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Angriff auf Reporter, Zensur oder verpasste Chance?, Förderung

1. Erneut Angriff auf Reporter
(taz.de)
Wie die “taz” berichtet, wurde ein Journalist der “Ostthüringer Zeitung” bei einer AfD-Veranstaltung in Thüringen bedroht und angegriffen. Außerdem habe er in allen vier Reifen seines Autos Schrauben bemerkt, die bis zum Kopf eingedreht gewesen seien. Bereits im August 2022 war derselbe Journalist vom damaligen Bürgermeister der thüringischen Kleinstadt Bad Lobenstein angegriffen worden. Der Deutsche Journalisten-Verband Thüringen, die Landespressekonferenz und die Thüringer Landesregierung verurteilen den aktuellen Vorfall scharf.

2. Die ARD setzt israelkritischen Film ab: Vorsicht? Angst? Oder doch Zensur?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
In einem Text für den “Spiegel” hat Arno Frank die Absetzung des preisgekrönten palästinensischen Films “Wajib” durch die ARD mit deutlichen Worten kritisiert: “Eine Zensur findet statt” (nur mit Abo lesbar). Beim “Tagesspiegel” hat sich nun Joachim Huber mit der Absetzung des Films sowie mit Franks Kritik auseinandergesetzt. Eine Zensur könne Huber darin nicht erkennen, wohl aber eine verpasste Chance: “Die ARD, eine öffentlich-rechtliche Institution, hätte die Gelegenheit nutzen sollen, den Film zu zeigen und gleichzeitig in eine Diskussion einzubetten. Erst ‘Wajib’, dann ‘hart aber fair’.”

3. Journalismus-Förderung: Die Ausgangsthesen sind falsch
(flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy)
Bezugnehmend auf einen “Spiegel”-Gastbeitrag von Sebastian Turner (nur mit Abo lesbar), kritisiert Peter Stawowy die bisherigen Ansätze der Journalismusförderung in Deutschland. Er argumentiert, dass diese auf falschen Annahmen beruhten, insbesondere auf der Vorstellung, es fehle an lokalen Informationsangeboten. Stawowy hält sowohl die staatliche Presseförderung als auch konkrete Vorschläge für unzureichend: “Die Ausgangsthese ist falsch. Wir haben nicht zu wenige Informations-Angebote im lokalen Bereich. Wir haben zu wenig Journalismus, der sich kritisch und distanziert mit staatlichem und institutionellem Handeln auseinandersetzt.” Er prognostiziert, dass es keinen wirtschaftlich erfolgreichen Lokaljournalismus mehr geben wird, sondern dass sich die Menschen ihre lokalen Informationen selbst suchen und verbreiten werden.
Weiterer Lesehinweis: Macht endlich gemeinnützigen Journalismus möglich: “Die Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag versprochen, gemeinnützigen Journalismus zu ermöglichen. Doch bei der aktuellen Reform der Gemeinnützigkeit stockt es – ein fataler Fehler für unsere Demokratie.” (correctiv.org, David Schraven)

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4. Dein Bild als Beute
(netzpolitik.org, Vincent Först)
Vincent Först hat für netzpolitik.org aufgeschrieben, wie Menschen auf der Jagd nach authentischen Inhalten für ihre Social-Media-Kanäle die Privatsphäre und die Rechte ihrer Mitmenschen missachten. Das könne im Prinzip jeden treffen, so Först: “Selbst diejenigen, die sich den sozialen Medien entziehen, laufen Gefahr, von Creator:innen zu Subjekten ebendieser gemacht zu werden. So entsteht eine neue Form der privaten Überwachung. Dahinter stehen nicht wie üblich datenhungrige Konzerne oder Sicherheitsbehörden, sondern Menschen mit gezückten Smartphones, die jederzeit auf ‘Record’ drücken können, um uns ihrem ‘Content Gaze’ zu unterwerfen.”

5. Corona-Untersuchungsausschuss – Landtag empört über Nordkurier-Berichte
(nordkurier.de)
Die Berichterstattung des “Nordkuriers” über den Corona-Untersuchungsausschuss des Brandenburger Landtags führte zu einer ungewöhnlichen Beanstandung durch die Landtagsverwaltung. Hauptkritikpunkte seien Zitate aus vertraulichen Ausschussdokumenten und die namentliche Nennung einer Virologin, die mit Christian Drosten in Verbindung gebracht wurde. Der “Nordkurier” verteidigt seine Berichterstattung und veröffentlicht sowohl das Beschwerdeschreiben der Landtagsverwaltung als auch die eigene Antwort darauf.

6. Musk verschreckt weitere große Werbekunden
(spiegel.de)
Wie der “Spiegel” berichtet, haben große Werbekunden wie Apple und Disney nach einem Eklat um Antisemitismus und Nazi-Inhalte auf Elon Musks Plattform X (vormals Twitter) die dortige Schaltung von Werbung gestoppt. Die Werbetreibenden würden damit auf Berichte reagieren, nach denen ihre Anzeigen neben Nazi-Posts und antisemitischen Äußerungen erschienen, woraufhin X behauptete, Marken nicht “aktiv neben dieser Art von Inhalten” zu platzieren. Zusätzlich zu dieser Kontroverse habe Musk selbst für Aufsehen gesorgt, indem er einen antisemitischen Post billigte, was unter anderem vom Weißen Haus scharf kritisiert wurde.

