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Spiegel, Neue Welt, Gottschalk live

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die Wildsau im Blätterwald – Meine Gegendarstellung”
(dagmar-woehrl.de)
CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl erklärt sich “zu den mir im Spiegel und in der Leipziger Volkszeitung gemachten Vorwürfen bzgl. meiner Reise mit Bundesminister Niebel nach Myanmar und Laos”. Siehe dazu auch “Spiegelplag: Schuldig im Sinne des Anklägers”.

2. “Der ‘Spiegel’: Das Sturmgeschütz des Shitstorms”
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz nimmt den Fall von Wöhrl auf: “Es ist journalistisch ziemlich fragwürdig, wenn man jemanden auf drei Seiten mit Vorwürfen überzieht und ihn dann mit seinen Erwiderungen erstens nur ausgesprochen kurz und zweitens auch noch sinnentstellend wiedergibt.” Weiter zum Thema schreiben auch pottblog.de und hrbruns.de.

3. “Debatte um Christian Kracht”
(zeit.de, Adam Soboczynski)
Schriftsteller Daniel Kehlmann äussert sich zur Kritik von Georg Diez an Christian Kracht im “Spiegel”. “Selbst wenn man ihn für weltanschaulich bedenklich hält, müsste man sehr genau überlegen, ob man einen Angriff an diesem Ort in dieser Größe vorbringen muss. Er handelt sich ja um keine kleine Literaturzeitschrift, sondern um das sogenannte ‘Sturmgeschütz der Demokratie'”.

4. “Ja! Kai Winckler erwartet einen Jungen von Prinzessin Victoria”
(stefan-niggemeier.de)
Die WAZ-Zeitschrift “Neue Welt” titelt zur Geburt der Tochter von Prinzessin Victoria von Schweden, Estelle von Schweden: “VICTORIA – Hurra, ein Junge! Silvia weinte vor Glück”. Dazu berichten auch aftonbladet.se und ekstrabladet.dk.

5. “Erde an Planet ‘Gottschalk live’: Aufwachen, anpacken!”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
“Gottschalk live” sei deutsches Fernsehen, wie wir es eben lange nicht mehr gewöhnt waren, schreibt Thomas Lückerath und gibt zu bedenken, dass es nur noch wenige Experimentierflächen gebe. “Das Problem liegt hinter der Kamera. Ein vergleichsweise großes Team hat also in den Wochen vor dem Sendestart nicht gemerkt, dass man eine Sendung plant, die so nicht zum Protagonisten passt und die so wie es beispielsweise in der ersten Sendewoche zu erleben war, auch nicht in den zeitlichen Rahmen passt.”

6. “Bevormundete Bundesrätin”
(medienspiegel.ch, Christof Moser)
Wie PR-Verantwortliche den Kontakt von Journalisten zum Bundesrat erschweren. “Eine gewählte Politikerin, der Bevölkerung verpflichtet, und ein Journalist, der Öffentlichkeit verpflichtet, können kein Wort miteinander wechseln, weil eine PR-Verantwortliche ohne jede demokratisch legitimierte Rolle und nur der Imagepflege verpflichtet, sie erfolgreich daran hindert.”

Nippel, Viva, Whitney Houston

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Kiffen ja, Nippel nein”
(spiegel.de, Christian Stöcker)
“Ein geheimes Handbuch für Facebook-Kontrolleure zeigt, was das Netzwerk in seinem Reich duldet. Kiffen, zerquetschte Köpfe, tiefe Fleischwunden – alles kein Problem. Nicht okay sind Sex, weibliche Brustwarzen, Tierquälerei: Solche Bilder werden gelöscht. Subtil setzt der Konzern seine eigenen Werte durch.”

