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Und nun zur Hetzervorhersage

“Bild” klopft sich heute mal (wieder) kräftig auf die eigene Schulter:

Seit Beginn der Finanzkrise in Griechenland hat BILD immer wieder prophezeit, dass alle EU-Milliarden nicht reichen werden, um das Land aufzupäppeln. BILD hat auch gewarnt, dass am Ende Deutschland dafür bezahlen wird! Und ist dafür heftig kritisiert worden! Zu Unrecht

Darum hat die Zeitung sich und ihren hellseherischen Kommentatoren heute ein trotziges Denkmal gesetzt und auf einer Sonder-Doppelseite all die Prophezeihungen noch einmal abgedruckt:

Manchmal ist es bitter, recht zu behalten!

Seit Januar 2010 hat BILD immer wieder prophezeit, dass Griechenland mit Euro-Milliarden aus den Steuerkassen der anderen EU-Staaten nicht wieder auf die Beine kommt. Und davor gewarnt, dass am Ende die deutschen Steuerzahler die Zeche zahlen – 63,5 Milliarden Euro sind jetzt im Risiko.

Immer und immer wieder hat BILD diese Meinung vertreten. Obwohl (fast) alle unsere Politiker es nicht wahrhaben wollten. Oder BILD für die klare, knallharte Haltung sogar heftig kritisierten.

Und jetzt?

Das Sanierungskonzept ist gescheitert, die neue griechische Regierung bricht alle Sparzusagen. Warum hat das nur niemand geglaubt, 2010, als BILD in einem ersten Kommentar (“… und wir sollen zahlen”) die Griechen zum eisernen Sparen aufforderte?

Vielleicht wäre da noch etwas zu retten gewesen …

Wenn man das so liest, könnte man tatsächlich annehmen, die “Bild”-Zeitung habe sich um eine vernünftige Auseinandersetzung mit dem Thema bemüht, als habe sie sich lediglich getraut, unbequeme Wahrheiten anzusprechen und sei dafür — aus bloßer Ignoranz — von allen angefeindet worden. Und dass heute alles in Butter sein könnte, wenn doch nur mal jemand auf “Bild” gehört hätte.

Das ist natürlich alles völliger Unsinn.

Die dort abgedruckten Kommentare sind nur ein winziger Ausschnitt der Griechenland-“Berichterstattung” der “Bild”-Zeitung, und der harmloseste noch dazu. Der viel, viel größere und entscheidende Teil hat sich dagegen nicht in den Kommentaren abgespielt, sondern auf der Titelseite. In den riesigen, hämischen, krachenden Schlagzeilen, mit denen “Bild” immer wieder über und vor allem: gegen die Griechen berichtet hat.

Und in Wirklichkeit war das, was das Blatt nun als “klare, knallharte Haltung” zu verkaufen versucht, als “Meinung”, die bloß niemand “wahrhaben” wollte, nichts anderes als stumpfer Hass und pauschale Hetze gegen ein ganzes Volk. Aber darauf — also auf das, was wir und andere an der Art der “Bild”-Berichterstattung eigentlich kritisiert haben –, geht die Zeitung gar nicht ein.

Diesen Kommentar zum Beispiel …

… hat sie nicht abgedruckt, vermutlich weil “Pleite-Griechen” drin vorkommt, der Begriff, mit dem “Bild” über Jahre hinweg sämtliche Bewohner Griechenlands stigmatisiert hat. Das passt natürlich nicht ganz so gut zum edlen Bild der konstruktiven Kritiker, ebenso wenig wie all die anderen Beschimpfungen, Lügen und Kampagnen, mit denen das Blatt unermüdlich gekämpft hat.

Erinnern wir nur mal an den „Stimmzettel“ für eine „Volksabstimmung“, den “Bild” 2011 abdruckte und bei dem sich das „Volk“ zwischen den Optionen „JA, schmeißt ihnen weiter die Kohle hinterher!“ und „NEIN, keinen Cent mehr für die Pleite-Griechen, nehmt ihnen den Euro weg!“ entscheiden sollte.

Oder an den Brief, den die „Bild“-Redaktion im März 2010 an den damaligen griechischen Ministerpräsidenten geschickt hat — Überschrift: „Ihr griecht nix von uns!“

Oder an die Aktion des damaligen Nachwuchshetzers Paul Ronzheimer, der in Athen mit Geldscheinen herumwedelte und höhnisch verkündete: “BILD gibt den Pleite-Griechen die Drachmen zurück!”

Oder an Schlagzeilen wie “BILD macht Bettel-Test in Athen”. Oder: “Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen …und die Akropolis gleich mit“.

Doch bevor wir jetzt zu sehr ins Detail gehen — hier können Sie in Ruhe all das nachlesen, was die “Bild”-Zeitung in ihrer heutigen Griechenland-Berichterstattungs-Rückschau lieber nicht erwähnt hat:

Hate-Slam, Sportreporter, Rechtsextreme

1. “Bloggen & Geld”
(dondahlmann.de)
Don Dahlmann antwortet auf die Auflistung von Blogkosten durch Mel, die er “teilweise hanebüchen” findet. Er glaubt, es gebe im Moment nur zwei Wege, um mit seinem Blog längerfristig erfolgreich zu sein: “1. Ich nutze das Blog als mein persönliches Vermarktungsinstrument in bestimmten Nischen. 2. Ich baue ein redaktionelles Angebot auf.”

