Suchergebnisse für ‘Afd’

CDU-Fahndung, Kryptobetrug auf Facebook, Angst vor der Mediathek

1. Berliner CDU-Fraktion nutzte Fahndungsfoto illegal für Überwachungswerbung
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Wer am lautesten nach Sicherheit und Überwachung ruft, nimmt es manchmal mit den Gesetzen selbst nicht so genau, schreibt Markus Reuter auf „netzpolitik.org“. Ein aktuelles Beispiel sei die Berliner CDU-Fraktion. Diese habe Gesetze übertreten, um für mehr Videoüberwachung zu werben und unerlaubt ein Bild einer „BVG“-Überwachungskamera verwendet. Die BVG hat dafür wenig Verständnis („Die CDU hat sich strafbar gemacht“). Daraufhin hätten die CDU und auch ein Abgeordneter die Bilder aus allen Online-Veröffentlichungen gelöscht. Das gedruckte Heft, in dem man das Bild illegal nutzt, um das Volksbegehren für mehr Videoüberwachung zu bewerben, wurde aber offenbar weiter verbreitet.

2. Schluss mit kryptischer Werbung für Kryptowährung
(zeit.de, Eike Kühl)
Beim Thema Kryptowährungen ist viel Abzocke im Spiel. Viele dubiose Anbieter nutzen den Bitcoin-Hype aus, um ordentlich Kasse zu machen und schalten dazu fragwürdige Anzeigen auf Facebook. Dies wird von Facebook nun unterbunden. Eike Kühl erklärt den Zusammenhang und die Interessenlagen.

3. Im Kampf für die eigene Wahrheit
(faktenfinder.tagesschau.de, Stefanie Dodt)
Der rechte Medienaktivist James O’Keefe ist für seine fragwürdigen Methoden bekannt. Mit dem “Project Veritas” will er etablierte Journalisten vorführen, indem er verdeckte Ermittler aus seinem Mitarbeiterstab auf sie ansetzt. Diese versuchen das Vertrauen der Person zu erschleichen und sie im privaten Umfeld in Gespräche über Politik zu verwickeln. Die Mitarbeiter sind mit versteckten Kameras ausgerüstet, die Aufnahmen landen im Netz… Weitere Informationen im Medienmagazin „Zapp“. Dort erzählt O`Keefe wie er arbeitet, wer sein Idol ist – und wer sein Feindbild: die übermächtigen Medien.

4. Die Mediatheken gefährden die Filmwirtschaft
(zeit.de, Alfred Holighaus)
Aktuell entscheiden die Ministerpräsidenten der Länder darüber, ob ARD und ZDF ihre Mediatheken weiter ausbauen dürfen. Was für den Zuschauer ein Fortschritt wäre, erfüllt die Filmproduzenten mit Sorge. Alfred Holighaus, Präsident der „Spio“, der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, sieht darin gar den Niedergang des deutschen Films: „Wer ARD und ZDF einen Ausbau ihrer Mediatheken auf Kosten der Filmproduzenten, ihrer Co-Finanziers und der Urheber erlaubt, trägt dazu bei, dass deutsche Film- und Fernsehproduktionen schlechter werden.“ Es geht dabei, wie sollte es anders sein, um Geld.

5. Autoritäre Logik
(taz.de, Christian Mihr)
Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hat Verfassungsbeschwerde gegen das neue BND-Gesetz eingereicht. RoG-Geschäftsführer Mihr: „Das neue Gesetz für den Bundesnachrichtendienst folgt einer autoritären Logik: Es dreiteilt das Menschenrecht auf Pressefreiheit abhängig von der Nationalität. Deutsche sollen angeblich nicht überwacht werden, EU-Bürger nur mit Einschränkungen, und der Rest der Welt ist vogelfrei. Sonderrechte für Journalisten? Gibt es gar nicht.“

6. Ich habe einen Tag Kika geguckt, um herauszufinden, warum Alice Weidel ihn abschaffen will
(vice.com, Lisa Ludwig)
Lisa Ludwig hat sich einen Tag „Kika“ angeschaut, um herauszufinden, worin eine eventuelle Bedrohung liegen könnte. Eine Bedrohung, die vor allem von der Fraktionsvorsitzenden der AfD, Alice Weidel, wahrgenommen wird. Nach einem ganzen Tag vor der „Kika“-Glotze konstatiert Lisa Ludwig: „Wenn dieser Sender irgendwann mal abgeschaltet wird, dann nicht, weil er seiner jungen Zuschauerschaft abwaschbare Wohlfühlwerte wie Freundschaft oder eine positive Lebenseinstellung vermittelt. Das wirkliche Problem, liebe Alice Weidel, sind nicht die wenigen Kinder mit Migrationshintergrund, die zwischen den ganzen weißen Mittelschichts-Kids gezeigt werden. Das wirkliche Problem sind diese verdammten singenden Tiere.“

Turnschuh-Mata-Haris, Trojaner, Geheimer Hass im Netz

1. Der Feind in meinem Turnschuh
(zeit.de, Eike Kühl)
Die Betreiber der Fitnesstracking-App „Strava“ haben eine globale Heatmap mit Daten von User-Läufen der letzten drei Jahre veröffentlich. Was da grafisch so eindrucksvoll daherkommt, betrachten Sicherheitsforscher und Militärexperten als mögliches Sicherheitsrisiko. So hat sich Nathan Ruser, Student der Internationalen Sicherheit im australischen Canberra, die Gebiete wie Syrien, Irak und Afghanistan näher angeschaut und dabei viele Einträge entdeckt, die auf Camps von Hilfsorganisationen und bekannte und weniger bekannte Militärstützpunkte hinweisen. Doch damit nicht genug: „Schnell begannen weitere Nutzer auf Twitter, die Heatmap zu analysieren. Sie fanden einen einzelnen Radfahrer in der als Area 51 bekannten US-Air-Force-Basis in Nevada. Sie fanden Jogger in der Nähe eines Staudamms in Syrien, wo die USA mutmaßlich einen Stützpunkt aufbaut. Der Journalist Jeffrey Lewis vom Onlinemagazin The Daily Beast entdeckte Strava-Nutzer auf dem Gebiet eines lange Zeit geheim gehaltenen Raketenkommandos in Taiwan.“

2. Der geheime Hass im Netz
(faz.net, Alexander Davydov)
Hass und Hetze sind ein ernstes Problem bei Facebook, doch wenn dies öffentlich sichtbar geschieht, kann wenigstens reagiert werden: Sei es durch Gegenrede, dem Melden von Äußerungen oder gar einer Strafanzeige. Die Konsequenz daraus: Viele Rechte haben zum wechselseitigen Austausch geschlossene Facebook-Gruppen gegründet. Dort hetzen sie dann ungeniert gegen Flüchtlinge und Juden, leugnen den Holocaust, warnen vor einer „muslimischen Invasion“ oder rufen zum Mord an Politikern auf. Alexander Davydov hat sich in die Welt der Hetzgruppen begeben, in denen auch die Namen von AfD-Politikern auftauchen.

