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Kurz korrigiert (527)

Vor einem Jahr ist im Zentrum von Münster ein Mann mit einem Kleinbus in eine Menschengruppe gefahren. Bei dieser Amokfahrt wurde unter anderem Profi-Volleyballerin Chiara Hoenhorst verletzt. Die heute 22-Jährige musste zwischenzeitlich ins künstliche Koma versetzt werden. Nun gab Hoenhorst bekannt, dass sie ihre Karriere beenden muss, da ihr Sehnerv weiterhin beschädigt sei.

Bild.de berichtet über diese Entscheidung von Chiara Hoenhorst und schafft es dabei nicht, die wenigen Fakten zur Amokfahrt, die im Text genannt werden, fehlerfrei wiederzugeben:

Als am 7. April 2018 ein Einzeltäter mit seinem Lieferwagen in ein vollbesetztes Straßencafe in der Innenstadt raste, wurde (sic) sieben Menschen getötet und zahlreiche weitere schwer verletzt.

Es sind nicht, wie Bild.de schreibt, “sieben Menschen getötet” worden, sondern vier. Außerdem nahm sich der Täter anschließend das Leben.

Mit Dank an Daniel für den Hinweis!

Nachtrag, 17:01 Uhr: Bild.de hat auf unsere Kritik reagiert und die Stelle entsprechend geändert:

Als am 7. April 2018 ein Einzeltäter mit seinem Lieferwagen in ein vollbesetztes Straßencafe in der Innenstadt raste, wurden vier Menschen getötet und zahlreiche weitere schwer verletzt. Auch der Täter starb.

Einen transparenten Hinweis zu dieser Korrektur hat sich die Redaktion allerdings gespart.

Der sensiblere Umgang der “Bild”-Redaktion beim Niedermachen

Die Bundesliga-Fußballer von Borussia Dortmund haben am Samstagabend 0:5 gegen den FC Bayern München verloren. Für die schwache Leistung kann man die Mannschaft, die nun auf Platz 2 der Tabelle steht und weiterhin alle Chancen auf die Meisterschaft hat, sachlich kritisieren. Oder man lässt Franz Josef Wagner so einen Brief schreiben:

Ausriss Bild-Zeitung - Post von Wagner - Liebe Borussia, Ihr müsst dringend ins Krankenhaus. Abteilung Neurologie, Psychiatrie. Ich habe Angst um Euer Gehirn. Ihr spieltet gegen die Bayern, als hättet Ihr Euren Verstand verloren. Es war ein furchtbares Spiel. Ihr hattet alle einen Black-out (engl. für Verdunkelung). Ihr habt gespielt wie Tote.

Der “Bild”-Briefonkel erklärt die BVB-Spieler zu einem Fall für die Psychiatrie, weil sie mal schlecht gespielt haben.

Kurz nach dem Suizid von Torwart Robert Enke, zitierte die “Süddeutsche Zeitung” Walter M. Straten, der damals stellvertretender Sportressortleiter bei “Bild” war und heute dort Sportchef ist. Auch Stratens Boulevardblatt sei …

nach dem Enke-Tod nicht einfach so zur Tagesordnung übergegangen. Über vieles sei diskutiert worden, auch über Noten, und man sei schließlich zu dem Ergebnis gekommen, bei der Benotung so weiter zu machen wie bisher, sagt Straten. Auch in seiner Redaktion soll es zu einem etwas sensibleren Umgang mit den Zensuren kommen: “Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein”, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, “ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht”.

Das entpuppte sich schon damals sehr schnell als heiße Luft. Es blieb heiße Luft. Und es ist heute noch heiße Luft:

Ausriss Bild-Zeitung - Benotung der Dortmunder Mannschaft - siebenmal 6, dreimal 5, einmal 3

Ein tatsächlich sensiblerer Umgang mit Fußballern und deren Leistungen könnte sich aber nicht nur in rücksichtsvolleren Noten widerspiegeln, sondern auch in der Art, wie man über sie spricht und schreibt. Die “Bild”-Medien bezeichnen Spieler gern als “Flaschen”, als “Versager”, als “Müllhalde”, als “Deppen”. Und das immer und immer wieder. Hier mal nur die Fälle, die uns in den vergangenen zwei Monaten begegnet sind:

1. April:
Screenshot Bild.de - Damit es im Pokal klappt - Kovac-Anpfiff für Freiburg-Schlaffis

1. April:

Ohne das Mittelfeld-Duo wird’s für Stuttgarts Offensiv-Schlaffis (erst 26 Treffer) nun noch schwieriger.

31. März:
Screenshot Bild.de - Schon über fünf Monate sieglos - Preußens Auswärts-Schlaffis

25. März:
Screenshot Bild.de - Zwei freie Tage für null Leistung - 0:5-Versager werden belohnt

17. März:
Screenshot Bild.de - Überheblich, desaströs, körperlos - Funkel rechnet mit seinen Fünf-Minuten-Trotteln ab!

14. März:
Screenshot Bild.de - Richtig Scheiße - Schwartz knöpft sich KSC-Versager vor

11. März:

Warum Klos seine Versager wachrütteln will?

