Archiv für 6 vor 9

Querwerfende Querpöbler, Daxens epiphanisches Erlebnis, Blackfacing

1. Beschimpft und beworfen
(taz.de, Peter Weissenburger)
Eigentlich, so würde man meinen, müsste die “Querdenker”-Szene an medialer Aufmerksamkeit interessiert sein – schließlich sorgen Medien dafür, dass die Anliegen nach außen getragen werden. Dies scheint jedoch eher nicht der Fall zu sein: Journalisten und Journalistinnen werden auf “Querdenker”-Demos immer wieder beschimpft und bedroht, mitunter sogar angegriffen. Jüngst musste ein SWR-Reporter seine “Tagesschau”-Schalte abbrechen, weil er und sein Team mit Gegenständen beworfen wurde. Beim SWR kommentiert Intendant Kai Gniffke: “Wenn Demonstranten gleichzeitig mit dem Recht auf freie Berichterstattung Fußball spielen, erscheinen all die pathetischen Reden schal und unglaubwürdig.” Auf Twitter schreibt der “ZVW”-Journalist Alexander Roth: “Was mich so wütend macht, ist dass meine Kolleg*innen und ich in #Stuttgart alleine gelassen wurden. Von einem Staat, der die Arbeit, die wir tun, eigentlich schützen müsste.”
Weiterer Lesehinweis: “Querdenken”-Demo in Stuttgart: Angriffe auf Journalisten, tausende Teilnehmer ohne Masken und Abstände, Stadt und Polizei greifen kaum ein (zvw.de, Alexander Roth).

2. Dax Werners Debattenrückspiegel KW 13
(titanic-magazin.de, Dax Werner)
“Titanic”-Autor Dax Werner gratuliert der “Welt” zum 75-jährigen Bestehen: “So unterschiedlich doof die einzelnen Autor:innen auch sein mögen, eine Sache verbindet sie alle: die Liebe zur Freiheit. Denn das war heute wie vor 75 Jahren schon immer die zentrale Frage aller Paywall-Thinkpieces: Freiheit, was ist das überhaupt für ein Wort? Wie schmeckt sie? Auf welches Gebäude in Berlin-Mitte könnte man es noch einmal bei Nacht projizieren?”

3. Zehn Jahre “Kontext”: “Stuttgart 21” und die Zukunft
(fr.de, Stephan Hebel)
Vor zehn Jahren erschien die erste Ausgabe der alternativen Wochenzeitung “Kontext”. Damals konzentrierte man sich im Wesentlichen auf das Thema “Stuttgart 21”, heute deckt die Zeitung mit einem Team von acht Festangestellten eine breite Reihe von Themen ab. Für die nötige Finanzierung sorgen 1.700 “Soli-Abos”, sowie Mitgliederbeiträge und Lizenzgebühren.

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4. Dieser »Witz« ist Rassismus aus Bequemlichkeit
(spiegel.de, Marc Röhlig)
Marc Röhlig arbeitet einen satirischen Blackfacing-Beitrag des BR auf und macht gleich zwei Übeltäter als Verantwortliche für die Ausstrahlung des misslungenen Sketchs aus: “Ignoranz und Bequemlichkeit. Das sind im Übrigen zwei der Hauptgründe, warum die Deutschen beim so wichtigen Thema Rassismus kaum vorankommen.”

5. Ausspioniert mit einem klaren Ziel
(sueddeutsche.de, Oliver Meiler)
Die Staatsanwaltschaft der sizilianischen Stadt Trapani soll bei ihren Ermittlungen gegen private Seenotretter im zentralen Mittelmeer monatelang Journalistinnen und Journalisten ausspioniert haben, die über Libyen, Migration und NGOs berichteten. Oliver Meiler, Italien-Korrespondent der “SZ”, ordnet die Vorgänge politisch ein.

6. Jubiläum für Ernie und Bert: 50 Jahre “Sesamstraße” in Deutschland
(rnd.de, Martin Weber)
Man kann es sich heutzutage schwer vorstellen, aber als vor 50 Jahren die Puppen aus der “Sesamstraße” die deutschen TV-Bildschirme eroberten, regte sich vielfach Widerstand. Martin Weber erinnert an Ernie und Berts erste Jahre in der Bundesrepublik.
Weiterer Lesehinweis: Unnützes Wissen über die “Sesamstraße”: Warum verschwand Herr von Bödefeld? (rnd.de, Matthias Schwarzer)

#NichtSelbstverständlich, Prinzip Trial & Error, Konsolen-Hilfe

1. “Katastrophaler Notstand”: Joko und Klaas geben Pflegekräften eine Stimme
(rnd.de, Sebastian Heintz)
Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf durften mal wieder das Abendprogramm bei ProSieben gestalten – diesmal aber nicht für die gewöhnlichen 15 Minuten, sondern für mehrere Stunden. Sie nutzten die Zeit, um auf die Situation von Pflegekräften und den “katastrophalen Pflegenotstand” aufmerksam zu machen. Anders als sonst war ProSieben eingeweiht. Dank zweier Sponsoren war der komplette Abend werbefrei. Auch die Konkurrenz reagierte begeistert: Arte schrieb von einem “Stück deutscher Fernsehgeschichte”, RTL gratulierte: “starke Aktion”.

