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Die Jagd auf Schumachers Privatsphäre

Nicola Pohl, die Schumi-Beauftragte der “Bild”-Zeitung, ist fassungslos.

Manche Meldungen machen einfach fassungslos.

Wie BILD aus Krankenhauskreisen erfuhr, haben zwei unbekannte Männer vor rund zwei Wochen versucht, sich Zugang zum Krankenzimmer des schwer verletzten Formel-1-Rekord-Weltmeisters zu verschaffen.

Nach BILD-Informationen wollten die beiden, höchstwahrscheinlich Angehörige anderer Patienten, heimlich ein Handyfoto von Schumi machen. (…) Die Eindringlinge konnten von einem Mitarbeiter der Sicherheitsfirma des Krankenhauses noch rechtzeitig davon abgehalten werden, direkt an Schumacher heranzukommen.

Ohne Frage eine in jeder Hinsicht ekelhafte und niederträchtige Aktion. Sofern es denn stimmt, was Nicola Pohl da berichtet.

Dass aber ausgerechnet die jetzt um Fassung ringt, ist schon ein starkes Stück. Nicola Pohl, tapfere Verteidigerin von Schumis Privatsphäre. Klar. Und dann ausgerechnet in der “Bild”-Zeitung, zu deren Repertoire es durchaus gehört, unangemeldet und unerwünscht in die Krankenzimmer von Unfallopfern zu platzen und dort gemachte Fotos auch ohne ausdrückliche Genehmigung zu veröffentlichen.

Jedenfalls — Nicola Pohl. Die ist bei “Bild” normalerweise für die Formel 1 zuständig. Seit dem Ski-Unfall von Michael Schumacher besteht ihr Job aber in erster Linie darin, vor Schumachers Krankenhaus rumzustehen, an Schumachers Unglücksort rumzustehen, sämtlichen Schumacher-Gerüchten hinterherzuhecheln, alte Fakten in neue Schlagzeilen zu verwandeln und aus jedem vermeintlichen Informationsfetzen eine große Sensation zu basteln. Ihr Vertreter im VordemKrankenhausRumstehen ist übrigens “Bild”-Newcomer Julien Wilkens (wenn er nicht gerade schon woanders rumsteht).

Und das ist bislang dabei rausgekommen:
Ausrisse: "Bild" und "Bild am Sonntag" vom 30.12.2013 bis 12.04.2014
Seit Monaten gieren die Macher und Leser der “Bild”-Zeitung nach Insider-Infos aus dem Krankenhaus. Schumachers Managerin Sabine Kehm kann noch so oft mitteilen, dass es nichts Neues gibt, dass man Geduld haben muss, dass sie keine Details nennen wird. Und sie kann noch so oft darum bitten, sich ausschließlich an die offiziellen Mitteilungen zu halten, die Ärzte in Ruhe arbeiten zu lassen, das Arztgeheimnis und Schumachers Privatsphäre zu respektieren. Aber die “Bild”-Zeitung will sich damit einfach nicht zufriedengeben. Sie will mehr. Sie will Exklusives. Spektakuläres. Hetzt unermüdlich der Frage nach: Was passiert im Zimmer von Schumacher? Und vermeintliche Antworten darauf werden pompös präsentiert wie Jagdtrophäen. Privatsphäre? Pah.

Das Blatt will immer als erstes berichten, wenn sich irgendwas tut, verlässt sich lieber auf “BILD-Informationen” statt auf offizielle Statements und nimmt dabei in Kauf, überholte oder gar falsche Tatsachen zu verbreiten. Die Redaktion gibt vor zu wissen, wie es “wirklich um Schumi steht!”, sie prahlt damit, mehr zu erfahren als die anderen, näher dran zu sein an Schumacher, tiefere Einblicke zu haben in sein Umfeld, seine Krankenakte, sein Zimmer, seine Privatsphäre.

Und immer mittendrin: Nicola Pohl. Im Artikel von gestern, über die Einringlinge, die Schumacher fotografieren wollten, schreibt sie noch:

Ob sie geplant hatten, das Bild später meistbietend zu verkaufen, ist nicht bekannt.

Ebenso unbekannt ist, ob die “Bild” die Fotos, wenn sie zu erwerben gewesen wären, gekauft und veröffentlicht hätte statt sich über den Versuch, sie zu machen, groß auf der Titelseite zu empören.

