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Die große Gefahr, Debatte jenseits von Plattformen, Springer übernimmt

1. Die große Gefahr
(taz.de)
Ein aktueller Bericht europäischer Journalismusverbände zeige, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine weiterhin die größte Bedrohung für Medienschaffende in Europa darstelle. Insgesamt hätten die Organisationen im Jahr 2025 europaweit einen Anstieg schwerwiegender Bedrohungen der Pressefreiheit um 29 Prozent verzeichnet, wobei Journalistinnen und Journalisten besonders in Russland, der Türkei, Georgien und Serbien häufig Opfer von Einschüchterungen oder körperlicher Gewalt geworden seien. Die beteiligten Organisationen appellieren an die europäischen Staaten und Institutionen, die bestehenden Schutzstandards für die Pressefreiheit konsequent durchzusetzen.

2. Springer übernimmt US-Medienkonzern Bisnow
(spiegel.de)
Der Axel-Springer-Konzern baue seine strategische Präsenz auf dem US-Markt weiter aus und habe dafür das auf die Immobilienbranche spezialisierte Medienunternehmen “Bisnow” erworben. Die Plattform erreiche mehr als 1,7 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten und richte jährlich über 400 Branchenevents in mehreren Ländern aus. Künftig solle “Bisnow” gemeinsam mit dem ebenfalls zu Springer gehörenden Wirtschafts-Newsletter “Morning Brew” die neu gegründete “Brew Media Group” bilden.

3. Staaten sollen Social-Media-Verbote stoppen
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
In einem offenen Brief würden über 400 internationale Forscherinnen und Forscher Regierungen weltweit dazu aufrufen, geplante Social-Media-Verbote für Minderjährige vorerst auf Eis zu legen. Flächendeckende Alterskontrollen hätten keinen wissenschaftlich belegten Nutzen für die psychische Gesundheit von Kindern, bärgen dafür aber massive Risiken für den Datenschutz, die gesellschaftliche Teilhabe und den Aufbau von Zensur-Infrastrukturen. Fachleute würden stattdessen auf die Regulierung suchtfördernder Algorithmen und Feeds setzen.

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4. Eine Debatte jenseits von Plattformen
(verdi.de, Lars Lubienetzki)
Laut einer aktuellen Studie der Denkfabrik “Agora Digitale Transformation” müssten die Öffentlich-Rechtlichen dringend eigene, plattformunabhängige Dialogräume im Netz schaffen. Das Ziel wäre, der zunehmenden Polarisierung und der algorithmischen Steuerung durch Tech-Konzerne entgegenzuwirken. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk solle dabei als moderierender Brückenbauer fungieren, der gesellschaftliche Debatten kontinuierlich und streng nach journalistischen Standards begleitet. Dafür sei eine Reform des Medienstaatsvertrags notwendig.

5. Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai – Regionale Zeitungsverleger betonen besondere Rolle im Kampf gegen Polarisierung und Desinformation
(presseportal.de)
Anlässlich des bevorstehenden “Tags des Lokaljournalismus” am 5. Mai würden führende Vertreterinnen und Vertreter regionaler Medienhäuser in einer Pressemitteilung die unverzichtbare Rolle von Lokalzeitungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Kampf gegen zunehmende Polarisierung betonen: “Unter dem Motto ‘Raus aus den Redaktionen, rein ins Leben’ setzen die Veranstalter auf Aktionen vor Ort: mobile Newsrooms, Redaktionsbesuche oder Newscamps sollen direkte Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen.”

6. News-Charts: TikTok-Medienlandschaft im Millionentief
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pychas aktuelle Analyse der TikTok-News-Charts für den Februar zeige, dass die Zahl der viralen Millionen-Hits bei Nachrichten-Publishern aufgrund von Algorithmus-Anpassungen und wachsender Konkurrenz auf einen neuen Tiefpunkt gesunken sei. Während im vergangenen Oktober noch 51 Medienmarken bei mindestens einem Video mehr als eine Million Aufrufe erreicht hätten, sei dies im aktuellen Auswertungsmonat nur noch 32 Accounts gelungen. Pycha hat eine kommentierte Top-10-Liste der Nachrichtenanbieter zusammengestellt.

Berliner Entwurf, Ausbeutung von “Kidfluencern”, Nachrichtenermüdet

1. Berliner Landesregierung will Informationsfreiheit beschneiden
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die schwarz-rote Landesregierung in Berlin plane, das Informationsfreiheitsgesetz massiv einzuschränken, was dem eigenen Koalitionsvertrag (PDF) widerspreche. Einem neuen Gesetzentwurf (PDF) zufolge dürften amtliche Dokumente künftig unter Verschluss bleiben, wenn sie kritische Infrastrukturen beträfen oder in direktem Zusammenhang mit laufenden beziehungsweise geplanten Ermittlungsverfahren stünden. Arne Semsrott von der Initiative “FragDenStaat” kritisiere dieses Vorhaben scharf. Die Koalition wolle durch solche Ausnahmeregelungen offensichtlich die Aufdeckung politischer Affären behindern und sich einer demokratischen Kontrolle entziehen.