3. Pressekodex reloaded Warum der alte besser war.
(fair-radio.net, Sandra Müller)
Wann soll man die Herkunft von Tatverdächtigen nennen? Zu dieser Frage existierte im Pressekodex eine eigene Richtlinie. Danach sollten Herkunft und Nationalität von Tatverdächtigen nur genannt werden, wenn dies bei der Tat eine Rolle gespielt hat. Im Kodex-Deutsch: „wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“. Letztes Jahr hat der Presserat diesen „Sachbezug“ gestrichen. Entscheidend ist jetzt, ob „öffentliches Interesse“ besteht. Einige JournalistInnen und WissenschaftlerInnen haben ihre Bedenken gegen die Formulierung in einem Offenen Brief geäußert. „Fair Radio“ hat daraus eine Petition bei change.org gemacht, in der die Rückkehr zur alten Fassung gefordert wird.

4. “Wenn man einen Staatstrojaner hat, dann ist alles verloren”
(deutschlandfunk.de, Stefan Koldehoff, Audio, 8:47 Minuten)
Dank „Staatstrojaner“ können heimlich Inhalte aus Mobiltelefonen oder Computern ausgelesen werden. Der „Deutschlandfunk“ hat sich mit dem freien Journalisten und Referenten für Informationsfreiheit bei den „Reportern ohne Grenzen“ Daniel Moßbrucker darüber unterhalten, was der offenbar schon stattfindende Einsatz des “Staatstrojaners” konkret für Journalistinnen und Journalisten bedeutet.

5. Solidarität mit dem Kika!
(taz.de, Jürn Kruse)
Jörn Kruse fordert in der „taz“ Solidarität mit dem Kinderkanal „Kika“. Aus einem „Kika“-Beitrag zum Thema Brüste hätten „Bild“ und „B.Z.“ eine plumpe Anti-ARD-ZDF-Kampagne gemacht: „Liebe KollegInnen, ich habe einen schlimmen, schlimmen Verdacht: Kann es sein, dass es euch gar nicht um das Wohlergehen unserer lieben kleinen Kinder geht, sondern nur darum, gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schießen?“

6. „Goldene Blogger“: Preise für Journalist Gutjahr und Bloggerin Hingst
(tagesspiegel.de)
In Berlin wurden die besten Blogs mit dem „Goldenen Blogger“ ausgezeichnet. Jury-Mitglied Daniel Fiene: „Wenn man sich näher mit dem Netz beschäftigt, bekommt man eine Art Depression. Man hat den Eindruck, überall gibt es nur Fake News und Hate Speech. Wir zeigen, dass es auch gute Seiten gibt.“

Dieter Wedels “Kostenfaktor”, Björn “Bernd” Höcke, “Astro TV”

1. SR öffnet zwecks Aufklärung seine Archive
(deutschlandfunk.de, Bettina Köster)
Der Regisseur Dieter Wedel soll in den 80er-Jahren mehrere Schauspielerinnen sexuell bedrängt haben, die an Produktionen des “Saarländischen Rundfunks” beteiligt waren. Laut dem jetzigen “SR”-Intendanten Thomas Kleist gebe es Indizien dafür, dass dies auch der damaligen Intendanz bekannt war. Als eine Schauspielerin bei einer Produktion offensichtlich schwer verletzt ausgeschieden sei und ausgetauscht werden musste, sei die Angelegenheit der Revision aufgefallen. Und zwar wegen der damit verbundenen, erhöhten Kosten … “Also es war, so makaber es sich anhört, es war eigentlich ein Kostenfaktor offensichtlich zunächst, und welche Konsequenzen man daraus gezogen hat, ich weiß es nicht.” 
Nun soll eine Task Force der Sache nachgehen.
Weitere Lesetipps: Peter Weissenburgs Kommentar in der “taz” “Bisschen spät geschaltet” und Heribert Prantl, der bei Süddeutsche.de erklärt, warum die Unschuldsvermutung nicht heiße, dass die Opfer schweigen müssen. 
Über den sprachlichen Umgang mit dem Fall siehe auch “‘Bild’ macht aus mutmaßlichen Opfern ‘vermeintliche Opfer'” bei uns im BILDblog und auf “Übermedien”: “Es sind keine ‘Sex-Vorwürfe'” vom “6 vor 9”-Kurator.

2. Die Führung der Nachrichtenagentur SDA gerät unter öffentlichen Beschuss
(aargauerzeitung.ch, Dennis Bühler )
Die nationale Nachrichtenagentur der Schweiz, die vor mehr als 100 Jahren gegründete „Schweizerische Depeschenagentur“ (sda), wird gerade wirtschaftlich restrukturiert. Was sich zunächst harmlos anhört, hat Folgen für die Beschäftigten: Das Management will 35 bis 40 der insgesamt 180 Stellen streichen. Dagegen regt sich Widerstand und es kam erstmals zum Streik. Mittlerweile würden auch die Parteien die „SDA“-Führung kritisieren.
Weitere Lesetipps: Markus Häfliger und Philipp Loser erklären, warum der Stellenabbau die journalistische Grundversorgung der Schweiz in Gefahr bringt, und Hansi Voigts Kommentar “Der Überfall auf die eigene Tochter” in “WOZ — Die Wochenzeitung”.