Mit Dank auch an Wimo.

Focus  

“Vorwürfe gegen Tebartz-van Elst ausgeräumt”

Für Leser des “Focus” brachte der Mittwoch überraschende Neuigkeiten. Der Abschlussbericht einer Prüfungskommission für die Deutsche Bischofskonferenz stellte fest, dass Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst beim Bauprojekt auf dem Limburger Domberg systematisch zu niedrige Kosten angegeben, Kontrollen verhindert und kirchliche Vorschriften umgangen habe. Papst Franziskus nahm daraufhin den Amtsverzicht des Bischofs an.

Das hatte das vermeintliche “Nachrichtenmagazin” nicht kommen sehen. Am 26. Januar 2014 hatte es exklusiv gemeldet, der Abschlussbericht der Prüfkommission werde Tebartz-van Elst entlasten: Die Vorwürfe gegen ihn seien weitgehend ausgeräumt.

Verbreitet wurde die Ente nicht nur vom “Focus” selbst und seiner Schwesterpublikation, der “Huffington Post”. Die Nachrichtenagenturen AFP und epd übernahmen die Nachricht, wie bei solchen Vorabmeldungen üblich, ungeprüft unter Berufung auf die Zeitschrift.

AFP:

Kommission sieht Vorwürfe gegen Tebartz laut Bericht ausgeräumt

München, 26. Januar (AFP) – Eine von der Bischofskonferenz eingesetzte Kommission betrachtet die Vorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst offenbar als weitgehend ausgeräumt. Das Gremium kam zu dem Ergebnis, dass dem umstrittenen Bischof beim 31 Millionen Euro teuren Bau seiner Residenz weder Geldverschwendung noch das Übergehen von Kontrollgremien vorzuhalten sei, berichtet das Magazin “Focus” in seiner neuen Ausgabe. Angeblich werde in dem aus drei Geistlichen und zwei Wirtschaftsprüfern bestehenden Gremium noch um abschließende Formulierungen gerungen.

epd:

“Focus”: Bischof Tebartz-van Elst angeblich entlastet

Limburg/München (epd). Der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist offenbar weitgehend entlastet. Nach einem Bericht des Münchner Nachrichtenmagazins “Focus” hat eine Prüfkommission die Vorwürfe gegen ihn weitgehend ausgeräumt. Die von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Kommission ist nach diesen Informationen zu dem Ergebnis gekommen, dass dem Bischof beim Bau seiner Residenz weder Geldverschwendung noch das Übergehen von Kontrollgremien vorzuhalten sei.

Die Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur epd an jenem Sonntag war von 16:56 Uhr — zwei bis drei Stunden vorher hatten dpa und die katholische Nachrichtenagentur KNA bereits berichtet, dass einen Sprecher der Bischofskonferenz der “Focus”-Meldung widersprach.

Im gedruckten “Focus” stand von dem Dementi bis heute nichts.

Selma Jacobi, Audi, Kimchi

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “‘Tatort’-Kommissarin wird nach Nazi-Opfer benannt”
(tagesspiegel.de, Sonja Álvarez)
Eine neue “Tatort”-Kommissarin soll den Namen Selma Jacobi tragen, nach einer Frau, die 1943 im Ghetto Theresienstadt starb. Die verantwortliche Leiterin des HR-Fernsehspiels, Liane Jessen, wird im Artikel wie folgt zitiert: “Wir tun hier etwas Gutes. ‘Tatort’-Kommissare sind schließlich die modernen Helden unserer Zeit, und wir lassen Selma Jacobi als Heldin wiederauferstehen. Das hätte ihr sicher gefallen.”

2. “Audis Pep-Scoop: Wie aus einer PR-Story eine weltweite Sportnews wurde”
(meedia.de, Alexander Becker)
Ein Interview mit Pep Guardiola im Geschäftsbericht 2013 von Audi. “Je wichtiger das Thema Content-Marketing wird, desto häufiger werden wir schon bald solche exklusiven Interviews und Berichte auf PR-Plattformen von Unternehmen lesen, statt in den Sportteilen der großen Medienmarken. Denn längst gilt auch für Unternehmen: Content is King.”