2. ZAPP spezial: Lehren aus “Lovemobil”
(ndr.de, Annette Leiterer, Video: 46:10 Minuten)
Die nötige Aufarbeitung des “Lovemobil”-Debakels geht beim NDR in die nächste Runde. Der Sender hatte den Dokumentarfilm “Lovemobil”, der sich inzwischen als alles andere als rein dokumentarisch entpuppte, mitfinanziert. In einer Spezialausgabe des Medienmagazins “Zapp” spricht Annette Leiterer mit Susanne Binninger, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm, mit Doku-Autor Stephan Lamby sowie mit Anja Reschke, die beim NDR die Abteilung Kultur und Dokumentationen leitet. In der Diskussion geht es unter anderem um die Grenzen des Dokumentarfilms und die Frage, wie groß der Schaden nun ist. Sehenswert, auch weil informative Einspielfilme rund um die Problematiken der Dokumentarfilm-Szene gezeigt werden.

3. Abschied in Freundschaft
(faz.net, Michael Hanfeld)
Die Vorstandsvorsitzende Julia Jäkel verlässt nach vielen Jahren den Verlag Gruner + Jahr (G+J). Michael Hanfeld wirft einen Blick darauf, was Jäkel dort bewegt hat.
Weiterer Lesehinweis: Der “Spiegel” geht der Frage nach, ob Jäkels G+J-Abschied der Vorbote einer Fusion mit RTL ist: Raus aus dem Dschungelcamp (spiegel.de, Isabell Hülsen & Anton Rainer & Alexander Kühn).

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4. Corona, deine Bilder
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
“Jede Krise produziert ihre eigenen ikonographischen Bilder”, schreibt Adrian Lobe. Die Corona-Krise habe aus seiner Sicht “bisher wenige, aber drastische Bildikonen” geschaffen. Lobe plädiert für einen “reflektierten und verantwortungsvollen Umgang der Medien mit solchen Motiven in einer ansonsten bilderarmen Krise”. Nur: “Das gelingt nicht immer.”

5. ARD und ZDF bei YouTube: Das Prinzip Trial & Error
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Auch fernab von ihrem jungen Netzwerk “Funk” seien ARD und ZDF bei Youtube recht umtriebig, schreibt Timo Niemeier bei “DWDL”. Eine allgemeingültige Strategie gebe es aber keine, “teilweise gibt es nicht einmal innerhalb eines Senders die gleiche Vorgehensweise.” Niemeier hat sich angeschaut und umgehört, wie die öffentlich-rechtlichen Sender mit der Videoplattform umgehen.

6. Der 88-Jährige, der einen Aushang machte, um beim Videospielen weiterzukommen
(spiegel.de, Matthias Kreienbrink)
100 Plakate druckte ein älterer Herr und verteilte sie in seiner Nachbarschaft in Berlin-Spandau: “Wer hat Erfahrung mit Playstation-4 ? Ich (88-jährig) möchte gerne das Spiel Skyrim – The Elder Scrolls V spielen, komme aber – an manchen Stellen einfach nicht weiter !/? Wer kann Mir hierbei eine Hilfestellung geben ?” Ein Foto des Aufrufs wurde zum Social-Media-Hit, der Mann bekam die ersehnte Unterstützung an der Konsole. Matthias Kreienbrink hat ihn besucht und erzählt dessen bemerkenswerte Lebensgeschichte.

Maltas China-Connection, Lührssens seltsame AfD-Mission, Atom-Kind

1. Journalistin war mysteriöser China-Connection auf der Spur
(deutschlandfunk.de, Nina Magoley & Isabelle Klein, Audio: 8:43 Minuten)
Die Journalistin Daphne Caruana Galizia hatte sich mit ihren Berichten über Korruption und Geldwäsche von maltesischen Politikern einige Feinde gemacht. Als die mutige Investigativreporterin 2017 mit einer Autobombe getötet wurde, löste dies weltweit Betroffenheit aus. Der maltesischen Regierung gelang es bislang kaum, die genauen Hintergründe des Verbrechens aufzuklären. Man ahnt warum: Ein internationales Team hat Galizias Recherchen wieder aufgenommen und entdeckt, dass sie offenbar Betrügereien hochrangiger maltesischer Politiker auf der Spur gewesen war – inklusive Verbindungen nach China.

2. Hinrich Lührssen verläuft sich auf Unterwanderpfad in die AfD
(uebermedien.de, Sebastian Heidelberger)
Der Journalist Hinrich Lührssen versorgte jahrelang vor allem die Redaktionen von “buten un binnen” (Radio Bremen) und “Stern TV” (RTL) mit lustigen Einspielfilmchen. Im Sommer 2018 stieg Lührssen bei der Bremer AfD ein und war dort sogar Mitglied im Landesvorstand. Nun legt er ein Buch vor, in dem er behauptet, er sei in “geheimer Mission” unterwegs gewesen, als Journalist. Daran bestehen jedoch erhebliche Zweifel. Sebastian Heidelberger hat sich die Sache näher angeschaut. Es ist eine Geschichte voller Widersprüche und Merkwürdigkeiten.

3. RTL plant Format für Klimaberichterstattung – Austausch mit Initiative “Klima vor acht”
(rnd.de)
Die Initiative “Klima vor acht” hatte lange bei der ARD für eine regelmäßige Sendung zur Klimakrise geworben, konnte jedoch bei der Gegenseite, abgesehen von ein paar gefälligen Äußerungen, nichts erreichen. Nun hat RTL reagiert: Zusammen mit dem Verein plane man Ideen für eine Sendung, die Produktion liege in den Händen von RTL.
Weiterer Lesehinweis: Die Pressemitteilung der RTL Mediengruppe Deutschland.

