1. “Der Mann, der bei der taz Sebastian Heiser war” (wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal fühlt sich von der “Spionageaffäre” bei der “taz” an den “Mann, der bei ‘Bild” Hans Esser war” erinnert – Günter Wallraff: “Viele Journalisten-Kollegen fanden diese dreiste ‘Eulenspiegelei’ damals großartig. Was für ein Scoop! Wallraff in der Höhle des Löwen!! Niemand – außer vielleicht Springer – nannte Wallraffs Undercover-Aktion damals ‘Spionage’. Im Gegenteil. (…) Heute, nach den Enthüllungen Edward Snowdens über die weltweite Spionagetätigkeit der Geheimdienste und nach zahllosen Fällen von ‘Geheimnisverrat’ scheint sich die Meinung – zumindest in eigener Sache – zu drehen.”
4. “Frühere GEZ schreibt an Flüchtlinge” (ruhrnachrichten.de, Gaby Kolle)
800 Asylbewerber in Dortmund erhalten Post vom ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice: “Das Sozialamt hat ein Schreiben an den Rundfunk-Beitragsservice geschickt mit der Bitte, für Flüchtlinge ohne eigene Wohnung eine Pauschalbefreiung von den Rundfunkgebühren auszusprechen. Ohnehin könnten die Asylbewerber in der Regel kein Deutsch.”
5. “In der Realität ankommen: Auf der SEITE EINS” (krautreporter.de, Hans Hütt)
Hans Hütt widmet sich dem Theaterstück “Seite Eins”: “Die Journalistenschulen zwischen Hamburg und München sollten den Besuch des Stücks zum Pflichtprogramm in der Bewerbungsphase machen, so wie die die Mediziner ein Praktikum absolvieren, um eine Idee von der künftigen Arbeit zu bekommen.”
1. “SEITE EINS” (krautreporter.de, Johannes Kram)
Das Drehbuch von “SEITE EINS – Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone”: “Wir vom Boulevard, wir übertreiben es manchmal, wir sind vielleicht oft etwas zu deutlich, aber … Handy klingelt wieder, er schaut auf das Display … aber ich sage Ihnen was: Wir nehmen den Leser ernst.”
2. “Suter, ein verhätschelter Staatskünstler?” (tagesanzeiger.ch, Andreas Tobler)
“Staatshilfe für Star-Autor”, titelt “Blick” gestern und greift Martin Suter an – Geld ist jedoch hauptsächlich an Übersetzer seines Werks geflossen: “Martin Suter hat bisher nur einmal einen substanziellen Beitrag vom Staat erhalten: 1997 bekam er die Ehrengabe des Kantons Zürich für seinen Erstlingsroman ‘Small World’. Dotiert war diese Ehrengabe mit gerade einmal 5’000 Franken.” Zur Beziehung zwischen Suter und “Blick” siehe auch diese Stellungnahme des Schweizer Presserats von 2010.
4. “Alles Stasi außer Mami” (heise.de/tp, Malte Daniljuk)
Malte Daniljuk beleuchtet das Journalisten-Ehepaar Jörg Eigendorf (“Die Welt”) und Katrin Eigendorf (ZDF): “Spätestens wenn er Kritikern seiner parteiischen Berichterstattung nicht nur pauschal Verbindungen zu gegnerischen Geheimdiensten unterstellt, sondern sogar sein ‘Investigativteam’ auf sie ansetzt, ist der Punkt erreicht, an dem sich der deutsche Journalismus und der Springer-Verlag im Besonderen jenseits des demokratischen Selbstverständnisses bewegen, das man so gerne lauthals für sich reklamiert.”
LeFloid ist einer der bekanntesten deutschen Youtuber und gewissermaßen eine Kreuzung aus Nachrichtensprecher und Flummi. Zweimal pro Woche kommentiert er auf seinem Kanal — Motto: „Action News. Aber hart!“ — kurz und knallig das Zeitgeschehen, oft albern, oft plakativ, immer flott geschnitten und hunderttausendfach angeklickt. Gut fünf Minuten hibbelt er durchs Video und spricht mal über bunte, mal über trockene Themen, über Sebastian Edathy („Kinder-PorNOPE NOPE NOPE!!“) und das Freihandelsabkommen („Verhurt man bald unser Gesundheitssystem?“), über Power Rangers und Pegida, über Tattoo-Fails und private Spionage-Abwehr, über Terror-Finanzierung und bescheuerte Kindernamen.
