord, CSU-Bot

1. Manipulierte Statistiken entlarven
(faktenfinder.tagesschau.de, Verena Stöckigt)
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Auch deshalb sind Kurven- und Balkendiagramme so beliebt, wenn es um die Darstellung komplexer Informationen geht. Kein Wunder, dass sie besonders in sozialen Netzwerken so gern geteilt werden. Doch oft sind die Bilder fehlerbehaftet oder verfälscht. Verena Stöckigt erklärt, wie man “manipulierte Statistiken” entlarven kann. Eine Wortwahl, die Blogger Fefe übrigens für ungeeignet hält, stattdessen eher von “manipulativen grafischen Darstellungen von Statistiken” sprechen würde. Fefe weiter: “Ich bin irritiert, dass jemand, der den Anspruch an sich selbst erhebt, die Bevölkerung über Irreführung zu informieren, dann schon bei der Nomenklatur solche Schwächen zeigt.”

2. Weltrekord für journalistisches Crowdfunding
(republik.ch)
Ein neues journalistisches Projekt will die Schweizer Medienlandschaft umkrempeln: “Republik”. Es sieht so aus, als ob das Vorhaben bei den zukünftigen Lesern und Leserinnen gut ankommt: Per Crowdfunding hat man die Rekordsumme von mehr als zwei Millionen Franken eingesammelt.

3. Schlechtes von gestern
(sueddeutsche.de, Susan Vahabzadeh)
Als eine “schwarze Woche für Frauen” bezeichnet Susan Vahabzadeh die vergangenen Tage in Medien und Politik. Besonders auf die Nerven seien ihr die “Rollenzuweisungen aus den Untiefen des vorigen Jahrtausends” gegangen. Das Frauenbild sei auf dem Rückschritt in die Fünfziger. Zu den Wochenaufregern gehören für sie Ivanka Trumps angeblicher Feminismus im Blümchenkleid, die zum Umsatztöter erklärte “dicke” Barbie und der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon. Sogar bei den nichtexistenten, aber gut dotierten Scheinjobs von Sohn und Tochter des konservativen Politikers hätte es ein Gender Pay Gap gegeben.

4. Alles schick
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm stellt „SZ Familie“ vor, ein Heft für Eltern und Kinder. Sie findet insgesamt lobende Worte für die Zeitschrift, die man sich jedoch leisten können müsse. “Am stärksten ist das Magazin, wenn deutlich wird, dass es aus der SZ-Redaktion stammt: bei den anspruchsvollen Geschichten. Ein Text beleuchtet das konservative Familienbild der AfD, an anderer Stelle erzählen Paartherapeuten, woran Beziehungen zerbrechen, wenn Kinder dazukommen. Star-Geiger und Leistungssportler berichten, wie früh sie ihre Kinder fördern (sehr früh). Das liest sich alles schön weg, transportiert aber immer auch ein exklusives Familienbild.”

5. Die „Öffentlich-Rechtlichen“ und das Internet
(boell.de, Oliver Passek)
Die Frage „Was dürfen ARD und ZDF eigentlich im Netz?“ ließe sich gar nicht so schnell beantworten, findet Oliver Passek und beschreibt die teilweise verworrene Lage mit ihren unterschiedlichen Verfahren: “All diese Regelungen kratzen am Image der Öffentlich-Rechtlichen und stehen einer für die Zukunft des Systems unverzichtbaren Weiterentwicklung im Wege. Deshalb brauchen wir einheitliche Online-Regelungen bei ARD und ZDF für alle gängigen Formate. Abweichungen sollten in der Mediathek per Klick kurz erklärt werden.”

6. Ich habe mit dem neuen CSU-Bot gechattet, damit ihr es nicht müsst
(motherboard.vice.com, Gregor Thomanek)
Ein Gesprächsversuch mit dem Facebook-Chatbot der CSU: “Mit allen Mitteln habe ich versucht, mit dem christsozialen Facebook-Roboter ein ernsthaftes Gespräch über Politik und Markus Söder zu führen — und alles, was ich bekam, waren diese lausigen Memes.”

Bild, Bild.de  etc.

FIFA kuscht vor “Bild” – und widerspricht ihr

Wenn man irgendein Problem hat und nicht weiterweiß, kann man sich an “Bild” wenden, und dann heißt es: “BILD kämpft für Sie”. Das Boulevardblatt regelt die Sache für einen — zum Beispiel, dass der Kioskbesitzer das Überraschungsei erstattet, das er einem verkauft hatte, obwohl das Mindesthaltbarkeitsdatum schon zwei Tage überschritten war. Sowas halt.

In den vergangen zwei Tagen hat “Bild” aber noch etwas viel Größeres erkämpft, für Sie, für uns, für die Welt: den Erhalt der Pressefreiheit. Doch, doch, lesen Sie selbst:

Das Ganze ging gestern los. Da schrieb die “Bild”-Redaktion groß auf ihrer Titelseite:

Grund für die “Zensur”-Rufe von “Bild” ist ein Dokument mit dem Titel “Media Visa Procedure and Guidelines on Foreign Media Work in Russia”. Diese “Guidelines” haben Journalisten zugeschickt bekommen, die sich für den “Confederations Cup” akkreditiert haben, ein Fußballturnier, das immer ein Jahr vor der Weltmeisterschaft im jeweiligen Gastgeberland stattfindet. Dieses Mal in Russland.