2. “Warum wir die Griechen falsch verstehen (wollen)”
(zeit.de, Axel Hansen)
Axel Hansen listet fünf Missverständnisse auf, die sich über die griechische Regierung festgesetzt haben: “1. Griechische Reeder-Millionäre zahlen keine Steuern. 2. Die Griechen sind faul und geben das Geld anderer Länder aus. 3. Tsipras’ Besuch eines Widerstandsdenkmals war eine Provokation Deutschlands. 4. ‘Was immer die Deutschen sagen, sie werden zahlen’. 5. Griechenland reformiert nicht genug.”

3. “Umblättern im Kopf – ein Besuch beim Nordbayerischen Kurier”
(operation-harakiri.de, Ralf Heimann)
Bei einem “Hate-Slam” lesen Redakteure des “Nordbayerischen Kuriers” “hasserfüllte Leserbriefe” vor: “Als der Applaus am Mittwochabend abgeklungen war, standen Kollegen von Verlagen aus anderen Städten vor der Garderobe. Dass die Veranstaltung ganz gut funktioniert, hat sich herumgesprochen. Und wenn etwas gut funktioniert, ist das gerade genau das Richtige für Zeitungen auf der Suche nach einem Plan für die Zukunft. Das Problem ist nur: Wenn sich sonst nichts verändert, wird auch der Hate-Slam nicht funktionieren. Und eine Redaktion, die kein bisschen subversiv ist, wird selbst bei so einer Veranstaltung die Leute in den Schlaf lesen.”

4. “Die geheimen Träume der Sportreporter”
(blog.tagesanzeiger.ch/blogmag, Michèle Binswanger)
“Frauensport interessiert die Schreibenden wenig, weshalb sie glauben, es interessiere auch sonst keinen”, behauptet Michèle Binswanger über Sportreporter: “Weil sie trotzdem darüber berichten müssen, handeln sie ihn ihren eigenen Interessen gemäss ab. Das heisst, sie konzentrieren sich auf Körpermasse, Bekleidungsvorlieben, Schmink- und Diätgewohnheiten der Frauen.”

5. “To all the young journalists asking for advice….”
(fusion.net, Felix Salmon, englisch)
Felix Salmon gibt jungen Journalisten Tipps: “I’m sure that many people have told you this already, but take it from me as well: journalism is a dumb career move. If there’s something else you also love, something else you’re good at, something else which makes the world a better place — then maybe you should think about doing that instead. Even successful journalists rarely do much of the kind of high-minded stuff you probably aspire to. And enormous numbers of incredibly talented journalists find it almost impossible to make a decent living at this game.” Siehe dazu auch “This is my best advice to young journalists” (vox.com, Ezra Klein, englisch).

6. “‘Haha, Schrei nach Liebe'”
(krautreporter.de, Theresa Bäuerlein)
Ein Interview mit Anti-Gewalt-Coach Alex, der während zwanzig Jahren “eine bekannte Figur in der rechtsextremen Szene” war: “Auch wenn es kein homogenes rechtsextremes Weltbild gibt: Der Antisemitismus eint sie alle. Um auch weiterhin Teil dieser Gemeinschaft bleiben zu können, habe ich mich diesen Äußerungen und Denkweisen angeschlossen. Es war für mich wichtig, mit meinen eigenen Äußerungen nicht aus dem Rahmen zu fallen. Sonst hätte man mich wahrscheinlich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, davor hatte ich Angst. Und irgendwann glaubte ich selbst auch daran, dass es wahr sein musste, was ich über die Juden hörte und las. Sonst wäre mein gesamtes Weltbild schon viel früher in sich zusammengefallen.”

“heute-show” verfälscht Interview

Die „heute-show“ im ZDF hat sich gestern mal wieder kritisch-satirisch mit der AfD befasst. Doch so lustig und entlarvend das an vielen Stellen auch war: An einem Punkt sind die Macher gehörig über die Stränge geschlagen.

Durch die verkürzte Wiedergabe eines Interviews wurde eine junge Frau in die rechte Ecke gestellt — dabei hat sie mit Rechtspopulisten und Rassisten nichts am Hut. Im Gegenteil: Marlena Schiewer ist jugendpolitische Sprecherin bei „Die Linke“ in Görlitz und engagiert sich gegen Rassismus und für Flüchtlinge.

In der Anmoderation (Sendung in der Mediathek, ab 23:35 Min. Update: Die Passage wurde inzwischen entfernt) sagt Moderator Oliver Welke:

Die Frage ist: Kann die Partei [AfD] nach ihren sensationellen Wahlerfolgen in der DDR auch im Westen Fuß fassen? Was man zugeben muss: Sie haben immer mehr Fans.

Dann kommt die Interviewsequenz:

Ich möchte nicht mehr die NPD wählen, weil die mir zu rechtsextrem ist, und deswegen wähle ich jetzt die AfD, weil die … also ich sage immer: Das ist die NPD in freundlich.

Großes Gelächter im Publikum, amüsiert-verblüffter Blick von Welke.