Vergangene Woche ging es um Wladimir Putin und den 11. September:
Putin droht mit Beweisen für die 9/11 Verschwörung der US Regierung!
Meine Fresse! Fast 14 Jahre sind die Anschläge vom 11. September jetzt her, es rankt sich Verschwörungstheorie um Verschwörungstheorie. Und ausgerechnet der russische Präsident Putin will die Bombe jetzt platzen lassen: In seiner aktuellen politischen Situation fühlt er sich anscheinend genug ans Bein gepinkelt, um jetzt die schweren Geschütze auszufahren: (…) die endgültigen Beweise, die die Täterschaft für die Anschläge auf das World Trade Center vom 9/11 nicht irgendwelcher Terroristen, sondern der damaligen US-Regierung einwandfrei und glasklar belegen würden. Hahaha! What the Fuck!
Er sagt, russische Satellitenbilder hätten absolut unumstößliche Beweise dafür, und zudem hätte er Informanten, die sich mit dem „Inside Job“ – der Sprengung des World Trade Centers, ausgeführt durch die USA – auskennen würden. (…)
Was meint Ihr? Kommt es zum verschwörungstheorempolitischen Super-GAU? Oder ist das Ganze, wie in der Weltpolitik so oft, doch nur heiße Luft?
Heiße Luft. Ziemlich sicher. Aber nicht von Putin, sondern von LeFloid.
Schauen wir uns das mal näher an. Als Quelle gibt LeFloid diesen Artikel an:
Da hätten eigentlich schon beim bloßen Anblick die Alarmglocken schrillen müssen, aber lassen wir die Äußerlichkeiten mal weg und gucken auf den Inhalt. In der Überschrift findet sich zwar noch ein angebliches Zitat Putins, im Text taucht es dann aber nicht mehr auf. Auch sonst liefert der Artikel keinerlei Belege. Er verweist lediglich auf einen Text der russischen Plattform Pravda.ru:
Dort ist allerdings gar keine Rede davon, dass Putin persönlich so etwas gesagt habe. Es heißt nur, “Russland” plane eine solche Veröffentlichung, aber auch dafür gibt es keine Belege. Stattdessen beruft sich das Portal auf einen weiteren Artikel, diesmal aus den USA, veröffentlicht im Portal SecretsOfTheFed.com:
Dort ist dann auch nur noch die Rede von nicht näher benannten „Analysten“, die angeblich über mögliche Veröffentlichungspläne „spekulierten“. Belege? Zitate? Nichts.
Es gibt noch unzählige andere Plattformen, die die Geschichte verbreiten und sich gegenseitig als Quelle angeben, keine davon liefert auch nur annähernd Beweise. Vor sechs Monaten hat sich ein Reddit-User mal auf die Suche nach dem Ursprung dieser Geschichte begeben und einen inzwischen neun Monate alten Artikel als Auslöser der Story ausgemacht:
Der ist allerdings auch eine Kopie — und zwar von diesem Artikel der amerikanischen Plattform “Veterans Today”. Da spricht der Autor dann auch nicht mehr von irgendwelchen Analysten, sondern wirft selbst die Frage in den Raum, ob die russische Regierung wohl darüber nachdenke, irgendwelche 9/11-Beweise zu veröffentlichen.
Bei “Veterans Today” kriegt man übrigens neben maßgefertigten Waffen vor allem jede Menge judenfeindliche Theorien und Spekulationen über 9/11, das JFK-Attentat, Auschwitz und so weiter. Auch der Autor, der diese Putin-Sache in die Welt gesetzt hat, ist ein offenkundig antisemitischer Verschwörungstheoretiker, der unter anderem den Holocaust anzweifelt und die “Zionisten” für 9/11 und den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ verantwortlichmacht.
Der meistgelesene Artikel auf der Seite ist passenderweise dieser hier:
Er bezieht sich auf Pravda.ru, die russische Plattform vom Anfang, die sich wiederum auf SecretsOfTheFeds bezieht, die sich wiederum …
Und so schließt sich der Desinformationskreis: Aus der Frage eines Verschwörungstheoretikers wurde eine Spekulation amerikanischer “Analysten”, dann eine Ankündigung “Russlands” und schließlich ein Zitat von Putin persönlich. So landete die Story dann auch bei LeFloid, der sie ungeprüft nachplapperte.
