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Twitter-Bitcoin-Hack, Der falsche Stammbaum, Hofberichterstattung

1. Twitter-Accounts von Prominenten offenbar gehackt
(spiegel.de)
Gestern Abend kam es zu einem Hackerangriff auf Twitter-Konten von mehreren Prominenten und großen Firmen. In untergeschobenen Tweets riefen die von der Attacke betroffenen Personen und Unternehmen dazu auf, ihnen Bitcoins zu senden. Man würde den Betrag doppelt zurückzahlen oder spenden. Betroffen waren unter anderem die Accounts des früheren New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg, des Rappers Kanye West und des Microsoft-Gründers Bill Gates sowie Profile von Firmen wie Apple und Uber. Twitter will der Sache nachgehen, verständlicherweise und mehr als dringend.
Weiterer Lesehinweis: Warum es so gefährlich war, dass Hacker über Twitters interne Systeme prominente Accounts steuern konnten (netzpolitik.org, Markus Reuter).

2. Darf Facebook Ihre Daten in die USA senden?
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Dürfen Unternehmen personenbezogene Daten von Europäerinnen und Europäern in die USA schicken – Daten, die dort auch von den Geheimdiensten genutzt werden können? Darüber entscheide heute, aller Voraussicht nach, der Europäische Gerichtshof. Lisa Hegemann behandelt die wichtigsten Fragen zum Thema: Was ist das genaue Problem bei der Datenweitergabe? Was verbirgt sich hinter dem Privacy-Shield-Abkommen? Und wie sind die möglichen Entscheidungen des Gerichts zu bewerten?

3. Der erste Nestbeschmutzer aus dem Homeoffice
(netzwerkrecherche.org, Malte Werner)
Die Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten aus dem Master-Studiengang Journalistik und Kommunikationswissenschaften an der Uni Hamburg haben gemeinsam an einem Heft gearbeitet (PDF), das sich thematisch an die Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche anlehnt. Empfehlenswert für alle Medieninteressierten – und noch dazu kostenlos.

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4. Der falsche Stammbaum
(kontextwochenzeitung.de, Johanna Henkel-Waidhofer)
Tagelang machte das einem Polizeipräsidenten in den Mund gelegte Wort von der “Stammbaumforschung” die Runde. Dieser Polizeipräsident hatte das jedoch nie gesagt. Johanna Henkel-Waidhofer hat den Fall in einer Chronologie aufgearbeitet: “Verursacht wurde die ganze Aufregung von einem Sternschnuppen-Journalismus, der ungeniert Meldungen verbreitet, ohne ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.”

5. Diversität in Medien muss zur Normalität werden
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Bei den Medientagen München ging es unter anderem um die Frage, wie Diversität zum selbstverständlichen Wert redaktioneller Arbeit werden kann (Videomitschnitt der Veranstaltung). Petra Schwegler fasst die verschiedenen Aussagen, Wünsche und Forderungen von Teilnehmern und Teilnehmerinnen zusammen.

6. Sein Schloss, sein Schiff, sein Himmel, unser Aufmacherfoto
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Angela Merkels Treffen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder glich einem durchorchestrierten und inszenierten Staatsbesuch. Dabei entstanden Bilder von, nun ja, ungeheurer visueller Wucht, die begierig von vielen Redaktionen aufgegriffen wurden. Stefan Niggemeier hat sich die Titelblätter einiger Zeitungen angeschaut und kommentiert die spezielle Form der Hofberichterstattung.

Kontaktschuld, Kontrollversuche im Lokaljournalismus, Techjournalismus

1. Damit ist jedes Ihrer Argumente wertlos.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre nimmt sich eines moralisch-ethischen Themas an, das vor allem in den Sozialen Medien immer wieder für Streit und Diskussionen sorgt: der sogenannten “Kontaktschuld”. Macht man sich schuldig, wenn man Kontakt zu jemandem hat, der zum Gegner erklärt wurde? Über diese schwierige Thematik hat Buhre mit einer betroffenen Person gesprochen. Das Interview sei anonymisiert worden, weil die interviewte Person selbst Opfer von Kontaktschuldvorwürfen sei und sich daraufhin mit dem Arbeitgeber darauf verständigt habe, sich in betreffender Causa bis auf Weiteres nicht zu äußern. Das Gespräch (sowie Buhres empfehlenswerter Begleittext) liefert viel Stoff zum Nachdenken und für etwaige weitere Diskussionen.

2. Warum der Bund mit der Presse-Förderung einen gewaltigen Fehler begeht
(meedia.de, Gregory Lipinski)
Die Große Koalition wolle in den nächsten Jahren die Zeitungsbranche mit 220 Millionen Euro fördern. Eigentlich eine gute Idee, findet Gregory Lipinski, doch die Sache habe einen Haken: Das Geld solle mehrheitlich in die Digitalisierung fließen, von den ursprünglich eingeplanten 40 Millionen Euro Zuschuss für die Auslieferung von Printprodukten sei keine Rede mehr. Ein Fehler, so Lipinski. Zusammen mit dem steigenden Mindestlohn mache es der Bund den Verlagschefs quasi unmöglich, die Zustellung ihrer Zeitungen dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben: “Vor allem in vielen ländlichen Regionen drohen rasch weiße Flecke. Denn hier sind die Zustellkosten aufgrund größerer Wegstrecken am höchsten.”