6. März:

Erwartet werden personelle Konsequenzen. So sollen einzelne Versager aus dem Kader fliegen. Heißer Kandidat: Amine Harit.

5. März:
Screenshot Bild.de - Welche Augsburg-Versager nimmt Trainer Lucien Favre raus?

4. März:
Screenshot Bild.de - Mannschaft, Trainer, Bosse - Der rote Trümmerhaufen

3. März:

Elf junge Männer, verkleidet als Fußballprofis! Leider waren die 96-Trikots kein Karnevalskostüm …

Viele dieser Versager werden wir in der 2. Liga nicht wiedersehen — zum Glück.

3. März:
Screenshot Bild.de - Nach 2:2 in Köln - Fans gehen auf Lautern-Schlaffis los

1. März:

Klar ist: Für den BVB kommen die Augsburger Abwehr-Schlaffis genau richtig!

1. März:

Als Malocher-Vorbild für die Mainz-Versager!

24. Februar:
Screenshot Bild.de - Hannover am Boden - Euro-Spott für Dolls Versager

23. Februar:
Screenshot Bild.de - Fans gehen auf Schalke-Versager los - Heidel-Aus! Jetzt muss Tedesco zittern

Nach dem Abpfiff eskalierte es: Ein Pfeiffkonzert, üble Beschimpfungen und Bierbecher prasselten auf die 0:3-Versager nieder.

22. Februar:

Der Trainer hatte diese Woche einmal mehr Schwerstarbeit zu leisten: Als Übungsleiter, der seinen gut bezahlten Profis wie bei den F-Junioren die Ballan- und -mitnahme erklären muss (BILD berichtete). Und als Psychologe, der Versager-Köpfe wieder frei bekommen will.

17. Februar:

Das war bei 96 in Hoffenheim nicht der Fall. Sonntag gegen Frankfurt muss die Versager-Truppe ein anderes Gesicht zeigen

7. Februar:

Samstag (15.30 Uhr) steigt DAS ultimative ABSTIEGS-ENDSPIEL. 96 – Nürnberg. Letzter gegen Vorletzter. Die Heim-Schlaffis gegen die Auswärts-Deppen.

Am 5. März veröffentlichte Bild.de einen Artikel über “Die unheimliche Macht der Fußball-Ultras”. Darin auch diese Geschichte:

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Entgleisungen der Ultras. 2016, Hannover hatte gegen Köln 0:2 verloren, rasteten die 96-Fans komplett aus: In der Nordkurve wurden die Profis vom eigenen Anhang gnadenlos niedergemacht. Der blanke Hass schlug ihnen entgegen: “Versager!”, “Wir stechen Euch ab!”, “Wir schlitzen Euch auf!”.

“Wir stechen Euch ab!” und “Wir schlitzen Euch auf!” wird die Bild.de-Redaktion wohl niemals schreiben. Aber mit “Versager!” ist sie beim gnadenlosen Niedermachen schon mal gut dabei.

Dazu auch:

Mit Dank an alle Hinweisgeber!

Nachtrag, 9. April: Es gibt noch zwei weitere Aspekte zu Franz Josef Wagners Brief an die “Liebe Borussia”, auf die uns mehrere Leserinnen und Leser hingewiesen haben. Wagner schreibt “Ihr habt gespielt wie Tote” und meint damit eine Mannschaft, die vor nicht allzu langer Zeit einen Bombenanschlag überlebt hat. Das kann man mindestens makaber finden.

Außerdem gibt es bei Wagners blödem Spruch mit der Psychiatrie, in die die BVB-Spieler müssten, noch eine andere Seite: Menschen mit psychischen Erkrankungen, die tatsächlich in eine psychiatrische Einrichtung müssen, um in einer mitunter lebensbedrohlichen Situation Hilfe zu bekommen. Dies mit einer schwachen Leistung von Profifußballern gleichzusetzen, trägt zur Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen bei.

Braunes Geblubber, Head Full of Fördergeld, Leistungsschutzlügen

1. “Facebook-Pranger” von “Bild” bleibt unzulässig
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Der sogenannte Facebook-Pranger, den die “Bild”-Zeitung 2015 aufgestellt hatte, bleibt unzulässig. Dies entschied nun der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe und lehnte Springers Wunsch nach einer Revision ab. “Bild” hatte in Print und online fremdenfeindliche Facebook-Kommentare samt Nutzerfotos und Namen der Kommentierenden veröffentlicht und selbst von einem “Pranger” gesprochen. Während der Presserat diese Art der Berichterstattung 2015 noch für zulässig gehalten hatte, verurteilte das Oberlandesgericht München diese Praxis ohne Zulassung weiterer Rechtsmittel. Dies wurde nun vom BGH bestätigt.