“Bild” zitierte gestern aus dem Dokument:

In der Akkreditierungs-Bestätigung steht:

“1. Medienvertreter mit einer Akkreditierung für den FIFA Konföderationen-Pokal dürfen ausschließlich über den FIFA Konföderationen-Pokal 2017 und damit verbundene Ereignisse berichten.

2. Medienvertreter mit einer Akkreditierung für den FIFA Konföderationen-Pokal dürfen nur auf dem Gebiet der Spielorte und nahe gelegener Sehenswürdigkeiten tätig sein.”

Die Schlussfolgerung der Redaktion:

Bedeutet: Die Reporter dürfen mit der Akkreditierung kaum über die Außenlinie des Platzes hinaus berichten. Über Missstände, über mögliche Proteste.

Die FIFA kuscht wohl vor Putin.

In einem Kommentar machte “Bild” dann auch noch klar: Nicht mit uns!

Putin zensiert die WM-Generalprobe im Sommer, an der auch unsere Weltmeister teilnehmen.

Journalisten dürfen beim sogenannten Confed-Cup nur über die Fußballspiele berichten. Außerdem ist die Tätigkeit auf die Spielorte und “nahegelegene Sehenswürdigkeiten” begrenzt. (…)

BILD jedenfalls wird keine Reporter zum Confed-Cup schicken, solange diese Zensur gilt.

Ziemlich viele Leute aus Sport und Politik schlossen sich “Bild” an, und auch viele Medien berichteten über die “Guidelines” der FIFA (obwohl die schon eine ganze Weile bekannt sind, mindestens seit Ende März).

Heute dann die oben bereits präsentierte, vermeintliche “Wende”: “Fifa und Putin lenken ein”, schreibt “Bild” und lässt keinen Zweifel daran, wer dafür gesorgt hat:

Und sie bewegen sich doch! Nachdem BILD die Knebel-Klausel für Journalisten beim Confederations Cup in Russland (17. Juni bis 2. Juli) enthüllt hat, lenken beide ein — die Fifa und Präsident Wladimir Putin (64). (…)

BILD kündigte an, den Confederations Cup zu boykottieren, falls die Zensur-Regelung bestehen bleibt.

Gestern die sensationelle Wende!

Schaut man sich die Reaktion der FIFA und des russischen Organisationskomitees auf den “Zensur”-Vorwurf von “Bild” genauer an, hat man das Gefühl, dass es sich eher um ein Widersprechen handelt — und nicht um ein Einlenken. Die “Bild”-Zeitung zitiert heute aus einer Erklärung der gemeinsamen Ausrichter:

“Journalisten, die eine FIFA-Akkreditierung für den FIFA Konföderationen-Pokal erhalten, können an den Spielorten und in den umliegenden Gebieten ohne jede Einschränkung frei arbeiten.”

Bild.de schrieb gestern am Nachmittag selbst noch, dass die FIFA die Zensur-Vorwürfe zurückweise:

Und “Bild” schreibt, dass die kritisierten Stellen in den “Guidelines” auch nicht gestrichen werden sollen:

BILD hakte bei der Fifa nach: Werden die Akkreditierungs-Unterlagen geändert und die Zensur-Regel auch schriftlich gestrichen?

Die mündliche Antwort eines Sprechers: Man habe die Unterlagen bereits vor knapp drei Wochen an die Medienvertreter verschickt. Eine Neuversendung mit Änderungen ist nicht geplant.

Das Dementi der FIFA zur “Bild”-Berichterstattung und das Nicht-Streichen der kritisierten Passagen nutzt “Bild” heute also, um sich als Retter der Pressefreiheit zu inszenieren.

Natürlich ist es überhaupt nicht abwegig zu vermuten, dass Wladimir Putin kritische Berichterstattung während der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr und während des “Confederations Cup” in diesem verhindern will. Und es ist auch klar, dass in einem Land wie Russland, das in der “Rangliste der Pressefreiheit” von “Reporter ohne Grenzen” auf Platz 148 von 180 liegt, nicht sicher ist, ob und wie man berichten kann. Man kann sich also über den Passus in den “Guidelines” der FIFA völlig zurecht aufregen und darüber schreiben — schließlich bringt er zusätzliche Unsicherheiten für die Journalisten, die bald nach Russland reisen wollen. Die Hysterie, mit der “Bild” dies tut, und der sich viele Medien gestern angeschlossen haben, ist dabei das Problem. Dass gleich “Zensur” geschrien wird und “Boykott”. Für “Bild” ist momentan alles vieles, was aus Russland kommt, die Ausgeburt des Bösen.