3. Kontrollversuche im Lokaljournalismus
(ndr.de, Daniel Bouhs)
Der Wunsch, Berichterstattung zu kontrollieren, zeigt sich unter anderem in der Autorisierungspraxis von Interviews. Viele Promis, Politikerinnen und Politiker lassen sich nach einem Gespräch mit überregionalen Medien oder Magazinen das jeweilige Interview zur Freigabe vorlegen. Diese Praxis scheint sich auch im Lokaljournalismus auszubreiten. “Wir haben es ständig mit Leuten zu tun, die den Text vorher lesen wollen – wohlgemerkt: Amateure, ganz normale Bürger”, so der Chefredakteur der “Ostfriesen-Zeitung”, Joachim Braun, gegenüber dem Medienmagazin “Zapp”. “Das nimmt seit zwei, drei Jahren zu.”

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4. Der traurige Zustand des deutschen Techjournalismus am Beispiel Shopify
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Der deutsche Gründer Tobias Lütke hat mit Shopify ein Unternehmen geschaffen, das einen Marktwert von Daimler und Volkswagen habe – wohlgemerkt: zusammen. Dennoch werde über diese Erfolgsgeschichte in deutschen Medien so gut wie nicht berichtet. Ein Versäumnis, für das Thomas Knüwer deutliche Worte findet: “So lange die versammelte Autorenschaft der großen Medienmarken solch ein Thema verschläft, muss sie sich die Frage gefallen lassen, wofür die Redakteure bezahlt werden – und wofür der Leser sie bezahlen sollte.”

5. Schlechte Zeiten für fiktionales Fernsehen?
(uebermedien.de, Wilfried Urbe)
Die Corona-Krise ist auch eine Krise des fiktionalen Fernsehens und Films. Laut dem europäischen Film- und TV-Produzentenverband CEPI hätten zwei Drittel aller Produktionsfirmen in Europa ihre Produktionen zumindest vorübergehend stoppen müssen. Außerdem erlitten die privaten Sender erhebliche finanzielle Verluste durch den Rückgang der Werbeeinnahmen. Bei der ProSiebenSat.1-Gruppe ist von einem Minus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum die Rede. Wilfried Erbe hat sich in der angeschlagenen Branche umgesehen, dabei aber auch Krisengewinnler entdeckt.

6. Kritik an SWR-Sportsendung: Freundschaftsinterview mit Jürgen Klopp
(ondemand-mp3.dradio.de, Christoph Sterz, Audio: 2:07 Minuten)
Im SWR-Fernsehen wurde ein Interview mit dem Fußballtrainer Jürgen Klopp ausgestrahlt, bei dem es recht freundschaftlich und fast privat zuging. Kein Wunder, denn die Reporterin Lea Wagner und Klopp kennen sich gut: Wagner ist die Tochter des Fußballtrainers David Wagner, die Familien Klopp und Wagner seien miteinander befreundet (Jürgen Klopp ist laut “FAZ” sogar der Patenonkel von Lea Wagner). Im Hinblick auf kritische Distanz sind derlei persönliche Verflechtungen problematisch. Doppelt problematisch wird es, wenn die Beziehung, wie im vorliegenden Fall, nicht angesprochen wird.

Spannervideos, Rechtsextreme auf Imagesuche, Maskenfreies Fernsehen

1. Spannervideos – das heimliche Verbrechen
(ardmediathek.de, Patrizia Schlosser, Video: 42:57 Minuten)
Das Thema ist unerfreulich und abstoßend, doch der Beitrag darüber ist herausragend und unbedingt sehenswert: Patrizia Schlosser hat sich für ihre Investigativreportage mit bewundernswerter Courage in die Welt der Spanner begeben, die Frauen heimlich auf Klos oder unter der Dusche filmen und die Videos auf Pornoportalen veröffentlichen. Dabei geht es auch um die politische und juristische Dimension, denn manchen Tätern sei bei der derzeitigen (lückenhaften) Gesetzeslage nicht beizukommen.

2. Blanker Hass
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Donald Trumps Lieblingssendung bei Fox News sei “Tucker Carlson Tonight”, eine Sendung, die vom “paleokonservativen” politischen Kommentator Tucker Carlson moderiert wird. Nun sei bekannt geworden, dass der Chefautor der Sendung offenbar jahrelang unter Pseudonym im Internet Hetze, Rassismus und Frauenfeindlichkeit verbreitet habe. Das war anscheinend selbst Fox News zu viel: Sender und Autor haben sich getrennt. Tucker Carlson wolle sich erst in seiner Sendung am Montagabend zu dem Fall äußern.

3. Warum in Fernsehserien keine Masken getragen werden
(deutschlandfunk.de, Pia Behme, Audio: 4:53 Minuten)
Unser Alltag in Corona-Zeiten ist von Schutzmaßnahmen, Distanzregeln und Atemschutzmasken bestimmt. In der TV-Unterhaltung ist die Zeit jedoch meist vor der Pandemie stehengeblieben. Pia Behme hat bei Branchenvertreterinnen und -vertretern nachgefragt, warum die Corona-Thematik in fiktionalen Filmen oder Serien derzeit so gut wie keine Rolle spiele.

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4. Entlang der roten Linien in China
(mmm.verdi.de, Günther Herkel)
Der freie Journalist Marcel Grzanna lebte und arbeitete neun Jahre lang in China. Seine Erfahrungen und Eindrücke hat er in einem Buch zusammengefasst: “Eine Gesellschaft in Unfreiheit. Ein Insiderbericht aus China, dem größten Überwachungsstaat der Welt”. Im Interview spricht Grzanna über die schwierige Situation des Journalismus in dem asiatischen Land, das nahezu unmögliche Berichten über Missstände und den Vorwurf des “China-Bashings”.