2. Verständnis für Rechtsextreme
(taz.de, Ralf Leonhard)
Der österreichische Milliardär und Unternehmer Dietrich Mateschitz (Red Bull) sponsert nicht nur diverse Extremsportler wie den “Stratosphärenspringer” und politisch rechtsaußen stehenden Felix Baumgartner, sondern besitzt auch den Fernsehsender “Servus TV”. Damit fördere der Brauseabfüller auch die Verbreitung rechten Gedankenguts, so der Vorwurf von Kritikern.

3. Nur 155 Zuschauer: Til-Schweiger-Film scheitert spektakulär
(ostsee-zeitung.de)
Til Schweigers “Head Full of Honey” lockte am Wochenende gerade mal 155 Zuschauer in die Kinos — bei 86 im Umlauf befindlichen Kopien … klingt unwirtschaftlich, oder? Ist es aber nicht unbedingt, denn die 4,6 Millionen Euro deutsche Fördergelder sind an den deutschen Kinostart gekoppelt.

4. Das Lügen geht weiter
(golem.de, Friedhelm Greis)
Selbst nach der Abstimmung über die EU-Urheberrechtsreform würden die “Lügen für das Leistungsschutzrecht” weitergehen, konstatiert Friedhelm Greis in seiner Analyse. Besonderen Unmut ruft bei ihm ein Interview des Springer-Vorstands und BDZV-Chefs Mathias Döpfner hervor, das “so viele Falschbehauptungen und Verdrehungen enthält, dass man gar nicht weiß, wo man mit den Richtigstellungen anfangen soll.” Greis fordert: “Auf dieser Basis darf die Regierung nicht final den Plänen zum Leistungsschutzrecht zustimmen.”

5. Wa(h)re Verbrechen: Der True-Crime-Boom
(ndr.de, Christine Seidemann, Video: 5:48 Minuten)
Sogenannte True-Crime-Formate erfreuen sich großer Beliebtheit, ob im Print, Fernsehen oder als Podcast. Das Medienmagazin “Zapp” hat mit zwei hochkarätigen Experten über den Boom des Genres gesprochen: Mit Giuseppe Di Grazia (“Stern Crime”) und mit Sabine Rückert (“Zeit Verbrechen”). Eine derart breite mediale Beschäftigung mit besonders spektakulären Gewalttaten könne jedoch dazu beitragen, dass die Kriminalitätsfurcht steigt, warnt Bernd-Rüdiger Sonnen, Rechtswissenschaftler von der Uni Hamburg.

6. Was labert der? Die Sprache der Nummer-Eins-Hits in Deutschland
(einfacherdienst.de)
Von der Mitte der Neunzigerjahre bis in die jüngste Vergangenheit kritisierten viele Menschen die Übermacht englischsprachiger Musik im Radio. Und immer wieder gab es seine Diskussion um eine Quote für deutschsprachige Musik. Eine Debatte, die sich heutzutage nicht mehr stellt: Sämtliche Lieder der Top 10 der MTV-Single-Charts haben deutschsprachige Texte. (Wobei Bandnamen und Songtitel teilweise nicht ohne die englische Sprache auskommen. Aber “Kirsche Kirsche Dame” von “Hauptstadt Büstenhalter” beziehungsweise “Besitztumsbruder” klinge zugegebenermaßen auch etwas irritierend.)

Glyphosat-Zensurheberrecht, “Buzzfeed” vs. KfW, Geld-Umarmung

1. Zensurheberrecht: Landgericht Köln zwingt FragDenStaat, staatliches Glyphosat-Gutachten zu löschen
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Das Landgericht Köln hat dem Transparenz-Portal “FragDenStaat” per einstweiliger Verfügung untersagt, ein Glyphosat-Gutachten des Bundesinstituts für Risikobewertung zu veröffentlichen. “FragDenStaat” will dies nicht hinnehmen und hat angekündigt, nötigenfalls bis zum Europäischen Gerichtshof zu ziehen: “Das Glyphosat-Gutachten ist staatlich finanziert und von Beamten erstellt worden. Dass das Urheberrecht als Zensurheberrecht missbraucht wird, ist ein Angriff auf die Pressefreiheit!” Das Portal fordert alle Menschen dazu auf, ihr Recht auf Informationsfreiheit zu nutzen und ebenfalls das Glyphosat-Gutachten beim Bundesinstitut anzufragen. Obwohl das Dokument nicht veröffentlich werden darf, müsse es die Behörde nämlich jedem Interessierten zukommen lassen. Die Anfrage ist dank vorbereitetem Formular mit einem Mausklick möglich und wurde binnen weniger Stunden schon mehr als 20.000 Mal durchgeführt (Stand: 8:30 Uhr).

2. Steuerfahnder haben schon eine Milliarde Euro zurückgeholt
(sueddeutsche.de, Frederik Obermaier & Bastian Obermayer)
Da sage einer, Journalismus habe keine Wirkung: Drei Jahre nach der Veröffentlichung der sogenannten “Panama Papers” haben sich Steuerbehörden weltweit mehr als eine Milliarde Euro an Steuergeldern zurückgeholt. Auf Deutschland entfallen davon etwa 150 Millionen Euro. Ins Rollen gekommen war der Skandal, nachdem ein Whistleblower der “Süddeutschen Zeitung” ein Konvolut von mehr als 11,5 Millionen Dokumenten zugespielt hatte. Für die Aufarbeitung hatten sich neben der “SZ” noch das Internationale Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) sowie über 100 Medien in rund 80 Ländern zusammengeschlossen.

