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Eisen und Blech

Im August wurde bekannt, dass Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer plant, den Kommunen freie Hand bei der Wahl ihrer Autokennzeichen zu lassen. Durch Gebietsreformen ausrangierte Ortskürzel sollen wieder vergeben werden können, völlig neue Kennzeichen sollen möglich werden.

Ein willkommener Anlass für “Welt Online”, heute eine zehnteilige Bildergalerie mit den “seltensten Städtekürzeln” zu veröffentlichen.

Gut, grafisch ist das ein bisschen mau:

Aber es gibt ja auch noch einen Begleittext, in dem unter anderem das hier steht:

In mehreren Bun­des­län­dern wünschen sich Kommunen, alte Kenn­zei­chen wieder ausgeben zu können – etwa “PL” für das säch­si­sche Plauen statt “V” für Vogtland. Die Fe­rien­in­sel Usedom möchte ihren Bürgern “USE” anbieten. In Bran­den­burg macht sich Ei­sen­hüt­ten­stadt für die Wie­der­ein­füh­rung des Kfz-Kenn­zei­chen EA stark.

Wenn Eisenhüttenstadt wirklich das Kennzeichen “EA” bekäme, wären wohl die Bewohner zweier Städte sauer: Zum einen die Menschen aus Eisenhüttenstadt, die gerne ihr altes “EH” wiederhätten, zum anderen die Menschen aus Eisenach, die im Moment noch “EA” haben.

Nachzulesen unter anderem in der Bildergalerie von “Welt Online”:

Mit Dank an Markus E.

Nachtrag, 9. September: “Welt Online” hat den “EA”/”EH”-Fehler bereits gestern transparent korrigiert.

Allerdings haben uns mehrere Leser auf verschiedene Ungereimtheiten der Top 10 hingewiesen: So wird “PS” (“Welt Online” schreibt “Platz 7”, gemeint ist aber: Platz 6) nicht nur an die Einwohner der Stadt Pirmasens (25.422 Zulassungen) vergeben, sondern auch für den Landkreis Südwestpfalz verwendet, wo es laut Kraftfahrtbundesamt (PDF) weitere 76.134 Zulassungen gibt. Selbiges gilt für “AN” (Platz 7, Stadt Ansbach: 26.592, Landkreis Ansbach: 149.845 Zulassungen) und “CO” (Platz 8, Stadt Coburg: 26.669, Landkreis Coburg: 66.369).

Dafür fehlen in der Liste St. Ingbert, das – obwohl zum Saarpfalz-Kreis (“HOM”) gehörig – ein eigenes Nummernschild (“IGB”) hat und mit 26.380 Zulassungen eigentlich auf Platz 4 liegen müsste, und Büsingen am Hochrhein, eine deutsche Exklave inmitten von Schweizer Territorium, wo es nur etwa 700 Mal das eigene Nummernschild “BÜS” gibt, obwohl die Stadt zum Landkreis Konstanz (“KN”) gehört.

Mit Dank an David W., Thomas W. und Klaus W.

Bild.de sucht sich einen Golf

Heute Abend präsentiert Volkswagen in Berlin erstmals seinen neuen Golf. Ein Glück! Zumindest für denjenigen aus der Bild.de-Redaktion, der die Aufgabe hatte, die heutige “10 um 10”-Klickstrecke zu füllen.

Wo sich die Mitarbeiter nämlich sonst regelmäßig irgendwelche bizarren Fakten zu irgendwelchen bizarren Themen aus den Fingern saugen müssen (wie etwa in den letzten Tagen “Die zehn wichtigsten Sadomaso-Begriffe”, “10 Exoten unter den Verkehrszeichen”  oder “10 Tiere, die wahre Sexmonster sind”), war das Thema heute also vergleichsweise harmlos:

Die 10 Golf-Fakten zum Staunen
Vielleicht ein wenig zu harmlos für den verantwortlichen Bild.de-Mitarbeiter, denn offenbar hat er sich bei der Zusammenstellung der Fakten nicht allzu große Mühe gegeben.