5. Wie sich Rechtsextreme ein neues Image geben
(belltower.news, Stefan Lauer)
Vor Kurzem hat Twitter mehrere Accounts der “Identitären Bewegung” (“IB”) beziehungsweise aus dem dazugehörigen Umfeld gelöscht. Von der Löschaktion betroffen ist auch das prominente “IB”-Aushängeschild Martin Sellner, dem auf Twitter 40.000 Menschen folgten. Stefan Lauer hat sich die Reaktionen von Sympathisanten der Bewegung angeschaut, darunter auch Parteimitglieder von AfD und FPÖ.

6. BILD-Zweigstelle direkt in Söders Arsch eröffnet
(der-postillon.com)
Wie erklärt sich die obsessive Liebe der “Bild”-Redaktion für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder? Was vielen Branchenkennern bislang ein Rätsel war, haben die Kollegen vom “Postillon” nun endlich gelöst: Es müsse mit der regionalen Nähe zu tun haben.

Pixelproblem, Wonach riecht die “taz”?, Schafft die Pressestellen ab

1. Wenn der Schein trügt
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Unter Verweis auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) hieß es in vielen Meldungen, dass Fotografinnen und Fotografen Personenfotos bei der Weitergabe an Redaktionen nicht verpixeln müssten. Ganz so einfach sei es jedoch nicht, stellt der Jurist Felix W. Zimmermann fest: “Das BVerfG hat im Beschluss zwar postuliert, dass Journalisten grundsätzlich Bildmaterial nicht verpixeln müssen. Doch entgegen des selbst aufgestellten Grundsatzes zeigt die Begründung der Entscheidung, dass freie Journalisten nur dann auf der sicheren Seite sind, wenn sie Personenfotos verpixelt weitergeben. Denn der Grundsatz wird an strenge Voraussetzungen geknüpft. Hält der Journalist sie nicht ein, macht er sich strafbar. Im Beschluss liegt daher keine Stärkung der Pressefreiheit, sondern eine Erschwerung des freien Informationsaustausches von Journalisten.”

2. Angriff auf Kamerateam: Jetzt steht auch RTL in der Kritik
(rnd.de)
Vergangenen Dienstag wurde ein TV-Team des Senders RTL in Köln angegriffen. Nun sei ein Video aufgetaucht, das den Konflikt zeige, aber auch kritikwürdige Äußerungen des RTL-Teams dokumentiere. Der Privatsender hat sich dazu in einer Pressemitteilung geäußert: “Ein Szeneaussteiger, der für die Filmaufnahmen ebenfalls im Auto des Drehteams sitzt, ist dabei zu hören, wie er pauschal herabwürdigende Aussagen gegenüber der Minderheit der Sinti und Roma macht. Diese Äußerungen sind inakzeptabel, die Redaktion distanziert sich aufs Schärfste davon und drückt ihr tiefes Bedauern aus.”

3. Das Plattformgrundgesetz
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Das geplante “Digitale-Dienste-Gesetz” der EU sei dazu geeignet, die digitale Welt für immer zu verändern, so Alexander Fanta. Ein erster Entwurf des “Plattformgrundgesetzes” werde Ende des Jahres erwartet. Es gehe darum, die Marktmacht von Plattformkonzernen wie Google und Amazon zu beschränken und eine europaweite Vereinheitlichung der Spielregeln durchzuführen. Das Gesetz ziele auch auf Facebook. Eine europaweite Aufsichtsstruktur solle sicherstellen, dass die Plattformen ihre rechtlichen Verpflichtungen bei Datenschutz, Inhaltemoderation und anderen Fragen einhalten.

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4. Vom Lückenfüller zur Design-Ikone
(sueddeutsche.de, Oliver Klasen)
“Süddeutsche”-Redakteur Oliver Klasen huldigt einer ikonographischen Instanz des linearen Fernsehens von gestern: dem Testbild. Ein Experte vom Institut für Rundfunktechnik erklärt, warum die Sender derartige Bildtafeln ursprünglich einführten: “Das Testbild war ein Platzhalter, mit dem der Fernsehservicetechniker die Funktionsfähigkeit überprüfen konnte. Das war wichtig in Zeiten, in denen nur zwei Stunden pro Tag gesendet wurde und man über weite Strecken kein richtiges Programm hatte.”

5. Best of Informationsfreiheit: Schafft die Pressestellen ab!
(heise.de, Arne Semsrott)
Arne Semsrott von der Transparenzinitiative “FragDenStaat” hat sich den Frust über das seiner Meinung nach wenig konstruktive Verhalten behördlicher Pressestellen von der Seele geschrieben: “Wer heutzutage bei einer Pressestelle eines Bundesministeriums anruft, verschenkt Zeit. Kaum eine Anfrage wird von den Beamten direkt am Telefon beantwortet, stattdessen muss man Fragen nochmals per Mail zuschicken. Antworten kommen danach oft zu spät, sind zu vage und bieten in der Regel keinen echten Mehrwert.” Semsrotts Vorschlag: “Wem an einer fundierten und sachlichen gesellschaftlichen Debatte gelegen ist, sollte sich dafür einsetzen, dass die Social-Media-Manager der deutschen Behörden mit Bots ersetzt werden. Die können dann regelmäßig Behördeninfos vertwittern, fertig, aus.”

6. Wonach riecht die taz?
(instagram.com, Benjamin von Stuckrad-Barre, Video: 7:30 Minuten)
“Die Luft riecht nach Entscheidung, nach Arbeit und Hotel. Wonach riecht die taz?” Benjamin von Stuckrad-Barre hat zusammen mit Karolina Deubele einen Film über die “taz” gedreht und auf seinem Instagram-Kanal veröffentlicht.

