Wir wissen nicht, welches Spezialgebiet der Bild.de-Praktikant hat, der heute über den Fußballtrainer Stephan Beckenbauer schreiben durfte, den “Sohn der Lichtgestalt Franz Beckenbauer”. Fußball ist es eher nicht.
Sagen wir so: An dieser Stelle wären die bei “Bild” üblichen Altersangaben in Klammern wirklich sinnvoll gewesen. Wenn Diego Pizarro (16) der Sohn von Claudio Pizarro (28) wäre, hätte Claudio Pizarro mit elf Jahren Vater werden müssen. (Die beiden sind Brüder.)
1994 wurde der FC Bayern nicht Uefa-Cup-Sieger, sondern Deutscher Meister. Und 1996 nicht Deutscher Meister, sondern Uefa-Cup-Sieger.
Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.
Nachtrag, 27. Juni. Der Lichtgestalt-Beauftragte von Bild.de hat inzwischen seinen Dienst angetreten, die FC-Bayern-Titel korrekt zugeordnet und den Satz über Pizarro sicherheitshalber ersatzlos gestrichen.
Okay, dass Lagos in einem “Bild”-Artikel über den nigerianischen Fußballer Obafemi Martins als Hauptstadt Nigerias bezeichnet wird, obwohl sie das schon seit 1991 nicht mehr ist, mag man der “Bild”-Sport-Redaktion noch verzeihen. Die sollen sich ja schließlich in erster Linie mit Fußball auskennen.
Aber: “Bild” zeigt auch ein schönes großes Foto, dessen Quelle mit “WITTERS” angegeben wird, eines schwarzen Fußballspielers und behauptet, es zeige “Bertis Stürmer-Star” Obafemi Martins:
Und sucht man bei Witters in der Fotodatenbank nach “Obafemi Martins”, findet man das Foto sogar. Nur zeigt es trotzdem nicht Obafemi Martins (Newcastle United), sondern Taye Taiwo (Olympique Marseille). Dummerweise hat das offenbar niemand in der “Bild”-Sport-Redaktion gemerkt.
Mit Dank an Sven P. und Alex für den sachdienlichen Hinweis.
Erst mal zum Mitschreiben: José Mourinho ist Trainer des britischen Fußballvereins FC Chelsea, bei dem Andrej Schewtschenko Stürmer ist. Schewtschenko war bis zum Sommer vergangenen Jahres beim italienischen Fußballverein AC Mailand. Und der ehemalige italienische Regierungschef Silvio Berlusconi, derzeit AC-Mailand-Besitzer und -Präsident, bemüht sich gerade darum, Schewtschenko zurückzuholen.
Und nun zu einer kleinen Meldung im Sportteil der heutigen “Bild”:
All das, was in dieser Meldung nicht stimmen kann, haben wir mal gelb angestrichen. Anders gesagt: Unstrittig ist eigentlich nur das Zitat am Ende. Es fiel allerdings nicht jetzt, sondern vor mehr als einem halben Jahr. Und gesagt hat es damals nicht Mourinho, sondern Berlusconi, den beispielsweise der italienische “Corriere della Sera” am 15.12.2006 (also nach dem Wechsel Schewtschenkos von Mailand zu Chelsea) mit den Worten zitierte:
“In casa mia sono io il padrone, in quella di Sheva quando la moglie gli ordina di andare sotto il letto, lui ubbidisce come un cagnolino.”
Übersetzung der “Sun” vom 16.12.2006: “At my home I’m in charge and decide what happens. Instead, when Shevchenko’s wife shouts, he runs under the bed like a lap dog.”
Übersetzung von uns: “Bei mir zu Hause bin ich der Chef. Wenn aber Schewtschenko von seiner Frau unters Bett geschickt wird, gehorcht er wie ein Schoßhündchen.”
PS: Die heutige “Bild”-Version, die ohne Quelle auszukommen meint, wurde in den vergangenen Tagen (unter Berufung auf die “Sun”) auch schon auf italienischenWebsites verbreitet. Und tatsächlich taucht das “Schoßhund”-Zitat in einem “Sun”-Artikel über Mourinho vom vergangenen Samstag auf — dort allerdings (zumindest online) völlig korrekt als Aussage Berlusconis.