Dazu kommt, dass die “Guidelines”, auf die sich “Bild” bezieht, gewisse Schwächen bei der Übersetzung aufweisen. Es gibt sie in Englisch, Spanisch, Französisch und Deutsch. Schaut man sich das Dokument (PDF) an, sieht man, dass bei Punkt 2 …

2. Medienvertreter mit einer Akkreditierung für den FIFA Konföderationen-Pokal dürfen nur auf dem Gebiet der Spielorte und nahegelegener Sehenswürdigkeiten tätig sein.

… im Deutschen ein “nur” steht und im Spanischen ein “solo”. Im Englischen gibt es hingegen kein “only” und im Französischen kein “seulment”. Ohne das “nur” wird aus dem Satz, der etwas einschränkt, auf einmal eine Erlaubnis.

Und auch der Begriff “Spielort” ist in der Deutschen Übersetzung unglücklich gewählt. Damit kann sowohl die gesamte Stadt als “Spielort” gemeint sein, beispielsweise Sotschi, aber auch nur das Stadion in Sotschi. Die “Bild”-Redaktion hat sich bei ihrer Interpretation offenbar für Variante zwei entschieden:

Die Reporter dürfen mit der Akkreditierung kaum über die Außenlinie des Platzes hinaus berichten.

Allerdings steht in der englischen Variante “host cities”, in der spanischen “ciudades anfitrionas” und in der französischen “villes hôtes”, was alles eher für die gesamte Stadt spricht, in der gespielt wird.

Klar, auch wenn man “Spielort” durch “Gastgeberstadt” ersetzt, mögen die FIFA-“Guidelines” noch eine Einschränkung bei der Berichterstattung darstellen. Diese scheint aber nicht so eng gefasst zu sein, wie “Bild” behauptet.

Mit Dank an Roland B. und Andreas für die Hinweise!

Wikitribune, Weinskandal, Rekruten-Pizza

1. Wie Jimmy Wales mit dem Wikipedia-Prinzip den Journalismus retten will
(wired.de, Greg Williams)
Nun sagt auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales den Fake News den Kampf an und startet eine Community-getriebene Online-Nachrichtenplattform mit dem Namen „Wikitribune“. Das neue Nachrichtenportal soll über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert werden: „Wenn wir News mit Community-Beteiligung machen, sollte das auch mit Community-Beteiligung finanziert werden.“

2. IVW-Blitz-Analyse Zeitungen: Bild, BamS und WamS verlieren mehr als 10%, Gewinne für die Junge Freiheit und den Freitag
(meedia.de, Jens Schröder)
Die Verkaufsstatistik für überregionale Tageszeitungen im ersten Quartal fiel vor allem für das Haus Axel Springer schlecht aus: „Bild“ und „Bild am Sonntag“ verloren bei Abos und Einzelverkäufen laut IVW-Erhebung fast elf Prozent gegenüber dem Vorjahr, die “Welt am Sonntag” zehn Prozent.

3. Der «Blick» auf den Spuren der «Schweizermacher»
(medienwoche.ch, Nina Fargahi)
Die Schweizer Tageszeitung „Blick“ hat mit einer umstrittenen Aktion auf sich aufmerksam gemacht: Das Blatt forderte Flüchtlinge auf, einen „Integrationsvertrag“ abzuschließen, den man sich hat einfallen lassen. Nina Fargahi kommentiert: „Wenn das Anliegen wirklich ein einträchtiges Zusammenleben zum Ziel hat, dann sollte die schweizerische Bevölkerung als Ganzes in den Blick genommen werden, worunter auch die frisch zugezogenen Schutzsuchenden zählen. Weshalb dies hier nicht der Fall ist, lässt sich leider nur damit erklären, dass Kampagnenjournalismus auf Kosten der Schwächsten betrieben wird.“

4. Darum fahren Medien auf selbstzerstörende News ab
(welt.de, Christian Meier)
Snapchat hat seine ersten deutschen Partner vorgestellt, das sind „Bild“, „Spiegel Online“, „Sky Sport“ und „Vice“. Was den Snapchat-typischen Selbstzerstörungsmechanismus der Nachrichten anbelangt, bleibt Christian Meier in der „Welt“ gelassen und abgeklärt: „Wo sich der an klassischer Zeitungslektüre geschulte Mensch weiter abmüht, sein Lesepensum der vergangenen Woche abzuarbeiten, erleichtert hier eine Art informationeller Entschlackungsmodus das schlechte Gewissen. Was nicht innerhalb von 24 Stunden angeschaut wird, ist halt weg. Die nächste Nachricht kommt bestimmt.“

5. Sächsischer Weinskandal: DNN verklagt Sozialministerium
(flurfunk-dresden.de, Benjamin Kutz)
Der sächsische Weinskandal beschäftigt seit anderthalb Jahren die Medien. Nun geht es in die nächste Runde: Die “Dresdner Neusten Nachrichten” (“DNN”) verklagen das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz auf Herausgabe von Informationen. “DNN”-Chefredakteur Dirk Birgel: „Es wird Zeit, Ross und Reiter zu nennen. Das Ministerium muss endlich dem Verbraucherschutz genügen und die Namen der betroffenen Betriebe nennen. Das ist im übrigen auch im Sinne der vielen Betriebe, die sauberen Wein produzieren. Solange die schwarzen Schafe der Branche geschützt werden, liegt automatisch ein Generalverdacht auch auf allen, die keine Schuld trifft.“

