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“BILD weiß”: Aubameyang wechselt sicher nicht doch nach China

Dieser ganze “AUBA-WAHNSINN” (um das bild’sche Wortspiel verstehen zu können, muss man das “AUBA” als “Oba” lesen) begann am 16. Mai dieses Jahres. Da meldeten “Bild” und Bild.de, dass eine Delegation des chinesischen Fußball-Klubs Tianjin Quanjian mit einem “Mega-Angebot” nach Dortmund gekommen sei, um BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang zu verpflichten:

Ausriss Bild-Zeitung - Auba-Wahnsinn! China bietet 30 Mio Gehalt. Netto!
Ausriss Bild.de - Franzosen berichten von Mega-Angebot für BVB-Star - Chinese wollen Auba 50 Mio Euro zahlen pro Jahr!

Etwa einen Monat später, am 15. Juni, war mit dem “AUBA-WAHNSINN” aber auch schon wieder Schluss. Angeblich hätten die Chinesen kein Interesse mehr an “Auba”:

Ausriss Bild.de - Jetzt ziehen auch die Chinesen zurück - Nächste Absage für Aubameyang

Aus und vorbei. Also für knappe zwei Wochen, denn am 28. Juni stand laut “Sport Bild” doch plötzlich felsenfest fest: Pierre-Emerick Aubameyang wechselt zu Tianjin Quanjian in die chinesische Super League:

Ausriss sportbild.de - Nach Sport Bild-Informationen - Aubameyang doch nach China

Die Bild.de-Mitarbeiter übernahmen diese 100-Prozent-Nummer natürlich am selben Tag von ihren “Sport Bild”-Kollegen, versahen sie aber mit einem Fragezeichen:

Ausriss Bild.de - Sport Bild berichtet - Aubameyang doch nach China?

Das mit dem Fragezeichen war keine schlechte Idee. Denn ganz so sicher war das alles dann wohl doch nicht. Am 4. Juli berichtete Bild.de, dass “sich die Wechsel-Optionen mit (…) Tianjin Quanjian (China) zerschlagen” hätten:

Ausriss Bild.de - Transfer-Stau - Auba laufen die China-Millionen weg!

Besonders weit sind diese “China-Millionen” beim Weglaufen aber nicht gekommen. Denn nur einen Tag später stand bei Bild.de:

Ausriss Bild.de - Tianjin will den BVB-Star jetzt doch wieder - Neue 60-Mio-Attacke auf Auba

Es tat sich dann ein paar Tage nichts beim “AUBA-WAHNSINN”, das Ende der Transferperiode in China rückte immer näher. Und deswegen schrieb Bild.de am 13. Juli um 12:40 Uhr:

Ausriss Bild.de - China-Wechsel von Aubameyang unwahrscheinlich

Am späten Abend desselben Tages, um 23:28 Uhr, hatten die Wechsel-Verwechsler von Bild.de dann aber doch noch mal größere Hoffnung, dass sich was tut:

Ausriss Bild.de - Über 30 Mio netto pro Jahr! Auba heute doch Blitz-Wechsel nach China?

Am nächsten Tag schloss das Transferfenster in China dann aber doch ohne einen vorherigen Wechsel von Pierre-Emerick Aubameyang zu Tianjin Quanjian. Keine Chance mehr, das mussten auch die “Bild”-Spekulanten einsehen:

Ausriss Bild.de - Transferfenster dicht - Aubas China-Traum geplatzt!

Doch so leicht geben sie sich bei “Bild” nicht geschlagen. Nach einer Woche Ruhe im Fall Aubameyang hatte die Redaktion es “EXKLUSIV”:

Ausriss Bild.de - Exklusiv - Dortmund-Superstar wechselt - Aubameyang ab Januar in China
Ausriss Bild-Zeitung - Bild weiß - Aubameyang ab Januar in China

Noch am späten Abend des 21. Juli, als der Artikel bei Bild.de bereits erschienen war, die “Bild”-Zeitung aber noch nicht, schrieb der BVB bei Twitter:

Von solch läppischen Details lassen sich “Bild”-Mitarbeiter aber keine Geschichte kaputtmachen. Am 22. Juli schrieben sie in einem Text über ein Testspiel der Dortmunder:

Es ist Spiel eins nach dem neuerlichen Wechsel-Wirbel um Pierre-Emerick Aubameyang (28). BILD berichtete exklusiv über seinen Wechsel im Winter nach China. Nach der Bundesliga-Hinrunde wird sich der Gabuner Tianjin Quanjian anschließen. Der BVB kassiert für ihn die geforderten 70 Mio Euro.

Mit diesen Transfers nach China ist es aber auch knifflig!

Mit Dank an Sven und Max für die Hinweise!

Rosarote Olympiabrille, Rechte Twitterkrieger, Kampf ums Vong

1. Tageszeitung „Kieler Nachrichten“ wirft Polizei Bespitzelung vor
(netzpolitik.org, Simon Rebiger)
Wurden wirklich mehrere Journalisten der “Kieler Nachrichten” von der Polizei Schleswig Holsteins abgehört und überwacht? Diesen Verdacht äußert zumindest die Zeitung unter Verweis auf Polizei-Quellen. An einem Fahrzeug eines der Reporter hätte es zudem Hinweise auf einen Peilsender gegeben, ein E-Mail-Konto eines Kollegen sei gehackt worden. Hintergrund ist die sogenannte Rocker-Affäre, bei der es um Ungereimtheiten in einem Ermittlungsverfahren gegen die Rockerbande „Bandidos geht. Opposition und Journalistenverbände würden nun Aufklärung verlangen. Der neue Innenminister (CDU) weist die Vorwürfe zurück.