Wie allerdings im Originalbeitrag des ARD-Nachtmagazins zu sehen ist (ab 0:20 Min.), gab Schiewer tatsächlich nur die Meinung anderer Leute wieder, nicht ihre eigene. Ihre vollständige Aussage lautete:

Hier auf dem Dorf gibt’s ziemlich viele Leute, die rechter Meinung sind und die einfach sagen: Ich möchte nicht mehr die NPD wählen, weil die mir zu rechtsextrem ist, und deswegen wähle ich jetzt die AfD, weil die … also ich sage immer: Das ist die NPD in freundlich.

Auf Facebook schreibt sie heute:

Wer die gestrige ZDF heute-show gesehen hat, konnte mich in einem Beitrag zur AfD sehen. Die Macher der Show erweckten den Eindruck, ich würde jetzt AfD wählen und hätte früher NPD gewählt. Dies ist eine Frechheit und widerspricht meinem bisherigen politischen Engagement für Flüchtlinge und gegen Rassismus. (…) Bitte helft mir, allen Menschen und zuerst der ZDF heute-show zu zeigen, so geht das nicht! Das schadet nicht nur mir persönlich, sondern auch dem Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Allgemeinen.

Mit Dank an Erwin Z.

Siehe auch: Heute-Show fälscht erneut (fernsehkritik.tv)

Nachtrag, 20.30 Uhr: Die “heute-show” hat sich bei Facebook zu Wort gemeldet:

Liebe Fans der heute-show: Bei der Verwendung des Statements von Marlena Schiewer ist uns offensichtlich ein Fehler unterlaufen, für den wir uns entschuldigen. Wir werden prüfen, wie es dazu kommen konnte und die Sache richtigstellen.

Nachtrag, 8. Februar: Oliver Welke hat sich auf Facebook für den Fehler entschuldigt:

Liebe heute-show Zuschauer,

in sechs Jahren heute-show haben wir ganz bestimmt nicht alles richtig gemacht. Aber der Fehler, der uns als Redaktion letzte Woche unterlaufen ist, ist mir tatsächlich richtig peinlich. Dass ausgerechnet wir einen TV Clip so geschnitten zeigen, dass er eine junge Frau als Rechtsextreme erscheinen lässt, die sich seit Jahren gegen Rassismus engagiert, hätte nie passieren dürfen. Noch peinlicher ist nur, dass wir erst durch den Facebook Eintrag der betroffenen Frau auf unseren groben Fehler aufmerksam gemacht wurden. Die heute-show vom 6.2. war so gesehen ein echter Schock für Marlena Schiewer und nebenbei noch Wasser auf die Mühlen der Menschen, die ohnehin davon überzeugt sind, dass die Medien notorisch lügen und manipulieren. Wir klären jetzt im Detail, wie genau das von uns “verbockt” wurde. Zum Hintergrund: Für die heute-show wird von unseren Sichtern alles was im Fernsehen im weitesten Sinne mit Politik zu tun hat (Nachrichten, Talkshows, Bundestagsdebatten) ausgewertet und in Clips für die Sendung verwandelt. Wenn jemand in einem so gefundenen Ausschnitt gar nicht seine Meinung sagt, sondern andere zitiert, wird das normalerweise explizit dazu geschrieben. Genau das ist aber in diesem Fall nicht passiert. Dafür habe ich mich bereits bei Marlena Schiewer persönlich entschuldigt, und wir werden den vollständigen Ausschnitt selbstverständlich in der nächsten heute-show zeigen. Denn dieser Ausschnitt hätte auch schon in der Sendung vom letzten Freitag in der ungekürzten Originalfassung hervorragend und, was das Wichtigste ist, im Sinne von Frau Schiewer funktioniert. Logischerweise werden wir jetzt sämtliche Abläufe bei uns so ändern, dass sich Vergleichbares nicht wiederholen kann. Es gibt in Deutschland zur Zeit genug echte Rechte die in Kameras sprechen, da muss man weiß Gott keine Linke zur Rechten machen. Auch nicht, wie in diesem Fall, aus Versehen. In diesem Sinne von mir noch mal eine aufrichtige Entschuldigung im Namen des ganzen Teams (…).

Nachtrag, 8. Februar: … und Marlena Schiewer hat die Entschuldigung angenommen.

Gestatten, Cristiano Ronaldo, Fantastilliardär

In der Tat:

Bei diesem Einkommen hat Ronaldo genug Grund zum Jubeln [dazu ein Foto von Ronaldo beim Jubeln]

Cristiano Ronaldo (30) ist Weltfußballer, Superstar bei Real Madrid und verdient Ihr Jahresgehalt in wenigen Minuten: Laut „Forbes-Liste“ ist der Portugiese die Nummer zwei der bestverdienenden Sportler der Welt.

Was genau das bedeutet, erklärt Bild.de anhand eines Beispiels:

Sie sind Friseurin? Dann dürfte Ihr Durchschnittsverdienst bei knapp 15 500 Euro brutto im Jahr liegen. Ein Jahr lang waschen, schneiden und föhnen. Für dieselbe Summe braucht Ronaldo gerade mal acht Minuten. Während Ronaldo sich ein hartes Ei kocht, verdient er das Jahres-Gehalt einer Friseurin.

Dann muss er nur noch schnell den Müll runterbringen, ein Ründchen Fifa zocken und sich die Haare machen, und schwupps, hat er schon die nächste Million drin. Zumindest nach der Rechnung von Bild.de. Denn 15.500 Euro in acht Minuten, das wären 1.938 Euro pro Minute. 116.280 Euro pro Stunde. 2.791.000 Euro pro Tag. Und sage und schreibe 1.018.715.000 Euro pro Jahr.