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4. 188 Seiten guter Geschmack
(sueddeutsche.de, Franz Kotteder)
Der Burda-Konzern hat mit dem französischen Restaurantführer “Gault&Millau” einen Lizenzdeal geschlossen und will die Marke über alle denkbaren Kanäle verwerten. Erstes Ergebnis der Kooperation: Die neue Zeitschrift “Gault&Millau”, deren erste Ausgabe gerade erschienen ist. Franz Kotteder hält das Magazin für vielversprechend. Die Mischung sei gelungen, wenn auch mit Abstrichen: “Beim Porträt der Artischocke liegt der Verdacht nahe, dass Wikipedia umfänglich geplündert wurde, um sämtliche Fakten, Zitate und fun facts zu beschaffen – ob man das alles wirklich wissen will, ist fraglich.”

5. “Die Situation vieler Sender ist prekär, teilweise existenzbedrohend”
(medienpolitik.net, Helmut Hartung)
Olaf Hopp ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk und Geschäftsführer von Radio Energy. Im Interview spricht er über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die privaten Radiosender: “Während die Öffentlich-Rechtlichen durch den Rundfunkbeitrag abgesichert sind, haben die Privaten mit massiven Werbeausfällen zu kämpfen. Weitere Maßnahmen von Seiten der Politik sind dringend vonnöten, um das duale System in Deutschland zu schützen und die Medienvielfalt in ihrer jetzigen Form zu erhalten.”

6. Kind twittert von US-Atombehörden-Account
(spiegel.de)
Am Wochenende erschien auf dem Twitter-Account der US-Atombehörde ein rätselhafter Tweet. Fast hätte man denken können, ein Kleinkind hätte die Gewalt über den Atom-Account erlangt und mit tapsigen Fingern irgendwelche Tasten gedrückt. Spoiler: Es war so.

“nd”-Ende?, Milchlobby vs. Bayern3, “Lovemobil”-Verantwortung des NDR

1. nd: Genossenschaft – eine gute Idee?
(mmm.verdi.de, Helma Nehrlich)
Die Tageszeitung “nd” (ehemalige Schreibweise: “Neues Deutschland”) feiert im April ihr 75-jähriges Bestehen, doch Feierlaune wird bei den Mitarbeitenden eher nicht aufkommen: Die Gesellschafter wollen Verlag und Druckerei auflösen. Redaktionssprecherin Haidy Damm spricht im Interview über den aktuellen Stand der Dinge und das womöglich rettende Genossenschaftsmodell.

2. Auf Wunsch der Milchlobby löscht der Bayerische Rundfunk Klimaschutz-Tipps
(volksverpetzer.de, Jan Hegenberg)
Als der Radiosender Bayern3 auf einem Social-Media-Bild empfahl, für einen nachhaltigeren Kaffee die Kuhmilch durch eine pflanzliche Milchalternative zu ersetzen, lief die Milchlobby Sturm. Der bäuerliche Protest war erfolgreich: Der Sender knickte ein und löschte die Grafik. Jan Hegenberg kommentiert: “Sieht also so aus, als sei Kuhmilch bezogen auf Klimaschaden, Landnutzung und Wasserverbrauch die schlechteste der 5 Milchsorten. Warum löscht Bayern 3 also einen aus Sicht der Wissenschaft vollkommen zutreffenden Tipp für nachhaltigere Ernährung? Weil ein paar Lobbyvertreter:innen auf ihrer Facebook-Seite rumgepöbelt haben? Was ist das denn für ein journalistischer Selbstanspruch?”

3. Die letzten Kremlkritiker
(taz.de, Inna Hartwich)
In Russland dominieren die systemfreundlichen Fernsehsender. Eine Ausnahme bildet der Sender TV Doschd: “Seit 2010 macht Doschd das, was andere russische Fernsehsender meiden: Die Jour­na­lis­t*in­nen senden live von Protesten auf der Straße, sie berichten aus Gerichtssälen, wenn Oppositionelle auf der Anklagebank sitzen, sie prangern offen das System Putin an – in einem Staat, der das Fernsehen zur Propagandamaschine umfunktioniert hat und es mit strikten Kontrollen an der kurzen Leine hält.”

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4. KATAPULT MV startet!
(katapult-magazin.de, Benjamin Fredrich)
Nur vier Tage hat es gedauert, bis “Katapult” seine neue Regionalzeitung für Mecklenburg-Vorpommern gecrowdfundet hat: “19.000 € pro Monat sind sicher, und damit fünf Redakteure und Grafikerinnen.” Doch das ist erst Phase eins der hochfliegenden Pläne. In weiteren Ausbaustufen sollen Regionalbüros in größeren und kleineren Städten etabliert und weitere Arbeitsplätze geschaffen werden.

5. Ex-“RP”- und “WZ”-Journalisten starten werbefreies Medium für Düsseldorf
(meedia.de, Thomas Borgböhmer)
Hans Onkelbach und Christian Herrendorf haben bei der “Rheinischen Post” beziehungsweise der “Westdeutschen Zeitung” viele Jahre lokaljournalistische Erfahrungen in Düsseldorf gesammelt. Nun wagen sie den Schritt in die Selbstständigkeit und gründen ein werbefreies Medium für Düsseldorf. Via Crowdfunding sammeln sie Geld für das Projekt: “Wir werden montags bis freitags unseren Leser*innen mit ausgewählten Artikeln neue Perspektiven eröffnen und unterhalten. Dazu gibt es abends unseren Nachrichtenüberblick ‘Düsseldorf in 40 Sekunden’.”

