Archiv für 6 vor 9

Flughafen-Journalismus, Authentisch schlecht gelaunt, Handball-Promoter

1. Johan Galtung: «Meine Theorie war nicht als Anleitung für die Berichterstattung gedacht»
(medienwoche.ch, Eva Hirschi)
Der norwegische Politikwissenschaftler und Friedensforscher Johan Galtung macht sich Sorgen, was die Auslegung seiner Nachrichtenwert-Theorie anbelangt: „Das war nicht eine Anweisung, wie man Journalismus machen sollte, sondern eine Warnung, wie man ihn nicht machen sollte!“ Medien würden sich zu stark auf Faktoren wie Negativität und Prominenz fixieren. Das Resultat sei ein „Flughafen-Journalismus“, bei dem „alle darüber berichten, wie wichtige Menschen in ein Flugzeug ein- und wieder aussteigen, ohne Kontext. Das kann ich nicht verstehen, damit degradieren sich Medienschaffende ja selbst, wie sie da vor dem Flugzeug warten, nur um ein paar Schritte einer bestimmten Person zu sehen.“

2. Der erste Umweltjournalist
(taz.de, Manfred Kriener)
Der im Alter von 96 Jahren verstorbene Horst Stern war nicht nur der erste Umweltjournalist, sondern auch Mitbegründer des Bunds für Umwelt- und Naturschutz. Und er war eine Persönlichkeit, wie Manfred Kriener in seinem Nachruf feststellt: „Seine Fernseh-Nachhilfestunden machten ein breites Publikum mit dem Artensterben und dem Siechtum des Wald bekannt, mit Gentechnik-Größenwahn und dem Elend der Massentierhaltung. Was ihm fehlte zum Fernsehstar, war die joviale Ausstrahlung eines Ranga Yogeshwar oder die Lässigkeit anderer, ewig gut gelaunter TV-Größen. Stern wirkte vor der Kamera immer bekümmert, als sei gerade die Hauskatze gestorben. Das eigentlich Großartige: Er machte keinerlei Versuche, einmal zu lächeln oder gar heiter rüber zu kommen. Er blieb authentisch schlecht gelaunt.“

3. Leicht sein ist nicht alles
(sueddeutsche.de, Anna Steinbauer)
Zu Beginn des Jahres beschäftigen sich Frauenzeitschriften besonders intensiv mit dem Thema Abnehmen. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch etwas geändert, so die Soziologin Paula-Irene Villa: „Diätmachen spielt nach wie vor eine große Rolle. Allerdings dreht es sich immer mehr darum, gesund und fit sein.“ Zeitschriften seien aber eher Überbringer als Verursacher von Körperkult und Schlankheitswahn: Die Popkultur spiele eine enorme Rolle dafür, dass Diäten nicht wegzukriegen seien.

4. Der Fall Relotius und die Medien: Wir schreiben einfach wundervoll
(nzz.ch, Susanne Gaschke)
Susanne Gaschke nimmt den Fall Relotius zum Anlass, über die Entfremdung zwischen Medienmachern und ihrem Publikum nachzudenken. Gaschke beklagt die mangelnde Selbstkritik der Medien: „Journalisten müssen mehr Bescheidenheit und manchmal auch mehr Wohlwollen gegenüber ihren Berichtsgegenständen — und Lesern — entwickeln. Und sie brauchen eine Entschuldigungskultur, die nicht verschämt oder trotzig Fehler höchstens auf Seite 18 zugibt. Ob das alles hilft, um die Öffentlichkeit zu reparieren und Vertrauen zurückzugewinnen? Vielleicht nicht. Es aber nicht einmal versucht zu haben, hilft auf keinen Fall.“

5. Wir brauchen eine investigative Kultur in allen Redaktionen
(journalist-magazin.de, Daniel Drepper)
Das Medienmagazin „journalist“ startet die Serie „Mein Blick auf den Journalismus“, in der sich die „klugen Köpfe der Branche“ Gedanken darüber machen, wie Journalismus besser gemacht werden kann. Im ersten Teil dabei: Daniel Drepper, Chefredakteur von „BuzzFeed News Deutschland“, im zweiten Teil die Journalistin und Medienexpertin Carline Mohr.

6. Kommentatoren ohne Distanz
(djv.de, Sebastian Huld)
Sebastian Huld vom Deutschen Journalisten-Verband kritisiert die seiner Ansicht nach zu positive TV-Kommentierung des vergangenen Handballspiels der deutschen Nationalmannschaft. Die Kommentatoren seien irgendwo zwischen Fans und Teammitgliedern anzusiedeln. Sie „geben wie ARD und ZDF insgesamt vor, die Handball-WM zu übertragen und das Geschehen mit Expertise aufzubereiten. Tatsächlich aber sind sie nur die ersten Promoter des Produkts Handball-WM, weil der Erwerb der Übertragungslizenzen nur durch hohen Zuschauerzuspruch zu rechtfertigen ist. Vor diesem Konflikt stehen alle Sender beim Übertragen von Sportevents, ganz besonders aber die Öffentlich-Rechtlichen.“

