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AFP  

Heavy Metal

Wissen Sie, was ein “Schwermetallkabel” ist?

Nun, wir wissen es ehrlich gesagt auch nicht, sind uns aber ziemlich sicher, dass auch die Redakteure der etwa 300 Nachrichtenseiten, auf denen das Wort seit gestern auftaucht, auch keine Ahnung haben.

Erst- und einmalig aufgetaucht ist das “Schwermetallkabel” in einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP. Auf den Philippinen war ein 6,40 Meter langes Krokodil gefangen worden, was wohl nicht ganz so einfach war:

Mehr als zwei Wochen lang hatten die Behörden in der entlegenen südlichen Kleinstadt Bunawan versucht, mit Ködern aus Hühner-, Schweine- oder Hundefleisch das mehr als eine Tonne schwere Reptil in eine Falle zu locken. Doch nachdem das Salzwasserkrokodil das Fleisch immer nur vom Spieß riss und fraß, konnte dem Tier am Samstag mit Hilfe von 30 Einheimischen ein Schwermetallkabel um das Maul geschnürt werden. Das Riesen-Reptil soll nun zur Attraktion in einem eigenen Naturpark werden.

Und was ist jetzt ein “Schwermetallkabel”? Ein Kabel aus Gold, Blei oder Kupfer? Das Ergebnis einer Wette von AFP-Mitarbeitern, wer ein bisher für Google unbekanntes Wort in eine Agenturmeldung geschmuggelt kriegt?

Die Antwort ist bedeutend banaler.

Im englischsprachigen Korrespondentenbericht der AFP lautet die Stelle so:

A heavy metal cable finally proved beyond the power of its jaws, and the beast was subdued in a creek late Saturday with the help of about 30 local men.

Ein schweres Metallkabel (oder Drahtseil) also. Wie langweilig.

Mit Dank an Elias P.

Gestern, heute, morgen

Der 11. September 2001 war ein Tag, der die Welt veränderte. Doch wie sah diese Welt eigentlich aus, bevor sie verändert wurde?

Bild.de möchte ab heute über die Tage berichten, “in denen sich unsere Welt noch in Frieden und Sicherheit wähnte”, und erzählt deshalb zehn Jahre alte “Bild”-Meldungen nach. Da geht es dann zum Beispiel um die Flugaffäre des damaligen Bundesverteidigungsministers Rudolf Scharping, die Basketball-EM in der Türkei und die Flitterwochen von Ex-Bundespräsident Roman Herzog.

Doch es geht auch um einen Fall, der bis heute in den Medien ist:

Wulsbüttel (Niedersachsen): Schon wieder wird ein Kind in Deutschland vermisst: Der blonde Dennis (damals 9) ist am 5. September nachts aus dem Schullandheim in Wulsbüttel verschwunden. 300 Einsatzkräfte durchkämmen seitdem die Umgebung. Mit dem Foto, auf dem Dennis mit seinem Pokemon zu sehen ist, wird nach ihm gesucht. Der Verdacht fällt auf den sogenannten “Schwarzen Mann”, der den Jungen entführt haben soll. Erst zehn Jahre später, im April 2011, wird der Täter endlich festgenommen werden. Er wird gestehen, ab Oktober 2011 vor Gericht stehen und schließlich zu lebenslänglich verurteilt werden.

Äh, Stopp!

Die Leute von Bild.de haben auf dem Weg zurück in die Gegenwart soviel Gas gegeben, dass sie in der Zukunft ausgekommen sind: Der Prozess beginnt ja erst im Oktober, da kann Bild.de jetzt noch gar nicht wissen, wie er irgendwann danach ausgehen wird.

Andererseits:

Mit Dank an Johannes G.

Nachtrag, 21:50 Uhr. Puh, Bild.de kann doch nicht in die Zukunft sehen, hat den Artikel korrigiert und schreibt:

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels entstand der Eindruck, das Urteil gegen den mutmaßlichen Mörder stehe bereits fest. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen und danken unseren Lesern für die Hinweise.