Blödsinn, sagen Sie? Stimmt.

Gibt man auf der Seite der BBC, auf die sich Bild.de beruft („How long would it take you to earn a top footballer’s salary?“), 15.500 Euro ein …

Your country: Germany; Pre-tax annual salary in local currency: €15500; Compare yourself with: Cristiano Ronaldo (Real Madrid)

… kommt man zwar tatsächlich auf acht Minuten:

Cristiano Ronaldo earns €18,200,000 per year. It would take him 8 minutes to earn your weekly salary.

Bloß: Diese Zeitangabe bezieht sich auf das Wochengehalt der imaginären Friseurin (steht ja auch da). Demnach verdient Ronaldo in acht Minuten 280 Euro. Nicht 15.500. Und im Jahr gut 18 Millionen (steht ebenfalls da).

Aber auf eine Milliarde mehr oder weniger kommt’s bei Bild.de ja doch nicht an.

Mit Dank an Sebastian K., Mark G. und Chris S.

Wenn Schlagzeilen Menschenleben kosten

Prof. Dr. Ulrich Hegerl ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und beschäftigt sich seit Jahren mit der Berichterstattung über Suizide. Wir haben uns anlässlich der Berichterstattung über den Tod von Ben Wettervogel mit ihm unterhalten.

BILDblog: Herr Professor Hegerl, aktuell wird sehr intensiv über den Suizid von Ben Wettervogel berichtet. Vor allem die Boulevardmedien haben in den letzten Tagen große Titelgeschichten veröffentlicht, in denen der Fall sehr ausführlich und ergreifend beschrieben wird. Wie bewerten Sie solche Berichte?

Hegerl: Wenn sehr emotionalisierend berichtet wird, besteht immer das Risiko von Nachahmungssuiziden. Vor allem, wenn der Suizid als nachvollziehbare Reaktion auf schwierige Lebensumstände dargestellt wird. Das ist der Suizid aber in den allermeisten Fällen nicht, sondern er ist Folge einer meist nicht optimal behandelten psychiatrischen Erkrankung. Wenn jemand eine Depression kriegt, dann hat er immer das Gefühl, das Leben sei aussichtslos – auch wenn es ihm von außen betrachtet gar nicht schlecht geht. Und wenn jemand Probleme hat, dann nimmt er diese Probleme in der Depression noch hundertfach vergrößert wahr und hat das Gefühl, da komme ich nie wieder raus. Deswegen darf man die Gründe, die zunächst auf der Hand zu liegen scheinen, nicht überbewerten.

Über die Motive von Ben Wettervogel wird zurzeit auch viel spekuliert. Wir wollen nicht näher darauf eingehen, aber ganz allgemein gesagt halten die Medien seine schweren Lebensumstände für das Entscheidende.

Das wird oft angenommen. Weil jeder Mensch irgendwo Probleme hat, hat man immer auch gleich die Gründe: Wenn jemand alt ist, sind es die Erkrankungen, die angeblich schuld sind, bei anderen ist es die Entlassung oder was auch immer. Das sind aber meistens gar nicht die entscheidenden Faktoren, sondern eben die Depression, die dazu führt, dass die bestehenden Probleme als unüberwindbar und riesengroß wahrgenommen werden.

Wenn nun ein Betroffener solche Berichte liest, kann es also passieren, dass sie etwas in ihm auslösen, es also zu Nachahmungen kommt?

Ja, das ist der sogenannte Werther-Effekt. Er bezieht sich auf den Roman „Die Leiden des jungen Werther“ von Goethe, in dem sich ein junger Mann das Leben nimmt. In der Folge gab es andere junge Männer, die das gelesen und sich dann in gleicher Weise das Leben genommen haben. Seitdem ist dieses Phänomen des Nachahmungssuizids bekannt.

Sie haben dieses Phänomen am Fall von Robert Enke ausführlicher untersucht, über dessen Suizid ja auch massiv berichtet wurde. Was haben Sie herausgefunden?

Es kam zu Nachahmungstaten, und zwar nicht nur in den ersten Tagen nach der Berichterstattung (die Zahl der Suizide auf Bahnstrecken verdoppelte sich schlagartig, Anm. d. R.), sondern auch längerfristig. Und das zeigt eben, wie wichtig es ist, dass man sehr verantwortungsvoll berichtet.

Man kann also sagen, Journalisten können im schlimmsten Fall dazu beitragen, dass sich Menschen das Leben nehmen?

Das kann man in jedem Fall sagen, ja.

Wie sollten sich die Medien denn am besten verhalten?

Sie sollten zum Beispiel den Suizid als Ausdruck einer Depression oder anderen psychiatrischen Erkrankung darstellen und nicht als nachvollziehbare Reaktion, auch auf Hilfsangebote hinweisen. Es gibt einen Leitfaden für Journalisten, in dem wir solche Empfehlungen ausführlich darstellen.

***

Diesen Leitfaden kann man sich hier herunterladen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention hat Empfehlungen für Journalisten herausgegeben (hier), ebenso wie die Weltgesundheitsorganisation (hier).