3. “Geht es noch öffentlicher als über Twitter?”
(de.globalvoicesonline.org, Jillian C. York)
Eine Diskussion um die Frage, wie öffentlich Tweets sind und was Medien damit machen können: “Mit der immer größeren globalen Verbreitung von Twitter und anderen sozialen Medien müssen Journalisten lernen, vorsichtiger mit ihnen umzugehen.”

4. “Ödnis als Tarnkappe”
(textdump.antville.org, gHack)
“Der zuverlässigste Schutz für zeitgenössische Cracker und Fracker, die sich so ein richtig großes und saftiges Stück vom Kuchen abschneiden wollen”, bleibe die Langeweile, glaubt gHack: “Es gibt einfach nichts langweiligeres als juristische Fitzeleien, steuerrechtliche Feinsinnigkeiten und EU-Richtlinien. Und genau dort setzen die Experten der Ödnis an. Sie manipulieren mit opaken Formulierungen den Fluss der Geldströme, sichern sich die leckersten Jobs und Aufträge, oft genug unter den Augen der Öffentlichkeit.”

5. “Kimchi und Käsebrot”
(freitag.de, Ji-Hun Kim)
Ji-Hun Kim schreibt über sein Leben in Deutschland: “Es klingt absurd, aber in Korea bin ich Ausländer auf den zweiten Blick und nach einigen Wochen wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein doppelt gebackenes Vollkornbrot mit Butter und Käse.”

6. “Awesomely fake trick shot video shows you can’t trust anything anymore”
(sploid.gizmodo.com, Video, 1:49 Minuten)

LaterPay, Bitcoin, N24

6 vor 9

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1. “The Newsweek Credibility Matrix”
(mikehearn.com, englisch)
Könnte “Newsweek” gewusst haben, dass es sich bei Dorian Nakamoto nicht um den Gründer von Bitcoin handelt? “I believe the answer is yes. To prove it, let’s go point-by-point through the inconsistencies with Newsweek’s premise – that Dorian was the Bitcoin creator – and the public facts we know about Satoshi Nakamoto.”

2. “Paid Content: Ein neues Bezahlmodell für Journalismus”
(gutjahr.biz)
Zusammen mit dem Startup LaterPay möchte Journalist Richard Gutjahr “den Beweis antreten, dass man mit Journalismus im Netz sehr wohl Geld verdienen kann, wenn man seine Leser ernst nimmt”. “Natürlich ist mir bewusst, dass ich durch mein Engagement bei LaterPay meine Rolle als unbeteiligter Beobachter aufgebe. Nur: Dinge ändern sich nicht allein dadurch, indem man auf Medienkongressen darüber diskutiert. Man muss experimentieren, und ja: auch mal was riskieren.”

3. “Journalistische Start-Ups gehen ins Netz”
(ndr.de, Video, 6:11 Minuten)
“Zapp” stellt das digitale, wöchentlich erscheinende Wissenschaftsmagazin “Substanz” vor, das bereits über 28 000 Euro an Spenden eingenommen hat. Und das journalistische Longform-Projekt “Weeklys”, das “große, exklusive Lesegeschichten herausragender junger Reporter aus Europa” veröffentlichen will.

4. “Lieber Nachrichtensender N24…”
(sheng-fui.de, Lorenz Meyer)
Bezüglich des verschollenen Flugs MH370 schreibt Lorenz Meyer an N24: “Für schmutzige 25 Cent je Anruf, die Du Dir in die Tasche steckst, sollen Deine Zuschauer sagen, ob es ein Unglück war, eine Entführung, auf einen Selbstmord des Piloten oder den Abschuss der Maschine zurückzuführen ist. Das ist dermaßen zynisch, geschmacklos und traurig, dass mir jede weiteren Worte fehlen.”

5. “Anschlag auf Auto von BZ-Journalist Schupelius”
(tagesspiegel.de, Tanja Buntrock und Fatina Keilani)
Das Fahrzeug des “B.Z.”-Journalisten Gunnar Schupelius wird in Berlin Wilmersdorf angezündet, “auf einem linksextremistischen Internetportal” wird dazu ein Bekennerschreiben veröffentlicht. “Die Drahtzieher des Anschlags schreiben in ihrer Erklärung: ‘Angriffe auf Hassbrenner wie Schupelius sind als Akt antifaschistischer Notwehr zu sehen.'”