2. Neugierige Journalisten verhaftet
(taz.de, Wolf Wittenfeld)
In der Türkei seien drei Journalisten inhaftiert worden, nachdem sie im Auftrag einer unabhängigen Nachrichtenagentur Filmaufnahmen vom US-Luftwaffenstützpunkt İncirlik gemacht hätten. Die Festnahmen gälten offenbar als gezielte Abschreckungsmaßnahme der Regierung Erdoğan. Der türkische Präsident wolle angesichts der hochsensiblen diplomatischen Lage in Zusammenhang mit US-Präsident Donald Trump sowie drohender wirtschaftlicher Kriegsfolgen die absolute Kontrolle über die Berichterstattung im Land behalten.

3. “Es stellt sich eine gewisse Ermüdung ein. Von der Nachrichtenflut, der Bilderflut, der Videoflut”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Die “funk”-Journalistin und ZDF-Moderatorin Victoria Reichelt beobachtet bei vielen Menschen eine zunehmende Ermüdung durch die allgegenwärtige Nachrichten- und Bilderflut. In der extremen Marktmacht der Plattformen und den aktuellen politischen Eskalationen sieht sie eine große Chance für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dieser könne gerade in Krisenzeiten eine verlässliche Orientierung bieten. Um junge Zielgruppen digital zu erreichen, plädiert Reichelt in diesem Interview für einen emotionaleren und agileren Politikjournalismus.

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4. Wie “Kidfluencer” in Sozialen Medien ausgebeutet werden
(tagesschau.de, Severine Naeve)
Severine Naeve beschäftigt sich bei tagesschau.de mit dam Phänomen, dass Eltern ihre Kinder als sogenannte “Kidfluencer” auf Social Media vermarkten. Die Kinderrechtsaktivistin Sara Flieder warne eindringlich vor den unabsehbaren Folgen dieser unregulierten digitalen Kinderarbeit und betone, dass selbst vermeintlich harmlose Alltagsbilder im Netz regelmäßig von der Pädophilenszene missbraucht würden.

5. ARD gibt Einblick in Arbeitsweise der eigenen News-Teams
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die ARD veranstalte am 19. März einen bundesweiten “Nachrichtentag”, um der Öffentlichkeit Einblicke hinter die Kulissen ihrer Nachrichtenproduktion zu geben. Die verschiedenen Landesrundfunkanstalten böten dabei ein vielfältiges Programm für unterschiedliche Zielgruppen an, das von Redaktionsführungen und Instagram-Livestreams bis hin zu interaktiven Workshops reiche, in denen die Besucherinnen und Besucher Einblicke in die News-Gestaltung erhalten könnten.

6. Germany’s Next Flopmodel – Wie sich GNTM selbst zerstört hat
(youtube.com, Sashka, Video: 15:33 Minuten)
In ihrem aktuellen Video kritisiert die YouTuberin “Sashka”, dass die angebliche Neuausrichtung von “Germany’s Next Topmodel” (“GNTM”) hin zu mehr Diversität und Body Positivity lediglich eine heuchlerische PR-Fassade sei. Im Kern basiere die Sendung weiterhin auf einem toxischen Machtgefälle sowie der bewussten Bloßstellung unerfahrener Kandidatinnen. Echte internationale Modelkarrieren nach der “GNTM”-Teilnahme seien die absolute Ausnahme. Das Format diene primär dazu, neues Personal für diverse Trash-TV-Sendungen und Influencer-Karrieren zu produzieren.

Mehrheit für Social-Media-Verbot, Analoger Abstieg, Affenbaby “Punch”

1. Mehrheit der Deutschen für Social-Media-Verbot bei Kindern
(spiegel.de)
Laut einer aktuellen Umfrage des ZDF befürworte eine deutliche Mehrheit von 81 Prozent der Menschen in Deutschland ein gesetzliches Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren, wobei die Zustimmung ausgerechnet bei jungen Erwachsenen am höchsten ausfalle. Die Regierungsparteien CDU und SPD sowie Bundeskanzler Friedrich Merz würden eine solche Regelung nach australischem Vorbild aktiv vorantreiben. Die Bundesschülerkonferenz spreche sich hingegen strikt gegen eine derartige Altersgrenze aus.

2. Journalisten-Verbände üben Kritik
(taz.de)
Der Kölner Verlag DuMont übernehme die Herausgeberschaft der “Kölnischen Rundschau”, da diese für den bisherigen Herausgeber, den Heinen-Verlag, nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben gewesen sei. Sowohl die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union als auch der Deutsche Journalisten-Verband NRW würden trotz Dementis einen drohenden Stellenabbau von bis zu 50 Arbeitsplätzen befürchten und eindringlich vor dem Verlust einer zweiten unabhängigen Lokalredaktion in Köln warnen.

3. #trending: der kleine Affe Punch, die Parallelwelt “X”, der “European Tree of the Year”
(meedia.de, Jens Schröder)
In seiner aktuellen “#trending”-Analyse berichtet “Meedia”-Chefredakteur Jens Schröder zunächst von dem globalen Social-Media-Hype um das Affenbaby “Punch”. Des Weiteren zeige eine Datenauswertung, dass die Plattform X in Deutschland inzwischen massiv zu einer rechtspopulistischen Parallelwelt verkommen sei. Der gesellschaftliche Mainstream sowie die traditionellen Leitmedien hätten sich stattdessen längst auf Instagram verlagert.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche 254
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Silja Kummer)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Silja Kummer, die die Wichtigkeit des Lokaljournalismus hervorhebt. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Analoger Abstieg ins Archiv (1): Erst-, Sonder-, Jubiläumsausgaben
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
In einem nostalgischen Rückblick präsentiert Torsten Dewi ausgewählte Erst-, Sonder- und Jubiläumsausgaben diverser Zeitschriften aus seinem umfangreichen privaten Printarchiv. Anhand historischer Exemplare von etablierten Blättern wie dem “Spiegel” und der “Hörzu” oder auch ehemals angesagten Magazinen wie “Tempo” reflektiert er über deren Konzepte und die massiv veränderten Marktbedingungen.

