Wirecard-Berichterstattung, „Medien-Doktor“, Fremder Fame

1. Zuerst wurden die Journalisten verdächtigt
(deutschlandfunk.de, Christopher Ophoven, Audio: 6:21 Minuten)
Jahrelang berichtete die „Financial Times“ über die Unregelmäßigkeiten beim Finanzdienstleister Wirecard. Dies bekam auch die zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit. Doch anstatt Anzeige gegen das mittlerweile insolvente Unternehmen zu stellen, dem auf rätselhafte Weise 1,9 Milliarden Euro abhanden gekommen sind, von denen unklar ist, ob es sie jemals gab, erstattete die Behörde Anzeige gegen die Journalistinnen und Journalisten.

2. Es gibt jetzt einen Medien-Doktor für Ernährungsjournalismus
(medien-doktor.de, Marcus Anhäuser)
Beim „Medien-Doktor für Ernährungsjournalismus“ geht es darum, wie Redaktionen über Lebensmittel, Ernährungsformen, Diäten und Substanzen berichten, und um die Frage, was gut und was schlecht läuft in der Berichterstattung. Das Forschungsprojekt untersuche Beiträge aus deutschen Medien, in denen positive oder negative Effekte von Ernährung beschrieben werden. Einer der Projektverantwortlichen erklärt das Ziel: „Mit dem Medien-Doktor Ernährung möchten wir die Verbraucher sensibilisieren, nicht jedem Heilsversprechen in den Medien Glauben zu schenken. Wir schaffen Transparenz, indem wir die Quellen und dahinter liegenden Studienergebnisse überprüfen.“

3. YouTube löscht sechs bekannte rechtsextreme Kanäle
(spiegel.de)
Vor ein paar Tagen machte Reddit das Forum „The_Donald“ dicht, in dem sich rund 800.000 Trump-Sympathisanten, Rassisten, Verschwörungsmystiker und Anhänger der neurechten Alt-Right-Bewegung tummelten. Die Video-Plattform Twitch sperrte gar den Kanal des US-Präsidenten, wenn auch nur zeitweilig (weiterführende Infos). Nun hat Youtube sechs der bekanntesten rassistischen und rechtsextremen US-Kanäle geschlossen: den des rechtsnationalen Richard Spencer und seines „National Policy Institute“, die Kanäle eines Ex-Ku-Klux-Klan-Anführers und eines neurechten Bloggers sowie das Magazin „American Renaissance“ mitsamt seines Podcast-Angebots.

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4. Attila Hildmann ist der am schlechtesten vorbereitete Verschwörungstheoretiker Deutschlands
(vice.com, Theresa Locker)
Der vom Kochbuchautor zum Verschwörungserzähler gewandelte Attila Hildmann sei erstaunlich einfach schachmatt zu setzen, findet Theresa Locker: „Man könnte Hildmann sogar als den am schlechtesten vorbereiteten Anhänger von Verschwörungsmythen bezeichnen – sobald jemand nachhakt, kommt er schneller ins Straucheln, als er seinen Telegram-Pin eintippen kann.“ Im direkten Gespräch und wenn es um Quellen für seine Behauptungen gehe, wirke Hildmann oft schlicht und ratlos, „was ihn fast schon sympathisch macht, würde es nicht um hasserfüllte Ideologien gehen, die er verbreitet.“

5. Ein gefährlicher Präzedenzfall
(taz.de, Niklas Franzen)
Ein brasilianischer Kolumnist der Deutschen Welle habe auf seinem Twitter-Account eine satirische Abwandlung eines historischen Zitats veröffentlicht, die sich gegen die engen Beziehungen zwischen der Regierung des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro und den fundamentalistischen Pfingstkirchen richtet. Der Journalist wurde dafür nicht nur von Bolsonaro-Fans angefeindet und bedroht, sondern verlor auch seinen Job bei der Deutschen Welle (DW). Niklas Franzen kommentiert: „Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Druck der Rechten ausschlaggebend für die Entscheidung der DW war.“

6. „FameMaker“: Hat Stefan Raab seine neue Show nur abgekupfert?
(rnd.de, Thomas Kielhorn)
Vor drei Wochen habe der Fernsehsender ProSieben den Start einer völlig neuen Musikcomedyshow verkündet, die von Stefan Raab entwickelt worden sei. Bei „FameMaker“ würden die Kandidatinnen und Kandidaten unter einer schalldichten Glaskuppel vor der Jury performen. Ob es sich tatsächlich um eine Erfindung Raabs handelt, sei fraglich: Das Konzept ähnele auffällig dem südkoreanischen Erfolgsformat „I Can See Your Voice“, das von RTL für den deutschen Markt eingekauft wurde und im Sommer gesendet werden soll.