3. In eigener Sache: Wir gehen gerichtlich gegen die KfW vor, weil sie uns Unterlagen zum WWF nicht geben will
(buzzfeed.com, Marcus Engert)
Anfang März hatte “Buzzfeed” schwere Vorwürfe gegen den WWF und die Bundesregierung erhoben: In einem vom Entwicklungsministerium geförderten WWF-Projekt im Kongo sei es zu Folter, Massenvergewaltigungen und Mord gekommen. Die deutsche Förderbank KfW habe dies durch die Bereitstellung von etlichen Millionen indirekt mitfinanziert. “Buzzfeed” wollte Licht ins Dunkel bringen und hat bei der KfW die Einsicht in Dokumente gemäß Informationsfreiheitsgesetz verlangt. Obwohl die KfW wie eine staatliche Stelle auftritt, verweigerte sie die Auskünfte. Sie übe “als Bank ihre Aufgaben grundsätzlich privatrechtlich (…) aus” und könne “deshalb nicht als Behörde (…) eingeordnet werden.” Dagegen geht “Buzzfeed” nun juristisch vor.

4. Anwaltskanzlei von Cristiano Ronaldo unterliegt gegen den SPIEGEL
(spiegel.de, Rafael Buschmann & Nicola Naber & Christoph Winterbach & Michael Wulzinger)
Ein sich über Jahre hinziehendes “Eilverfahren” hatte es dem “Spiegel” unmöglich gemacht, über die “Football Leaks” zu berichten, in denen es um das Finanzgebaren und die Steuertricks diverser Fußball-Weltstars geht. Nun ging der Rechtsstreit zu Ende — zugunsten des Magazins. Damit sind nun wieder folgende Reportagen frei zugänglich:
Der Fall Mourinho: “José Mourinho ist der Star unter den Startrainern — und einer, der auch abseits des Platzes alle Tricks kennt. Wie Football Leaks enthüllt, hat er eine Briefkastenfirma in der Karibik genutzt, um Millionen zu verschleiern.”
“Das sieht richtig übel aus”: “Anderthalb Jahre lang trieben die spanischen Finanzbehörden den deutschen Nationalspieler Mesut Özil vor sich her. Dann verdonnerten sie ihn zu einer Millionenzahlung.”
Die Dose des Ronaldo: “Ihr schwerster Gegner war das Finanzamt: Superstar Cristiano Ronaldo und Trainerlegende José Mourinho haben für ihre Werbemillionen Briefkastenfirmen in der Karibik benutzt.”

5. Facebook unterstützt lokale Verlage mit 2 Mio. Euro
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Insgesamt 300 Millionen Euro hat Facebook zur Unterstützung lokaler Medien angekündigt, zwei Millionen davon sollen an deutsche Lokalzeitungsverlage gehen. Die Medienhäuser sollen das Geld für den “Aufbau nachhaltiger Geschäftsmodelle” verwenden. Von Facebooks Geldsegen profitieren die Funke Mediengruppe, MHS Digital, Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung, Rheinische Post Digital, Nordbayern Infonet, Oberpfalz Medien, Verlag und Druckerei Main-Echo, DuMont, Ippen Digital, Mediengruppe Main-Post, Mediengruppe Oberfranken und Lensing Media.
Weiterer Lesehinweis: t-online.de-Chef Florian Harms kommentiert unter Scheinheiligkeit, wohin man schaut: “Die Kunst, Gegner zu Gefolgsleuten umzupolen, beherrscht Herr Zuckerberg aus dem Effeff. Daran dürfen wir uns erinnern, wenn wir den nächsten Leitartikel zu einem Digitalthema aus einem dieser Verlagshäuser aufgetischt bekommen.”

6. Blick muss wegen «Fall Spiess-Hegglin» vor Gericht: Deshalb könnte es richtig teuer werden
(tagblatt.ch, Pascal Hollenstein)
Die Schweizer Ringier-Gruppe droht die Herausgabe des Gewinns, den es mit den Print- und Onlineartikeln über die Netzaktivistin und Feministin Jolanda Spiess-Hegglin erwirtschaftet hat. Dabei könnte einiges zusammenkommen, denn der Medienkonzern hat mit mehr als 200 Artikeln Klicks und Kasse gemacht. Ein Experte spricht von weit mehr als einer Million Franken, die Ringier mit der publizistischen Ausbeutung von Spiess-Hegglin verdient habe. Und nun dank “Gewinnabschöpfung” eventuell wieder herausgeben muss.