Bild.de bewirbt die Klickstrecke im Teaser jedenfalls so:

Zehn originelle Fakten, Tipps oder Ideen rund um ein Thema – lassen Sie sich jeden Morgen zehnfach überraschen.

HEUTE: Unbekannte Fakten zum VW Golf

Am heutigen Abend enthüllt VW in Berlin die siebte Generation des VW Golf. Das Kompaktmodell ist das mit Abstand wichtigste (und meistverkaufte) Auto der Wolfsburger.

BILD.de hat zehn unbekannte Fakten zum Golf zusammengetragen: oben in der Galerie!

So weiß Bild.de etwa, dass bis heute “weltweit rund 29 Millionen Fahrzeuge dieser Baureihe verkauft” wurden, dass der Golf I die “mit Abstand meistverkaufte Generation ist”, dass die Cabrioversion des Golf I als “Erdbeerkörbchen” verspottet wurde, dass der Golf “den Käfer als meistgebautes VW-Modell” ablöste, dass das Modell ursprünglich “Blizzard” heißen sollte, dann aber doch nach dem Golfstrom benannt wurde, und so weiter.

Oder anders gesagt: Die “originellen” und “unbekannten” Fakten sind weder originell noch unbekannt, sondern alles Dinge, die man genauso gut in der Wikipedia nachlesen kann.

Mit Dank an Johannes K.

Alpen Mogli, @FootballAgent49, Offlinesucht

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Ein Murmeltier als Ente”
(skensegeng.wordpress.com)
Ein achtjähriger Junge aus Tirol wird von “Heute” “Alpen Mogli” genannt, weil sich Murmeltiere von ihm füttern lassen: “Speziell im Bereich der Kaiser Franz Josefs-Höhe (wo die Fotos von Matteo gemacht wurden – so wie auch meine Fotos unten) sind die Murmeltiere seit Jahrzehnten handzahm.”

2. “Meine Generation geniesst nicht. Sie kämpft!”
(jungejournalisten.ch, Luzia Tschirky)
Luzia Tschirky antwortet auf den Beitrag von Pauline Tillmann: “Noch nie habe ich von einem jungen Journalisten oder einer jungen Journalistin gehört, er oder sie habe diesen Beruf wegen des Geldes gewählt.” Siehe dazu auch “Und es reicht doch, Journalist werden zu wollen” (carolin-neumann.de).

3. “Wie Interviews geführt und dann bearbeitet werden”
(buttkickingbabes.de)
Was im Filmjournalismus aus Round-Table-Gesprächen entsteht, eine Reaktion auf die gestern verlinkten Interviews mit Usain Bolt: “Es ist ja völlig absurd, ein Interview immer präzise so im Text abbilden zu wollen, wie es stattgefunden hat, eine Bearbeitung findet immer statt.”

4. “Hey Guys”
(twitlonger.com, englisch)
Bis vor Kurzem twitterte @FootballAgent49 noch über Transfers im Fußballgeschäft und erreichte damit große Aufmerksamkeit. Nun schließt er sein Konto: ” I am writing to tell you that, no, I am not a ‘Football Agent’ or ‘ITK.’ I am infact an 18 year old and I have been fooling all of you gullible idiots with my fake stories for the past 2 months.”

5. “In 80 Städten um Deutschland”
(fabian-kuntz.de)
Fabian Kuntz besucht in 30 Tagen 80 deutsche Großstädte: “Eines haben alle Großstädte gemeinsam: Eine Einkaufsstraße voller Karstadts, C&As, Subways und Bubble Tea Bars.”

