Sie können es dieser Tage überall lesen: Das Soziale Netzwerk Facebook will an die Börse.
Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt über Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg:
Zugunsten des Börsengangs will Zuckerberg beim Gehalt erst mal zurückstecken. Ab 2013 soll dieses effektiv nur noch bei einem Dollar jährlich liegen, hieß es in den Börsenpapieren. Derzeit betrage das Grundgehalt rund eine halbe Milliarde Dollar.
Eine halbe Milliarde Dollar Jahresgehalt — das wäre verdammt viel Geld für einen einzelnen Mann. Zehn Prozent dessen, was der Börsengang Facebook einbringen soll.
Tatsächlich lag Zuckerbergs Gehalt im vergangenen Jahr deutlich darunter, wie aus dem Börsenkatalog von Facebook hervorgeht:
Eine halbe Million. Aber um den Faktor 1.000 kann man sich ja mal vertun — so wie sueddeutsche.de, wo es heute heißt, Facebook habe “mehr als 800 Milliarden Nutzer”. Also etwa 114 Mal so viele wie die Erde Bewohner.
Das lässt sich nicht mal mehr mit den sonst üblichen Übersetzungsfehlern erklären.
Mit Dank auch an André G.
Nachtrag, 20.18 Uhr: sueddeutsche.de hat sich transparent und unter Verweis auf BILDblog.de korrigiert.
Nächstes Jahr trägt Marseille den Titel “Kulturhauptstadt Europas”, aber so richtig super ist die Lage in der Stadt nicht, weiß die “Süddeutsche Zeitung”, die sich schon jetzt dort umgesehen hat:
Die Großsiedlungen aus den sechziger Jahren sind teilweise zu Geisterstädten verkommen, in denen der Drogenhandel blüht und die Polizei sich nur noch mit Verstärkung bewegt. Der Rückgang des Industrie- und Hafenbetriebs hat die Arbeitslosigkeit erhöht. Die Hälfte der Haushalte ist nicht einkommenssteuerpflichtig, ein Drittel der Einwohner lebt an der Armutsgrenze, jeder zehnten Familie fehlt ein Elternteil. Marseille ist zwar die größte, zugleich aber die ärmste unter Frankreichs Regionalmetropolen.
Es mag sein, dass sich die Polizei “in Teilen der Stadt, in denen der Drogenhandel blüht”, “nur noch mit Verstärkung” bewegt — doch das Bild ist ziemlich ungeeignet, das zu illustrieren: Die abgebildeten Polizisten begleiten die Evakuierung von mehr als 4.000 Einwohnern anlässlich der Entschärfung einer amerikanischen Fliegerbomber aus dem Zweiten Weltkrieg vor zwei Wochen.
Mit Dank an Simon Sch.
Nachtrag, 2. Februar: sueddeutsche.de hat das Foto samt Bildunterschrift entfernt und folgenden Hinweis unter den Artikel gesetzt:
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung des Textes war ein Foto dargestellt, das französische Polizisten in Marseille zeigt. Die Bildunterschrift erweckte den Eindruck, dass die Beamten aus Sicherheitsgründen in Gruppen unterwegs seien. Tatsächlich begleiteten die abgebildeten Polizisten die Evakuierung von mehr als 4.000 Einwohnern anlässlich der Entschärfung einer amerikanischen Fliegerbomber aus dem Zweiten Weltkrieg. Dank bildblog.de haben wir diese irreführende Berichterstattung berichtigen können, indem wir das Foto entfernt haben.
Da Bundespräsident Christian Wulff in den letzten Monaten herbe Imageverluste erleiden musste, dürfte Günther Jauch endgültig der unangefochtene Lieblingsschwiegersohn der Deutschen sein.
Insofern passt es gut, dass Bild.de die besorgte Schwiegermutter gibt und heute entsetzt meldet:
Das ist ja (k)ein dickes Ding!
Am Montagabend trat Günther Jauch (55) bei “Wer wird Millionär” den ultimativen Gewichtstest an, nachdem ein Kandidat in der letzten Sendung Jauchs Aussage angezweifelt hatte er wiege 78 Kilo. Vor einem Millionenpublikum krabbelte Jauch auf die Waage und überraschte mit deutlich weniger Gewicht auf den Rippen!