Gespenstische Gesichtersuche, Korrekt gendern, Marseille

1. Eine polnische Firma schafft gerade unsere Anonymität ab
(netzpolitik.org, Daniel Laufer & Sebastian Meineck)
“Toll, endlich eine elektronische Suche für Gesichter”, mögen manche etwas unbedarfte Zeitgenossinnen und Zeitgenossen denken, wenn sie auf Pimeyes stoßen. Doch Fachleute erkennen in der kostenlos abrufbaren Datenbank mit mehr als 900 Millionen Gesichtern ein enormes Missbrauchspotenzial. Daniel Laufer und Sebastian Meineck sind der Sache in einer aufwändigen Recherche nachgegangen.

2. Pressefreiheit überwiegt
(taz.de, Christian Rath)
Das “Manager Magazin” hat 2011 über den einschlägig bekannten Ulrich Marseille berichtet, den Chef der bundesweit tätigen Marseille-Kliniken AG (heute MK-Kliniken AG). In dem Porträt wurde auch eine für Marseille leicht peinliche Anekdote erwähnt: Der Konzernleiter sei 1984 im juristischen Staatsexamen bei einem Täuschungsversuch ertappt worden und habe das Studium ohne Abschluss abbrechen müssen. Marseille klagte, zunächst erfolgreich, gegen die Berichterstattung, musste jetzt jedoch eine Niederlage hinnehmen: Der Bericht über die Jugendverfehlung sei zulässig gewesen, so das Verfassungsgericht. “Es gebe zwar eine ‘Chance auf Vergessenwerden’, so die Verfassungsrichter, bei einer Abwägung im Fall Marseille überwiege aber das Recht der Presse, wahrheitsgemäß zu berichten. Schließlich sei Marseille stets öffentlich tätig gewesen und habe auch die Öffentlichkeit gesucht.”

3. Korrekt gendern – wie geht das?
(genderleicht.de, Christine Olderdissen)
Anlässlich des einjährigen Bestehens von Genderleicht.de hat Projektleiterin Christiane Olderdissen einen lesenswerten Beitrag zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch verfasst, der für mehr Gelassenheit wirbt: “Die Weiterentwicklung der Sprache ist ein hoch demokratischer Prozess, denn die Mehrheit entscheidet, was funktioniert und was so zur Sprachnorm wird. Wir müssen zum Beispiel hinnehmen, dass der Genitiv zunehmend vom Dativ verdrängt wird. Diesen Prozess können wir sprachliebend beweinen und persönlich mit korrektem Einsatz des Genitivs gegenhalten. Aufhalten lässt sich die Entwicklung nicht. Genauso wenig wie ‘das Gendern’.”

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4. Das (zu) späte Erwachen der Medienverbände
(ndr.de, Daniel Moßbrucker)
Durch ein von netzpolitik.org veröffentlichtes Leak wurde bereits im März 2019 bekannt, dass deutsche Geheimdienste nicht nur Schwerstkriminelle und Terroristen abhören beziehungsweise “hacken” dürfen, sondern in Einzelfällen auch Medien. Doch erst jetzt scheinen die Medienverbände das Thema entdeckt und mit einer Stellungnahme (PDF) darauf reagiert zu haben. Der Einspruch komme spät – vermutlich sogar zu spät, so Daniel Moßbruckers Einschätzung.

5. Wo stehen die Verlage jetzt?
(deutschlandfunk.de, Christopher Ophoven, Audio: 4:48 Minuten)
Die Corona-Pandemie hat viele Medien- und Verlagshäuser schwer getroffen, trotz gestiegener Onlinenutzung und Zuwachs beim Verkauf von Digitalabos. Wie wird es weitergehen? Experten sind nicht allzu optimistisch: “Wenn jetzt Werbekunden sich entschieden haben, ich verzichte erstmal auf Werbung in der Zeitung, dann ist durchaus nicht ausgemacht, dass nur wenn die wirtschaftliche Situation für die Werbekunden wieder besser wird, sie auch wieder mehr Geld für Werbung in der Zeitung ausgeben. Vielleicht geben sie dann auch für Werbung in anderen Werbeformen aus, also, dass sie dauerhaft weg sind.”

6. Facebook entfernt Accounts von Hassgruppe und Trump-Vertrautem
(zeit.de)
Facebook habe mehr als einhundert Konten gesperrt, die mit Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro und Donald Trumps Berater Roger Stone in Verbindung gebracht wurden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des brasilianischen Präsidenten hätten ein “Desinformationsnetzwerk” erschaffen, das spalterische politische Botschaften verbreitet habe. Der langjährige Trump-Berater Roger Stone und dessen Partner hätten 50 persönliche und geschäftliche Seiten betrieben und gefälschte Konten und Follower genutzt, um Stones Bücher und Beiträge anzupreisen.
Dazu eine Guckempfehlung des “6 vor 9”-Kurators für das Wochenende: Die gleichermaßen unterhaltsame wie fassungslos machende Netflix-Doku: “Get me Roger Stone” (Dazu Jürgen Schmieder auf Süddeutsche.de: “Gegen den US-Politikberater Roger Stone wirkt selbst Frank Underwood aus ‘House of Cards’ wie ein Pimpf mit zu vielen Skrupeln.”)

Kalbitz im Sommerinterview, “Zapp”, Liebesinvest bei ProSiebenSat.1

1. Bühne frei für den Feind der Demokratie
(spiegel.de, Ann-Katrin Müller)
In bestechender Beweisführung erklärt die “Spiegel”-Redakteurin Ann-Katrin Müller, warum es keine gute Idee des RBB war, dem nachgewiesenen Rechtsextremisten Andreas Kalbitz ein komplettes Sommerinterview zu widmen. “Warum aber sollte der RBB, ein öffentlich-rechtlicher Sender, der selbstverständlich dem Grundgesetz verpflichtet ist, dem Spitzenpolitiker einer Partei Sendezeit geben, über die der dortige Verfassungsschutzchef sagt: ‘Es liegen hinreichend wichtige tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor, dass von ihm Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung ausgehen’? Kalbitz steht wie kaum ein anderer für die Gefahr, die von der AfD für unsere Demokratie ausgeht. Warum soll der RBB ausgerechnet ihm eine Bühne bieten?”