9/11, Yvonne, Photoshop

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Leitmedien und die Gegenöffentlichkeit des 11. Septembers”
(heise.de/tp, Marcus Klöckner)
In einem ausführlichen Beitrag stellt Marcus Klöckner den Umgang von Leitmedien wie “Spiegel”, “Zeit” oder “Süddeutsche Zeitung” mit 9/11 in Frage. Zweifler seien vorschnell diffamiert und psychiatrisiert worden. “Stattdessen konnte ein Journalismus beobachtet werden, der Wissen durch Glauben ersetzte und die scheinbar unerschütterliche Überzeugung der eigenen politischen Weltsicht an die Stelle des Prüfens und Hinterfragens treten ließ.”

2. “Wie wird man eigentlich ‘Journalist’?”
(print-wuergt.de, Michalis Pantelouris)
“Bild”-Kritiker werden in einer Bildergalerie als “Experten” in Anführungszeichen dargestellt. “Es handelt sich nach Ansicht von Bild bei Menschen wie dem Wirtschaftsminister Thüringens, Roland Koch und Sigmar Gabriel nicht um Experten, sondern nur um so genannte.”

3. “Wenn Schlagzeilen in die Irre führen”
(nachtwach.blog.sf.tv, Franziska von Grünigen)
Die Produzentin der Call-In-Ratgebersendung “Nachtwach” antwortet auf den “Blick”-Titel “SF bezahlt Psycho-Doc für Talkerin”: “Die Geschichten, die die Redaktoren am Telefon, ich als Produzentin und Barbara Bürer direkt in der Sendung zu hören bekommen, wühlen bisweilen auf, irritieren, machen nachdenklich. Eine sorgfältige Vor- und Nachbereitung ist für uns daher oberstes Gebot.”

4. “Pleiten, Pech und Pannen: Unsere größten Flops”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
“DWDL” erinnert sich zum zehnjährigen Jubiläum an die größten Flops und die bittersten Falschmeldungen.

5. “The head of photography on… picture manipulation and trust in news imagery”
(guardian.co.uk, Roger Tooth, englisch)
“Our rule about the use of Photoshop and other picture-manipulating software is that cropping and toning – basically anything that might have been done in a darkroom – is OK, but the moving of pixels or ‘cutting and pasting’ is forbidden.”

6. “Yvonne – die arme Werbe-Kuh”
(rp-online.de, Dieter Dormann)
Hätte die Kuh Yvonne, das diesjährige Sommertier der Medien, nicht schon viel früher eingefangen werden können? Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Rheinland: “Die vom Gut Aiderbichl haben viel PR für sich gemacht, anstatt das Problem zu lösen.”

Doku-Soap, Mailbox, 9Live

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Möglichst asozial”
(sueddeutsche.de, Christin Müller)
Eine ehemalige Mitarbeiterin einer Casting-Agentur erzählt, wie aktiv nach möglichen Kandidaten gesucht wird: “Man habe für die penetrierende Recherche wahllos in verschiedenen Dörfern angerufen, sei vom Gemeinderat an den Bürgermeister und von diesem dann weitergeleitet worden, im besten Fall eben zu einem fernsehtauglichen Schicksal, dass sich quotenstark ausschlachten lässt.”

2. “Doku-Soaps: Wahrheit als Ware”
(tagesspiegel.de, Barbara Sichtermann)
Das dokumentarische Fernsehen spalte sich in zwei Lager, schreibt Barbara Sichtermann: “Die seriösen Macher inklusive der Reporter auf der einen Seite, deren Ethos sie dazu verpflichtet, das Material nicht zu manipulieren, sondern so vorzuzeigen, wie sie es angetroffen haben. Und die Reality-Anbieter und Dokusoap-Macher auf der anderen Seite, die sich auf die Sehnsucht des Fernsehens und seines Publikums nach Realität draufsetzen und dann etwas präsentieren, was weit über die Unschärfe hinausreicht von der raffinierten Verzerrung bis zum dreisten Fake.”