Andere Zeiten

DFB-Präsident Reinhard Grindel ist heute zurückgetreten. Dieser Schritt ist die Reaktion auf verschiedene Vorwürfe — der ausschlaggebende war wohl jener zu einer teuren Uhr, die Grindel von einem ukrainischen Oligarchen und Fußballfunktionär geschenkt bekommen hatte. Steht auch so bei Bild.de:

Screenshot Bild.de - DFB-Rücktritt nach Uhren-Skandal - Grindel: Ich bin tief erschüttert

Tick, tick, tick…

Der Druck war am Ende zu groß und seine Uhr als DFB-Boss heute Vormittag endgültig abgelaufen.

Über diesen “UHREN-SKANDAL” berichteten zuerst die “Bild”-Medien:

Ausriss Bild-Titelseite - DFB-Präsident Grindel - Skandal um geschenkte Luxus-Uhr
Screenshot Bild.de - DFB-Präsident Grindel - Skandal um geschenkte Luxus-Uhr

Eine “geschenkte Luxus-Uhr”? Sowas würde bei “Bild” ja niemand annehmen. Also, außer … Bei dem ganzen Wirbel um Reinhard Grindel fiel uns eine Geschichte von vor zehn Jahren ein: Damals bekam der Hamburger Sportchef der “Bild”-Zeitung Jürgen Schnitgerhans eine 1000 Euro teure Armbanduhr vom HSV-Vorstand geschenkt — also von dem Verein, über den er selbst und seine Redaktion berichteten. Schnitgerhans und “Bild” fuhren unter anderem eine ordentliche Kampagne zugunsten des HSV-Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann.

Konsequenzen aus diesem “UHREN-SKANDAL” bei “Bild”? Keine. Denn das hatte ja alles überhaupt nichts miteinander zu tun. Und außerdem handelte es sich ja auch gar nicht um ein Geschenk, wie der damalige “Bild”-Sprecher Tobias Fröhlich erklärte:

Hr. Schnitgerhans hat sich keine Uhr vom HSV-Vorstand “schenken lassen”. Sondern vielmehr wurde ihm diese Uhr vom gesamten HSV-Vorstand zum 60. Geburtstag als Würdigung und Anerkennung für seine 37-jährige Tätigkeit als Sportreporter für verschiedene Medien und speziell als journalistischer und kritischer Begleiter des Vereins überreicht. Dies wurde auch so in der Ansprache des Vorstands artikuliert.

Er wurde also für seine Gesamtleistung als langjähriger Sportjournalist und nicht als BILD-Reporter ausgezeichnet. Schnitgerhans schrieb über den HSV 1971 beim Sportmegaphon Lübeck, ab 1973 bei der Hamburger Morgenpost, seit 1980 für BILD. Aus diesem Grund sehen wir diese Auszeichnung nicht im Widerspruch zu unseren Leitlinien.

In diesen Leitlinien steht unter anderem:

Schon der Anschein, die Entscheidungsfreiheit von Journalisten könne durch Gewährung von Einladungen oder Geschenken beeinträchtigt werden, ist zu vermeiden.

Klar, so einen Anschein kann man natürlich auch durch Kleinreden vermeiden.

Mit Dank an @MikeGlindmeier für den Hinweis!

Böhmermann verklagt Merkel, Polizei interviewt sich, Zitat ohne Verstand

1. Drohung wahr gemacht: Böhmermann klagt gegen Merkel
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Jan Böhmermann verklagt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Durch ihre Äußerungen in Sachen Erdogan-Schmähgedicht (“bewusst verletzend”) habe die Kanzlerin eine “juristische Bewertung” vorgenommen, die ihr nicht zugestanden und für den Satiriker “erhebliche Folgen” gehabt habe. Mitte April soll das Berliner Verwaltungsgericht entscheiden, ob die Kanzlerin ihre Worte zurücknehmen muss.

2. Polizei interviewt sich selbst
(deutschlandfunk.de, Felicitas Boeselager, Audio: 4:07 Minuten)
Immer öfter nutzt die Polizei die sozialen Netzwerke als Verlautbarungs- und Informationskanal. Ob mit kurzen Tweets oder ganzen Videobeiträgen, wie in einem aktuellen Fall in Bremen. Dort hatte die Polizei ein professionell geschnittenes Video mit Informationen und Bildern von einer Razzia im Rahmen von Clan-Ermittlungen veröffentlicht. Der Deutsche Journalisten-Verband Bremen kritisiert, dass nicht zunächst Medienanfragen bearbeitet wurden: “Wenn es Anfragen gibt von Journalisten, dann müssen die zunächst beantwortet und bedient werden. Und erst danach kann ich als Pressestelle natürlich auch mein eigenes Material drehen, für die Verwendung auf Facebook. Oder ich kann eine Pressemitteilung schreiben, keine Frage. Aber zunächst muss ich die Journalisten bedienen und darf die nicht vertrösten und dann mit meinem eigenen Material auf den Markt kommen.”
Weiterer Lesehinweis: Polizei will “sensibler formulieren”: “Seit Jahren kritisieren schwul-lesbische Verbände den Begriff “Homosexuellen-Milieu”. Die Kölner Polizei will jetzt auf den Begriff verzichten.” (taz.de, Frederik Schindler).