Fantastischer Penis, „Pastewka“-Verbot, Julians Schrumpf-„Bild“

1. „Es muss so fantastisch sein, einen Penis zu haben“
(zeit.de, Sigrid Neudecker)
Die Autorin Simone Buchholz hat, wie auch ihre Kollegen Matthias Wittekindt und Max Annas, den Deutschen Krimipreis gewonnen. Ihre Freude über die Auszeichnung wird von Störgefühlen begleitet: „Ich verehre die beiden Kollegen (…), wir haben alle zusammen gewonnen, aber wenn mein Buch „lichte Unterhaltung“ ist, und die Bücher der Männer „existenzialistische Literatur“ oder „politisch radikal“ sind, dann denke ich schon: Oh Mann, es muss so fantastisch sein, einen Penis zu haben!“

2. taz ist zu unbequem
(taz.de, Jean-Philipp Baeck)
Es könnte dem Lehrbuch für Trumpsche Rhetorik entspringen: Die AfD beklagt sich gerne darüber, in den Medien zu wenig Beachtung zu finden. Interessiert sich dann jemand für sie, verweigert sie sich. So jüngst geschehen, als die „taz“ von einer Pressekonferenz der AfD in Bremen als einziges Medium ausgeschlossen wurde.

3. „Pastewka“-Verbot
(sueddeutsche.de)
Anscheinend haben es die Macher der neuen „Pastewka“-Staffel mit der Schleichwerbung etwas übertrieben: Auf Anordnung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien darf die vierte Folge der achten Staffel („Das Lied von Hals und Nase“) nicht mehr gezeigt werden.

4. Böse Trump-Fans, guter Ureinwohner? Die zu einfache Geschichte einer Konfrontation
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
In den vergangenen Tagen ging ein Videoausschnitt viral, der die Konfrontation eines jugendlichen Trump-Fans mit einem amerikanischen Ureinwohner zeigt. In den klassischen und sozialen Medien war man sich bei der Be- und Verurteilung des Geschehens weitgehend einig. Der Fall ist jedoch bei näherer Betrachtung keineswegs eindeutig. Stefan Niggemeier hat sich der Sache angenommen und kommt zum Schluss: „Die Welt ist komplizierter, als sie scheint. Das ist eine Tatsache, an die man nicht nur Trump-Anhänger immer wieder erinnern muss. Und die Heftigkeit der Angriffe als Reaktion sagt dann vielleicht doch etwas darüber aus, wie sehr etwas an der politischen Kultur in den USA kaputt ist.“

5. Alle schrumpfen, aber Bild schrumpft am schnellsten
(de.statista.com, Mathias Brandt)
Die überregionalen Tageszeitungen schrumpfen weiter, doch ein Medium hat es besonders schlimm erwischt: „Bild“. Die Boulevardzeitung (inkl. „B.Z.“ und „Fussballbild“) habe einen Rückgang von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal hinnehmen müssen.

6. Robotius
(twitter.com/ROB0TIUS)
„Eine Meldung und ihre Geschichte: Ein englischer Pizzabäcker bekommt Ärger wegen seiner bösen „Nazi-Kühe“.“ Derartige Titelgeschichten und Themenvorschläge spuckt der „ROB0TIUS“ regelmäßig auf Twitter aus, der ein Verwandter des „Spiegel“-Dichterfürsten Claas Relotius sein könnte.

Asylbewerber vs. „Bild“, Google-Geld, Doku-Komparsen üblich?

1. Asylbewerber gegen Springer
(taz.de, Markus Kowalski)
„Abgeschoben, Einreisesperre, illegal zurück und trotzdem Stütze“ — so schrieb „Bild“ auf der Titelseite über den Asylbewerber Alassa M. Gegen die seiner Ansicht nach falsche Berichterstattung geht M. nun mit Hilfe eines Anwalts vor, der den „Bild“-Artikel als „mediale Hetze“ bezeichnet (BILDblog berichtete): „Meiner Meinung nach hat der Artikel eine Pranger-Wirkung, die die Persönlichkeitsrechte meines Mandanten verletzen.“ Die „Bild“-Redaktion hatte außerdem die Karlsruher Flüchtlingsunterkunft gezeigt, in der M. lebt. Nun habe M. Angst, dass er dort angegriffen werde.

2. Auch Überflieger können abstürzen
(medienwoche.ch, René Zeyer)
Das crowdfinanzierte Online-Medium „Republik“ legte vor etwa einem Jahr einen spektakulären Start hin: Rund 16.000 Abonnenten und Spender sorgten dafür, dass die Neugründung mit knapp sieben Millionen Euro Anfangskapital ausgestattet war. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass das Projekt bei weitem kein Selbstläufer ist. René Zeyer hat sich angeschaut, wie es bei „Republik“ und den anderen Online-Medien läuft.

3. Geld von Google ist nicht die Lösung: Die Presse muss sich durch Kunden finanzieren
(nzz.ch, Ronnie Grob)
Die Schweizer Verleger wollen Google mit dem Leistungsschutzrecht zur Kasse zu bitten. Ronnie Grob sieht darin mittel- bis langfristig nicht die Lösung: „Mit Gratisinhalten werden sich im Internet auf lange Frist womöglich nur einige wenige Firmen mit Werbung refinanzieren können. Die Schweizer Verleger sollten vielmehr damit beginnen, konsequent Geld zu verlangen für die eigentliche Leistung, die ihre Journalisten erzeugen, den Journalismus. Hören sie damit auf, gegenüber der Werbewirtschaft zufälligen Traffic zu verkaufen, können sie neu jene klar umrissene Gruppe bewerben, die bereit ist, ein Abonnement zu lösen. Diese zahlenden Leser sind treue, interessierte, aufmerksame Kunden und keine herangespülten Zufallsleser, die sowieso nicht bereit sind, Geld auszugeben.“