3. “1234 – drin!”
(taz.de, Johannes Himmelreich)
Johannes Himmelreich schreibt über illegale Recherchepraktiken: “Man ruft bei einem Prominenten auf dem Handy an, und während es klingelt, wählt ein Kollege dieselbe Nummer, um an die Mailbox zu geraten; dann legt man auf, und der Kollege versucht die Nachrichten auf der Mailbox abzuhören, indem er PINs ausprobiert, etwa ‘1234’. Findet sich vielleicht ja eine Schlagzeile unter den Nachrichten auf so einer Promi-Mailbox.”

4. “Platzsperre für Reporter”
(sueddeutsche.de, Raphael Honigstein)
Wegen gescheiterten Lizenzverhandlungen dürfen britische Journalisten nicht aus Fußballstadien berichten: “Aktuelle Zwischenmeldungen (‘live updates’) via Twitter oder andere elektronische Dienste sind den Reportern beispielsweise nur in neun penibel festgelegten Zeitfenstern erlaubt. Es sei absurd, argumentieren die Journalisten, dass ihnen verwehrt sein soll, was dem Fan in der Reihe vor ihnen mit seinem Smartphone oder den nicht im Stadion anwesenden Kollegen erlaubt ist.” Mehr dazu ist auf guardian.co.uk zu lesen: Artikel vom 4. August / Artikel vom 5. August.

5. “Von Selbstfindung & Leidenschaft: Der Journalist als Marke”
(wasmitmedien.de, Daniel Fiene)
“Es geht nicht darum ein großer Selbstdarsteller zu werden, sondern ein Profil zu bilden und damit zu werben.”

6. “Mach’s gut, Hot Button!”
(fr-online.de, Peer Schader)
9Live: Peer Schader blickt zurück auf den Hot Button, auf Tierarten wie den Laichkrautzünsler oder den Forstenlori und auf die Rolle der Landesmedienanstalten: “Nur wenige Jahre nach dem Programmstart und lediglich einigen tausend Nachweisen in Internetforen, wie 9live seine Zuschauer hinters Licht führt, reagierten die deutschen Medienwächter.”

Solidarität, Fischerdorf, Akte 20.11

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Zeitungsstreik: Solidarität? Wieso, weshalb, warum?”
(pushthebutton.de, Hardy Prothmann)
Hardy Prothmann listet die Verdienste während seiner Karriere als freier Journalist auf und fragt sich, warum er sich solidarisch zeigen soll mit den festangestellten, derzeit streikenden Kollegen: “Ich werfe den meisten von ihnen Kumpanei, Mittäterschaft, Honorar-Dumping, Untertanentum, Eitelkeit, Überheblichkeit, Weltentrücktheit und Respektlosigkeit vor.”

2. “Am längeren Hebel der Empörungsmaschine”
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Gestern verlinkten wir an dieser Stelle einen Text von Christoph Schwennicke, der sich über die rituelle Empörung von Politikern nach besonderen Ereignissen beklagte. “Elf Stunden später stellte sich heraus: Auch bei ‘Spiegel Online’ haben sie so eine Empörungsmaschine — und Christoph Schwennicke hat offensichtlich Zugang zu ihr.” Siehe dazu auch “Nachgefragt: So denken die Bürger über Geißlers Goebbels-Zitat” (der-postillon.com, Satire).

3. “Die Welt ist ein Fischerdorf”
(muel.ch, Samuel Burri)
Samuel Burri vergleicht zwei Korrespondenentexte über ein afrikanisches Dorf. In beiden wird die gleiche Szenerie beschrieben. Auf Anfrage schreibt einer der Autoren: “Der Einstieg war eigentlich länger aber wurde, wie das ganze Stück, stärker gekürzt. Und ja, der Text des Kollegen war mir bekannt und Teil meiner Notizen.”

