Archiv für Oktober 25th, 2026

KW 43/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Tragen Medien mit ihren Berichten über Demos dazu bei, dass Proteste eskalieren?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 29:27 Minuten)
Die mediale Berichterstattung über Proteste trage maßgeblich zur Eskalation sozialer Bewegungen bei, kritisiert der Konfliktforscher Jannis Grimm. Warnungen vor Ausschreitungen nach französischem Vorbild würden wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung wirken. Journalistinnen und Journalisten würden friedliche Protestmärsche vernachlässigen und sich stattdessen auf Randale und Radikalisierung fokussieren. Grimm bemängelt außerdem, dass Redaktionen selten direkt mit Demonstrierenden sprächen und wissenschaftliche Expertise selektiv heranzögen: Zu internationalen Unruhen wie in Frankreich gebe es reges Interesse; zu inländischen linken Protesten oder Solidaritätskundgebungen mit Palästina würden Protestforscher hingegen kaum angefragt.

2. Prepositions: the war on, for, about and against them
(instagram.com, Moritz Klein, Video: 2 Minuten)
Bei Instagram kritisiert der Journalist Moritz Klein in einem Video eine sinnentstellende Titelübersetzung der deutschsprachigen Ausgabe von Rashid Khalidis Standardwerk “The Hundred Years’ War on Palestine”, das im Unionsverlag unter dem Titel “Der hundertjährige Krieg um Palästina” erschienen ist. Die englische Wendung “War on” bezeichne eindeutig einen Krieg gegen etwas, analog zu geläufigen Begriffen wie “War on Terror”. Die deutsche Formulierung verwässere Khalidis kolonialen Fokus. Andere internationale Fassungen, etwa die französische (“Contre la Palestine”), hätten die Stoßrichtung des Originals beibehalten. Auf Kleins Nachfrage habe der Verlag die Übersetzung verteidigt und auf die Mehrdeutigkeit der Präposition “on” verwiesen. Recherchen hätten jedoch gezeigt, dass es bereits im Vorfeld der Veröffentlichung Unstimmigkeiten zwischen Autor und Verlag über den deutschen Titel gegeben habe.

3. Der Charisma-Bonus: Medien und ihre Lieblinge
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 50:07 Minuten)
Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer sprechen bei “Die Medienversteher” über die Bedeutung von Charisma im Zusammenspiel mit Medienlogiken. Charisma sei keine feste Eigenschaft, sondern primär eine soziale Zuschreibung des Publikums, die durch Berichterstattung verstärkt werde. Anhand von Beispielen wie Jürgen Klopp, Angela Merkel oder Karl-Theodor zu Guttenberg diskutieren sie darüber, wie Personalisierung komplexe Themen vereinfache, aber auch das Risiko rascher Abstürze berge. Und es geht natürlich auch um die Frage, welche Rolle der Journalismus dabei spielt.

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4. Philosoph Michael Hampe über Big Tech & Konkurrenz vs. Kooperation
(youtube.com, Tilo Jung, Video: 3:31:29 Stunden)
Bei “Jung & Naiv” spricht der Philosoph Michael Hampe mit Tilo Jung über die Gefahren eines technokratischen Elitendenkens und die Dominanz digitaler Konzerne. Hampe warnt vor einem wiederkehrenden Sozialdarwinismus, der sich als Glaube an eine unkontrollierbare Intelligenzelite manifestiere. Über Plattformen und algorithmische Auswertungen werde menschliches Verhalten auf wenige Faktoren reduziert und gezielt für Geschäftsmodelle oder politische Machtinteressen instrumentalisiert. Mediale Öffentlichkeiten würden sich zunehmend in kriegsähnliche Räume verwandeln.

5. Ist Ausgewogenheit im Journalismus messbar?
(ardsounds.de, Ingo Lierheimer, Audio: 28:19 Minuten)
Angesichts zunehmender Vorwürfe politischer Einseitigkeit gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk widmet sich das Medienmagazin “BR24 Medien” der Frage, wie Ausgewogenheit im Programm greifbar und messbar gemacht werden kann. Anlass ist ein von BR-Intendantin Katja Wildermuth beauftragtes Gutachten. Bei einer Podiumsdiskussion der Medientage München debattieren Wildermuth, Studien-Mitautorin Birgit Stark, die Vorsitzende des neu geschaffenen Medienrats Natalie Wappler sowie Medienjournalist Stefan Niggemeier über methodische Kriterien und die praktische Umsetzbarkeit.

6. Die neuen Klassikstars
(arte.tv, Lily Küntzle, Video: 51:52 Minuten)
Ohne Soziale Netzwerke gehe auch im klassischen Musikbetrieb kaum noch etwas, zeigt eine Dokumentation von Arte über die Musiker Anna Lapwood, Hayato Sumino und Marcin Patrzałek. Alle drei nutzen digitale Kanäle, um ein Millionenpublikum für teils unkonventionell dargebotene Instrumente wie Kirchenorgel oder Akustikgitarre zu begeistern. Die neuen Verbreitungswege böten enorme kreative Freiheiten jenseits des etablierten Konzertbetriebs. Sie brächten jedoch zugleich hohen Druck und den Zwang zu ständiger Selbstvermarktung mit sich.