6. TikTok-News-Charts bei DWDL.de: Die Publisher-Übersicht
(dwdl.de, Simon Pycha)
Der Autor Simon Pycha wertet für das Medienmagazin “DWDL” jeden Monat systematisch den Erfolg deutscher Medienhäuser auf der Plattform TikTok aus. Die zugehörige, fortlaufend aktualisierte Übersicht umfasst dabei insgesamt 142 verschiedene Accounts, die einen klaren journalistischen Nachrichtenfokus aufweisen würden. Hier präsentiert er die lange Account-Liste.

KW 09/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Alle links?! Wie Journalisten politisch ticken
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 43:17 Minuten)
Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer besprechen die häufig geäußerte These, dass der deutsche Journalismus von einer starken linken Schlagseite geprägt sei. Empirische Studien würden im Branchendurchschnitt zwar tatsächlich eine leichte politische Linkstendenz belegen, diese nehme jedoch auf den einflussreichen redaktionellen Führungsebenen wieder spürbar ab. Das pauschale Narrativ einer rein linken Medienlandschaft sei falsch, zumal der Diskurs maßgeblich von starken konservativ-liberalen Verlagen geprägt werde.

2. Was macht man, wenn der eigene Reporter in der Türkei verhaftet wird?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 18:15 Minuten)
Vergangene Woche wurde der Deutsche-Welle-Journalist Alican Uludağ in der Türkei festgenommen. Holger Klein hat mit Erkan Arıkan, dem Leiter der türkischen Redaktion der Deutschen Welle, über die aktuelle Situation in der Türkei gesprochen: “Wie hat sich die Lage in den vergangenen Jahren verändert? Was bedeutet das für die Arbeit von Medien? Und gibt es Hoffnung, dass sich irgendwann etwas ändert?”

3. Der Fall Michel Friedman: Die Wahrheit hinter dem Skandal von Klütz
(ardmediathek.de, Daniel Batel, Video: 20:26 Minuten)
Der jüdische Publizist Michel Friedman hätte auf einer Kulturveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern auftreten sollen, sei jedoch wieder ausgeladen worden: “Zapp-Reporter Daniel Batel fährt nach Klütz und geht den Fragen nach, welche Gründe wirklich hinter der Ausladung stecken, wie eine Kleinstadt mit medialer Entrüstung umgeht und wie sie versucht, ihren Ruf zwischen echter Neonazi-Präsenz und ungerechtfertigter Stigmatisierung zurückzugewinnen.”

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4. Das dunkle Imperium von MrBeast
(youtube.com, Klengan, Video: 25:37 Minuten)
YouTuber “Klengan” analysiert das gigantische Firmenimperium von “MrBeast”, dem größten und erfolgreichsten YouTuber der Welt. Dessen extrem teure YouTube-Videos würden eigentlich massive Verluste einfahren, sollen jedoch als gigantische Marketingmaschine dienen. Mit seiner enormen Reichweite verkaufe “MrBeast” im Hintergrund äußerst profitabel eigene Konsumgüter wie Schokolade und Fertig-Snacks. Der neueste und lukrativste Coup könnte eine Finanz-App werden. Über diese könne der YouTuber seine überwiegend junge Zielgruppe künftig mit Krediten, Versicherungen und spekulativen Krypto-Produkten versorgen.

5. 80. Geburtstag der Zeit: Die Erfolgsstrategie der Wochenzeitung mit Podcasts und Politik
(omr.com, Philipp Westermeyer, Audio: 1:43:55 Stunden)
Anlässlich des 80. Geburtstags der “Zeit” erklärt Chefredakteur Jochen Wegner im Podcast-Gespräch mit Philipp Westermeyer, wie die “Zeit” trotz der allgemeinen Branchenkrise durch digitale Abos, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und reichweitenstarke TikTok-Formate kontinuierlich wachse. Ein zentraler Erfolgsfaktor sei die traditionelle Meinungsvielfalt des Blattes, das bewusst diametral unterschiedliche politische Standpunkte abbilde. Außerdem diskutieren die beiden über die bedenkliche Entwicklung des Tech-Milliardärs Elon Musk und die grundsätzliche Unvorhersehbarkeit der medialen Zukunft.

6. Studio Babelsberg: Europas ältestes Filmstudio von innen
(youtube.com, Clara Böhm, Video: 13:46 Minuten)
Studioleiter Eike Wolf führt durch das traditionsreiche Studio Babelsberg und präsentiert die enormen Dimensionen des ältesten Filmstudios der Welt. Das eröffnet exklusive Einblicke in Europas größten Requisiten- und Kostümfundus sowie in das kreative Art Department, in dem täuschend echte Kulissen für internationale Blockbuster wie “Matrix” oder “Grand Budapest Hotel” gebaut werden.

Block ver­liert gegen “Spiegel TV”, Protest gegen Hausverbot, KI-Songs

1. Chris­tina Block ver­liert gegen Spiegel-TV
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Hamburg habe einen Unterlassungsantrag der Unternehmerin Christina Block abgewiesen, mit dem sie “Spiegel TV” die Veröffentlichung von Ermittlungsdetails zu ihrem laufenden Entführungsprozess verbieten wolle. Die zuständige Pressekammer habe geurteilt, dass es sich um zulässige Verdachtsberichterstattung handele. An dem Fall bestehe ein “überragendes Informationsinteresse”.