(…) der Moderator (…) zog die schnieken Schuhe aus, stakste auf die mitgebrachte Waage und überraschte mit einem mageren Ergebnis. Nix da 78 Kilo – sein Gewicht pendelte sich nicht ein und schwankte um magere 75,8 Kilogramm – inklusive Anzug und Wäsche! Das entspricht bei einer Größe von über 1,90 nur einem Bodymaß-Index von über 20 – Medizinisch bedenklich!
“Medizinisch bedenklich” ist nicht Jauchs Gewicht, sondern allenfalls der geistige Zustand der Redaktion von Bild.de. Zwar liegt Jauch tatsächlich bei einem Body-Mass-Index um die 20, doch das ist absolutes Normalgewicht für einen Mann seiner Größe. Immerhin liegen “normalgewichtige” Menschen bei Werten zwischen 18,5 und 25. Jauch dürfte bei seinem Gewicht sogar um die zwei Meter groß sein, ohne auch nur als “leicht untergewichtig” zu gelten — oder er dürfte mit seinen über 1,90 Meter Körpergröße ohne weiteres fünf Kilogramm weniger wiegen.
Aber wie schrieb schon die Entertainmentlegende Bild.de?
The show must go on, auch wenn man sich mal irrt
Mit Dank an Dennis M. und Jens.
Nachtrag, 1. Februar: In der gedruckten “Bild” ist die weltbewegende Nachricht über Günther Jauchs Gewicht heute schon etwas vorsichtiger als Frage formuliert. Außerdem hat der Moderator ein zusätzliches Kilogramm spendiert bekommen:
Und anstatt einfach zu behaupten, Jauchs Gewicht sei “medizinisch bedenklich”, hat “Bild” sogar einen richtigen Mediziner zu Wort kommen lassen:
Zu wenig für sein Alter? Sportarzt Dr. Roland Kretsch (Bochum): “Nein. Herr Jauch scheint mir gut trainiert. Wer viel schwimmt, Rad fährt und joggt, hält den Stoffwechsel unter Dampf. Körperlich ist er locker zehn Jahre jünger.”
Auch der Artikel auf Bild.de wurde ohne jeden Hinweis angepasst, die Worte “medizinisch bedenklich” entfernt.
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].
2. “Das Handelsblatt – der Boulevard-Troll” (indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer reagiert auf einen Gastkommentar des Politikers Ansgar Heveling, der derzeit “die Netzgemeinde” anregt. “Der Abdruck des unfassbar dummen Textes von Heveling ist nichts anderes als der Versuch des Handelsblattes, die Klick-Zahlen nach oben zu treiben und einen leider absehbaren Shitstorm zu erschaffen.” Siehe dazu auch Lukas Heinser in “Es ist das Bildblog. Jemand muss es machen”: “Ich möchte mich nicht mehr über Dinge aufregen, die fünftklassige Politiker gesagt haben und die eh nie Gesetz werden. Diese ganze Empörungsmaschinerie, die dann aber trotzdem bei Twitter und den ganzen Blogs durchläuft, fand ich einfach zu anstrengend.”
3. “Kleiner Faktencheck” (absolutobsolet.blogspot.com)
Fünf Fehler in einer Bildunterschrift eines Bild.de-Artikels über Achterbahnen entdeckt das Blog “absolut obsolet”.
Es ist eine große Überraschung, die die “Hamburger Morgenpost” da in ihrer Online-Ausgabe verkündet:
Eine Überraschung wohl vor allem für Tom Dyckhoff und den “Guardian”, denn die Liste, die mopo.de dankenswerterweise direkt verlinkt hat, ist eben genau kein Ranking mit Ordnungszahlen, sondern lediglich eine (recht subjektive) Liste der “fünf besten Orte, an denen man auf der Welt leben kann”. St. Pauli ist einer dieser fünf Orte, aber dass er an zweiter Stelle steht, bedeutet nicht zwangsläufig, dass es dort lebenswerter ist als an der Nordküste von Maui, die danach gelobt wird.
Nachtrag, 26. Januar: mopo.de hat den Artikel überarbeitet: Die Überschrift lautet nun “St. Pauli ist so geil wie Hawaii” und der Text wurde auch an die Realität angepasst.