Sie alle sind sich einig, dass die Gefahr von Nachahmungstaten sinkt, wenn:

  • der Suizid als Folge einer Erkrankung (z.B. Depression) dargestellt wird, die erfolgreich hätte behandelt werden können
  • alternative Problemlösungen und Fälle von Krisenbewältigung aufgezeigt werden
  • Expertenmeinungen eingeholt werden
  • Hintergrundinformation zum Krankheitsbild Depression gegeben werden
  • über die Arbeit professioneller Helfer berichtet wird
  • Helplines und Hilfekontakte angegeben werden (etwa die Nummern der Telefonseelsorge — 0800-1110111 oder 0800-1110222 –, unter denen sich Betroffene rund um die Uhr kostenfrei und anonym beraten lassen können)
  • Erfreulicherweise gibt es immer mehr Medien, die sich zumindest an einige dieser Punkte halten (wobei es in manchen Fällen doch sehr alibimäßig wirkt, wenn wenige Zeilen über dem Kasten mit den Hotlines dann doch die genaue Suizid-Methode beschrieben wird).

    Denn die Gefahr von Nachahmungstaten steigt, wenn:

    • durch Titelgeschichten, Schlagzeilen und Fotos Aufmerksamkeit erregt wird
    • die Begriffe Selbstmord, Suizid und Freitod in der Überschrift vorkommen
    • die Suizid-Methode detailliert beschrieben wird
    • ein leicht zugänglicher Ort beschrieben oder gar mystifiziert wird
    • das soziale Umfeld, die Identität und die Motive ergreifend beschrieben werden
    • der Suizid positiv bewertet, glorifiziert oder romantisiert wird
    • der Suizid als völlig unverständlich oder als einziger Ausweg bezeichnet wird
    • das Opfer eine prominente Person ist

    Mindestens sechs dieser acht Punkte treffen auf die aktuelle Berichterstattung der „Bild“-Zeitung zu. Auch die „B.Z.“, der „Berliner Kurier“ und der „Express“ berichten ohne große Rücksicht, stark emotionalisiert und detailliert. Und selbst seriösere Medien wie die „Berliner Zeitung“, der „Kölner Stadt-Anzeiger“ oder die „Augsburger Allgemeine“ beschreiben die Suizid-Methode ganz genau.

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Lynchmob, bitte hier entlang!

Am vergangenen Wochenende ist in Fürth ein 28-jähriger Mann an einer U-Bahnstation niedergestochen worden. Er erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen.

Die Polizei nahm wenig später drei Verdächtige fest, zwei sind inzwischen wieder auf freiem Fuß, einer sitzt wegen Verdachts auf Totschlag in U-Haft.

Sowohl die Behörden als auch die Medien haben seither keinerlei persönliche Informationen über den Verdächtigen veröffentlicht (von seinem Alter abgesehen), das ist üblich in solchen Fällen, so schreibt es auch der Pressekodex vor, und das hat, wie sich an diesem Fall sehr deutlich zeigt, auch einen guten Grund: Einige Leute malen sich seit Tagen aus, wie sie sich an dem Täter rächen werden, und sie warten gebannt darauf, zu erfahren, wer es ist.

Auf Facebook kündigte am Dienstag jemand an, er gehe

demnächst mal wieder WILD jagen! der hunger ist groß. …noch jemand…? […] Er wird auf alle Fälle gesucht und gefunden werden…Ob er will, oder nicht…dann wird das Karma über ihn entscheiden…..

52 Personen gefällt das.

Andere schrieben:

Ich hoffe das jemand weiß wer er ist und ihn kenn , und in einer dunklen Ecke ihm die Sterne zeigen !! Dreckspack !

jeder wird sein Peinigers Namen kennen da hilft es nicht viel das die Medien den Namen geheim halten!

Irgenjemand wird es rausfinden, irgendjemand wird Fotos veröffentlichen, irgendjemand wird damit prahlen die Täter zu kennen.

Ich hoff die Namen kommen raus ……dann gnade gott!!!!!! da kommt jede hilfe zu spät !! […] man wird sie finden nur eine frage der zeit und dann sind die Bastarde mal allein wir vernichten euch so babarisch wie ihr […] ermordet habt vielleicht kommen wir auch mit totschlag davon hass kommt da hoch!!!! ich hoffe die namen findet jemand raus wir sind alle dabei !

Wenige Stunden später erfüllte sich ihre Hoffnung tatsächlich: Sie bekamen den Vornamen, den abgekürzten Nachnamen und ein Foto des mutmaßlichen Täters, sie erfuhren sogar, in welchem Stadtteil er aufgewachsen ist, welchen Beruf sein Bruder gerade lernt und in welchem Stadtteil er aktuell wohnt.

Stand nämlich alles gestern in der “Bild”-Zeitung:

Jemand postete den Artikel sogleich bei Facebook und schrieb kommentarlos die Namen und persönlichen Informationen des Verdächtigen und dessen Bruder (der in der Tatnacht dabeigewesen sein soll) dazu, als wolle er sagen: Da sind die Infos, jetzt können wir loslegen.

Und sie legten los.

