Archiv für 6 vor 9

Terrorakt Jugendstreich, Schlamm wälzen, Asymmetrisches Berichten

1. Aufruhr im Freibad: Vom Jugendstreich zum Terrorakt
(ardmediathek.de, Video: 8:38 Minuten)
Man könnte in der Tat verzweifeln, wie es Georg Restle am Ende des „Monitor“-Beitrags ausdrückt: Da wird ein Düsseldorfer Freibad zum Tatort von Terror und Gewalt hochgejazzt, in dem angeblich 60 aggressive Migranten nordafrikanischer Herkunft Angst und Schrecken verbreiten. Nur allzu begierig stürzen sich Medien und Politik auf den Fall und instrumentalisieren ihn für ihre Zwecke. Ein Fall, bei dem nach näherem Betrachten wenig bis gar nichts übrig bleibt.

2. „Wir kommen uns im digitalen Dorf unerträglich nahe“
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Der „Tagesspiegel“ hat sich mit dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen über Filterblasen und Echokammern unterhalten. Und über Michael Seemanns Idee „der positiven und negativen Filtersouveränität“: „Man kann sich aktiv in seine Wirklichkeitsblase hineingoogeln, kann für jede Idee einen Beleg, für jeden Irrwitz einen sogenannten Experten finden. Das meint positive Filtersouveränität. Und das Netz kommt der Bestätigungssehnsucht sehr weit entgegen, stellt von der Logik des Empfängers auf die des Empfängers um, der sich — einerseits — seine Wunschwirklichkeit zusammensucht. Andererseits kann man jedoch der Weltsicht der anderen nicht entkommen, kann sich eben gerade nicht effektiv abschotten, isolieren. Negative Filtersouveränität ist in der vernetzten Welt nicht zu haben.“

3. Ein Aufreger jagt den nächsten
(sueddeutsche.de, Jagoda Marinic)
In ihrer Kolumne regt sich Jagoda Marinic über das Aufregen auf: „Die mediale Aufmerksamkeit darf sich nicht auf die Erregungsschleifen über twittertaugliche Thesen richten, sondern muss sich dem Kampf um Ideen widmen, die großen Fragen unserer Zeit angehen. Wer den Profilneurotikern heftig widerspricht, tut einerseits gut daran, doch letztlich wälzt er sich mit ihnen im Schlamm.“

4. Presserat: Blick verletzte Journalistenkodex mit voller Namensnennung im Mordfall von Rupperswil
(steigerlegal.ch, Martin Steiger)
Nun hat es auch der Schweizer Presserat bestätigt: Die Zeitung „Blick“ verletzte den schweizerischen Journalistenkodex, indem die Redaktion den Vierfachmörder von Rupperswil offline und online beim vollen Namen nannte. Der Jurist Martin Steiger kommentiert die Entscheidung und kritisiert den Presserat, der in seiner Stellungnahme den Täter mit vollem Vornamen und mit dem ersten Buchstaben des Nachnamens genannt habe: „Der Presserat legitimiert damit eine weit verbreitete, aber vollkommen unnötige Unsitte im Journalismus. Für die Justizberichterstattung ist grundsätzlich gar keine Namensnennung erforderlich. Die Justizberichterstattung kann ihre Funktion genauso erfüllen, wenn ein geeignetes Pseudonym genannt wird. Es gibt grundsätzlich kein überwiegendes öffentliches Interesse an einer Namensnennung.“

5. Asymmetrische Berichterstattung
(taz.de, Serge Halimi & Pierre Rimbert)
In diesem übersetzten Artikel aus „Le Monde diplomatique“ geht es um zweierlei Maß in der politischen Berichterstattung. Konkreter Anlass ist der Abschuss einer US-Drohne durch den Iran. Die Autoren kehren den Vorgang um und fragen: „Man stelle sich vor, eine iranische Drohne würde über Florida abgeschossen oder ein paar Kilometer vor der US-Küste. Niemand würde über den exakten Abschussort diskutieren, vielmehr würden sich alle fragen, was diese Drohne dort zu suchen hatte — 11.000 Kilometer entfernt von Teheran.“

6. Google zeigt Podcasts in Suchergebnissen an
(heise.de)
Podcasts erfahren bei Google eine deutliche Aufwertung. Zunächst nur in den USA will die Suchmaschine mehr als zwei Millionen Podcasts auffindbar machen. Dazu werden die Podcasts analysiert, transkribiert und in die Suchergebnisse eingepflegt.

Causa Kollegah, Wahl-Wortwelten, EU-Zwinkersmiley Sonneborn

1. Kollegah mahnt unsere Undercover-Recherche zum „Alpha Mentoring“ ab, aber wir lassen den Artikel online
(buzzfeed.com, Daniel Drepper & Paul Schwenn & Johann Voigt)
Vor wenigen Tagen veröffentlichten „BuzzFeed News“ und „Vice“ eine Recherche über das sogenannte „Alpha Mentoring“ des Rappers Kollegah und seiner Geschäftspartner von „Baulig Consulting“. Diese reagierten mit einer Flut von — für die Empfänger kostspieligen — Abmahnungen und nahmen dabei auch Seiten ins Visier, die den Beitrag verlinkt hatten. Das Autorenteam berichtet über den jüngsten Stand und die erhobenen Vorwürfe. Und das liest sich trotz aller Traurigkeit ganz lustig: „Die Anwälte schreiben, wir würden die Baulig Consulting und ihren Geschäftsführer abwerten wollen, in dem wir schreiben, er würde wie das Klischeebild von Wall-Street-Brokern mit dicken Uhren und Philipp Plein-Hemden herumlaufen, aber Hundetrainerinnen aus Kulmbach und Creußen beraten. Baulig besitze gar keine Philipp Plein-Hemden, schreiben die Anwälte. Zudem bestreiten sie, dass die von uns zitierte Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz die zitierten Aussagen tatsächlich getroffen hat.“ „BuzzFeeds“ Antwort auf die erhobenen Vorwürfe: „Es gibt ein Foto von Ende Juni 2019, in dem Andreas Baulig ein Philipp Plein-Polohemd trägt. Mit den Hundetrainerinnen werben die Bauligs selbst auf ihrer Webseite und das Zitat hat uns die Verbraucherzentrale per E-Mail geschickt.“

