Suchergebnisse für ‘spiegel online’

medienlese – der Wochenrückblick

Poschi auf der Flucht, Presseschau statt Morgengebete, Brüste in der Schwangerschaft.

Ulf Poschardt, leidenschaftlicher Autofahrer und Verachter von VW-Käfer-fahrenden Klimamoralisten, hatte eine schlechte Woche. Zuerst wurde er als Chefredakteur der Zeitschrift Vanity Fair, für die für gut ein Jahr geleitet hatte, gefeuert freiwillig gegangen, dann schüttete eine Rapperin ihm in einer Fernsehsendung überraschend ein Glas Wasser ins Gesicht, nachdem er sie zuvor offenbar Nervensäge genannt hatte. Poschardt verliess darauf die Sendung, nicht ohne einen Knicks zu machen. Ein Handgemenge wäre wohl angemessener gewesen.

Der Perlentaucher staunte über die Süddeutsche Zeitung. Willi Winkler schrieb dort: “Auch der von einigen anstelle eines Morgengebets aufgesuchte InternetDigest Perlentaucher ist unterkomplex, wie es die menschliche Software erlaubt: die anonymen Bergwerker, die im Morgengrauen die Feuilletons ausweiden und dabei auch noch gewichten sollen, sie können die Artikel im besten Fall kurz beriechen, aber in dem dafür vorgesehenen Halbsatz nur selten angemessen wiedergeben.” Der Perlentaucher dazu: “(Und wir dachten immer, die SZ verklagt uns, weil wir zu viel von ihrem Inhalt wiedergeben!)”
Read On…

Allgemein  

Unter Ausschluss der “Bild”-Zeitung

Seit Oktober letzten Jahres verhandelt das Landgericht Bremen über den Tod des zweijährigen Kevin. Er war im Oktober 2006 tot im Kühlschrank von dessen Ziehvater gefunden worden, der nun wegen Totschlags angeklagt ist. Wie viele Medien, berichtet auch “Bild” von diesem Prozess.

Am 21. Dezember beispielsweise so*:

"Stiefvater pumpte Kevin (†2) mit Drogen voll"

Das Foto ganz links zeigt den Angeklagten, und es ist im Original völlig unverfremdet (ebenso wie das Foto von Kevin rechts daneben). Dabei hatte das Bremer Landgericht zu Beginn des Prozesses die Medien aufgefordert, in ihrer Berichterstattung die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten zu achten und keine unverfremdeten, identifizierenden Bilder von ihm zu zeigen. Das, so sagt uns eine Sprecherin, sei nicht ungewöhnlich bei Fällen mit großem Medieninteresse.

Dass “Bild” Fotos von Verdächtigen, Beschuldigten oder Angeklagten abdruckt, auf denen diese klar identifizierbar sind, ist zwar erfahrungsgemäß ebenfalls nicht ungewöhnlich. In diesem Fall könnte es aber Konsequenzen haben. Vorgestern hatte das Gericht nämlich angekündigt, prüfen zu wollen, ob die “Bild”-Zeitung vom Prozess ausgeschlossen werden soll und heute die Prozessbeteiligten dazu gehört. Wie uns die Sprecherin sagt, hat die Staatsanwaltschaft keine Stellungnahme dazu abgegeben, die Verteidigung beantragte den Ausschluss. Kommenden Mittwoch will das Gericht seine Entscheidung bekannt geben.

“Bild” erklärte den Abdruck des unverfremdeten Fotos laut “Weser Kurier” übrigens mit einem “technischen Versehen”. Auch das erscheint uns irgendwie nicht ungewöhnlich.

Mit Dank an Volkmar D. und Markus H. für den sachdienlichen Hinweis.

*) Die “Bild”-Behauptung, der “Stiefvater pumpte Kevin (†2) mit Drogen voll” ist völlig unbelegt. Zwar wurden Spuren von Ritalin, Methadon und Kokain in Kevins Haaren nachgewiesen. Zumindest was das Kokain und das Methadon angeht, sagte ein Gutachter jedoch aus, dass die Rauschgifte auch durch Einatmen von Staub in der Wohnung in den Körper des Jungen gelangt sein könnten, wie seit vorgestern auch auf Bild.de nachzulesen ist.

