Archiv für Oktober 26th, 2026

“Nius” darf in Kanzlerflieger, Meta-Zensur, Vollprogrammwerdung

1. Rechts-außen-Portal »Nius« darf erstmals im Kanzlerflieger mitreisen
(spiegel.de)
Bei einer Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Westbalkan-Gipfel nach Montenegro habe erstmals ein Reporter des rechtspopulistischen Portals “Nius” in der Regierungsmaschine mitreisen dürfen. Zuvor seien 24 Mitreiseanträge des von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geleiteten Mediums abgelehnt worden. Laut dem mitgereisten Reporter Ralf Schuler habe das Portal seinen Platz im Flugzeug über juristische Schritte und eine “Kaskade von Anfragen und Gerichtsverfahren” erstritten.

2. Angriff auf die letzten kritischen Medien
(verdi.de, Krsto Lazarević)
Vor den Parlamentswahlen in Serbien seien die wenigen freien Medien unter Druck geraten. Präsident Aleksandar Vučić und dessen Partei würden die nationalen Sender fast vollständig beherrschen, Oppositionelle kämen kaum zu Wort. Zudem habe der portugiesische Investor Alpac Capital, bei dem Gelder aus dem Umfeld von Viktor Orbán eine Rolle spielen würden, ein Netzwerk wichtiger kritischer Medien übernommen. Nach der Absetzung beliebter Formate und vieler Kündigungen würfen Beschäftigte und Journalistenverbände der neuen Führung vor, kritische Redaktionen noch vor dem Urnengang politisch auf Regierungslinie gebracht zu haben.

3. Der mühsame Kampf gegen willkürliche Sperrungen
(taz.de, Julia Belzig)
Die Zensur auf Plattformen wie Instagram und Facebook treffe zunehmend gezielt progressive Stimmen, Organisationen für reproduktive Gesundheit und queere Kunstschaffende, so die Nichtregierungsorganisation Repro Uncensored. Auslöser seien häufig automatisierte Moderationsfilter. Problematisch werde das System jedoch vor allem dann, wenn Einsprüche von Betroffenen nachweislich ohne eingehende personelle Prüfung pauschal abgewiesen würden. Der Mutterkonzern Meta weise Vorwürfe einer systematischen Diskriminierung zurück.

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4. Ex-Chefredakteurin schießt öffentlich gegen Alice Schwarzer
(t-online.de)
Die frühere “Emma”-Chefredakteurin Lisa Ortgies widerspreche öffentlich den Aussagen von Magazingründerin Alice Schwarzer. Diese habe das Aus des Blattes zum Jahresende 2026 verkündet und Ortgies dabei im Rückblick als bloße “Fernsehfrau” abgetan. Auf LinkedIn halte Ortgies dagegen: Sie habe an der Henri-Nannen-Schule gelernt, lange für Printmagazine gearbeitet und vor ihrer Leitungsfunktion viele Jahre für die Zeitschrift kolumniert. Auch den Vorwurf mangelnden Engagements bei ihrem verzögerten Amtsantritt weise sie entschieden zurück. Damals sei ihr Vater schwer erkrankt und gestorben, zugleich habe sie einen Säugling betreut. Dies seien Umstände, über die Alice Schwarzer stets vollständig im Bilde gewesen sei.

5. Lob tut gut, Kritik bringt weiter
(de.ejo-online.eu, Judith Odenthal)
Trotz des Rückzugs vieler Großverlage aus der Branchenberichterstattung stehe es keineswegs schlecht um die Zukunft des Medienjournalismus, erklärt Frederik von Castell, Chefredakteur des “Medium Magazin”, im Interview. Durch unabhängige Angebote wie “Übermedien” sei das Fachgebiet im Netz heute präsenter als noch vor einigen Jahren. Zudem wachse das Interesse junger Journalistinnen und Journalisten an medienkritischen Formaten, so von Castell. Er plädiert für eine konstruktive Kritik, die Missstände und falsche Ausgewogenheit offen benennt.

6. Show must go on: Netflix und die Vollprogrammwerdung
(dwdl.de, Peer Schader)
Netflix entferne sich immer weiter von seinen Wurzeln als innovativer Nischenanbieter und nähere sich dem klassischen Fernsehen an, analysiert Peer Schader bei “DWDL”. Aufgrund eines schwächeren Nutzerwachstums und sinkender Börsenkurse setze der Konzern nun auf Werbung, Preiserhöhungen und teure Sportübertragungen. Zudem binde der Dienst in Ländern wie Frankreich bereits traditionelle Sender wie TF1 direkt ein.