Ja da haben wir doch den Namen

Die täter werden gefunden und dann gnade gott die sollen sich nicht mehr sicher fühlen egal wo die sind.. die jagd hat schon längst begonnen ihr verdammten drecksschweine!!!!!!!!!!!

jeder soll mit dem Finger auf sie zeigen und darüber reden! Sie sollen schlaflose Nächte haben, schweißgebadet aufwachen und über Selbstmord nachdenken!! Die Welt besteht nur noch aus HASS-KAMPF und RACHE!!!

Kurz darauf fanden sie — anhand der Infos aus dem „Bild“-Artikel — auch noch heraus, wie der Verdächtige mit Nachnamen heißt, in welcher Straße er wohnte und auf welche Schule sein Bruder geht.

Totgeprügelt werden ihr von hunderten dann vergessen wir uns an euch so elendig werdet ihr verrecken und an euren blut sollt ihr ersticken oh ich hätte da nen schönen plan aber da sind euch viele schon ganz nah auf der spur

Die Jagd ist eröffnet. Dank freundlicher Unterstützung von „Bild“.

Mit Dank an Stephan.

Siehe auch: Monster erschaffen (Archiv)

Im Zweifel gegen den Griechen

Wenige Tage vor der Wahl in Griechenland hat Yanis Varoufakis, inzwischen neuer griechischer Finanzminister, der französischen Zeitung „La Tribune“ ein Interview gegeben. Deutsche Medien nahmen zunächst kaum Notiz davon, seit der Wahl aber wird es plötzlich überall zitiert, oder vielmehr: ein bestimmter Satz daraus.


(Welt.de)


(T-Online.de)


(“Huffington Post”)

Auch von „Spiegel Online“ wird diese Aussage zitiert, genau wie von FAZ.net, Bild.de, n-tv.de, „Focus Online“, der „Berliner Morgenpost“, dem „Hamburger Abendblatt“, in der Folge auch von einigen Politikern und vielen, vielen empörten deutschen Steuerzahlern in den Kommentarspalten dieses Landes.

Eine Drohung sei dieser Satz, findet FAZ.net, für Bild.de klingt er gar „wie eine Erpressung“, und auch die anderen sehen darin einen eindeutigen Beleg für die Raffgier und Dreistigkeit der neuen griechischen Regierung, die sich auf unsere Kosten aus der Misere gaunern will, die will, dass Deutschland ewig weiterzahlt und das jetzt sogar “ganz unverhohlen” („T-Online“) und “mit entwaffnender Offenheit” (Welt.de) zugibt.

Und so ganz abwegig ist diese Interpretation ja tatsächlich nicht, zumindest, wenn man nur diesen einen Satz kennt. Schaut man sich aber mal den Kontext an, aus dem das Zitat gerissen wurde, ergibt sich ein völlig anderes Bild.

In der englischen Version des Interviews lautet die Passage wie folgt:

And the last pillar of Syriza program?

This will finally address the humanitarian crisis in Greece. But again, I think we should reflect on the European level. In the US, food stamps helped out of poverty hundreds of thousands of households. Why not use the benefits of the Eurosystem, the network of central banks of the euro area, to finance such good in Europe? This would create the political strength in Europe, people could actually see the benefits of membership in the euro area.

However, it was felt that such proposals inevitably likely to face a refusal, particularly German, since, in Berlin, we do not want a union of transfers …

I beg to differ. Whatever Germany does or says, it pays anyway. And in 2010, I felt that we had not, we Greeks, the moral right to accept money from German taxpayers, to pay our creditors. In reality, this money goes into a black hole, and we ask them is that they spend their money more wisely. Why ask Greece to borrow money from German taxpayers to repay the ECB? Because Jean-Claude Trichet, the worst central banker in history, has decided once? Let us be able that the EIB do the work for which it was created.

Was Varoufakis also eigentlich meint, ist: „Schlimmerweise stopfen die Deutschen immer weiter Geld in ein Schwarzes Loch, egal, was sie sagen“. Oder anders: „Die machen immer weiter mit dem Blödsinn, obwohl es nicht funktioniert und auch nie funktionieren wird.“

Das passt dann — im Gegensatz zur Interpretation der deutschen Medien — auch zu der Linie, die er schon seit Jahren vertritt. Er hält das Hilfsprogramm nämlich seit Beginn an für falsch, schon 2011 schrieb er in einem Gastbeitrag für „Zeit Online“, es sei eine „Medizin, die sich als schlimmer als die eigentliche Krankheit herausgestellt hat“. Auch gegenüber der BBC sagte er kürzlich, statt weiteres Geld – auch der deutschen Steuerzahler – in einem Schwarzen Loch zu versenken, sollte lieber über eine Neuordnung der alten Schulden verhandelt werden. Und: Das Problem sei nicht, dass die Deutschen zu wenig gezahlt hätten, sondern viel zu viel.

(Nur) so macht auch sein Tweet von letzter Woche Sinn:

Dass die deutschen Journalisten allesamt das genaue Gegenteil behaupten, lässt im Grunde nur drei Schlüsse zu: Entweder haben sie das Interview zufälligerweise allesamt gleich falsch verstanden. Oder sie haben es bewusst sinnentstellt wiedergegeben. Oder es überhaupt nicht gelesen.

Mit Dank an Simon K. und Michalis P.!