4. “Deutsche Sender? Nein, danke”
(tagesspiegel.de, Andreas Maisch)
“Die in Deutschland lebenden Türken sehen und hören überwiegend türkischsprachige Medien.”

5. “… die sprechen alle Deutsch”
(ad-sinistram.blogspot.com, Roberto J. De Lapuente)
Roberto J. De Lapuente macht sich Gedanken über Deutsche, die in Spanien deutschsprachige Ärzte konsultieren, “Bild” nicht. “Diesem doppelmoralischen Dilemma entkäme man jetzt nur, wenn man öffentlich dazu aufrufen würde, dass verrentnerte Deutsche, die ihr Domizil ins Ausland verlegt haben, gefälligst die Heimatsprache zu büffeln haben – das alles im Sinne der Integration und des Respekts gegenüber den Gastgebern.”

6. “iPad-Rückgabe wegen blockierter BILD-Webseite”
(ifun.de)
In der Sat.1-Sendung “Akte 20.11” (ab 3:50 Minuten) wird ein iPad der Verkaufsstelle zurückgegeben, weil es die Website Bild.de nicht kostenfrei aufrufen kann.

Spiegel Online, Konrad Duden, 6 vor 9

6 vor 9

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1. “Der Copy-and-Paste-‘Journalismus’ bei ‘Spiegel Online'”
(blog.handelsblatt.com/handelsblog, Olaf Storbeck)
Olaf Storbeck schildert, wie “Spiegel Online” einen Artikel aus der “Handelsblatt”- Printausgabe “nur ein bisschen redigiert” ins eigene Angebot übernimmt (Gegenüberstellung). Inzwischen hat sich der Chefredakteur von “Spiegel Online” entschuldigt, dem Autor wurde “ein angemessenes Zweitverwertungshonorar angewiesen”. Zur Diskussion ein Vorschlag von Detlef Gürtler: “Im langfristigen Überlebensinteresse der Branche wäre es deshalb ratsamer, einen Prozess der Selbstkontrolle einzuleiten: ein vom Verlegerverband initiiertes und finanziertes MediaPlag zum Beispiel.”

2. “Patricia Riekel und das System Bunte”
(meedia.de, ga)
Georg Altrogge analysiert die Methoden der Zeitschrift “Bunte” und ihrer Chefredakteurin Patricia Riekel. “Es ist ein barockes Medien-Königreich, das da mit den Jahren in München entstanden ist, mit einer absolutistischen Herrscherin an der Spitze, einem eigenen Promi-Hofstaat und ganz vielen Mundschenken und Spesen-Rittern darunter.”

3. “TV Station Takes Four-Year-Old Child’s Quote Out of Context”
(mije.org, Bob Butler, englisch)
Wie ein US-TV-Sender eine Aussage eines vierjährigen Jungen nicht vollständig wiedergibt. Mehr dazu in diesem Video (youtube.com, 1:43 Minuten).

4. “‘Partner’ von Sommermagazin bevorzugt bedient”
(qualitaet-und-vielfalt-sichern.de, 18. Juli)
Die Zusammenarbeit zwischen Inserenten und Inhalt auf den “Seiten für Urlauber und Einheimische” in der “Ostsee-Zeitung” und den “Lübecker Nachrichten”: “Wie das Modell im Detail funktioniert, erklärt das ‘Tourismuszentrum Mecklenburgische Ostseeküste’ selbst auf seiner Homepage. Vermieter, die jeden Tag mindestens zehn Zeitungen abnehmen, könnten diese Exemplare zum halben Preis beziehen. Und öffentliche Veranstaltungen wie Feste, Konzerte oder Märkte würden ‘…dann im Veranstaltungskalender der Sommerredaktion kostenfrei veröffentlicht'”.