Chronologie einer Geisterfahrt, Kein Glyphosat, “Mitbürger”-Begriff

1. Chronologie einer Geisterfahrt
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Anhand bislang unveröffentlichter Akten aus dem Bundeswirtschaftsministerium zeigt Ingo Dachwitz, warum die Regierung mit dem Versuch einer Presseförderung scheiterte und wie groß der Einfluss der Presseverleger auf den Prozess war. So heiße es in einem Schreiben eines Staatssekretärs aus dem Ministerium an den Verlegerverband BDZV: “Wir tun alles, um die Belange der Verlagsbranche so gut wie möglich zu berücksichtigen”.

2. AfD muss ARD-“Monitor” zu Parteitag zulassen
(faz.net)
Wie der WDR meldet, hat das Landgericht Erfurt eine einstweilige Verfügung gegen die AfD Thüringen erlassen, nach der die Partei Journalistinnen und Journalisten des ARD-Magazins “Monitor” Zugang zum Landesparteitag gewähren muss. Die AfD hatte dem Fernsehteam zuvor die Akkreditierung verweigert, weil sie dessen Berichterstattung ablehnt. Ellen Ehni, Chefredakteurin Politik und Zeitgeschehen des WDR, kommentiert: “Das ist ein Erfolg für die freie Berichterstattung in diesem Land – und für die Demokratie. Das Gericht bestärkt uns in unserem Auftrag. Dazu gehört auch die Berichterstattung über Landesparteitage, bei denen kritische Fragen selbstverständlich möglich sein müssen.”

3. Weshalb man Juden nicht “Mitbürger” nennen sollte
(deutschlandfunk.de, Henry Bernhard)
Henry Bernhard diskutiert die problematische Verwendung des Begriffs “jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger”. Er argumentiert, dass die Bezeichnung eine sprachliche Grenze schaffe, die “Jude” als abweichend von der “Normalität” darstelle. Dies gelte auch in anderen Fällen: “Wer den anderen mit einem vorgesetzten Adjektiv als ‘Mitbürger’ bezeichnet, zieht eine Grenze zwischen sich und ihm, zwischen sich und ‘dem Anderen’, dem er aber verbal in paternalistischer Pose wohlmeinend auf die Schulter klopft. Man sagt ihm dabei, dass man selbst ‘normal’ sei, der andere aber irgendwie anders. Oder auch schwächer, betreuungsbedürftig.”

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4. Das ist kein Glyphosat. Das auch nicht. Das auch nicht. Das auch nicht.
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier kritisiert bei “Übermedien” die falsche Bebilderung von Glyphosat in der Berichterstattung mehrerer Medien. Anhand von Beispielen zeigt er, dass häufig Bilder von Traktoren, die über Felder fahren und dabei verschiedene Substanzen versprühen, fälschlicherweise als Illustrationen für Glyphosat verwendet werden. Solche Aufnahmen würden einen falschen Eindruck vom Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters vermitteln und die Unkenntnis der Redaktionen über die tatsächliche Wirkungsweise und Anwendung von Glyphosat zeigen.

5. Sinn und Zweck
(journalist.de, Jennifer Spatz & Celine Schäfer)
Der “journalist” hat sich bei Medienschaffenden, Wissenschaftlerinnen und Strategen umgehört, wie sie zum Thema “Purpose” stehen: Wie spiegelt sich das Thema Sinn in der Medienbranche wider? Dabei wird deutlich, dass der oft missverstandene oder ignorierte Begriff eine vielschichtige Bedeutung haben und ganz individuell bewertet werden kann.

6. “Stumpf jeden Scheiß zu präsentieren – ich würde mich schämen” – Oliver Kalkofe über Social Media und TV.
(turi.de, Markus Trantow)
In einem Interview mit “turi2” äußert sich Oliver Kalkofe, unter anderem bekannt durch seine satirische Fernsehsendung “Kalkofes Mattscheibe”, kritisch über Social Media und Fernsehen. Er zeigt sich besorgt über Jugendliche, die Influencern nacheifern, und über die Tendenz des Fernsehens, irreführende oder minderwertige Inhalte zu präsentieren. Kalkofe reflektiert auch den Wandel in der Werbelandschaft, indem er die vergangene Ära von Werbeikonen wie Frau Sommer und Herrn Kaiser mit der heutigen Generation von Influencern vergleicht (der Beitrag ist ein Auszug aus dem “turi2”-Podcast mit Kalkofe, der Ende September erschienen ist).

“Süddeutsche” bedauert, AfD vs. “Monitor”, Reichelts Taliban-Tweet

1. »Süddeutsche Zeitung« bedauert »Fehler« in Berichterstattung über Jens Söring
(spiegel.de)
Die “Süddeutsche Zeitung” hat für Fehler in der Berichterstattung über den in den USA verurteilten Mörder Jens Söring um Entschuldigung gebeten. Chefredakteur Wolfgang Krach räumte gegenüber dem Medienmagazin “Zapp” ein (Pressemitteilung, Video), dass die Journalistin Karin Steinberger gegen Ende ihrer Recherchen die notwendige journalistische Distanz zu Söring und dessen Umfeld verloren habe. Auch Steinberger, die Söring über zwölf Jahre bis zu dessen Freilassung im Dezember 2019 begleitet und mehr als ein Dutzend Artikel über den Fall geschrieben hat, bedauerte, in einigen E-Mails Grenzen überschritten zu haben.

2. “Monitor” darf nicht zu AfD-Landesparteitag
(dwdl.de, Manuel Weis)
Wie “DWDL” berichtet, hat die thüringische AfD dem TV-Magazin “Monitor” den Zutritt zu ihrem Landesparteitag verweigert, mit der Begründung, dass bei der ARD-Sendung “überhaupt nicht mehr von einer journalistischen Berichterstattung die Rede sein” könne. “Monitor”-Chef Georg Restle kritisiert die Entscheidung als “Offenbarungseid eines rechtsextremen AfD-Landesverbandes, der zeigt, was die Partei von kritischem Journalismus und Meinungsfreiheit in diesem Land hält”. Der WDR prüfe rechtliche Schritte gegen die verweigerte Akkreditierung.