4. Die verlogene David-Berger-PR des WDR und seine ärgerliche Homophobietradition
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Der WDR ist in den sozialen Medien für die Entscheidung kritisiert worden, David Berger zu den „Tischgesprächen“ einzuladen, und hat sich dafür mit einer Stellungnahme verteidigt. Johannes Kram hat dem WDR daraufhin einen offenen Leserbrief geschrieben: „(…) selbst, wenn Ihr denkt, Euch hier auf die Seite von Berger schlagen zu müsssen und in seiner Ankündigung dessen Täter-Opfer-Umkehr-Rethorik übernimmt, in dem ihr so tut, als würde man ihn für seinen „Mut“ kritisieren und nicht für seinem Hass (merkt Ihr nicht, welchem populistischem Narrativ Ihr hier aufgesessen seid?); selbst wenn Ihr das rassistische, homophobe und islamfeindliche Geschreibsel wirklich nicht für rassistisch, homophob und islamfeindlich haltet, warum teilt Ihr dann Euren HörerInnen nicht wenigstens mit, was das eigentlich ist, was ihm da vorgeworfen wird?“
Zum Hintergrund: Wie ein schwuler Theologe zum Sprachrohr von AfD, IB und Co. wurde (belltower.news, Stefan Lauer).

5. Offener Brief an Online-Redaktionen und Journalisten
(facebook.com/ichbinhierDerVerein, Alex Urban)
Die Aktionsgruppe #ichbinhier wendet sich mit einem offenen Brief an Online-Redakteure von reichweitenstarken Facebookseiten: „Eure Kommentarspalten werden mit Desinformationen, Aufrufen zu Gewalt, aufhetzenden Kommentaren, Lügen und Verdrehungen geflutet. Es fehlen Klarstellungen! Vor allem aber fehlen Aufforderungen zur Unterlassung und das Sanktionieren von Beleidigungen und Beschimpfungen. Was soll denn das?“

6. „Quote wollen sie dann nämlich schon immer gern“
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)
Der WDR hat sich von einer Autorin getrennt, die wegen drei Dokus in die Kritik geraten war, in denen unter anderem Komparsen eingesetzt wurden. Die Autorin hat das Vorgehen, bei Dokus und Reportagen auf Komparsen zurückzugreifen, gegenüber der „SZ“ verteidigt: „Das ist üblich. Viele TV-Sender und Produktionsfirmen suchen ihre Protagonisten bei komparse.de.“ Sie sei seit 25 Jahren „gut im Geschäft“ und habe nicht gewusst, dass das laut ihrer Aussage branchenübliche Vorgehen der Komparsenanheuerung beim WDR nicht geduldet werde.

Scripted-WDReality, Veganer Unsinn, Youtube verbietet #BirdBoxChallenge

1. Scripted-Reality-Methoden bei WDR-Vorzeige-Dokus?
(uebermedien.de, Ralf Heimann)
Bei den Reality-Soaps der Privatsender wie Vox, Kabel eins, Pro Sieben oder RTL 2 erwarten wohl die Wenigsten Wahrhaftigkeit und Akkuratesse. Schließlich weiß man, dass derlei Trash-Formate gescriptet und relativ lieblos mit Schauspielern runtergedreht werden. Dokumentationen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens haben in dieser Hinsicht einen anderen Anspruch. Umso schlimmer, wenn sich nun herausstellt, dass dort mit denselben Methoden gearbeitet wurde. Ralf Heimann berichtet von den verstörenden Seltsamkeiten bei der preisgekrönten WDR-Reihe „Menschen hautnah“.

2. Wie die Leute vom Stern Unsinn in eine britische Studie hineininterpretierten
(graslutscher.de)
Gemäß einer britischen Studie sollen Veganer in Großbritannien doppelt so oft krank sein wie ihre nicht-veganen Kollegen. Das behauptet jedenfalls der „Stern“ in seiner Onlineausgabe. Der Blogger „Graslutscher“ hält das Ganze für eine Räuberpistole, die dicht an „Fake News“ rankäme. Das Ganze hat, wie so oft, mit einer Verwechslung von Kausalität und Korrelation zu tun: „Ebenso gut hätte man also festhalten können, welche Probanden dritte Zähne haben und dann zum Schluss kommen, dass die Menschen ohne dritte Zähne öfter erkältet sind. Ich warne dennoch dringend davor, sich die ganze Kauleiste überarbeiten zu lassen, weil man keinen Schnupfen bekommen möchte. Es wäre nämlich genau so falsch gewesen, hätte der Stern getitelt: „Menschen ohne Zahnprothesen sind doppelt so oft krank wie Menschen mit Zahnprothesen“.“

3. Recherchen und Forschungsergebnisse
(djv.de)
Am 11. Januar hat der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) in einer Pressemitteilung die Landesmedienanstalten davor gewarnt, RT Deutsch eine Rundfunklizenz zu erteilen, und bekam dafür in den sozialen Medien einigen Gegenwind. Die Position des DJV, dass es sich bei RT um ein Propagandainstrument des Kreml und nicht um ein journalistisches Informationsmedium handele, sei jedoch gut begründet und durch mehrere externe Quellen belegt (im Beitrag verlinkt).