Vor zwei Wochen hat “Bild” ihren Lesern ein Buch ans Herz gelegt:
In vier Folgen zitiert “Bild” die Abiturientin und Jung-Autorin Viviane Cismak damit, dass es kein Schweinefleisch in der Schul-Cafeteria gegeben habe, dass man auf dem Schulhof als “Schlampe” beschimpft wurde, wenn man als 18-Jährige einen Freund hatte, dass die Qualität des Unterrichts an ihrem Gymnasium “noch einmal erheblich” nachließ, wenn die muslimischen Mitschüler im Fastenmonat Ramadan ausgehungert in der Schule saßen und dass Hartz-IV-Empfänger bei Studienfahrten ins Ausland Zuschüsse erhielten.
Wie ist das, wenn mehr als 80 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund haben? Abiturientin Viviane Cismak (20) beschreibt in “Schulfrust” den Alltag an einem Kreuzberger Gymnasium. BILD druckt Auszüge.
“Auszüge” trifft es ganz gut: Drei Viertel Stimmungsmache gegen Menschen mit Migrationshintergrund, ein Viertel gegen Hartz-IV-Empfänger — die perfekte Mischung für “Bild”. Die erhofften Reaktionen der Leser ließen auch nicht lange auf sich warten, wie “Bild” schon am Tag nach der Veröffentlichung des ersten Teils dokumentierte:
Doch wer gleich loszog, um sich “Schulfrust” zu kaufen und auf eine junge Thiletta Sarrazin gehofft hatte, dürfte von der Lektüre ziemlich enttäuscht worden sein: Von den zehn Kapiteln des Buches handelt gerade eines davon, dass “Sexismus und Chauvinismus [in der Schule] toleriert und mit kulturrelativistischen Theorien erklärt” werde, ein weiteres davon, dass “Kinder von Geringverdienern schlechte Chancen auf eine gute Ausbildung haben”.
Insgesamt geht es in dem Buch eher darum, dass Cismak aus eigenen schlechten Erfahrungen eine Kritik an Lehrern und am Bildungssystem ableitet, die mal berechtigt, mal unberechtigt erscheint. Alle Punkte, die sie aufführt, haben durchaus mediale Aufmerksamkeit verdient — und auch bekommen, als diverse Medien bei VeröffentlichungüberdasBuchberichteten. Im vergangenen September.
So lange hat es gedauert, bis “Bild” sich des Themas annahm und es als Steinbruch für die eigenen Skandalgeschichten benutzte. Nicht funktionierendes “Multikulti” ist eben immer ein Thema für “Bild”, wohingegen nicht eingehaltene Lehrpläne, willkürliche Notengebung und undurchdachte Schulreformen zwar ein Problem für Millionen Schüler sein mögen, aber kein Thema für diese Boulevardzeitung.
Vor mehr als einer Woche haben wir dem Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, bei dem “Schulfrust” erschienen ist, eine E-Mail mit mehreren Fragen geschrieben. Unter anderem wollten wir wissen, ob die Schwerpunkt-Setzung von “Bild” im Vorfeld klar gewesen sei und was Verlag und Autorin von der Darstellung in “Bild” halten. Wir haben, trotz nochmaliger Nachfrage, keine Antwort erhalten.
Bei Bild.de scheint Ronzheimer nicht ganz so beliebt zu sein wie in Griechenland. Offenbar gibt es dort sogar jemanden, der dem jungen Starreporter seine oft herablassende Hetze gegen die “Pleite-Griechen” übel nimmt:
Zufall dürfte das kaum sein — immerhin passiert das nicht zum ersten Mal:
Mit Dank auch an Dimitrios P.
Nachtrag, 14.40 Uhr: Das ging schnell: Paul Bonzheimer heißt jetzt in beiden Artikeln Ronzheimer.
8. Übung macht den (Sex-)Meister: In Österreich wurde die “Austrian International School of Sex” (AISOS). von der Schwedin Ylva-Maria Thompson gegründet. Für die Ex-TV-Talkerin steht fest: Die Liebeskraft muss ebenso trainiert werden wie Muskeln und Hirn!