2. Die Willkür muss ein Ende haben
(netzpolitik.org, Constanze Kurz)
netzpolitik.org hat sich mit der Juristin Jacqueline Neumann über Social-Media-Accounts von Amtsträgern und Behörden unterhalten. In dem Interview geht es unter anderem um die Frage, warum die Regierung ihre Kritikerinnen und Kritiker nicht auf Facebook oder Twitter sperren darf. Ein hochinteressantes Gespräch, weil es Licht auf einen bislang nur lückenhaft geregelten Bereich wirft. Und weil es mit dem Fall des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und dessen Twitter-Blockade eines ihn kritisierenden Accounts typische Argumentationsmuster und Abläufe nachzeichnet.

3. “Zapp” und die große Frage: Braucht man einen Sendeplatz, um Programm zu machen?
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
Für das Medienmagazin “Zapp” brechen schwierige Zeiten an: Laut eines internen NDR-Papiers werde es zukünftig nur “in reduziertem Umfang produziert”. “Zapp”-Redaktionsleiterin Annette Leiterer befürchte eine Etatkürzung von einem Drittel. “Übermedien”-Redakteur Jürn Kruse ordnet den schmerzhaften Schritt ein und überlegt, wie ein Ausweg aus dem Dilemma aussehen könnte.

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4. Rasender Reporter
(faz.net, Sandra Kegel)
Die “FAZ” erinnert an den am vergangenen Donnerstag verstorbenen Schauspieler Tilo Prückner und dessen Rolle im “Willi-Busch-Report” (1979). Darin spielte Prückner einen Reporter, der mit zweifelhaften Methoden um das Überleben seiner Provinz-Postille “Werra-Post” kämpft. (“Die von ihm, zwecks Auflagensteigerung, provozierten Sensationen nehmen ein unkontrollierbares Eigenleben an, dem ihr Urheber nicht gewachsen ist. Eine vielschichtige Tragikomödie, klug entworfen und souverän inszeniert, mit präziser Information über die damalige deutsche Wirklichkeit.”, Lexikon des internationalen Films.)

5. Was machen ARD und ZDF im Sommer?
(deutschlandfunk.de, Michael Meyer, Audio: 5:43 Minuten)
Dieses Jahr fallen verschiedene Sport-Großereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele, die im Programm der Öffentlich-Rechtlichen fest eingeplant waren, coronabedingt aus. Es müssen also unzählige Programmstunden gefüllt werden, doch womit? Zu befürchten sei: vor allem mit Wiederholungen statt mit neuen Inhalten.

6. Kartellamt sagt Ja zu ProSiebenSat.1 und Lovoo
(wuv.de, Annette Mattgey)
Das Medienunternehmen ProSiebenSat.1 wird immer mehr zum Datingunternehmen. Der Konzern, dem bislang schon die Dating-Plattformen Parship und Elite Partner gehören, verleibt sich aller Voraussicht nach auch Lovoo ein. Das Kartellamt habe bereits grünes Licht gegeben, nun fehle nur noch die Zustimmung aus den USA.

Geldsegen für Verlage, Nazi-Tattoo, Upskirting und Unfallfotos

1. Verlage bekommen 200 Millionen Euro Fördergelder
(wuv.de, dpa)
Die Große Koalition will die deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in den nächsten Jahren mit maximal 220 Millionen Euro fördern. Das gehe aus einem Entwurf der Fraktionen für den zweiten Nachtragshaushalt 2020 hervor, der dieser Tage beschlossen worden ist. Hintergrund sei die “Förderung der digitalen Transformation des Verlagswesens zur Förderung des Absatzes und der Verbreitung von Abonnementzeitungen, -zeitschriften und Anzeigenblättern”. Die für dieses Jahr ursprünglich geplanten Förderung der Zeitungszustellung mit 40 Millionen Euro solle es stattdessen doch nicht geben.
Weiterer Lesehinweis: ver.di fordert “klare Kriterien und Bedingungen für die Verteilung der am 2. Juli vom Deutschen Bundestag beschlossenen staatlichen Fördergelder für Verlage in Höhe von 220 Millionen Euro. ‘Wer von öffentlichen Geldern profitieren will, der muss auch die Einhaltung tariflicher Standards, gute Arbeitsbedingungen und eine angemessene Vergütung nachweisen’, verlangte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz.” – Geldsegen für Verlage nicht bedingungslos (verdi.de).

2. WDR zeigt Urlauber mit Nazi-Tattoo
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Ein WDR-Team ist nach Mallorca geflogen, um sich anzuschauen, unter welchen Bedingungen deutsche Durchschnitts-Touristinnen und -Touristen dort derzeit urlauben. Natürlich musste auch ein Interview vom Ballermann dabei sein, und an dieser Stelle beginnt das Problem: Ein interviewter deutscher Tourist trug deutlich sichtbar Tätowierungen aus dem rechtsextremen Umfeld – darunter ein Symbol, dessen Verwendung teilweise strafbar sei. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland hat beim WDR nachgefragt, wie es dazu kommen konnte.