3. Jetzt nennt auch der Bundestag Höcke offiziell “Bernd”
(vice.com)
Für ein paar kurze Momente wurde der Running Gag über Björn „Bernd“ Höcke hochoffiziell: Der Deutsche Bundestag hat über eine Anfrage der AfD informiert und dort ursprünglich “Bernd” statt “Björn” geschrieben. Der Bundestag ist damit nicht allein, wie „Vice“ erklärt. Schon ganz andere, der Satire unverdächtige Medien hätten sich bei der Namensangabe des AfDlers vertan.

4. Wahrnehmungsstörungen – Kritik an Kritik
(herlandnews.com, Katja Bohnet)
Die Schriftstellerin Katja Bohnet hat sich ihre Wut über die ungleiche Wahrnehmung und Behandlung von Kriminalromanen von der Seele geschrieben. Krimis von Männern hätten es ungleich leichter bei Verlagen, Kritikern und Medien. Sie hat daher einen Tipp für ihre Geschlechtsgenossinnen: „Schlagen Sie öfter mal verbal über die Stränge, posaunen Sie irgendetwas hinaus und tun Sie hinterher so, als sei es Ihnen total egal. So wie Preise. So wie Kritiken. Die lesen Sie ohnehin nicht, weil Sie nur Ihr eigenes Ding durchziehen. Tun sie all das, aber tun Sie es besser unter einem männlichen Pseudonym.“

5. Wie effektiv ist öffentliche Fahndung?
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Die Polizei Hamburg ist mit sich und ihrer G20-Öffentlichkeitsfahndung sehr zufrieden: Die Trefferquote liege bei fast 20 Prozent, das sei mehr als üblich. Auf welchen Zahlen basiert diese Einschätzung konkret? Der „Faktenfinder“ hat nachgefragt und eine Antwort erhalten, in der von „eigenen Erfahrungswerten“ die Rede war. Patrick Gensing hat verschiedene Stellen zur Effektivität von Öffentlichkeitsfahndungen befragt, darunter den Kriminologen Christian Pfeiffer. Der hält die Vorgehensweise der Hamburger Polizei für einen „Trick“.

6. Irreführung: Astro TV hat Ärger mit den Medienhütern
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die „Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten“ (ZAK) hat Praktiken des Fernsehsenders “Astro TV” beanstandet. “Es könnte jeden Augenblick hier klingeln” hätte es beispielsweise in einer Call-In-Sendung gelautet, doch bis zum Ende der Sendung sei kein einziger Anrufer durchgestellt worden. Dies sei ein Verstoß gegen die offizielle Gewinnspielsatzung, die verhindern soll, dass Zuschauer zum Anrufen animiert werden, obwohl keinerlei Gewinnchance besteht. “Astro TV” dürfte von den Beanstandungen nicht überrascht gewesen sein. Schließlich beschäftigt man dort genügend Wahrsager, Hellseher und Propheten.

Geschürter Medienhass, No-Billag, Milchbubis und aufgeregte Mädchen

1. Aufstachelung zum Medienhass
(rbb24.de, Torsten Mandalka)
Am Samstag demonstrierten rund 1.000 Teilnehmer in Cottbus gegen Flüchtlinge. Dabei machte sich auch rechte Hetze gegen Journalisten breit. Für die anwesenden Reporter des „rbb“ eine bedrohliche Situation. Die Wortführer auf der Bühne (u.a. der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende) stachelten die Menge auf, nannten einen Journalisten namentlich und erwähnten dessen Anwesenheit. Gleichzeitig gab man sich besorgt um die Sicherheit der Medienvertreter. Torsten Mandalka kommentiert: „Die Scheinheiligkeit ist das eine – die Aufstachelung zum Medienhass das andere. Journalisten – besonders die vom rbb – werden hier zum Freiwild gemacht für den militanten Arm der rechten Szene. Damit ist klar, was uns blühen soll, wenn diese Kräfte die Macht ergreifen: dasselbe wie den Flüchtlingen.“

2. Die 7 Gründe für ein NEIN zur No-Billag-Initiative
(infosperber.ch, Christian Müller)
In der Schweiz will eine Volksinitiative („No Billag“) die Radio- und Fernsehgebühren abschaffen. Die Betreiber der Initiative argumentieren unter anderem mit der Aussicht auf einen nach ihrer Ansicht faireren Wettbewerb und einer grösseren Medienvielfalt. Nur noch wenige Wochen und das Land stimmt darüber ab. Christian Müller erklärt in sieben Punkten, warum er die No-Billag-Initiative für einen „Angriff auf das Erfolgsmodell Schweiz“ hält.

3. „Krone“ verdoppelt Anteil der kriminellen Asylwerber
(kobuk.at, Katharina Grübl)
In einem Bericht der österreichischen „Krone“ wurde behauptet, dass beinahe jeder Zweite der kriminell gewordenen Ausländer ein Asylwerber sei. Die Zahl stamme aus dem aktuellen Sicherheitsbericht. „Kobuk“ erklärt, warum die Behauptung der „Krone“ Unsinn ist.

4. “Wir können abfeiern, was kommt”
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein, Audio, 7:48 Minuten)
Der „Deutschlandfunk“ hat sich mit Marcus von Jordan unterhalten, dem Gründer von „Piqd“. In der „Programmzeitung fürs Netz“ geben Experten Linktipps zu ihren Lieblingsartikeln. Das Netz sei nach wie vor “voll von erstklassigen Inhalten, die man umsonst konsumieren kann”, so “Piqd“-Chef von Jordan. Selbst produziere man keine Inhalte, sondern helfe dabei, den Überblick zu wahren: “Wir können abfeiern, was kommt.“ Außerdem bezieht er Stellung zu Facebooks Ansatz, künftig seine User über die Glaubwürdigkeit von Inhalten entscheiden zu lassen.

