Dieter Wedels „Kostenfaktor“, Björn „Bernd“ Höcke, „Astro TV“

1. SR öffnet zwecks Aufklärung seine Archive
(deutschlandfunk.de, Bettina Köster)
Der Regisseur Dieter Wedel soll in den 80er-Jahren mehrere Schauspielerinnen sexuell bedrängt haben, die an Produktionen des „Saarländischen Rundfunks“ beteiligt waren. Laut dem jetzigen „SR“-Intendanten Thomas Kleist gebe es Indizien dafür, dass dies auch der damaligen Intendanz bekannt war. Als eine Schauspielerin bei einer Produktion offensichtlich schwer verletzt ausgeschieden sei und ausgetauscht werden musste, sei die Angelegenheit der Revision aufgefallen. Und zwar wegen der damit verbundenen, erhöhten Kosten … „Also es war, so makaber es sich anhört, es war eigentlich ein Kostenfaktor offensichtlich zunächst, und welche Konsequenzen man daraus gezogen hat, ich weiß es nicht.“ 
Nun soll eine Task Force der Sache nachgehen.
Weitere Lesetipps: Peter Weissenburgs Kommentar in der „taz“ „Bisschen spät geschaltet“ und Heribert Prantl, der bei Süddeutsche.de erklärt, warum die Unschuldsvermutung nicht heiße, dass die Opfer schweigen müssen. 
Über den sprachlichen Umgang mit dem Fall siehe auch „‚Bild‘ macht aus mutmaßlichen Opfern ‚vermeintliche Opfer'“ bei uns im BILDblog und auf „Übermedien“: „Es sind keine ‚Sex-Vorwürfe'“ vom „6 vor 9“-Kurator.

2. Die Führung der Nachrichtenagentur SDA gerät unter öffentlichen Beschuss
(aargauerzeitung.ch, Dennis Bühler )
Die nationale Nachrichtenagentur der Schweiz, die vor mehr als 100 Jahren gegründete „Schweizerische Depeschenagentur“ (sda), wird gerade wirtschaftlich restrukturiert. Was sich zunächst harmlos anhört, hat Folgen für die Beschäftigten: Das Management will 35 bis 40 der insgesamt 180 Stellen streichen. Dagegen regt sich Widerstand und es kam erstmals zum Streik. Mittlerweile würden auch die Parteien die „SDA“-Führung kritisieren.
Weitere Lesetipps: Markus Häfliger und Philipp Loser erklären, warum der Stellenabbau die journalistische Grundversorgung der Schweiz in Gefahr bringt, und Hansi Voigts Kommentar „Der Überfall auf die eigene Tochter“ in „WOZ — Die Wochenzeitung“.

3. Jetzt nennt auch der Bundestag Höcke offiziell „Bernd“
(vice.com)
Für ein paar kurze Momente wurde der Running Gag über Björn „Bernd“ Höcke hochoffiziell: Der Deutsche Bundestag hat über eine Anfrage der AfD informiert und dort ursprünglich „Bernd“ statt „Björn“ geschrieben. Der Bundestag ist damit nicht allein, wie „Vice“ erklärt. Schon ganz andere, der Satire unverdächtige Medien hätten sich bei der Namensangabe des AfDlers vertan.

4. Wahrnehmungsstörungen – Kritik an Kritik
(herlandnews.com, Katja Bohnet)
Die Schriftstellerin Katja Bohnet hat sich ihre Wut über die ungleiche Wahrnehmung und Behandlung von Kriminalromanen von der Seele geschrieben. Krimis von Männern hätten es ungleich leichter bei Verlagen, Kritikern und Medien. Sie hat daher einen Tipp für ihre Geschlechtsgenossinnen: „Schlagen Sie öfter mal verbal über die Stränge, posaunen Sie irgendetwas hinaus und tun Sie hinterher so, als sei es Ihnen total egal. So wie Preise. So wie Kritiken. Die lesen Sie ohnehin nicht, weil Sie nur Ihr eigenes Ding durchziehen. Tun sie all das, aber tun Sie es besser unter einem männlichen Pseudonym.“

5. Wie effektiv ist öffentliche Fahndung?
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Die Polizei Hamburg ist mit sich und ihrer G20-Öffentlichkeitsfahndung sehr zufrieden: Die Trefferquote liege bei fast 20 Prozent, das sei mehr als üblich. Auf welchen Zahlen basiert diese Einschätzung konkret? Der „Faktenfinder“ hat nachgefragt und eine Antwort erhalten, in der von „eigenen Erfahrungswerten“ die Rede war. Patrick Gensing hat verschiedene Stellen zur Effektivität von Öffentlichkeitsfahndungen befragt, darunter den Kriminologen Christian Pfeiffer. Der hält die Vorgehensweise der Hamburger Polizei für einen „Trick“.

6. Irreführung: Astro TV hat Ärger mit den Medienhütern
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die „Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten“ (ZAK) hat Praktiken des Fernsehsenders „Astro TV“ beanstandet. „Es könnte jeden Augenblick hier klingeln“ hätte es beispielsweise in einer Call-In-Sendung gelautet, doch bis zum Ende der Sendung sei kein einziger Anrufer durchgestellt worden. Dies sei ein Verstoß gegen die offizielle Gewinnspielsatzung, die verhindern soll, dass Zuschauer zum Anrufen animiert werden, obwohl keinerlei Gewinnchance besteht. „Astro TV“ dürfte von den Beanstandungen nicht überrascht gewesen sein. Schließlich beschäftigt man dort genügend Wahrsager, Hellseher und Propheten.