Über eine Million Mal wurde das Video schon angeklickt. Zum Vergleich: Das ist so viel wie die verkauften Auflagen der “Bravo”, der “FAZ”, der “taz”, des “Handelsblatts”, des “Hamburger Abendblatts”, des “Tagesspiegels” und der “Welt” zusammen. Damit hat LeFloid unter jungen Menschen eine Reichweite und Meinungsmacht wie kaum ein Journalist, und es ist sehr löblich, dass er das nutzt, um seine Zuschauer auch an komplexe politische Themen ranzuführen, sie zum Nachdenken und Diskutieren anzuregen. Aber das macht es auch so gefährlich, wenn er solchen Unfug in die Welt setzt.
Mit Dank an Frank K., Katharina K. und @tubewart.
Nachtrag, 26. Februar: LeFloid hat bei Facebook eine Richtigstellung veröffentlicht:
1. “Selbstmord aus Angst vor dem Tod” (meedia.de, Marvin Schade)
Eine Zeitung, bei der Redaktion und Anzeigen verschmelzen, verliert ihr Existenzrecht, glaubt Bernd Ziesemer: “Einer Zeitung, bei der ich mir nicht mehr sicher sein kann, ob ich den unabhängigen Artikel eines Journalisten lese oder die getarnte Botschaft eines Unternehmens, der schenke ich doch keinen Glauben mehr.”
2. “Schock: Griechenlands Radikalos-Naked-Bike-Rider-Regierung hält Frist ein!” (stefan-niggemeier.de)
Wie “Bild”-Mitarbeiter über den Dialog über Reformmassnahmen zwischen Griechenland und der EU berichten: “Als Anda am Montag schrieb, dass die Liste bereits am Sonntag abgegeben worden sei, war das falsch. Als er am Dienstag überraschend schrieb, dass sie noch immer nicht abgegeben worden sei, war das falsch. Aus der Realität haben sich diese Leute längst verabschiedet.”
3. “Ist die Berichterstattung der ‘Bild’ zu Griechenland volksverhetzend?” (vice.com, Matern Boeselager)
Anwalt Udo Vetter gibt Auskunft über die Strafbarkeit aufgrund von §130 des deutschen Strafgesetzbuchs, der Volksverhetzung: “Insbesondere sollten alle, die sehr schnell ‘Volksverhetzung’ rufen, sich darüber im Klaren sein, dass das immer ein kleiner Angriff auf die Meinungsfreiheit in unserem Land ist. Auch wenn man vielleicht persönlich zu Recht empört ist: Man muss auch Dinge aushalten, die einem vielleicht nicht gefallen. Die Meinungsfreiheit kann sich ja nicht nur am Mainstream definieren, sondern an ihren Extremen. Sonst ist es ja keine Freiheit mehr.”
4. “Geisterschiff und Geister-News” (medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler) “Invasion der Geisterschiffe bedroht EU”, titelte Welt.de am 3. Januar 2015. Rainer Stadler wundert sich, dass die Nachricht, dass dem gar nicht so ist, keine Wellen schlägt: “Immerhin geht es um eine Nachricht, welche Anfang Jahr grosse Aufmerksamkeit erregte und die damals zudem die migrationspolitische Debatte antrieb. Erklärbar ist das verbreitete Schweigen mit der Kollektivierung des Problems – alle berichteten damals falsch aufgrund falscher Agenturmeldungen, also fühlt sich niemand zuständig bzw. verantwortlich.”
5. “Lessons From Debunking Efforts in Journalism and Elsewhere” (medium.com, Craig Silverman, englisch)
In einem langen Text stellt Craig Silverman Medien vor, die sich dem Aufdecken von Falschinformationen verschrieben haben: “Interviews with journalists engaged in these efforts revealed that, like Werner, they feel this work is the core of what journalism is supposed to be. Still, some expressed feelings of futility or frustration that fakes and hoaxes are so prevalent, and beliefs that news organizations play a significant role in helping them spread.”