Nachtrag, 13.45 Uhr: “Zeit Online” hat den Finanzminister in einem heute veröffentlichten Interview auf das Zitat angesprochen:

ZEIT ONLINE: Wenn die griechische Wirtschaft nicht wächst, müssten die Gläubiger also auf Zinsen verzichten. In deutschen Zeitungen wurden sie schon mit der Aussage zitiert: Egal was passiert, Deutschland wird ohnehin zahlen.

Varoufakis: Das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen. Ich habe nicht gesagt: Die Deutschen zahlen und das ist gut so. Ich habe gesagt, sie haben schon viel zu viel gezahlt. Und sie werden noch mehr zahlen, wenn wir das Schuldenproblem nicht lösen. Nur dann können wir das Geld überhaupt zurückerstatten, das man uns geliehen hat.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass Sie absichtlich falsch verstanden werden?

Varoufakis: Ich hoffe, es handelt sich nur um ein Missverständnis.

Totalablehner, Emma, Olaf Latzel

1. “Im Netz der Wutbürger und Verschwörungstheoretiker”
(faz.net, Markus Linden)
Markus Linden analysiert die sich im Internet formierende “weitgehend anonyme, über alternative Medien informierte Bewegung der Totalablehner”.

2. “Gegenlesen? Nicht mit uns”
(kontextwochenzeitung.de, Susanne Stiefel)
Viele junge Journalisten wissen nicht mehr, dass die Autorisierung von Interviews ein journalistisches Entgegenkommen und kein Muss sei, bemerkt Susanne Stiefel. “Alle reden derzeit von Pressefreiheit, die es gegen islamistische Amokläufer zu verteidigen gilt. Keine Widerrede. Dringend notwendig wäre es jedoch auch, diese tapfer verteidigte Freiheit den vielen Pressestellen von Unternehmen, Politikern und Universitäten ins Gedächtnis zu rufen, deren Job es ist, ihre Auftraggeber in den schönsten Farben schillern zu lassen oder zu verkaufen.”

3. “Ach Bild :( Die bösen Griechen-Milliardäre zahlen keine Steuern für ihre Schiffe?”
(diewunderbareweltderwirtschaft.de, Dieter Meyeer)
Dieter Meyeer schreibt über den Bild.de-Artikel “Warum zahlen superreiche Griechen keine Steuern?” und fragt, warum darin nicht im Ansatz belegt werde, “dass die namentlich genannten und an den Pranger gestellten Milliardäre wirklich keine Steuern zahlen. Kennt die Bild deren Steuererklärung?”

4. “Chefredaktoren auf dem Schleudersitz”
(nzz.ch, Thomas Maissen)
Es war zu lesen, Markus Spillmann habe als erster Chefredaktor in der Geschichte der NZZ zurücktreten müssen. Das ist nicht so, wie Historiker Thomas Maissen mit einem Blick zurück auf das 19. Jahrhundert klar macht.

5. “Kein Hassprediger, ein Don Quijote”
(boess.welt.de)
Gideon Böss hört eine Predigt des evangelischen Pastors Olaf Latzel, der in den Medien als “Hassprediger” bezeichnet wird. Und urteilt: “Es bleibt ein Geheimnis, wo der Pastor Hass gegen andere schürt. Diese Predigt ist vielmehr der Versuch eines frommen Christen, die Werte seiner Religion gegen die Moderne zu verteidigen, deren ‘alle Meinungen sind gleich viel wert’-Toleranz für ihn Neuheidentum ist und dem er eine kompromisslose ‘Jesus, sonst nichts’-Parole entgegenhält. (…) Das Christentum ist eben in Gottesfragen nicht tolerant und Jesus hat nicht gepredigt, ‘soll doch jeder glauben, was er will’. Latzel macht nichts weiter, als daran zu erinnern.”

6. “Meine Mudda gehört zu Deutschland”
(taz.de, Deniz Yücel)
Deniz Yücel antwortet auf eine E-Mail der Zeitschrift “Emma”, die in Erfahrung bringen will, welche Rolle “MuslimInnen in Deutschland” jetzt spielen sollen “bei dem Schulterschluss von DemokratInnen aller Provenienzen gegen den Islamismus in Deutschland und die Terrorismusgefahr”.

Kuratieren, Nutzerdaten, Wolfgang Blau

1. “Wie das ‘Kuratieren’ den Journalismus verändert”
(wolfgangmichal.de)
Unter dem Deckmantel des Kuratierens finde in den Medien “eine Re-Feudalisierung hierarchischer Strukturen statt”, schreibt Wolfgang Michal: “Begünstigt wird der Entmachtungs-Prozess der Redaktionen noch durch die phlegmatische Haltung der Redaktionen selbst, die ihre ureigensten Aufgaben nicht mehr erfüllen und die aktive Autorenpflege bzw. das Auswählen und Ausprobieren neuer Autoren vernachlässigen. Zug um Zug lassen sich die Redaktionen Entscheidungs-Kompetenzen abnehmen, bis ihnen am Ende der Status einer besseren (Text-)Putzkraft bleibt oder sie – im besten Falle – in festangestellte Autorenpools umgewandelt werden.”

2. “Erst checken, dann posten – Hoax und Hetze im Netz”
(blogs.stern.de/tugendlustig, Sonja Vukovic)
Sonja Vukovic gibt “ein paar Infos, Tipps und Links, wie man Falschmeldungen und Propaganda entlarven und seinen Teil dazu beitragen kann, dass Hass und Lüge nicht weiter verbreitet werden.”