4. Afrika, sprich
(sueddeutsche.de, Stefan Fischer)
Seit mehr als einem Vierteljahrhundert berichtet die freie Journalistin und Hörfunkkorrespondentin Bettina Rühl vom afrikanischen Kontinent, ob „über Kindersoldaten und Warlords, über Drogenhandel in Mali, das Foltersystem in Eritrea, über Elfenbeinschmuggel, die Geschäftemacherei reicher Kenianer mit den Slums im Land und die Terrorfinanzierung in Westafrika“, aber auch über positive, aufmunternde Geschichten. Die „SZ“ stellt die vielbeschäftigte und preisgekrönte Autorin vor.
Der passende Hörtipp dazu: „Der Blinde hilft dem Lahmen“, „Deutschlandfunk Kultur“, diesen Sonntag um 12:30 Uhr; „Hightech in Afrika“, SWR 2, 25. Januar um 8:30 Uhr.

5. Weshalb wollen Menschen nach schlaflosen Nächten mehr essen?
(meta-magazin.org)
Im „Wochenrückblick des Science Media Center“ geht es um die Forschungsergebnisse, über die in letzter Zeit besonders häufig in den Medien berichtet wurde. Dieses mal dabei: Die Studie „Schlafmangel erhöht nicht via Hormonspiegel, sondern via Hirnaktivität die Lust auf fettiges Essen“ aus dem „Journal of Neuroscience“.

6. Youtube verbietet „Bird Box“-Clips
(faz.net)
Der Netflix-Thriller „Bird Box“ mit Sandra Bullock führte zu dem Internetphänomen #BirdBoxChallenge, in dem Menschen mit verbundenen Augen Alltagssituationen bewältigen, sich dabei filmen lassen und die Videos ins Netz stellen. Dabei ist es schon zu Unfällen und Verletzungen gekommen. Nun zieht Youtube die Reißleine und verbietet derartige Filme: „Auch wenn es unfair erscheint, das Posten von bestimmten Inhalten nicht zu gestatten, weil dies Zuschauer zu bestimmten Aktionen verleiten könnte, ziehen wir doch eine Grenze bei Inhalten, die Gewalt provozieren oder zu gefährlichen oder illegalen Handlungen aufrufen, bei denen ein Risiko für Leib und Leben besteht.“

Neues armes Deutschland, Sein Name: Yannic Hendricks, Netflix-Codes

1. So kann es nicht weitergehen
(spiegel.de, Sascha Lobo)
„Spiegel Online“-Kolumnist Sascha Lobo macht es wütend, auf welche Weise viele Medien über Themen wie Brexit, Donald Trump oder die AfD berichteten: „Der Aufstieg der autoritären Kräfte weltweit wäre ohne Medien nicht möglich gewesen, und zwar sowohl sozialer wie redaktioneller Medien. Die Verantwortung für eine weitere Stärkung der Rechten, Rechtsextremen, Autoritären liegt zum guten Teil bei ebendiesen Medien.“ Diese tappten in immer die gleichen Fallen: False Balance, Agenda Cutting und strukturelle Verharmlosung.

2. Armes Deutschland
(taz.de, Anne Fromm)
Um die linke Tageszeitung „neues deutschland“ steht es bereits seit vielen Jahren schlecht, doch jetzt scheint die Lage ernst wie nie zuvor. Anne Fromm nimmt sich in der „taz“ Raum und Zeit, um etwas von der Geschichte und der komplizierte Struktur des „nd“ zu erzählen und die aktuellen Schwierigkeiten zu erklären.

3. BuzzFeed News darf den Namen von Abtreibungsgegner Yannic Hendricks weiterhin nennen
(buzzfeed.com, Juliane Loeffler)
Das Landgericht Düsseldorf hat eine Klage des Abtreibungsgegners Yannic Hendricks gegen „BuzzFeed News Deutschland“ zurückgewiesen. Das Internetportal hatte den Namen des Mannes genannt, der viele Ärztinnen und Ärzte angezeigt hat, die auf ihrer Website angeben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Hendricks wollte anonym bleiben und ging mit einer Unterlassungserklärung gegen die Namensnennung vor. Nun wurde der Antrag abgelehnt. „BuzzFeed News“ hat die gesamte Urteilsbegründung in den Beitrag eingebettet. Ob es zu einem Berufungsverfahren kommt, sei derzeit noch offen.

4. Facebook investiert 300 Millionen Dollar in Journalismus
(heise.de, Andreas Wilkens)
300 Millionen US-Dollar will Facebook in den kommenden drei Jahren in Nachrichtenprogramme, Partnerschaften und Inhalte investieren, „mit einem großen Schwerpunkt auf Lokalnachrichten“. Dazu werde man mit Nachrichtenorganisationen zusammenarbeiten und diese mit Produkt- und Technikteams vernetzen, um bereits in einer frühen Phase der Produktentwicklung „den Bedürfnissen der Menschen auf Facebook besser gerecht zu werden“. Schließlich wolle man Verleger „nicht von uns abhängig machen, sondern unterstützen“.

5. Islamismus-Experte auf Abwegen
(faktenfinder.tagesschau.de, Volker Siefert)
Hat der Frankfurter Journalist Shams Ul-Haq, wie von ihm behauptet, undercover in mehr als 100 Moscheen die Radikalisierung von Muslimen aufgedeckt? Der ARD-„Faktenfinder“ ist skeptisch und verweist auf die Widersprüche, in die sich Shams Ul-Haq verstrickt habe.