6. Fast Food: Bundeswehrbung auf Pizzapackungen kostet 202.000 Euro
(netzpolitik.org, Arne Semsrott)
Mehr als sieben Millionen Euro hat sich die Bundeswehr ihre YouTube-Serie „Die Rekruten“ kosten lassen. Davon entfielen 6,1 Millionen Euro auf den Werbe-Etat. Und damit auf Pizza-Kartons: Wie aus einer Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz auf „FragDenStaat.de“ hervorgeht, hat die Bundeswehr mehr als 200.000 Euro für mit Werbung bedruckte Pizza-Kartons ausgegeben, die man kostenlos an Pizzabäcker verteilen ließ.

Hohl-in-one

Im “Augusta National Golf Club” im US-Bundesstaat Georgia startet morgen eines der bedeutendsten Golfturniere der Welt, das “US Masters”. Unter anderem am Start: Der Deutsche Martin Kaymer, mit dem “Bild” im Vorfeld gesprochen hat. Das Interview kann man heute im Blatt lesen, und die Überschrift hat es durchaus in sich:

'Trump ist ein Geschenk für uns'

Die Bild.de-Mitarbeiter haben daraus einen “Bild plus”-Artikel gemacht, mit der gleichen Titelzeile wie ihre Print-Kollegen:

Deutschlands bester Golfer - Kaymer: 'Trump ist ein Geschenk für uns'

Nanu — Martin Kaymer ein großer Fan der Politik Donald Trumps? Der US-Präsident “ein Geschenk” für die Menschheit? Die Aussage von Martin Kaymer, die die “Bild”-Medien für ihre Schlagzeilen gewählt haben, stammt zwar von dem Golfer. Sie hat allerdings nichts mit Politik zu tun:

Sie spielen einen Großteil des Jahres in den USA. Wie hat sich Amerika unter Präsident Donald Trump verändert?

Kaymer: “Ich bin überrascht, dass die Leute, besonders die, die Trump gewählt haben, jetzt über seine Äußerungen und Handlungen verwundert sind. Er macht das, was er angekündigt hat. Für uns Golfer gibt es allerdings auch noch einen zweiten Donald Trump.”

Was meinen Sie?

Kaymer: “Über den Politiker Trump muss sich jeder seine eigene Meinung bilden. Der Golf-Fan Trump ist jedoch ein Geschenk für unseren Sport. Er hat extrem gute Plätze auf der ganzen Welt gebaut. Was er im Golf anpackt, ist eigentlich immer ein Riesenerfolg.”

Das Problem dabei: Die kompletten Antworten können bei Bild.de nur die Leute lesen, die ein “Bild plus”-Abo haben. Alle anderen sehen lediglich die Überschrift und die ersten paar Zeilen des Textes, aus denen nicht hervorgeht, dass sich Kaymers Aussage bloß auf Golfplätze bezieht.

Weil sich erste empörte Fans meldeten und schrieben, sie werden ihn ab sofort nicht mehr unterstützen, hat sich Martin Kaymer bei Facebook zu der “Bild”-Schlagzeile geäußert:

Hallo zusammen! Nach den ersten Reaktionen auf ein heute erschienenes Interview möchte ich klarstellen, dass ich mich nicht zu politischen Themen in Bezug auf Donald Trump und meiner persönlichen Meinung zu ihm, die sich im übrigen in keinster Weise in diesem Artikel widerspiegelt, geäußert habe und das auch in einem Interview nicht tun werde. Es ging rein um sein Engagement im Golfsport. Bitte lest die ganze Antwort bevor ihr euch eine Meinung bildet und lasst euch nicht von der reißerischen Schlagzeile blenden. Gruß aus Augusta!

Mit Dank an Kiezgolf für den Hinweis!

Faktenfinder, Schweigegeld, Verpartnerung

1. Wie umgehen mit Fake News?
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Die ARD startet den “Faktenfinder”, ein Projekt, das sich der Aufklärung über Fake News verschrieben hat. Projektleiter Patrick Gensing: “Der Kampf gegen gezielte Falschmeldungen und Desinformation lässt sich nicht durch Gesetze gewinnen. Es ist vielmehr Aufgabe von Journalisten und Medien, über dieses Problem aufzuklären” Weitere Informationen bei “Deutschlandradio Kultur”: Mit journalistischem Handwerk gegen Fake News

2. Schadenersatz wegen Fake News zu “Amoklauf”
(kn-online.de, Gerrit Sponholz)
Laut “Kieler Nachrichten” geht in Schleswig-Holstein eine Behörde erstmals gegen den Urheber von Falschmeldungen vor, die über Twitter und Facebook verbreitet wurden. Ein Mann soll mit seinen Fake News einen Großeinsatz im Kreis Segeberg behindert und Panik geschürt haben. Für den zusätzlichen Personaleinsatz wird der Mann nun zur Kasse gebeten.