2. Protest gegen Hausverbot
(djv.de)
Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Diese habe den ARD-Sportjournalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus die Akkreditierung verweigert und ein Hausverbot für eine aktuelle Pressekonferenz erteilt. Hintergrund des Ausschlusses sei eine kritische Berichterstattung der beiden Reporter über ein angebliches Klima der Angst und systematische Einschüchterungen von Athletinnen und Athleten innerhalb des Sportverbandes.

3. KI-Songs für die AfD und Russland
(belltower.news, Felix Michaelis)
Auf Streaming-Plattformen wie Spotify seien derzeit massenhaft KI-generierte Lieder im Umlauf, die rechtsextreme, AfD-nahe und russlandfreundliche Botschaften verbreiten würden. Spotify betone, streng gegen Hassrede vorzugehen und bereits Millionen von KI-Titeln gelöscht zu haben. Trotzdem seien verschiedene Propaganda-Profile mit teils hunderttausenden Streams weiterhin ungehindert abrufbar.

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4. Vermummte Polizisten suchen Fotojournalisten heim
(taz.de, Aljoscha Hoepfner)
Die Polizei habe die Wohnung des freien Fotojournalisten Leon Enrique Montero durchsucht und seine gesamten Speichermedien sowie Arbeitsgeräte beschlagnahmt. Der Vorwurf: Er sei bei einer Demonstration an einem Angriff auf zwei Personen aus dem “rechten politischen Spektrum” beteiligt gewesen. Montero weise dies jedoch zurück. “taz”-Chefredakteurin Ulrike Winkelmann kritisiere den Vorgang als massiven Eingriff in die Pressefreiheit und fordere die sofortige Rückgabe der Ausrüstung.

5. Unterkomplexe Verbotsdebatte?
(deutschlandfunk.de, Mike Herbstreuth, Audio: 30:58 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Im ersten Teil kommen EU-Politikerin Alexandra Geese (Die Grünen) und Kinderrechtler Torsten Krause (Stiftung Digitale Chancen) zu Wort, im zweiten Teil der 17-jährige Schüler Erik Sczygiol, stellvertretender Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz.

6. Netflix steigt aus: Der Weg ist frei für Paramount
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie “DWDL” berichtet, ist die Bieterschlacht um den US-amerikanischen Medienkonzern Warner Bros. Discovery entschieden. Vier Tage habe Netflix Zeit gehabt, das Angebot von Mitbewerber Paramount zu überbieten, doch der Streamingdienst sei ausgestiegen: “Zu dem Preis, der erforderlich wäre, um mit dem jüngsten Angebot von Paramount Skydance gleichzuziehen, ist der Deal finanziell nicht mehr attraktiv, sodass wir davon absehen.” Uwe Mantel kommentiert: “Damit kommt auch CNN wie zuvor schon CBS unter die Kontrolle der Ellison-Familie, die als Trump-nah gilt.”

Rügen wie noch nie, Filmakademie warnt, KI liest Wetter und Verkehr

1. So viele Rügen wie noch nie
(taz.de)
Der Deutsche Presserat habe im Jahr 2025 mit über 100 öffentlich ausgesprochenen Rügen einen neuen Höchststand seit seiner Gründung verzeichnet. Ein Schwerpunkt der mehr als 2.000 eingegangenen Beschwerden habe auf der Nahost-Berichterstattung gelegen. Allein über 300 davon hätten sich gegen einen unbelegten “Bild”-Artikel über einen getöteten Al-Jazeera-Journalisten gerichtet. Die häufigsten Gründe für die ausgesprochenen Rügen seien Verletzungen der journalistischen Sorgfaltspflicht gewesen, dicht gefolgt von medialen Verstößen gegen den Persönlichkeitsschutz.

2. TikTok “in europäische Hände legen”? Keine gute Idee
(socialmediawatchblog.de, Simon Berlin & Martin Fehrensen)
Die Social-Media-Experten Simon Berlin und Martin Fehrensen kritisieren den Vorschlag von Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer, TikTok nach US-Vorbild in ein europäisches Medienkonsortium zu überführen, als realitätsfern und unausgegoren. In Europa seien weder der politische Wille und die nötigen Druckmittel gegenüber China vorhanden, noch existiere ein Käufer, der den mutmaßlich zweistelligen Milliardenbetrag für das Netzwerk aufbringen könnte. Anstatt auf illusorische Zwangsverkäufe zu setzen, sollten lieber bestehende Gesetze angewendet werden, um die beherrschenden Plattformen zu regulieren.

3. ARD-Radios: Bald liest eine KI Wetter- und Verkehrsnews
(digitalfernsehen.de, Manuel Weis)
Die ARD-Popwellen würden planen, ab dem 3. März in ihren gemeinsamen Abend- und Nachtprogrammen für die Wetter- und Verkehrsmeldungen eine KI-Stimme einzusetzen. Die redaktionelle Kontrolle bleibe dabei vollständig beim Menschen, da Redakteurinnen und Redakteure die Texte schreiben und prüfen würden, bevor eine KI sie vorliest. Die generierten Stimmen würden auf den echten Moderatoren basieren und aus Transparenzgründen klar gekennzeichnet.