5. “Recht auf Unbelehrbarkeit”
(dradio.de, Marcus Pindur)
Peter Schneider bittet anlässlich des 100. Todestags von Konrad Duden darum, sich doch anzusehen, “wie unsere großen Geister – Goethe, Schiller und die klassischen deutschen Autoren, die nun wirklich Weltliteratur geschaffen haben”, geschrieben haben: “In den frühen Briefen von Schiller zum Beispiel an seine Frau, habe ich entdeckt, dass der manchmal im selben Satz das selbe Wort in zwei verschiedenen Rechtschreibungen benutzt. (…) Die wussten ganz genau: Was sie da schreiben, das wird verstanden.”

6. “Bildblog-Links: fünf Jahre 6vor9”
(meedia.de, Marc Reichwein)
In eigener Sache: Diese Rubrik feiert heute den 5. Geburtstag! Mein Dank hier, weitere Texte zu “6 vor 9” und die Links der allerersten Ausgabe von 2006 sind auf journalist.de zu lesen.

Kachelmanns Sonnenschein und -sein

Das Kriegsbeil im Haus erspart den Journalisten.
(Alte indianische Weisheit)

Wer sich ein bisschen im Medienbetrieb auskennt, weiß, dass das Verhältnis zwischen dem Wettermoderator Jörg Kachelmann und der Axel Springer AG als schwierig belastet zerstört betrachtet werden darf.

Insofern wäre unter Umständen Vorsicht geboten, wenn “Bild am Sonntag” exklusiv eine Personalie aus Kachelmanns Firma Meteomedia verkündet:

Claudia Kleinert will nicht mehr für seine Firma Meteomedia arbeiten: Kachelmanns Sonnenschein verzieht sich

Die Zeitung hatte gestern geschrieben:

Seit 2002 moderiert Claudia Kleinert (41) “Das Wetter im Ersten” und das “Wetter nach den Tagesthemen”. Bisher als Mitarbeiterin der Meteomedia AG, der Wetterfirma von Jörg Kachelmann. Doch der muss demnächst ohne seine prominenteste Moderatorin auskommen. Claudia Kleinert zu BILD am SONNTAG: “Fest steht, dass ich im nächsten Jahr nicht mehr bei Meteomedia arbeite.”

Branchendienste wie kress.de und DWDL, aber auch Webportale wie “Meedia” und “Quotenmeter” übernahmen die Meldung unter alleiniger Berufung auf “Bild am Sonntag”.

Meteomedia dagegen bezeichnete den Bericht als “schlicht falsch und erfunden”. Frau Kleinert habe eine solche Aussage “zu keiner Zeit” gemacht. Sie werde weiterhin das ARD-Wetter präsentieren und auch weiter bei Meteomedia arbeiten.

Die “Süddeutsche Zeitung”, die in einem Teil ihrer heutigen Auflage ebenfalls berichtet hatte, dass Frau Kleinert Meteomedia verlasse, widersprach dem in einem späteren Teil der Auflage:

ARD-Wettermoderatorin Claudia Kleinert will weiterhin in der ARD auftreten, auch wenn die Wettersendungen im Ersten künftig nicht mehr von Jörg Kachelmanns Firma Meteomedia produziert werden. Das bestätigte Kleinert der SZ auf Anfrage, widersprach aber Berichten, in denen von einer Kündigung bei Meteomedia die Rede war.

Die Vorgeschichte erklärt sich Jörg Kachelmann bei Twitter so:

Das übliche Verfahren, was auch viele andere in der Öffentlichkeit stehende Menschen fälschlicherweise dazu verleitet, Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht tun wollen. Unsere Medienstelle schrieb gestern an mich, die BamS hätte sich gemeldet – Zitat: Redakteur Rüssau hat mir gesagt, die Redaktion wolle das “vielleicht mal vorhandene Kriegsbeil begraben und die alten Geschichten beerdigen”. Bams wolle eine schöne Story über das Engagement von Meteomedia in den Philippinen und auch über den fast karitativen Aspekt dieses Projektes machen. Das sei jedoch nur möglich, wenn die Redaktion Fotos erhalte, die JK in den Philippinen und beim Aufbau der Wetterstation zeige. Zitat Ende.