3. Fox-News-Moderator soll Mitarbeiterinnen Schweigegeld gezahlt haben
(sueddeutsche.de, Sacha Batthyany)
Der prominente Nachrichtenmoderator des konservativen US-Fernsehsenders “Fox News” Bill O’Reilly soll Mitarbeiterinnen Schweigegeld gezahlt haben, die ihm zuvor sexuelle Belästigung vorgeworfen hätten. Der 67-jährige O’Reilly und sein Sender sollen rund 13 Millionen Dollar Schweigegeld an fünf Frauen gezahlt, die dem Starmoderator sexuelle Belästigung vorgeworfen hätten. Bill O’Reilly wies sämtliche Anschuldigungen zurück. Er ziehe wegen seiner Prominenz “Klagen von Personen an, die von mir Geld wollen, um negative Berichterstattung zu vermeiden”.

4. Zeitschriftenverleger kritisieren Gesetz gegen Hasskommentare im Netz
(heise.de)
Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) kritisiert das geplante Gesetz gegen Hasskommentare im Internet. Zukünftig sollen Internetplattformen unter Androhung einer Geldbuße von bis zu 50 Millionen Euro alle strafrechtswidrigen Äußerungen entfernen.
“Ein privates Unternehmen ist aber nicht in der Lage, die Wahrheit oder Unwahrheit kritischer Behauptungen über Politiker, Sportler, Unternehmer oder wen auch immer zu überprüfen. Es hat dafür weder die Ressourcen noch die nötigen Ermittlungsrechte”, so der Verbandspräsident. “Plattformen bleibt angesichts solcher Bußgelddrohungen keine andere Wahl als im Zweifel zu löschen. Das halte ich für eine große Gefahr.”

5. 14 Millionen Dollar für Studien zu Fake-News
(zeit.de, Götz Hamann)
Facebook und weitere Unternehmen finanzieren mit 14 Millionen Dollar eine neu gegründete Organisation zur Erforschung des digitalen Journalismus, die News Integrity Initiative (NII). Zu dem internationalen Konsortium gehören in Deutschland das Hans-Bredow-Institut in Hamburg und die Hamburg Media School. Die Facebook-Managerin Campbell Brown erhofft sich neue Erkenntnisse und eine Unterstützung bei der Zurückdrängung von Fake-News. Man möchte der Managerin zurufen, dass sie sich ihre Millionen sparen kann, wenn sie sich zunächst den offensichtlichsten Missständen auf ihrer Plattform zuwenden würde.

6. Hape Kerkeling hat nicht geheiratet
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Hape Kerkeling ist mit seinem Freund eine Lebenspartnerschaft eingegangen und viele Medien verkündeten diese Verpartnerung als “Hochzeit”. Stefan Niggemeier sieht diese Bezeichnung mit gemischten Gefühlen. Einerseits sei es positiv, wenn Boulevardmedien wie “Bild” und “Bunte” homosexuelle Partnerschaften als relativ selbstverständlich darstellen würden. Andererseits handele es sich bei dem Begriff um eine trügerische Gleichsetzung, die in der Realität nicht bestehe. “Es ist eine furchtbar bequeme Illusion: Man tut so, als sei die Gleichstellung ja im Grund schon erreicht, und kann sie so verhindern. Wenn Journalisten eingetragene Partnerschaften ohne größere Umstände als „Ehen“ bezeichnen, machen sie eine Diskussion darüber fast unmöglich, warum eingetragene Partnerschaften in Deutschland (im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern Westeuropas) keine Ehen sind.”

Polizei und Medien gehen mit Bushido auf Verbrecherjagd

In Buxtehude gab es einen Raub. Schon vor einigen Tagen überfielen zwei Männer eine Frau und nahmen ihr Geld und Handy ab. Die zuständige Polizeiinspektion Stade hat in einer Pressemitteilung nun ein paar Details zu einem der Täter veröffentlicht:

Männlich — nicht über 30 Jahre — 190-200cm groß, sportlich schlank — südländisches Erscheinungsbild — kräftiger Vollbart – sprach gebrochenes deutsch – dunkelrotes Basecap mit einem silbernen Button an der Unterseite der Schirms

Und, noch besser, es gibt auch ein Phantombild:

Viele lokale, aber auch überregionale Medien berichten über die Suche der Polizei. Zum Beispiel die Hamburg-Ausgabe der “Bild”-Zeitung heute:

Oder Bild.de bereits gestern Abend:

Das Onlineportal des “Hamburger Abendblatts” mit leicht verzerrtem Phantombild:

“Focus Online” berichtet ebenfalls:

Und die Onlineredaktion der “Hamburger Morgenpost”:

Wir haben eine gute Nachricht: Die Polizei kann die Suche einstellen. Wir wissen nämlich, wer der Mann auf dem Foto ist: der Rapper Bushido. Gewisse Zweifel, dass er etwas mit dem Raubüberfall in Buxtehude zu tun hat, haben wir durchaus. Aber: Das auf dem Foto ist Bushido.