6 vor 9

Konkurrenz im Internet
(taz.de, Kristina Pezzei)
Die von Verleger Lensing-Wolff geschassten Redakteure der “Münsterschen Zeitung” arbeiten an einer lokalen Online-Konkurrenz. Auf Kosten des früheren Chefs.

“Keine Liebesbriefe in Massen”
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Christine Henning moderiert seit Juni das satirische Videoblog “Ehrensenf“. Mit dem Tagesspiegel sprach sie über die ersten Monate beim Internetfernsehen.

Viel Meinung, wenig Echo
(berlinonline.de, Daniel Baumann)
Die Blogger-Szene streitet, ob 2008 das “Jahr des Exits” wird. Eine Zeitenwende steht bevor.

SchroBli- statt SoBli-Magazin
(werbewoche.ch, Hans Stutz)
Der SonntagsBlick hat einen «Leser-Rat» eingerichtet, denn die Zeitung möchte noch besser werden. Wir wären ja bereits zufrieden, wenn Ringiers Sonntagsblatt wieder mittelmässig würde.

Altes Interview von UBS-Chef Rohner veröffentlicht
(nachrichten.ch)
Ein von der «Handelszeitung» vorab publiziertes Interview mit UBS-Chef Marcel Rohner hat am Dienstag der Aktie der Grossbank zu einem Kurssprung verholfen. Was die Anleger erst am nächsten Tag erfuhren: Das Interview bezog sich nicht auf aktuelle Informationen.

French Press Falls For Major Facebook Prank
(techcrunch.com, Ouriel Ohayon)
“This is probably the biggest hoax in the history of Facebook.”

“Bild” ist… “niemals Türken feindlich”

In einem offenen Brief an die Leser der türkischen Tageszeitung “Hürryiet” hat “Bild”-Chef Kai Diekmann die “Bild”-Kampagne zum Thema “kriminelle Ausländer” gerechtfertigt.

Wie die “taz” berichtet, war der Anlass für Diekmanns Rechtfertigung die offenbar zunehmende Kritik türkischer Medien und Leser (auch) an der Berichterstattung von “Bild” — und ein Anruf von Ismail Erel, dem Redaktionsleiter der “Hürriyet” in Deutschland. data-lazy-src=

Mit “Ausländer- oder gar Türkenfeindlichkeit” habe das “nichts zu tun” — denn, so Diekmann mit Blick auf den Übergriff in der Münchner U-Bahn, der die Debatte auslöste:

Dass der ältere Täter Türke ist, der jüngere Grieche, ist blosser Zufall. Genauso hätten es Polen, Russen, Jugoslawen oder Kurden sein können — die Debatte wäre die gleiche gewesen.

Hauptsache Ausländer also? Die (statistisch gesehen nicht unwahrscheinliche) Möglichkeit jedenfalls, dass es genauso auch Deutsche hätten sein können, spart Diekmann in seinen Spekulationen komplett aus. Kein Wunder: Seine “Bild” berichtete ja beispielsweise über die Angriffe auf zwei junge Männer auf der Hamburger Reeperbahn und einen U-Bahn-Fahrer in Frankfurt-Heddernheim (O-Ton “Bild”: “Sieben ausländische Jugendliche schlugen einen Lokführer zusammen”), die alle beide auch von deutschen Jugendlichen (ohne Migrationshintergrund) verübt wurden, im direkten Zusammenhang mit “Ausländer-Kriminalität” und unter Überschriften wie “Kriminelle jugendliche Ausländer”.

Apropos “Ausländer”. Diekmann schreibt den “Hürriyet”-Lesern auch:

Tatsächlich stammen die relativ meisten Gewaltkriminellen beispielsweise in Berlin nicht aus türkischen, sondern arabischen Familien.

Tamam, her şey yolunda.

Mit Dank auch an David D. — und Jürgen G. fürs Türkisch!