Offenbar inspiriert durch eine Pressemitteilung des VfB Stuttgart vom vergangenen Freitag freut sich “Bild” heute in einer kleinen Meldung mit dem amtierenden deutschen Fußballmeister, dass der Verein nun “einen goldenen Stern auf der Brust tragen” dürfe. Und nicht nur das:
Nun, am 5. August 2002 meldete bereits die Nachrichtenagentur dpa:
Als anerkennendes Zeichen für die Leistungen der vergangenen Saison tragen die Spieler von Borussia Dortmund ein goldenes Meisterlogo.
Und in den Jahren danach trugen dann natürlich auch FC Bayern München und Werder Bremen ein golden leuchtendes DFL-Logo auf dem Ärmel. Anders gesagt: Die goldene Variante ist so alt wie das DFL-Logo selbst. Ganz neu ist demnach wohl vor allem der “Bild”-Redakteur, der das nicht wusste.
Mit Dank an Christian H., Christian K. und Jessica für den Hinweis.
Gut möglich, dass sich inzwischen herumgesprochen hat, dass das Wort exklusiv in “Bild” gelegentlichetwasanderesbedeutet als im allgemeinen Sprachgebrauch.
Gut möglich aber auch, dass “Bild” sich davon nicht beirren lässt — und auch heute wieder (mit entsprechender Ankündigung auf der Titelseite) in einer angeblich “exklusiven” Meldung behauptet:
Es ist geheime Kommandosache, soll erst im November vorgestellt werden. BILD enthüllt es jetzt: Das Deutschland-Trikot für die Europameisterschaft 2008!
Dabei findet sich z.B. im offiziellen Forum des FC Schalke 04 offenbar bereits seit Freitag letzter Woche ein Link, der die “Bild”-Behauptung (“jetzt”, “exklusiv”, “enthüllt”) eindeutig widerlegt.
Mit Dank an Sascha M. für den Hinweis.
Nachtrag, 10.40 Uhr(mit Dank an Alex W., Heiko E. und andere): Auch hier und hier wird bereits seit dem 31. Mai in aller Öffentlichkeit über das neue Trikot-Design diskutiert.
Nachtrag, 8.6.2007: Auch einen Tag nach der angeblichen “Exklusiv”-Meldung blieb die “Bild”-Zeitung bei ihrer Darstellung und behauptete unter der Schlagzeile “Riesen-Diskussion um das neue Deutschland-Trikot”:
BILD hat es gestern exklusiv enthüllt — und jetzt diskutiert Fußball-Deutschland (…).
Nachtrag, 10.6.2007: Auch Bild.de beharrt auf der nachweislich falschen Behauptung, dass das neue Trikot erst durch “Bild” öffentlich geworden sei und schreibt:
BILD hat das Design des neuen Nationaltrikot exklusiv enthüllt.
Beim Fußballspiel Schweden gegen Dänemark wurde der Schiedsrichter Herbert Fandel von einem Fan attackiert, der aufs Spielfeld rannte. “Bild” schreibt dazu (siehe Ausriss) in einer Fotounterzeile: “Schlag an den Hals”. Und in der Unterzeile zu einem weiteren Foto: “Schlag ins Gesicht”. Im Text behauptet “Bild”:
Mit dem linken Arm schlug er Deutschlands ‘Schiedsrichter des Jahres’ zuerst ins Gesicht, dann an den Hals.
Tatsächlich wurde Fandel jedoch nur einmalgetroffen, bevor ein dänischer Spieler den Angreifer abdrängen konnte.
So gesehen muss man wohl froh sein, dass “Bild” nicht noch mehr Fotos derselben Szene zeigt — sonst wäre aus dem Vorfall womöglich noch eine Massenschlägerei geworden.
Mit Dank an Martin K., Mike S., Julian B. und viele andere für den sachdienlichen Hinweis.
Bei Bild.de ist man fast ein Jahr nach der Fußball-WM (Deutschland wurde Dritter) offenbar immer noch “schwarz–rot–geil“:
Mit dem Weltmeister der Herzen vielleicht. Fußballweltmeister ist Philipp Lahm, der im Februar 2004 zum ersten mal für die Nationelf spielte, jedenfalls nicht.
Mit Dank an Johannes B. für den sachdienlichen Hinweis.
Nachtrag, 14.53 Uhr: Bei Bild.de hat man sich offenbar entschieden, den Fehler auf recht drastische Weise zu korrigieren: Der Artikel ist verschwunden.
