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Urbane Legenden über Political Correctness (2)

Die Falschmeldung, dass die BBC die Bezeichungen “vor Christus” (BC) und “nach Christus” (AD) abgeschafft und durch die religionsneutralen Formulierungen “vor / nach unserer Zeitrechnung” (BCE / CE) ersetzt habe, zieht Kreise.

Die “Neue Osnabrücker Zeitung” (Neue OZ) berichtete groß in ihrer Samstagsausgabe:

LONDON. Die BBC streicht die Geburt Jesu aus dem Programm: Moderatoren sollen bei Zeitangaben nicht mehr die Begriffe “vor Christus” und “nach Christus” verwenden. Damit will der Sender auf die Sensibilitäten anderer Ethnien Rücksicht nehmen. Doch im Jahr 2011 nach der Geburt jenes Mannes, der nicht mehr genannt werden darf, regt sich viel Protest.

Was die Autorin mit “Ethnien” meint, wenn es doch um Religionen geht, ist nicht ganz klar, aber ohnehin ist das alles falsch — wie der aufmerksame Leser des Artikels immerhin erahnen kann, wenn er weiterliest bis zu der Stelle, an der plötzlich nicht mehr von einem Verbot, den Namen Jesu zu nennen, die Rede ist: “(…) jede Redaktion darf selbst entscheiden, welche Variante sie nutzt (…).”

Die BBC überlässt ihren Mitarbeitern also die freie Entscheidung. Die BBC-Religionsseiten im Internet haben sich dafür entschieden, die religionsneutralen Bezeichnungen zu verwenden, die im Schulunterricht in England und Wales ohnehin seit fast zehn Jahren verwendet werden. Die Entscheidung dieses BBC-Ressorts wurde schon vor Jahren getroffen und veröffentlicht, ist aber offenbar erst jetzt von Kritikern der BBC und der angeblichen “Political Correctness” entdeckt worden, die sie für eine sehr wirkungsvolle Desinformationskampagne nutzen.

Auch die “Westdeutsche Allgemeine Zeitung” (WAZ) wollte die längst widerlegte Mär glauben und packte eine kurze, falsche Meldung, die offenbar von derselben Autorin stammt wie die “Neue OZ”-Version, sogar auf ihre Titelseite:


Foto: pottblog.de

Sicherheitshalber ordnete die WAZ die Sache gleich noch für ihre Leser in einem Kommentar auf Seite 2 ein, der zu dem Schluss kommt:

Diese epochale Entscheidung beruhigt uns sehr. Zeigt sie uns doch, dass es nicht nur hierzulande politisch überkorrekte Bedenkenträger gibt, die Probleme vor allem dort suchen, wo sie keinen stören.

Er meint mit den beunruhigenden “Bedenkenträgern” selbstverständlich nicht die Leute, die ein Problem damit haben, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Großbritannien seinen Redakteuren die Wahl lässt, und die der BBC vorschreiben wollen, wie sie in jedem Fall die Jahrenzahlen angeben muss. Und immerhin war es die WAZ, die das “Problem” der Bezeichnung der Zeitenwende in einem kleinen Teil des BBC-Angebotes im Vergleich zu all den anderen Problemen auf der Welt wichtig genug fand, um es auf die Titelseite zu packen und einen Kommentar dafür zu verwenden.

Der vollständige Kommentar wurde übrigens noch am Freitagabend von der Nachrichtenagentur dapd weiterverbreitet, die offenbar aus irgendwelchen Gründen annahm, die WAZ-Leute kennten sich aus mit dem, was sie kommentieren.

Mit Dank an Benedikt und den Pottblogger!

Nachtrag, 5. Oktober. Die falschen Behauptungen wurden auch vom “Bonner Generalanzeiger” (“Neue Zeiten bei der BBC: Jesu Geburt wird nicht mehr genannt”), der “Kölnischen Rundschau” (“Bei der BBC wird Jesu Geburt nicht mehr genannt”) und dem “Mannheimer Morgen” (“Christus fliegt aus dem Programm”) verbreitet.