6 vor 9

“Datenschutz ist antiquiert”
(zeit.de, Kai Biermann)
Daten werden zwangsläufig überall gesammelt, sagt der Zukunftsforscher Bernd Flessner. Wir sollten deswegen nicht aufhören, gegen die “Observosphäre” zu kämpfen – aber auch lernen, mit ihr zu leben.

“Es ist immer anstrengend, Neues auf die Beine zu stellen”
(persoenlich.com, David Vonplon)
Im November hat die Senderfamilie von Radio DRS mit dem Nonstop-Nachrichtenkanal DRS 4 News Zuwachs erhalten. Laut Medienberichten sorgt das jüngste Kind redaktionsintern für Unruhe: Von Überlastung, Missstimmung und Kündigungen ist die Rede. Im Interview mit “persoenlich.com” räumt Chefredaktor Rudolf Matter strukturelle Probleme in der Abteilung Information ein, spricht aber trotzdem von einem gelungenen Start von DRS 4 News.

Kein Werbeverbot im Kinderprogramm
(taz.de, Reinhard Wolff)
In Schweden darf sich Fernsehwerbung nicht an Konsumenten unter zwölf Jahren richten. Die EU will das ändern. Ein Rechtsstreit ist programmiert.

Comeback eines Moguls
(sueddeutsche.de, Rupert Murdoch)
Rupert Murdoch kauft und kauft. Nach dem Wall Street Journal tätigt er eine Akquisition in Deutschland. Der amerikanische Medienherrscher wird Großgesellschafter im deutschen Fernsehen – bei Premiere.

?Ich glaube noch an Aliens?
(tagesspiegel.de, Torben Waleczek)
Mitte der 1970er Jahre begeisterte er das deutsche Publikum mit Löffel verbiegen durch angeblich übersinnliche Kräfte. Mit dem Tagesspiegel spricht Uri Geller über Wunder, Kritiker, Reichtum und sein Comeback im Fernsehen.

Gute Vorsätze
(moritzleuenberger.blueblog.ch)
“Die anonyme Verfasserin des gestrigen Seitenhiebes in der NZZ am Sonntag (ich ‘missbrauche den Bundescomputer für einen privaten Blog’) sieht korrekte bundesrätliche Arbeit offenbar einzig im Dossierwühlen, jedenfalls nicht in öffentlicher Kommunikation (ausser natürlich wenn es um ein Interview im eigenen Blatt geht).”

Die Unwahrheit über kriminelle Ausländer

Die Wahrheit über kriminelle Ausländer / Dauer-kriminelle Ausländer ausweisen!

Berlin — Die kriminellen Übergriffe ausländischer Jugendlicher — es ist alles noch viel schlimmer! Allein in Berlin gab es laut Berliner “Tagesspiegel” Ende September 2363 jugendliche Schwerkriminelle (darunter 46 Kinder!) mit fünf und mehr Polizei-Eintragungen wegen Gewalttaten — ein Plus von 7,8 Prozent innerhalb von nur drei Monaten.

Zum ersten Mal spricht jetzt ein Oberstaatsanwalt Klartext über den Umgang und die Hintergründe der zunehmenden Kriminalität ausländischer Jugendlicher. (…)

(Link von uns.)

So macht man das, wenn man den ohnehin erschreckend hohen Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund an den Mehrfach-Gewalttätern noch höher wirken lassen will: Die Schlagzeile auf Seite 1 spricht von Ausländern, die Überschrift über dem Artikel spricht von Ausländern, der erste Satz spricht von Ausländern, der folgende Satz spricht von Ausländern — aber die konkreten Angaben beziehen sich nicht auf Ausländer, sondern sind die Gesamtzahl der Mehrfach-Gewalttäter aller Nationalitäten. “Bild”-Autor Dirk Hoeren, sonst für Renten-Lügen zuständig, hat sich heute an Kriminelle-Ausländer-Lügen versucht und einfach zwei Sätze hintereinander montiert, die sich scheinbar, aber nicht tatsächlich aufeinander beziehen.