2. “Der Ausschluss der Öffentlichkeit ist keine Lösung”
(vocer.org, Gisela Friedrichsen)
Gisela Friedrichsen, Gerichtsreporterin des “Spiegel”, beschreibt vor dem Hintergrund einer aktuellen Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln (s. “6 vor 9” vom 15. Februar), wie sich die Arbeit von Gerichtsreportern geändert hat. Immer neue, teils vage Entscheidungen der Pressekammern sorgten für eine “Schere im Kopf”; Sprecher der Staatsanwaltschaft und Medienanwälte versuchten, die Berichterstattung in ihrem Sinne zu beeinflussen; Medien würden Zeugen noch vor deren Aussagen “einkaufen” und “Neulinge” unter den Berichterstattern erstaunt registrieren, “dass es in der realen Justiz etwas anders zugeht als im Fernsehen bei Alexander Holt oder Barbara Salesch”. Ohne explizite Namensnennung bekommt auch Alice Schwarzer ihr Fett weg, Friedrichsens Kontrahentin in der Berichterstattung über den Prozess gegen Jörg Kachelmann: “Niemand würde einen Laien ein bedeutendes Fußballspiel oder eine Neuinszenierung in der Oper kommentieren lassen. Ins Gericht aber wagen sich selbst ernannte Experten und vor allem Expertinnen, die oft genug eine feste Meinung, aber keine Ahnung haben.”

3. “Bravo, Viva!”
(alexandervonbeyme.net)
Alexander von Beyme lobt die Social-Media-Redakteure des TV-Senders Viva, die bei Facebook gegen homophobe Kommentare unter einem Foto des Tokio-Hotel-Sängers Bill Kaulitz vorgegangen sind. Gleichzeitig kritisiert er eine HSV-Fanseite, die mit homophoben Sprüchen vor dem Nordderby gegen Werder Bremen für Stimmung sorgen wollte.

4. “Der Youssou-Effekt”
(muel.ch, Samuel Burri)
Samuel Burri, als Journalist in Westafrika, wundert sich darüber, dass sich die deutschen Nachrichtenagenturen bei ihrer Berichterstattung über die anstehenden Wahlen im Senegal vor allem auf den auch in Europa bekannten Sänger und Oppositionellen Youssou Ndour konzentrieren, der am Dienstag bei Protesten am Bein verletzt worden sein soll. “Natürlich kann man den Hype um Youssou Ndour auch positiv sehen. Seine Präsenz bei Aktionen der Opposition schafft Medienöffentlichkeit. So geht zumindest nicht vergessen, dass im Senegal am Sonntag gewählt wird. Doch wie viele andere wurden schon verletzt oder getötet im Verlauf der Demonstrationen?”

5. “Schöner Einstieg für Gauck”
(zapp.blog.ndr.de)
Auf der Suche nach dem Fahrer, in dessen Taxi Joachim Gauck von Angela Merkel angerufen und zum Bundespräsidenten-Kandidaten wurde, setzte der “Stern” auf uralte Methoden — und eine Belohnung.

6. “Back in Black – Whitney Houston’s Death”
(thedailyshow.com, Video, englisch)
Lewis Black regt sich über die TV-Berichterstattung zum Tode Whitney Houstons auf.

Die Besetzung von Schloss Bellevue

Der Kabarettist Georg Schramm wird nicht als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten zur Verfügung stehen, das berichten die Medien heute. Schramm war von der Piratenpartei und von Teilen der Linkspartei als Gegenkandidat zu Joachim Gauck ins Gespräch gebracht worden.

“Welt Online” schreibt dazu:

Schramm plädierte nun dafür, “das Amt des Bundespräsidenten dem Zugriff der Parteien zu entziehen: entweder durch Abschaffung oder durch Direktwahl”. In diesem Fall könne neu über seine Kandidatur diskutiert werden.

Das ist nicht alles, was Schramm zu Protokoll gegeben hat. “Telepolis” liefert ein bisschen mehr Kontext:

Vielmehr solle man versuchen, das Amt des Bundespräsidenten dem Zugriff der Parteien zu entziehen: Entweder durch Abschaffung oder durch Direktwahl – letzteres auf die Gefahr hin, dass die Besetzung von Schloss Bellevue dann offen von Kai Diekmann und Friede Springer entschieden werde. In diesem Fall könne dann neu über seine Kandidatur diskutiert werden.

Kai Diekmann ist der Chefredakteur von “Bild”, Friede Springer ist die Witwe von Axel Springer und Mehrheitseignerin der Axel Springer AG, zu der auch “Welt Online” gehört.

Mit Dank an Ole A.

ARD  

Ein Twitzbold namens Wulff

Wenn sich früher etwas Wichtiges ereignete, gingen Journalisten auf die Straße und befragten dort herumstehende kleine Männer, was deren Gedanken dazu waren. Aber draußen ist das Wetter oft schlecht und das Risiko groß, an Verrückte zu geraten. Deswegen gehen Journalisten heute ins Internet, um nachzusehen, wie “das Netz” so über das wichtige Ereignis “denkt”.