6. “Man texts Gumtree fraud entire works of Shakespeare”
(telegraph.co.uk, Rhiannon Williams, englisch)
Edd Joseph überweist Geld für eine Spielkonsole, die dann aber nicht geliefert wird. “So he decided to take his revenge by texting the entire works of the Bard to his nemesis – all 30,000 words.”

Honorare, Sendepläne, Netflix

6 vor 9

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1. “Honorare in der Lokalzeitung: ‘Der Job ist nur noch was für Liebhaber'”
(flurfunk-dresden.de, nik)
Die Honorare freier Mitarbeiter sächsischer Tageszeitungen inklusive Statements einiger Chefredakteure. “Für einen Artikel im Lokalteil mit rund 2.000 Zeichen (inkl. Leerzeilen) bekommt sie 20 Euro. Wenn sie das Foto gleich selbst macht, darf sie 8 Euro dafür abrechnen.” Siehe dazu auch “DJV Hessen kritisiert das ‘Geschäftsmodell Frankfurter Rundschau'” (djv-hessen.de).

2. “Beleidigende Kommentare: Presserat will Regeln für Foren einführen”
(spiegel.de)
Der Deutsche Presserat fordert, “dass Kommentare grundsätzlich wie Leserbriefe behandelt werden”.

3. “Auf verlorenem Posten”
(funkkorrespondenz.kim-info.de, Franz Everschor)
Franz Everschor bespricht die Programmpläne von US-TV-Sendern: “Inzwischen weiß niemand mehr, ob man einer der vielen, alle paar Wochen in die Sendepläne geschobenen Serien trauen kann oder ob sie nach wenigen Folgen schon wieder spurlos in der Versenkung verschwinden werden. Die vier großen Sender spielen Roulette mit Programmangeboten, die sie nur mit einer begrenzten Anzahl von Folgen in den Sendeplan rücken, viel zu kurz, als dass sich eine treue Gefolgschaft beim Publikum bilden könnte. Und die Zuschauer verlieren die Lust, fortwährend etwas Neues auszuprobieren, ohne zu wissen, ob ihnen die Serie erhalten bleibt.”

4. “Netflix-Seriendebüt wird zum wegweisenden Massenereignis”
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Netflix stellte am Wochenende die 2. Staffel der Serie “House Of Cards” vollständig online. “Wer bislang noch daran zweifelte, dass das Ausnahmeunternehmen Netflix gerade in Eigenregie die TV- und Medienlandschaft umbaut, der dürfte spätestens jetzt überzeugt sein.”

5. “Die Abenteuer von ‘Konservatives Feuilleton Man’ – Ein exklusives Interview”
(kleinerdrei.org, Anne)
Anne Wizorek spricht mit “Konservatives Feuilleton Man”, “dem Mann hinter all den Print- und Online-Kolumnen, die euren Blutdruck in die Höhe schnellen lassen”.

6. “Abt. Geographie? Ganz schwach! – heute: SPIEGEL”
(infam.antville.org, patpatpat)

Parsifal, Fackellauf, Christian Wulff

6 vor 9

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1. “Die Absperrung in unseren Köpfen”
(queer.de, Norbert Blech)
Norbert Blech schreibt zur Berichterstattung über die Verhaftung eines Demonstranten am olympischen Fackellauf, so auch über unseren Text “Fackellauf und Fahnenfluch”. “Es ist natürlich in Ordnung, auf eine akkurate Berichterstattung zu pochen – und die Berichterstattung über LGBT in Russland ist gar nicht mal selten mangelhaft. Aber hier wird auf einer Petitesse herumgeritten, die an der eigentlichen Nachricht – Schwuler protestiert nicht grundlos gegen die homophobe Politik und Gesellschaft Russlands – nichts ändert.”

2. “Ein Star ist wunderbar!”
(tagesanzeiger.ch, Simone Meier)
Nach 16 Jahren beim gedruckten “Tages-Anzeiger” wechselt Simone Meier zum neuen Newsportal Watson.