Und natürlich kommt das nicht in die Tüte. Die Götter des Boulevards strafen allerdings sofort. Anstelle der rührenden Story des karitativen Wetterfroschs bei den armen Menschen Asiens gibts eins auf den Deckel http://bit.ly/qwX2Yh Macht nix. Nur für die Zukunft: Ihr müsst nicht mehr anrufen, BamS. Nie mehr. https://www.bildblog.de/31107/nie-mehr-springer-nie-mehr-burda/

Nocebo-Effekt, Norderney, Spiegel Online

6 vor 9

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1. “Geheime Pressekonferenz im ‘Dortmunder Kreis'”
(blog.telefacts.tv, Thomas Schweres)
Die Einladung zu einer Pressekonferenz der Polizei Dortmund geht exklusiv an einen “Dortmunder Kreis”. Der Leiter der Pressestelle, Wolfgang Wieland, sagt Thomas Schweres warum: “Wenn ich die Sache per Pressemitteilung rausgegeben hätte, müsste ich gleich eine Schul-Aula mieten und die Straße für Übertragungswagen sperren lassen.”

2. “Medienpolitik während der WM”
(taz.de, J. Kopp & M. Völker)
Interviews mit Spielerinnen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft werden “nach Steinzeitmethoden” autorisiert. “Das gesprochene Wort wird hier nicht nur nicht respektiert, sondern verfälscht.” (…) “Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und etliche Manager von Spielerinnen waren der Meinung, man könne der Öffentlichkeit ein bestimmtes Bild oktroyieren, die Presse führen und bevormunden.”

3. “FCB-Fans griffen in Bern Journalisten an”
(20min.ch, Lukas Mäder)
In Bern werden Journalisten und Fotografen von Fußball-Hooligans angegriffen.

4. “Vorgestellt: Top-Themen 2011”
(derblindefleck.de)
Die Initiative Nachrichtenaufklärung gibt “die Rangliste der wichtigsten von den Medien vernachlässigten Themen und Nachrichten im Jahr 2011” bekannt. Mit dabei ist die “Bankenrettung ohne wirksame parlamentarische Kontrolle”, der “Doping im Fußball” oder der “Nocebo-Effekt”: “Schon das Wissen über Nebenwirkungen von Medikamenten und über Krankheitsverläufe kann Symptome auslösen.”

5. “Wulff mimt Urlaubsidylle für ZDF-Sommerinterview”
(welt.de)
Bundespräsident Christian Wulff fliegt für ein “Sommerinterview” mit dem ZDF kurzfrisitig nach Norderney. Noch ist er aber gar nicht im Urlaub: “Tatsächlich verbringt der Bundespräsident mit seiner Frau Bettina und den Kindern den Sommer auf der Ostfriesischen Insel – allerdings erst in ein paar Wochen.”

6. “SpOn-Politiker-Fotos”
(fuckyeahsponpolitikerfotos.tumblr.com)
Fotos von Politikern auf “Spiegel Online”.

Menschenjäger, Höllenengel, Manuela Schwesig

6 vor 9

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1. “Bilder machen Muslime”
(zeit.de, Deniz Baspinar)
Deniz Baspinar plädiert dafür, nicht immer die gleichen Bilder von Einwanderern zu zeigen: “Wenn von Migranten oder Muslimen die Rede ist, sehen wir die ewig gleiche Rückenansicht einer Gruppe von Frauen mit Kopftuch und bodenlangen Mänteln. Diese Frauen tun das, was ihre Bestimmung zu sein scheint: Kinderwagen schieben oder Einkaufstüten tragen. Sehr beliebt ist auch das unscharfe Motiv, auf dem die Frau drei Schritte hinter dem Patriarchen her läuft oder das vom Döner- respektive Gemüseverkäufer.”