6. “Drogenbeauftragte warnt: Rund 20 Millionen Deutsche leiden unter ‘Offlinesucht'”
(der-postillon.com)
Siehe dazu auch “Klicken wir uns das Gehirn weg?” (zdf.de, Video, 61:30 Minuten), eine Diskussion zwischen Hirnforscher Manfred Spitzer, Blogger Johnny Haeusler und Politiker Jimmy Schulz.

Lost in Space

Nein, wir sind nicht heimlich zum Fachmagazin für Weltraumthemen geworden, aber offenbar sind Geschichten im Weltall für Journalisten noch komplizierter als auf der Erde.

Die neueste Geschichte hat mit dem Mars zu tun, mit Popmusik und begann bei “Spiegel Online” so:

Der US-Rapper Willl.i.am hat seine neue Single vorgestellt – vom Mars aus. Der Nasa-Roboter “Curiosity” sendete den Song “Reach for the Stars” am Dienstag vom Roten Planeten auf die Erde. Es war die erste Musikübertragung von einem anderen Planeten. Das Lied war zu dem Mars-Roboter hochgeladen und von dort zurückgespielt worden – eine Reise von mehr als 1000 Milliarden Kilometern.

“1000 Milliarden Kilometer” oder, wie man eher sagen würde “eine Billion Kilometer”, sind verdammt viel. Der Zwergplanet Pluto, vor seiner Herabstufung mal der abgelegenste Planet unseres Sonnensystems, ist auf dem sonnenfernsten Punkt seiner Umlaufbahn ca. 7,4 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt.

“1000 Milliarden Kilometer” sind auch falsch. Die NASA spricht von “mehr als 700 Millionen Meilen (1,127 Milliarden Meilen Kilometern*) von der Erde bis zum Mars zurück”, die das Lied zurückgelegt habe. Die Nachrichtenagentur dapd, an der sich der “Spiegel Online”-Artikel orientiert, schreibt:

Das Lied war zu dem Mars-Roboter hochgeladen und von dort zurückgespielt worden – eine Reise von 1,126 Milliarden Kilometern.

Fragmente, die zwischenzeitlich bei Google zu finden waren, legen nahe, dass ein Kommentator “Spiegel Online” auf diesen Fehler hingewiesen hat. Dieser Kommentar ist nirgendwo mehr zu finden, aber der Fehler wurde inzwischen korrigiert.

Im Artikel heißt es jetzt ganz unverfänglich:

Das Lied war zu dem Mars-Roboter hochgeladen und von dort zurückgespielt worden.

Hinweise auf die Korrektur oder zum Verbleib des Phantomkommentars gibt “Spiegel Online” keine.

Mit Dank an Bene.

*) Hinweis/Korrektur, 18.20 Uhr: Uargh, da hat’s uns selbst erwischt: 700 Millionen Meilen entsprechen natürlich 1,127 Milliarden Kilometern.

Scott ist tot

Am Wochenende starb der amerikanische Sänger Scott McKenzie (“San Francisco [Be Sure to Wear Flowers in Your Hair]”) im Alter von 73 Jahren an einem Nervenleiden.

Ebenfalls am Wochenende starb der britische Regisseur Tony Scott (“Top Gun”), als er im Alter von 68 Jahren in Los Angeles von einer Brücke sprang.

Zu viele tote Scotts auf einmal für die Website des “Hamburger Abendblatts”:

Scott McKenzie begeht Selbstmord: Die Stimme der Flower-Power-Generation. Scott McKenzie landete mit "San Francisco" einen Welthit. Am Sonnabend starb er im Alter von 73 Jahren. Scott hinterließ einen Abschiedsbrief, bevor er von einer Brücke in Los Angeles sprang.

Der Artikel ist dann übrigens eine dapd-Meldung über den (natürlichen) Tod von Scott McKenzie, darunter folgt ein Video zum Suizid von Tony Scott.

Mit Dank an Oliver Sch. und Thom.

Nachtrag, 22.30 Uhr: abendblatt.de hat den falschen Vorspann und das Video rausgeschmissen.