2. Ausländer sind Ausländer sind Ausländer…?
(spiegel.de, Ferda Ataman)
Ferda Ataman schreibt in ihrer Kolumne über eine immer wieder auftauchende Frage in der Kriminalitätsberichterstattung: In welchen Fällen soll die Herkunft des Täters genannt werden beziehungsweise ist eine derartige Nennung überhaupt nötig? Ataman kommt zu dem Schluss: „Ich behaupte mal, dass die genetisch oder kulturell bedingte Kriminalitätsneigung primitiver Quatsch ist. Wissenschaftlich ist sie jedenfalls nicht haltbar. Die andere Schlussfolgerung hieße, dass wir über das gescheiterte Integrationsvermögen der Aufnahmegesellschaft reden müssen. Dass bei uns soziale Ausgrenzung, bürokratische Hürden, Diskriminierung, ein geschlossenes Bildungssystem und so weiter dazu führen, dass bestimmte Gruppen eher kriminell werden. Das ist keine Entschuldigung, sondern eine Tatsache. Sie gehört zur „vollständigen Wahrheit“.“

3. Wortwelten der Wahlprogramme
(uni-potsdam.de, Peer Trilcke)
Anlässlich der bevorstehenden brandenburgischen Landtagswahl hat sich Peer Trilcke von der Uni Potsdam die Parteiprogramme angesehen: Worüber sprechen die Parteien besonders häufig? Was sind ihre Schlüsselwörter? Trilckes Analyse ist nicht nur äußerst aufschlussreich, sondern auch toll aufbereitet. Es lohnt sich unbedingt einen Blick auf seine Poster mit den Ergebnissen (PDF) zu werfen.

4. Widerstand gegen Umbau der Kultur- zur Klassikwelle
(deutschlandfunk.de, Ludger Fittkau, Audio: 4:40 Minuten)
Der Hessische Rundfunk (hr) will das bisherige Kulturradio hr2 in einen Klassik-Sender umbauen, doch das Vorhaben trifft auf Widerstand. Mittlerweile gibt es sogar eine Online-Pettion für den Erhalt des hr2 in seiner jetzigen Form. Auf der Petitionsseite gibt es Pro- und Contra-Stimmen und mittlerweile weit über 1.000 Kommentare.


5. Presserechtsanwälte ändern ihre Strategien
(ndr.de, Daniel Bouhs)
Die Otto-Brenner-Stiftung hat eine Studie zu „präventiven Anwaltsstrategien gegenüber Medien“ veröffentlicht: „Wenn Sie das schreiben, verklage ich Sie!“ (PDF). Durch Drohschreiben, die im Anwaltsjargon „presserechtlichen Informationsschreiben“ heißen, soll Berichterstattung bereits im Vorfeld unterbunden werden. Die Autoren der Studie würden vor einer „schleichenden Erosion der Pressefreiheit“ warnen und sich wünschen, dass die öffentlich-rechtlichen Sender für investigative Beiträge das Haftungsrisiko übernehmen. 
Hörtipp: Daniel Bouhs hat sich mit einem der beiden Autoren der Studie unterhalten: Präventive Anwaltsstrategien gegen Medien: Interview mit Daniel Moßbrucker (daniel-bouhs.de, Audio: 19:51 Minuten)
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6. „Es ist so unfassbar, was gerade passiert“
(freitag.de, Okan Bellikli)
Im Interview mit dem „Freitag“ spricht der Satiriker und Europaabgeordnete Martin Sonneborn über die ersten vier Wochen der neuen Legislaturperiode des EU-Parlaments, er erzählt, wie es ihm nach der Wahl Ursula von der Leyens geht („eigentlich ganz gut“), und sagt, dass „Hinterzimmerdeals“ nicht in den Parlamentsräumen, sondern in hochpreisigeren Hotelrestaurants ausgeknobelt werden.

Türkei-Festnahme, Shitstorm-Anatomie, Knausgårds Augen

1. Wenn Facebook-Beiträge zur Festnahme führen
(tagesspiegel.de, Claudia von Salzen)
Erneut ist ein Deutscher in der Türkei wegen des Verdachts der „Terrorpropaganda“ festgenommen worden. Ihm wurden offenbar ältere Facebook-Beiträge vorgeworfen. Das Auswärtige Amt warne in seinen Reisehinweisen deshalb vor dem Verhaftungsrisiko bei Besuchen in der Türkei: „Ausreichend ist im Einzelfall das Teilen oder ‚Liken‘ eines fremden Beitrags entsprechenden Inhalts.“
Weiterer Lesetipp: Anscheinend will die Türkei zahlreiche Webadressen sperren, darunter Social-Media-Konten von oppositionellen Politikern, Künstlern und linken Medien: Türkei will 136 Webseiten sperren (sueddeutsche.de, Christiane Schlötzer)
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2. Anatomie eines deutschen Shitstorms
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo hat sich Gedanken über Entstehung und Ablauf eines typischen Shitstorms gemacht. Dazu hat er die Auseinandersetzung um die Aussagen eine Politikers in kleine Teile zerlegt: Von „Schritt 0: Die Ausgangslage“ bis hin zu „Schritt 15: Das Finale“. Nicht wissenschaftlich belegt und überpointiert, dafür umso treffender.