3. Julian Rei­chelt muss Taliban-Tweet löschen
(lto.de, Max Kolter)
Das Kammergericht Berlin hat auf Betreiben des Bundesministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung einen Tweet des ehemaligen “Bild”-Chefredakteurs Julian Reichelt untersagt, in dem dieser behauptete, Deutschland habe 370 Millionen Euro Entwicklungshilfe an die Taliban gezahlt. Das Gericht habe darin eine unwahre Tatsachenbehauptung gesehen, die geeignet sei, das Vertrauen der Bevölkerung in die Bundesrepublik zu gefährden. Diese Entscheidung stelle eine Abkehr von der vorherigen Einschätzung durch das Landgericht Berlin dar, das Reichelts Tweet noch als zulässige Meinungsäußerung eingestuft habe.

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4. “Musk hat einen Safe Space für Rassisten geschaffen”
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk ist laut einer Untersuchung des Center for Countering Digital Hate (CCDH) eine Zunahme von Rassismus und Antisemitismus auf der Plattform zu beobachten. Die Untersuchung ergab, dass 98 Prozent der gemeldeten hasserfüllten Beiträge online blieben, darunter solche, die zu Gewalt aufrufen, den Holocaust leugnen oder Nazis verherrlichen. Imran Ahmed vom CCDH kommentiert: “Das ist das unvermeidliche Ergebnis, wenn man Sicherheits- und Moderationspersonal abbaut […] und jedem, der bereit ist, 8 US-Dollar pro Monat zu zahlen, mehr Sichtbarkeit bietet. Musk hat einen safe space für Rassisten geschaffen und versucht, aus der Straffreiheit, die sie dazu bringt, marginalisierte Gemeinschaften anzugreifen, zu belästigen und zu bedrohen, eine Tugend zu machen.”

5. KI-Jobs im Journalismus: Wettrennen gegen die Technologie
(fachjournalist.de, Gunter Becker)
Gunter Becker beschäftigt sich beim “Fachjournalist” mit der wachsenden Bedeutung von KI-bezogenen Jobs in der Medienbranche. Einige Medienhäuser würden inzwischen aktiv nach Spezialisten für Künstliche Intelligenz suchen, um Redaktion, Marketing und Management zu optimieren. Becker hat mit einem erfahrenen Chefredakteur und einem Medienwissenschaftler darüber gesprochen, ob damit bereits eine neue Jobwelle auf die Branche zurollt oder ob es sich noch um vereinzelte “Pionier-Stellen” handelt.

6. Google-KI sagt Wetter genauer und viel sparsamer als die besten Supercomputer vorher
(derstandard.at, Andreas Proschofsky)
Andreas Proschofsky beschreibt, wie Googles Künstliche Intelligenz namens Graphcast die Genauigkeit und Effizienz von Wettervorhersagen verändert. Laut Google übertrifft Graphcast die derzeit besten Systeme in den meisten Fällen und könne Wettervorhersagen für zehn Tage in nur einer Minute erstellen, wobei es lediglich einen Bruchteil der Energie herkömmlicher Supercomputer verbrauche.

600.000 Euro aus Russland?, Reißerische Talkshowtitel, Auf1-Deal

1. Journalist Hubert Seipel: 600.000 Euro aus Russland?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der Journalist und Dokumentarfilmer Hubert Seipel, bekannt für seine Bücher über und Interviews mit Wladimir Putin, soll laut ZDF und “Spiegel” 600.000 Euro aus Russland erhalten haben. Diese Information beruhe auf vertraulichen Dokumenten aus der internationalen Recherche “Cyprus Confidential”. Seipel habe die finanzielle Unterstützung durch den russischen Oligarchen Alexej Mordaschow bestätigt, betone aber, dass dies keinen Einfluss auf den Inhalt seiner Bücher gehabt habe. Der NDR, für den Seipel mehrfach Putin interviewt hatte, sieht das anders und hat eine Untersuchungskommission eingesetzt: “Es besteht der Verdacht, dass wir und damit auch unser Publikum vorsätzlich getäuscht worden sind. Dem gehen wir jetzt nach und prüfen rechtliche Schritte”, so NDR-Intendant Joachim Knuth.

2. Doch keine “Medienrevolution”
(taz.de, Anne Fromm)
Der Fernsehsender Auf1, der für die Verbreitung von Verschwörungsmythen und rechter Hetze bekannt ist, darf in Deutschland nicht mehr über Satellit senden. Der in Österreich gegründete Sender, der vor allem bei Corona- und Klimawandelleugnern, Putin-Fans und Rechtsextremen beliebt ist, hatte es mit einem Trick ins deutsche Fernsehen geschafft: Er hatte Sendezeit bei einem Regionalsender gekauft. Nun habe die Landesmedienanstalt Baden-Württemberg entschieden, dass dieser Deal gegen den Medienstaatsvertrag verstößt und die Ausstrahlung von Auf1 in Deutschland nicht mehr erlaubt ist.

3. Reißerische Talkshowtitel und der Gaza-Konflikt
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer)
Sascha Wandhöfer beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der Verwendung von dramatischen und reißerischen Überschriften in politischen Talkshows, insbesondere im Kontext des Krieges in Nahost. Solche Titel könnten zwar hohe Einschaltquoten generieren, hätten aber auch negative Effekte wie Themenverdrossenheit und Nachrichtenmüdigkeit. Experten und Medienforscher betonen die Notwendigkeit eines sorgfältigen Framings und plädieren für konstruktivere Ansätze in der Berichterstattung, um eine bessere Diskussions- und Problemlösungskultur in der Gesellschaft zu fördern.