Die Zahlen stammen aus einem Vortrag, den der für jugendliche Serientäter zuständige Berliner Oberstaatsanwalt Roman Reusch im Dezember bei einem Vortrag (pdf) vor der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung hielt. Bereits im Mai hatte Reusch in einem “Spiegel”-Gespräch gesagt, dass 80 Prozent seiner Täter einen Migrationshintergrund hätten und wörtlich hinzugefügt: “Jeder Einzelne dieser ausländischen Täter hat in diesem Land nicht das Geringste verloren.” Insofern ist nicht ganz klar, warum Dirk Hoeren heute den Eindruck einer Premiere erweckt:

“Er bricht ein Tabu! Der erste Oberstaatsanwalt spricht Klartext über die Kriminalität von jungen Ausländern in Deutschland!

“Bild” nennt Reusch “Deutschlands mutigster Oberstaatsanwalt”, lässt aber offen, ob es schon mutig ist, Zahlen zu nennen, die vorhandene Ressentiments der Bevölkerung bestätigen, und Forderungen aufzustellen, die populär sind und von der größten deutschen Tageszeitung unterstützt werden.

Von “Bild” unerwähnt bleibt, dass sein “Mut” den Oberstaatsanwalt aber tatsächlich schon in Schwierigkeiten brachte: Im “Spiegel” hatte er angegeben, Untersuchungshaft bei Jugendlichen als Erziehungsmittel zu nutzen, obwohl sie dazu eigentlich nicht gedacht ist. Nach Ansicht von Kritikern wäre eine solche Praxis rechtswidrig; die Berliner Justizsenatorin drohte Reusch öffentlich mit einem Disziplinarverfahren.

Reusch selbst hat seinen Vortrag vor der Hanns-Seidel-Stiftung übrigens mit dem Hinweis beendet, dass “Juristenkollegen” seine Vorschläge allesamt für verfassungswidrig oder zumindest unvereinbar mit der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes halten könnten. Der “Bild”-Leser ahnt davon natürlich nichts.

Mit Dank an Thomas S.!

6 vor 9 2007: Die Besten pro Monat

Im Jahr 2007 lieferte medienlese.com 6 x 5 x 4 x 12, also um die 1440 Links. Davon wollen wir pro Monat die Erinnerungswürdigsten nochmals aufleben lassen.

Die Auswahl ist wie immer sowohl subjektiv, als auch willkürlich. Man kann aber dennoch festhalten, dass es je zwei Texte der Zeit, der Weltwoche und des Spiegels in die Auswahl geschafft haben. Was mein subjektives Bild einer positiven Performance dieser drei Titel bzw. ihrer Onlineausgaben im Jahr 2007 bestätigt (bzw. untermauert). Ebenfalls zu loben sind die Medienseiten der taz, der F.A.Z. und der NZZ, die oft guten Medienjournalismus betreiben. Der Tagesspiegel hatte eine gute Phase nach dem Online-Relaunch, in letzter Zeit aber waren kaum mehr auffällige Stories drin. Die Welt zeigte auch vereinzelt gute Ansätze und die Schweizer Werbewoche überraschte das eine oder andere Mal mit Journalismus. Blogs sind in der Auswahl weiterhin untervertreten, unter anderem auch, weil viele der Texte nicht über zwei Absätze hinauskommen, was kein Vorwurf sein soll. Sie passen aber doch nicht recht in die Rubrik, die längere Online-Texte verlinken will, die im besten Fall von Medien handeln.

Read On…

neu  

Was geschah wirklich mit Gina Wild?

Den regelmäßigen Leser der täglichen “In & Out”-Rubrik von “Bild” beschleicht häufiger einmal der Verdacht, dass die Listen weniger allgemeine Trends widerspiegeln oder Ratschläge geben, sondern eher der Verarbeitung eigener Erfahrungen durch “Bild”-Redakteure dienen.