3. Medien-Kolumne: Willkommen in der Lokalsport-Zentrale
(kress.de, Steffen Grimberg)
Der ehemalige “taz”-Medienjournalist und frühere “Zapp”-Redakteur Steffen Grimberg schreibt ab sofort regelmäßig eine Medien-Kolumne bei “kress”. In der ersten Ausgabe geht es um den Ab- und Umbau bei der Funke Mediengruppe.

4. Wie stark hängen Psychosen mit dem Cannabiskonsum zusammen? Kann uns eingefrorenes vorpubertäres Hodengewebe vor späterer Unfruchtbarkeit schützen? Science Media Newsreel No. 42
(meta-magazin.org)
Das “Science Media Newsreel” beschäftigt sich regelmäßig mit den wissenschaftlichen Themen bzw. Studien, die Einzug in die allgemeine Berichterstattung fanden. Diesmal dabei: Eine Studie aus “Lancet Psychiatry” zur Frage, wie stark Psychosen mit Cannabiskonsum zusammenhängen. Außerdem eine zunächst bei “Science” veröffentlichte Studie zur Frage, ob eingefrorenes vorpubertäres Hodengewebe vor späterer Unfruchtbarkeit schützen kann.

5. Schmerzfrei
(sueddeutsche.de, Werner Bartens)
Stolze 4,9 Millionen Exemplare beträgt die Auflage der “Apotheken Umschau”, die zweiwöchentlich kostenlos an Kunden abgegeben wird. Nun bringt Burda mit “My Life” ein konkurrierendes Gratisheft auf den Markt. Werner Bartens hat sich das Blatt angeschaut und allerlei Unausgewogenes sowie “Ankündigungs-Prosa” entdeckt.

6. Presserat erklärt “Focus Money” die Bedeutung von Anführungszeichen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
“Wer Verstand hat, kauft Gold”: In großen Lettern titelte “Focus Money” dieses vermeintliche Zitat von Alan Greenspan. Das Problem: Sowas hat der frühere Notenbankchef weder wörtlich noch sinngemäß gesagt. Der Presserat hat dem wenig einsichtigen “Focus Money”-Chefredakteur Frank Pöpsel nun in aller Ruhe erklärt, was ein Zitat ist (Setzung in Anführungszeichen, “die gemeinhin als Konvention für wörtliche Zitate bekannt ist”) und eine Rüge ausgesprochen.

Rudy bei Abstieg ablösefrei? Laut Schalke 04 “frei erfunden”

Beim FC Schalke 04 läuft es in dieser Saison nicht besonders gut. Die Mannschaft steht in der Bundesliga nach 26 von 34 Spieltagen auf Rang 15, mit nur drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz, der einen möglichen Abstieg in die 2. Bundesliga bedeuten könnte. Und jetzt das:

Ausriss Sport-Bild-Titelseite - Rudy - Bei Abstieg ablösefrei

… schreibt die “Sport Bild”-Redaktion auf der Titelseite ihrer gestern erschienenen Ausgabe. Im Heft hat sie die Nachricht ähnlich wirksam platziert:

Ausriss Sport-Bild-Doppelseite - Bei Abstieg ist Rudy ablösefrei

Bild.de hat die Geschichte gestern auch gebracht:

Screenshot Bild.de - Nicht alle Spieler haben Verträge für die 2. Liga - Dieser Schalke-Star ist bei Abstieg ablösefrei

Man muss ein “Bild plus”-Abo haben, um lesen zu können, wer “dieser Schalke-Star” ist:

Nach SPORT BILD-Informationen hat Sebastian Rudy (29) jedoch keinen Vertrag für die 2. Liga. Der Nationalspieler (27 Einsätze), der vor einem Jahr für 16 Mio Euro Ablöse vom FC Bayern gekommen war, wäre im Sommer ablösefrei. Sein bis 2022 laufender Kontrakt ist nur für die Bundesliga gültig!

Für solche exklusiven Geschichten zahlt man doch gern. Laut Sebastian Rudys Verein ist sie aber vor allem exklusiv erfunden:

Screenshot einer Meldung des FC Schalke 04 - Rudy ablösefrei? Frei erfunden!

Zu heute in der “Sport-Bild” verbreiteten Behauptungen stellt der FC Schalke 04 klar: Der Arbeitsvertrag von Sebastian Rudy, datiert bis zum 30. Juni 2022, ist unabhängig von der Zugehörigkeit zur 1. oder 2. Bundesliga gültig.

Er beinhaltet keinerlei Klausel, die einen ablösefreien Wechsel zu irgendeinem Zeitpunkt vor dessen Ablauf ermöglicht. Alle anders lautenden Aussagen sind falsch. Der FC Schalke 04 geht davon aus, dass diese falschen Behauptungen ebenso öffentlichkeitswirksam von deren Urhebern richtiggestellt werden.

Ja, davon sollte man eigentlich ausgehen. Bei Bild.de ist der Artikel allerdings auch heute noch unverändert online.