5. “Ein Polizist, der Gewalt anwendet, macht sich nicht automatisch strafbar”
(spiegel.de, Ansgar Siemens)
Der „Spiegel“ hat mit dem Hamburger Generalstaatsanwalt Jörg Fröhlich gesprochen, der die Ermittlungen zu den G20-Ausschreitungen leitet. Er äußert sich auch zum Fall der von der „Bild“ als „Krawall-Barbie“ stigmatisierten Minderjährigen. Man würde bei der Öffentlichkeitsfahndung darauf vertrauen, dass mit entsprechend hoher Verantwortung nur die Fahndung als solche betrieben werde, ohne einzelne Personen zusätzlich an den Pranger zu stellen. Darauf hätte man jedoch keinen Einfluss: „Wir können leider auch nicht verhindern, dass Redaktionen eigenständig Bilder ohne vorherigen Gerichtsbeschluss veröffentlichen. Sollte ein geordnetes Vorgehen nicht möglich sein, müssten wir künftig überlegen, Verfahren aus Gründen der Verhältnismäßigkeit ohne Fahndungsaufruf einzustellen. Damit wäre der Strafverfolgung ein Bärendienst erwiesen.“

6. Warum werden junge Politiker verniedlicht?
(deutschlandfunkkultur.de, Christoph Sterz & Max Oppel)
Der Juso-Bundesvorsitzender Kevin Kühnert (28) wird von manchen Medien wie ein kleiner Junge behandelt, die Juso-Vorsitzende Annika Klose (25) wird vom Chefredakteur der “Welt am Sonntag” auf Twitter als „aufgeregtes Mädchen“ bezeichnet. Warum dieser respektlose Umgang? Der Medienjournalist Christoph Sterz tippt zumindest bei Letzterem auf einen Fall von Ignoranz: “Es ist schon so, dass nicht mal verstanden wird, dass es da eine Herabwürdigung gibt.“

YouTube-Geldpolitik, Leif-Nachruf, Le Pens Fälscherfront

1. Die Großen werden kontrolliert, die Kleinen aussortiert
(zeit.de, Eike Kühl)
YouTube ändert das Partner- und Vermarktungsprogramm. Zukünftig sind 1.000 Abonnenten und eine Wiedergabezeit von 4.000 Stunden innerhalb des vergangenen Jahres notwendig, um Werbepartner zu werden. Vor allem für die kleineren Kanäle und Neueinsteiger wird es damit schwieriger, auf YouTube Geld zu verdienen.

2. Sie nannten ihn „Professor“
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der TV-Journalist Thomas Leif hat in seinem Leben vieles bewegt. Er war jahrzehntelang SWR-Chefreporter, moderierte Veranstaltungen und zählt zu den Mitgründern des „Netzwerk Recherche“. Ende Dezember ist er gestorben. Die „taz“ widmet ihm einen differenzierten und liebevollen Nachruf.

3. Konstruktiver Journalismus revisited
(medienblog.hypotheses.org, Uwe Krüger)
In einem Gastbeitrag fragt Journalist und Medienwissenschaftler Uwe Krüger („Mainstream. Warum wir den Medien misstrauen“), was vom Hype um den „konstruktiven Journalismus“ geblieben ist. Krüger bezweifelt, ob das Konzept eines kosmopolitischen Konstruktiven Journalismus im AfD-affinen „Lügenpresse“-Milieu ankomme: „Schon jetzt hält ja ein nicht unbeträchtlicher Teil der Deutschen den Tenor in den Medien für links-grün versifft, vaterlandsverräterisch und viel zu liberal-internationalistisch. Dieser Teil des Publikums dürfte nicht gerade scharf darauf sein, (noch mehr) fremdes Leid vermittelt zu bekommen – und dann auch noch zu erfahren, dass der eigene Wohlstand dafür mitverantwortlich ist.“

4. Ein Hochglanzmagazin für den guten Zweck
(deutschlandfunk.de, Carsten Schmiester, Audio, 3:34 Minuten)
Die schwedische Obdachlosenzeitschrift “Situation” wartet seit 20 Jahren mit einem bunten Mix aus Promigeschichten, Gesellschaftskritik und Filmrezensionen auf. Carsten Schmiester berichtet im „Deutschlandfunk“ über das ungewöhnliche Hochglanzmagazin, das monatlich etwa 33.000 Leser und Leserinnen findet.

5. „Für mich ist Syrien mehr als Krieg“
(message-online.com, Malte Werner)
Die syrische Journalistin Zaina Erhaim wurde 2015 von „Reporter ohne Grenzen“ als Journalistin des Jahres ausgezeichnet. Im Interview spricht sie über die gefährliche Ausbildung von Medienaktivisten, ihren Kampf für die Rechte von Frauen in Syrien und schlechte Erfahrungen mit ausländischen Kollegen: „Obwohl ich einen Abschluss in Journalismus vor einer europäischen Universität habe, behandeln mich viele Kollegen aus dem Ausland wie einen Gratis-Fixer. Ich werde ständig nach meinen Quellen gefragt oder soll sogar ganze Geschichten kostenlos zur Verfügung stellen.“

6. Front der Fälscher
(faz.de, Jörg Altwegg)
Aus Wut über ein Interview im öffentlich-rechtlichen Sender „France 2“ ließ Marine Le Pen laut „Buzzfeed“ Fake-Videos produzieren, in denen vermeintliche Mitarbeiter des Senders auftraten. Der plumpe Racheakt Le Pens kann Folgen haben: Die Verbreitung von Falschinformationen sei in Frankreich auch vor der Verabschiedung eines angekündigten Fake-News-Gesetzes strafbar.

DSDS-Krankenausbeutung, Medien-Putinismus, Facebooks Crystal Meth

1. DSDS-Kandidat Diego sorgt für Diskussionen: „Ein psychisch kranker Mensch wird richtiggehend ausgestellt“
(meedia.de, Thomas Borgböhmer)
In der neuen Staffel von „Deutschland sucht den Superstar” (DSDS) sorgte ein Kandidat mit seltsamen Äußerungen für Irritationen. Er sei der Sohn von US-Rapper Tupac Shakur, von der Mafia entführt und nach Deutschland verschleppt worden. RTL verkauft den Bewerber als lustigen Paradiesvogel, verrät aber nicht, dass dieser sich seit zwei Jahren wegen einer Psychose in psychiatrischer Behandlung befindet. Aus medienethischer Sicht ein kritischer Fall wie die Professorin Marlis Prinzing findet: „Schon jetzt wird unübersehbar die Schaulust des Publikums bedient: ein psychisch kranker Mensch wird richtiggehend ausgestellt und zum Klatschobjekt, er wird benutzt, um medial breit durch diesen offenbar vorsätzlich erzeugten ‚Skandal‘ auf die Sendung aufmerksam zu machen.“