Urbane Legenden von der Political Correctness

Sie sind längst eine Art Medienfolklore: Berichte über wild gewordene Verfechter der “Political Correctness”, die uns alles nehmen wollen, was unsere abendländische Kultur einmal ausgemacht hat. Sie kommen häufig aus Großbritannien, wo eine hysterische Lügenpresse mit ihnen reaktionäre Kampagnen macht. Sie werden in Deutschland gern über Internetseiten wie das Polemikerportal “Die Achse des Guten” oder das islamfeindliche Blog “Politically Incorrect” verbreitet. Und landen am Ende zuverlässig in den vermeintlich seriösen deutschen Medien — selbst wenn die Unwahrheiten und Übertreibungen der Originalberichte zu diesem Zeitpunkt längst vollständig öffentlich dokumentiert sind.

Matthias Thibaut verbreitete gestern im Berliner “Tagesspiegel” die Mär, dass die BBC die traditionelle Bennennung der Zeitrechnung nach Christi Geburt abgeschafft habe. In der Online-Version seines Artikels heißt es schlicht und falsch:

Weil der Sender sein multiethnisches Publikum nicht verärgern will, soll künftig nur noch von vor oder nach der “gebräuchlichen Zeitrechnung” die Rede sein, statt von vor oder nach Christi.

Thibaut hat das in der “Daily Mail” gelesen, einer notorisch unzuverlässigen Quelle, insbesondere wenn es um die verhasste BBC geht, und unbesehen geglaubt.

Der kleine faktische Kern dieser Meldung ist, dass das Religions-Ressort der BBC-Internetseite die Bezeichnungen “BCE”/”CE” (“Before Common Era” / “Common Era”) als “religiös-neutrale Alternative” zu “BC”/”AD” (Vor Christus / Im Jahr des Herrn) verwendet, um nicht-christliche Besucher der Seiten nicht abzustoßen.

Ein BBC-Sprecher betonte auf Nachfrage des “Guardian”, dass “BC” und “AD” die Standard-Bezeichnungen im Programm blieben. Es stehe Einzelnen jedoch frei, davon abzuweichen.

Der “Tagesspiegel” hingegen behauptet, die BBC streiche Christus aus der Zeitrechnung, und sieht sich an schlimmste Dystopien erinnert:

George Orwell hatte bekanntlich die BBC im Sinn, als er in seinem Roman “1984” das “Ministerium für Wahrheit” beschrieb. Diesem Erbe scheint die “Auntie” nun alle Ehre zu machen.

Der BBC glaubt der Londoner “Tagesspiegel”-Korrespondent nicht, dafür aber der berüchtigten “Daily Mail”-Kolumnistin Melanie Phillips:

Melanie Phillips, eine jüdische, rechtskonservative Kommentatorin, erinnerte daran, dass in einigen Gemeinden Weihnachten bereits durch das Kunstwort “winterval” (Winterfestival) ersetzt wurde, um Nichtchristen nicht zu verletzen. “In diesem Klima ist es nicht frivol, zu fragen, wie lange es dauert, bis die Bibel verboten wird”.

Aber auch die “Winterval”-Sache ist eine Mär und Teil der Political-Correctness-Folklore. Die Stadt Birmingham führte 1997 das “Winterval” als Marketingidee ein, um zahlreiche Aktivitäten in den Wintermonaten gemeinsam zu bewerben. Zu diesem “Winterval” gehörten diverse Veranstaltungen, im Kern aber auch traditionelle Weihnachtsfeierlichkeiten, die auch genau so genannt wurden. Der “Guardian” zitierte den Stadtrat:

Über dem Rathaus war ein Banner mit den Worten “Merry Christmas”, es gab Weihnachtsbeleuchtung und Weihnachtsbäume auf den öffentlichen Plätzen, die normalen Weihnachtsgesänge von Schulchören, und der Bürgermeister verschickte Weihnachtskarten mit einer traditionellen Weihnachtsszene, in denen er allen Frohe Weihnachten wünschte.