Heute unternehmen wir mal einen kleinen Ausflug in die englischsprachige Medienlandschaft. Dort haben einige Journalisten in den letzten Tagen nämlich fleißig über ein ungewöhnliches Bildungsprojekt aus Deutschland geschrieben — und eine fast schon “Focus Online”-würdige Recherchedoofheit an den Tag gelegt.
Zum Hintergrund: Anfang des Monats wurde in Wilhelmshaven ein ausgemustertes Kriegsschiff zu einem Raumschiff aus „Battlestar Galactica“ umdekoriert. Es diente dann mehrere Tage lang als Kulisse für ein Live-Rollenspiel (LARP), an dem über 80 Menschen teilnahmen.
Der große Unterschied zu “normalen” Live-Rollenspielen: Dieses Projekt — „Projekt Exodus“ — wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert, die damit unter anderem herausfinden wollte, wie gut sich LARPs für die Bildungsarbeit eignen.
In der Pressemitteilung (PDF) schreibt das Organisationsteam:
Inmitten der engen Räume des aufwändig umdekorierten Schiffes werden die Spieler eine von der Spielleitung grob vorgegebene Handlung erleben, die sie selbst mit ihren Reaktionen beeinflussen können. (…) Projekt Exodus greift Fragen über Sicherheit, Vertrauen und über Menschlichkeit in Zeiten großer Gefahr auf. Hinzu kommt der auch in der aktuellen Politik stark thematisierte Flüchtlingsaspekt. Auf dieser Grundlage werden die Spieler selbst die Probleme der Gesellschaft aus einem völlig neuen Blickwinkel erleben.
Die gleiche Mitteilung wurde auch auf Englisch (PDF) herausgegeben, damit sich auch Journalisten aus dem Ausland über das Projekt informieren konnten. Bloß: So richtig verstanden haben die es trotzdem nicht.
Basing the live-action role-play event on the popular science fiction television series is no vote-winning gimmick. (…) And the German government hopes locking up 80 of its aspirant diplomats, politicians and military leaders aboard a retired naval destroyer will teach them a lesson or two in something largely missing from modern international politics — ethics.
Und zack — werden auf dem Schiff deutsche Diplomaten, Politiker und militärische Führungskräfte ausgebildet.
Wie das Portal darauf kommt, bleibt zwar offen, für die Leute von Tor.com klang es aber offenbar auch so schon plausibel genug, jedenfalls übernahmen sie die Story ohne Bedenken:
Auch die Online-Version von “The Independent” schrieb die Falschmeldung ungeprüft ab und titelte:
Die Macher des Projekts wiesen die Medien zwar gleich auf den Fehler hin, korrigiert hat ihn bis heute aber niemand. Wissen wir immerhin: Andere Länder, gleiche Sitten.
Auf die Leute von “Bild” ist eben Verlass. Du schickst sie los, um über die unterirdischen Gänge in München zu schreiben, und womit kommen sie zurück? Mit einem Artikel über Hitlers Badewanne.
Gefunden haben die Reporter das Teil im Keller der Hochschule für Musik und Theater in München:
Sie wurde zwischen 1933 und 1937 im ehemaligen “Führerbau” eingebaut, in das Dienstbad des Diktators.
Dort hat er sich nach Aussage eines Münchner Historikers zwar nur “äußerst selten” aufgehalten, darum gibt sich “Bild” auf die Frage, ob sich Hitler “am Feierabend hier bei einem Schaumbad” entspannte, die Antwort gleich selbst:
Höchstwahrscheinlich nicht.
Aber egal. Hauptsache Hitler.
Und wie ging’s weiter mit der Wanne?
1948 zog das Amerika-Haus ein. Das Bad kam raus, die Wanne wurde in die Wohnung des Hausmeisters im ersten Untergeschoss eingebaut. 1957 bezog die Musikhochschule die Räume. In den 70er Jahren bekam der neue Hausmeister ein neues Bad. Seither steht die Wanne im Keller, wurde nie mehr benutzt.
Ein “rechteckiges Stück Geschichte — direkt aus Adolf Hitlers Büro-Badezimmer!” Und exklusiv hinein in die “Bild”-Zeitung.
Blöderweise liefert das Blatt für all diese Behauptungen keinerlei Belege. Weder Zitate von Experten noch handfeste Spuren oder Beweise, nicht mal die Quelle ihrer Informationen verraten die Autoren.