3. Freies Wissen: EU-Kommission stellt ihre Publikationen unter offene Lizenzen
(netzpolitik.org, Maria von Behring)
Eine erfreuliche Nachricht für das freie Wissen: Die EU-Kommission gibt die meisten Veröffentlichungen unter einer sogenannten CC-BY-4.0-Lizenz frei. Damit darf jeder „das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten und das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.“ Die Bundesregierung hinke diesem fortschrittlichen Gedanken weiterhin hinterher: „Für die Publikationen und Dokumente von Ministerien, Behörden und Ressorts gibt es auf der Seite der Bundesregierung keinen Hinweis auf allgemein gültige, einheitliche Lizenzen. Die Rechte für Nutzung und Verbreitung der Inhalte hängen damit von den jeweiligen Herausgebenden ab.“

4. Frank Bsirske: An Demenz leiden
(klima-luegendetektor.de)
Lange Zeit machte sich Gewerkschaftsführer Frank Bsirske medial für Braunkohle stark und betrieb indirekt klimaschädliche Politik, nun unterstützt er Fridays for Future beim Kampf um einen besseren Klimaschutz. Ein Widerspruch, den die Betreiber vom „Klima-Lügendetektor“ wie folgt kommentieren: „Natürlich billigen auch wir vom Klima-Lügendetektor Menschen die Einsicht auf dem Irrweg zu und begrüßen ihre Läuterung. Das allerdings setzt das Eingeständnis der Schuld voraus. Von Frank Bsirske ist davon nichts zu hören. Wenn er jetzt zu mehr Klimaschutz aufruft, will er offenbar die Fehler seiner Vergangenheit reinwaschen.“

5. Und niemand sagt „Heuschrecke“?
(freitag.de, Klaus Raab)
Der Finanzinvestor KKR will sich beim Axel-Springer-Verlag einklinken. Klaus Raab fragt sich, warum von Medien in diesem Zusammenhang nicht das beliebte Bild von der „Heuschrecke“ verwendet wird, und mutmaßt: „Vielleicht passt aber ein anderes Bild heute besser als „Heuschrecke“: Finanzinvestoren sind wie ein Hybrid aus den grauen Herren aus Momo und Aufräum-Coach Marie Kondo. Sie konsumieren und misten aus. Und so werden sie dann Zahlen hochhalten und Friede Springer immer wieder fragen: ‚Willst du diese Puppe?‘ Und zum klassischen Journalismusgeschäft: ‚Does it spark joy?'“

6. Knausgårds eisblaue Augen
(taz.de, Helena Werhahn)
Auf Twitter machen User und Userinnen einen Sport daraus, über Autoren zu schreiben, wie sonst Männer über Autorinnen schreiben. Das ist gleichzeitig lustig und entlarvend. Ein Beispiel gefällig? Güzin Kar fragt in einem fiktiven Intervieweinstieg den Thrillerautor Frank Schätzing: „Sie sehen blendend aus für Ihr Alter, Chapeau! Verraten Sie uns Ihre drei Must-Have-Körperpflege-Produkte, Frank Schätzing?“

Anwalts Alpha-Liebling, Unhaltbare „Spiegel“-Story, Linnemanns Law

1. Kollegah und die Baulig Consulting GmbH haben …
(twitter.com/danieldrepper)
Der Rapper Kollegah und eine mit ihm zusammenarbeitende Consulting-Firma haben anscheinend „BuzzfeedNews“ und „Vice“ mit etwa einem Dutzend Abmahnungen überzogen. Anlass der teuren Anwaltsschreiben: Die Investigativrecherche über Kollegahs „Alpha Mentoring“-Programm. Daniel Drepper schreibt in einem Twitter-Thread: „Kollegah und Baulig greifen auch Medien an, die über unsere Recherche berichtet haben. Auch kleine Medien, die es nicht gewohnt sind, angegriffen zu werden. Die Schreiben sind unserer Ansicht nach haltlos, aber sie sollen offenbar der Einschüchterung dienen. Das reicht von „presserechtlichen Informationsschreiben“ bis zu konkreten Abmahnungen. Wir wollen darüber berichten und betroffenen Medien helfen: Wer solche Schreiben bekommen hat, der melde sich bitte bei mir.“

2. Was hat der „Spiegel“ zu verbergen?
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Ausgerechnet den Reporter, gegen den ernstzunehmende Fälschungs-Vorwürfe im Raum stehen, will der „Spiegel“ zum Leiter seines Investigativ-Teams machen. Anstatt die Sache transparent aufzuklären, mauert das Blatt und setzt auf Aussitzen. Stefan Niggemeier fragt: „Was hat der „Spiegel“ zu verbergen? Die ganzen Vorgänge wären zu jedem Zeitpunkt zweifelhaft gewesen, aber wie kann der „Spiegel“ auch nach dem Relotius-Skandal noch glauben, mit einer Vernebelungstaktik durchzukommen?“