(Übersetzung von uns.)

Obwohl das “Winterval” in keiner Hinsicht das traditionelle Weihnachtsfest ersetzt hat oder ersetzen sollte, wird es seit vielen Jahren und mit zunehmender Übertreibung von den Medien als Beleg für den Angriff der “Political Correctness” auf das Christentum interpretiert. Fanatiker wie Melanie Phillips sind dabei besonders aktiv, denk- und recherchefaule Journalisten wie Matthias Thibaut ihre willigen Handlanger.

Entsprechend endet sein Artikel:

Konservative werfen der BBC vor, sie spiegle mit ihrer Christenfeindlichkeit, ihrem Trend zu linken Labourpositionen und ihrer Europaphilie längst nicht mehr das britische Meinungsspektrum wieder. Kontroversen gab es, als die BBC eine Nachrichtensprecherin abmahnte, die an einer Halskette ein Kreuz trug. Zynische Kritiker halten es nur für eine Frage der Zeit, bis die erste Sprecherin mit Kopftuch auftaucht.

Ganz abgesehen davon, dass die BBC beteuert, die Nachrichtensprecherin nicht abgemahnt und kein Verbot solcher Symbole verhängt zu haben: Weil eine Christin aus Gründen religiöser Neutralität (angeblich) kein christliches Symbol tragen darf, wird demnächst eine Muslima ein muslimisches Symbol tragen?

Logisch ist das nicht. Aber angemessen furchteinflößend für Thibaut. Denn wenn es doch so käme und tatsächlich eine “Sprecherin mit Kopftuch in der BBC auftaucht”, wäre das für ihn zweifelsohne — der Untergang des Abendlandes.

Tripolis, Mathe-Nachhilfe, Zentralbanken

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die Verleger leisten einen unternehmerischen Offenbarungseid”
(leistungsschutzrecht.info, Philip Banse)
“Die Verleger wollen für ihre Unternehmen ein bedingungsloses Grundeinkommen”, sagt Mario Sixtus über das geplante Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Siehe dazu auch eine Antwort von Christoph Keese auf presseschauder.de.

2. “Mit Helm und Schutzweste”
(berlinonline.de, Thomas Schmid)
Thomas Schmid berichtet aus Tripolis, dass nur zwei Hotels offen stehen. “Beide hatten kein fließendes Wasser, keine Klimaanlage, kein Zimmerservice, kein Restaurant und verlangten um die 200 Euro pro Nacht. Viele Journalisten schliefen zu zweit in einem Bett, manche sogar zu dritt.”

3. “Das langweiligste Interview des Jahres”
(evangelisch.de, Christian Bartels)
Christian Bartels entdeckt “das langweiligste Interview des Jahres” – ein Gespräch mit Ulrich Wilhelm, dem Intendanten des “Bayerischen Rundfunks”, in der “Zeit”: “Dieses Interview hätte der Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo jedem Interviewer um die Ohren gehauen und es dann um 90 bis 100 Prozent gekürzt, wenn er es nicht selbst geführt hätte.”

4. “Die vierte Gewalt ist nicht mehr die Presse”
(infosperber.ch, Christian Müller)
“Sie sind eher zu Durchlauferhitzern professioneller Polit-PR und von Lobby-Informationen geworden”, schreibt Christian Müller über die “quotengeilen” Medien. Nicht sie, sondern die Zentralbanken seien heute die vierte Gewalt.

5. “Daumen hoch für Khan”
(zeit.de, Christoph Gurk)
Mathe-Nachhilfe ist unbeliebt? Nicht auf YouTube.