Buten un binnen

Das von Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden finanzierte “Institut der deutschen Wirtschaft Köln” hat im Auftrag der Arbeitgeber-Lobbyorganisation “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” den sogenannten “Bildungsmonitor” erstellt. Das Ergebnis: Sachsen hat das “leistungsfähigste Bildungssystem aller Bundesländer”.

Wir wissen nicht, wo die Grafiker und Redakteure des “Handelsblatts” zur Schule gegangen sind, aber der Erdkundeunterricht muss dort eher mäßig gewesen sein:

Mit Dank an Jan Z.

Lena — Liebe meines Lebens

Seit Lena Meyer-Landrut bei “Unser Star für Oslo” angetreten ist, interessieren sich die deutschen Boulevardmedien für das Privatleben der jungen Frau. Mit dem Gewinn der Castingshow und der (schließlich erfolgreichen) Teilnahme beim Eurovision Song Contest stieg das Interesse immer mehr: Reporter durchstreiften ihre Heimatstadt Hannover und fanden: nichts. RTL entdeckte im eigenen Archiv einen Ausschnitt der kurzlebigen Scripted-Reality-Soap “Helfen Sie mir”, in der Lena als Laiendarstellerin mitgespielt hatte. Private Fragen in Interviews und auf Pressekonferenzen wollte Frau Meyer-Landrut zunächst gar nicht beantworten.

Einen Grand-Prix-Sieg, eine weitere ESC-Teilnahme und zwei Alben später ist Lena Meyer-Landrut “wieder da” — als sei sie in den letzten zweieinhalb Jahren je wirklich weg gewesen. Am 12. Oktober erscheint ihr drittes Album “Stardust”, für das sie zur Zeit die Werbetrommel rührt.

Bei der Albumpräsentation in Berlin (ähnliche Veranstaltungen hatte es zuvor schon in Köln und Hamburg gegeben) erfuhr die “B.Z.” Erstaunliches:

Ihr Herz hat auch eine Heimat gefunden: “Ich habe mich in Köln verliebt”, so Lena zur B.Z. Nicht nur in die Stadt: “Weil da der Mensch ist, den ich liebe. Wo ich das Glück habe, dass ich ihn lieben darf.”

Da ist sie wieder, die einmalig Süße! Lena in love. Doch Details dazu kommen ihr nicht über die Schmoll-Lippen. Dafür findet sich auf Lenas linkem Oberarm eine Art Beziehungs-Botschaft. Neben der Ritterlilie prangt nun ein zweites Tattoo mit dem Schriftzug: “to love and to be loved” (lieben und geliebt werden). Ach wie schön, ein kleiner Satellit schwebt im siebten Himmel.

Fangen wir hinten an: Das Tattoo, das “nun” auf ihrem Oberarm prangt, war da schon vor acht Monaten, wie etwa Bild.de damals ganz aufgeregt notierte.

Und das mit der Liebe ist auch keine ganz so spektakuläre Neuerung, wie Boulevardjournalisten wüssten, wenn sie im vergangenen Oktober die ARD-Sendung “Inas Nacht” gesehen hätten, die im August 2011 aufgezeichnet worden war:

Ina Müller: Was magst Du denn generell an Männern? Hast Du ‘nen Typen Mann, wo Du sagst: “Oh, den find ich ganz toll”?
Lena Meyer-Landrut: Also, meinen Freund find ich ganz toll …
Müller: Du hast ‘nen Freund?!
Meyer-Landrut: Mmmm-hhhh.
Müller: Das find ich ja toll! Da hätte ich jetzt gar nicht gefragt, weil ich dachte, das würdest Du nie erzählen.
Meyer-Landrut: Tja …
Müller: Und mit dem bist Du schon lange zusammen …
Meyer-Landrut: Joa …

Dass Frau Meyer-Landrut einen Freund hat, war damals – neben den weit verbreiteten Informationen, dass sie ihr Klo selber putze und keinen Schnaps vertrage – sogar bei einschlägigen Medien wie bunte.de, “Bild” Hannover und stern.de nachzulesen gewesen. Aber man kann es natürlich noch mal aufschreiben und als “neue Liebe” verkaufen, wie es beispielsweise “Express”, “RP Online” und “Focus Online” getan haben.