Die Polizeiinspektion Stade hat offenbar ein Foto des Rappers genommen …

… es gespiegelt …

… das Foto leicht verzerrt, einen fancy Filter über das Bild gelegt, Bushidos Kette wegretuschiert, seinen Bart verlängert, ein paar Punkte und Striche in sein Gesicht gemalt, ihm ein Käppi aufgesetzt. Und schon war das Phantombild fertig:

Für eine größere Version einfach auf die Collage klicken. Dann erkennt man auch drei besonders prägnante Stellen: ein helles Haar in der Augenbraue, ein rausstehendes Nasenhaar und die Spuren der wegretuschierten Kette am Kragen des T-Shirts.

Mit Dank an Sebastian für den Hinweis!

Nachtrag, 13:14 Uhr: Laut tageblatt.de beruft sich die Polizeiinspektion Stade darauf, dass es sich um eine “‘zufällige Ähnlichkeit'” handelt. Das Phantombild sei von einem Zeichner des Landeskriminalamtes nach Angaben einer Zeugin angefertigt worden.

Und Bushido will sich demnächst “ein rotes Cap” zulegen.

Nachtrag, 31. März: Laut kreiszeitung.de gibt inzwischen auch das fürs Phantombild zuständige Landeskriminalamt Niedersachsen zu, dass das Bushido-Foto als Grundlage für die Zeichnung diente. Die Polizeiinspektion Stade bestritt gestern noch einen Zusammenhang und sprach von einem “Zufall”.

Nachtrag, 18. April: Anfangs bedankte sich Bushido zwar noch für den Modetipp bei der Polizei, ganz so lustig fand er die Verwendung seines Fotos als Vorlage für das Phantombild dann aber offenbar doch nicht. Denn inzwischen hat der Rapper Anzeige erstattet, wegen Verleumdung und Verfolgung Unschuldiger.

Bild  

Nichts ist so alt wie die “Bild”-Zeitung von heute

Am frühen Morgen (Mitteleuropäische Zeit) des 26. Dezember 2016 verloren die Footballer der Denver Broncos 10:33 gegen die Kansas City Chiefs.

90 Tage später ist diese Nachricht auch in der Ruhrgebiet-Redaktion der “Bild”-Zeitung angekommen. Das Blatt schreibt heute im Sportteil (mit falschem Ergebnis):

Vermutlich hat jemand beim Zusammenwürfeln des Inhalts ein altes Meldungsbein komplett auf die Seite kopiert und drucken lassen. In den anderen kurzen Sportnachrichten ist zum Beispiel zu lesen, dass bei den Fußballern von Eintracht Frankfurt eine Vertragsverlängerung mit Torwart Lukas Hradecky “bereits im Januar-Trainingslager” klappen könnte, und dass die Spieler des FC Montpellier Strafen zahlen werden müssen, wenn sie mit Übergewicht aus dem Weihnachtsurlaub zurückkommen.

Mit Dank an Timm H. für den Hinweis!

Pizza-Boten, Pimmelköpp, Kifferwarnung

1. Ablenkmanöver Olympia-Rechte
(carta.info, Heiko Hilker)
Heiko Hilker fragt sich, ob es ein strategischer Schachzug von ARD und ZDF war, die Olympiarechte 2018 bis 2024 nicht zu erwerben. In der Öffentlichkeit würden ARD und ZDF es so darstellen, dass ihnen 300 Millionen Euro für vier Olympische Spiele zu teuer gewesen seien. Doch die Absage könnte auch andere Gründe haben: “Dadurch, dass man die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 erst einmal nicht bekommen hat, schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe. Man zeigt, dass man nicht bereit ist, Sportrechte um „jeden Preis“ zu kaufen. Man sorgt dafür, dass fast alle Sportverbände fordern, dass sich die Sportübertragung nicht verschlechtern darf und dass die Sender versuchen sollen, weitere Rechte zu erwerben. Eine Differenzierung wird zwischen den einzelnen Sportarten nicht vorgenommen. Die realen Verhältnisse werden nicht beleuchtet. Und so geht unter, dass die Sender bisher vor allem Männer-Fußball finanzieren.”

2. “Für Menschen, die nachdenken, ist das offensichtlicher Bullshit”
(horizont.net, Sebastian Moll)
Medienkritiker Jim Rutenberg arbeitet seit 16 Jahren bei der „New York Times“. Im Interview erklärt er wie das US-Leitmedium mit Donald Trump umgeht. Jenes Leitmedium, das unlängst von der Pressekonferenz des Weißen Hauses ausgeschlossen worden war. Rutenberg gibt sich zumindest in diesem Punkt gelassen: “Ich war selbst Korrespondent im Weißen Haus und habe diese Briefings immer eher als lästig empfunden. Sie bringen einen nicht wirklich weiter. Was einen weiterbringt, ist Recherche.”