2. Wer redet hier von Doping?
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Am Wochenende wurde der amerikanische Kabelkanal “Olympic Channel: Home of Team USA” für 35 Millionen US-Haushalte freigeschaltet. Die NBC-Gruppe zahlt dem IOC für die Übertragungsrechte der Olympischen Spiele von 2014 bis 2032 mehr als 12 Milliarden US-Dollar. Den neuen Kanal betreibt NBC gemeinsam mit dem IOC. Kritische Themen wie Doping, Bestechung, Vergabe der Olympischen Spiele an autoritäre Staaten etc. bleiben ausgeklammert. Eine Tatsache, für die ein NBC-Manager eine Erklärung von George-Orwellschen Dimensionen gefunden hat: “Diskussionen bringen häufig das Schlechteste im Menschen hervor, uns dagegen geht es um das Beste: um inspirierende Geschichten, die alle zwei Jahre für zwei Wochen die Leute zu begeistern scheinen.”

3. Russland kopiert Gesetz gegen Hassbotschaften
(reporter-ohne-grenzen.de)
Das russische Parlament diskutiert derzeit ein Gesetz, das sich am umstrittenen deutschen NetzDG orientiert (“Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken”). “Reporter ohne Grenzen” ist entsetzt: „Unsere schlimmsten Befürchtungen werden wahr: Das deutsche Gesetz gegen Hassbotschaften im Internet dient undemokratischen Staaten nun als Vorlage, um gesellschaftliche Debatten im Internet einzuschränken. Auch in Russland sollen in Zukunft Mitarbeiter sozialer Netzwerke unter hohem Zeitdruck darüber entscheiden, welche Informationen gelöscht werden. In einem Land ohne unabhängige Gerichte, die den Schutz der Meinungsfreiheit durchsetzen könnten, ist das eine verheerende Entwicklung.”

4. Reichweitenschnorrer, Replysurfer, Sockenpuppen?
(volkerkoenig.de)
Volker König schreibt über ein Phänomen, das ihm auf Twitter aufgefallen ist. Immer wieder würden sich Accounts in Diskussionen unter Tweets von Medien und Tageszeitungen oder auch von linken Aktivisten einmischen, die nur 50 oder deutlich weniger Follower haben. Auch nach den G20-Krawallen in Hamburg sei eine hohe Anzahl von “danke @PolizeiHamburg”-Twitterern dieser Gruppe zuzuzordnen. “Ich sehe hier eine Tendenz. Entweder sind “rechte Stammtischkrieger” auf Twitter gekommen und randalieren mit ihren Meinungen nun hier herum statt nach ein paar Bier in der Stammkneipe, oder es ist möglicherweise eine Reihe von meist AfD-nahen Personen, die mit Sockenpuppen nicht nur ihre Reichweite erhöhen, sondern durch die scheinbar große Zahl an zustimmenden Meinungen auch die Relevanz.”

5. Ein Geschenk an alle kritischen Geister
(taz.de, Ebru Tasdemir)
Am Jahrestag des türkischen Putschversuchs druckte die “Süddeutsche Zeitung” eine Erdogan-Propaganda-Anzeige und erntete heftige Kritik dafür. Zu Unrecht wie Ebru Tasdemir in der “taz” findet: Die Anzeige sei in sich schon so entlarvend, dass sich eigentlich niemand aufzuregen bräuchte. “Es ist doch ein Geschenk an alle kritischen Geister, das diese Lobbyarbeit so deutlich und plump daherkommt.” Außerdem könnten von den 86.000 Euro, die die Anzeige in etwa gekostet haben dürfte, Journalisten bezahlt werden, die weiter unabhängig über die Türkei berichten.

6. Vongolisch für Fortgeschrittene
(sueddeutsche.de, Jan Stremmel)
Wem gehört das Vong von der Urheberschaft her? Jan Stremmel hat sich auf Spurensuche begeben und mit den Vongolisch-Größen des Internets Kontakt aufgenommen: “Aus einer wunderbar albernen Idee, die deutsche Sprache gemeinschaftlich kreativ zu verhunzen, ist ein kleinlicher und ziemlich deutscher Streit um Deutungshoheit und Urheberschaft geworden. Es wird beleidigt, beschimpft, bedroht. Und ein paar der ironischsten Witzbolde des Internets keifen plötzlich wie die Hausmeister.”

Das sind die schlimmsten Seiten von Bild.de zur Frauen-EM

Seit gestern läuft die Frauen-Fußball-Europameisterschaft, und jetzt gerade bestreitet auch das deutsche Team sein erstes Spiel. Bei Bild.de gab es heute, als eine Art Einstimmung auf das Turnier, schon mal einen Überblick mit den schönsten Spielzügen der vergangenen Wettbewerbe den schönsten Toren aller Zeiten den schönsten Bikini-Fotos der Teilnehmerinnen:

Ausriss von Bild.de - Fußballerinnen privat bei Instagram - Das sind die schönsten Seiten der Frauen-EM

Vor allem bei Instagram zeigen sich die Stars der Frauen-EM von ihrer ganz privaten Seite — und die kann sich sehen lassen!