6. Ich will doch nur einen Film sehen!
(faz.net, Julia Bähr)
Die „FAZ“-Redakteurin Julia Bähr spricht vielen Netflix-Zuschauern aus dem Herzen, wenn sie die Nutzerführung des Streamingportals als „katastrophal“ bezeichnet. Doch sie hat ein Gegenmittel parat: Die im Internet kursierenden Listen, mit deren Hilfe man das System überlisten kann.

Ende der Drohbriefe, AfD-Maier muss zahlen, Reporter gegen die Mafia

1. Keine Drohbriefe mehr
(faz.net, Constantin von Lijnden)
Medienrechtsanwälte haben eine pfiffige Strategie entwickelt, um ihre prominenten Mandanten vor Erwähnungen in der Presse zu schützen: Vorauseilende Drohbriefe, die sie euphemistisch als „presserechtliche Informationsschreiben“ bezeichnen. Allein bei der „FAZ“ seien von der bekannten Medienrechtskanzlei Schertz Bergmann zwischen Ende 2012 und Mitte 2016 mehrere Dutzend solcher Schreiben eingegangen, ungefragt und zuletzt ausdrücklich unerwünscht. Die „FAZ“ hat sich gegen diese Praxis juristisch gewehrt — bis zum Bundesgerichtshof (BGH), der die „Informationsschreiben“ grundsätzlich für zulässig hält. Anders sieht es der BGH, wenn ein solches Schreiben „keine Informationen enthält, die dem Presseunternehmen die Beurteilung erlauben, ob Persönlichkeitsrechte durch eine etwaige Berichterstattung verletzt werden.“ Das Faxen derartiger Schreiben ist mit dem Urteil des BGH nun untersagt.

2. AfD-Rechtsaußen muss Noah Becker Schmerzensgeld zahlen
(spiegel.de, Ansgar Siemens)
Vor einem Jahr erschien auf dem Twitter-Profil des AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier ein Tweet, in dem der Künstler Noah Becker wegen dessen dunkler Hautfarbe rassistisch beleidigt wurde. Maier, selbst gelernter Richter, gab sich unschuldig: Ein Mitarbeiter habe den Tweet ohne Absprache veröffentlicht, was der Mitarbeiter auch offiziell zugab. Becker verklagte den AfD-Politiker daraufhin auf 15.000 Euro Schmerzensgeld. Sein vorheriges Angebot, 7.500 Euro an eine karitative Organisation zu spenden und den Streit damit zu beenden, hatte Maier abgelehnt. Nun hat das Landgericht Berlin Becker Recht gegeben und Maier zur Zahlung der vollen 15.000 Euro plus Zinsen verurteilt.

3. Re: Der Tod im Auge – Reporter gegen die Mafia
(arte.tv, Chiara Sambuchi, Video: 30 Minuten)
Wer in Italien über die Mafia berichtet, muss sehr mutig sein und setzt unter Umständen sein Leben aufs Spiel. Die Arte-Reportage „Re: Der Tod im Auge“ begleitet den unter permanenter Bewachung stehenden Journalisten Paolo Borrometi bei dessen Arbeit für den Fernsehsender TV2000, bei dem er mit Staatsanwälten, Richtern und Kronzeugen Interviews über die Mafia führt.

4. „Politik setzt gezielt auf Framing“
(fr.de, Ruth Herberg)
Die „Frankfurter Rundschau“ hat sich mit den beiden „Floskelwolke“-Betreibern Sebastian Pertsch und Udo Stiehl über Wortmacht, Medienkompetenz und politisches Framing unterhalten.

5. Hoher Anspruch, rote Zahlen
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 5:32 Minuten)
Unglaubliche 3,5 Millionen Franken sammelten der Journalist Constantin Seibt und seine Kollegen an Spendengeldern ein, um vor etwa einem Jahr mit dem Schweizer Online-Magazin „Republik“ starten zu können. Die Medienjournalistin Brigitte Baetz gibt dem Startup durchwegs gute Noten. Allein finanziell laufe es nicht so gut: Laut Geschäftsbericht sei das Online-Magazin im ersten Jahr auf ein Minus von rund 2,5 Millionen Euro gekommen.

6. Wann Ihr einen Blogbeitrag als Werbung kennzeichnen müsst
(fitfuerjournalismus.de, Bettina Blaß)
Viele Youtuber, Instagrammer, Facebooker und Blogger sind verunsichert, ob sie ihre Beiträge als Werbung kennzeichnen müssen, wenn sie dort zum Beispiel mit Markenware zu sehen sind oder ein Produkt empfehlen. Zum Glück gibt es die Kennzeichnungsmatrix der Landesmedienanstalten und Bettina Blaß, die Licht ins Kennzeichnungsdunkel bringen.

Identitäre Plakate, Erfolgsfaktor Niveaumangel, Marktplatz Instagram

1. taz-Mitarbeiterin bei Aktion von Identitären angegriffen
(blogs.taz.de)
Die rechtsgerichtete „Identitäre Bewegung“ hat gestern Aktionen bei unterschiedlichen Redaktionen und Organisationen in verschiedenen Städten Deutschlands durchgeführt, unter anderem bei der „Frankfurter Rundschau“, am ARD-Hauptstadtstudio und bei den Grünen. Auch das „taz“-Verlagsgebäude war Ziel der Aktion. Als eine Gruppe von etwa sechs Personen der „Identitären Bewegung“ mit Pflastersteinen, Plakaten und Flugblättern anrückte, kam es zu Tätlichkeiten gegen eine couragierte „taz“-Mitarbeiterin.