Und damit kommen wir zu dapd, nach eigener Auswertung der Realität bekanntlich Deutschland fehlerfreiste Nachrichtenagentur. Die interpretierte das Geraune der “B.Z.” so:

Grand-Prix-Sternchen Lena Meyer-Landrut ist glücklich und verliebt. “Ich habe mich in Köln verliebt”, sagte die Sängerin der “BZ am Sonntag”. Aber nicht nur die Rheinmetropole habe das Herz der 21-Jährigen erobert, sondern auch ein Mann. “Weil da ein Mensch ist, den ich liebe. Wo ich das Glück habe, dass ich ihn lieben darf”, sagte die Sängerin.

Wer der neue Mann in ihrem Leben ist, bleibt allerdings ihr Geheimnis. Erst vor wenigen Wochen war Lena von ihrer Heimatstadt Hannover nach Köln gezogen, wo sie nun mit ihrem Freund lebt.

(Nachzulesen etwa im “Westen”.)

Dass Frau Meyer-Landrut “erst vor wenigen Wochen” nach Köln gezogen sein soll, kommt etwa für die Menschen überraschend, die im August 2010 diese Meldung gelesen haben:

Lena Meyer-Landrut, Gewinnerin des Eurovision Song-Contest 2010 in Oslo, hat jetzt ein Appartement in Köln, damit sie nicht immer von ihrer Heimatstadt Hannover aus pendeln muss. Das sagte sie der Online-Ausgabe der “Frankfurter Neuen Presse”. In Köln ist Stefan Raabs Produktionsfirma Brainpool, die Lena managt.

Wobei diese Nachricht auch mit Vorsicht zu genießen ist. Der Urheber damals nämlich: dapd.

Spätestens vor einem Jahr war Lena dann aber doch in Köln angekommen, weil sie sich für ein Studium (“‘Sprachen und Kulturen Afrikas’ und Philosophie”) an der dortigen Universität eingeschrieben hatte, was damals ebenso medial ventiliert wurde wie vor einem Monat der Umstand, dass sie besagtes Studium wieder geschmissen hatte. Aber natürlich konnte sie auch im Juni 2012 noch mal nach Köln ziehen (“zu ihrem Freund”!), wenn man es denn noch mal aufschreiben konnte.

Jedenfalls hat dapd aus den Nicht-Neuigkeiten “neue Liebe, neues Tattoo” auch noch ein Video gebaut, das irgendwelche armen Cutter aus Archivmaterial zusammenschnibbeln mussten. Mit dabei ist ein Foto mit Tattoo beim Deutschen Filmpreis (April 2012, “neues Tattoo”) und diese Aussage:

Im Oktober soll Lenas drittes Album erscheinen und eine große Tournee ist auch geplant. Der Kartenverkauf läuft Medienberichten zufolge aber eher schleppend an.

Dass sich die Karten für Lenas Tournee so schlecht verkaufen, dürfte allerdings auch daran liegen, dass man sie noch gar nicht kaufen kann: Die Tourdaten sind noch nicht bekannt gegeben, der Vorverkauf noch nicht mal angelaufen.

Insofern ist der nachfolgende Satz noch dümmer, als er es sowieso schon wäre:

Ob die Nachricht von einer neuen Liebe also nur eine PR-Masche ist, bleibt offen.

Ja, die “neue Liebe” ist eine Masche. Aber eine von desinteressierten Möchtegernjournalisten, die versuchen, sich aus bereits wieder vergessenen und deshalb für neu gehaltenen alten Tatsachen und falschen Annahmen eine Geschichte zusammenbasteln.