Ohne Trikot, Stutzen und Fußballschuhe setzen die Mädels auf Bikinis, Kleider und Highheels. BILD zeigt das Instagram-Album der besten Fußballerinnen Europas. Das sind die schönsten Seiten der Frauen-EM!

Die Bild.de-Mitarbeiter hätten zum Start eines solchen Turniers nun wirklich über so vieles berichten können, selbst wenn sie sich mal nur aufs Sportliche beschränkt hätte. Stattdessen haben sie lieber auf Klischees, Bikinis, Kleider und High Heels gesetzt.

Ach, und wo wir schon bei eurer Berichterstattung zur Frauen-Fußball-EM sind, liebe Bild.de-Strandfiguren, eine kleine Anmerkung: Auf diesem Foto …

Ausriss von Bild.de - Fit für die Europameisterschaft: Anja Mittag (l.) und Linda Dallmann sind heiß auf das Turnier

… sind nicht Anja Mittag und Linda Dallmann zu sehen, sondern Anja Mittag und Leonie Maier.

Die Aufnahme stammt aus einem Artikel mit der Überschrift:

Ausriss von Bild.de - Die wichtigsten Fragen zur Frauen-EM - Was verdienen eigentlich unsere Stars?

Wie wäre es für den Anfang mit etwas mehr Respekt für ihre Leistungen auf dem Platz, eine Bewertung nach sportlichen Gesichtspunkten und etwas weniger vom üblichen “Bild”–Frauenbild, dem der Sabber aus dem Mundwinkel läuft?

Mit Dank an Dirk, Mark L., Timo W., Lukas H. und @JanisHue für die Hinweise!

Glasklare Wahrheiten, Hämisches Gelächter, Ruhmloser Böhmibesuch

1. G20-Akkreditierungen: Stellungnahmen von BKA und Bundespresseamt sind unzureichend und stigmatisierend
(netzwerkrecherche.org)
“Netzwerk Recherche” hat einen Übersichtsartikel zum Thema der entzogenen G20-Akkreditierungen verfasst: “Mehrere Tage haben das Bundespresseamt und das Bundeskriminalamt nun gebraucht, um sich zum Entzug von Akkreditierungen während des G20-Gipfels zu erklären. Doch die beiden Stellungnahmen werfen erst recht Fragen auf. Denn sie beantworten nicht, warum einigen Kolleginnen und Kollegen plötzlich ihre Akkreditierungen entzogen wurden. Viel schlimmer: Sie stigmatisieren die Journalistinnen und Journalisten pauschal als Sicherheitsrisiko.” Julia Stein, die erste Vorsitzende des “Netzwerk Recherche”, kritisiert insbesondere das Verhalten des Regierungssprechers: „Seiberts Stellungnahme enthält nicht den Hauch des Bedauerns zu diesem rücksichtslosen Vorgehen, das ist sehr enttäuschend“
PS: Tilo Jung hat einen Video-Zusammenschnitt (3:50 Min.) mit den “glasklaren Wahrheiten” von Regierungssprecher Seibert veröffentlicht.

2. Hämisches Gelächter
(correctiv.org, Rupp Doinet)
Immer mehr Online-Medien schränken die freie Kommentarfunktion ein, weil sie sich eine personalintensive Moderation nicht leisten können. Als der „Münchner Merkur“ online vom Tod eines Asylbewerbers berichtete, der im Freibad ertrunken war, gingen innerhalb von 24 Stunden an die 200 Hasskommentare oder rassistische Postings ein. Der “Münchner Merkur” kapitulierte und schloss den freien Kommentarbereich unter dem Bericht. Andere Medien reagieren ähnlich und bieten nur unter ausgewählten Artikeln die Möglichkeit zum Kommentieren an.

3. Mein wenig ruhmreicher Auftritt bei Böhmermann
(jetzt.de, Johanna Maria Knothe)
Fernsehmacherin Johanna Maria Knothe erzählt von ihrem Besuch bei Jan Böhmermanns Sendung “Neo Magazin Royale”. Ihr Auftritt verlief nicht so “ruhmreich” wie sie es sich selbst gewünscht hätte. In einem Artikel des Frauen-Onlineportals “Edition F” sei das Ganze hinterher sogar als enttäuschend und sexistisch beschrieben worden. Johanna Maria Knothe rekapituliert das Geschehen und kommt bald zur Frage, warum deutlich weniger Frauen als Männer im Fernsehen präsent sind.

4. Der Mr Snapchat des 20-fachen Schweizer Meisters
(20min.ch, Adrian Hunziker)
Simon Walter ist der Social-Media-Manager des FC Basel 1893 und betreut alle Kanäle des 20-fachen Schweizer Meisters. Zusammen mit seinem Kollegen versorgt er die mehr als zwei Millionen Fans des Vereins mit Infos, Bildern und Videos. “20 Minuten” hat dem Social-Media-Mann an einem Spieltag der vergangenen Spielzeit über die Schultern geschaut.

5. Grundlos gelöscht – und dann?
(taz.de, Christian Rath)
Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) sorgt weiter für Diskussionen. Selbst die Union fordere einen Anspruch auf Wiederherstellung zu Unrecht gelöschter Äußerungen auf Facebook. “Ein funktionierendes ‚put back-Verfahren‘ ist ein wirksames Mittel gegen ‚Overblocking‘, also gegen eine übermäßige Löschpraxis von Internetplattformen. Es dient damit der Meinungs- und Kommunikationsfreiheit im Netz und wirkt unberechtigten oder gar missbräuchlichen Beschwerden entgegen.” Das Justizministerium will sich des Themas aber anscheinend nicht annehmen. Zumindest in dieser Legislaturperiode nicht.