Wir haben deshalb mal bei der Hochschule nachgefragt, woher “Bild” das alles eigentlich wissen will. Der Kanzler antwortete uns:
Die Meldung ist aufgrund einer nicht autorisierten Auskunft unseres Hausmeisters erschienen. Bild hatte einen Bericht über unterirdische Gänge in München bringen wollen. Dabei sahen die Reporter die Badewanne im Keller und haben nachgefragt. Ob die Badewanne wirklich aus Hitlers Badezimmer stammt, wissen wir nicht. Ich wehre mich deshalb stets gegen Spekulationen. Leider war Bild nicht bereit, auf die Meldung zu verzichten.
Im Gegenteil: “Bild” machte aus der ranzigen Badewanne, in der möglicherweise Hitler höchstwahrscheinlich nicht gebadet hat, eine fast ganzseitige Geschichte. Drei “Bild”-Mitarbeiter haben daran gesessen, zwei Autoren und ein Fotograf. “Bild” holt eben “alles für Sie raus”, zur Not halt irgendwas vielleicht mit Hitler.
1. “‘Süddeutsche Zeitung’ wehrt sich gegen ‘SZ-Leaks’: Berichterstattung keine ‘Schleichwerbung für Steuerhinterziehung'” (newsroom.de, Bülend Ürük)
Wolfgang Krach, stv. Chefredakteur der “Süddeutschen Zeitung”, nimmt Stellung zur Arbeitsweise der Sonderthemen-Redaktion, wie sie Sebastian Heiser aufgedeckt hat: “Warum entstehen Beilagen, warum veröffentlichen wir Sonderseiten? Es ist wie bei jeder anderen Zeitung in Deutschland, die Anzeigenabteilung kommt auf die Redaktion zu und schlägt ein Thema vor. Was wir dann journalistisch daraus machen, welche Themen in diesen Beilagen gesetzt werden, das entscheidet die Redaktion.” Siehe dazu auch “Gute Frage” (heisersstimme.wordpress.com).
2. “Habe ich ‘über angebliche Verstöße nicht informiert’?” (heisersstimme.wordpress.com)
Weiter sagt Wolfgang Krach, Sebastian Heiser habe die Ressortleitung nicht informiert “über angebliche Verstöße gegen journalistische Grundsätze”. Heiser belegt mit Tondokumenten das Gegenteil.
3. “Diekmann twittert Adresse von Herbert Grönemeyer” (dwdl.de, Thomas Lückerath)
“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann twittert ein Foto eines Schreibens des Landgerichts Köln, auf dem die Privatadresse von Herbert Grönemeyer zu lesen ist. Thomas Lückerath schreibt: “Seine Behauptung, wonach der Beschluss des Landgerichts ja öffentlich sei und sein Tweet demnach also nur schlechter Stil, nicht aber unlauter gewesen sei, ist irreführend: Die Adressen der beteiligten Parteien werden vor Herausgabe von Beschlüssen von den Gerichten geschwärzt. Nach der eigenwilligen Logik des Kai Diekmann wären bei einer juristischen Auseinandersetzung Prominente sonst zwangsläufig zum Umzug gezwungen.”
4. “Vergessene Debatte ums Recht auf Vergessen” (nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler bemerkt, dass die Debatte um das Recht auf Vergessenwerden von den Medien kaum noch geführt wird: “Das Bedürfnis, die Privatsphäre zu schützen und sich den Augen des interessierten Publikums zu entziehen, ist jedenfalls riesig. Seit dem genannten Gerichtsurteil hat Google fast 218 000 Gesuche um die Löschung von Links zu 786 000 Webseiten erhalten.”
5. “‘Freiheit birgt auch Verantwortung'” (taz.de, Cigdem Akyol)
Ein Interview mit Jana Sinram, der Autorin der Dissertation “Pressefreiheit oder Fremdenfeindlichkeit? Der Streit um die Mohammed-Karikaturen und die dänische Einwanderungspolitik”, die ohne den Abdruck der Mohammed-Karikaturen auskommt: “Ich habe lange darüber nachgedacht und mich letztlich dagegen entschieden. Jeder, der diese sehen will, kann sie problemlos im Netz finden. Die Karikaturen haben für so viel Hass auf beiden Seiten gesorgt, dass es schwierig ist, sie in einem wissenschaftlichen Buch neutral abzubilden.”