3. Linnemanns Regel: Keine Interviews für Paid Content-Angebote
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
In den vergangenen Tagen stand der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Carsten Linnemann im Mittelpunkt der Kritik. Medien hatten über seine angebliche Forderung nach einem Grundschulverbot für Kinder mit schlechten deutschen Sprachkenntnissen berichtet. Eine Darstellung, die nicht sofort überprüfbar war, denn das Interview mit Linnemann stand hinter einer Anmelde- und Werbeschranke. Thomas Knüwer hat für derartige Fälle einen generellen Tipp: „Gib niemals ein Interview, das hinter einer Paid Content-Wand oder Anmeldeschranke verschwindet.“ Und er erweitert die „Linnemansche Regel“ um eine zusätzliche Option: „Wenn Du einem Medium mit Bezahlschranke ein Interview gibst, dann veröffentliche es zeitgleich selber auf Deinen Präsenzen.“

4. Rechter Terrorismus in El Paso: Warum medial immer so zimperlich?
(fr.de, Katja Thorwarth)
Viele Medien bezeichnen die Terrortat eines Rechtsextremisten in El Paso mit Worten wie „Massenmord“, „Bluttat“, „Blutbad“ oder „Schusswaffenattacke“ und vermeiden damit die sich aufdrängende politische Einordnung. In einem Kommentar für die „FR“ fragt Katja Thorwarth: „Woher kommt der zaghafte Umgang mit der terroristischen Rechten? Wird hier, vielleicht auch unbewusst, so zurückhaltend agiert, weil viele Thesen in der Gesellschaft längst verankert sind? Weil die sogenannte Mitte inklusive der sogenannten Konservativen immer nach rechts tendierte und somit inhaltlich-politisch dem rechten Terror — bezüglich seiner theoretischen Legitimation — näher steht, als die viel lieber in den Fokus gestellte Linke?“
Lesenswert auch: Margarete Stokowskis Artikel Kein Ruhm für Mörder, in dem sie an einen 50 Jahre alten Adorno-Vortrag erinnert, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat (spiegel.de).

5. Frau kontert bei Facebook – ist die Familientragödie erfunden?
(t-online.de, Lars Wienand)
In einem zehntausendfach geteilten Facebook-Beitrag berichtete eine Frau auf sehr emotionale Weise von einer biografischen Anekdote, wahrscheinlich um der Hetze im Zusammenhang mit dem vor den Zug gestoßenen Jungen in Frankfurt etwas entgegenzusetzen. Leider bestehen erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Geschichte: Die Frau habe den Beitrag mittlerweile gelöscht und verweigere jede Auskünfte dazu.

6. Song: Bild
(facebook.com/extra3)
„Extra3“ hat „Bild“ einen eigenen Song gewidmet. Aus Gründen: „Die Bild-Zeitung fragt seit Tagen, was man gegen Hetze tun kann. Wir hätten da eine Idee.“

Quelle Internet, Plattform für Massenmörder, Medientrainings

1. Das Problem mit der Quelle Internet
(deutschlandfunk.de, Bettina Köster, Audio: 5:20 Minuten)
In Breaking-News-Situationen muss in den Medien alles ganz schnell gehen. Problematisch kann es für Journalistinnen und Journalisten werden, wenn keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen und sich diese dann bei Twitter und Co. nach „Material“ umschauen. Den Medienhäusern würde vielfach die Verifikations-Kompetenz fehlen, so der Kommunikationswissenschaftler Florian Wintterlin im Deutschlandfunk.

2. Das Netz darf keine Plattform für Massenmörder sein
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Zum wiederholten Male nutzten Massenmörder und Terroristen die Seite „8chan“ als PR-Plattform für ihre Taten. Simon Hurtz nennt sie deshalb auch „einen der widerlichsten Orte des Internets“. Zurzeit ist die Plattform abgeschaltet, weil ein technischer Dienstleister den Vertrag auflöste. Doch von Dauer werde dies nicht sein. Außerdem seien die sich dort und woanders beteiligenden Menschen das viel größere Problem: „Der Hass in ihren Köpfen verschwindet nicht, wenn man eine ihrer Spielwiesen abmäht.“ Ein Hass, der vom amerikanischen Präsidenten höchstpersönlich geschürt werde.

3. „Die Klimaleugner sind gut organisiert“
(zeit.de, Eike Kühl)
Mehrere Jahre hat sich das Peer-Review-Verfahren einer Untersuchung hingezogen, in der der Forscher Joachim Allgaier YouTube-Suchbegriffe zum Thema Klimawandel untersucht hat. Nun sind die Ergebnisse erschienen und werden in den Medien oft verfälscht interpretiert. Im Gespräch mit „Zeit Online“ erklärt Allgeier, was er tatsächlich herausgefunden hat. Zum Beispiel, dass die Klimaleugner durchaus gut organisiert seien: „Da ist definitiv eine Expertise vorhanden, was Social-Media-Marketing angeht. Diese Leute wissen sehr wohl, wie und über welche Inhalte man die Menschen erreicht, vielleicht sogar besser, als die Scientific Community.“

4. Springers Kapital
(taz.de, Peter Weissenburger)
Peter Weissenburger fasst den derzeitigen Stand beim bevorstehenden Einstieg des US-Investors KKR beim Axel-Springer-Verlag zusammen. Sollte KKR zum Zug kommen, werde das Digitalgeschäft weiter ausgebaut, womöglich mit Folgen für das Printgeschäft. Der Betriebsrat befürchte jedenfalls einen Personalabbau in diesem Bereich.