2. Ehre und Verantwortung
(wiwo.de, Miriam Meckel)
In einem Beitrag des „Zeitmagazins“ wurde über die Anschuldigungen von drei Frauen gegen den Regisseur Dieter Wedel berichtet, was in den Medien vereinzelt als „mediale Hinrichtung“ oder „Kampagne“ kritisiert wurde. Miriam Merkel findet in ihrer Kolumne, dass derartige Berichterstattung erlaubt sein muss: „Menschen mit Macht haben eine besondere Verantwortung als Vorbild und Führungskraft. Diese moralische Dimension verjährt nicht. Nicht bei mutmaßlich korrupten Politikern, nicht bei Unternehmern als mutmaßlichen Steuerhinterziehern und nicht bei Kulturschaffenden als mutmaßlichen Vergewaltigern. In solchen Fällen gibt es immer zwei Antworten auf die Frage der Ehre: die der potenziellen Täter und die der potenziellen Opfer.“

3. Medientrends 2018: Personalisierte Angebote, zahlende Nutzer
(de.ejo-online.eu)
Was sind die Medientrends 2018? Nic Newman vom Reuters Institute hat knapp 200 internationale Medienmacher befragt. Sprachaktivierte Assistenten und Podcasts wurden häufig genannt. Außerdem wollen Medienmacher auf einen Mix von Einnahmequellen setzen. Sorgen würden vor allem die Tech-Giganten wie Google, Facebook, Apple und Amazon machen. Werbung würde in Zukunft an Bedeutung verlieren, was den Druck erhöhen würde.

4. “Putinismus funktioniert durch Furcht”
(zeit.de, Steffen Dobbert)
Welchen Einfluss hat die russische Regierung auf das Internet und die Medien und wie funktioniert Zensur heute in Russland? Der Geheimdienstexperte Andrej Soldatow spricht im Interview mit der “Zeit” über Fake News, Folter und Propaganda des Kreml.
Weiterer Lesetipp: Mit diesen Tricks haben Kreml-Freunde die AfD vor der Wahl im Netz gepusht (“Motherboard”, Karolin Schwarz)

5. Facebook versorgt den Stammtisch mit Crystal Meth
(sueddeutsche.de, Andrian Kreye)
Facebook will uns zukünftig weniger Medieninhalte und mehr Texte, Fotos, Videos und Links einblenden, die von Freunden und Familie stammen. Bevorzugt solche, die Reaktionen auslösen. Adrian Kreye kritisiert den Vorstoß des Netzwerks: „Zuckerbergs Plan, Facebook zu emotionalisieren, wirkt deswegen, als würde er einem aufgebrachten Stammtisch einen Beutel Crystal Meth hinstellen und den Erzürnten viel Vergnügen damit wünschen. Die werden in der Nacht sicher länger bleiben. Allerdings werden sie sich wahrscheinlich auch an die Gurgel gehen. Das geschieht im Internet zwar nur virtuell. Der Effekt auf ganze Gesellschaften ist jedoch durchaus ernst zu nehmen.“

6. Die Geschichte des ersten viralen Videos
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Das erste virale Video stammt aus dem Jahr 1997: Ein Mann schlägt in seiner Großraumbüro-Wabe mit der Tastatur seines Rechners wutentbrannt auf den Monitor ein. „Wired“ ist der Geschichte des Videos nachgegangen, das seinerzeit für Werbezwecke aufgenommen und auf Promo-CDs verteilt wurde: In der seinerzeit „hohen Auflösung“ von 352×240.

Republikstart, Barbara-Zensur, Nebelkerzen mit Agenda

1. Der Vater der Republik
(tagesanzeiger.ch, Michèle Binswanger)
Nach einer rund einjährigen Vorbereitung ging die mit über drei Millionen Franken crowdgefundete “Republik” am Sonntag online. Im “Tagesanzeiger” gibt es dazu passend ein lesenswertes Porträt über Medienmacher und “Republik”-Mitgründer Constantin Seibt. Lesenswert wie übrigens auch der (frei zugängliche) “Republik”-Artikel über “Zuckerbergs Monster”.

2. Nebelkerzen mit Agenda
(spiegel.de, Georg Diez)
Georg Diez vergleicht im “Spiegel” das Wirken von Frank Schirrmacher mit dessen “FAZ”-Nachfolger Jürgen Kaube. Wo Schirrmacher ein dauerndes “Seht-Her” in die Welt gerufen habe, sei Kaubes Maxime ein einziges Abwinken: “Man könnte fast denken, dass hier jemand das eigene Phlegma als Grund nimmt, auf eine politische Sicht auf die Gegenwart oder die Gegenwart ganz generell zu verzichten — wenn hinter dem, was Kaube immer wieder als seinen Antiideologismus präsentiert, nicht doch ein ideologisches Motiv erkennbar wäre: Das Raunen war schon immer der Grundton der Rechten, und Nebel ist das Gegenteil von Aufklärung.”

3. Aufwärts ist noch nicht oben
(taz.de, Anne Fromm)
In den vergangenen Wochen wurden bei der der “Süddeutschen Zeitung” mehrere Redaktionsstellen mit Frauen besetzt. Was gut ist, denn beim Thema Frauenförderung gibt es Nachholbedarf: Nur bei rund einem Fünftel der im Impressum aufgelisteten Ressortleitungs- und journalistischen Chefposten finde man derzeit Namen von Frauen. Schlechter ginge es dann nur noch bei der “FAZ”. Das solle sich jetzt ändern, aber in München glauben nicht alle an einen echten Veränderungswillen des Verlagshauses.