3. “Branded Content – angebrannter Inhalt”
(persoenlich.com, René Zeyer)
René Zeyer schreibt über die Unabhängigkeit der Medien von der Werbung: “Wer wie ich das eine oder andere kritische Wort über Finanzdienstleister wagt, erlebt häufig, welcher Gehirnschmalz darauf verwendet wird, eine Begründung zu erfinden, wieso dieser zwar gut geschriebene und überzeugend recherchierte Artikel nun leider doch nicht zur Veröffentlichung geeignet ist. Ich könnte da Namen und Beispiele nennen, aber ich will mir ja nicht meine letzten Plattformen selber abfackeln.”

4. “‘Guardian’-Digitalchef: ‘Können ohne Paywall höhere Erlöse erzielen'”
(derstandard.at, Oliver Mark)
Ein Interview mit Wolfgang Blau, Digitalchef beim “Guardian”: “Für viele Verleger gibt es in der digitalen Welt einfach nichts zu gewinnen, und wir sollten ihnen nicht so rasch Verschlafenheit vorwerfen. Ihre Strategie, das alte Printgeschäft so lange zu beschützen wie möglich und ihre digitalen Aktivitäten nur als markenpflegende Begleitmusik für Print zu betreiben, ist plausibel und legitim. Verlage sind keine Stiftungen, und die meisten Tageszeitungen haben nun einmal keine plausible digitale Zukunft, sondern nur eine mittelfristige Zukunft als Printmedien, und danach ist es leider vorbei.”

5. “Reduziert auf Brüste”
(sueddeutsche.de, Kathleen Hildebrand)
Kristina Lunz, Initiatorin der Kampagne “Schluss mit dem Bild-Sexismus”, die “Respekt und Wertschätzung in der Berichterstattung von BILD und BILD.de sowie die Abschaffung des BILD-Girls” fordert, findet halbnackte Männer auf der Seite 3 von Boulevardzeitungen keine gute Lösung: “Die Abwertung von Männern wäre dafür der komplett falsche Weg. Wir brauchen stattdessen eine Aufwertung von Frauen in Deutschlands einflussreichsten Medien.”

6. “Wer lässt die meisten Daten sammeln? Eine Top 22 der vertracktesten Websites”
(dasfilter.com, Ji-Hun Kim)
Für wie externe Services und Drittanbieter werden Nutzerdaten gesammelt? 22 subjektiv ausgewählte Websites im Vergleich.

Tex Rubinowitz, Titanic, Lizenzen

1. “Tex Rubinowitz, der Guttenberg des Feuilletons”
(umblaetterer.de, Paco)
Für den Artikel “Der Mozart unter den Texten” im “Süddeutsche Zeitung Magazin” bedient sich Tex Rubinowitz bei den 470 vom “Umblätterer” gesammelten “Vossianischen Antonomasien” – ohne diese zu erwähnen: “Rubinowitz gibt den lustigen Zitatearrangierer, sein Artikel besteht aber im Kern aus von uns über 5,5 Jahre kuratiertem Material. Unsere Sammlung macht quasi den halben Text aus.”

2. “Der Versuch, ein Bild zu lizenzieren”
(schmalenstroer.net)
Als Laie, “der nicht regelmäßig Bilder lizenziert”, versucht Michael Schmalenstroer, ein Foto zu lizenzieren – und scheitert: “Wenn man es aber so schwer macht, ist es aber kein Wunder, wenn die Leute Bilder einfach ohne Lizenz benutzen.”

3. “Satiremagazin Titanic veröffentlicht neue Mohammed-Karikatur”
(faz.net, Hans Riebsamen)
Hans Riebsamen berichtet über die neue Ausgabe der “Titanic”: “An die ‘sehr geehrten Islamisten’ richtet die ‘Titanic’ die inständige Bitte: ‘Schießt nicht auf uns!’. Nicht nur, weil sie alle in der Redaktion gerne noch eine Weile leben möchten. Noch wichtiger sei aber, dass, wer immer von ihnen überlebe, auf keinen Fall an der Seite von Angela Merkel einen Trauermarsch anführen und von einem tränenüberströmten Bundespräsidenten Gauck abgeknutscht werden wolle. ‘Diese Vorstellung’, so ihr Appell an die Terroristen, ‘müsste doch sogar für eure Verhältnisse zu brutal sein.'” Siehe dazu auch “Das Humor-Kalifat verteilt weiter seine Fatwas” (deutschlandfunk.de, Arno Orzessek).

4. “Von der Huffington Post, unterbezahlten Praktikanten, Glashäusern und Steinen”
(sara-weber.com)
Sebastian Matthes, Chefredakteur der “Huffington Post Deutschland”, empfiehlt per Tweet einen Text seines Mediums über schlecht bezahlte Praktikanten. Sara Weber erkundingt sich in der Folge, was Praktikanten bei der “Huffington Post Deutschland” verdienen.

5. “How to Leak to The Intercept”
(firstlook.org/theintercept, Micah Lee, englisch)
“The Intercept” zeigt auf, wie sich Whistleblower am Besten mit Leaks melden sollten: “Don’t contact us from work. Don’t email us, call us, or contact us on social media. Don’t tell anyone that you’re a source.”

6. “Man rechne!”
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)

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