3. Wenn Journalisten zu Pizza-Boten werden
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Ein Teigfladen zum Aufbacken, mit etwas Schokoladenkrümeln belegt. Keine große Sache, aber wenn man nach den Reaktionen der Medien geht, eine Weltsensation! Boris Rosenkranz rekonstruiert auf “Übermedien” wie die “Schoko-Pizza” in den Medien zum Marketing-Selbstläufer wurde: “Wenn Journalisten zu Pizza-Boten werden”

4. „Zeit Online“ über Kölner Band Brings, Bläck Fööss und „Pimmelköpp“?
(ksta.de)
Auf “Zeit Online” erscheint ein Artikel über Lukas Podolskis Abschied aus der Nationalmannschaft, in dem – vor allem im Rheinland bekannte – Bands wie Brings, die Höhner, die Bläck Fööss und die “Pimmelköpp” erwähnt werden. Problem: Die “Pimmelköpp” gibt es nicht, gemeint waren wohl die “Klüngelköpp”. Der „Zeit Online“-Sportredakteur streitet jedoch eine Verwechslung ab. Es sollte angeblich nur ein „übertrieben erfundener Gag“ sein… PS: Eine von Witzbolden eingerichtete “Pimmelköpp”-Facebookseite hat bereits mehr als 800 Fans.

5. „Lasst uns streiten“: SLpB-Dialogplattform mit neuem Thema „Medien und Gesellschaft“ online
(flurfunk-dresden.de)
Wie das Dresdner Medienblog “Flurfunk” berichtet hat die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) auf ihrer digitale Dialogplattform “Lasst uns streiten” ein neues Thema zum politischen Meinungsaustausch online gestellt. Noch bis zum 13.4. kann dort über das Thema “Medien und ihr Einfluss auf unsere Gesellschaft” gestritten werden.

6. Zettels Alptraum
(kreuzer-leipzig.de, Tobias Prüwer)
Tobias Prüwer twittert einen Zettel, auf dem ein Barmensch vorm Kiffen warnt, weil am Nebentisch Polizisten sitzen würden. Danach dreht nicht nur das Internet durch, sondern auch die Medien. Redakteure von “Bild”, “Focus” und “Tag24” stürzen sich auf den Zettel und erfinden Storys ohne jede Rücksprache und Recherche. “Mal schauen, was noch passiert. Aber schon jetzt komme ich aus dem Kopfschütteln nicht heraus. Ich weiß, es ist schlecht um den Journalismus bestellt, aber so schlecht? Echt mal, es war nur eine Notiz! Es gibt wichtige Zettel wie den Schabowskis damals 89. Aber der kleine Witz soll die Öffentlichkeit interessieren? Wegen kiffen und so? Überhaupt, ich hätte das Ding ja auch fälschen können, das hat niemanden interessiert.”

Yücels Haftprotokoll, FC-Bayern-TV, Rüttelformat

1. Deniz Yücel – das Haftprotokoll
(welt.de, Deniz Yücel)
Es gibt Neuigkeiten vom “Welt”-Korrespondenten Deniz Yücel, der sich seit dem 14. Februar im “türkischen Polizeigewahrsam” befindet (eine viel zu wohlklingende Umschreibung für “im Knast eingesperrt”). Yücel darf zwar in seiner Zelle nicht schreiben, hat aber seinen Verteidigern einen Bericht in den Block diktiert. Ein Haft-Protokoll, das deutlich macht, wie unzumutbar und unwürdig die Haftbedingungen für die Inhaftierten sein müssen und ahnen lässt, was alles in Yücel vorgehen mag.

2. FCBayern.tv – noch mehr Interviews?
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Keine guten Nachrichten für Sport-TV-Sender wie Sky und Sport1: Der FC Bayern München startet an diesem Montag als erster deutscher Fußballverein einen eigenen Fernsehsender. Dort wird sich dann rund um die Uhr mit sich selbst beschäftigt. Zu empfangen ist der Bayern-Kanal über EntertainTV der Telekom sowie über die Internetseite und die Smartphone-Apps des FC Bayern, für 5,95 Euro im Monat. Ein Weg, wie Markus Ehrenberg vom “Tagesspiegel” berichtet,den vorerst nur Platzhirsch Bayern München beschreitet.

3. Blick nach rechts
(taz.de, Daniel Bouhs)
Das ARD-Magazin „Monitor“ hat alle 141 Talkshow-Themen im ersten und zweiten Programm des vergangenen Jahres ausgewertet – von „Anne Will“ bis „Maybrit Illner“. In den Sendungen ginge es vor allem um die Lieblingsthemen der Rechten: also vor allem um Terror, Flucht und Islam. “taz”-Autor Daniel Bouhs ist über den “Monitor”-Beitrag erstaunt: “Erstens sendet „Monitor“ – wie die Talkshows – vor Millionenpublikum. Zweitens wird das Politmagazin vom WDR produziert und damit von dem Sender, der mit „Hart aber fair“ und „Maischberger“ aktuell die meisten Talks im Ersten platziert. Damit kommt die Kritik – zumindest im weiteren Sinne – inzwischen offen auch aus dem eigenen Haus.”