6. Twitter-Nutzer verklagen Trump
(faz.net)
Der US-amerikanische Präsident Donald Trump ist bekanntermaßen ein leidenschaftlicher Twitterer. Doch so gerne und brachial er dort austeilt, so sensibel reagiert er mitunter, wenn es Gegenwind gibt. Nun haben sieben von ihm blockierte Twitter-Nutzer den amerikanischen Präsidenten verklagt. Ihr Ausschluss aus einem „öffentlichen Forum“ verstoße gegen das in der Verfassung verankerte Grundrecht auf Meinungsfreiheit.

Bild.de schießt “Eigentor”-Eigentor

Bei Bild.de finden sie es ziemlich “peinlich”, was einer Redaktion in Irland vor Kurzem passiert ist:

Bild.de schreibt dazu:

Peinliches Eigentor bei der irischen Zeitung “Sport Herald”!

Das Blatt titelt in seiner heutigen Ausgabe mit der Zeile “Lukaku is ready for work” (zu deutsch: Lukaku ist bereit für die Arbeit). Gemeint ist der Wechsel des belgischen Torjägers vom FC Everton zu Manchester United. Dafür hat das Blatt den Kicker schon mal in die Trainingsklamotten von ManU montiert.

► Problem: Es ist nicht Romelu Lukaku (24)! Die Iren-Zeitung nahm fälschlicher Weise ein Foto des Rappers Stormzy (23).

Wo fangen wir an, liebe Bild.de-Korrektoren? Vielleicht damit, dass die Zeitung, über die ihr schreibt, nicht “Sport Herald” heißt, sondern “The Herald”. Es stimmt zwar, dass über dem vermeintlichen Lukaku-Foto “SPORT Herald” steht …

… aber das auch nur, weil es sich um die Rückseite des “Herald” handelt, auf der die Sportgeschichten der Ausgabe angekündigt wurden.

Außerdem liegt ihr mit eurer Aussage daneben, dass es sich um die “heutige Ausgabe” handelt. Euer Artikel ist gestern, am 11. Juli, erschienen. Der “Herald”-Artikel stammt vom 10. Juli, was man ohne große Probleme anhand des Datums auf der Seite erkennen kann.

Und dann stimmt es auch nicht, dass “The Herald” irgendjemanden “in die Trainingsklamotten von ManU montiert” habe. Ja, die Redaktion hat die falsche Person abgebildet. Aber das Foto des Rappers Stormzy in einer Trainingsjacke von Manchester United gibt es tatsächlich. Es dürfte aus einem Interview mit der Fußballseite “SoccerBible” vom 13. Mai 2016 stammen.

Mal abgesehen von diesen kleineren Fehlern eurerseits ist es natürlich schon ziemlich “peinlich”, wenn eine Redaktion zwei Personen verwechselt. Man stelle sich nur mal vor, dass sie den Fußballer Mario Balotelli zeigt und gleichzeitig schreibt, dass es der Fußballer Paul Pogba sei.

Oder sie will Loriot zeigen und wählt dafür ein Foto von Heinz Erhardt.

Oder sie behauptet, dass auf einem Bild Sängerin Beyoncé zu sehen ist, obwohl es sich um eine ganz andere Frau handelt.

Oder sie möchte ein Foto einer verstorbenen Tennisspielerin veröffentlichen und benutzt stattdessen ein Foto einer lebenden Tennisspielerin.

Oder.

Oder.

Oder.

Oder.

Oder.

Oder.

Oder.

Oder.

Was übrigens alles andere als “peinlich” ist: Wie das Team von “The Herald” mit dem Fauxpas umgegangen ist. Noch am selben Tag wie die Lukaku-Verwechslung veröffentliche es auf der eigenen Internetseite eine Entschuldigung:

Hands up, we got it badly wrong.

Earlier, we made an error with a picture of Romelu Lukaku that wasn’t him. It was Stormzy.

To be honest, we are totally embarrassed and want to say sorry to all involved and our readers for the error. We will keep our eye on the ball in future.

Bild.de wählt in solchen Situation — wenn überhaupt etwas berichtigt wird — lieber den Weg der stillen Korrektur.

Mit Dank an @WobTikal für den Hinweis!

“Ihr Gaffer seid echt das Letzte!” Aber eure Fotos nimmt “Bild” gern

Die “Bild”-Medien haben ja auch mal Recht. Zum Beispiel, wenn es um Gaffer und Schaulustige bei Unfällen geht. Bei diesem Thema platzt “Bild”-Chefreporter Peter Tiede nämlich schon mal der Kragen:

Und zwar in diesem Artikel:

Ende April schrieb Tiede seinen Gaffer-Kommentar und fand darin ziemlich deutliche Worte, Großbuchstaben und Ausrufezeichen für die “verhaltensgestörte Stau-Pegida” sowie die “Schwarm-Verblödung und Gruppen-Verrohung auf unseren Autobahnen”:

Das macht mich rasend: Wieder sind Retter und Helfer auf dem Weg zu einem schweren Autobahn-Unfall blockiert und bei ihrer Arbeit auch noch beschimpft worden!

JA, SCHON WIEDER! Asphalt-Pöbel! Fremdleid-Gaffer! Rettungsgassen-Penner!