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4. Ampel will Streaming von Gerichtsprozessen ermöglichen
(spiegel.de)
Nach Informationen des “Spiegel” plant die Ampelkoalition, das Streaming von Gerichtsverhandlungen zu ermöglichen, so dass Prozessbeteiligte an Zivilgerichten digital an den Verhandlungen teilnehmen können. Der Gesetzesentwurf sehe auch vor, dass Videoverhandlungen der Öffentlichkeit per Streaming zugänglich gemacht werden können.

5. Gazprom-Lobby: Sigmar Gabriel erstreitet Halbsatz gegen CORRECTIV
(correctiv.org, Justus von Daniels & Annika Joeres)
Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel hat eine einstweilige Verfügung gegen das Recherchezentrum “Correctiv” erwirkt, um die Darstellung seiner Haltung zu Russland in einem Artikel über die “Gazprom-Lobby” zu korrigieren. Trotz dieser gerichtlichen Entscheidung bleibe die Grundaussage des Artikels bestehen, schreibt “Correctiv”. Man werde gegen das Urteil Berufung einlegen: “Wir halten diese Entscheidung in mehrfacher Hinsicht für höchst problematisch. Vor allem befürchten wir, dass es der Presse künftig schwer gemacht wird, komplexe Sachverhalte zusammenfassend auf den Punkt zu bringen”, so der “Correctiv”-Anwalt.

6. “Stört soziale Harmonie”: Nepal verbietet TikTok
(orf.at)
Die nepalesische Regierung plane, die Videoplattform TikTok zu verbieten, da sie der Ansicht sei, dass die App negative Auswirkungen auf die “soziale Harmonie” im Land habe. Die Ankündigung des Verbots habe in der Öffentlichkeit große Aufregung ausgelöst. Kritiker sähen in der Maßnahme einen Versuch, die Meinungsfreiheit zu beschneiden.

KI-Regeln und KI-Fälschungen, Twitter und der Rechtsruck, ARD-Presseclub

1. Künstliche Intelligenz als “unterstützendes Werkzeug”
(deutschlandfunk.de, Martin Krebbers, Audio: 5:02 Minuten)
Mehrere Journalismusverbände, darunter der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), haben die sogenannte Paris-Charta unterzeichnet, die Grundregeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Medien festlegt. Diese Regeln betonen, dass KI im Journalismus nur als unterstützendes Werkzeug eingesetzt werden sollte, wobei die redaktionelle Verantwortung und die Verpflichtung zur Transparenz bei KI-generierten Inhalten gewahrt bleiben müssen. KI könne unterstützend wirken, etwa beim Vorlesen, Untertiteln oder Transkribieren, dürfe aber nicht zu einem synthetischen Journalismus führen, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster.

2. Falsche tagesschau-Audiodateien im Umlauf
(tagesschau.de, Carla Reveland & Pascal Siggelkow)
Der “Tagesschau”-“Faktenfinder” warnt vor gefälschten, KI-generierten Audiodateien, die vermeintlich von der “Tagesschau” stammen sollen. Diese Soundclips würden suggerieren, dass sich die Redaktion für angebliche Lügen in ihrer Berichterstattung entschuldige, insbesondere zu Themen wie dem Krieg in der Ukraine und der Corona-Pandemie.

3. Plädoyer für den mündigen Zuschauer. Der “Presseclub” in der ARD
(epd.de, Christopher Hechler)
Christoph Hechler lobt die Sendung “Presseclub”, die sich wohltuend von anderen öffentlich-rechtlichen Talkshows abhebe. Besonders angetan ist er von der anschließenden Diskussion mit den Zuschauerinnen und Zuschauern: “Richtig glänzen kann der ‘Presseclub’ aber dann, wenn er seine bei Phoenix, WDR5 und im Netz ausgestrahlte Verlängerungs-Viertelstunde für die ‘Nachgefragt’-Rubrik nutzt – denn immer wieder präsentieren sich die Zuschauer als informierte Journalismus-Interessierte, die am Diskussionstisch in der Sendung ebenso gut aufgehoben wären wie manche Teilnehmer.”

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4. Twitter, der Rechtsruck und die paralysierte Linke
(mspr0.de, Michael Seemann)
Michael Seemann diskutiert den politischen Rechtsruck in Deutschland und dessen möglichen Zusammenhang mit dem Niedergang von Twitter. Der Wegfall von Twitter als einheitlicher Vernetzungsraum für die linksliberale bis linksradikale Szene habe zu einer Fragmentierung und einem Verlust an diskursiver Relevanz geführt. Seemann befürchtet, dass sich die jüngere Generation zunehmend von textbasierten Diskursen abwendet und stattdessen auf visuellen Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube kommuniziert, wo reflektierte linke Stimmen in die Minderheit geraten könnten.

5. Was sind extrem rechte Memes?
(belltower.news)
Der Artikel auf “Belltower.News” beschäftigt sich mit rechtsextremen Memes in der Internetkommunikation. Solche Memes würden als Propagandainstrumente und zur Verbreitung extremistischer Ideologien eingesetzt, indem sie komplexe politische Themen vereinfachen und emotionalisieren. Sie trügen zur Normalisierung von Hass und Diskriminierung bei und dienten in extremistischen Online-Communities als Mittel der Identitäts- und Gruppenbildung. Die Aufklärungsbroschüre kann hier als PDF heruntergeladen werden.