Statt den eigenen Artikel über die “Sex-Schule” zu verlinken, hätten die Leute von Bild.de mal lieber ein bisschen googeln sollen. Dann wären sie zum Beispiel auf die Artikel vom “Wiener Kurier” oder von “Die Presse” aus dem vergangenen Dezember gestoßen, in denen die vermeintliche Sex-Schule als Inszenierung der Künstlergruppe “The Birdbase” enttarnt wird, die zuvor durch falsche Franz-Kafka-Bücher aufgefallen war (BILDblog berichtete).
BILDblog lesen hätte übrigens auch in diesem Fall geholfen: Wir hatten den “Presse”-Artikel, in dem sich “The Birdbase” bekennt, die Sex-Schule erfunden zu haben, am 14. Dezember bei “6vor9” verlinkt.
Länger nicht mehr gezeigt haben wir diese “Bild”-Eigenwerbung aus dem Jahr 2006:
Gestern machte “Bild” bundesweit mit einem spektakulären Kriminalfall auf:
Der Fall einer Bochumer Arzt-Gattin, die ihren Liebhaber erst betäubt, dann vergiftet und erstochen hatte (anschließend zündete sie auch noch seine Wohnung an), hatte überregional für Aufsehen gesorgt — im vergangenen September, als die Tat stattfand.
Auch “Bild” hatte damals schon in der Ruhrgebietsausgabe groß über die Ereignisse berichtet, das Gesicht der Tatverdächtigen damals allerdings noch verpixelt. Gestern prangte ihr Foto unverfremdet deutschlandweit auf der Titelseite. Die einzige andere Neuigkeit ist die, dass das Landgericht Bochum vergangene Woche den Zeitplan für den Mordprozess veröffentlicht hat, was in der Bild.de-Version des Artikels aber nicht einmal erwähnt wird.
Es ist überhaupt rätselhaft, warum Bild.de gestern zwei recht unterschiedliche Artikel der gleichen Autoren veröffentlichte: den aus der gedruckten “Bild” und einen zweiten. Dass der Mord schon vier Monate zurückliegt, geht aus keinem der Texte hervor, obwohl einer der Autoren schon damals an der Berichterstattung beteiligt war.
Man soll ja nie Vorsatz unterstellen, wo Dummheit als Begründung völlig ausreichend wäre — und dennoch stellt sich bei diesem ganz besonderen Jahresrückblick von blick.ch die Frage, ob die Verantwortlichen wirklich nur sagenhaft blöd oder nicht doch auch menschenverachtende Zyniker sind:
In einem kurzen Alibi-Artikel feixt der Autor (es muss sich einfach um einen Mann handeln):
Glitzer, Glamour, gutes Benehmen – wenn sich Stars in der Öffentlichkeit zeigen, dann meist von ihrer besten Seite.
Doch im wahren Leben haben es Scarlett Johansson (26), Rihanna (23) und Co. faustdick hinter den Ohren. Ob oben-ohne oder splitterfasernackt – die Hollywood-Stars haben sich in Situationen geknipst, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren.
Dumm deshalb, wenn raffinierte Hacker die Handys oder Computer dieser Stars knacken und das Bildmaterial online stellen. So passiert im letzten Monat bei Power-Blondine Scarlett Johansson. Ihre Nackt-Bilder waren eigentlich für Ryan Reynolds (35) bestimmt, mit dem Johansson bis Ende 2010 verheiratet war. Doch nun kennt die ganze Welt Scarletts Schokoladenseite aus dem Jahr 2008.
Ja, “dumm”, wenn Hacker sich Zugang zu persönlichen Daten verschaffen und das dann online stellen. Oder schlicht: “kriminell”.
Aber wenn die Bilder schon einmal in der Welt sind, kann man sie natürlich auch weiterzeigen — in einer 12-teiligen Bildergalerie mit den “besten Nacktbildern” des Jahres. (Wobei mindestens eines der Fotos schon im Jahr 2009 im Internet auftauchte.)
Mit Dank an O.S.
Nachtrag, 11.40 Uhr: Unser Leser M. hat uns darauf hingewiesen, dass das “Nacktfoto” von Lindsay Lohan in der Bildergalerie von Blick.ch ein Szenenbild aus dem Film “Machete” von 2010 ist.