In den Tagen nach Tiedes geplatztem Kragen erschien bei Bild.de gehäufte Gaffer-Kritik. Am 3. Mai veröffentlichte das Portal beispielsweise “Die Gaffer-Galerie von der A4” und zeigte dort (verpixelte) Bilder von LKW- und Autofahrern, die mit ihren Handys eine Unfallstelle filmten oder fotografierten:

Drei Verletzte nach einem Crash auf der A4. Ein Transporter ist umgekippt, die Bergung schwierig. Doch statt zügig an der Unfallstelle vorbei zu rollen, halten viele Kraftfahrer skrupellos mit der Handykamera drauf.

Am 18. Mai titelte Bild.de zu einem Unfall auf der A1: “SCHON WIEDER! Gaffer behindern Unfall-Retter”.

Problem bei der Rettung: Die anderen Autos ließen die Retter nicht durch! Christian Bahrs von der Feuerwehr Harpstedt: “Die Rettungsgasse hat wenig bis gar nicht funktioniert. Und auf der Gegenspur hat ein LKW-Fahrer auf dem Standstreifen angehalten und Fotos gemacht, statt zu helfen.”

Nur zwei Tage später der nächste Bild.de-Text: “Gaffer stören Retter nach Massen-Crash!”

Die Rettungsgasse fehlte auf langen Abschnitten, Gaffer stiegen aus ihren Autos und liefend (sic) fotografierend und filmend über die Autobahn! Die Polizei musste eingreifen, sprach Mahnungen aus.

Und so gibt es immer mal wieder die völlig berechtigte Gaffer-Schelte in den “Bild”-Medien. Erst gestern am späten Abend erneut bei Bild.de:

Dutzende Gaffer versammelten sich indes um den Unfallort. Ein junger Mann hielt mit dem Handy drauf.

Heute berichtet das “Bild”-Onlineportal über einen Unfall auf der A9 in Bayern, bei dem nach aktuellem Stand 18 Menschen ums Leben kamen. Dafür benutzt es auch dieses Foto als Aufmacher-Optik:

Als Quelle ist lediglich “privat” angegeben. Die Person, die das Foto geschossen hat, muss sich auf der gegenüberliegenden Autobahnspur befunden haben. Und sie hat es ganz offensichtlich aus einem Fahrzeug heraus gemacht — oben rechts kann man in der Spiegelung der Fensterscheibe das Armaturenbrett und das Lenkrad erkennen. Es sieht stark nach einer Gaffer-Aufnahme aus.

Gaffer sind “echt das Letzte”, findet “Bild”. Außer sie liefern der Redaktion dramatische Fotos.

Mit Dank an Coroline S., Manni, Harald C.-H., Frank L. und Frederik für die Hinweise!

Nachtrag, 4. Juli: Inzwischen haben es noch mehr Aufnahmen, die von Autofahrern stammen, die gestern an der Unfallstelle auf der A9 vorbeigekommen sind und ihr Mobiltelefon gezückt haben, zu Bild.de geschafft.

Dieses Foto — auch hier nur die Quellenangabe “privat” — zum Beispiel:

Die Redaktion hat außerdem ein Handyvideo veröffentlicht, auf dem der brennende Bus zu sehen ist:

Bei “RTL aktuell” lief gestern das gleiche Video, während später im selben Beitrag die problematischen Gaffer thematisiert wurden:

Die “Bild”-Zeitung hat eine Gaffer-Aufnahme — vermutlich ein Standbild aus dem oben bereits erwähnten Handyvideo — sogar auf die heutige Titelseite gepackt …

… und auf Seite 2 gleich eine ganze Gaffer-Foto-Collage veröffentlicht:

Mit Dank an Christian M., Stefan K., @kaeptn99 und @KiCKLOCHONE für die Hinweise!

Bild.de und Express.de verwechseln Anthony Modeste nach China

Wenn in den europäischen Fußballligen Sommerpause ist, ist der (Sport-)Boulevard besonders aktiv. In diesen Wochen raten die Redaktionen von “Sport Bild”, “Bild”, “Express” und all den anderen Fachblättern fröhlich rum, ob Mittelfeldstratege A nicht vielleicht zu Verein B wechselt, und Außenverteidiger X an Klub Y ausgeliehen wird. Im Fall von Anthony Modeste lagen sie nun ordentlich daneben.

Spätabends am 19. Juni meldeten die Onlineportale von “Bild” und “Express” Vollzug: Modeste, bisher Stürmer beim Fußballbundesligisten 1. FC Köln, wechselt zum chinesischen Klub Tianjin Quanjian.

Ausriss Bild.de - Wechsel perfekt! Modeste stürmt nach China
Ausriss Express.de - FC-Star wechselt nach China - Anthony Modeste: Hammer-Transfer perfekt!

Bild.de schrieb dazu:

Wie BILD erfuhr, wird Anthony Modeste (29) den FC verlassen.

Und:

Der Modeste-Hammer!

Am vergangenen Wochenende hatten sich Sport-Boss Jörg Schmadtke (53) und Finanz-Chef Alexander Wehrle (42) mit Vermittlern von Tianjin Quanjian auf Ibiza (Spanien) getroffen. Eine Entscheidung wurde zunächst vertagt — jetzt soll sie gefallen sein.

Und:

Verkündet wird der Transfer wohl erst gegen Ende der Woche. Denn vorher will Sport-Chef Jörg Schmadtke noch mit dem Spieler persönlich in Köln reden.