Mit Dank an UtahJazz45, @athloni und @mika84 für die Hinweise!

Tollstes Onlinemedium schreibt beste Überschrift

Bei “Bild” brauchen sie Superlative. Und was ist besser als ein Superlativ? Richtig: zwei Superlative.

Screenshot Bild.de - Sensations-Transfer - Größter NFL-Star geht zu schlechtestem Team

Es geht um Footballer Odell Beckham Jr., der sein bisheriges Team, die New York Giants, verlässt und zu den Cleveland Browns wechselt.

Superlativ Nummer 1 — OBJ als “größter NFL-Star” — ist schon ziemlich gewagt. Man denke zum Beispiel an Tom Brady, den Quarterback der New England Patriots, der von vielen als der “GOAT”, der “Greatest of all Time”, bezeichnet wird (wobei Brady es gar nicht mag, so genannt zu werden). Oder an Patrick Mahomes, den Quarterback der Kansas City Chiefs, der in der abgelaufenen Saison als MVP, also als sportlich wertvollster Spieler der Liga, ausgezeichnet wurde. Odell Beckham Jr. hat weder den einen noch den anderen Titel. Er mag ein Superstar der NFL sein — aber der größte? Am Ende des Bild.de-Artikels ist er dann auch nur noch der “schillerndste Star der Liga”, was es eher treffen mag.

Schlagzeilen-Superlativ Nummer 2 — die Cleveland Browns als “schlechtestes Team” — ist schlicht falsch. Das steht sogar im Bild.de-Artikel:

Die Browns hatten zwar in der letzten Saison die Playoffs nur knapp verpasst — die Spielzeiten vorher waren sie jedoch das schlechteste Team der NFL.

Jaja, die Bild.de-Redaktion kommt mit ihrer Überschrift nur ein Jahr zu spät. Tatsächlich hatten in der vergangene NFL-Saison etliche Teams eine schlechtere Bilanz als die Cleveland Browns. In den zwei Jahren zuvor waren die Browns in der Tat das schlechteste Team der Liga. 2015 teilten sie sich diesen Platz mit den Tennessee Titans. In den Jahren davor waren die Browns hingegen nie das schlechteste Team.

Statt “Größter NFL-Star geht zu schlechtestem Team” hätte Bild.de auch schreiben können: “Tollstes Onlinemedium schreibt beste Überschrift” — das wäre dann genauso falsch gewesen.

Mit Dank an Christian P., Patrick und @VM_83 für die Hinweise!

Schmierenkabarettist Reichelt, Wahrheitsabtreiber, Ausgeliefert

1. “Bild”-Chef im Delirium
(kontextwochenzeitung.de, Mario Damolin)
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hatte zur Podiumsdiskussion eingeladen. Thema der Veranstaltung: “Ethik und Moral im Boulevard?” Ein Thema, das angeblich einer der Talk-Gäste persönlich entworfen hatte: “Bild”-Chef Julian Reichelt. Mario Damolin hat die Veranstaltung besucht, die er als “einwandfreies Schmierenkabarett” bezeichnet: “Tatsächlich ist zu fragen, wer im Heidelberger Dokumentations- und Kulturzentrum der Deutschen Sinti und Roma auf die grandiose Schnapsidee gekommen ist, mit einem Schmierenjournalisten — oder wie es Peter Zudeick im Deutschlandfunk formulierte: mit einer “Krawallschachtel” — über journalistische Ethik reden zu wollen.”

2. Keine “postnatale Abtreibung” gefordert
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing & Andrej Reisin)
Der oft scharf an der Fake-News-Grenze operierende “Zeit”-Kolumnist Harald Martenstein hat mal wieder zugeschlagen: In den USA würden Demokraten und Feministinnen angeblich fordern, Kinder nach der Geburt noch abtreiben zu dürfen. Der ARD-“Faktenfinder” ist der Sache nachgegangen und befindet: “Diese Behauptung ist nicht korrekt”. In Martensteins Kolumne würden verschiedene Debatten aus dem Kontext gerissen und grob vereinfacht bis falsch dargestellt.

3. Der kommerzielle Journalismus steckt in der Krise. So könnten Auswege aussehen.
(netzpolitik.org, Christopher Buschow)
Das wahrscheinliche Ende vieler Zeitungen der DuMont-Gruppe ist ein neuerlicher Beweis für die Krise des kommerziellen Journalismus. Neugründungen könnten den Weg in die Zukunft zeigen, doch die Startbedingungen sind schwer. Medienforscher Christopher Buschow denkt darüber nach, wie Medien-Start-ups und journalistische Experimente gefördert werden können.

4. Ausgeliefert
(spiegel.de, Rafael Buschmann)
Für Whistleblower Pinto (“Football Leaks”) war es die größtmögliche Niederlage: Ein ungarisches Gericht entschied, dass er nach Portugal überführt werden soll. Zuvor hatten ihm französische Ermittler die Aufnahme ins Zeugenschutzprogramm angeboten. In Portugal drohe ihm nicht nur juristisches Ungemach, wie er Anfang Februar sagte: “Ich fürchte, dass, wenn ich ein portugiesisches Gefängnis betrete, vor allem eines in Lissabon, ich dort nicht lebend herauskomme.”