6. Das passiert, wenn man eine Schimpfwort-Forscherin in eine Talkshow einlädt
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 1:23 Minuten)
Himmel, Arsch und Zwirn! Boris Rosenkranz hat in unterhaltsamen 83 Sekunden zusammengeschnitten, was passiert, wenn eine Expertin fürs Schimpfen in eine TV-Talkrunde eingeladen wird.

KW 45/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Taiwancast 35: China-Korrespondent Philipp Mattheis
(intaiwan.de, Klaus Bardenhagen, Audio: 56:39 Minuten)
Wer sich für China und Taiwan interessiert, kommt in der aktuellen Folge des “Taiwancast” gleich doppelt auf seine Kosten: Der Journalist und “Taiwancaster” Klaus Bardenhagen hat den Journalisten Philipp Mattheis zu Gast, der bereits auf ein bewegtes Korrespondentenleben zurückblicken kann und jahrelang für große Magazine aus Shanghai berichtet hat. Unbedingt hörenswert, weil der Podcast viele Schilderungen und Einschätzungen bietet, die man vielleicht nur in einem solchen Gespräch bekommt.

2. Weshalb sterben so viele Journalisten im Gaza-Krieg?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 23:07 Minuten)
“Es ist der tödlichste Beginn eines Krieges im 21. Jahrhundert”, sagt Christopher Resch, Pressesprecher der Organisation Reporter ohne Grenzen, beim Blick auf die Zahlen getöteter Journalisten und Journalistinnen in Gaza und in Israel. Im “Übermedien”-Podcast spricht Resch auch über die Vorwürfe gegen Agentur-Reporter aus Gaza, Helfer der Terroristen der Hamas zu sein, sowie über die Vermutung, dass das israelische Militär zumindest vereinzelt gezielt Journalisten ins Visier nimmt.

3. Kriegspropaganda: Journalisten zwischen Wahrheit und Desinformation
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 23:11 Minuten)
Vergangenes Wochenende haben wir hier auf eine Gemeinschaftsproduktion von “BR24 Medien” und dem ARD-Podcast “Lost in Nahost” aufmerksam gemacht (Wie kommen Journalisten an Informationen aus Gaza und Israel?). Darin ging es um die schwierigen Bedingungen für das Korrespondententeam, das derzeit nicht in den Gaza-Streifen kann, und die Wichtigkeit der dortigen Mitarbeiter. Diese Woche gibt es quasi eine Fortsetzung: “Julio Segador aus dem ARD-Studio in Tel Aviv berichtet, wie ihn Propagandavideos, Des- und Falschinformationen zugespielt werden – und wie er damit umgeht. Außerdem erklärt BR24-Faktencheckerin Julia Ley, wie sie Informationen überprüft – manchmal in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen in den ARD-Studios vor Ort.”

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4. Richard C. Schneider – “Draußen ist immer Gefahr”
(hr2.de, Jagoda Marinić, Audio: 1:45:39 Stunden)
In “Freiheit Deluxe” spricht Journalist und Autor Richard C. Schneider anlässlich der aktuellen Ereignisse im Nahen Osten mit Gastgeberin Jagoda Marinić unter anderem über die Darstellung von Gewalt in Medien, das Aufwachsen mit dem Trauma der Eltern und die komplexen Perspektiven des Nahostkonflikts.

5. The Pioneer: Wie gewinnt man Abonnenten mit Newslettern und Podcasts?
(podcasters.spotify.com, Lennart Schneider, Audio: 1:11:56 Stunden)
Zu Gast bei “Subscribe Now” ist Moritz Klein von “The Pioneer”, dem Medienunternehmen des ehemaligen “Handelsblatt”-Chefredakteurs Gabor Steingart. “The Pioneer” ist wegen seiner Wirtschaftsnewsletter und Podcasts bekannt, aber auch wegen seines Medienschiffs, mit dem die Crew durch das Berliner Regierungsviertel schippert. In dem Gespräch geht es vor allem um die Frage, wie das Unternehmen aus Leserinnen und Lesern zahlende Kundinnen und Kunden macht.

6. Krisen, Kriege, Katastrophen – nur noch zum Abschalten?
(youtube.com, Susanne Amann, Audio: 54:06 Minjuten)
Das Vertrauen in Medien ist schwer angeschlagen, viele Menschen wenden sich von den klassischen Medienangeboten ab und meiden Nachrichtensendungen. Was bedeuten diese Entwicklungen für unsere Demokratie? Und was können die Medien selbst tun, um diesen Trends entgegenzuwirken? Wie muss Journalismus sich verändern, wenn sich um uns herum alles ändert? Darüber diskutierten beim Festival “b future”: Katrin Eigendorf (ZDF-Korrespondentin), Daniel Kraft (Pressesprecher Bundeszentrale für politische Bildung), Ulla Fiebig (SWR-Direktorin) und Gordian Fritz (RTL-Reporter).

Lauernde Schlupflöcher, Selbstzensur aus Angst, Streik-Ende in Hollywood

1. Proisraelische NGO erhebt Vorwürfe gegen Agenturfotografen aus Gaza
(spiegel.de)
Die pro-israelische NGO “Honest Reporting” erhebt schwere Vorwürfe gegen freie Fotografen aus Gaza, die für westliche Nachrichtenagenturen arbeiten. Diese hätten vorab von den Angriffen der Hamas auf Israel gewusst. Die betroffenen Agenturen AP und Reuters weisen die Vorwürfe entschieden zurück und betonen, ihre Bilder seien deutlich nach dem Beginn der Angriffe entstanden.