Bei stern.de ist das dapd-Video inzwischen wieder weg, bei “Welt Online” aber zum Beispiel noch verfügbar — und das, obwohl es seit heute Mittag sogar eine korrigierte Fassung gibt, aus der der “schleppende” Vorverkauf verschwunden ist.

Mit Dank auch an Lars, Peter G. und Andreas K.

Nachtrag, 16. August: sueddeutsche.de hat die zweite Fassung des dapd-Videos aus dem Netz genommen, bei “Welt Online” läuft immer noch die erste.

Schön blöd

Rund 4.600 Frauen nehmen an den Olympischen Sommerspielen in London teil. Für viele von ihnen gilt wohl das Olympische Motto “Dabeisein ist alles”, einige werden mit Medaillen behängt nach hause fahren und an ein paar wird man sich vielleicht auch noch in einigen Jahrzehnten erinnern.

Und einige von ihnen fallen nicht (nur) durch beeindruckende sportliche Leistungen auf oder durch enttäuschende Missgeschicke, sondern …

Nun ja:

Laufsteg London – in fast allen Disziplinen verzaubern uns Schönheiten aus allen Kontinenten. Sie legen es offenbar drauf an, uns die Köpfe zu verdrehen: Viele Athletinnen “brezeln” sich für die Wettkämpfe richtig auf, fast so, als stände eine Miss-Wahl an.

Noch nie sind bei Olympischen Spielen so viele Schönheiten aufgefallen, ob beim Tennis, Turnen, Hürdenlauf oder sogar beim Hammerwerfen.

Mit anderen Worten: Bei Bild.de sind die kalten Duschen ausgefallen, die Latten sind knapp unter Hüfthöhe aufgelegt und für geübte Sportler aus dem Stand zu überspringen.

In 27 Bildern werden 23 Sportlerinnen vorgestellt, die wahlweise “toll geschminkt”, “einfach nur bezaubernd”, “hübsch”, “goldig”, “süß”, “atemberaubend schön”, “sympathisch und schön”, “schnell und schön”, “strahlend schön”, “genau gleich schön” oder “schön anzuschauen” sind.

Auch vor angestaubten Chauvinisten-Phrasen schrecken die Autoren bei Bild.de nicht zurück: So ist die schwarze Turnerin Gabrielle Douglas eine “exotische Schönheit”, die Schweizer Turnerin Giulia Steingruber eine “absolute Naturschönheit”.

Dabei ist es offenbar gar nicht so wichtig, wer jetzt eigentlich wirklich auf diesen ganzen Bildern zu sehen ist:

Chai von der Laage beim Hürdenlauf

Die abgebildete Frau heißt – man kann es ein bisschen am Namensschild erahnen – nicht Chai von der Laage, sondern Carolin Nytra. “Chai von der Laage” ist der Nachname der Fotografin, die dieses Bild gemacht hat.

Mit Dank an Armin J.

Nachtrag, 10. August: Bild.de hat einige Bilder aus der Galerie entfernt und ein paar neue hinzugefügt. Das Foto von Carolin Nytra ist dabei sicherheitshalber rausgeflogen.

In einem Studio am Maschsee…

Schauen Sie mal, wo diese Szene aus der fantastischen amerikanischen Serie “Breaking Bad” spielt:

Na? Haben Sie’s erkannt?

Richtig: Das ist Hannover.

Oder jedenfalls ist es der Blick aus der Firmenzentrale des fiktiven Hannoveraner Weltkonzerns “Madrigal Elektromotoren” in der Serie.

Und wenn es da nicht so wahnsinnig nach Hannover aussieht, könnte das daran liegen, dass es womöglich gar nicht Hannover ist. Diese Leute vom Fernsehen kennen da nichts und drehen Sachen gerne einfach irgendwo. Die Münchner “Lindenstraße” zum Beispiel steht bekanntlich in Köln (und ist auch gar keine richtige Straße).