3. Helden der Informationsfreiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen hat eine Liste der “Heldinnen und Helden der Informationsfreiheit” (PDF, englisch) veröffentlicht. Dort werden Medienschaffende gewürdigt, die sich in der Corona-Krise in besonderem Maß für freie Berichterstattung eingesetzt haben. Die Liste umfasse exemplarisch 30 Journalistinnen, Whistleblower, Medien und Vereinigungen, die mit besonderem Mut und Hartnäckigkeit über die Pandemie berichtet hätten.

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4. Wo Ziesel wetzen und Vögel fischen
(faz.net, Kai Spanke)
“FAZ”-Redakteur Kai Spanke hat in die gestern ausgestrahlte Arte-Naturreportage “Die Moldau – Der goldene Fluss” reingeschaut und war wenig begeistert. Als störend empfand Spanke die geringe Sorgfalt beim Umgang mit dem Material und die offensichtlichen Schummeleien: “Hat wirklich ein Adler den Fisch fallen gelassen oder ein Mitglied des Filmteams? Wie viel Zeit verging zwischen den einzelnen Teilen der Sequenz? Ist sie überhaupt an der Moldau gedreht worden? Gerade mal die Hälfte der Dokumentation haben wir zu diesem Zeitpunkt geschafft, ihre Glaubwürdigkeit ist jedoch schon verloren.”

5. Bundestag stellt Upskirting und Unfallfotos unter Strafe
(spiegel.de)
Der Bundestag hat eine Gesetzesverschärfung verabschiedet, die das sogenannte Upskirting unter Strafe stellt. Darunter versteht man heimliche Fotos unter den Rock oder in den Ausschnitt. Auch das Fotografieren und Filmen von Unfalltoten ist nun verboten – die bisherigen Regeln bezogen sich nur auf lebende Unfallopfer. Zudem habe der Bundestag nach jahrelangen Diskussionen die Werbung fürs Rauchen beziehungsweise für Tabakprodukte weiter eingeschränkt.

6. Offen­sicht­liche Wer­bung muss nicht gekenn­zeichnet werden
(lto.de)
Die Rechtsprechung zur Kennzeichnung von Influencer-Werbung ist an deutschen Gerichten nicht einheitlich. Dies mag daran liegen, dass die Materie neu und die Lage nicht immer eindeutig ist. In einem aktuellen Urteil habe das Oberlandesgericht Hamburg entschieden, dass offen­sicht­liche Wer­bung nicht unbedingt und in jedem Fall gekennzeichnet werden müsse. Anlass war eine Instagrammerin mit 1,7 Millionen Followerinnen und Followern, die verschiedene Anpreise-Posts nicht als Werbung gekennzeichnet hatte und deswegen von einem Wettbewerbsverband abgemahnt worden war.

Wirecard-Berichterstattung, “Medien-Doktor”, Fremder Fame

1. Zuerst wurden die Journalisten verdächtigt
(deutschlandfunk.de, Christopher Ophoven, Audio: 6:21 Minuten)
Jahrelang berichtete die “Financial Times” über die Unregelmäßigkeiten beim Finanzdienstleister Wirecard. Dies bekam auch die zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit. Doch anstatt Anzeige gegen das mittlerweile insolvente Unternehmen zu stellen, dem auf rätselhafte Weise 1,9 Milliarden Euro abhanden gekommen sind, von denen unklar ist, ob es sie jemals gab, erstattete die Behörde Anzeige gegen die Journalistinnen und Journalisten.

2. Es gibt jetzt einen Medien-Doktor für Ernährungsjournalismus
(medien-doktor.de, Marcus Anhäuser)
Beim “Medien-Doktor für Ernährungsjournalismus” geht es darum, wie Redaktionen über Lebensmittel, Ernährungsformen, Diäten und Substanzen berichten, und um die Frage, was gut und was schlecht läuft in der Berichterstattung. Das Forschungsprojekt untersuche Beiträge aus deutschen Medien, in denen positive oder negative Effekte von Ernährung beschrieben werden. Einer der Projektverantwortlichen erklärt das Ziel: “Mit dem Medien-Doktor Ernährung möchten wir die Verbraucher sensibilisieren, nicht jedem Heilsversprechen in den Medien Glauben zu schenken. Wir schaffen Transparenz, indem wir die Quellen und dahinter liegenden Studienergebnisse überprüfen.”

3. YouTube löscht sechs bekannte rechtsextreme Kanäle
(spiegel.de)
Vor ein paar Tagen machte Reddit das Forum “The_Donald” dicht, in dem sich rund 800.000 Trump-Sympathisanten, Rassisten, Verschwörungsmystiker und Anhänger der neurechten Alt-Right-Bewegung tummelten. Die Video-Plattform Twitch sperrte gar den Kanal des US-Präsidenten, wenn auch nur zeitweilig (weiterführende Infos). Nun hat Youtube sechs der bekanntesten rassistischen und rechtsextremen US-Kanäle geschlossen: den des rechtsnationalen Richard Spencer und seines “National Policy Institute”, die Kanäle eines Ex-Ku-Klux-Klan-Anführers und eines neurechten Bloggers sowie das Magazin “American Renaissance” mitsamt seines Podcast-Angebots.

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4. Attila Hildmann ist der am schlechtesten vorbereitete Verschwörungstheoretiker Deutschlands
(vice.com, Theresa Locker)
Der vom Kochbuchautor zum Verschwörungserzähler gewandelte Attila Hildmann sei erstaunlich einfach schachmatt zu setzen, findet Theresa Locker: “Man könnte Hildmann sogar als den am schlechtesten vorbereiteten Anhänger von Verschwörungsmythen bezeichnen – sobald jemand nachhakt, kommt er schneller ins Straucheln, als er seinen Telegram-Pin eintippen kann.” Im direkten Gespräch und wenn es um Quellen für seine Behauptungen gehe, wirke Hildmann oft schlicht und ratlos, “was ihn fast schon sympathisch macht, würde es nicht um hasserfüllte Ideologien gehen, die er verbreitet.”