Nur durch ein konkretes traumatisches Erlebnis lässt sich vermutlich auch dieser heutige Punkt erklären:

OUT: Zufällig gefundene Erotikfilme zertrampeln – erst den Partner fragen, ob’s seine sind

Da unsere Fantasie nicht ausreicht, die mutmaßliche Anekdote zu rekonstruieren, die zu dieser Warnung Anlass gab, haben wir jemanden gefragt, der sich mit sowas auskennt: Sigrid Neudecker, Mitarbeiterin von “Zeit Wissen” und Autorin des Sexblogs von zeit.de “Man muss ja nicht immer reden”. Hier ihr Erklärungsversuch:

Wer zertrampelt Erotikfilme / gefundene Fremdschlüpfer / Bilder von Exfreundinnen? Frauen. Frauen kommen damit noch durch. Wenn ein Mann so einem Verhalten an den Tag legt, sollte man a) ihm die Adresse eines guten Facharztes besorgen und b) die Schlösser austauschen.

Also: Eine Frau hat zertrampelt. Nur was soll der Zusatz “erst den Partner fragen, ob’s seine sind”? Wenn es seine sind, sollte man sie nicht zertrampeln, sonst schon? Ach nein, da hat das Wort “überhaupt” nicht mehr in die Zeile gepasst: “…ob’s überhaupt seine sind.”

Nicht, dass das dem Halbsatz tatsächlich Sinn gäbe. Denn nun steht man wieder vor zwei Varianten: a) Die Pornos gehörten dem Mann. b) Die Pornos gehörten nicht dem Mann. Aber irgendwie muss er ja trotzdem drangekommen sein. Womöglich hat er sie sich von einem Kollegen aus dem Nebenressort ausgeliehen und muss ihm nun beichten, dass seine eifersüchtige Freundin die leider platt gemacht hat.

Die naheliegendste Vermutung wäre, dass der diensthabende “In & Out”-Experte der Verleiher war. Und sein konkretes traumatisches Erlebnis bestünde darin, dass ein Kollege ihn dezent mit dem Geständnis konfrontierte: “Du, meine Alte hat deine Gina-Wild-DVD ruiniert. Hältst du’s noch bis zum Dschungelcamp aus oder soll ich dir gleich eine neue kaufen?”

Ha, nein, das ist es: Es waren privat gedrehte Pornofilmchen, auf denen die rasende Frau die Exfreundin des Gatten zu erkennen geglaubt hat! Und nachdem Männer beim Sex am liebsten die Frau und deren Manipulationen an seinem besten Stück filmen, war er selbst nicht zu sehen! Und der ominöse Zusatz bedeutet: “Erst fragen, ob es seine selbstgedrehten Filme sind!”

OUT: Zufällig gefundene Erotikfilme zertrampeln – erst den Partner fragen, ob’s seine sind. / Unterwäsche schenken, die nicht passt. So gut sollte man seine(n) Liebste(n) schon kennenSo passt alles dann auch noch zum nächsten Punkt auf der “Out”-Liste: Wer das beste Stück seines Freundes nicht gut genug kennt, um es auf einem Video zu identifizieren, kann ihm selbstverständlich auch keine passende Unterwäsche kaufen.

Gut, das wäre dann auch geklärt.

Da sollte man nicht locker lassen!


Bastian Pastewka, 35, ist Komiker, Schauspieler und Autor. Nach eigener Aussage ist er zudem “seit circa 12einhalb Jahren und wenigen Wochen aus dem Deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken (‘Wochenshow’, ‘Ohne Worte’, ‘Pastewka in…’) und das weiß er auch. Er gewann mehrere TV-Preise (‘Goldene Kamera’, ‘Deutscher Fernsehpreis’ und zweimal die ‘Rose d’Or’), vor allem für seine aktuelle Serie ‘Pastewka’ (Sat.1). Er wurde einem breiten Publikum im Grunde nie bekannt, da seine Erfolgssitcom ‘Pastewka’ derzeit unter einer seltsamen Quotenschwäche leidet, die ihn zu rätselhaften Artikeln über deutlich erfolgreichere Sendungen ermuntert. Er liebt das Deutsche Fernsehen heiß und innig. Und er würde alles tun, um jemanden kennen zu lernen der bei Soaps heult, bei ‘Geile Zeit’ lacht oder Pastewkas Dauerironie entschlüsseln kann.
Morgen übrigens ist es bei Bedarf möglich, den Autor dieses Artikels zusammen mit der grandiosen Anke Engelke bei einer gemeinsamen Weihnachtsshow-Persiflage in verschiedenen Rollen zu erleben, was mit Eigenwerbung echt nichts zu tun hat, schwöre, aber ich spiele da Tine Wittler, und das hat ja einen Bezug zu dem Thema nebenan. Übrigens: Wer kapiert die Regeln von der Koffershow mit Guido Cantz? Hallo? …..Halllooooooooooo?”

