Glenn Greenwald, Marc Walder, Loni Nest

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Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Es geht nur um die Macht“
(faz.net, Harald Staun)
Glenn Greenwald hat von Edward Snowden geleakte Dokumente veröffentlicht. Zur Frage seiner journalistischen Unabhängigkeit sagt er: „Fast jedes Medienunternehmen wird von sehr reichen Menschen finanziert und kontrolliert. Und die Interessen dieser Leute kollidieren grundsätzlich immer mit der Arbeit der Journalisten. Ich verstehe die Skepsis, ich weiß nur nicht, was an meinem Fall so besonders ist. Im Endeffekt hängt journalistische Glaubwürdigkeit immer davon ab, dass man sie auch demonstriert.“

2. „Der gefälschte Tod eines echten Stummfilmstars“
(welt.de, Hanns-Georg Rodek)
„Loni Nest, die wahre, einzige Loni Nest, starb 75-jährig am 2. Oktober 1990 in Nizza“, schreibt Hanns-Georg Rodek, und doch stehe in vielen Quellen im Internet aufgrund „einer unverfrorenen Fälschung“ etwas anderes. „Binnen zweier Wochen hatten die relevanten Online-Datenbanken Loni Nest ‚aktualisiert‘, im Zuge des großen Abschreibens, das in allen Medien an Stelle der eigenen Recherche getreten ist.“

3. „‚Tempo ist alles, die Amerikaner haben recht'“
(bazonline.ch, Jean-Martin Büttner und Christian Lüscher)
Der CEO des Ringier-Verlags, Marc Walder, glaubt, dass die Schweizer „vielleicht etwas gar brav“ mit ihren Prominenten umgehen: „Die Deutschen machen das besser. Eine intelligente, durchaus auch kritische Auseinandersetzung mit unseren Prominenten ist keine journalistische Stärke in der Schweiz.“

4. „Gratis-Mentalität im Web: Werbung muss endlich fair bezahlt werden“
(lousypennies.de, Stephan Goldmann)
Online-Werbung ist zu kostengünstig, findet Stephan Goldmann. „Ein kleiner Trend immerhin macht Mut: Auch viele Firmen haben mittlerweile keine Lust mehr in einem Anzeigenumfeld zu agieren, das sie wahllos neben Single-Börsen und Sanitärbedarf platziert. Viele suchen verlässliche Sponsorenpartner in Nischenseiten, die sie exklusiv oder in einem überschaubaren Konkurrenzrahmen anzeigt.“

5. „Mein Vater, ein Werwolf“
(spiegel.de, Cordt Schnibben)
Cordt Schnibben schreibt im „Spiegel“ über die Verbrechen seiner Eltern: „Gehört das in die Öffentlichkeit? Ja, denn je länger ich ihre Geschichte recherchierte, desto öfter traf ich auf Leute, die auch dabei waren, ihre Eltern zu durchleuchten. Da schlummern viele Geschichten, die den ganz gewöhnlichen Faschismus und seine Helfer erhellen.“

6. „24h Jerusalem 06h-07h“
(arte.tv, Video, insgesamt 24 Stunden)
„24h Jerusalem“, ein „dokumentarisches Projekt einer geteilten Stadt. Unter der Projektregie von Volker Heise haben 70 Filmteams einen Tag lang 90 Bewohner Jerusalems in ihrem Alltag begleitet – Menschen jeden Alters, jeder Couleur und verschiedener Religionen.“