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4. Die “Zeit” wird 80
(wolfgangmichal.de)
In seinem Beitrag zum 80. Geburtstag der “Zeit” analysiert Wolfgang Michal die Gründe für eine anhaltende Erfolglosigkeit der Wochenzeitung in Ostdeutschland. Aus seiner Sicht schreibt das “Leib- und Magenblatt der besserverdienenden Akademiker” an der Lebensrealität der ostdeutschen Bevölkerung vorbei. Zudem stoße die historisch gewachsene Regierungsnähe des Blattes in den ostdeutschen Bundesländern auf Skepsis und Ablehnung.

5. Schon entdeckt: RiffReporter
(verdi.de, Gunter Becker)
Die journalistische Genossenschaft “RiffReporter” feiere ihr zehnjähriges Bestehen und biete mittlerweile über 100 Mitgliedern eine Plattform für unabhängigen, hierarchiefreien Wissenschaftsjournalismus. Gunter Becker fasst in seinem Beitrag einige “Innenansichten” aus dem Selbstverwaltungsmodell zusammen. So plane die Genossenschaft, neben weiterem Wachstum und mehr Reichweite, auch die Gründung eines Fördervereins, um unter anderem ihr hauseigenes Redaktionssystem an andere Medienhäuser lizenzieren zu können.

6. Filmakademie warnt vor Einflussnahme auf Berlinale
(spiegel.de)
Die Deutsche Filmakademie (Stellungnahme) und die Europäische Filmakademie sowie Hunderte internationale Kulturschaffende (Offener Brief) hätten sich hinter die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle gestellt und eindringlich vor politischer Einflussnahme gewarnt. Anlass für den breiten Protest sei eine von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer einberufene Krisensitzung, bei der Tuttle als Reaktion auf die jüngsten politischen Eklats während des Filmfestivals offenbar die vorzeitige Kündigung drohen könne.

7. Wenn die Wahrheit stimmt, aber die Bilder lügen
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:23 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: In einem Kommentar für radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator die jüngsten Vorfälle bei ARD und ZDF, bei denen ein KI-generiertes Video im “heute journal” sowie irreführende Schnittbilder einer applaudierenden Angela Merkel im “Bericht aus Berlin” ausgestrahlt worden seien. Mit diesem Vorgehen liefere der öffentlich-rechtliche Rundfunk extremen Rechten und sogenannten Alternativmedien gefährliche Munition für ihr “Lügenpresse”-Narrativ.

Altbekannte Meckerei, Showdown um Warner, Streit über Zettel-Verkäufer

1. Altbekannte Meckerei
(taz.de, Michael Bartsch)
In seinem Kommentar wirft Michael Bartsch der neuen “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung” vor, lediglich eine Mischung aus Ostalgie, Sowjetromantik und AfD-Nähe zu bedienen, anstatt den Leserinnen und Lesern wirklich neue Perspektiven zu bieten. Das Blatt von Verleger Holger Friedrich kultiviere in Bartschs Augen eine reaktionäre Opferhaltung und ein ständiges Beleidigtsein der Bürgerinnen und Bürger, ohne zur demokratischen Mitwirkung aufzurufen. Zudem sei es für ihn geradezu ironisch, dass in der Zeitung überwiegend Autorinnen und Autoren westdeutscher Herkunft schreiben würden.

2. Türkischen Botschafter einbestellen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen die Inhaftierung des Deutsche-Welle-Korrespondenten Alican Uludağ in der Türkei: “Das ist pure Schikane gegen einen kritischen und unabhängigen Journalisten, der seinen Beruf ernst nimmt und sich nicht mundtot machen lässt”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: “Und es ist ein Frontalangriff auf den deutschen Auslandssender Deutsche Welle, der die Menschen journalistisch und nicht propagandistisch informiert.”

3. Showdown um Warner: Bringt Paramount den Netflix-Deal zu Fall?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
In der Nacht zum heutigen Dienstag sei die Verhandlungsfrist für ein verbessertes Übernahmeangebot von Paramount für Warner Bros. Discovery ausgelaufen. Bislang favorisiere der Warner-Vorstand den bereits im Dezember beschlossenen Milliarden-Deal mit Netflix. Sollte der von der Familie Ellison gestützte Paramount-Konzern sein Gebot nun erhöhen, habe Netflix vier Tage Zeit, um finanziell gleichzuziehen. Ein direkter Vergleich der beiden Angebote sei jedoch kompliziert, schreibt Uwe Mantel bei “DWDL”.

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4. Streit über Schabowski-Zettel geht in nächste Runde
(spiegel.de)
Der Rechtsstreit um Günter Schabowskis historischen Sprechzettel zum Mauerfall gehe in die nächste Instanz. Ein “Bild”-Journalist poche auf seinen presserechtlichen Auskunftsanspruch. Der Reporter fordere vom Bonner Haus der Geschichte für eine Recherche die Offenlegung der Namen jener Personen, die dem Museum das Dokument für 25.000 Euro verkauft hätten. Zwei Vorinstanzen hätten der Klage des Journalisten bereits stattgegeben. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung sei jedoch die Revision zugelassen worden.