4. Hi Leute, ich bin wieder zurück im Netz
(facebook.com, Barbara)
Die Zettel- und Streetartkünstlerin “Barbara” meldet sich nach einer Auszeit auf Facebook zurück. Doch die Freude ist getrübt, denn über Barbara schwebt das Damoklesschwert der Facebook-Lösch- und Kontrollinstanzen. Und die haben im Zweifel wenig Sinn für satirische Beiträge und löschen nicht nur Bilder, sondern machen den ganzen Account dicht. Satire könne unter den gegebenen Umständen nur noch höchst eingeschränkt geschehen: “Es beginnt schon mit der Zensur im Kopf. Ich muss mir jetzt gut überlegen, ob ich einen Beitrag poste oder nicht, denn die Gefahr, dass meine Seite komplett gelöscht wird, ist allgegenwärtig”, findet “Barbara”. “Ich habe ständig versucht dem Hass im Internet mit meinen Botschaften etwas entgegenzusetzen, habe dafür super viel positives Feedback bekommen, nicht zuletzt sogar den Grimme online Award. Dass ich jetzt von den Plattformen Facebook und Instagram dafür abgestraft werde, fühlt sich schrecklich und unwürdig an.”

5. Wie die AfD die Wut schürt
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Hat sich die ARD tatsächlich “zunächst geweigert”, über den gewaltsamen Tod einer 15-Jährigen in Kandel zu berichten, wie ihr von der AfD auf Facebook vorgeworfen wurde? Natürlich nicht. Trotzdem hat sich die falsche Behauptung tausendfach im Netz verbreitet.

6. Ein Foto, zwei Stories
(detektor.fm)
Sind Kate Middleton und Meghan Markle beste Freundinnen oder schlimmste Feindinnnen? Während die Zeitschrift “das neue” vom “Geheimpakt der neuen Freundinnen” schreibt, betitelt “die aktuelle” den “Zicken-Zoff”. Regenbogenpresse-Spezialist (und BILDblogger) Moritz Tschermak würde weder für “das neue” noch für “die aktuelle” seine Hand ins Feuer legen: “Ich bin harmoniebedürftig und würde mich eher freuen, wenn die beiden Frauen neue Freundinnen sind. Aber ich wage es nicht, einer von beiden Zeitschriften zu glauben. So blöd bin ich nicht.”

NetzDG-Bumerang, Seitenwechsel, Schmutziger Türkei-Deal?

1. Das #NetzDG: Ein Bumerang für Heiko Maas
(wolfgangmichal.de)
Als einen Bumerang für Heiko Maas bezeichnet Wolfgang Michal das neue Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Das NetzDG stehe in der Tradition der Republikschutzgesetze von Weimar und richte sich eindeutig gegen rechts. Doch eine der vielen Lehren aus Weimar sei: “Gut gemeint ist nicht unbedingt gut gemacht.” Dem NetzDG könne eine ähnliche Entwicklung blühen wie dem Republikschutzgesetz: “Denn nicht immer wird der verantwortliche Minister Heiko Maas heißen und “eine Strategie gegen rechts” im Sinn haben. Irgendwann könnte “der Schutz der Republik” auch in den Händen eines AfD-Ministers liegen.”
Weiterer Lesetipp: Der Beitrag “Das überschätzte Recht” von “FAZ”-Redakteur und Jurist Hendrik Wieduwilt.

2. Europas öffentlicher Rundfunk unter Beschuss
(ndr.de, Kathrin Drehkopf, Caroline Schmidt & Jonas Schreijäg)
Mit dem Anwachsen populistischer Bewegungen in Europa wächst auch der Druck auf öffentlich-rechtliche Medien. Kathrin Drehkopf, Caroline Schmidt und Jonas Schreijäg haben in ganz Europa Rundfunkanstalten und deren Gegner besucht und ergründet, wie die verschiedenen Sender mit der Kritik umgehen. Im verlinkten Beitrag gibt es eine Übersicht ihrer ersten Eindrücke. Mehr davon dann bei “Zapp” am heutigen Mittwoch um 23:15 Uhr im NDR und später in der NDR-Mediathek.

3. In eigener Sache
(silkeburmester.de)
“Widerstand gebrochen, ich arbeite jetzt für @axelspringer”, twittert die Journalistin und frühere “taz”-Kolumnistin (“Die Kriegsreporterin”) Silke Burmester, die den Springer-Verlag stets als “Druckwerkstatt des Teufels” verdammt hatte. In einer Stellungnahme erklärt sie die Gründe für den Wechsel. Gründe, von denen sie ahnt, dass sie nicht jeder akzeptieren wird: “Deswegen steht es jedem frei, von mir enttäuscht zu sein oder mich nun richtig blöd zu finden. Das ist okay, das ist Euer, das ist Ihr Recht. Es ginge mir im umgekehrten Fall sicherlich kaum anders.”

4. Gibt es einen schmutzigen Deal?
(faktenfinder.tagesschau.de, Arnd Henze)
Ist die Freilassung des “Welt”-Journalisten Deniz Yücel an Rüstungsexporte in die Türkei gebunden, wie man Äußerungen von Außenminister Sigmar Gabriel entnehmen kann? Was hat der Minister tatsächlich gesagt? Wie ist es interpretiert worden? Wie überzeugend sind seine späteren Dementis und Erklärungen? Arnd Henze vom ARD-Hauptstadtstudio sortiert und kommentiert den Vorgang.

5. „Keine Sau beschwert sich“
(taz.de, Svenja Bergt)
Max Schrems erlangte Berühmtheit, als er von Facebook die Herausgabe seiner Daten erzwang und das EU-US-Abkommen “Safe Harbor” vor dem Europäischen Gerichtshof kippte. Im Gespräch mit der “taz” spricht der Datenschutzaktivist über seine crowdgefundete NGO, mit der er ab Mai allzu datensüchtige Unternehmen verklagen will. Zu diesem Zeitpunkt startet nämlich die “europäische Datenschutz-Grundverordnung”.

6. Michael Wolff: You Should Believe All Of “Fire And Fury”
(youtube.com, Stephen Colbert, Video, 9:19 Minuten)
Der US-amerikanische Satiriker Stephen Colbert hat mit Michael Wolff gesprochen, dem Autor des Donald-Trump-Enthüllungsbuchs “Fire and Fury”. Auf die Frage angesprochen, wie viel Dichtung und wie viel Wahrheit das Buch enthalte, entgegnet der hinsichtlich seiner Arbeitsmethoden nicht unumstrittene Wolff: “You should believe all of it.”

Weiterer Lesetipp: “Fakten oder Fiktion”, ein Fünf-Punkte-Faktencheck von “Spiegel Online”.