5. Ein gefährlicher Präzedenzfall
(taz.de, Niklas Franzen)
Ein brasilianischer Kolumnist der Deutschen Welle habe auf seinem Twitter-Account eine satirische Abwandlung eines historischen Zitats veröffentlicht, die sich gegen die engen Beziehungen zwischen der Regierung des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro und den fundamentalistischen Pfingstkirchen richtet. Der Journalist wurde dafür nicht nur von Bolsonaro-Fans angefeindet und bedroht, sondern verlor auch seinen Job bei der Deutschen Welle (DW). Niklas Franzen kommentiert: “Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Druck der Rechten ausschlaggebend für die Entscheidung der DW war.”

6. “FameMaker”: Hat Stefan Raab seine neue Show nur abgekupfert?
(rnd.de, Thomas Kielhorn)
Vor drei Wochen habe der Fernsehsender ProSieben den Start einer völlig neuen Musikcomedyshow verkündet, die von Stefan Raab entwickelt worden sei. Bei “FameMaker” würden die Kandidatinnen und Kandidaten unter einer schalldichten Glaskuppel vor der Jury performen. Ob es sich tatsächlich um eine Erfindung Raabs handelt, sei fraglich: Das Konzept ähnele auffällig dem südkoreanischen Erfolgsformat “I Can See Your Voice”, das von RTL für den deutschen Markt eingekauft wurde und im Sommer gesendet werden soll.

Was falsch läuft, Klenks Kampf, Diversitäts-Checkliste

1. Was falsch läuft im Journalismus
(br.de, Knut Cordsen)
Birk Meinhardt schrieb lange Zeit als festangestellter Reporter für die “Süddeutsche Zeitung”, doch irgendwann setzte eine Entfremdung ein, und Meinhardt verließ schließlich das Blatt. In seinem neuen Buch “Wie ich meine Zeitung verlor” schildert er, warum er der “SZ” den Rücken kehrte. Im Telefoninterview mit dem BR gibt Meinhardt den Medien eine Mitschuld am Lagerdenken: “Der Journalismus trägt meines Erachtens eine Riesenschuld an der Verhärtung der Fronten, die er selber beklagt. Er bringt sie maßgeblich mit hervor und er beklagt sie danach.” Typisch sei ein Satz, der einmal in der “Süddeutschen” gestanden habe: “Da hieß es: Wir sollten schon mit den Ausgescherten, also mit den Populisten, den Wütenden, all denen, zu denen wir nicht mehr dringen, reden, auch wenn es fast sicher ist, dass wir sie nicht werden überzeugen können. Das ist ein scheinbar banaler Satz. Wenn man ihn aber einmal hin- und herwendet, dann ist eine ungeheure Anmaßung darin enthalten: die Anmaßung, wir, die Journalisten, könnten und müssten die Leute von etwas überzeugen, auch wenn uns das nicht gelingen wird. Und was auch darin steckt: Wir müssen nicht überzeugt werden. Wir wollen von der Gegenseite gar nichts empfangen.”

2. Reddit sperrt Gruppe mit 800.000 Trump-Anhängern
(spiegel.de)
Die Online-Plattform Reddit hat eine Trump-Supporter-Gruppe mit 800.000 Mitgliedern wegen fortgesetzter Hassrede geschlossen. Die Moderatoren hätten sich geweigert, “unsere einfachsten Erwartungen zu erfüllen”, so die Reddit-Verantwortlichen. Bei der Amazon-Tochter Twitch sei der offizielle Kanal von US-Präsident Donald Trump wegen beleidigender Kommentare in einem Stream zumindest zeitweilig gesperrt worden.
Weiterer Lesehinweis: Reddit, Acting Against Hate Speech, Bans ‘The_Donald’ Subreddit (nytimes.com, Mike Isaac).

3. Dieter E. Zimmer gestorben
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Die “Süddeutsche Zeitung” erinnert an den Journalisten, Autor und Übersetzer Dieter E. Zimmer (“der letzte Universalfeuilletonist”), der vergangene Woche im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben ist.

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4. Ich hab mich ja schon gefragt, wieso die Krone und ihr Redakteur Pommer so auf mich gefeuert hat.
(twitter.com/florianklenk)
“Falter”-Chefredakteur Florian Klenk wurde vor einiger Zeit vom “Krone”-Kolumnisten Michael Jeannée auf besonders üble Weise beschimpft und in die Nähe des sexuellen Missbrauchs gerückt (auf Klenks Facebook-Seite per Foto dokumentiert). Im März hat das Landesgericht Wien über die Sache entschieden und Jeannée zu einer Geldstrafe von 9000 Euro sowie die “Krone” zu einer Entschädigung von 6000 Euro verurteilt. Das Urteil weise nach Klenks Ansicht jedoch einen Schönheitsfehler auf: “Wir werden das Urteil aber bekämpfen, denn der Richter hat nur einen kleinen Teil der Suada berücksichtigt, die Jeannee über mich ergossen hat. Viele andere Unwahrheiten blieben unsanktioniert und wurden ihm als ‘Meinung’ erlaubt. Das werden wir vor dem OLG monieren.” Auf Twitter schreibt er weiter dazu: “Mein ‘Sieg’ gegen Jeannee ist nur zum Teil Grund zur Freude. Denn das Gericht hat nur die Bezeichung ‘verderbte Figur’ als Beleidigung gewertet. Alle anderen Insultationen wurden als ‘sachbezogene Kritik’ beurteilt. Ich reibe mir immer noch die Äuglein.”