Jemand müsste das mal schonend den Mitarbeitern von Bild.de beibringen. Die brachten heute Abend nämlich aufgeregt folgende Nachricht auf der Startseite:

Ab Staffel fünf: Kultserie "Breaking Bad" wird in Hannover gedreht

Im Artikel heißt es:

Eigentlich spielt die US-Kultserie “Breaking Bad” in Albuquerque, New Mexico. Doch Serien-Erfinder Vince Gilligan (45) hat jetzt verraten, dass Szenen der fünften Staffel erstmals auch in Deutschland gedreht werden.

Es ist eine Sensation für alle deutschen Fans der Serie. Auf der diesjährigen Messe Comic-Con in San Diego verriet Produzent und Ideengeber Gilligan, dass Hannover als neuer Drehort für die letzten Episoden der fünften Staffel auserkoren wurde.

Nun ist die Comic-Con für dieses Jahr allerdings schon seit über zwei Wochen Geschichte. Und die Ausstrahlung der fünften Staffel, von der Bild.de hier in der Zukunft spricht, hat bereits vor drei Wochen begonnen. Die oben gezeigte Szene, die in Hannover spielt, stammt aus der in den USA am 22. Juli erstausgestrahlten zweiten Folge. Und Gilligan hat auf dem “Breaking Bad”-Panel auf der “Comic-Con” vor drei Wochen von Hannover nicht als Dreh-, sondern als Handlungsort (eben dieser zweiten Folge) gesprochen.

(Anders als Bild.de weiter schreibt, handelt es sich bei “Los Pollos Hermanos” in “Breaking Bad” auch nicht um eine Wäscherei, sondern eine Fast-Food-Kette.)

Richtig ist immerhin, dass die letzten Folgen dieser fünften Staffel erst von November an gedreht und im kommenden Jahr ausgestrahlt werden. Trotzdem spricht nichts dafür, dass wahr wird, was Bild.de den Hannoveraner Lesern verspricht:

Von November an könnten einem die Serienstars in Hannover also vor die Füße laufen, denn dann starten die Dreharbeiten zu den finalen Folgen.

Die Macher hatten nach Gilligans Worten “weder das Geld noch die Zeit, um tatsächlich in Deutschland zu drehen”.

Mit Dank an Thomas G. und Dominic I.

Nachtrag, 14:15 Uhr. Bild.de hat dem Artikel eine Viertel- bis Halbkorrektur hinzugefügt. Die Falschmeldung hat es aber auch in die gedruckte “Bild” Hannover geschafft:

US-Serie wird in Hannover gedreht

Bild  

Endstation Kohl

Winfried Kretschmann hat “Bild” ein Interview gegeben, bei dem er auch diese Frage beantwortete:

BILD: Hat die Kanzlerin den richtigen Krisen-Kurs? Kretschmann: Sie hat eine schwere Aufgabe, ich will da nicht den Besserwisser geben. Aber Frau Merkel müsste den globalen Zusammenhang einzelner –Entscheidungen klarer hervorheben. Ich war nie ein großer Fan von Altkanzler Helmut Kohl, aber er hatte eine klare europapolitische Vision, für die er wie eine Eins gestanden hat – einer seiner großen Verdienste. Diese Klarheit vermisse ich heute.

Kretschmann ist also “kein Fan” des Altkanzlers, vermisst aber Kohls Klarheit in europapolitischen Fragen. Welche Überschrift könnte “Bild”, die Zeitung, die schon seit Jahren neben einer Gedenkmarke auch den Friedensnobelpreis für Helmut Kohl fordert, aus dieser dezenten Respektbekundung wohl klöppeln?

 1. Grüner Ministerpräsident Sehnsucht nach Helmut Kohl

PS: Helmut Kohl war Trauzeuge von “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann – und andersherum.

Mit Dank an Daniel H.

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