2. “Seltsame PR-Strategie”
(spiegel.de, flo)
Die Ministerin für Soziales und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, schickt den Redaktionsleitern mehrerer Zeitungen Artikel zum Abdruck: “Wünschenswert wäre es, wenn die Artikel über einen Zeitraum von ca. sechs Monaten in regelmäßigen Abständen (ggf. vierzehntägig) erscheinen würden.”

3. “News of the World: Britischer Boulevardjournalismus”
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
Unter dem nicht grade neutralen Titel “Insel der Menschenjäger” vergleicht Hans Leyendecker den britischen mit dem deutschen Boulevardmarkt. “Bild” habe zwar “immer wieder Täter an den Pranger gestellt”, aber das sei “nichts im Vergleich zur Menschenjagd auf der Insel”.

4. “Lügen, die man gerne glaubt”
(zeit.de, Sabine Rückert)
Sabine Rückert fasst einige Beschuldigungen der letzten Zeit und die Reaktionen darauf zusammen: “Die Political Correctness gebietet es, dem vermeintlichen Opfer – eines NS-Verbrechens oder einer Vergewaltigung – bedingungslos zu glauben. Unbequeme Nachfragen und Recherchen unterbleiben. Zweifler laufen Gefahr, selbst im Reich des Bösen verortet zu werden.” (Eine Diskussion zur Rolle von Rückert im Kachelmann-Prozess findet sich hier).

5. “Nur ein Sommermärchen? Claudia Pechstein und die Höllenengel”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Eisschnellläuferin Claudia Pechstein dementiert auf ihrer Website diverse Medienberichte: “Ich pflege keinerlei Kontakte oder Geschäftsbeziehungen zu den Hells Angels.”

6. “Fremdschämen mit den taz-LeserInnen”
(spiegelfechter.com, Jens Berger)
Deniz Yücel erntet auf einen taz-Text mit dem Titel “Schämt euch, ihr Schlampen” über 400 Leserkommentare.

Sexy Urlaubsfotos von Teenager-Mädchen

Menschen, die sexuelles Interesse an Minderjährigen zeigen, bezeichnet “Bild” als “Sex-Täter”. Männer, die sich tatsächlich an Minderjährigen vergriffen haben, nennt die Zeitung “Schwein”, “Dreckschwein” oder “Sex-Monster”.

Anders verhält es sich bei Menschen, die so etwas über Minderjährige schreiben:

Am Strand macht Aurora auch mindestens so eine gute Figur wie ihre Model-Mama. Das findet Michelle Hunziker wohl auch und lässt ihre Tochter für sexy (private) Urlaubsfotos posieren.

Die nennt Bild.de “Mitarbeiter”.

Aurora, die 14-jährige Tochter von TV-Moderatorin Michelle Hunziker, macht derzeit offenbar Strandurlaub mit ihrer Mutter. Und Bild.de schreibt:

Andere Teenies finden die Outfits ihrer Mütter oft nur peinlich! Michelle und Aurora wurden sogar im Partnerlook gesichtet: In knappen pinken Bikinis.

Und weil sich die Wenigsten vorstellen können, wie das so aussieht, wenn eine Frau und ein Mädchen knappe pinke Bikinis tragen, hat Bild.de eine kleine Bildergalerie zusammengestellt.

Im sexy Partnerlook: Michelle Hunziker und ihre Tochter Aurora haben Spaß am Strand von Formentera

Ganz schön heiß! Mama Michelle lässt Töchterchen Aurora für die Urlaubsfotos posieren

Wo ist eigentlich Stephanie zu Guttenberg, wenn man sie braucht?

Mit Dank an Timo W., Jan S. und Jan.

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