“Bild”-Medien lassen Flüchtlinge durch Deutsch-Tests fallen

Schaut man sich diese Überschrift aus der “Bild am Sonntag” von gestern an …

Ausriss Bild am Sonntag - Nach 1300 Unterrichtsstunden - vier von fünf Flüchtlingen fallen bei Deutsch-Test durch

… könnte man ja meinen, dass “4 von 5 Flüchtlingen” bei ihren Deutsch-Tests durchfallen.

So ist es aber nicht. Es sind nicht 80 Prozent, sondern deutlich weniger. Für “Bild”-Chefchef Julian Reichelt ist die falsche “BamS”-Zeile einfach nur “schlecht formuliert”. Für rechte und rechtsextreme Kräfte ist sie eine tolle Vorlage für ihre Stimmungsmache.

Doch der Reihe nach. Gestern schrieben “Bild am Sonntag” und Bild.de über die “Integrationskursgeschäftsstatistik” des “Bundesamts für Migration und Flüchtlinge” (“BAMF”), in der es auch um Zahlen zu Deutsch-Kursen für Geflohene geht. Online lautete die Titelzeile ganz ähnlich:

Screenshot Bild.de - Nach 1300 Unterrichtsstunden - vier von fünf Flüchtlingen fallen bei Deutsch-Test durch

Bei Bild.de befindet sich der Artikel hinter der Paywall, was schade ist, weil dadurch viele Bild.de-Besucher nur die falsche Überschrift lesen konnten und nicht den Text, in dem unter anderem steht:

Laut aktueller Bamf-Zahlen besuchten allein im ersten Halbjahr 2017 rund 43 000 Menschen einen speziellen Integrationskurs für Analphabeten (…).

Brisant: Trotz extra kleiner Lerngruppen und bis zu 1300 Unterrichtsstunden sprechen vier von fünf Flüchtlingen danach immer noch so schlecht Deutsch, dass sie nicht einmal einen Helfer-Job bekommen oder eine Ausbildung machen können. Das Sprachniveau B1 (…) erreichen in den Analphabeten-Kursen gerade mal 17 Prozent der Teilnehmer, wie das Bamf auf Anfrage bestätigt. (…)

Nicht besser sieht es bei den normalen Integrationskursen aus, also ohne Analphabeten. Insgesamt schafft bloß jeder zweite Teilnehmer den B1-Test.

Nur mit einem “Bild plus”-Abo erfährt man also, dass gar nicht “4 von 5 Flüchtlingen” bei ihrem Deutsch-Test durchfallen, sondern dass vier von fünf Flüchtlingen, die Analphabeten sind, nicht das Sprachniveau B1 erreichen. Das ist gleich ein doppelter Unterschied: Es geht weder um alle Flüchtlinge noch um die Frage “bestehen oder nicht bestehen?”, sondern darum, ein gewisses Niveau beim Bestehen zu erreichen.

Tatsächlich haben laut “BAMF”-Statistik (PDF) im ersten Halbjahr 2017 126.868 von insgesamt 165.997 erstmaligen Integrationskurs-Teilnehmern den “Deutsch-Test für Zuwanderer” bestanden, allerdings mit unterschiedlichen Sprachniveaus (53,9 Prozent mit B1-Niveau, 37,6 Prozent mit A2-Niveau, 8,5 Prozent unter A2-Niveau — zu den verschiedenen Sprachniveaus gleich mehr). Rund 76 Prozent der Teilnehmer haben also einen Abschluss hinbekommen und nicht — wie in der “BamS”-Schlagzeile behauptet — nur 20 Prozent.

Doch mal abgesehen von der falschen Zahl, die die Redaktionen von “Bild am Sonntag” und Bild.de prominent platziert haben: Sind die 17 Prozent der Alphabetisierungskurs-Teilnehmer, die das Sprachniveau B1 erreicht haben sollen, wirklich “ernüchternd”, wie “BamS” schreibt?

Der “Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen” gibt verschiedene “Kompetenzniveaus” beim Erlernen von Sprachen vor. Es gibt sechs verschiedene Stufen: A1 (Einstieg), A2 (Grundlagen), B1 (Mittelstufe), B2 (gute Mittelstufe), C1 (fortgeschrittene Kenntnisse), C2 (exzellente Kenntnisse). In den deutschen “Integrationskursen mit Alphabetisierung”, auf die sich “BamS” und Bild.de beziehen, sitzen einerseits Menschen, die in ihrer Muttersprache nicht lesen und schreiben können, und andererseits Menschen, die zwar lesen und schreiben können, aber nicht in lateinischen Buchstaben. Das Ziel dieser Kurse ist daher keineswegs, das “Mittelstufe”-Niveau B1 zu erreichen. In seinem “Konzept für einen bundesweiten Alphabetisierungskurs” (PDF) hat das “BAMF” die Ziele wie folgt beschrieben:

Für einen großen Teil der Lernenden wird das Sprachniveau A2.2 als realistisches Ziel erachtet. (…)

Für Teilnehmende in der Gruppe der primären Analphabeten ohne “Stifterfahrung” wird das Erreichen des Sprachniveaus A2.1 als realistisches Ziel erachtet. (…)

Für einzelne Teilnehmende (…) ist ein sprachliches Ziel oberhalb des Niveaus A2.2 möglich.

“Einzelne Teilnehmende” könnten laut “BAMF” also B1 erreichen. Im ersten Halbjahr 2017 waren es laut “BamS” und Bild.de immerhin 17 Prozent.