6. “Man muss jetzt nicht so tun, als sei man überrascht”
(dwdl.de, Jan Freitag)
Thorolf Lipp sitzt im Vorstand der AG DOK, dem Berufsverband und der Interessenvertretung im Bereich Dokumentarfilm. Im Interview mit “DWDL” spricht er über den Film “Lovemobil”, in dem statt echter Protagonisten Darsteller eingesetzt wurden, ohne dies kenntlich zu machen. Lipp kritisiert die verantwortliche Regisseurin, sieht aber auch die Verantwortung des an der Produktion beteiligten NDR: “Der Co-Produktionsanteil des NDR betrug knapp 40.000 Euro. Das ist viel zu wenig, um über Jahre einen beobachtenden Film zu drehen. Insofern ist für mich klar, dass der NDR mit einer Aufarbeitung, bei der die Autorin alle Verantwortung trägt, während sich die Redakteure betrogen fühlen wollen, danebenliegt.”

Querdenker-Übergriffe, Media-Tipps für Wissenschaftler, “Trump Slump”

1. Unter Druck
(taz.de, Anne Fromm & Sarah Ulrich)
Vor allem auf Querdenker-Demos kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Journalisten und Journalistinnen. Anne Fromm und Sarah Ulrich fragen: “Wie kann es sein, dass mehr Menschen denn je den Medien vertrauen, Journalist:innen aber gleichzeitig auf so viel Gewalt und Ablehnung stoßen wie noch nie?”

2. Gedanken zum Thema “Media-Beratung” für Wissenschaftler
(publikum.net, Edzard Ernst)
Der Wissenschaftler Edzard Ernst kann auf eine jahrzehntelange Erfahrung mit Medien zurückblicken und verrät seine wichtigsten Ratschläge. Zum Schluss stellt er ein Phänomen fest, das ihm besonders beim omnipräsenten Virologen Hendrik Streeck aufgefallen sei: “Wenn der Wissenschaftler nahezu täglich erscheint, dann fragt sich mein viel-strapazierter ‘gesunder Menschenverstand’: Wann macht dieser Wissenschaftler eigentlich Wissenschaft?”

3. Das Problem der Plagiate wird weiter ignoriert
(netzpolitik.org, Constanze Kurz)
Seit zehn Jahren überprüft eine Gruppe “Plagiatsjäger” im VroniPlag-Wiki Doktorarbeiten, bei denen Zweifel an der wissenschaftlichen Redlichkeit bestehen. Constanze Kurz hat eine lesenswerten Beitrag verfasst, der die Existenzberechtigung des Projekts unterstreicht: “Das Problem, dem sich das VroniPlag-Wiki seit zehn Jahren widmet, ist mitnichten vom Tisch. Es ist nicht einmal kleiner geworden.”

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4. “Ich möchte Menschen nicht als Kulisse verkaufen”
(de.ejo-online.eu, Felix Koltermann)
Der freie Fotojournalist Björn Kietzmann spricht im Interview über die Herausforderungen der Branche, mögliche Zuverdienste und das Arbeiten in schwierigen Umfeldern. Außerdem erzählt er, wie er an Aufträge kommt und welche Bedeutung Bildunterschriften haben.

5. 5 Learnings zum Stand der Blogosphäre im Jahr 2021
(danielfiene.com)
Daniel Fiene organisiert zusammen mit Franziska Bluhm und Thomas Knüwer einmal im Jahr die Verleihung der “Goldenen Blogger”. Für die Vorauswahl habe die Jury mehr als 2000 Projekte gesichtet. Fiene hat daraus seine fünf Beobachtungen abgeleitet.

6. “Trump Slump”: US-Nachrichtenmedien brechen ein
(meedia.de, Nils Jacobsen)
Das Ausscheiden Donald Trumps aus dem Präsidentenamt hat für US-amerikanische Medien teilweise dramatische Folgen: Bei CNN hätten sich die Einschaltquoten halbiert, auch bei der “Washington Post” sei der Traffic eingebrochen. Beim erzkonservativen Fox News seien die Verluste hingegen vergleichsweise moderat ausgefallen.

KW12: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Lovemobil: Dokumentarfilm über Prostitution gefälscht?
(youtube.com, STRG_F, Video: 27:00 Minuten)
Der Film “Lovemobil” hat viele Dokumentarfilmpreise abgeräumt, doch wie sich nun herausstellt, entstand der Film über Prostitution nicht so, wie man es gemeinhin bei Dokumentarfilmen erwartet: Weite Teile sind inszeniert, als Protagonisten wurden Darsteller eingesetzt, die Texte wurden ihnen von der Regisseurin teils in den Mund gelegt. Das Rechercheteam von “STRG_F” ist dem Fall nachgegangen und hat mit den Beteiligten und der Regisseurin gesprochen. In vielerlei Hinsicht sehenswert, auch und gerade wegen der Reaktion der entlarvten Filmemacherin.