2. Wenn Männer über Männer schreiben
(deutschlandfunk.de, Anne Baier)
Beim Medienforum des Journalistinnenbundes wurde auch nach Abschluss der Veranstaltung fleißig weiterdiskutiert. Dabei ging es vorwiegend um das Ungleichgewicht der Geschlechter im Politikjournalismus, Denkfallen, typische Stereotype und Rollenzuschreibungen sowie das sich daraus entwickelnde Framing.

3. Journalisten im Visier
(djv.de, Hendrik Zörner)
Hendrik Zörner kommentiert die Wut der französischen Gelbwesten gegen Journalistinnen und Journalisten, die angeblich nicht im Sinne der Protestbewegung berichten würden: „Ach, wirklich? Französische Zeitungen und Rundfunksender als verlängerter Arm von Emmanuel Macron? Wahrscheinlicher dürfte sein, dass im Zuge der Radikalisierung der Gelbwesten jegliches Verständnis für Ausgewogenheit in den Medien auf der Strecke geblieben ist. In Deutschland kennen wir das von Pegida.“

4. Die Kommentare sind tot, lang leben eure inhaltlichen Ergänzungen!
(netzpolitik.org)
netzpolitik.org steht vor einem Problem, vor dem auch viele Nachrichtenseiten stehen: Wie der wachsenden Zahl von beleidigenden und unsachlichen Kommentaren Herr werden? Mit gewaltigem Aufwand moderieren oder den Kommentarbereich ganz abschalten? Man hat sich für einen Mittelweg entschieden: In Zukunft werden nur noch Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltliche Ergänzungen zu den Artikeln stehen gelassen.

5. Blaulicht, Flutlicht, Rotlicht: Mit Niveaumangel zum Online-Spitzenplatz
(journalismus.online, Hektor Haarkötter)
Der Online-Chef der Münchner Tageszeitungen „tz“ und „Merkur“ hat Grund zum Feiern: Die Zugriffszahlen steigen beständig. Wenig feierlich ist jedoch die Methode, die auf Niveaumangel und Stillosigkeit beruht. Hektor Haarkötter hat einige typische Clickbaiting-Beispiele herausgesucht, bei denen man sich fragt, wie diese Masche immer noch so gut ziehen kann.

6. Wie sich Instagram zum Marktplatz wandelt – und wer schon jetzt auf der Plattform verkauft
(omr.com, Roland Eisenbrand)
Viele sehen in Instagram nur die Bilder-Abwurfhalde der Generation Selfie, doch die Plattform wird zunehmend für Verkaufszwecke genutzt. Instagram könnte sich gar zur echten Handelsplattform entwickeln. Roland Eisenbrand in seiner spannenden Analyse: „Weil die Plattform durch ihren visuellen Charakter deutlich produktfixierter ist als Facebook selbst, ist es durchaus vorstellbar, dass eine Erweiterung um einen Marktplatz von Erfolg gekrönt sein könnte. Facebook würde mit diesem Schritt eine komplett neue Erlösquelle erschließen. Als potenzieller „Man in the Middle“ bei allen Käufen könnte das Unternehmen dann nicht nur wie bisher durch Werbeeinnahmen einen Anteil am gesamten Business, dass über die Plattform läuft, für sich abzuzwacken, sondern auch durch Provisionen.“

Kretzschmar-Diskussion, Klassik-Pop-et cetera, Identitäre Vollpfosten

1. Warum die Diskussion, ob Stefan Kretzschmar plötzlich rechts ist, nur der AfD hilft
(bento.de, Jan Petter)
Auf Twitter und Facebook sorgt ein isolierter Interviewausschnitt mit dem Ex-Handballer Stefan Kretzschmar für viel Kritik und wird besonders in rechten Kreisen gerne und oft geteilt. Jan Petter stellt dazu fest: „Kretzschmar beklagt nicht, dass man für rechte Parolen Gegenwind erhalte, so wie es manche Kritiker nun weismachen wollen. Sondern nur, dass es polarisierende Meinungen heute schwerer hätten und es bequem geworden sei, einfach unpolitisch zu bleiben.“

2. Gute Zuwanderer, schlechte Zuwanderung: So unausgewogen waren die Flüchtlings-Berichte
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
War die Berichterstattung der Medien über die „Flüchtlingskrise“ so einseitig und irreführend, wie ein größerer Teil der Bevölkerung meint? Eine Inhaltsanalyse räumt mit einigen Vorurteilen auf und zeigt: Es ist komplizierter. Und schon gar nicht stimme es, so Stefan Niggemeier, dass die Berichte von „Bild“ über das Thema „ausgewogen“ waren, wie das Blatt heute stolz auf Seite 1 behauptet.

3. „Die digitale Viertelstunde“ mit Martin Fuchs
(lead-digital.de, Christian Jakubetz, Audio: 17:13 Minuten)
Christian Jakubetz hat sich in der „digitalen Viertelstunde“ mit dem Politikberater Martin Fuchs über den Rückzug des Grünen-Politikers Robert Habeck aus den sozialen Medien unterhalten. Fuchs kann Habeck zwar verstehen, wäre aber dennoch zu einer anderen Entscheidung gekommen.