Aber zurück zur falschen Schlagzeile. Der “Bild plus”-Artikel, über dem sie stand, war gestern “meistgeklickt”:

Screenshot Bild.de - Meistgeklickt Bild plus - 4 von 5 Flüchtlingen bestehen Deutsch-Test nicht

Und die falschen “4 von 5 Flüchtlingen” verbreiteten sich wie wild. FAZ.net hat sie abgeschrieben:

Screenshot FAZ.net - BAMF - Vier von fünf Flüchtlingen schaffen Deutsch-Test nicht

Genauso die “B.Z.”:

Screenshot bz-berlin.de - Bundesamt: 4 von 5 Flüchtlingen schaffen den Deutsch-Test nicht

prosieben.de:

Screenshot prosieben.de - Hindernis für erfolgreiche Integration - Vier von fünf Flüchtlingen schaffen den Deutsch-Test nicht

sat1.de:

Screenshot sat1.de - Hindernis für erfolgreiche Integration - Vier von fünf Flüchtlingen schaffen den Deutsch-Test nicht

“Epoch Times”:

Screenshot Epoch Times - Vier von fünf Zuwanderern schaffen Deutschtest nicht – keine Jobaussichten

Auch bei “Focus Online” tauchte die Zeile auf, bei nordbayern.de, wobei die zwei Portale sie inzwischen korrigiert haben. Bei Welt.de schafft “nur einer von fünf Analphabeten” den Deutsch-Test, was ebenfalls falsch ist, denn rund einer von fünf Teilnehmern der Alphabetisierungskurse erreicht das Niveau B1. Es gibt aber weitere Teilnehmer, die den Test mit einem anderen Niveau bestehen.

Dem Publizisten Hugo Müller-Vogg fiel in seiner Ahnungslosigkeit auch was ein:

Und natürlich sprangen die AfD und ihre Fans auf den in die falsche Richtung fahrenden Zug der “Bild”-Medien, der “FAZ”, der “Welt” auf:

Bei Bild.de haben sie die Überschrift inzwischen in “Flüchtlinge haben Probleme bei Deutsch-Test” geändert. Die erste Version war laut “Bild”-Oberchef Julian Reichelt einfach nur “schlecht formuliert”.

Mit Dank an Sandra M. und Kai L. für die Hinwiese!

Neurechte Amerika-Connection, Bio-Hartz-4, Russlandkritikstreuer BND

1. Die Amerika-Connection der Neuen Rechten
(zeit.de, Nico Schmidt)
Seit fünf Jahren gibt es die Seite “Journalistenwatch”, die von der rechten Wochenzeitung “Junge Freiheit” als “BILDblog von rechts” bezeichnet wurde. (Wir mussten beim Lesen spontan husten…) Nico Schmidt hat sich die einflussreiche Plattform der Neuen Rechten näher angeschaut und ist auf einen Geldgeber jenseits des Atlantiks gestoßen: den US-amerikanischen und proisraelischen Thinktank “Middle East Forum”. Dessen finanzielle Förderung ist nicht unumstritten. Auch die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, äußert Kritik.

2. Bundesnachrichtendienst streute heimlich Russland-Kritik unter Medien
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Der Bundesnachrichtendienst (BND) bestätigte dem “Tagesspiegel” gegenüber, dass er ausgewählte Journalisten heimlich mit russlandkritischen Informationen und Einschätzungen versorgt habe, bevor er mit dem Thema selbst an die Öffentlichkeit gegangen sei. Sogenannte Hintergrundgespräche gehören nicht nur zur Informationspraxis der Nachrichtendienste, sondern von Regierung und Bundesbehörden insgesamt. Eine Praxis, die der Verfasser des “Tagesspiegel”-Beitrags Jost Müller-Neuhof gerade gerichtlich klären lässt.

3. “Nicht akzeptabel”: Buchverlage laufen Sturm gegen ab Januar kostenpflichtiges „Spiegel Bestseller“-Logo
(meedia.de, Alexander Becker)
Bei der Verwendung des “Spiegel-Bestseller”-Logos auf Büchern sah der Deal bislang folgendermaßen aus: Die Verlage profitieren von der Reputation des “Spiegel und dieser ist mit seinem Logo zigmillionenfach im Buchhandel präsent. Diese Win-win-Situation soll sich nun verschieben, denn der “Spiegel” will künftig Lizenzgebühren für die Verwendung des Labels kassieren. Auf die größten Verlagsgruppen können da zusätzliche 250.000 Euro bis eine Million Euro pro Jahr zukommen.

4. Der Nutzer als Jurist: Twitter rollt Meldesystem für das NetzDG aus
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist wegen möglicher Beschränkungen der Meinungsfreiheit umstritten. Die kleinen Parteien FDP, Linke und AfD wollen es sogar kippen. Ein Teil des neuen Gesetzes: Die großen Plattformen werden dazu verpflichtet, ein Beschwerdesystem einzurichten. Twitter hat dies nun getan. Um es zu bedienen, sollte man jedoch zumindest juristische Vorkenntnisse mitbringen

5. Wozu noch Bibliotheken?
(deutschlandfunk.de, Michael Knoche)
Michael Knoche – bis 2016 Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar – schreibt in seinem umfassenden Essay über die Herausforderungen des Internets, unvorstellbare Kosten von wissenschaftlichen Publikationen, den Mehrwert durch Verlage und über Sinn und Grenzen von Open-Access-Systemen. Und endet mit einem Wunsch: “Die Idee der Bibliothek wird mit den Chancen, die die elektronischen Medien bieten, noch machtvoller werden. Wichtig ist jetzt, dass in Deutschland die politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die für das Gedeihen der Bibliotheken nötig sind. Die Merkmale des Internets sind Flüchtigkeit, Nicht-Hierarchie, Ubiquität und Vernetzbarkeit von allem und jedem. Die Merkmale von Bibliotheken sind Dauer, Ordnung, Kontext und Konzentration. Gepriesen sei die Zeit, die über beides verfügt und es kombinieren kann.”

6. Das schöne Bio-Leben mit Hartz IV
(taz.de, Jörg Wimalasena)
TV-Koch Tim Mälzer hat im “Lebensmittel-Check” (ARD) mit einer gut situierten Familie eine Pseudo-Lebenswirklichkeit simuliert, in der der Hartz-IV-Satz sogar für gute Bio-Lebensmittel ausreicht: “Einmal mit dem Rucksack durch Südamerika reisen oder Freiwilligendienst im indischen Slum sind als Mittelschichtfantasie wohl nicht mehr gefragt, da ist es wohl aufregender, für einen selbstverständlich begrenzten Zeitraum das entbehrungsreiche Leben der Abgehängten zu imitieren. Es ist ein Hartz-IV-Experiment im Sandkasten, frei von allen sozialen Härten, mit denen Betroffene sonst zu kämpfen haben.”

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