5. 18 Monate im Europäischen Observatorium für (Desinformations)narrative
(de.ejo-online.eu, Martin Lestra)
In einem Rückblick auf die vergangenen anderthalb Jahre berichtet Projektleiter Martin Lestra, dass das europäische Pilotprojekt “PROMPT” in den zurückliegenden 18 Monaten erfolgreich zielgerichtete KI-Werkzeuge zur Erkennung und Bekämpfung von Desinformation entwickelt habe. Dabei habe sich gezeigt, dass Künstliche Intelligenz zwar große Datenmengen schnell verarbeite, menschliche Analysen für die Interpretation von Kontexten jedoch unersetzlich seien. Das Projekt habe zudem eine gemeinsame Terminologie für Desinformationstaktiken geschaffen und frei zugängliche Verifizierungs-Tools bereitgestellt.

6. Weimer will Tiktok nach US-Vorbild in europäische Hände legen
(n-tv.de)
Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer habe sich dafür ausgesprochen, bei TikTok und dessen Mutterkonzern Bytedance ähnlich wie die USA vorzugehen: “Bei Tiktok bin ich der Meinung, wir müssen dort auch die Eigentumsfrage stellen, wie die Amerikaner. Europa sollte eine Antwort darauf finden: Wem gehört Tiktok, ob wir das nicht in europäische Hände legen sollten, im Einvernehmen mit Bytedance.”

Wie umgehen mit Social Media?, Kuschelblatt, Satz für die Ewigkeit

1. Tolerieren, regulieren oder verbieten: Wie umgehen mit Social Media?
(wdr.de, Susan Link, Video: 57:13 Minuten)
Im “Presseclub” geht es um die Frage, ob nach australischem Vorbild ein Social-Media-Verbot für Personen unter 16 Jahren eingeführt werden soll, um junge Menschen vor Suchtgefahren zu schützen: “Wie gefährlich sind die sozialen Netzwerke für unsere Demokratie und welche Möglichkeiten gibt es, sich aus der Abhängigkeit der großen Tech-Konzerne in den USA und China zu lösen?” Es diskutieren Jakob Hanke Vela (Büroleiter des “Handelsblatt” in Brüssel), Laura Hertreiter (Feuilletonchefin der “Zeit”), Gavin Karlmeier (freier Journalist und Digitalexperte) sowie Katharina Nocun (freie Journalistin, Autorin und Podcasterin).
Weitere Lesetipps: Social-Media-Sucht: Wie Schwarz-Rot die Verantwortung auf Nutzer schiebt (volksverpetzer.de, Patrick Gensing). Bei netzpolitik.org hat Sebastian Meineck die allgemeine Stimmungslage zusammengefasst: So breit ist die Kritik am Social-Media-Verbot: “Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) findet ein Social-Media-Verbot bis 16 Jahre sympathisch. Viele Organisationen aus Kinderschutz, Wissenschaft und Pädagogik lehnen das Verbot allerdings ab – und warnen vor Schäden für Kinder und Jugendliche. Die Übersicht.” (netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
 Die Union ist sich bei dem Thema anscheinend nicht einig. Die CSU widerspreche ihrer großen Schwester: CSU stellt sich gegen Altersgrenze für Social Media (spiegel.de).

2. ZDF zieht New-York-Korrespondentin Nicola Abrecht ab
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das ZDF berufe seine New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht ab, da sie in einem Bericht für das “heute journal” ungekennzeichnete KI-Bilder und thematisch falsches Videomaterial verwendet habe. Chefredakteurin Bettina Schausten spreche von einem schweren Verstoß gegen interne Richtlinien. Dies habe die journalistische Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders massiv beschädigt.
Weiterer Lesetipp: Unterstützung habe Albrecht vom langjährigen “heute-journal”-Moderator Claus Kleber erhalten: “Es gilt, den Rücken breit zu machen und dafür zu sorgen, dass professionelle Journalisten furchtlos ihrer Arbeit weitermachen können. Wie Nicola Albrecht.” (dwdl.de, Uwe Mantel)

3. Kuschelblatt für klasse Leute
(taz.de, Anne Fromm & David Muschenich)
Der Verleger Holger Friedrich habe mit der “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung” (“OAZ”) eine neue Wochenzeitung auf den Markt gebracht, die gezielt ostdeutsche Identitätsgefühle und Befindlichkeiten bedienen wolle. Anne Fromm und David Muschenich haben sich die erste Ausgabe der “OAZ” angeschaut. Diese fokussiere sich auf das Narrativ einer angeblich bedrohten Meinungsfreiheit und falle durch unkritische Beiträge auf, darunter ein schmeichelhaftes Porträt des AfD-Chefs Tino Chrupalla sowie russlandfreundliche Forderungen.
Weiterer Lesetipp: Für t-online.de hat Medienexperte Volker Lilienthal die “Ostdeutsche Allgemeine Zeitung” rezensiert. Ihm ist neben vielem Großen auch eine in ihrer Widersprüchlichkeit bezeichnende Kleinigkeit aufgefallen: “Reden müssen wir noch über eine ganz merkwürdige Losung in kleiner Schrift auf Seite eins ganz unten: ‘Unabhängig. Mutig. Gewaltfrei.’ Was soll das? Wie könnte eine Zeitung je gewalttätig sein? Was wären ihre Instrumente? Oder sind die anderen gewalttätig, die ‘OAZ’ aber nicht? Im Impressum findet sich ganz unten noch ein Hinweis: ‘Unsere Waffe ist das Wort. Es kann, wenn nötig, geschliffen sein.’ Also doch nicht so ganz gewaltfrei?” (t-online.de, Volker Lilienthal)

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4. Von Trumps Gnaden
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Der US-Sender CBS beuge sich zunehmend dem politischen Druck der Trump-Administration. So habe man in vorauseilendem Gehorsam ein Interview des Satirikers Stephen Colbert zensiert. Zudem sei die Unabhängigkeit der Nachrichtenredaktion massiv eingeschränkt. Der neue, Trump-freundliche CBS-Eigentümer David Ellison baue den Sender ideologisch um und lasse kritische Berichte unterdrücken. Tomas Rudl hat die Entwicklung für netzpolitik.org zusammengefasst.