5. Was lernen Politiker*innen in Medientrainings?
(arminwolf.at, Lena Doppel-Prix)
Im österreichischen Fernsehen hat die Zeit der „Sommergespräche“ begonnen, einer Interviewreihe des ORF mit Politikerinnen und Politikern. Armin Wolf weiß aus leidvoller Erfahrung, wie schwer diese Gesprächsform ist, wenn man als Journalist auf ein medientrainiertes Gegenüber trifft. In seinem Blog lässt er nun gewissermaßen die Gegenseite zu Wort kommen: Lena Doppel-Prix bereitet als Kommunikations- und Medientrainerin Personen aus dem Politikbetrieb auf derartige Interviews vor.

6. Wie Humor auf die Wahrnehmung politischer Nachrichten wirkt
(de.ejo-online.eu, Joachim Trebbe)
Kommunikationswissenschaftler der Uni Wien haben herausgefunden, dass politische Nachrichten in Sozialen Medien besser wahrgenommen werden, wenn in der Timeline auch lustige Videos erscheinen. Der Medienanalytiker Joachim Trebbe kommentiert: „Die Schlussfolgerung, dass lustige Katzenvideos im Internet die politische Kommunikation stärken, geht vielleicht ein bisschen zu weit — Überraschungseffekte bei Nutzern, die in erster Linie auf der Unterhaltungswelle im Netz surfen, sind aber klar erkennbar und machen Hoffnung.“

„Bild“ als medialer Arm der AfD, Totenhausmitteilung, Head of Wichtig

1. „Bild“ agiert als medialer Arm der AfD
(tagesspiegel.de, Jupp Legrand)
Der „Tagesspiegel“ hat sich mit Jupp Legrand von der Otto-Brenner-Stiftung über Erfreuliches und Ärgerliches in den Medien unterhalten. Ganz besonders hat uns sein folgendes Statement gefreut: „Weil „Bild“ mal wieder eine Ausnahme von der Regel war (wie zuvor schon in der Berichterstattung über die Speisepläne zweier Kitas), braucht es weiterhin www.bildblog.de. Während die Zeitung sich unter der Schirmherrschaft von Kai D. (55) in die Mitte der Gesellschaft schrieb, agiert sie heute unter Julian R. (39) wie der mediale Arm der AfD. Wenn das Journalismus ist, falten gleichnamige Schmetterlinge auch Zitronen.“
(Wer es ähnlich wie Jupp Legrand sieht und uns bei unserer täglichen Arbeit unterstützen will, kann dies hier tun.)

2. „AfD verzerrt Bilanz zu Straftaten systematisch“
(zeit.de)
Medienwissenschaftler haben sämtliche 242 Pressemitteilungen der AfD zum Thema Kriminalität in Deutschland analysiert und mit den offiziellen Zahlen verglichen. Wenn die AfD die Nationalität von Tatverdächtigen nenne, seien es zu 95 Prozent Ausländer. Und bei den restlichen fünf Prozent werde oft damit argumentiert, dass die Tatverdächtigen einen Migrationshintergrund hätten, oder ihr Tatbeitrag werde heruntergespielt.

3. So sicher nicht
(golem.de, Moritz Tremmel & Sebastian Grüner)
Berichte über Sicherheitslücken seien oftmals problematisch, so die „Golem“-Autoren Moritz Tremmel und Sebastian Grüner, und das habe einen Grund: „Insbesondere Sicherheitsfirmen kontaktieren uns fast täglich mit Pressemeldungen und Berichten über angeblich extrem gefährliche Sicherheitslücken, welche die IT-Welt bedrohten. Bei näherem Hinsehen zeigt sich oft, dass die Berichte aufgebauscht und wichtige Details weggelassen wurden.“

4. Frauen im Teamhaus unerwünscht
(sueddeutsche.de, Elena Bruckner)
Gaming-Profis im E-Sport sind überwiegend männlich — mit allen daraus resultierenden negativen Folgen. Ende April hat sich daher eine Arbeitsgruppe „Gender Diversity im E-Sport“ gebildet, die sich für mehr Gleichberechtigung und gegen Frauenfeindlichkeit und Diskriminierung einsetzt. Elena Bruckner berichtet über die Schwierigkeiten der Gaming- und E-Sport-Szene mit der Diversität.

5. Totenhausmitteilung: @DerSPIEGEL und Marie Sophie Hingst.
(twitter.com, Patrick Bahners)
Patrick Bahners antwortet auf Twitter auf die Stellungnahme des „Spiegel“ zum Tod der Bloggerin Marie Sophie Hingst.
Weiterer Lesetipp: „Nicht jeder Journalist hat den psychologischen Blick“ (deutschlandfunkkultur.de, Katja Bigalke und Martin Böttcher). Dort sagt der Medienethiker Christian Schicha unter anderem: „Personen, die in die Öffentlichkeit treten, müssen ihr Handeln auch vor der Öffentlichkeit legitimieren und sich auch kritische Fragen gefallen lassen.“

6. «Head of Wichtig» – das steckt wirklich hinter Jobtiteln
(tagesanzeiger.ch, Holger Alich)
Holger Alich hat sich die teilweise aufgeblähten englischen Berufsbezeichnungen angeschaut (zum Beispiel „Young Professional Officer“ für Praktikant), die er wie folgt einteilt: „… die sinnvollen Titel, die es braucht, weil ein Beruf neu ist und es dafür noch keine Bezeichnung gibt. Die Angebertitel, die aus etwas Banalem etwas toll Klingendes machen, häufig durch eine englische Übersetzung. Und die kreativen Titel, mit denen ein Unternehmen zeigen will, wie es tickt.“

Kita-Messerstecher, Diekmanns Brei, Flower Rain statt Shitstorm

1. „Ich werde sie töten, mit einem Messerstich ins Herz“
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Dass die reißerische und manipulative Berichterstattung der „Bild“-Zeitung immer wieder dramatische Folgen hat, wird in Zusammenhang mit dem angeblichen Schweinefleisch-Verbot in Kindertagesstätten besonders deutlich. So veröffentlichte der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung eingegangene Morddrohungen gegen Kita-Leitung, Erzieherinnen und Erzieher, bei denen einem selbst als Unbeteiligtem ganz mulmig zumute wird.