6. “Til Schweiger versus SPIEGEL ONLINE: ‘Irgendwelche Spackos'” (spiegel.de, Christian Buß)
Christian Buß antwortet Til Schweiger, der auf Facebook fragt, wo die Qualität bleibe, wenn man versuche, “klicks dadurch zu generieren, indem man die gehässigsten twitter-kommentare von irgendwelchen internetnerds, die nix anderes zu tun haben, als zu lästern und zu haten”, publiziere.
1. “Streitgespräch über Wissenschaft in den Medien: ‘Die sollten sich schämen!'” (spiegel.de, Markus Becker und Axel Bojanowski)
Drei Wissenschaftler diskutieren über die Wissenschaft in den Medien. Ernst Peter Fischer: “Wenn Bambi-Preisverleihung ist, wird eine dreistündige Direktübertragung im Fernsehen gemacht. Die Nobelpreis-Verleihung bekommt zehn Sekunden in der Tagesschau.”
2. “Chips essen mit Heidi” (coffeeandtv.de, Katharina)
Katharina denkt nach über “Germany’s Next Topmodel”: “Ja, die (privaten) Medien erziehen unsere Kinder mit, aber niemand hat sie damit beauftragt, eine Gesellschaft muss es aushalten, dass es eine Wertevielfalt gibt. Das bedeutet auch, dass es Werte gibt, die z.B. ich als Pädagogin nicht vertreten würde. Was Heidi Klum vermittelt, ist Anpassung an alle Anforderungen, und mögen sie noch so absurd sein.”
3. “Was Medien sexy finden: Oberfläche statt Tiefenschärfe” (rolandtichy.de, Fritz Goergen)
Politikberater Fritz Goergen ist dafür, dass sowohl die Medien als auch die Politik den “trostlosen Zustand” gegenseitiger “Skandalisierung, Personalisierung und Sensationalisierung” überwinden: “Erst berichten die Medien allesamt fast gar nicht über politische Inhalte, sondern nur über Personen, am liebsten ihre Konflikte mit anderen oder noch besser über Skandale. Und dann werfen sie den Akteuren vor, keine inhaltlichen Akzente zu setzen. Aber über Inhalte von Nichtregierungs-Politik ohne Krach oder bunte Bilder berichten sie nicht. Also machen die langen Beine Politik, oder helfen wenigstens, eine Wahl zu gewinnen. Inhalt wird schon nachgeliefert.”
4. “The Sad State of Fact-Checking” (austenallred.com, englisch)
Austen Allred beschäftigt sich mit dem Prüfen von Fakten in den Medien: “For every one person The Daily Mail pisses off by publishing its false stories, 100 people are reading it and saying, ‘Wow, The Daily Mail does some daring reporting.’ Very few people care anymore — we don’t have time to.”
5. “Image manipulation hits World Press Photo” (bjp-online.com, Diane Smyth, englisch)
Die Wahl des Pressefoto des Jahres: “Twenty percent of the images in the penultimate round of World Press Photo 2015 were disqualified because they were manipulated, according to Lars Boering, managing director of the organisation – and the Sports Stories category was so badly affected that the jury were unable to award a third prize.”
6. “After this shooting, let’s fight even harder for the right to offend” (spiked-online.com, Brendan O’Neill, englisch)
Nach den Anschlägen in Kopenhagen vom letzten Wochenende, die nicht nur Karikaturisten gegolten habe, sondern vielmehr engagierten Normalbürgern, die über Meinungsfreiheit diskutieren haben wollen, plädiert Brendan O’Neill für das Recht, Leute vor den Kopf zu stoßen: “How should we respond to this physical assault on a debate about free speech? By having more debates about it, in more places, more regularly, engaging more people, as many people as possible.” Siehe dazu auch “The right to free speech means nothing without the right to offend” (theguardian.com, Jodie Ginsberg, englisch).
1. “SZ-Leaks: Schleichwerbung für Steuerhinterziehung” (heisersstimme.wordpress.com)
“Taz”-Mitarbeiter Sebastian Heiser berichtet von seiner Zeit bei der “Süddeutschen Zeitung”, als er als Angestellter der Sonderthemen-Redaktion Seiten wie “Derivate & Zertifikate” oder “Wein aus Österreich” füllen musste – und belegt seine Bestandesaufnahme mit aufgezeichneten Gesprächen: “Ich finde meine Arbeit abstoßend und amoralisch. Und ich bin unglaublich wütend auf die Süddeutsche Zeitung, dass sie mir mein Idealbild vom Journalismus zerstört hat. Und dass sie ihre Leser betrügt und verkauft.”