So auch die Reporter vom “Mittagsmagazin” der ARD, die sich gestern Mittag “auf der Kommunikationsplattform Twitter” umgesehen haben:

“Ausgewulfft!”, heißt es da zum Beispiel. Oder: “Da wird der Träger des höchsten politischen Amts von Juristen gestürzt. Auch bezeichnend.”

Es habe allerdings “auch zurückhaltende Töne” gegeben. Und:

Christian Wulff selbst hatte sich gestern am späten Abend bei Twitter zuletzt geäußert. Von seinem bevorstehenden Rücktritt war dort noch keine Rede. Im Gegenteil: Er schreibt “Die Stärke eines Rechtsstaates misst sich an der Standfestigkeit seiner Fundamente. Dazu zählt auch die Unschuldsvermutung.”

Es spricht eigentlich nichts dafür, dass es sich bei dem Twitter-Account @Christian_Wulff tatsächlich um den Jetzt-Ex-Bundespräsidenten handelt: In anderthalb Jahren wurden dort nur neun Tweets veröffentlicht, der bei Prominenten sonst übliche Haken für ein “verifiziertes Profil” fehlt und auf bundespraesident.de gibt es keinen Hinweis auf einen Twitter-Account von Wulff.

Und tatsächlich ist @Christian_Wulff eine Fake-Account, wie das Bundespräsidialamt schon Anfang Januar gegenüber der “Rhein Zeitung” klargestellt hatte.

Die ARD-Reporter hätten also gewarnt sein können. Nicht zuletzt, weil sie selbst zeigen, wie viele angebliche Christian Wulffs sich auf Twitter so rumtreiben:

Andererseits hätte das bei einer Straßenumfrage natürlich auch passieren können. Wer weiß, wie viele Jecken an Karneval mit Christian-Wulff-Masken unterwegs sind.

Mit Dank an Lukas.

Nachtrag, 20. Februar: Das Team von br-online.de hat den Beitrag offline genommen und durch einen Hinweis auf die Facebook-Aktivitäten des “Mittagsmagazins” ersetzt.

Flugzeuge im Bauch

Womöglich ist wieder mal Christian Wulff schuld. Sein Rücktritt hat alle Kräfte bei Bild.de gebunden, deswegen werden die Überschriften jetzt von der Redaktionskatze …

Ach, Moment, wir sprechen hier von Bild.de, wo die Überschriften sowieso nur in Ausnahmefällen in einem engeren Zusammenhang mit den unter ihnen liegenden Meldungen stehen.

Dann passt das ja:

Kampfjets fangen Drogenflieger ab. München – Mit zwei Kilogramm Kokain im Magen ist ein Drogenschmuggler bei einer Kontrolle am Münchner Flughafen aufgeflogen. Der 45-Jährige, der auf der Durchreise von Brasilien nach Madrid war, fiel den Behörden zunächst wegen eines gefälschten Reisepasses auf, wie der Zoll mitteilte. Bei einer Röntgenuntersuchung kamen dann insgesamt 68 separate Behältnisse mit Kokain im Bauch zum Vorschein. Die als "liquid kokain" bekannte Substanz ist wegen ihrer flüssigen Form nur schwer auf Röntgenbildern zu erkennen. Der Mann sitzt nun in Untersuchungshaft.

Die Originalüberschrift der dpa-Meldung lautet übrigens “Fluggast mit zwei Kilo Kokain im Magen geschnappt”.

Mit Dank an Sebastian.

“Das hatte etwas von Hetzjagd”

Kurz vor dem Europa-League-Spiel gegen Viktoria Pilsen (ab 19:00 Uhr, bei Kabel1 und im BILD.de-Liveticker) tritt Schalke-Rüpel Jermaine Jones (30) noch mal gegen seinen alten Trainer nach.

Der amerikanische Nationalspieler in einem Interview mit der “Der Westen”: “Magath ist die Gesundheit der Spieler egal!”

Rumms!

Was sich liest wie ein Comic, ist der Versuch von Bild.de, ein Interview zusammenzufassen. Oder genauer: Einen kleinen Teil eines längeren Interviews hervorzuheben.