2. Von wegen Einheitsbrei
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der frühere „Bild“-Chef Kai Diekmann kritisiert in einem aktuellen Interview die Medien und schwadroniert von „Einheitsbrei“ und „Mainstream-Journalismus“. Hendrik Zörner hält Diekmann entgegen: „(…) dass er selbst sein eigenes Blatt nicht mehr zur Kenntnis nimmt, ist skurril. Täte er es, so wüsste er, dass Deutschlands meistverkaufte Zeitung das schlagende Argument gegen den angeblichen Mainstream-Journalismus und medialen Einheitsbrei ist. Darin ist sein Nachnachfolger Julian Reichelt Spitzenklasse.“

3. Wikipedia löscht wieder Frauen: Die schwierige Kultur einer Enzyklopädie
(t3n.de, Jochen G. Fuchs)
Werden Frauen bei Wikipedia benachteiligt? Jochen G. Fuchs fasst noch einmal die Löschdiskussion über den Phantastik-Autoren-Verband zusammen und beschäftigt sich mit den sogenannten Relevanzkriterien. „Es gibt verschiedene Probleme in der Wikipedia: Manchmal stellen die Relevanzkriterien und deren beliebige Auslegung ein Problem dar, manchmal die ausgeprägte Abneigung gegen Neumitglieder und gegen eine Öffentlichkeit außerhalb der Wikipedia. Manchmal aber ist das Problem eine generelle strukturelle Benachteiligung der Frauen und eine sowohl latente als auch offen zur Schau getragene Frauenfeindlichkeit. In den vorliegenden Fällen ist es eine Mischung aus allem.“

4. Flower Rain statt Shitstorm – Wie wir Betroffene von Hass im Netz unterstützen können
(vice.com, Alexandra Stanic)
„Vice“-Kolumnistin Alexandra Stanić geriet unlängst in einen Shitstorm, als eine rechtsextreme Plattform einen ihrer Texte aufgriff und ihre Leser zur massenhaften Hetze anstachelte. So unerfreulich sich dies für sie auswirkte, so erfreulich war, dass ihr im Netz viele Menschen beiseite standen: „Eine Welle an Solidarität hat mich in Zuckerwatte gepackt und mir geholfen, mit den Hass-Mails besser umzugehen. Der Flower Rain — das positive Pendant zum Shitstorm — war stärker als die Wut. Dieser virtuelle Blumenregen hat gut getan — und wir sollten alle daran mitarbeiten, dass es im Netz weiterregnet, und zwar nicht nur auf mich.“

5. Das bedrohte Erbe des Axel Springer
(sueddeutsche.de, Caspar Busse)
Der amerikanische Finanzinvestor KKR will den Axel-Springer-Verlag übernehmen. Was hat das für Folgen für das Medienunternehmen und seine publizistischen Ableger? Gibt es Umstrukturierungen oder droht am Ende gar die Zerschlagung des Konzerns? Caspar Busse trägt die bislang bekannten Fakten zusammen.

6. Würde er doch beim Wetter bleiben!
(deutschlandfunk.de, Arno Orzessek)
Jörg Kachelmann startet einen vierwöchigen Urlaub und werde nach eigenen Angaben in dieser Zeit auch nicht twittern. Für Arno Orzessek eine gute Gelegenheit den Wettergott und dessen „Twitter-Ergüsse“ gebührend zu würdigen: „Liebe Kulturpessimisten und Verächter der sozialen Medien, geben Sie es ruhig zu: Was das rhetorische Vermögen angeht, vereint der Twitterer Kachelmann den Ingrimm des ruhmreichen Kotzbrockens Arthur Schopenhauer mit dem Detailwahnsinn des Buchstabenfexes Jean Paul.“

Kollegahs Würstchen-Mentoring, Empörungslust, DHLs „Fan-Fotos“

1. Exklusiv: Undercover bei Kollegahs Alpha-Armee
(vice.com, Daniel Drepper & Paul Schwenn & Johann Voigt)
Der Rapper Kollegah hat ein Online-Coaching-Programm aufgelegt, das er „Alpha Mentoring“ nennt. Recherchen von „Vice“ und „BuzzFeed News“ zeigen nun, was dahinter steckt — allerlei kruder Unsinn und wilde Verschwörungstheorien: „Unter anderem behauptet er, die Weltordnung sei ein „Pyramidensystem“ und die Menschen an der Spitze bekämen direkte Instruktionen vom Satan höchstpersönlich. Experten, die wir mit unseren Recherchen konfrontieren, nennen das Programm unseriös, sprechen von „klarer Täuschung“, von einer Guru-Bewegung und von Gehirnwäsche.“

2. Leser per Klick anlocken
(sueddeutsche.de, Jacqueline Dinser)
Das österreichische Nachrichtenportal oe24.at ist auf eine Strategie gekommen, die man getrost als Verzweiflungstat einstufen kann: Man zahlt den Nutzerinnen und Nutzern Geld für ihre Klicks, hofft dabei auf mehr Reichweite und höhere Anzeigenerlöse.