2. Höflich bleiben – Zeichen von Respekt oder Unterdrückung?
(play.acast.com, Alice Hasters & Maximiliane Häcke, Audio: 1:08:36 Stunden)
In der aktuellen Folge von “Feuer & Brot” reden Alice Hasters und Maximiliane Häcke über den Faktor Höflichkeit in der Debatte: “Immer schwerer lässt sich erkennen, wem es jetzt tatsächlich um das Inhaltliche geht – und wer von Neid, Schadenfreude oder dem Verlangen nach Aufmerksamkeit getrieben ist. Unter diesen Umständen fragen wir uns: Sollten wir Höflichkeit doch wieder zur Voraussetzung machen? Denn sie hilft, Diskurs sachlich und Persönliches außen vor zu halten.” Hörenswert, weil die Podcasterinnen erklären, Beispiele bringen, sich um Relativierung bemühen und auf der Metaebene bleiben.

3. Datenhandel eröffnet Journalisten in Russland neue Möglichkeiten
(youtube.com, Zapp, Demian von Osten, Video: 10:03 Minuten)
Investigativjournalisten aus Russland haben in letzter Zeit spektakuläre Recherchen angestoßen, ob zur Vergiftung von Alexei Nawalny oder zum persönlichen Umfeld von Wladimir Putin. Ihre Recherchemethoden sind jedoch nicht unumstritten. Im Grunde könne man alle Daten von Russen auf dem Schwarzmarkt kaufen, so einer der wichtigsten Investigativjournalisten des Landes. Demian von Osten hat mit Medienschaffenden und Datenschutzexperten über die verschiedenen Aspekte des russischen Datenhandels gesprochen.

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4. Strukturen mit Helge Fuhst
(dennishorn.de, Audio: 51:20 Minuten)
Dennis Horn unterhält sich im “Innovationstheater”-Podcast mit Helge Fuhst, dem zweiten Chefredakteur von ARD-aktuell. Fuhst ist dort für die “Tagesthemen” zuständig, die er gelegentlich auch moderiert. Im Gespräch geht es um eingerostete Strukturen, um “Silos, Zusammenarbeit und Hierarchien” und um die Fragen, ob alle alles können müssen, wie stark die Abhängigkeit von der Chefetage ist, und wie Fuhsts Redaktion das Thema Innovation angeht.

5. Die dunkle Macht der geheimen Internet-Polizei
(youtube.com, Walulis Story, Video: 12:29 Minuten)
Die “Walulis Story” dreht sich um das seit 2009 schwelende Thema Netzsperren, das fast unbemerkt eine neue Aktualität bekommen hat. “Strukturell urheberrechtsverletzende” Seiten werden beispielsweise gesperrt. Doch wie läuft das Ganze ab? Nach welchen Regeln wird gesperrt? Und wer sperrt da eigentlich? Philipp Walulis hat sich die Sache im bewährten Satire-Stil angeschaut.

6. Die Phrasendrescher Folge 0: Die Vorstellung
(spielverlagerung.de, Tobias Escher & Martin Rafelt & Simon Meier-Vieracker, Audio: 24:56 Minuten)
Beim neuen Podcast “Die Phrasendrescher” wollen Journalist Tobias Escher, Fußballtrainer Martin Rafelt und Sprachwissenschaftler Simon Meier-Vieracker Fußballphrasen analysieren. In der Nullnummer stellen sich die Podcast-Macher aber erstmal vor und erklären, was sie vorhaben: Was sind die Themen? Wie kamen sie auf die Idee? Was sind die sprachlichen Merkmale einer Phrase?

Er ist wieder da, Volksverblödung, Sprechen ohne Sinn für Fußballer

1. Er ist wieder da
(taz.de, Anne Fromm)
Vier Wochen lief das Compliance-Verfahren gegen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt. Zwischenzeitlich war er freigestellt, doch nun ist er wieder da. “Der Vorstand ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht gerechtfertigt wäre, Julian Reichelt aufgrund der in der Untersuchung festgestellten Fehler in der Amts- und Personalführung – die nicht strafrechtlicher Natur sind – von seinem Posten als Chefredakteur abzuberufen”, so die offizielle Verlautbarung. Laut Axel-Springer-Verlag solle sich jedoch die “Führungskultur” bei “Bild” ändern. Reichelt bilde fortan mit Alexandra Würzbach eine Doppelspitze. Außerdem wolle er “eine neue Unternehmenskultur vorleben”.

2. Wie “Welt” und AfD einander die Bälle zuspielen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die AfD und die “Welt” scheinen eine Art symbiotisches Verhältnis zu pflegen: Die AfD liefert Thema, Framing, Zahlen, Zitate, die “Welt” bietet eine Plattform und räumt auf ihrer Onlineseite die Klicks dafür ab. Der Medienkritiker Stefan Niggemeier erklärt anhand eines praktischen Beispiels, wie das Wechselspiel funktioniert.

3. Top Ten der Vergessenen Nachrichten 2021
(derblindefleck.de)
Die Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung hat erneut die zehn Nachrichten beziehungsweise Themen des Jahres gewählt, die aus ihrer Sicht in der medialen Berichterstattung vernachlässigt worden seien – vom Netzwerkdurchsetzungsgesetz und dem NATO-Manöver “Defender 2020” bis zur Armut bei jungen Erwachsenen. Die Lektüre ist nicht nur für Medienschaffende auf Themensuche interessant, sondern lohnt unbedingt auch für alle anderen.

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4. “Hartnäckig sein, selbstbewusst sein und auf das eigene Standing schauen”
(fachjournalist.de, Friederike Schwabel)
Die Germanistin Veronika Schuchter forscht zur Bedeutung des Geschlechts innerhalb der Literaturkritik und ist unter anderem Mitherausgeberin der Online-Zeitschrift literaturkritik.at. Im Interview mit dem “Fachjournalist” spricht sie über Geschlechterverhältnisse in der Literaturkritik, eine mögliche Quotierung und nützliches Networking.