2. Diese Schlupflöcher lauern
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Die neue EU-Verordnung zu politischer Online-Werbung führe zwar zu mehr Transparenz, indem sie Kennzeichnungspflichten einführe und Auskunft über Targeting-Kriterien sowie die Finanzierung von Anzeigen verlange, sie bleibe aber hinter den Erwartungen zurück, da gezielte Werbung mit Einwilligung weiterhin erlaubt sei. netzpolitik.org-Redakteur Ingo Dachwitz ist unzufrieden mit der Verordnung, die Schlupflöcher lasse und politisches Targeting nicht verhindere: “Der sicherere Weg wäre gewesen, politisches Targeting klar zu verbieten oder zumindest die dafür nutzbaren Daten drastisch zu beschränken, etwa auf Alter, Geschlecht und Ort.”

3. Grow-Stipendium von Netzwerk Recherche
(netzwerkrecherche.org)
Drei gemeinnützige Medienprojekte wurden mit dem Grow-Stipendium des Netzwerk Recherche und der Schöpflin Stiftung ausgezeichnet: die Journalistin Nalan Sipar für deutsch-türkische Klimanachrichten auf Social Media, Podcasterin Nine-Christine Müller für die Weiterentwicklung ihres Podcasts über ostdeutsche Identitäten und die Gründer Tobias Hübers und Daniel Moßbrucker für ein Unternehmen, das Redaktionen IT-Support bei Recherchen bietet. Neben einer Anschubfinanzierung von je 3.000 Euro erhalten die Stipendiatinnen und Stipendiaten ein Jahr lang Beratung und Weiterbildung durch das Netzwerk Recherche.

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4. A. L. Kennedy über Selbstzensur aus Angst: “Viele Bücher erscheinen gar nicht”
(derstandard.at, Michael Wurmitzer)
In einem Interview mit dem “Standard” spricht die britische Autorin A. L. Kennedy von einer zunehmenden Selbstzensur britischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Angst vor Angriffen konservativer Medien und Politiker. Dies führe dazu, dass viele Bücher nicht veröffentlicht würden. Es gebe eine große Nervosität unter “Autoren darüber, dass sie von der konservativen Presse und rechten Politikern gecancelt und dämonisiert werden, die die Kontrolle über das Narrativ haben wollen. Autoren sind nervös, etwas zu sagen, das die Daily Mail nicht mögen könnte.”

5. heise online auf Mastodon: Bilanz nach dem ersten Jahr im Fediverse
(heise.de, Martin Holland)
Martin Holland zieht Bilanz über das erste Jahr von “heise online” auf Mastodon, einer Twitter/X-Alternative. Die Redaktion habe festgestellt, dass das Netzwerk eine ernstzunehmende Alternative mit einem starken Wachstum der Nutzerzahlen und Interaktionen sei, wobei die absoluten Besuchszahlen über Mastodon immer noch niedriger seien als über Twitter. Trotz eines allgemeinen Rückgangs der Zugriffe und Interaktionen im Laufe des Jahres bleibe Mastodon eine kostengünstige Plattform mit einer aktiven Community.

6. Schauspieler beenden Streik
(taz.de)
Nach einem fast viermonatigen Streik haben sich die Hollywood-Schauspielerinnen und -Schauspieler einerseits und die großen Filmstudios andererseits auf einen neuen Vertrag geeinigt. Dieser sehe Mindestlöhne sowie einen neuen Beteiligungsbonus für Filme und Serien bei Streamingdiensten vor. Die Vereinbarung mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde US-Dollar enthalte auch Schutzmaßnahmen gegen die unerlaubte Nutzung von Bildern, die von Künstlicher Intelligenz erstellt wurden, um der Sorge der bislang Streikenden Rechnung zu tragen, durch digitale Doubles ersetzt zu werden. Mit dieser von der Gewerkschaft SAG-AFTRA ausgehandelten Vereinbarung kann die Produktion in Hollywood zum ersten Mal seit Mai wieder normal laufen.

Viel Hölle und wenig Himmel, Abschied von Print, Zwist um Mediatheken

1. Viel Hölle und ein kleines Stück Himmel
(freischreiber.de)
Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, hat seinen “Himmel-und-Hölle-Preis” für das Jahr 2023 verliehen, mit dem die herausragende Unterstützung für Freie beziehungsweise besonders negative Einflüsse auf deren Arbeitsbedingungen gewürdigt werden. Der Hölle-Preis ging an Bertelsmann-Manager Thomas Rabe für “die Zerschlagung von Gruner+Jahr, die Zersetzung von Redaktionen und den ignoranten Umgang mit Freien”. Der Himmel-Preis ging an Joachim Telgenbüscher, Redaktionsleiter von “Geo Epoche”, für seinen erfolgreichen Widerstand gegen die Einstellung des Magazins durch RTL.

2. Abschied von Print auf die harte Tour
(journalist.de, Henning Kornfeld)
Der Beitrag von Henning Kornfeld im “journalist” macht noch einmal auf die dramatische Lage der Zeitungsbranche aufmerksam. Fast 40 Prozent der Abonnentinnen und Abonnenten seien älter als 75 Jahre, in den nächsten fünf bis zehn Jahren drohe ein dramatischer Rückgang der Printauflagen, so ein Experte. Kornfeld berichtet von der schwierigen Situation der Verlage, einerseits die Kosten für Print zu senken und andererseits die Transformation zum Digitalen voranzutreiben.

3. Vaunet stört sich an US-Blockbustern in der ZDF-Mediathek
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier berichtet bei “DWDL” über einen Streit zwischen dem Privatsenderverband Vaunet und den öffentlich-rechtlichen Sendern. Die Privaten seien verärgert, dass die Öffentlich-Rechtlichen seit Juli US-Serien und -Blockbuster in ihre Mediatheken stellen. Dabei gehe es auch um die Auslegung der geltenden Regeln: “Wenn das ZDF für Filme wie Men in Black 3 den besonderen Kultur- und Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Profils bemüht oder das Auffüllen programmlicher Vielfalt mit beliebten Mainstream-Blockbustern begründet, führt das den gezielt einschränkenden Charakter dieser Mediatheken-Regelung vollständig ad absurdum”, so Vaunet-Chef Claus Grewenig.