3. “Wie die Presse Wulff zum Rücktritt zwang”
(cicero.de, Hans Mathias Kepplinger)
Hans Mathias Kepplinger offeriert eine alternative Deutung des Falls Christian Wulff: “Unter der Überschrift ‘Christian Wulff musste Uhr versetzen’ hätte stehen können: ‘Wulff zahlt seiner geschiedenen Frau und seiner Tochter 4.200 Euro Unterhalt im Monat. Deshalb hat er Schulden gehabt. Allerdings haben ihm gute Freunde aus der Klemme geholfen, darunter sein langjähriger Mentor, Egon Geerkens. Er hat ihm 90.000 Euro geliehen und einen günstigen Kredit für sein Haus vermittelt. Wulff hat Geerkens dafür seine Rolex und wertvolle Bücher als Sicherheit überlassen müssen’. Vermutlich hätten die Leser darauf ganz anders reagiert – mit Häme, Spott, Anteilnahme oder Respekt, aber kaum mit Ärger und Wut.”

4. “The Six Things That Make Stories Go Viral Will Amaze, and Maybe Infuriate, You”
(newyorker.com, Maria Konnikova, englisch)
Maria Konnikova untersucht die Frage, welche Aspekte Geschichten aufweisen, die häufig weiterverbreitet werden. “The irony, of course, is that the more data we mine, and the closer we come to determining a precise calculus of sharing, the less likely it will be for what we know to remain true. If emotion and arousal are key, then, in a social application of the observer effect, we may be changing what will become popular even as we’re studying it.”

5. “Zeitungsforscherin: ‘Nachfolgerfrage ist die Achillesferse der deutschen Verlage'”
(newsroom.de, Bülend Ürük)
Katharina Heimeier erforscht die Eigentümerstrukturen deutscher Zeitungsverlage: “Statt neue Konzepte zu entwickeln verwenden die Verleger alle Energie darauf, den Markt geschlossen zu halten, auf alten Privilegien zu beharren und hart zu sparen, um die gewohnten Renditen wenigstens halbwegs zu sichern.”

6. “Der Gralsraub von Bayreuth”
(faz.net, Christian Wildhagen)
Christian Wildhagen erinnert an den Januar 1914, als die urheberrechtliche Schutzfrist für die Oper “Parsifal” von Richard Wagner aufgehoben wurde: “Zu diesem Zeitpunkt war das Werk eine echte ‘Novität’. Lange vor Erfindung von Schallplatte, CD, DVD oder digitalem Streaming war ‘Parsifal’ in seiner Originalgestalt jahrzehntelang, seit der Uraufführung 1882, wirklich nur in Bayreuth zu erleben gewesen, wobei die strikte Exklusivität erst recht die Neugier schürte und das Stück zum sagenumwobenen Mysterium für wenige Auserwählte erhob.”

Österreich, Andreas Voßkuhle, Christian Wulff

6 vor 9

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1. “Offener Brief des österreichischen Fußball-Nationalteams an die Tageszeitung ‘Österreich'”
(oefb.at)
Das österreichische Fußball-Nationalteam schreibt in einem offenen Brief: “Die Fülle an schlecht bis gar nicht recherchierten Artikeln in der Tageszeitung ‘Österreich’, die häufig als ‘Exklusiv-Interviews’ bezeichneten Berichte, für die niemand von uns jemals interviewt worden ist, die reißerischen Texte, die nicht selten in Beleidigun­gen gipfeln (so wurde z. B. zuletzt unser Teamtrainer Marcel Koller als ‘Verräter’ bezeich­net, den man als ‘Packerl an die Schweizer schicken soll’) – wollen wir nicht mehr unkommentiert hinnehmen.”

2. “Journalimus darf sich nicht nur an Quote und Auflage orientieren”
(medienpolitik.net, Andreas Voßkuhle)
Zunehmend tauge jede kritische Äußerung eines Amtsträgers zur Nachricht, stellt der Präsident des Verfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, korrekt fest, wie diese Notiz beweist. “Da damit zugleich die Bereitschaft öffentlicher Amtsträger, inhaltliche Aussagen zu treffen, permanent abnimmt, befinden wir uns in einem circulus vitiosus: In Reaktion auf die Inhaltsleere vieler Äußerungen müssen zunehmend Aussagen, die eigentlich keinen Nachrichtenwert haben, zu Meldungen stilisiert werden.”

3. “Das konnte man als Drohung verstehen”
(faz.net, Julian Staib)
Eine Auseinandersetzung um die Entlassung von “zwei langjährigen freien Mitarbeitern der bulgarischen Redaktion” der Deutschen Welle.