4. «Am liebsten würde ich ein Porträt von Erwin Koch oder Margrit Sprecher über Relotius lesen.»
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Daniel Puntas Bernet ist der Chefredakteur des Magazins „Reportagen“, bei dem Claas Relotius als „Hausautor“ geschrieben hat. Im Interview mit der „Medienwoche“ spricht Bernet über seinen ersten Kontakt mit Relotius, seinen Zweifeln und seiner Einschätzung der Person Relotius: „Ich habe das Gefühl, dass er in Wirklichkeit ein scheuer Typ ist und gar kein klassischer Reporter. Ein Reporter muss neugierig sein, muss frech sein, muss vorwärts gehen, muss Menschen anreden können, auf sie zu- und eingehen wollen und sie auch mal fair kritisieren. Auch muss er seine These über den Haufen werfen können und in eine neue Richtung recherchieren, wenn es mal nicht läuft. Diese Grundelemente der Reporter-DNA fehlen Relotius offensichtlich. Ihm scheint es an Empathie zu fehlen, mit Menschen in Verbindung zu treten und wirklich etwas aus ihnen herauszuholen. Deshalb, so meine Vermutung, begann er zu erfinden.“

5. Vollpfosten sind Vollpfosten
(taz.de, Christian Rath)
Eine Facebook-Nutzerin hatte das Verhalten der Identitären Bewegung mit „Vollpfosten sind Vollpfosten und basta“ kommentiert und war dafür vom Netzwerk für 30 Tage gesperrt worden. Zu Unrecht, wie nun das Amtsgericht Tübingen entschieden hat.

6. Für dieses Programm lohnt sich jeder Gebührencent
(welt.de, Timo Feldhaus)
Timo Feldhaus hat ein Loblied auf „Klassik-Pop-et cetera“ („Deutschlandfunk“) verfasst. In der seiner Meinung nach schönsten Radiosendung der Welt stellen die unterschiedlichsten Personen eine Stunde lang ihre Lieblingsmusik vor. Ganz altmodisch und frei von jeden Algorithmen: „Die Musik kommt uns entgegen, gerade nicht, weil ich vorher diese und jene Musik gehört habe, gerade nicht aufgrund eines genialen technischen Codes, gerade nicht, weil ich vorher irgendetwas getan habe, aufgrund dessen mich ein System erkannt und kategorisiert hat — sondern weil es Lieder sind, die einem anderen Menschen übrig geblieben sind.“

Kremls treue Helfer, Unbelegtes Kantholz, „Bild“ kassiert Niederlage

1. Des Kremls treue Helfer
(rbb-online.de, Video: 7:46 Minuten)
Russische Auslands- und Staatsmedien spannen geschickt deutsche Politiker für sich ein, und die lassen sich einspannen: So treten dort immer wieder Politiker von AfD und Linke als zweifelhafte Experten und Interviewpartner auf. „Kontraste“ zeigt in einem Videobeitrag, wie das Netzwerk der Helfer der russischen Propaganda funktioniert.
Weiterer Lesehinweis: Ex-MDR-Chefredakteur Wolfgang Kenntemich als Lobbyist für RT: RT Deutsch auf allen Rundfunkwegen (tagesspiegel.de, Joachim Huber).

2. „Lügenpresse“ verbreitet AfD-Version der Attacke auf Bremer AfD-Chef
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Viele Medien übernahmen ungeprüft die nicht zutreffende Darstellung der AfD von einem Überfall auf den Bremer AfD-Vorsitzenden Frank Magnitz mit einem angeblichen Kantholz. Stefan Niggemeier analysiert den Fall und kommentiert: „Eine schnelle konkrete Schilderung mit griffigen Details wie dem „Kantholz“ ist als Material für Journalisten verführerisch — Konjunktiv-Formulierungen mit Quellenangabe hingegen sind lästig. Diese Ungenauigkeiten und Fehler sind ärgerlich. Und es macht sie nicht weniger ärgerlich, dass sie im Eifer des Gefechts immer wieder passieren. Aber sie müssen nicht in irgendeiner Weise politisch motiviert sein. Nicht, um der AfD zu schaden, wie ihre Anhänger sonst immer wieder unterstellen. Und nicht, wie in diesem Fall, um den ohnehin schlimmen Angriff auf den AfD-Politiker bewusst noch schlimmer erscheinen zu lassen. Es geht hier nicht um die viel diskutierte journalistische „Haltung“. Es geht um journalistisches Handwerk, um Genauigkeit.“

3. Axel Springer schei­tert auch in Straßburg
(lto.de, Tim Korkala)
Der Springer-Verlag hat im juristischen Streit mit dem Wettermoderator Jörg Kachelmann eine weitere Niederlage erlitten. 2011 hatte das Landgericht Köln „Bild“ untersagt, ein während Kachelmanns Gefängnisaufenthalt heimlich aufgenommenes Foto zu verbreiten. Dagegen war „Bild“ vorgegangen und hat alle Instanzen ausgeschöpft, bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Dieser beschied nun, dass die deutschen Gerichte zu Recht davon ausgegangen seien, dass das Foto „keinerlei Mehrwert zur Berichterstattung“ bot und es sich um einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre gehandelt habe.