5. »Die reinste Volksverblödung«
(spiegel.de, Laura Ewert)
Wolfgang M. Schmitt und Ole Nymoen haben ein Buch geschrieben, in dem sie mit Influencern abrechnen. Im Interview mit dem “Spiegel” sagen sie: “Wir sehen sie als eine Gefahr für die Demokratie. Wir bewegen uns zusammen mit den Influencern zurück in ein voraufklärerisches Zeitalter, als der Landesfürst zum Bischof sagte: Halt du sie dumm, ich halt sie arm. Influencer übernehmen jetzt beides in Personalunion. Sie dienen dem Konsumkapitalismus und sind nicht an mündigen Followern interessiert, denn das Geschäft macht man mit jenen, die blind folgen, also liken und kaufen.” Im Gespräch nehmen die beiden Autoren, ähnlich wie in ihrem Podcast, kein Blatt vor den Mund.

6. “Gefühle, wo man nur schwer beschreiben kann”: So lernen Fußballstars, in TV-Interviews nichts zu sagen
(rnd.de, Imre Grimm)
“Warum klingt fast jedes Interview nach einem Fußballspiel so banal? Woher kommt die sinnlose Leersprache?” Imre Grimm ist sich sicher: Das kann man nur in einem geheimen Floskelinstitut lernen! Zum Beispiel in Seminaren wie “Sprechen ohne Sinn – So gebe ich Interviews, ohne den Trainer zu verärgern und zur Lachnummer zu werden”. Grimms satirische Lektionen für Jungfußballer sind eine gute Vorbereitung auf das anstehende Fußballwochenende.

Katastrophe für den Dokumentarfilm, historische Floskel, MV-“Katapult”

1. Die “authentischere” Realität
(taz.de, Peter Weissenburger)
Peter Weissenburger kommentiert die in großen Teilen geskriptete und inszenierte NDR-Doku “Lovemobil” über Sexarbeiterinnen: “Am Ende ist es eine Katastrophe für den Dokumentarfilm und das Vertrauen zwischen Filmemacher*in­nen und Redaktionen. Vor allem aber für Debatten über Sexarbeit. Die sind ohnehin verzerrt von klischierten fiktionalen Darstellungen. Wenigstens dem, was sich als Fakt verkauft, sollte man trauen können.”
Weiterer Lesehinweis: “Lovemobil”-Macherin gibt Dokumentarfilmpreis zurück (dwdl.de, Uwe Mantel).

2. NYT-Korrespondentin: “Stimmung in den Medien gekippt”
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 5:16 Minuten)
Der Deutschlandfunk hat sich mit Melissa Eddy, der Deutschland-Korrespondentin der “New York Times”, über ihre Sicht auf die hiesige Corona-Berichterstattung unterhalten. Eddy stellt einen Wandel in der medialen Debatte über die Pandemiebekämpfung fest: Anfangs sei die Diskussion nicht so politisch geführt worden, nun habe sich die Stimmung gedreht.

3. historisch
(journalist.de, Sebastian Pertsch & Udo Stiehl)
Sebastian Pertsch und Udo Stiehl stellen im “journalist” regelmäßig Floskeln vor, die sie nerven. Diesmal ist es das kleine Wörtchen “historisch”: “Was häufig bei diesen Verknappungen auf ‘historisch’ fehlt: Was ist denn nun so bedeutsam an der genannten Historie? Besser ergänzen und präzisieren! Zum Beispiel: Stärkster Schneefall in Madrid seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Juventus Turin zum 20. Mal im italienischen Pokal-Finale. Historisch bedeutsamer Einbruch der deutschen Wirtschaft im Jahr 2020. Wird das Adjektiv ‘historisch’ ohne Erklärung gebraucht, ist es eine nichtssagende Nullnummer.”

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4. Sorglos hassen
(faz.net, Fridtjof Küchemann)
Dem britischen “Guardian” wurde ein dreihundert Seiten starker Auszug aus den Richtlinien für Facebook-Moderatoren zugespielt, der zeigt, wie halbherzig der Social-Media-Konzern gegen Hassrede vorgeht. Fridtjof Küchemann schreibt dazu: “Selbst wenn einem der Facebook-Definition gemäß Prominenten der Tod gewünscht wird, überschreitet das erst dann eine Grenze, wenn der Angefeindete darin getaggt, also auf eine Weise markiert worden ist, die ihn unmittelbar auf diesen Beitrag hinweist. Was ein solcher Aufruf vielleicht gerade dann für die Sicherheit eines Betroffenen bedeuten kann, wenn er nicht direkt auf die Notiz gestoßen wird, ist Facebook offenbar gleichgültig.”
Weiterer Lesehinweis: “Das Bundeskartellamt will das Datensammeln von Facebook einschränken. Ob es das darf, sollten Richter in Düsseldorf klären. Doch die reichen den Fall erst mal weiter.” Facebook ist zu groß für Düsseldorf (zeit.de, Ann-Kathrin Nezik).