Es wird ein Abschieds-Gespräch!

Bei Express.de war alles ähnlich eindeutig:

Der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte ist perfekt!

Nach EXPRESS-Informationen wurde Einigung im Deal um den Wechsel von Anthony Modeste (29) nach China erzielt.

Die Ablöse für den 25-Tore-Mann beträgt 35 Millionen Euro — Modeste wechselt zu Tianjin Quanjian.

Am vergangenen Wochenende hatten sich Sportboss Jörg Schmadtke und Wehrle auf Ibiza mit den China-Vermittlern getroffen. Nun ist der Transfer durch.

Schmadtke wird noch ein finales Gespräch mit dem Publikumsliebling führen, doch am Montag war der Mega-Deal durch.

Alles durch. Bis der 1. FC Köln mit einer Mitteilung auf der Vereinshomepage heute alles durchkreuzte:

Der 1. FC Köln hat Verhandlungen über einen möglichen Transfer von Anthony Modeste zu Tianjin Quanjian abgebrochen.

FC-Stürmer Anthony Modeste wird nicht zum chinesischen Erstligisten Tianjin Quanjian wechseln, nachdem keine Einigung aller Parteien für einen möglichen Transfer erzielt wurde. Zwischen den Clubs war darüber hinaus keine den Verbandsstatuten entsprechende Einigung möglich. Der 1. FC Köln hat die Verhandlungen daher am heutigen Mittwoch abgebrochen. Der Vertrag von Anthony Modeste beim FC läuft bis 30. Juni 2021.

Inzwischen haben es auch die Kaffeesatzwechsler von Bild.de und Express.de eingesehen:

Ausriss Bild.de - Köln bricht Verhandlungen ab - Modeste-Wechsel nach China geplatzt
Ausriss express.de - FC-Hammer - Schmadtke bricht Modeste-Verhandlung ab

Mit Dank an @bastianpfahl für den Hinweis!

Nachtrag, 24. Juli: Es ging dann noch weiter.

Also doch ein Wechsel nach China:

Ausriss Bild.de - Jetzt also doch - Modeste für 35,7 Mio nach China

Oder doch nicht?

Ausriss Bild.de - Kölner Transfer-Theater immer irrer! China-Kohle da, aber jetzt zickt Modeste

Bleibt er etwa beim 1. FC Köln?

Ausriss Bild.de - Heute letzte Chance zur Einigung - Modeste will sich beim FC einklagen

Oder geht’s doch nach China?

Ausriss Bild.de - Neuer Vertragsnetwurf statt Gerichtsprozess - Wechselt Modeste heute doch noch nach China?

Ja, doch, jetzt ist alles “Perfekt!”:

Ausriss Bild.de - Transfer-Wahnsinn beendet - Perfelt! Modeste doch nach China

Grünes Parteitagsgespräch, Nordgelüste, Leichte Sprache

1. “Es war bestimmt kein privates Gespräch”
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers)
Im Netz kursiert ein Videomitschnitt des Grünenpolitikers Winfried Kretschmann vom Grünen-Parteitag, erstellt und eingestellt von der rechtspopulistischen Internetplattform “Jouwatch”. Zu sehen und zu hören ist darin, wie sich der hochrangige Politiker, der auch Ministerpräsident von Baden-Württemberg ist, über die Automobilpläne seiner Partei echauffiert. Der Deutschlandfunk hat mit Journalistikprofessor Volker Lilienthal über die Frage gesprochen, ob es sich um einen illegalen Mitschnitt eines privaten Gesprächs handelt.

2. Deutsche Sprache, Leichte Sprache
(taz.de, Christine Stöckel)
Wer sich in den Medien über politische Sachverhalte informieren will, trifft oft auf schwer lesbare Artikel mit Schachtelsätzen, Fremdwörtern und Abkürzungen. Die Verfechter der sogenannten “Leichten Sprache” sind der Meinung, dass es auch anders geht. Doch bei komplexen Themen kommt die Methode an ihre Grenzen. Christine Stöckel geht auf die verschiedenen Aspekte des Themas ein, das kurz vor der Bundestagswahl auch eine politische Dimension hat.

3. Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem.
(planet-interview.de, Marie Illner)
Die “Beitragskommunikation” von ARD, ZDF und “Deutschlandradio” hatte zum Pressegespräch zum Rundfunkbeitrag eingeladen. Anwesend: Vertreter des Beitragsservice, Justiziare von SWR und WDR sowie ein Vertreter der “KEF” (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten). “Planet Interview” hat die Verantwortlichkeiten zum Rundfunkbeitrag befragt, zu Intendanten-Gehältern, Inhaftierungen und zum Plan, zukünftig Inkasso-Unternehmen zu beauftragen. Die Inhaftierung von einzelnen Beitragsverweigerern sieht man kritisch. Außerdem wolle man sich nicht “instrumentalisieren” lassen, so die stellvertretende Intendantin des WDR Eva-Maria Michel: “Bei Fällen wie dem AfD-Politiker, der den Rundfunkbeitrag verweigerte und eine Öffentlichkeitswelle mit seiner Haft provozieren wollte, war uns klar: Wir lassen uns nicht instrumentalisieren.”