5. Wenn die Verachtung von der Leine gelassen wird
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Der “Achse des Guten”-Autor Bernhard Lassahn hat dem kürzlich in Ruhestand getretenen “SZ”-Ressortchef Heribert Prantl vorgeworfen, dieser verbreite Lügen über Väter und beschimpft ihn als Menschenverächter. Prantl sei der “wahre Relotius der ‘Süddeutschen'”. Ein dummer Vergleich, wie Boris Rosenkranz findet: “Man kann Prantl ja kritisieren: seine pastorale Art zu kolumnieren, die Formulierung im aktuellen Video, seine Thesen und Schlüsse, die er zieht. Doch an einer ernsthaften Diskussion, die abwägt und nicht ins Gegenteil verkehrt, sind Leute wie Lassahn nicht interessiert.”

6. Wenn extrem rechte Vereine als gemeinnützig gelten
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
Es ist schon makaber: Manche rechtsradikale Vereine genießen die Vorteile der Gemeinnützigkeit, während der Staat sie einer Organisation wie Attac entzieht. Matthias Meisner über fragwürdige steuerliche Begünstigungen, trickreiche Vereine und überforderte Finanzämter.

Bild.de klaut Counter-Strike-Glossar

Klaut man einem Teamkollegen im Spiel Counter-Strike den Abschuss eines Gegners, nennt man das: “Killsteal”. Klaut man einer anderen Website das Counter-Strike-Glossar, nennt man das: das Vorgehen von Bild.de.

Bleiben wir mal beim “Killsteal”. Den Begriff definiert Bild.de im eigenen “Counter-Strike-Lexikon”, das vor zwei Tagen erschienen ist, so:

Screenshot Bild.de - Von Aimbot bis Wallhack - Das Counter Strike-Lexikon - Killsteal - Jemanden den Abschuss klauen

Die Counter-Strike-Szeneseite “99Damage” definiert “Killsteal” in einem Glossar, erschienen am 3. Februar 2017, so:

Screenshot 99Damage - Killsteal - Jemanden den Kill klauen

Klar, könnte ein Zufall sein — “Killsteal” ist ja schnell mit “Abschuss klauen” übersetzt. Dann wäre es aber einer von vielen Zufällen. Zum Begriff “Ninja (Defuse)” etwa schreibt Bild.de:

Die Entschärfung der Bombe, wenn noch nicht alle Terroristen ausgeschaltet sind.

Und “99Damage”:

Die Entschärfung der Bombe bei noch lebenden Terroristen

Bild.de zum “Wallbang”:

Den Gegner durch eine Wand oder andere Objekte anschießen oder ausschalten.

“99Damage”:

Den Gegner durch eine Wand oder andere Objekte verletzen oder töten

Einige der Definitionen hat Bild.de nicht mal plump umgeschrieben, sondern komplett abgeschrieben. Zu “Prefire” beispielsweise steht bei Bild.de:

Auf Verdacht auf eine bestimmte Position schießen.

… genauso wie bei “99Damage”.

Zu “Wallhack” schreibt Bild.de:

Ein Cheat, der es ermöglicht, den Gegner durch Wände zu erkennen.

Auch das findet man exakt so bei “99Damage”.

Insgesamt listet die Bild.de-Redaktion 71 Counter-Strike-Begriffe auf. 66 davon gibt es auch bei “99Damage”, zumeist ähnlich oder komplett gleich definiert. Neben Killsteal, Ninja (Defuse), Prefire, Wallbang und Wallhack sind das:

Ace
A-D-A-D-A-D’ing
ADR
Aimbot
Aimpunch
Anti-Eco
Assist
Backstabbing
Buffed
Callout
Camper
Carry
Choke
Clutch
Crossfire (Kreuzfeuer)
Crouch-Jump
Deagle
Dinked
Drop
Eco
Entryfrag
Exitfrag
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Force(-buy)
Frag
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Recoil Control
Refrag
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Step
Tagging
Tappen
Team-Ace
TK
Toxic

Wir haben bei den Mitarbeitern von “99Damage” nachgefragt, ob sie Bild.de erlaubt haben, sich am Glossar zu bedienen. Haben sie nicht. “Bild”-Chef Julian Reichelt spricht in solchen Fällen gern von digitalen Hühnerdieben.

Mit Dank an Reyk M. für den Hinweis!

Nachtrag, 16:25 Uhr: Was schon in der Schule verräterisch ist, ist auch für Redaktionen blöd: beim Abschreiben Fehler zu übernehmen. Zum Begriff “Killsteal” muss es korrekterweise natürlich heißen: “Jemandem den Abschuss klauen” und nicht, wie Bild.de schreibt, “Jemanden den Abschuss klauen”.

Mit Dank an Frank M., Ralf S. und @Gunneone für die Hinweise!

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