6. “Zwischen Sorgenkind und Superkrüppel”
(raul.de, Raúl Aguayo-Krauthausen)
Raúl Aguayo-Krauthausen schreibt auf, wie Menschen auf ihn reagieren: “Viele Menschen bemühen sich im Umgang mit Menschen mit Behinderung, nichts falsch zu machen und wirken manchmal etwas hilflos und verkrampft. Als überkompensatorisches Verhalten dient mitunter übertriebene Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Bewunderung. Erfolge, die ich zu verzeichnen hatte, wurden stets übergebührlich hervorgehoben und übertrieben gelobt.”

Tripolis, Philipp Lahm, Schlamper

6 vor 9

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1. “Irgendwas passiert in Tripolis”
(zeit.de, Daniel Erk)
Zwangsläufig ahnungslose Korrespondentenberichte aus Libyen erinnern Daniel Erk an Parodien: “Wenn schon die Menschen in Tripolis nicht wissen, wer an der Macht ist, wenn der Sieg der Rebellen nahe scheint, aber eben noch nicht errungen ist, wenn vermutlich nicht einmal Gadhafi selbst mehr übersieht, wie es um Libyen bestellt ist: Wie sollen es die Journalisten wissen?”

2. “Infokasten, IN-novativ”
(axel-springer-akademie.de, amayer)
Im Magazin “In” stösst amayer auf einen wunderlichen Infokasten.

3. “Jetzt noch Erotikfotos!”
(11freunde.de, Philipp Köster)
Philipp Köster widmet sich der Autobiographie des 27-jährigen Fußballspielers Philipp Lahm: “Dass ein solch nüchterndes, leidenschaftsloses Buch durch eine Vorabveröffentlichung auf dem Boulevard nun doch größere Verwerfungen hervorruft, ist deshalb einigermaßen skurril und zugleich völlig erwartbar. Denn natürlich gelingt es der ‘Bild’ durch eine routinierte Montage der spärlichen Stellen, an denen sich Lahm wenig schmeichelhaft über seine früheren Trainer auslässt, mühelos den falschen Eindruck zu erwecken, hier habe der Nationalspieler schonungslos abgerechnet.”

4. “taz heute mit BILD-Coupon”
(blogs.taz.de, Sebastian Heiser)
“In der taz steht am heutigen Freitag folgende ganzseitige Anzeige mit Coupon für die morgen erscheinende XXL-Ausgabe der BILD-Zeitung.”

5. “Das Blog ist tot, es lebe der Blog”
(scilogs.de, Anatol Stefanowitsch)
Das Blog oder der Blog? Neue Erkenntnisse in der am längsten währenden Debatte der deutschsprachigen Blogosphäre: “(…) auch in Deutschland ist das Maskulinum mit fast siebzig Prozent der Vorkommen klar die dominante Form”.

6. “Die Schlampenparade wird es jetzt vermutlich jedes Jahr geben”
(zeit.de, Harald Martenstein)
Harald Martenstein fordert Männer dazu auf, bei einem “Schlampermarsch” mitzumachen. “Sie sollten alle zwei verschiedene Strümpfe tragen, die Hemden müssen Fettflecken haben und aus den Hosen heraushängen. Die Haare müssen ungewaschen und zerstrubbbelt sein. Auf den Plakaten soll stehen: ‘Ich bin ein Schlamper, und ich bin stolz.’ Während des Marsches essen sie Chips, trinken Bier, zerfleddern Zeitungen und lassen anschließend alles fallen. Wenn jemand sie deswegen anmacht, sollen sie sagen: ‘Schlamper dürfen kein Freiwild sein.'”

Heute Polenflug

Die Newsticker bei “Zeit Online” werden ganz offensichtlich nicht von Menschen betreut, sondern allenfalls von einer endlichen Anzahl Affen — wahrscheinlich aber einfach nur von einem nicht besonders durchdachten Algorithmus.