Laut Jones nimmt Magath keine Rücksicht auf die Gesundheit seiner Spieler, nimmt dadurch längere Ausfälle in Kauf: “Wenn ich auf mein Gefühl gehört hätte, wäre ich nur drei Monate ausgefallen – so aber wurde es ein Jahr. Irgendwann machte es keinen Sinn mehr, mit ihm zusammenzuarbeiten, weil ihm meine Gesundheit oder die anderer Spieler egal war. Wenn du da bist, bist du da. Wenn nicht, wirst du ausgetauscht.”

Bild.de kann das nicht unkommentiert stehen lassen — und kommentiert deshalb:

Ausgerechnet Jones, der für seinen fiesen Pokal-Tritt gegen Gladbach-Star Marco Reus (22) wegen “krass sportwidrigen Verhaltens” für acht Wochen gesperrt wurde, macht sich Sorgen um das Wohlbefinden anderer Spieler. Hoffentlich erinnert sich der Schalker mit dem “Bad-Boy-Image” an seine eigenen Worte, bevor er sich das nächste Mal zu einer Unsportlichkeit hinreißen lässt.

Leider unerwähnt lässt Bild.de hingegen, dass sich Jones in dem Interview auch recht ausführlich zu seinem Tritt geäußert hat:

[Marco Reus] hat mich gefragt, ob ich so was nötig habe, und ich habe ihm gesagt: “Ich weiß, das war doof von mir.” Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich auf dem Platz hart spiele – aber normalerweise auch fair. Ich wusste sofort, dass ich eine Strafe kriege – und auch eine verdient habe. (…)

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es ungeschehen machen. Und ich muss auch sagen: Wenn mir das mit 20 passiert wäre – okay, Jugendsünde. Aber ich bin jetzt 30, da darf das nicht sein.

Und dann ereignete sich dort auch noch dieser Dialog:

Es gehört dazu, dass man nach so einem Foul öffentlich und auch hart kritisiert wird.

Jones: Klar, gar keine Frage. Aber es kann nicht sein, dass sich eine große Boulevard-Zeitung hinstellt und sagt: “Wir fordern die Höchststrafe”. Das hatte etwas von Hetzjagd. Meine Kinder gehen in die Schule und werden dort gefragt: “Warum ist dein Vater ein Bad Boy?”

Sie ahnen nie, welche große Boulevard-Zeitung … Ach, na gut:

Wut auf Schalke-Profi Jones nach dem hinterhältigsten Foul des Jahres. Jetzt ermittelt der DFB. BILD fordert die Höchststrafe!
Mit Dank an Schalke04-Fan.

Kalkofe, Acta, EVAG

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Das wahre Wulff-Interview”
(sat1.de, Video)
“Kalkofes Mattscheibe” ist nach fast vier Jahren mit einem “Web-Special” wieder auf Sendung. Darin zeigt Oliver Kalkofe das “wahre” Interview, in dem Ulrich Deppendorf (Oliver Kalkofe) und Bettina Schausten (Oliver Kalkofe) Bundespräsident Christian Wulff (Oliver Kalkofe) auf den Zahn fühlen. (Siehe dazu auch “Kalkofe hofft auf ‘Mattscheibe’-Neustart im Netz” bei dwdl.de.)

2. “Lobhudelei in traurig-krächzender Show”
(fr-online.de, Sarah Mühlberger)
“‘Wir haben eine große Künstlerin verloren’, sagte Thomas D, und richtig, damit meinte er Shelly, die gerade im ‘Unser Star für Baku’-Halbfinale ausgeschieden war. Es war eine traurige Sendung, in vielerlei Hinsicht, aber dass statt Yana nun doch Ornella im Finale gegen Roman verlieren wird, hatte damit wenig zu tun.” “Traurig” sind laut meedia.de auch die Zuschauerzahlen der Sendung.

3. “Acta und die Politik des Abgrunds”
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo sieht in den Protesten gegen das umstrittene Handelsabkommen Acta auch einen Protest dagegen, “wie eine unzureichend informierte, wenig diskussionsfreudige Politik sich intransparent von Lobby-Gruppen eine Vorgehensweise diktieren lässt, die mit der eigenen digitalen Lebenswelt überkreuz liegt.” Darin tue sich eine Reihe gefährlicher Abgründe auf: “Es beginnt damit, dass die Art, wie Acta und seine Brüder geboren werden, das ohnehin schon geringe Vertrauen in die Apparate der EU erschüttert. Was angesichts der derzeitigen Probleme des Kontinents gleich nach Überdachung des Mittelmeers das zweitdümmste ist, was passieren kann.”