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4. Journalismus braucht Förderung
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert die Einrichtung einer staatsfernen Journalismusförderung, die an bestimmte Bedingungen wie Tarifbindung und angemessene Honorare geknüpft ist. Dies haben die 200 Delegierten des DJV-Verbandstags in Magdeburg beschlossen, um den Journalismus insbesondere im digitalen Bereich zu unterstützen. Der frisch gewählte neue DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster betonte in diesem Zusammenhang, dass die Förderung von Printausgaben nicht ausreiche, sondern die eigentliche Herausforderung im Aufbau digitaler journalistischer Angebote liege.

5. Media Freedom Coalition: Hintergründe und Ambitionen
(de.ejo-online.eu, Roja Zaitoonie)
Die Media Freedom Coalition ist ein Bündnis von 50 Ländern, das 2019 gegründet wurde, um die Medienfreiheit und den Schutz von Journalistinnen und Journalisten zu verbessern. Dabei ziele sie “insbesondere auf die Verbesserung politischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ab, die eine unabhängige, diverse und plurale Medienlandschaft fördern”. Roja Zaitoonie erörtert in ihrem Beitrag die Ziele der Koalition und fasst die Ergebnisse eines Evaluierungsberichtes zusammen, der sich vor allem mit der Startphase des Projekt beschäftigt.

6. Ferngespräche: Spanien
(ardaudiothek.de, Holger Klein, Audio: 54:04 Minuten)
In den radioeins-“Ferngesprächen” lässt Holger Klein Korrespondentinnen und Korrespondenten über deren jeweilige Region zu Wort kommen. Diesmal hat er sich mit Franka Weltz zusammengeschaltet, die von Madrid aus über aktuelle Ereignisse in Spanien, Portugal, Gibraltar und Andorra berichtet. Ein besonderer Schwerpunkt des Gesprächs sind die Wahlen in Spanien im vergangenen Sommer und die schwierige Regierungsbildung, die sich bis in den Oktober hineinzog.

Freiheit im Fadenkreuz, “Rassige Schönheiten”, Antisemitischer Hass

1. Freiheit im Fadenkreuz
(taz.de, Jean-Philipp Baeck & Christian Jakob & Luisa Kuhn)
“Seit Jahren wird der Journalist Alexander Roth wegen seiner Berichterstattung von Rechten attackiert. Er macht weiter – trotz Morddrohungen.” Der “taz”-Artikel beschreibt, wie Journalisten und Journalistinnen in Deutschland zunehmend zur Zielscheibe rechter Hetze und Gewalt werden, wobei die Angriffe sowohl online als auch offline stattfinden: “In einer einjährigen Recherche hat die taz die Kampagne gegen den Waiblinger Journalisten rekonstruiert, hat vor Ort recherchiert, Beteiligte mit ihrer Hetze konfrontiert und das Social-Media-Netzwerk analysieren lassen, in dem sich der Hass verbreitet.”

2. “Rassige Schönheiten”: Für “das neue” sehen Schwarze Frauen alle gleich aus
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Das Regenbogenblatt “das neue” von der Bauer Media Group, die sich auf ihrer Website für Vielfalt und gegen Diskriminierung ausspricht, veröffentlichte einen Artikel, in dem darüber spekuliert wird, ob Boris Becker seinem Sohn die Freundin ausspannen könnte, weil diese “sonnengeküsste Haut, rehbraune Augen, eine dunkle Mähne” habe – angeblich ähnlich wie Boris Beckers Ex-Frauen. Der Artikel verwendet den Begriff “rassige Schönheiten” und stellt die “unfassbare Vermutung” auf, dass Becker und dessen Sohn das gleiche “Beuteschema” hätten, was kritische Fragen bezüglich rassistischer Stereotype und der redaktionellen Linie aufwirft. Auf Nachfrage von “Übermedien” distanziert sich der Verlag von einem möglichen Vorwurf und betont, in Zukunft “noch genauer auf eine sensible Wortwahl zu achten.”

3. Ermittler verzeichnen deutliche Zunahme antisemitischer Hasskommentare
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
Verschiedene Behörden berichten von einem Anstieg antisemitischer Straftaten im Internet seit Anfang Oktober, wobei die hessische Hatespeech-Meldestelle “Hessen gegen Hetze” eine Vervierfachung der Meldungen zu antisemitischen Online-Beiträgen verzeichnet habe. Auch das Bundeskriminalamt verfolge eine steigende Anzahl von Hinweisen auf antisemitische Online-Postings und arbeite an einem Auswertungsprojekt, um intensiv antisemitische Straftäter zu identifizieren und Ermittlungsverfahren in den Bundesländern einzuleiten.

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4. Der RBB braucht Zukunft – aber seine eigene
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) strebt nach einer Krisenphase unter neuer Leitung einen Neuanfang an. Ein neuer Staatsvertrag, den die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg ohne Mitbestimmungsrecht des Senders abgeschlossen haben, gebe ihm jedoch eine straffere Agenda vor, kommentiert Joachim Huber im “Tagesspiegel”. Der Vertrag soll die Sichtbarkeit Brandenburgs im öffentlich-rechtlichen RBB erhöhen und führe sowohl eine Gehaltsobergrenze für die Geschäftsführung als auch eine stärkere Kontrolle des wirtschaftlichen Verhaltens ein. Maßnahmen, bei denen laut Huber der Verdacht aufkommen darf, “dass die Politik die Schwächephase des Senders ausnutzen wollte, um ihre Vorstellung von einem durchregionalisierten RBB durchzusetzen.”