Am Wochenende hatte “Zeit Online” die sid-Meldung über ein Spiel des BFC Dynamo im DFB-Pokal in die Rubrik “DDR” einsortiert (BILDblog berichtete) und heute läuft eine Nachricht über eine geplante Jupiter-Mission der Nasa, die dpa unter den Stichwörtern “USA/Raumfahrt/Astronomie” verschickt hatte, bei “Zeit Online” unter dieser Dachzeile:

Polen: Nasa schickt Sonde zum Gasriesen Jupiter

Nun ist die Nasa bekanntlich die amerikanische und nicht die polnische Weltraumbehörde, wie also konnte dieser Fehler jetzt wieder pass…

Ah:

Die Nasa will auch mehr über Jupiters Magnetfeld nahe den Polen erfahren.

Nachtrag, 15.40 Uhr: “Zeit Online” hat in der Dachzeile “Polen” gegen “Raumfahrt” ausgetauscht.

GEZ, Focus, Tripolis

6 vor 9

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1. “Wie die Medien ticken”
(kontextwochenzeitung.de, Rainer Nübel)
Rainer Nübel beschreibt das Affirmationsprinzip, dem viele Leser folgen: “Bestätigt das Medium durch Berichte oder Kommentare meine eigene Position, ist es gut und seriös – stellt es meine eigene Sichtweise in Frage, negiert oder karikiert sie sogar, dann ist es schlecht und ein Paradebeispiel für den inhaltlichen Verfall der Presse.” Weiter konstatiert Nübel einen die Glaubwürdigkeit untergrabenden Mangel an Transparenz bei den Medien.

2. “Gefangene Gaddafis – mit Swimming Pool und türkischem Bad”
(welt.de, Alfred Hackensberger)
Journalisten in Tripolis stehen unter Hausarrest, schreibt Alfred Hackensberger: “Die organisierten Ausflüge sind immer an Regime-Jubelveranstaltungen gekoppelt. Wie aus dem Nichts tauchen Gaddafi-Anhänger auf, die mit Postern und Fahnen ein aufdringliches Spektakel inszenieren.”

3. “Aphrodites Fingerzeig”
(tagesspiegel.de, Gerd Höhler und Sonja Pohlmann)
Wegen der “Focus”-Titelgeschichte “Betrüger in der Euro-Familie” reichen sechs Griechen Strafanzeige gegen Herausgeber Helmut Markwort ein: “Gegen ihn sowie neun Redakteure und Mitarbeiter des Magazins ermittelt die griechische Staatsanwaltschaft wegen Verleumdung, übler Nachrede und Verunglimpfung der Symbole des griechischen Staates.”

4. “Der Pressekodex – nur ein stumpfes Schwert im Kampf um eine faire Berichterstattung?”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Wie Boulevardmedien über einen in Berlin festgenommenen Fussballspieler aus der 3. Liga berichten.

5. “Personen, Posen, Prominente”
(journalist.de, Anna-Kristine Wipper)
Fotos: Was ist presserechtlich erlaubt und was nicht?

6. “Die fetten Jahre sind nicht vorbei”
(faz.net, Michael Hanfeld)
Nach Ansicht von Geschäftsführer Hans Buchholz benötigt die Gebühreneinzugszentrale GEZ mit dem vereinfachten Gebühreneinzug ab 2013 rund vierhundert neue Mitarbeiter.

Stalins Badezimmer, Cosmopolitan, Prinz

6 vor 9

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1. “Wie ich Stalins Badezimmer erschuf”
(berlinonline.de, Andreas Kopietz)
Andreas Kopietz fügt 2009 im Wikipedia-Artikel zur Berliner Karl-Marx-Allee (Versionsgeschichte) die (erfundene) Behauptung hinzu, die Straße sei zu DDR-Zeiten im Berliner Volksmund auch “Stalins Badezimmer” genannt worden. Die Falschinformation hält sich und wandert weiter: “Wer vor zwei Wochen den Begriff googelte, fand 328 Einträge. Gestern listete Google Stalins Badezimmer bereits 360 Mal auf.”