Von Bastian Pastewka

Sehe nur ich die bedrohlichen Signale neuer Allianzen in dieser eiskalten Vorweihnachtszeit? Dass die “Bild” und der “Spiegel” sich weitaus näher gekommen sind, als mein Vater das gutheißen würde, ist ja bekannt; aber was veranstaltet die “BamS” vom vergangenen Sonntag denn nun für einen Kuschelkurs mit den Stars (das “Stars” würdet Ihr jetzt durchstreichen und durch irgendwas Bissiges ersetzen, aber ich weiß nicht wie das technisch geht!) von RTL?

Und ist es nur ein Zufall, dass dies genau in der Woche geschieht, in der die Axel Springer AG den Ausstieg aus der ProSiebenSat.1 Media AG vollziehen wird? Wie sonst ist zu erklären, dass sich gleich ganze drei Artikel Deutschlands kommerziell erfolgreichstem Privatsender widmen.

Es folgt eine knallharte Analyse, die Sie so nicht erwartet hätten:


Wir erfahren, dass Tine Wittler gerne mit Freunden raucht und eine Kneipe namens “Parallelwelt” zu einem Vereinsheim umfunktioniert hat. Hallo, Parallelwelt! Bin ich der Einzige, der hier einen Hinweis auf die RTL-Show “Einsatz in 4 Wänden” erkennt? (Und bin ich der Einzige, der das Foto der Expertin als Montage entlarvt? Ist die Hand mit der Zigarre bei näherer Betrachtung nicht doch eher Paris Hilton letztes Wochenende im “Felix”? Da sollte man nicht locker lassen!)


Schock Nummer 2: Rauchen ist trotz Tine Wittler doch gefährlich, wie TV-Star Christian Berkel beim Dreh zu dem Fernsehfilm “Mogadischu” laut “BamS” hautnah erleben musste. Jetzt kommts: Berkel “ging in seiner neuesten Rolle als Bundeskanzler Helmut Schmidt sogar bis ans Eingemachte und rauchte 80 Zigaretten pro Tag!”. Entschuldigung, bin ich der Einzige, der hier über den Begriff neueste stolperte? Jawohl, Christian Berkel schlüpfte schon einmal in die Rolle des Altkanzlers, und zwar in dem auch von “Bild” ausführlich goutierten TV-Drama “Die Sturmflut”. Und nun raten sie mal, auf welchem Sender diese zu sehen war?! Na, erkennen Sie es auch…?


Inka Bause verlängert ihren Vertrag bei RTL (da! daaaaaa!), und Bauern sind ja doch nicht so blöd, wie die “BamS” gleich enthüllen wird, um dies jedoch auf Bauernpräsident Sonnleitner zu schieben, um sich nicht die Blöße zu geben.