5. “Wir müssen schauen, was eigentlich unsere Rolle ist”
(journalist.de, Kathi Preppner)
Timo Conraths, seit März Hauptgeschäftsführer des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), spricht im Interview mit dem DJV-eigenen Magazin “journalist” über die Notwendigkeit einer Neupositionierung des Verbandes, um auf die rasanten Veränderungen in der Medienlandschaft reagieren und die Rolle des Verbandes neu definieren zu können. Er erläutert die Herausforderungen in der Tarifpolitik, insbesondere im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in den Verlagen, und betont die Bedeutung von Tarifverhandlungen in Zeiten hoher Inflation und schwieriger Arbeitsbedingungen. Und natürlich geht es auch um die Herausforderungen, die Künstliche Intelligenz für den Journalismus und das Urheberrecht mit sich bringt.

6. Rudolf Augstein: “Journalist des Jahrhunderts” und seine “Machtworte”
(mediummagazin.de, Annette Milz & Andreas Spaeth)
Rudolf Augstein, der Gründer des “Spiegel”, wurde 1999 vom “medium magazin” als “Journalist des Jahrhunderts” ausgezeichnet. Am Wochenende wäre Augstein 100 Jahre alt geworden. Für das “medium magazin” ein guter Anlass, auf das letzte große externe Interview Augsteins hinzuweisen (PDF). Darin äußerte er sich zu Themen wie der Anpassung des “Spiegel” an den Zeitgeist bis hin zu journalistischen Tabus und betonte die Bedeutung von Authentizität und Tradition im Journalismus.

Kurbjuweit-Interview, Attrappe war Attrappe, Transformer-Moment

1. Dirk Kurbjuweit kritisiert SZ – und sagt, wie er Spiegel-Chefredakteur wurde
(kress.de, dpa, Sven Gösmann und Anna Ringle)
Dirk Kurbjuweit, der im Mai auch für ihn überraschend zum Chefredakteur des “Spiegel” berufen wurde, hat der dpa ein Interview gegeben. Aufhänger ist die Erinnerung an “Spiegel”-Gründer Rudolf Augstein, der am Wochenende 100 Jahre alt geworden wäre. In dem Gespräch geht es um das Vermächtnis des Magazingründers, um Kurbjuweits Gedanken zu Gegenwart und Zukunft des “Spiegel”, aber auch um das dunkle Kapitel um den Reporter Claas Relotius.

2. Wie Twitter einem Datenforscher das Leben schwer macht
(netzpolitik.org)
Der Berliner Datenanalyst Travis Brown wurde von Twitter gesperrt, als er zu Hass auf der Plattform recherchierte. Trotz einer vorübergehenden Freischaltung nach einem Gerichtsbeschluss wurde sein Account nach einem erneuten Rechtsstreit wieder gesperrt. Brown, der von der Organisation HateAid unterstützt wird, sieht in Twitters Vorgehen einen Versuch, Forschung zu Extremismus und Desinformation zu unterdrücken.

3. Ein neues Werkzeug zur Wirkungsmessung von investigativem Journalismus
(de.ejo-online.eu, Anya Schiffrin & Judith Odenthal)
Anya Schiffrin berichtet über ein neues Werkzeug, das Medienorganisationen ermöglichen soll, die Wirkung ihrer investigativen Projekte zu messen. Durch die Messung könnten Medienunternehmen beispielsweise vor Beginn einer langwierigen Recherche feststellen, ob es ein Publikum für eine ausführliche Berichterstattung gibt, oder Geldgebern die Wirkung einer Reportage aufzeigen.

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4. Maja Göpel über den Einfluss von Medien auf die öffentliche Meinung
(youtube.com, Medientage München, Sebastian Bergsteiner, Video: 7:22 Minuten)
“Wie beeinflussen Medien die öffentliche Meinung und das gesellschaftliche Bewusstsein für die großen Fragen unserer Zeit?” Darüber hat Sebastian Bergsteiner am Rande der Medientagen München mit der Transformationsforscherin Maja Göpel gesprochen.

5. Der Transformer-Moment
(internationalepolitik.de, Johannes Kuhn)
Die rasante Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) wirft Fragen zu einer globalen Regulierung auf. Es gibt sowohl positive Aussichten, wie Fortschritte in der Medizin, als auch Bedenken, wie Massenarbeitslosigkeit durch Automatisierung. Derzeit wird weltweit über eine transnationale Regulierung von KI diskutiert, ein konkreter globaler Rahmen steht jedoch noch aus. Johannes Kuhn fasst den aktuellen Stand der Debatte und die Spannungsfelder der KI-Regulierung zusammen.
Weiterer Lesehinweis: Vielleicht ein bisschen viel Science-Fiction: “In London diskutieren Staatschefs und Elon Musk darüber, wie man zukünftige Super-KI absichern kann. Ganz schön früh, wenn man bedenkt, was ChatGPT heute kann.” (zeit.de, Jakob von Lindern)

6. Entwarnung nach Handgranaten-Alarm beim Hessischen Rundfunk
(hessenschau.de)
Nachdem eine Reinigungskraft einen Gegenstand gefunden hatte, der wie eine Handgranate aussah, wurden zwei Gebäude des Hessischen Rundfunks evakuiert. Der später als Attrappe identifizierte Gegenstand wurde von Spezialisten untersucht und als ungefährlich eingestuft. Die Attrappe war versehentlich in der Redaktion zurückgelassen worden und war Teil einer Recherche – zur Echtheit und Verwechselbarkeit von Attrappen.

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