2. “Eine mediale Vorverurteilung ist eigentlich nicht reparabel”
(planet-interview.de, Marie v. Baumbach)
Medienanwalt Matthias Prinz spricht über “Bild”, “Personen der Zeitgeschichte” und Privatsphäre: “Grundsätz­lich gilt, dass jeder Mensch ein Recht hat, sein Privatleben unbeobachtet und in Ruhe zu führen.”

3. “Das Ping-Pong-Dilemma”
(freitag.de, Kathrin Zinkant)
Erklärbären und/oder kompetente Experten? Kathrin Zinkant über die Vermittler von Wissen in den Medien.

4. “Echo-Verleihung: 20 Jahre Bullshit Bingo”
(carta.info, Tim Renner)
Tim Renner erinnert daran, dass die Musikindustrie mit der Echo-Verleihung seit 1992 “lieber auf platten Mainstream und die Rückbetrachtung auf Basis der Charts” setzt.

5. “When Reporters Attack”
(thedailyshow.com, Video, 7:07 Minuten, englisch)
TV-Journalistin Nancy Grace will im Gespräch mit einem Wissenschaftler nicht glauben, dass für die US-Westküste keine Gefahr einer radioaktiven Strahlung besteht.

6. “Wenn die Zeit den Journalismus einholt”
(huss-schaefer.de, Nadine)
Nadine liest die April-Ausgabe von “Cosmopolitan”, in der Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister und als einer der “beliebtesten Politiker des Landes” beschrieben wird.

Guttenberg, E-Paper, Prinz Poldi

6 vor 9

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1. “Der BILD-Minister”
(sprengsatz.de, Michael Spreng)
Die Nähe von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zu “Bild” könnte zu einem Karriereknick führen, glaubt Michael Spreng. “Am vergangenen Freitag warnte zu Guttenberg in der ‘Gorch-Fock’-Affäre noch vor Vorverurteilung, um dann am selben Tag kurz vor Mitternacht nach dem Anruf eines BILD-Redakteurs den Kommandanten zu suspendieren. Die Zeitung mit dem Bericht über weitere Missstände auf dem Segelschulschiff war noch gar nicht erschienen, als der bis dahin angesehene Offizier schon abberufen war. So viel zum Thema Vorverurteilung und darüber, wie bei der Bundeswehr eine objektive Untersuchung aussieht.”

2. “Guttenberg: Was er sagt, was er macht”
(heute.de, Dominik Rzepka)
Dominik Rzepka blickt zurück auf die Themen Kundus, Wehrpflicht und Opel und vergleicht, was zu Guttenberg gesagt hat und wie er gehandelt hat.

3. “Springer meldet ernüchternde ePaper-Zahlen”
(meedia.de, Jens Schröder)
Im vierten Quartal 2010 verfügte die E-Paper-Ausgabe von “Bild” über 785 Abonnenten. “Zwar liegen die Gesamtverkäufe der elektronischen Bild bei 18.786, doch 17.983 dieser Exemplare stammen aus der Kategorie Sonstiger Verkauf, sind also stark rabattierte Angebote.”

5. “150 Tonnen Zeitungen gestohlen”
(presseportal.de/polizeipresse)
Ein 52-jähriger Kurierfahrer erlöst beim Altpapierhändler rund 12.500 Euro mit gestohlenen, meist druckfrischen Zeitungen.

5. “Neonazis zum Anklicken”
(taz.de, Astrid Geisler und Christoph Schultheis)
“Heile Welten” verspricht neue Einblicke “in das rechte Alltagsleben in Deutschland”. Mitautor ist BILDblog-Mitbegründer Christoph Schultheis.

6. “Der falsche Prinz Poldi und die ‘Bild’-Schlagzeile”
(tagesanzeiger.ch, Christian Andiel)

heute  

Von Gewalt gegen die Polizei und Polizeigewalt

Die Bundesregierung hat gestern einen Gesetzentwurf beschlossen, durch den Polizeibeamte und andere Einsatzkräfte besser vor gewalttätigen Angriffen geschützt werden soll. Unter anderem soll schon der bloße Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit drei statt bisher zwei Jahren Gefängnis geahndet werden können.