Und das nervt jetzt wirklich: Eine für seine Belanglosigkeit typische Reality-Doku, die mit ein paar Steinzeit-Klischees aufgemöbelt wurde, weil’s sonst nicht als Sendung taugt, wird nicht nur von unglaublichen acht Millionen Fans (durchstreichen und durch “Bauern” ersetzen) pro Woche verfolgt, nein, die Sendung erlebt abwechselnd Ablehnung und dann wieder Zuspruch durch “Bild”/”BamS”, so als hätte es die jeweiligen Vorgängerartikel nie gegeben. Und dabei ist der Adressat der Artikel im Grunde nie der Zuschauer, den man für sein Interesse an der Sendung belohnt/informiert/kritisiert; nein, es sind letztlich die gepeinigten Bauern selbst, die sich hier noch mal unwissentlich zum Affen machen dürfen. Die in dem Glauben gelassen werden, sie würden Humor beweisen, wenn ihre Aussagen in der “BamS” in Sprechblasen verkürzt oder in ihrer RTL-Sendung mit dem Baby-Elephant-Walk unterlegt werden.

Denn so sind unsere anständigen Landwirte nun mal, sie treiben es auf dem Hochsitz auch nach 12 Stunden Trecker-Fahren, und sie lachen mit bis zu zwei Frauen (nein, nicht durchstreichen und durch “Ziegen” ersetzen!) im Bett, während der Knackpo unterm Schottenrock anschwillt! Haha!

Und das hat gesessen: Mit diesen “pikanten Sex-Geständnissen schlagen die Bauern jetzt zurück”; denn “BamS”-Autorin Nicole Pohl will uns glauben machen, dass “Sensibelchen Maik”, der “Standfeste Andreas” und der “Fröhliche Furthi” nicht etwa “als einsame Trottel” sondern als Helden in die Geschichte eingehen werden, wenn sie nach einer weiteren Staffel von “Bauer sucht Frau” am Männlichkeitswahn eingegangen oder auch nur beim Sich-Schämen vom Hochsitz gefallen sind. Liebe BamsBumsBauern! Lasst Euch doch nicht alles gefallen!

Lustig und Doof ist manchmal nicht das Gleiche!
 
BILDblogger für einen Tag ist morgen Martin Sonneborn.

6 vor 9

Ab Frühjahr: Spiegel-Archiv wird kostenfrei
(DWDL.de, Uwe Mangel)
“Bezahlinhalte sind weiter auf dem absteigenden Ast – auch beim Spiegel. Dort wird das gesamte Archiv kostenfrei – und Bertelsmann-Lexika-Inhalte gibt’s noch dazu.”

NYTimes Surges, CNet Slumps
(TechCrunch, Erick Schonfeld)
“Ever since the NYTimes.com swept away the last remaining boulders of its subscription pay wall (aka Times Select) in mid-September, its traffic has been going through the roof.”

Eitrige Hitleritis
(taz, Helen Pidd)
“Vor kurzem hat gawker.com ein neuartiges Honorarsystem eingeführt. Die Funktionsweise: Je mehr Hits die Postings eines Redakteurs bekommen, desto besser wird er bezahlt. Die Zahl der online gestellten Texte spielt dabei keine Rolle mehr – genauso wenig wie deren Qualität.”

Medien verhalfen SVP zum Sieg
(Blick, num)
“Den Sieg bei den eidgenössischen Wahlen hat die SVP auch den Schweizer Medien zu verdanken. Diese schrieben nämlich die Partei zum Sieg.”

Wer sieht noch die Tagesthemen?
(FAZ, Michael Hanfeld)
Und jetzt alle: “Die Zeiten, in denen man die Tagesthemen gesehen haben muss, sind lange vorbei.” Oder auch: “Und denken wir nur an die quälend-allabendlichen Kommentare!”

Die Intimität des Lesens
(Miriam Meckel)
“Plötzlich sagte der Nachbar zu mir: ‘Wollen Sie mit mir lesen?’ Ich starrte ihn entgeistert an. ‘Wollen wir nicht zusammen eine Zeitung lesen?’, präzisierte er. ‘Es ist doch etwas eng hier.’ Ich war perplex. Ich war das noch nie gefragt worden. Wenn er gefragt hätte: ‘Wollen Sie mit mir schlafen?’, hätte ich das zwar unverschämt gefunden, aber immerhin doch irgendwie noch im Bereich des Möglichen. Aber zusammen LESEN?” (Tipp von David Bauer, 78s)

Blättern: ◄ 1 ... 198 199 200 ... 227 ►