3. Wenn Empörung zur Lust wird
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo schreibt über die schwierige Gemengelage von Provokation und Reaktion: „Gegenruhm durch Empörungslust ist gleichzeitig das PR-Konzept der AfD und das Bindeglied zwischen Identität und Öffentlichkeit, es ist aber auch konstitutives Element der sozialen Medien, wie wir sie heute kennen, mit dem sich die Erfolge der Rechten erklären lassen. Gegenruhm durch Empörungslust bedeutet, soziale Anerkennung nicht durch Lobpreisung der eigenen Anhänger zu bekommen, sondern durch wütenden Widerspruch der Gegner.“

4. Wie Überschriften unsere Wahrnehmung von Nachrichten dominieren
(twitter.com, Kevin Kühnert)
Kevin Kühnert weist auf Twitter auf eine Schlagzeile der „Berliner Zeitung“ hin, die eine „neue Hiobsbotschaft“ verkündet: „Entscheidender Techniktest am BER wird verschoben“. Beim näheren Hinklicken wird klar, um welchen Zeitraum es sich dabei handelt, aber lest selbst …

5. Hohn für die Pressefreiheit
(taz.de, Steffen Grimberg)
Vergangenes Jahr behinderte die Polizei auf Betreiben des auf traurige Weise berühmt gewordenen „Hutbürgers“ die Arbeit von Journalisten. Hat die Polizei daraus gelernt, gab es mittlerweile ein Umdenken? Leider nicht, wie Steffen Grimberg findet: „Wer meinte, die Vorkommnisse bei der Pegida-Demonstration in Dresden vor knapp einem Jahr hätten für ein grundsätzliches Umdenken gesorgt oder für eine intensivere Auseinandersetzung mit der Presse- und Berichterstattungsfreiheit in den Schulungen der Bundespolizei, liegt leider falsch.“

6. Das passiert, wenn DHL seine Kund*innen um Fan-Fotos bittet
(jetzt.de)
Der Paketzusteller DHL hat einen Fotowettbewerb gestartet: Unter dem Hashtag #DHLFotowettbewerb sollen Menschen ihr „DHL Fanfoto“ posten. Einsendungen gab und gibt es reichlich. Viele von Menschen, die man nicht unbedingt als „DHL Fans“ bezeichnen würde. „Jetzt“ zeigt einige schöne Beispiele einer verunglückten Social-Media-Kampagne.

(Kein) Türknauf des Todes, Tim K.s Konto, Zu Besuch beim Hetzer

1. Falschmeldung der Polizei auf Twitter: Der Türknauf des Todes kommt vor Gericht
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die Berliner Polizei behauptete auf Twitter fälschlicherweise, bei der Räumung eines Stadtteilladens habe man gerade noch rechtzeitig festgestellt, dass ein Türknauf unter Strom gesetzt worden sei. Wider besseren Wissens war die Korrektur dieser Falschmeldung erst am nächsten Tag erfolgt und habe dadurch nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit bekommen: „Der Spin der Polizei funktionierte: Der Protest gegen die Räumung des Hauses erschien in einem für die Demonstrierenden negativen und gewalttätigen Licht.“

2. Dortmund: Wegen fehlender journalistischer Sorgfalt kassiert die BILD eine einstweilige Verfügung eines Neonazis
(nordstadtblogger.de, Sascha Fijneman & Alexander Völkel)
„Bild“ beziehungsweise der Verlag Axel Springer SE ist vor dem Landgericht Dortmund dem Sänger einer Rechtsrockband unterlegen. „Bild“ habe behauptet, der Sänger sei Mitglied und Führungskader der als rechtsterroristisch eingestuften Neonazi-Organisation „Combat 18“ („Kampfgruppe Adolf Hitler“): „Da jedoch der Axel-Springer-Verlag seine Behauptungen nicht schlüssig durch Quellen belegen konnte und sogar die jeweiligen Aussagen aus den Quellen noch anders darstellte (also nicht ordentlich bzw. falsch zitiert hat), kritisierte das Gericht die mangelhafte journalistische Sorgfaltspflicht bei der Arbeit der BILD-Zeitung.“

3. Mutmaßlicher Facebook-Hetzer nimmt Stellung zu Gewaltaufrufen
(rbb24.de, C. Huppertz & M. Siepmann, Video: 3:37 Minuten)
Der rbb hat einen mutmaßlichen Facebook-Hetzer zu dessen üblen Gewaltaufrufen befragt. Und das ist auf eine gewisse Weise verstörend: Hier steht kein Neonazi mit Glatze, SS-Tätowierung und schwarzen Klamotten auf der Straße, sondern ein ziemlich normaler Bürger. Der sich ohne echte Einsicht windet zwischen „Hab ich gesagt“, „Hab ich nicht gesagt“ und „Hab ich gesagt, aber anders gemeint“. Immerhin will er wohl bei einem seiner Opfer um Entschuldigung bitten, sein Facebook-Profil habe er mittlerweile gelöscht.

4. Lizenz zum Senden
(sueddeutsche.de, Benedikt Frank)
Da der bestehende Rundfunkstaatsvertrag die neuen Mediennutzungen wie Streaming, Sharing, Gaming, Podcasts und andere Netzangebote nicht ausreichend erfasst, soll ein neuer Medienstaatsvertrag folgen. Die Rundfunkkommission hat vor etwa einem Jahr einen Entwurf veröffentlicht und um Bürgerbeteiligung gebeten. Von dieser Möglichkeit haben über 1200 Personen Gebrauch gemacht. Benedikt Frank fasst den derzeitigen Stand zusammen und erklärt, was es mit der ominösen Rundfunklizenz für YouTuber auf sich hat.

