Archiv für Mai 22nd, 2026

Vor den Bus geschubst, Klimakrise schön geredet, Influencer-Aufnahmen

1. “Wir sollten nicht fürchten müssen, vor den Bus geschubst zu werden”
(netzpolitik.org, Chris Köver)
Im Interview mit netzpolitik.org schildert Josephine Ballon von der Organisation HateAid, welche Folgen das von den USA verhängte Einreiseverbot gegen sie und ihre Co-Geschäftsführerin habe. Das US-Außenministerium werfe ihnen Zensur gegen US-Plattformen vor, obwohl HateAid als Trusted Flagger offiziell im Rahmen des europäischen Digital Services Act (DSA) arbeite. Ballon fordert mehr praktische Unterstützung durch Bundesregierung und EU sowie eine entschiedene Durchsetzung des DSA gegenüber großen Plattformen.

2. Wird die Klimakrise plötzlich doch nicht so schlimm?
(bsky.app, Lobbycontrol)
Auf Bluesky fragt der Verein Lobbycontrol in einem Erklärthread: “Wird die Klimakrise plötzlich doch nicht so schlimm? Genau diesen Eindruck erweckt derzeit eine Kampagne, die mit verzerrten Darstellungen in die Irre führt. Und wieder mit dabei: WELT-Redakteur Axel Bojanowki und die frühere CDU-Politikerin Kristina Schröder.”

3. Katapult MV: Die Stimme für den Norden
(verdi.de, Claudia Krieg)
Patrick Hinz, Chefredakteur von “Katapult MV”, beschreibt das Regionalmedium als kritische Ergänzung zur dünnen Medienlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Im Fokus stehe besonders die AfD, deren kommunale Strukturen und Wahlkampfversprechen man datenjournalistisch einordnen wolle. Hinz kritisiert, dass viele lokale Medien zu unkritisch über die AfD berichten würden und so zu deren Stärke beitrügen.

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4. Achtung, Influencer: Wann sind öffentliche Aufnahmen rechtskonform?
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pycha erklärt, wann öffentliche Aufnahmen für Social Media, TV oder Radio rechtlich zulässig sind. Anlass sind Influencer-Formate wie “Streichbruder”, bei denen fremde Menschen in Zügen oder auf der Straße ungefragt Teil von Videos würden. Der Text macht deutlich: Sobald Privatpersonen erkennbar im Mittelpunkt stehen oder aktiv einbezogen werden, braucht es in der Regel eine Einwilligung.

5. Demokratieförderung 3.0
(npj.news, Leif Kramp)
Leif Kramp argumentiert in seinem Text, dass Journalismus stärker als Teil der Demokratieförderung verstanden werden müsse. Programme wie “Demokratie leben!” würden zwar Bildung, Beteiligung und Extremismusprävention fördern, aber weitgehend ausblenden, dass Demokratie auch eine funktionierende lokale Öffentlichkeit brauche. Angesichts schrumpfender Lokalmedien und wachsender “Nachrichtenwüsten” plädiert Kramp dafür, Journalismus, Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung und digitale Plattformen gemeinsam als “kommunikative Infrastruktur” zu fördern.

6. Wie mich der Eurovision Song Contest kaufen wollte
(taz.de, Anastasia Zejneli)
Anastasia Zejneli schildert selbstironisch, wie schwer beim Eurovision Song Contest (ESC) in Wien die Grenze zwischen Berichterstattung, Fan-Kultur und PR zu ziehen gewesen sei. Akkreditierte Journalistinnen und Journalisten hätten ein umfangreiches Gratis-Rahmenprogramm, Goodiebags, Sightseeing-Angebote und Einladungen bekommen: “Mehr als eine Woche lang könnte man sich theoretisch von morgens bis abends mit exklusivem ESC-Programm und dem normalen Sightseeing (alle Museumseintritte, Riesenrad fahren und Hop-on-Hop-off-Bus) kostenlos beschäftigen.”