4. Das große Sonntagsporträt: Dirk Lübke über den Thüringer NSU-Reporter Kai Mudra
(kress.de, Dirk Lübke)
Beim NSU-Prozess handelt es sich um einen der größten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Seit mittlerweile vier Jahren wird unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen vor dem Oberlandesgericht (OLG) München über Beate Zschäpe und Co. verhandelt. Oft vor Ort: Der Thüringer NSU-Reporter Kai Mudra, der bereits in den neunziger Jahren über den Themenkomplex berichtet hat. Mudra war an 260 von mehr als 360 Prozesstagen als Berichterstatter für die “Thüringer Allgemeine” anwesend. So oft wie nur wenige Kollegen.

5. Nordgelüste
(sueddeutsche.de, Charlotte Theile & Claudia Tieschky)
Die “Neue Zürcher Zeitung” (NZZ) startet demnächst ein digitales Produkt speziell für deutsche Leser. Die elektronische Zeitung soll sich im Layout an der Printausgabe orientieren und mit eigenen deutschen Inhalten aufwarten. Politisch ist das Ganze wohl rechts von der “FAZ” angesiedelt. “Bürgerlich-liberal” nennt es Chefredakteur Eric Gujer und relativiert: “In der Schweiz ist vieles Mainstream, was in Deutschland schon als rechts gilt.”

6. Eintrittskarte ins Kopfkino
(zeit.de, Richard Diesing)
Dank des Internets ist eine lebendige deutsche Hörspielszene entstanden. Richard Diesing über Hörspielautoren, Hörspielmacher und eine treue Community.

LeFloid lässt satirischen Adolf Hitler auf Youtube auferstehen

Gestern titelte die “Bild”-Zeitung riesengroß: “Hitlers Silber-Schatz gefunden”, dabei hätte es eine noch eine viel größere Adolf-Hitler-Story gegeben: “Youtube-Star findet Hitler”.

Wobei — genauer müsste die Schlagzeile heißen: “LeFloid findet einen Typen, der meint, er sei Adolf Hitler, dabei ist die gesamte Geschichte nicht echt und stammt von einer englischsprachigen Satireseite, was LeFloid aber nicht checkt und das Ganze seinen meist jungen Zuschauern als echte Irrsinnsgeschichte verkauft”.

Fangen wir vorne an. Es geht um dieses Video, das 3,1-Millionen-Abonnenten-Youtuber LeFloid gestern in seinem Kanal hochgeladen hat:

Gleich zu Beginn die erste Story: “Typ behauptet er sei Adolf Hitler”. LeFloid sagt dazu:

Es ist ja tatsächlich so, dass eine der populärsten Verschwörungstheorien besagt, dass Hitler sich damals gar nicht selber umgebracht hat, sondern in Wirklichkeit nach Argentinien geflohen ist. Nun geistert doch tatsächlich eine unglaubliche Geschichte durchs Netz, nämlich ein 128 Jahre alter Argentinier. (…) Der hat sich jetzt an die Öffentlichkeit gewandt und behauptet steif und fest, er sei Adolf Hitler. Okay, what? Zeitlich und optisch kommt das Ganze wohl hin, behaupten zumindest Beobachter und eben Leute in einschlägigen Foren.

In dem 2:40 Minuten langen Part über das angebliche Wiederauftauchen Hitlers geht LeFloid noch verschiedene mögliche Motivationen des alten Mannes durch, jetzt “mit dieser Geschichte, mit dieser Behauptung an die Öffentlichkeit zu gehen und sich zu stellen”. Und er äußert auch gewisse Zweifel, dass es sich bei dem Argentinier wirklich um Adolf Hitler handelt:

Nun bleibt abzuwarten, ob es sich hierbei tatsächlich um eine unfassbare Sensation handelt oder ob wir es doch einfach mit einem armen alten verwirrten Nazi-Opi zu tun haben, dessen Windungen ein bisschen zu sehr unter seiner Gesinnung und seinem Alter gelitten haben.

Nee, wir müssen gar nicht abwarten. Denn es handelt sich weder um eine “unfassbare Sensation” noch um einen sonstwie “Nazi-Opi”. Bei dem Mann, den LeFloid zeigt …

… handelt es sich um Francis Morris. Und der stammt nicht aus Argentinien (oder aus Österreich), sondern aus dem englischen Ort Quarmby. Und er ist auch nicht 128 Jahre alt, sondern feierte vor etwa zweieinhalb Jahren seinen 100. Geburtstag:

Wie kommt es nun aber, dass der bemitleidenswerte Francis Morris im besten Fall als Hitler-Hochstapler und im schlimmsten als Hitler höchstpersönlich im Videokanal eines der größten deutschen Youtuber landet?

LeFloid, der einst Angela Merkel Fragen stellen durfte, gibt als Quelle seiner Geschichte einen am Dienstag erschienenen “Sputnik”-Artikel an:

Nun sollte man bei “Sputnik”, gegründet vom staatlichen russischen Medienunternehmen “Rossija Sewodnja”, sowieso schon mal skeptisch sein. Dass in dem Text keine konkrete Quelle, außer ziemlich schwammig “lokale Medien”, angegeben wird, sollte einen vielleicht auf die Idee bringen, noch etwas zu recherchieren, bevor man den Kindern und Jugendlichen, die einem regelmäßig zuschauen, irgendeinen Blödsinn erzählt.

Man stößt dann ziemlich schnell auf einen Artikel der Seite “World News Daily Report” vom 13. Juni:

Der 128-Jahre-Hitler steht dort zwischen Artikeln mit Überschriften wie “BABYSITTER TRANSPORTED TO HOSPITAL AFTER INSERTING A BABY IN HER VAGINA” oder “TORNADO CARRIES MOBILE HOME 130 MILES, FAMILY INSIDE UNHARMED”. Machen wir es kurz: “World News Daily Report” ist eine Satireseite, wie man ohne Probleme im Disclaimer nachlesen kann.