4. “Bloggen: 10 gute Gründe, noch heute damit anzufangen”
(t3n.de, Timo Stoppacher)
“1. Die Öffentlichkeit weiß (spätestens) jetzt, was ein Blog ist. 2. WordPress: Die Standardsoftware zum Bloggen. 3. Lasst euer Blog lesen. 4. Verdient Geld mit dem Bloggen. 5. Keine Lust zu schreiben? 6. Mach ein E-Book draus. 7. Inspiration kommt von selbst oder von anderen. 8. Noch mehr Leser mit Blogparaden. 9. Von wegen keine langen Texte. 10. Nutzt die Schwarmintelligenz.”

5. “Die mit dem Wulff tanzten”
(zapp.blog.ndr.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg schreibt: “Falls es noch niemand bemerkt haben sollte: Der völlig grundlos zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff muss sich ab dieser Woche vor einem Gericht unserer Bananenrepublik verantworten, obwohl man die übrig gebliebenen Vorwürfe locker weglachen könnte.” Siehe dazu auch “Medialer Exzess: Wulff vor Gericht” (ndr.de, Video, 4:11 Minuten).

6. “Journalisten!”
(titanic-magazin.de)

Hardy Krüger, Günther Jauch, Pressetexte

6 vor 9

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1. “Eine sehr exklusive Meldung”
(effzeh.com, David Schmitz)
In der Kölner Ausgabe von “Bild” wird Schauspieler Hardy Krüger mit dem Satz “FC-Fans von Neonazis unterwandert” zitiert. Im Gespräch mit dem 1. FC Köln dementiert dessen Agent die zitierten Äußerungen.

2. “‘Die Regenbogenpresse schränkt meine Freiheit ein'”
(topfvollgold.de)
Ein Gespräch mit Günther Jauch, das aber nicht in voller Länge die Öffentlichkeit finden kann, weil es dann heissen würde, dass Jauch “ja selber sein Privates nach außen getragen” habe. “Und das vielleicht Traurigste an der Sache ist, dass sich Günther Jauch nicht einmal richtig darüber äußern kann, dass er sich nicht äußern kann.”

3. “Wie die Werbung vor 20 Uhr der Verjüngung des ZDF schadet”
(ulmen.tv, Peer Schader)
Der am häufigsten im ZDF-Vorabendprogramm fallende Satz lautet: “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker”: “Im Grunde sabotiert die politisch (noch) gewollte Erlaubnis, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Werbung laufen zu lassen, die Bestrebungen des ZDF, sein Hauptprogramm zu verjüngen. Und der einzige, dem das nützt, ist: die Pharmaindustrie.”

4. “European auditors point to errors but sign off EU’s accounts – some UK media decline to listen to what the auditors say”
(blogs.ec.europa.eu/ECintheUK, englisch)
“Newspapers throwing incorrect figures around to kindle public outrage”, stellt das Blog der European Commission Representation in the UK fest: “UK media – for example the Daily Mail, Daily Express and the Times – yet again reported that the European Court of Auditors (ECA) has not signed off the EU accounts. Some media -this time including the Daily Telegraph – claim that UK taxpayers will be liable to pay back GBP 800 million. Both statements are simply false.”

5. “Pressetexte? Nein, danke!”
(janoschtroehler.com)
Die viel diskutierte Verschmelzung von PR und Journalismus sei nirgendwo so weit fortgeschritten wie im Kulturbereich, schreibt Janosch Tröhler: “Dabei verlieren die Medien komplett die Distanz zur Veranstaltung selber. Irgendwann haben sie den Karren soweit in den Schlamm gefahren, dass sie jegliche Bewegungsfreiheit verloren haben.”

6. “lieber franz josef wagner”
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel schreibt an Franz Josef Wagner, der seinerseits an Edward Snowden geschrieben hatte.

Tom Cruise, Kunstfund, CNN

6 vor 9

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1. “Die Willkür der Huffington Post Deutschland”
(social-secrets.com, Daniel Fürg)
Daniel Fürg beklagt den Umgang der “Huffington Post Deutschland” mit ihren Bloggern: “Blogbeiträge werden völlig willkürlich freigeschalten – ob das einen Tag dauert oder ein paar Stunden weiß niemand. Aber das wäre eigentlich gar kein großes Problem. Viel schlimmer ist, dass die vermeintlich kreativen Blog Editoren Headlines erweitern oder gar umdichten und damit sogar deren Sinn verändern.”