5. Nostalgie in Hof: Radiogeschichte zum 80. Jubiläum von RIAS Berlin
(radiowoche.de, Stephan Wunder)
Der 80. Geburtstag des Rundfunksenders RIAS sei vom offiziellen Nachfolgesender in Berlin weitgehend ignoriert worden, doch in der oberfränkischen Stadt Hof hätten sich über 120 ehemalige Hörerinnen und Hörer, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter zusammengefunden. Die Stadt Hof pflege eine besonders enge emotionale Verbindung zu dem Sender. Dieser habe über viele Jahre als “mediales Schaufenster” mit zahlreichen Live-Übertragungen fungiert.

6. Ein rätselhafter Todesfall – und ein erster Satz für die Ewigkeit
(spiegel.de, Hauke Goos)
Hauke Goos analysiert humorvoll eine kuriose Lokalnachricht aus dem Jahr 1979 über einen rätselhaften Todesfall. Dabei nimmt er die unbeholfenen, aber charmanten Phrasen des damaligen Reporters detailliert unter die Lupe, wie etwa den angesichts der Leiche “nicht schlecht staunenden” Briefträger. Am Ende feiert Goos diese eigenwillige Wortwahl als unfreiwillig komische Prosa-Miniatur und würdigt den kuriosen Einleitungssatz als Meisterwerk für die Ewigkeit.

Klarnamenpflicht schadet, Portal gegen EU-Netzsperren, KI erfindet

1. Eine Klarnamenpflicht schadet der Demokratie
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
In seinem Beitrag bei netzpolitik.org kritisiert Markus Reuter die von Bundeskanzler Friedrich Merz geforderte Klarnamenpflicht im Internet. Eine solche Maßnahme schränke fundamentale Grundrechte wie die Meinungs- und Pressefreiheit massiv ein. Zudem gebe es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass ein Zwang zur Offenlegung der Identität den digitalen Diskurs tatsächlich befriede.

2. US-Regierung entwickelt offenbar Portal gegen EU-Netzsperren
(spiegel.de)
Die US-Regierung arbeite an einem Portal namens freedom.gov. Die Website solle es europäischen Nutzerinnen und Nutzern ermöglichen, staatliche Netzsperren für illegale Inhalte wie Hassrede oder Terrorpropaganda zu umgehen. Der Vorstoß spiegele den grundsätzlichen Konflikt zwischen dem weitreichenden US-Verständnis von Meinungsfreiheit und strengeren europäischen Regulierungen wie dem Digital Services Act wider.

3. Die Gesellschaft des Verschwindens
(taz.de, Stephan Weichert)
In einem Essay für die “wochentaz” warnt der Medienwissenschaftler Stephan Weichert vor den weitreichenden gesellschaftlichen Folgen Künstlicher Intelligenz. KI läute das Ende des bisherigen Internets ein und treibe die schleichende Entkernung der Demokratie voran. Tech-Milliardäre würden die Technologie nutzen, um politische Diskurse zu manipulieren und menschliche Reflexion durch algorithmische Berechnungen zu ersetzen. Weichert fordert eine gemeinwohlorientierte KI-Entwicklung, klare Transparenzpflichten und digitale Resilienz.

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4. Wenn die KI Quellen erfindet
(verdi.de, Rudolf Stumberger)
In einem Selbstversuch schildert der Autor Rudolf Stumberger die Neigung Künstlicher Intelligenz zu digitalen Halluzinationen. So habe der Chatbot DeepSeek fiktive Aussagen erfundener Expertinnen generiert, nur um dem geforderten “journalistischen Stil” zu entsprechen. Auf kritische Nachfragen habe das System seine Fehler zwar eingestanden, im nächsten Schritt aber direkt neue falsche Quellen präsentiert. Eine Studie der Europäischen Rundfunkunion (PDF) belege dieses Problem.

5. ProSiebenSat.1 fährt in Österreich großes Sparprogramm
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die österreichische Tochter von ProSiebenSat.1 habe ein massives Sparprogramm angekündigt, nach dem rund neun Prozent der gesamten Belegschaft wegfallen würden. Dies entspreche dem Abbau von etwa 45 Arbeitsplätzen. Um die Kündigungen sozial abzufedern, verhandle das Management derzeit mit dem Betriebsrat über einen entsprechenden Sozialplan.

6. News & Politik – Podcasts hängen TV und Zeitungen ab
(spotify.com, Su Holder & Chris Guse, Audio: 39:43 Minuten)
In der aktuellen Folge des Branchen-Podcasts “Übers Podcasten” analysiert das Produzenten-Duo Su Holder und Chris Guse einen massiven Wandel im Hörverhalten in Deutschland. Laut einer neuen Studie von Seven.One Audio seien News-Formate mit 28 Prozent Marktanteil nun das meistgehörte Genre. Vor diesem Hintergrund diskutieren die beiden die rasant wachsende Relevanz von politischer Einordnung via Audio.