4. Ältere und Konservative teilen öfter Fake News
(faktenfinder.tagesschau.de)
Eine amerikanische Forschungsstudie zu Fragen der Medienkompetenz kommt zu dem Schluss, dass Nutzer sozialer Medien ab 65 Jahren fast siebenmal häufiger Falschmeldungen teilen als jüngere Personen. Die Autoren der Studie begründeten das Ergebnis mit der mangelnden digitalen Medienkompetenz älterer Menschen sowie mit einem schlechteren Erinnerungsvermögen.

5. Nach Relotius: Reporter hinterfragen sich
(ndr.de, Tim Kukral & Inga Mathwig)
Immer wieder erwarten Redaktionen von ihren Reportern hollywoodreife Geschichten. Nach einem Twitter-Aufruf meldeten sich freie Journalisten, die Erschreckendes berichteten: In ihre Texte seien nicht getätigte Interview-Aussagen hineinredigiert worden, oder es wurden ihnen unzulässige Zuspitzungen abverlangt. „Zapp“ hat mit Fabian Goldmann gesprochen, der den Twitter-Aufruf gestartet hat, und weitere Journalisten dazu angehört.

6. Ein Gruß aus der Küche
(taz.de, Leonie Gubela)
Ein Nachrichtenformat auf der Selbstdarstellung-Plattform Instagram? Noch dazu von einem öffentlich-rechtlichen Sender wie dem BR entwickelt? Leonie Gubela berichtet über die „News-WG“ und darüber, wie es zu dem digitalen News-Format für junge Leute kam.

Hass benennen, Kneifzangen-Institut, „Labaule & Erben“

1. Den Hass benennen
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
Anlässlich der beiden jüngsten Gewaltverbrechen aus rassistischen beziehungsweise frauenfeindlichen Motiven kritisiert Margarete Stokowski die Medien. Diese würden oft die Taten verharmlosen und den Hass und die Opfer ausblenden: „In beiden Fällen wurden Taten, die ohne Rassismus und Sexismus nicht passiert wären, verharmlost, entpolitisiert, psychologisiert. Es ist ein Geschenk an die Täter und Gleichgesinnte, ihren Hass auszuklammern und ihre Gewalt als Sonderfall darzustellen. Auch wenn es hart ist, in einer Welt zu leben, die immer noch von Rassismus und Frauenhass geprägt ist, hilft es nicht, wenn Journalistinnen und Journalisten die Taten, die daraus entstehen, kleinreden.“

2. „Bild“ freut sich zu früh
(taz.de, Steffen Grimberg)
Die „Bild“-Zeitung feiert sich aktuell als „meistzitiertes Medium“. 1.203-mal sei das Blatt laut des „angesehenen Zitate-Rankings von Media Tenor“ im vergangenen Jahr mit Nachrichten, Berichten, Interviews von anderen Medien zitiert worden und damit häufiger als die Zweit- und Drittplatzierten „Spiegel“ und „New York Times“. Problematisch ist jedoch eben jenes Zitate-Ranking besagter Firma, so Steffen Grimberg: „Denn bei Media Tenor handelt es sich um einen Laden, der mit der Kneifzange anzufassen ist.“

3. Einschalten zum Gebet
(sueddeutsche.de, Carolin Werthmann)
Sind angesichts des dramatischen Rückgangs von Kirchenmitgliedern kirchliche Verkündigungssendungen überhaupt noch zeitgemäß? Mit diesen und anderen Fragen zur medialen Präsenz von Kirchen beschäftigt sich Carolin Werthmann bei Süddeutsche.de.

4. Türkisches Gericht verurteilt Journalistin wegen Diffamierung
(faz.net)
Die türkische Journalistin Pelin Ünker war an der internationalen Recherche über Briefkastenfirmen und Steueroasen („Paradise Papers“) beteiligt. Ihre Arbeit an dem Projekt führte unter anderem dazu, dass der damalige Ministerpräsident Binali Yildirim aufflog. Nun ist Ünker in der Türkei zu rund einem Jahr Haft verurteilt worden — wegen „Beleidigung“.

5. Nach mir die Sintflut
(kontextwochenzeitung.de, Willi Germund)
Der Journalist und Auslandskorrespondent Willi Germund wundert sich nicht über den Fall „Claas Relotius“: „Die Relotius-Methode ist zumindest in der Auslandsberichterstattung weder neu noch eine Erfindung des tiefgestürzten Lieblings der deutschen Lobpreisungs-Industrie und Talkshows. Sie wurde spätestens an dem Tag geboren, an dem Printmedien beschlossen, Reporter aus der Heimatredaktion bei Krisenfällen oder speziellen Geschichten loszuschicken.“

6. „Niveau ist kein Maßstab“
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 8:24 Minuten)
Für die satirische TV-Serie „Labaule & Erben“ hat Harald Schmidt die Welt der fiktiven Verlegerfamilie Labaule ersonnen (zu sehen in der ARD-Mediathek). Im „Deutschlandfunk“ spricht Schmidt über sein Erfolgsrezept als TV-Unterhalter und erzählt, wie er reagierte, als er vom Betrugsfall „Claas Relotius“ hörte (der Ähnlichkeiten mit einem Betrugsfall in Schmidts Miniserie hat): „Ich sank auf die Knie, entzündete eine Kerze und dankte dem Seriengott für dieses einmalige Geschenk.“
Weitere Leseempfehlung: Die TV-Kritik von Joachim Huber beim „Tagesspiegel“: Die ganze Welt ist Ärger.

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