5. Filmförderung führt Diversitäts-Checkliste gegen Klischees ein
(rnd.de)
Wer bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) einen Förderantrag stellt, muss auch einen Diversity-Fragebogen ausfüllen. Dabei gehe es in erster Linie darum, die Drehbuchautoren, Produzentinnen oder Regisseure auf diesem Gebiet zu sensibilisieren und unbewusste Vorurteile und Klischees zu hinterfragen. “Wir wollen verstehen und wissen, warum sie ihre Rollen so besetzt und den Stoff so entwickelt haben, wie sie es getan haben”, so die FFHSH-Sprecherin Claudia Hartmann. “Manchmal gibt es ja auch inhaltliche Gründe, warum ein Film nicht divers ist. Die wollen wir aber nachvollziehen können.”

6. Neue Glücks-Zahlen eingetroffen!
(uebermedien.de, Mars Schönauer)
Mats Schönauer ist der offizielle Regenbogenpressebeauftragte des medienkritischen Portals “Übermedien”. Dort ruft er regelmäßig zum “Schlagzeilenbasteln” auf: “Kettensägen raus, es wird wieder gebastelt! Wir geben Ihnen eine Nachricht, und Sie schnippeln daraus eine titelseitenwürdige Schlagzeile. Sind Sie so gut wie die Profis? Probieren Sie es aus!”

Später Triumph, Unpure Pur-Abos, Tönnies und der Buddy-Journalismus

1. Der späte, aber große Triumph der Financial Times
(meedia.de, Nils Jacobsen)
Der mittlerweile insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard galt vor seinem tiefen Fall lange Zeit als Vorzeigevertreter des Finanztechnologie-Sektors. Die “Financial Times” warnte hingegen seit Jahren vor dem Unternehmen sowie dessen Geschäftspraktiken und handelte sich für ihre kritische Berichterstattung viel Ärger, Widerstand und eine Schadensersatzklage ein. Nils Jacobsen würdigt in seinem Beitrag die Beharrlichkeit der Finanzrechercheure, die den Fall Wirecard mit aufzudecken halfen: “Es ist ein Triumph des Journalismus, der in Zeiten der andauernden Branchenkrise eine nicht zu überschätzende Beachtung verdient.”

2. Nicht ganz ohne
(netzpolitik.org, Matthias Eberl)
Der österreichische “Standard” bietet seit einiger Zeit ein sogenanntes “Pur-Abo” an. Damit sei der Besuch der Website werbefrei, werbetrackingfrei, trackingfrei und DSGVO-konform. “Zeit Online” und “Spiegel” sind dem “Standard” gefolgt und bieten ebenfalls “Pur-Abos” an. Ganz so pur wie das Vorbild aus Österreich seien diese jedoch nicht, wie der Journalist und Datenschutz-Experte Matthias Eberl in seiner Recherche herausgefunden hat.

3. “Zielgruppe ist die breite Masse”
(taz.de, Baha Kirlidokme)
Die “taz” hat sich mit Thomas Laschyk unterhalten, der unter dem Namen “Volksverpetzer” eine Art “Anti-Fake-News-Blog” betreibt. In dem Interview geht es unter anderem um die Fragen, warum sich Verschwörungsmythen auf Social Media vor allem unter Rechten so gut verbreiten und was man dem entgegensetzen kann. Der “Volksverpetzer” bediene sich bei seinen Schlagzeilen oft eines reißerischen Tons, so ein Vorhalt: “Wenn wir gehört werden wollen, müssen wir nach den Regeln von Social Media spielen. Dazu gehört eindeutiges Framing, die richtigen Schlagworte oder der Appell an Emotionen. Wir versuchen also die Strategien der Verschwörungsideologen gegen sie zu verwenden, allerdings ist unser Anspruch, auch alles belegen zu können.”

Bildblog unterstuetzen

4. Liebesgrüße nach Rheda-Wiedenbrück
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
“Ich will gar nicht erst versuchen, den Eindruck zu erwecken, ich sei unvoreingenommen. Clemens Tönnies war bei meiner Geburtstagsfeier eingeladen. Ich bei seiner. Wir kennen uns schon viele Jahre, wir haben uns über den Fußball kennengelernt.” So lauten die ersten Zeilen eines “Bild”-Beitrags über die Causa Tönnies. Jürn Kruse findet: “Wenn man dem eigenen Kommentar eine solche Präambel voranstellen muss, sollte man eigentlich die Finger von dem Thema lassen”. Er hat trotzdem weitergelesen und fühlte sich prompt an einen anderen Fall von Buddy-Journalismus erinnert.

5. Facebook will stärker gegen Hassbotschaften vorgehen
(zeit.de)
Wenn Facebook demnächst stärker gegen Hassbotschaften und Rassismus vorgeht, liegt das eventuell nicht an Appellen der Zivilgesellschaft, Forderungen von Justiz und Politik oder gar einer eigenen moralischen Einsicht, sondern schlicht an wirtschaftlichen Interessen: Erst der Boykott einiger zahlungskräftiger Werbekunden habe den Konzern dazu bewogen, seine bisherige Praxis zu überdenken.

6. Gefährlicher Insta-Hype im Nationalpark
(br.de, Florian Heinhold, Video: 5:24 Minuten)
Der Königsbach-Wasserfall im Nationalpark Berchtesgaden mitsamt seines “Infinity-Pools” ist ein beliebter Foto-Spot für Influencerinnen und Influencer. Am Königssee ist man jedoch nicht begeistert über den Hype: Die Instagram-Junkies brächten sich und andere in Gefahr, würden die Natur stören und Müll hinterlassen. Was tun?

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