2. “Vom Glauben abgefallen”
(kontextwochenzeitung.de, Roger Repplinger)
Ein Interview mit Medienwissenschaftler Horst Pöttker zur Glaubwürdigkeit von Medien: “Das Fernsehen wirkt glaubwürdiger, weil es mit Bildern arbeitet, die als authentisch gelten, dies aber nicht immer sind. Die Presse gilt als weniger glaubwürdig, weil sie ein schriftliches Medium ist, weil später berichtet wird, nicht in Echtzeit, da sieht man eher, dass die Berichterstattung etwas mit Selektion zu tun hat, mit Perspektiven, aus denen berichtet wird. Ob die Presse tatsächlich weniger glaubwürdig ist, bezweifele ich.”

3. “Tom Cruise verklagt Hamburger Verlag auf 50 Millionen Dollar”
(abendblatt.de)
Tom Cruise verlangt von der Bauer Media Group “insgesamt 50 Millionen Dollar Entschädigung. (…) Jeder Cent, den Cruise durch den Prozess gegen Bauer einnehmen könnte, würde in wohltätige Projekte gehen.”

4. “‘Hartes journalistisches Wettrennen’ um Snowden-Dokumente”
(heise.de/tp, Matthias Monroy)
“Anscheinend haben in Deutschland also lediglich der Spiegel sowie die Süddeutsche Zugriff auf die geleakten NSA-Dokumente”, schreibt Matthias Monroy zu den Dokumenten von Edward Snowden. “Dabei ist nicht einmal klar, ob auch die jeweiligen Chefredakteure Einblick haben oder ob sich die Daten nur im Besitz einzelner Journalisten befinden.”

5. “‘Mei, ich nehm das sportlich'”
(taz.de, Anne Fromm)
“Abendzeitung”-Mitarbeiter Thomas Gautier wusste seit “etwa einem Jahr” vom Kunstfund in München – die “Focus”-Titelgeschichte kam jedoch seiner Story, die “noch nicht vollständig” war, zuvor.

6. “CNN Best Walk Ever”
(thedailyshow.com, Video, 4:23 Minuten)
CNN blendet Werbung ein, während sich ihre Moderatoren vom Tisch zum Sofa bewegen.

Rügen-Schock: Schach und Regenbogen

Der Deutsche Presserat hat vergangene Woche zehn öffentliche Rügen, 13 Missbilligungen und 23 Hinweise ausgesprochen.

Die “Maßnahmen” des Presserates:

Hat eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein dazugehöriger Internetauftritt gegen den Pressekodex verstoßen, kann der Presserat aussprechen:

  • einen Hinweis
  • eine Missbilligung
  • eine Rüge.

Eine “Missbilligung” ist schlimmer als ein “Hinweis”, aber genauso folgenlos. Die schärfste Sanktion ist die “Rüge”. Gerügte Presseorgane werden in der Regel vom Presserat öffentlich gemacht. Rügen müssen in der Regel von den jeweiligen Medien veröffentlicht werden. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht.

Die “Bild”-Zeitung erhielt eine Rüge, weil sie in ihrer Thüringer Ausgabe das Foto eines Mannes abgedruckt hatte, der gestanden hatte, sein eigenes Kind getötet zu haben. Der Beschwerdeausschuss befand, dass an dem Gerichtsprozess und der Tat an sich zwar ein öffentliches Interesse bestehe, nicht aber an der identifizierenden Abbildung des Täters (Verstoß gegen Ziffer 8 des Pressekodex).

Für ähnliche Verstöße erhielt die Online-Ausgabe der “B.Z.” gleich zwei Rügen. Sie hatte über einen psychisch kranken Mann berichtet, der nackt und mit einem Messer bewaffnet in den Brunnen am Berliner Alexanderplatz gestiegen und später von der Polizei erschossen worden war. “B.Z. Online” veröffentlichte zahlreiche persönliche Details, durch die der Mann “für einen weiten Personenkreis identifizierbar wurde”, urteilte der Presserat:

Für den zweiten Artikel hatte der Autor offenbar die Wohnung des Toten aufgesucht und den Inhalt von dort gefundenen Dokumenten veröffentlicht. Der Beschwerdeausschuss sah in der Berichterstattung einen Verstoß gegen die Richtlinien 8.1 und 8.6 des Pressekodex. Über den psychisch kranken und möglicherweise schuldunfähigen Mann hätte nur anonymisiert und in zurückhaltender Weise berichtet werden dürfen.