KI-Desinformation auf TikTok, Social-Media-Verbot, Sparpaket bei DW

1. “Wir verstehen uns als Chronisten”
(kontextwochenzeitung.de, Oliver Stenzel)
Die Journalisten Peter Schwarz und Alexander Roth berichten schon seit langer Zeit über den Wandel der rechtsextremen Szene im Rems-Murr-Kreis, die sich von festen Treffpunkten zunehmend ins Internet verlagert habe. Dabei fungiere die AfD als Sprachrohr, das rechtsextreme Positionen normalisiere. Beide Reporter seien massiven Anfeindungen und Morddrohungen ausgesetzt, was insbesondere bei Roth strenge Sicherheitsvorkehrungen im Alltag erfordere. Im Interview mit der “Kontext:Wochenzeitung” sprechen sie über ihre Arbeit und die Aufgaben von Journalismus.

2. KI-Desinformation auf TikTok: Angriffe zielen auf die Bundesregierung
(cemas.io, Julia Smirnova)
Laut einer Analyse des CeMAS würden die Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz auf TikTok massiv mit KI-generierten Inhalten angegriffen. Diese KI-Slop-Videos würden Falschmeldungen über absurde Verbote sowie pro-russische und AfD-freundliche Narrative verbreiten. Hinter den untersuchten Accounts stecke vermutlich ein koordiniertes Netzwerk, das bereits Millionenreichweiten erzielt habe. Sprachliche Fehler und thematische Schwerpunkte würden auf ausländische Akteure oder kommerzielle “Content Farmen” hindeuten.

3. Was bringt ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche?
(correctiv.org, Samira Joy Frauwallner & Pamela Kaethner & Alexandra Ringendahl)
Seit einigen Tagen wird über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche in Deutschland diskutiert. Unlängst hatte die SPD-Bundestagsfraktion zum Schutz der psychischen Gesundheit ein generelles Social-Media-Verbot für Personen unter 14 Jahren sowie eine algorithmusfreie Version für Jugendliche bis 16 Jahren gefordert. Dieser Vorstoß erhalte breite politische Unterstützung, unter anderem von Bundeskanzler Friedrich Merz. Die “Correctiv”-Redaktion hat dazu Experten und Expertinnen aus der Sucht-, Medien- und Jugendforschung befragt. Deren Fazit: “Der Schutz junger Menschen ist wichtig, in der Verantwortung sind aber nicht allein junge Menschen.”

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4. Als deutsche Reporterin im Iran
(verdi.de, Till Schmidt)
ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa beschreibt im Interview die Lage im Iran nach den massiven Protesten und dem “Zwölftagekrieg” von 2025 als äußerst volatil. Die journalistische Arbeit vor Ort unterliege strengen Restriktionen. Während der staatlichen Internetblockade sei Gaa auf direkte Gespräche vor Ort angewiesen gewesen, um Informationen zu verifizieren. Die deutsche Wahrnehmung neige aus ihrer Sicht oft dazu, den Widerstand zu romantisieren und die Brutalität des Sicherheitsapparates zu unterschätzen.

5. Sparpaket beschlossen: Wie die DW 21 Millionen sparen will
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Nach der Etatkürzung durch den Bundestag müsse die Deutsche Welle ein Sparpaket von insgesamt 21 Millionen Euro umsetzen. Dies habe unter anderem die komplette Schließung der Griechisch-Redaktion zur Folge. Auch Angebote in Portugiesisch, Dari/Paschtu und Spanisch sowie Formate wie das russische Satiremagazin “Zapovednik” würden reduziert oder eingestellt. Rechnerisch seien 160 Vollzeitstellen betroffen, wobei betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen.

6. X muss Böh­m­er­mann-“Parodie”-Account löschen
(lto.de, Pauline Dietrich & Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Köln habe die Plattform X per einstweiliger Verfügung verpflichtet, einen verifizierten Fake-Account des Satirikers Jan Böhmermann zu löschen. Trotz des Namenszusatzes “Parody” sei für die Nutzerinnen und Nutzer nicht zweifelsfrei erkennbar gewesen, dass es sich um eine Parodie handle. Böhmermann habe argumentiert, dass der Account unter seinem Namen gezielt rechte Inhalte und Hass verbreite. Das Gericht habe bestätigt, dass der Account Persönlichkeitsrechte verletze und zudem gegen die eigenen Richtlinien von X verstoße.
Weiterer Gucktipp: Rechtsanwalt Chan-jo Jun vertritt Böhmermann in dem Fall und hat mit seiner Kollegin Jessica Flint ein interessantes Erklärvideo dazu veröffentlicht, in dem auch der frühere Bundesjustizminister Marco Buschmann eine Rolle spielt: Wenn Musk meint, über dem Recht zu stehen, braucht es Böhmermann (youtube.com, Video: 14:58 Minuten).

7. Ist Donald Trump ein “Dealmaker”?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:30 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins spricht der “6-vor-9”-Kurator über das Wort “Dealmaker”, das gern in der Berichterstattung über US-Präsident Donald Trump verwendet wird: “Es stammt aus Trumps eigenem Branding. ‘The Art of the Deal’ heißt sein bekanntestes Buch. Geschrieben hat er es bereits 1987 und seitdem geistert das Wort durch die Medien. Trump hat den Begriff ‘Dealmaker’ zu so einer Art politischem Markenkern gemacht. Und jetzt benutzt ihn der deutsche Bundeskanzler. Das klingt nach Vernunft und nach Verhandlungstisch. Oder täuscht das?” (radioeins.de, Audio: 4:30 Minuten)

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