4. Diese Sendung ist ein Arschloch
(zeit.de, Dirk Gieselmann)
Auf “ZDFneo” gibt es ein neues Format: “Bist Du 50.000,- wert?” Unter sechs Kandidaten wird derjenige gesucht, der die Jury überzeugt, indem er einfach nur “er selbst” ist. Dirk Gieselmann fragt sich in seiner Sendungsbesprechung “wer es zugelassen hat, dass dieses wahnwitzige Potpourri aus Assessment-Center, Milgram-Experiment und Heidi Klums sadistischen Fantasien an die Öffentlichkeit gerät”. Bei dem Format handele es sich um wesentlich mehr als eine Geschmacklosigkeit: “Es ist ein Gemetzel vor laufenden Kameras, die Beteiligten erschlagen einander mit den Höflichkeitsfloskeln der Dienstleistungsgesellschaft, es ist die Rache aller an allen. Die kleinen Leute in der Jury rächen sich an den noch kleineren Leuten im Teilnehmerfeld, sie rächen sich für all die Ablehnungen, für jedes “Du bist es nicht wert”, dass sie je gehört haben. Die Redakteure wiederum rächen sich an den Juroren dafür, dass sie keiner seriösen Arbeit nachgehen können, und die Produzenten rächen sich einfach von oben nach unten durch. Dass diese Rache ausnahmslos die Falschen trifft, ist eine Metapher für vieles um uns herum.”

5. BND bespitzelte offenbar ausländische Journalisten
(spiegel.de, Maik Baumgärtner, Martin Knobbe & Jörg Schindler)
Im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags ging es fast drei Jahre um die Massenüberwachung des US-amerikanischen Dienstes und später auch um die unkontrollierten Spähaktionen des Bundesnachrichtendienstes (BND). Dabei stellte sich heraus, dass der BND ab 1999 mindestens 50 Telefon- und Faxnummern oder E-Mail-Adressen von Journalisten oder Redaktionen auf der ganzen Welt überwachte. Das Ganze könnte mit dem kommenden BND-Gesetz noch schlimmer werden, daher bereitet die “Gesellschaft für Freiheitsrechte” eine Verfassungsklage vor.
Weiterer Lesetipp: Andre Meisters erschütternder Bericht auf netzpolitik.org: Drei Jahre Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: Die Aufklärung bleibt Wunschdenken, die Überwachung geht weiter

6. Investigatives Fernsehen: Wir rütteln auch an Ihrer Tür
(dwdl.de, Hans Hoff)
Zum Standardelement eines TV-Investigativformats gehört der Überfallbesuch eines Kamerateams nebst erfolglosem Rütteln an verschlossenen Türen. Kolumnist Hans Hoff will daraus ein eigenständiges Format machen: “Ich verspreche, wir füllen mit Rütteln, Überfallbesuchen und Bildern von quellendem Faxpapier problemlos eine Dreiviertelstunde. Wir sind zudem extrem günstig im Preis, weil wir direkt losfahren und unsere Zeit nicht mit Telefonieren oder Anmeldungen oder Akkreditierungen verplempern. Wir gehen direkt dahin, wo es wehtut. Rüttel. Rüttel.”

Sehen alle gleich aus (14)

Der Trikottausch nach einem Fußballspiel ist so sicher wie das Amen in der Kir … ach, lassen wir die Floskeln. Manche Fußballer tauschen inzwischen sogar schon in der Halbzeitpause das erste Mal das Jersey mit einem gegnerischen Spieler. Das gibt zwar auch mal Ärger, ist aber letztendlich total schlau — wie und wo kommt man sonst so günstig an neue Klamotten?

Gestern Abend, beim Europa-League-Rückspiel zwischen dem FC Schalke 04 und PAOK Saloniki (Endergebnis: 1:1), hat Bild.de einen ganz neuen Trend entdeckt: den Trikottausch vor dem Anpfiff. Zumindest lässt die Bildunterschrift zu diesem Foto diesen Schluss zu:


(“Überrascht! Nastasic (2.v.l.) befördert den von Koulouris (M.) nur leicht berührten Ball unhaltbar für Torwart Fährmann (l.) zum 1:1 ins eigene Tor”)

Schalkes Torwart Ralf Fährmann “(l.)” hat offenbar bereits vor Spielbeginn von seinem Gegenüber Panagiotis Glykos ein komplettes PAOK-Outfit überreicht bekommen und dieses auch direkt angezogen: Trikot, Hose, Stutzen. Selbst die Kapitänsbinde hat Glykos ihm überlassen.

Und auch die anderen Spieler auf dem Foto sehen gar nicht so aus wie sonst: Matija Nastasic “(2.v.l.)”, der gestern in der 25. Minute ein Eigentor schoss, sieht aus wie Alessandro Schöpf, der gestern in der 23. Minute ins richtige Tor traf. Und Efthimios Koulouris “(M.)” trägt statt seiner üblichen Trikotnummer 20 auf einmal die 27, mit der eigentlich Ioannis Mystakidis aufläuft.

Entweder waren die Fußballprofis gestern in Gelsenkirchen schon in vorkarnevalistischer Stimmung und haben sich wild verkleidet. Oder Bild.de hat bei der Auswahl und/oder der Beschriftung des Fotos einiges durcheinandergebracht. Unsere Erfahrung sagt uns: Die Fußballer sind nicht schuld.

Mit Dank an Andreas W. für den Hinweis!

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