5. Wie breitet sich Parkinson im Körper aus? Wie beeinflussen Flugzeug-Kondensstreifen das Klima? Science Media Newsreel1 No. 55
(meta-magazin.org)
Im Wochenrückblick des „Science Media Center“ geht es um die Forschungsergebnisse, über die in letzter Zeit besonders häufig in den Medien berichtet wurde. Diesmal: Studien über mögliche Ausbreitungswege von Parkinson sowie die Auswirkungen von Kondensstreifen auf die Strahlungsbilanz der Erde.

6. Rassistische Videos: Sparkasse kündigt Konto von Rocker Tim K.
(nw.de)
Der Chef eines Rocker-Clubs sowie rechtslastige Ex-Polizist, YouTuber und Buchautor Tim K. wollte anscheinend Geld für ein Nachrichtenportal sammeln und hat dazu seine private Kontoverbindung verwendet. Nun hat ihm die Sparkasse eben jenes private Girokonto gekündigt, unter anderem wegen eines zu befürchtenden „erheblichen Reputationsschadens“. K. wolle gegen die Kündigung juristisch vorgehen.

EuGH zu Afghanistan-Leaks, Falsche Likes, Ballermann-Apokalypse

1. Kein Vertuschen
(taz.de, Christian Rath)
Als die Funke-Gruppe vertrauliche Berichte über die Situation in Afghanistan veröffentlichte, ging die Bundesregierung dagegen juristisch vor und berief sich dabei auf ihr angebliches Urheberrecht. Der Europäische Gerichtshof hat Zweifel, ob es sich bei den „Afghanistan Papers“ um urheberrechtlich einschlägige Werke handelt, und stuft sie eher als „rein informative Dokumente“ ein. Nun müssen die deutschen Gerichte erneut über den Fall entscheiden.
Weiterer Lesehinweis: Arne Semsrott sorgt sich auf netzpolitik.org vor der neuen Entscheidung: „Damit könnte — je nach finalem Urteil des Bundesgerichtshofs — der Staat ermutigt werden, künftig häufiger das Urheberrecht als Mittel der Zensur zu verwenden. Neben dem Verteidigungsministerium nutzten auch das Innenministerium und das Bundesinstitut für Risikobewertung bereits das Urheberrecht, um die Veröffentlichung unliebsamer Berichte zu verhindern.“

2. Analyse enthüllt: Falsche Likes auf Cathy Hummels‘ Instagram-Profil
(t-online.de, Lars Wienand & Martin Trotz & Axel Krüger)
Es ist bekannt, dass man Instagram-Follower kaufen kann, doch nicht nur das: Auf dem grauen Social-Media-Markt lassen sich auch Instagram-Likes erwerben. Mindestens 200.000 dieser Likes sollen auf magische Weise auf Fotos der Influencerin Cathy Hummels heruntergeregnet sein, wie eine Analyse von Social Data Pro ergeben habe.

3. Das Dilemma der Aufdeckung
(deutschlandfunkkultur.de, Anke Schaefer, Audio: 6:34 Minuten)
Der Deutschlandfunk hat sich mit dem irischen Journalisten Derek Scally unterhalten, der einen vielbeachteten und nachdenklichen Artikel über die verstorbene Bloggerin Marie Sophie Hingst verfasst hat. In dem Gespräch wird klar, wie sehr es der Bloggerin, die in Irland lebte, zugesetzt haben muss, dass der „Spiegel“-Artikel über sie auch ins Englische übersetzt worden ist und damit auch in ihrem Gastland lesbar war. Auch die ausführlichen Wikipedia-Einträge über ihre Person, hätten sie sehr belastet.

4. Jetzt wird’s kleinkariert
(djv.de, Hendrik Zörner)
Mit „Jetzt wird’s kleinkariert“ kommentiert Hendrik Zörner die jüngsten Sparmaßnahmen der „Süddeutschen Zeitung“. Dort habe man aus Kostengründen das traditionelle Sommerfest für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgesagt. Außerdem solle den „SZ“-Journalistinnen und -Journalisten der halbe freie Tag am Faschingsdienstag gestrichen werden. Zörner macht eine Gegenrechnung auf: „In den meisten Zeitungsredaktionen liegt die tatsächlich geleistete Arbeitszeit bei 40 bis 45 Stunden pro Woche, also zwischen zehn und 25 Prozent über der tariflich vereinbarten Zeit. Diese Stunden schenken viele Journalisten ihren Verlagen, weil de facto keine Möglichkeit besteht, die Überstunden abzufeiern.“

5. EuGH erlaubt Sam­p­ling
(lto.de)
Man mag es nicht glauben, aber die Musikgruppe Kraftwerk und der Musikproduzent Moses Pelham streiten sich seit 20 Jahren über die Verwendung eines zwei Sekunden andauernden Loops aus einem Kraftwerk-Song. Nun hat der EuGH die Verwendung der Tonsequenz für zulässig erklärt.

6. Ballermann-Apokalypse im ZDF-„Fernsehgarten“
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 3:26 Minuten)
Als am Sonntag über dem Gelände des ZDF-„Fernsehgarten“ während der Übertragung ein Gewitter niederging, dachte man, ein gerechter Gott hätte dem Spuk ein Ende bereitet. Doch weit gefehlt: Die Aktivitäten wurden in die Innenräume verlagert, es kam zu einer Verdichtung des Schreckens. Boris Rosenkranz hat das Grauen in einem dreiminütigen Video zusammengeschnitten.

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