Bei Bild.de kann man seit gestern Abend spaßeshalber einen Tipp abgeben, ob der FC Schalke 04, Werder Bremen oder der VfB Stuttgart am 19. Mai Deutscher Fußballmeister wird, denn:
Noch vier Spieltage bis zum Saisonende. Spätestens dann wissen wir, ob die Schale nächstes Jahr in Schalke, Bremen oder Stuttgart steht…
Und angepriesen wird der “Meister-Klick-Tipp” seit gestern Abend von Bild.de unter dieser Überschrift:
Mit Dank an J.W., Andreas S., Markus S., Michael K. und andere.
Auf Bild.de steht heute, dass Ex-Fußballbundestrainer Jürgen Klinsmann “nach Informationen der BILD-Zeitung” offenbar doch Trainer des britischen Fußballclubs Chelsea London werden könnte. Weiter heißt es dort, Franz Beckenbauer habe sich in der britischen “Sun” von heute zu dem Thema geäußert:
Kaiser Franz in der “Sun”: “Er müsste aus Kalifornien nach England umziehen. Ein Klub in einer Liga mit 20 Mannschaften, die auch Weihnachten und Neujahr spielt, dazu die nationalen Cup-Wettbewerbe und die Champions League — das ist nicht aus der Ferne zu handhaben. London frisst dich auf mit Haut und Haaren. Da kann man nicht wie als deutscher Teamchef zwischendurch in Amerika ausspannen.” Beckenbauer weiter: “Zwei Jahre in Chelsea können dich genauso fertig machen wie vier Jahre bei einem anderen Klub.”
Das kommt uns irgendwie bekannt vor:
Chelsea bedeutet: Komplett-Umzug von Kalifornien nach London. Eine Liga mit 20 Klubs, Spiele am zweiten Weihnachtstag und Neujahr, mehrere nationale Pokalwettbewerbe und die Champions League. Als Zugabe noch die wenig zimperliche englische Presse. London frisst dich auf mit Haut und Haaren, da hat man keine Zeit — wie als Bundestrainer — in Amerika zu entspannen. (…) Bei den Erwartungen in Chelsea sind zwei Jahre als Trainer so aufreibend wie vier bei einem anderen Klub.
So stand’s gestern in “Bild”. “Exklusiv” aufgeschrieben von “Kaiser Franz”(siehe Ausriss). Und es sind bei Weitem nicht die einzigen Beckenbauer-Zitate aus der heutigen “Sun”, die quasi identisch sind mit dem, was Beckenbauer gestern in der “Bild”-Zeitung geschrieben hatte. Das hätte man leicht rausfinden können, denn der exklusive “Bild”-Text von Beckenbauer ist auf Bild.de sogar direkt verlinkt.
Aber offenbar zitiert man bei “Bild” lieber die “Sun” als sich selbst. Man weiß ja nie.
Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Andreas U.
“Bild” berichtet heute, dass die “tolle Stimmung” bei der Fußball-WM zu einem “Baby-Boom” geführt habe (siehe Ausriss links). Zutreffend heißt es im Text, dass in den Vivantes-Kliniken im März 2007 11 Prozent mehr Babys zur Welt gekommen sind als im März 2006. Was “Bild” verschweigt: Der kausale Zusammenhang zur WM-Begeisterung, den “Bild” explizit herstellt, wird von den Vivantes-Kliniken nichthergestellt.
Ähnlich verfährt “Bild” in einem Artikel über eine Studie des Max-Planck-Instituts (MPI), nach der die Erwärmung der Ozeane zu einer Beschleunigung der Erdumdrehung führen könnte (siehe Ausriss rechts). “Bild” zitiert den Geophysiker Felix Landerer vom MPI offenbar korrekt, und Landerer hat tatsächlich ausgerechnet, dass eine Erdumdrehung in etwa 200 Jahren 0,12 Millisekunden kürzer sein könnte. Was “Bild” verschweigt: Andere Faktoren überkompensieren dies höchstwahrscheinlich, so dass sich die Erde eher immer langsamer dreht. Diese Effekte scheinen zwar in der Max-Planck-Studie nicht berücksichtigt worden zu sein, aber hätte den “Bild”-Artikel jemand geschrieben, der sich mit so was auskennt, wäre er sicher von selbstdrauf gekommen.