4. “Im Elend für den Angeklagten”
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
Jörg Kachelmann hatte vor dem Oberlandesgericht Köln geklagt, weil unter anderem “Bild” im Detail über einvernehmliche Sexualpraktiken zwischen ihm und seiner Ex-Freundin berichtet hatte, die ihn wegen angeblicher Vergewaltigung angezeigt hatte. Das Gericht entschied, die veröffentlichten Details hätten in keinem Zusammenhang mit dem konkreten Tatvorwurf gestanden, außerdem hätten die Medien wegen der Unschuldsvermutung “zurückhaltend und ausgewogen” berichten müssen. “Übersetzt heißt das: Künftig könnte es für Journalisten riskant sein, aus einer öffentlichen Hauptverhandlung genau zu berichten.”

5. “Hit record”
(salon.com, Kerry Lauerman, englisch)
Salon.com, einer der Pioniere in Sachen Online-Magazine, hat eine erstaunliche Strategie gefunden, seine Ausgaben zu reduzieren: Die Seite produziert ein Drittel weniger Texte als vor einem Jahr — und hat um 40 Prozent höhere Leserzahlen. “It sounds simple, maybe obvious, but: We’ve gone back to our primary mission and have been focusing on originality. And it’s working.”

6. EVAG meets Streisand
(blog.atari-frosch.de)
Wunderwelt Twitter: Die Essener Verkehrs-AG (aktuell 1.193 Follower) “verbietet” dem Satire-Account VRR Fanpage (VRR = Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, aktuell 229 Follower) die Nutzung des Hashtags #evag. Seitdem ist #evag – natürlich – ein Trending Topic.

Bild  

Eine neue Lüge ist wie ein neues Leben

Seit Montag war “Bild” da einer ganz großen Sache auf der Spur:

Die CO2-Lüge

Gut, das “renommierte Forscher-Team” ist kein “renommiertes Forscher-Team”, wie “Spiegel Online” kurz zusammenfasst:

Wissenschaft kann so einfach sein. Der RWE-Manager Fritz Vahrenholt und der ebenfalls bei dem Energiekonzern arbeitenden Geologe Sebastian Lüning haben ein Buch geschrieben, in dem sie die Klimakatastrophe absagen.

Und zur Person und Rolle Vahrenholts hatte die “Zeit” schon vor zwei Wochen geschrieben:

So meint Hermann Albers, der Präsident des Bundesverbands Windenergie, dass der RWE-Manager “versucht, den Prozess der Energiewende deutlich abzubremsen, um so Marktanteile für den Monopolisten RWE zu erhalten” – produziert der doch rund 56 Prozent seines Stroms mit dreckiger Kohle.

Aber als Debattenbeitrag könnte man das von “Bild” beworbene Buch von Vahrenholt und Lüning ja trotzdem sehen, wenn sie halbwegs wissenschaftlich argumentieren und sich an die Fakten halten würden. Das tun sie aber nicht, schreibt das Team vom Klima-Lügendetektor:

Bild  

Das Weltall ist zu weit

“Bild”-Überschriften sind traditionell kreischig, laut und unsubtil und geben nur in Ausnahmefällen den Inhalt des Textes wieder, über dem sie thronen.

Insofern ist das heute eine sehr klassische “Bild”-Schlagzeile:

Mit Überschall-Geschwindigkeit: Irrer Ösi springt aus dem All auf die Erde

Da will also ein Mann “aus dem All auf die Erde” springen. Oder genauer:

An einem riesigen Heliumballon (Durchmesser 80 Meter) steigt Baumgartner auf 37 Kilometer – das ist fast schon im All!

… womit die eigene Überschrift Lügen gestraft wäre. Der Weltraum fängt tatsächlich – je nach Definition – zwischen 80 und 100 Kilometer Höhe an.

Mit “Bild”-Reporter Herbert Bauernebel möchte man also auch nicht in Urlaub fahren, wenn er schon vor der Hälfte der Strecke verkündet, “fast schon” da zu sein.

Mit Dank an Rainer S., Matthew L., Daniele und Maxl.

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