Auch die Schach-Zeitschrift “Rochade Europa” kassierte eine Rüge. Sie hatte den Sieger eines Turniers, einen älteren Mann, ganzseitig auf dem Titelblatt gezeigt; auf seiner Hose war ein großer nasser Fleck zu sehen. Der Presserat befand:

Dadurch entstand der Eindruck, dass er sich eingenässt haben könnte. Der Ausschuss sah darin einen Verstoß gegen die Ziffern 1 und 9 des Pressekodex. Danach achtet die Presse Würde und Ehre des Menschen. Die Redaktion hätte das Foto des Mannes nicht veröffentlichen dürfen, auch wenn es — wie die Zeitschrift mitteilte — mit seinem Einverständnis gemacht wurde.

Gerügt wurde auch der Online-Auftritt der “Augsburger Allgemeinen”. Das Portal hatte Spekulationen über eine außereheliche Affäre eines Lokalpolitikers wiedergegeben, die ein Parteikollege bei Facebook veröffentlicht hatte. Darin erkannte der Presserat einen Verstoß gegen den Schutz der Persönlichkeit (Ziffer 8).

Insgesamt fünf weitere Rügen gingen an Zeitschriften der Regenbogenpresse.

Eine davon bekam die “Frau aktuell”. Das Blatt hatte auf der Titelseite eine “pikante Enthüllung” über Volksmusiker Stefan Mross angekündigt. Im Innenteil lautete die Überschrift: “Alkohol-Schock! Stefan Mross – Wer kann ihm jetzt noch helfen?” Im Text ging es dann aber lediglich um Folgendes: Wenn man bei Google “Stefan Mross” eingibt, erscheint als Suchvorschlag manchmal “Stefan Mross Alkohol”. Der Presserat erkannte daher eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht (Ziffer 2) und des Persönlichkeitsschutzes (Ziffer 8).

Ebenfalls gegen die Sorgfaltspflicht verstieß nach Ansicht des Pressrats die “Freizeit Express”, weil sie getitelt hatte: “Kate & William – Sensationelle Baby-Fotos! Es nuckelt schon am Daumen…” In Wirklichkeit handelte es sich dabei jedoch um Symbolfotos. Als solche hätten sie nach Ansicht des Presserats auch gekennzeichnet werden müssen.

Unter der Überschrift “Angela Merkel – Verheimlichte Scheidungstragödie” versprach die “Meine Freizeit” im April auf der Titelseite “Alles über die unbekannte Vergangenheit der Kanzlerin”.  Im Innenteil wurden dann aber lediglich ein paar banale und seit Jahren bekannte Fakten aus dem Leben Angela Merkels mitgeteilt. Die Schlagzeilen beurteilte der Presserat daher als grobe Irreführung der Leser.

Um eine andere angebliche Scheidungstragödie ging es in der Zeitschrift “Das neue Blatt”. Auf dem Cover hieß es über das “Bauer sucht Frau”-Pärchen Josef und Narumol: “Scheidungs-Schock! – Dabei war es doch die ganz große Liebe”. Erst im Artikel wurde klar, dass sich nicht Bauer Josef, sondern ein anderer Bauer aus der RTL-Sendung hatte scheiden lassen. Auch hier stellte der Presserat Verstöße gegen die Ziffern 1 und 2 des Pressekodex fest. Die Schlagzeilen seien grob irreführend.

Die “Promi Welt”, die neuerdings “Woche exklusiv” heißt, kassierte schließlich eine Rüge für einen Artikel über Steffi Graf. Die hatte zu Jahresbeginn die Leser ihres Blogs um Rat gefragt, wie man “das Leben allgemein einen Gang herunterschalten könnte”. Die “Promi Welt” sprach daraufhin gleich von einem “verzweifelten Hilferuf” und bescheinigte Steffi Graf einen “Absturz in die Lebenskrise”. Das Blatt nahm den Blogeintrag sogar noch zum Anlass, über eine mögliche Krebserkrankung von Steffi Grafs Mutter zu spekulieren. Der Presserat bewertete den Artikel als “eine unwahrhaftige Berichterstattung, bei der jegliche Sorgfaltspflichtaspekte außer Acht gelassen wurden.”

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