Zur Illustration zeigte die “heute”-Sendung des ZDF diverses Archivmaterial, das Angriffe auf die Polizei zeigen sollte. Während der Sprecher von Leuten sprach, “die sich gegen das Abführen oder einen Polizeigriff wehren”, waren diese Bilder zu sehen:

Die gezeigten Aufnahmen haben eine gewisse Berühmtheit erlangt. Und tatsächlich wurde dem Mann im blauen T-Shirt vorgeworfen, bei der Demonstration “Freiheit statt Angst” in Berlin vor einem Jahr Polizisten gestört und Widerstand geleistet haben.

Zur Illustration des Themas eignen sich die Aufnahmen dennoch denkbar schlecht. Die Ermittlungen gegen den Mann wurden nämlich eingestellt. Stattdessen wurde gegen zwei Polizisten ermittelt, die ihn zusammengeschlagen haben sollen.

Mit Dank an Johannes Z.!

Politikjournalisten, Fox News, CCC

6 vor 9

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1. “Die Fußballreporter von Berlin”
(sprengsatz.de, Michael Spreng)
Michael Spreng bemerkt, dass Poltikjournalisten “immer häufiger und schneller von einem Extrem ins andere” fallen – “so, als würden sich Können und Leistungskraft von Politikern und Regierungen monatlich ändern. In einer Woche rufen sie ‘Hossiana’, in der nächsten schon wieder ‘Kreuzigt ihn’ – oder umgekehrt.”

2. “USA: Hetzjagd auf Barack Obama”
(ardmediathek.de, Video, 7:49 Minuten)
Der “Weltspiegel” zum US-“Kampfsender” Fox News: “Fox News geht es nicht um Information und Fakten. Alles, was nicht ins Glaubenskonzept passt, wird ausgeblendet.”

3. “Dem traurigen Trend des Lärms trotzen”
(journal21.ch, Moritz Leuenberger)
Für den Schweizer Medienminister Moritz Leuenberger gibt es “nur noch wenige Medien”, “die sich nicht primär an den quantitativen Kriterien ausrichten, wie sie die Inseratewirtschaft diktiert”: “Die Reihenfolge der Artikel auf den Online-Portalen verändert sich ständig; was nicht angeklickt wird, verschwindet bald wieder. Und so buhlen die Artikel, wollen sie nicht einen schnellen Tod sterben, mit reisserischen, personalisierten Titeln um Aufmerksamkeit.”

4. “ABC News Coverage of San Bruno Explosion a Bit ‘Lost'”
(aolnews.com, Joe Peacock)
Auf der Website von “ABC News” gerät ein Bild aus der TV-Serie “Lost” in die Berichterstattung über die Gasexplosion in San Bruno.

5. “Die Akte CCC”
(netzpolitik.org, Video, 27:56 Minuten)
Die 3sat-Sendung “neues” widmet sich dem Chaos Computer Club. Für Klaus Kornwachs (ab 10 Minuten) besteht die Weitsichtigkeit, die der Club auch heute noch habe, darin, “dass er der etwas zur Grossmäuligkeit neigenden IT-Branche auf die Finger guckt und hier ungerechtfertige Versprechungen und voreilige Behauptungen etwas zurückstutzt.”

6. “Allein im Wald”
(dasmagazin.ch, Mathias Plüss)
Mathias Plüss besucht Biologieprofessor und Ultramarathonläufer Bernd Heinrich in seiner selbst gebauten Blockhütte in den Wäldern von Maine, wo er mit zwanzig Litern Wasser pro Woche auskommt. “Andere Leute verschwenden ihre Zeit mit Fernsehen oder mit Schwatzen. Ich nicht.”

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