5. Newsletter Netzwerk Recherche, Nr. 195 vom 24.3.2021
(netzwerkrecherche.org, Kuno Haberbusch & Albrecht Ude)
Am 1. April feiert das Netzwerk Recherche (nr) seinen 20. Geburtstag. Im aktuellen nr-Newsletter blicken Kuno Haberbusch und Abrecht Ude auf die Gründungszeiten zurück: “Damals und heute – vieles hat sich verändert. Und manches war damals noch gar kein Thema, ist aber heute relevant und unverzichtbar. Zum Beispiel, wie der Digital-Journalismus unsere Branche bereichert, spannende Projekte liefert. Oder das Engagement für gemeinnützigen Journalismus. Oder die Bemühungen, gemeinsam mit vielen anderen die Medienkompetenz für Schüler zu stärken. Aber auch, für verbesserte Auskunftsrechte durch entsprechende Informationsfreiheitsgesetze zu kämpfen. Alles Themen und Herausforderungen, die zum Alltag unseres Vereins gehören.”

6. Warum jetzt ein regionales KATAPULT?
(katapult-mv.de, Benjamin Fredrich)
Die umtriebigen Herausgeber des “Katapult”-Magazins wollen in Mecklenburg-Vorpommern den Regional- beziehungsweise Lokalzeitungsmarkt aufmischen: “Viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern haben in ihrer Region nur eine einzige Regionalzeitung. Wenn’s schlecht läuft, ist es der fremdenfeindlich arbeitende Nordkurier. Wir wollen die Monopolstellung dieser Zeitung brechen und die dringend notwendige journalistische Vielfalt in die Region zurückholen! Deshalb gründen wir die neue Lokalzeitung KATAPULT MV.”

RT Deutsch hat Expansionspläne, Extremismusforscher, Teurer Tweet

1. RT DE will Online-Sender zum Fernsehkanal ausbauen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:59 Minuten)
Der vom russischen Staat bezahlte Auslandssender RT Deutsch produziert in Berlin-Adlershof deutsche Inhalte fürs Internet. Doch nun soll aus dem Youtube-Sender, der regelmäßig durch einseitige Berichterstattung oder Desinformation auffällt, ein echter Fernsehkanal werden. Das wirft Fragen auf, denn die dafür notwendige Sendelizenz dürfe laut Medienstaatsvertrag nicht an staatlich finanzierte Betreiber vergeben werden.

2. “Auf Facebook wird wenigstens gestritten”
(zeit.de, Tanya Falenczyk)
Jakob Guhl ist Extremismusforscher und untersucht in London am Institute for Strategic Dialogue, wie Hass und Radikalisierung im Internet entstehen. “Zeit Online” hat ihn im Interview unter anderem gefragt, ob es etwas bringt, radikale Stimmen von Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter zu verbannen. Guhl ist hin- und hergerissen: “Ich glaube, Deplatforming ist nur ein Werkzeug in einem ganzen Werkzeugkasten. Dass Plattformen ihr Hausrecht nutzen und radikale Accounts sperren, finde ich richtig, wenn es eben transparenter wird. Aber wir brauchen online auch Gegenrede, im Kommentarbereich und im direkten Austausch.”

3. Doch, PCR-Tests weisen Infektionen nach – und Christian Drostens Doktorarbeit gibt es
(correctiv.org, Till Eckert)
In Corona-Leugner- und “Querdenker”-Kreisen wird oft der Vorwurf erhoben, PCR-Tests würden keine Infektionen nachweisen, und der Virologe Christian Drosten sei eigentlich “gar kein Doktor”. Dank Social Media schwappen die Meldungen auch in andere Kreise und sorgen dort für Verunsicherung. “Correctiv” hat in einem Faktencheck beide Behauptungen geprüft: Sie sind, wenig überraschend, falsch.

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4. US-Forscher*innen verlangen Anpassung des Urheberrechts während der Pandemie-Notlage
(irights.info, Georg Fischer)
Mehr als 100 Organisationen sowie knapp 150 Einzelpersonen fordern in einer gemeinsamen Erklärung an die Welthandelsorganisation einen flexibleren Umgang mit Urheberrechten während der Pandemie. “Der Zugang zu wissenschaftlichem Wissen sei essentiell, um die Pandemie auf globaler Ebene zu bekämpfen, so die Erklärung. Die Regelungen geistigen Eigentums in vielen Ländern, darunter vor allem Urheber- und Patentrechte, würden diesen Zugang jedoch erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen.”

5. RSF klagt gegen Facebook
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen kritisiert Facebooks Umgang mit Hassrede und Desinformation und hat bei der Pariser Staatsanwaltschaft Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Der Klagegrund: “Betrügerische Geschäftspraktiken”. Die in den Nutzungsbedingungen und Gemeinschaftsstandards getroffenen Zusagen zum Verbraucherschutz würden größtenteils nicht eingehalten. Facebook habe beispielsweise zugelassen, dass sich Falschinformationen im Kontext der Covid-19-Pandemie sowie Hasskommentare und Drohungen gegen Medienschaffende ungehindert verbreiteten.

6. Erster Tweet der Welt bringt bei Auktion fast drei Millionen Dollar
(spiegel.de)
Der Twitter-Mitgründer und heutige Firmenchef Jack Dorsey hat seinen ersten Tweet – genauer: die digitale Originalkopie davon – für gut 2,9 Millionen US-Dollar versteigern lassen. Dorsey hatte am 21. März 2006 geschrieben: “just setting up my twttr”. Der Auktionserlös kommt einer Organisation zugute, die arme Menschen auf dem afrikanischen Kontinent unterstützt.