3. “‘Leserjournalismus’: Als die Krone mein Fahrrad-Juxvideo klaute” (blog.datenschmutz.net, Ritchie Blogfried Pettauer)
Krone.at verwertet einen Beitrag vom 25. Oktober 2014: “Die Redakteure der Online-Krone benutzen offenbar ein Video-Downloader Plugin und bedienten sich maximal unverschämt an meinen Inhalten. Nicht nur, dass als Quelle für Foto und Video frech Facebook / Facebook angegeben wird, nein, die schalten auch noch eiskalt einen Preroll-Werbeclip vor ihr gestohlenes Video.”
4. “David Carr is dead.” (fusion.net, Alexis C. Madrigal, englisch)
“You made us all better”, notiert Alexis C. Madrigal über den letzte Woche verstorbenen Medienjournalisten David Carr: “David Carr was a bad motherfucker. Tough, tough. Feared nobody, pulled no punches. Called billionaires on their shit. In a field of cowardice, he was a statue of honor, even heroism.”
1. “Terrorbilder im Netz: Teile und herrsche” (krautreporter.de, Friedemann Karig)
Vermehrt erreichen Terrorbilder die Menschen an den etablierten Medien vorbei: “Bekennerschreiben und wacklige Videos, an Redaktionen gespielt und in den Nachrichten kommentiert, waren gestern. Die Zukunft des Terrors ist nicht nur immer bildlicher, immer brutaler, sondern auch immer gleichzeitiger.”
2. “Perfide Propaganda: Geisel als IS-Reporter” (ndr.de, Video, 5:55 Minuten)
Kriegsreporter John Cantlie wurde vom IS in Syrien entführt. Inzwischen tritt er auf als Reporter in Propagandavideos der Terrororganisation. “Ein Freund und Kollege von John Cantlie sagte dazu gegenüber ZAPP, die Geisel hätte sicher keine Wahl, es sei ‘eine Überlebensstrategie’, in den Propaganda-Videos mitzuspielen, um nicht getötet zu werden.”
3. “Lügenpresse” (taz.de, Georg Seesslen)
Georg Seesslen notiert, wie ein ehrenwerter, ein nicht so ehrenwerter und ein ehrloser Journalist eine Erzählung kreieren.
4. “#storywars oder Das Problem mit dem Journalismus auf den Punkt gebracht” (danielbroeckerhoff.de)
Daniel Bröckerhoff erinnert daran, dass Journalisten “auch nur Menschen” sind: “Journalisten müssen begreifen, dass nur transparentes und offenes Arbeiten Vertrauen herstellen kann. Und Rezipienten müssen verstehen, dass es ‘Die Wahrheit’ nicht gibt, dass Journalismus Wirklichkeitskonstruktion ist, weil wir immer verdichten, filtern, zuspitzen müssen, um eine Geschichte zu erzählen.”
5. “Newspaper group charges students £120 for chance of a by-line” (nuj.org.uk, englisch)
“Newsquest, the UK’s third largest publisher of local and regional newspapers, is charging students £120 for the chance of having their work published in one of its titles”, berichtet die britische National Union of Journalists. Die Studenten sollen während acht Monaten als Journalisten arbeiten und in dieser Zeit acht Artikel veröffentlichen: “The university or college is expected to pay £100 and the student a £20 registration fee to take part.”
6. “Der arme Intellektuelle” (faz.net, Jan Grossarth)
Jan Grossarth denkt nach über den Intellektuellen und sein Einkommen: “Mancher hat sich eine Existenz mit dem Verlegen eigener E-Books für jeweils 99 Cent aufgebaut. Als Redner sind freie Denker auch in Wirtschaftsunternehmen willkommen, sie treten immer gleich nach dem Streichorchester auf und bekommen eine ordentliche Gage. Sie dürfen hier durchaus etwas verrückt aussehen und provozieren, werden mit wohlwollendem Applaus verabschiedet, müssen sich dafür aber von anderen Intellektuellen als ‘Mietesel’ beschimpfen lassen.”