Nun hat LeFloid nie behauptet, dass der Mann aus Argentinien tatsächlich Adolf Hitler ist. Aber er tut so, als würde der Argentinier tatsächlich existieren, als hätte dieser tatsächlich Interviews gegeben und die Hitler-Behauptung aufgestellt. LeFloids Video hat — Stand: 22. Juni, 10:06 Uhr — bereits über 460.000 Aufrufe.

Mit Dank an Nic S. für den Hinweis!

Nachtrag, 17:51 Uhr: Einige Leser weisen zu Recht darauf hin, dass schon das angebliche Alter von 128 Jahren hätte stutzig machen müssen. Der Rekord des höchsten erreichten (und nachgewiesenen) Lebensalters liegt bei 122 Jahren. Die Französin Jeanne Calment hält ihn.

Mit Dank an @Hogachaka und Stefan S. für die Hinweise!

Antisemitismus-Doku, Ausgesperrt, Macrons Mediendistanz

1. “Haben Sie nicht!” – “Haben wir doch!”
(sueddeutsche.de, Matthias Drobinski)
Nun wurde sie doch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt: Die umstrittene Antisemitismus-Doku “Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf die Juden in Europa“. Der TV-Sender „Arte“ hatte die Ausstrahlung verweigert, es gebe handwerkliche Mängel. Nachdem „Bild“ den Film für 24 Stunden online gestellt hatte, ist die „ARD“ nachgezogen und hat die Doku gesendet. Jedoch mit eingeblendeten Hinweisen auf den online abrufbaren Faktencheck der WDR-Redaktion mit 29 kritischen Anmerkungen. Danach wurde sich bei Sandra Maischberger zum Talk zusammengesetzt, wo der Streit teilweise ins Absurde abgerutscht sei.

2. Fernsehen wird zum Luxusgut
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Wird Fernsehen zum Luxusgut? In Bezug auf manches Sportevent schon, wie der Rechtepoker um die Champions League beweist. Die Öffentlich-Rechtlichen werden nicht nur vom Privatfernsehen, sondern auch von Streamingdiensten bedrängt: „Während einst die billigen Plätze vor der Glotze waren, sind sie heute in den algorithmischen Endlosschleifen auf Facebook oder Youtube. Die Bezahlschranke wird zum sozialen Selektionskriterium. Wer sich die Zusatzgebühr für die Zaubertricks von Messi und Co. nicht leisten kann oder will, schaut am Ende in die Röhre.“

3. Märchenprinz mit Kennedylächeln
(deutschlandfunk.de, Jürgen König)
Der französische Präsident Emmanuel Macron hält Distanz zu den Medien. Manche werfen ihm dies als überzogene Kontrolle und Zensur vor, manche loben es als notwendige und längst fällige Wende im Umgang mit den Medien. „Das Ansehen der Presse ist schlecht in Frankreich – wie das der Politik. Es sind nicht wenige Franzosen, die Journalisten und Politiker der Kumpanei bezichtigen. Vielleicht geht Präsident Macron auch deshalb auf so deutliche Distanz.“

4. Warum wir Terrorbilder trotzdem zeigen
(nzz.ch, Peter Rásonyi)
Dürfen Medien Bilder von Terroranschlägen zeigen oder verbreiten sie damit nur noch mehr Schrecken und machen sich womöglich zu Komplizen der Terroristen? Die „NZZ“ würde Bilder zeigen, aber im Einzelfall abwägen. „Trotzdem ist unvermeidlich, dass dies stets in Grauzonen erfolgt. Das Ergebnis einzelner Entscheidungen kann von Lesern unterschiedlich empfunden werden. Wir sind uns dessen bewusst und stellen uns gerne dem Dialog mit ihnen.“

5. Sächsische Zeitung: Reporter bei Konsum-Bilanz-PK ausgesperrt
(flurfunk-dresden.de)
Die „Konsum Dresden Genossenschaft“ hat einen Journalisten der „Sächsischen Zeitung“ von ihrer Bilanzpressekonferenz ausgeschlossen. Ohne Begründung wurde ihm der Zugang zur Veranstaltung verwehrt. Der vermutete Hintergrund: Der Journalist hatte in der Vergangenheit kritisch über das Unternehmen berichtet. „Sächsische Zeitung“ und die Landespressekonferenz LPK haben das Verhalten der Konsum Genossenschaft kritisiert und missbilligt.

6. Schlag ins Gesicht
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Ab Freitag zeigt Netflix die Doku „Nobody Speak: Trials of the Free Press“. Im Kern geht es um den bizarren Rechtsstreit zwischen dem früheren Profi-Wrestler Hulk Hogan und der Klatsch-Website „Gawker“, die Ausschnitte eines privaten Sexvideos mit Hogan gezeigt hatte. Hogan hatte daraufhin das Portal verklagt und bekam 140 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen. Eine Summe, die „Gawker“ in die Pleite riss. Später stellte sich heraus, dass der Silicon-Valley-Milliardär und Paypal-Gründer Peter Thiel den Rechtsstreit finanziert hatte. Wohl angetrieben von persönlichen Rachegedanken gegenüber der Plattform, die ihn einst geoutet hatte.

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