Fakemobil, Aserbaidschan-Affäre, “Klima vor acht”

1. NDR distanziert sich vom Dokumentarfilm “Lovemobil”
(ndr.de)
Der NDR distanziert sich von dem preisgekrönten (und vom NDR mitproduzierten) Kino-Dokumentarfilm “Lovemobil” der Autorin Elke Margarete Lehrenkrauss. Der Film zeigt das Leben von Prostituierten, die unter entwürdigenden Umständen in Wohnmobilen am Rande von Bundesstraßen arbeiten. Wie sich nun herausstellt, sind viele der gezeigten Szenen mit Darstellern inszeniert worden. Die Autorin versucht, ihr Vorgehen mit einem bemerkenswerten Statement zu rechtfertigen: “Ich kann mir auf jeden Fall nicht vorwerfen, die Realität verfälscht zu haben, weil diese Realität, die ich in dem Film geschaffen habe, ist eine viel authentischere Realität.”

2. Aserbaidschan-Affäre: Der Diktator, die CDU, der Moderator und das Geld
(vice.com, Felix Dachsel & Robert Hofmann)
Ein gekaufter Berliner Lokalsender, eine selbsternannte Journalistenlegende und ein seltsames Lobby-Unternehmen sind die Hauptbeteiligten in dieser atemberaubenden “Vice”-Geschichte über die Aserbaidschan-Affäre. Und natürlich die Unions-Abgeordneten, die sich von den aserbaidschanischen Lobbyisten haben umgarnen lassen.

3. “Jens Spahns Ehemann” – “Spiegel” bedauert irreführende Überschrift
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Der “Spiegel” erzeugte in einer Überschrift den Eindruck, dass der Ehemann von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine Firma besitzt, die Masken an das Gesundheitsministerium verkaufte. Nach viel Kritik änderte das Nachrichtenmagazin die Überschrift um in: “Arbeitgeber von Spahns Ehemann verkaufte Masken ans Gesundheitsministerium” und begründet dies gegenüber “Meedia” wie folgt: “Wir verstehen, dass die ursprüngliche Überschrift für sich genommen einen missverständlichen Eindruck erzeugen kann. Deshalb haben wir sie am Sonntag gegen 21.50 Uhr geändert und bedauern, falls bei Leserinnen und Lesern ein falscher Eindruck entstanden sein sollte. Gleichwohl stand von Anfang an im Vorspann des Artikels unmissverständlich, dass es um die Burda GmbH geht, und Herr Funke als Leiter der Hauptstadtrepräsentanz des Unternehmens dessen Angestellter ist.”

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4. Was die ARD unter “sehr, sehr viel Klima-Berichterstattung” versteht
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die Initiative “Klima vor acht” wünscht sich von der ARD mehr Klimaberichterstattung, ein geeigneter Zeitpunkt seien die Minuten vor der “Tagesschau”, die derzeit von den kurzen “vor acht”-Sendungen genutzt werden. Der zuständige Koordinator wiegelt ab: Klimaschutz sei elementarer Bestandteil der “vor acht”-Sendungen. Nun haben die Aktivisten von “Klima vor acht” die Themenangaben aller 227 Sendungen des Jahres 2020 ausgewertet.
Weiterer Lesehinweis: Die Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und Stefan Rahmstorf, die Klimaforscherin Insa Thiele-Eich, der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker und der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke haben sich mit einem Offenen Brief an die ARD gewandt: “Lieber Herr Buhrow, nehmen Sie eine Vorreiterrolle in der deutschen TV-Landschaft ein: Lassen Sie ein Format wie ‘Klima vor acht’ entwickeln und umsetzen, und geben Sie ihm einen guten Sendeplatz – zum Beispiel unmittelbar vor der Tagesschau!”

5. TV und YouTube – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert
(dwdl.de Uwe Mantel)
Für viele Medien ist es eine vertrackte Situation: Wenn man die eigenen Filme auf Youtube stellt, erreicht man mehr Menschen, stärkt aber auch den eh schon dominanten Konkurrenten im Bewegtbildmarkt. Darüber hinaus stellen sich weitere Fragen: Ist es medienpolitisch erwünscht beziehungsweise erlaubt, dass die Öffentlich-Rechtlichen für Plattformen kommerzieller US-amerikanischer Anbieter produzieren? Immerhin wurden die Inhalte mit öffentlich-rechtlichen Geldern bezahlt. Um diese und um weitere damit in Zusammenhang stehende Fragen geht es in den nächsten Tagen bei “DWDL”.

6. “Inzidenz-Starrsinn”: Wie “Bild” im Vorfeld des Bund-Länder-Gipfels Stimmung für offene Kitas und Schule macht – mit Erfolg
(news4teachers.de)
“News4Teachers” kritisiert die Corona-Berichterstattung der “Bild”-Redaktion zu Kitas und Schulen: “Das Blatt schreibt: ‘Zwar werden bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren seit der letzten Februarwoche mehr Ansteckungen gemessen. Aber das liegt unter anderem an massenhaften Tests. Denn seit einigen Wochen dürfen Schüler bestimmter Jahrgänge wieder zur Schule gehen. In vielen Klassenzimmern und Turnhallen wird seitdem intensiv getestet.’ Fakt hingegen ist: Zwar hat die Ministerpräsidentenkonferenz flächendeckende Tests von Schülerinnen und Schülern vor zwei Wochen beschlossen – tatsächlich aber haben die Kultusministerien diesen Beschluss in der Praxis kaum umgesetzt.”

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