Archiv für 6 vor 9

Kochbuchautor goes Antisemitismus, Prinzenfonds, Mallorca-Touristen

1. Attila Hildmann gibt Juden die Schuld – und verteidigt Hitler
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
„Tagesspiegel“-Autor Sebastian Leber berichtet über einen Fall von Antisemitismus im Netz. Der Berliner Kochbuchautor Attila Hildmann behaupte, jüdische Familien würden die „deutsche Rasse auslöschen“ wollen. Neben seinen antisemitischen Ausfällen verbreite Hildmann verstärkt Reichsbürger-Ideologie. Bei der Polizei seien bereits mehrere Strafanzeigen gegen Hildmann eingegangen.
Weiterer Lesehinweis: „Justizministerin Lambrecht verschärft den Kampf gegen strafbare Hetze im Netz mit einem weitreichenden Gesetz. Die Maßnahmen könnten helfen, bergen aber auch Gefahren.“ Max Hoppenstedt analysiert für den „Spiegel“ das neue Gesetz gegen Hate Speech. Der Deutsche Journalisten-Verband hat ebenfalls Bedenken und kritisiert das Antihassgesetz als „Schlag gegen den Informantenschutz und das Redaktionsgeheimnis“.

2. Der Prinzenfonds
(fragdenstaat.de)
Nach Angaben von „FragDenStaat“ geht der Hohenzollern-Vertreter Georg Friedrich Prinz von Preußen mit Abmahnungen und Klagen gegen aus seiner Sicht unerwünschte Berichterstattung vor – vor allem in Zusammenhang mit der Erforschung der Rolle der Hohenzollern im Nationalsozialismus und daraus resultierenden Auswirkungen auf die Entschädigungsforderungen der Familie. Georg Friedrich Prinz von Preußen habe in den vergangenen Jahren dutzende Personen aus Wissenschaft, Journalismus und Politik für Äußerungen zur Geschichte und Gegenwart der Hohenzollern abgemahnt und verklagt. „FragDenStaat“ hat daraufhin einen Rechtshilfefonds für Betroffene gegründet, der sich vor allem über Spenden trägt.

3. Theodor-Wolff-Preis für Hans-Georg Gottfried Dittmann, Katja Füchsel, Tina Kaiser, Katrin Langhans und Julia Schaaf
(bdzv.de)
Der Theodor-Wolff-Preis wird vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) ausgeschrieben und ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Die fünf Preise zu je 6.000 Euro gehen dieses Jahr an Julia Schaaf („FAS“), Hans-Georg Gottfried Dittmann („Mindener Tageblatt“), Katja Füchsel („Tagesspiegel“), Tina Kaiser („Welt am Sonntag“) und Katrin Langhans („Süddeutsche Zeitung“). An der Ausschreibung hätten sich 401 Journalistinnen und Journalisten beteiligt.

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4. nr-Jahresbericht 2019
(netzwerkrecherche.org, Franziska Senkel)
Beim Netzwerk Recherche geht es vor allem um die „Förderung der Bildung durch Vermittlung von Recherchetechniken, Vermittlung von Wissen über professionelle Recherche zur Qualitätssteigerung der Medienberichterstattung, Erfahrungsaustausch über investigativen Journalismus“. Der Blick in den aktuellen Jahresbericht (PDF) ist auch für Nicht-Mitglieder interessant.
Weiterer Teilnahmehinweis: Heute und morgen findet die normalerweise analoge Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche als Webinarreihe statt. Das Thema in diesem Jahr: „Corona und wir – Wie das Virus unsere Arbeit verändert“. Eine Anmeldung ist nötig, die Teilnahme ist kostenlos.

5. So hat Kurzgesagt-Gründer Philipp Dettmer mit Erklärvideos eine Milliarde Views gemacht
(omr.com, Torben Lux, Audio: 1:02:41 Stunden)
Beim „OMR“-Podcast ist Philipp Dettmer zu Besuch, der Gründer des erfolgreichen Youtube-Kanals „Kurzgesagt“. Hinter dem Kanal mit meist zehnminütigen Erklärvideos stecke ein mittlerweile 35-köpfiges Team. Vor sieben Jahren gegründet, habe „Kurzgesagt“ inzwischen 12,2 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten und über eine Milliarde Views. Im Gespräch verrät Dettmer das dahinterstehende Geschäftsmodell und erklärt, welche Themen am besten funktionieren und weshalb „Kurzgesagt“ von der Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt wird.

6. Mallorca-Touristen begeistert von Medien empfangen
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 2:34 Minuten)
„Lockdown beendet: Anfang der Woche durften die ersten Urlauberinnen und Urlauber wieder nach Mallorca fliegen. Allerdings könnte es sein, dass die meisten ‚Urlauber‘ dort einfach Journalistinnen und Journalisten sind.“ Boris Rosenkranz hat das mediale Mallorca-Geplapper in ein zweieinhalbminütiges Video gegossen.

„Müll-Kolumne“ der „taz“, Selbstdarstellung, Polizeimeldungen

1. Eine Kolumne der „taz“ polarisiert auch in der eigenen Redaktion
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner & Alexander Fröhlich)
In der „taz“ erschien eine Kolumne, in der die Autorin zu dem Schluss kam, dass Polizeibeamte am besten auf einer „Mülldeponie“ aufgehoben seien, „wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“ Der Beitrag habe für vielerlei Reaktionen gesorgt – zahlreiche Leser und Leserinnen seien irritiert bis entsetzt gewesen über diese besondere Form von Hatespeech. Auch in der „taz“ sei intern heftig darüber gestritten worden.
Weiterer Lesehinweis: Boris Rosenkranz hat für „Übermedien“ bei der „taz“ nachgefragt und eine irritierende Antwort erhalten: „taz“ verteidigt Müll-Kolumne.
Die „taz“-Redaktion hat sich mittlerweile auch in ihrem Hausblog zu dem Fall geäußert. Sie begrüße es, „dass wir nun eine breite gesellschaftliche Debatte um Polizeigewalt und Rassismus führen. Wir hätten uns dies schon früher gewünscht.“ Eine Formulierung, die beim „6 vor 9“-Kurator den Eindruck von Uneinsichtigkeit, trotziger Missachtung der eigentlichen Problematik und staatstragender Selbstbeweihräucherung aufkommen lässt.

2. Mom & dad: I finally have a video that explains what I do for a living
(twitter.com, Roman Höfner, Video: 1:48 Minuten)
Auf Twitter verrät „Spiegel“-Journalist Roman Höfner seinen Eltern und uns allen, wie er und sein Rechercheteam bei der Enthüllung über Philipp Amthor vorgegangen sind. In einem kurzen Video kann man sehen, mit welchen kleinen, aber effektiven detektivischen Tricks die Orts- und Zeitangaben von Fotos ermittelt wurden.

3. Polizeimeldungen: Schuldlose Autofahrer?
(ndr.de, Gudrun Kirfel, Video: 5:25 Minuten)
Polizeimeldungen über Verkehrsunfälle seien oft aus der Perspektive der Autofahrerinnen und Autofahrer verfasst, so der Vorwurf von Fuß- und Radfahrverbänden. Darin bestätigt werden sie beispielsweise vom Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch. Es könne leicht der Eindruck entstehen, dass es in den Polizeimeldungen eine Schuldzuweisung an Fußgängerinnen und Fußgänger beziehungsweise Radfahrerinnen und Radfahrer gebe. Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ hat einige Polizeimeldungen untersucht und wollte sich mit den verantwortlichen Polizeidirektionen darüber unterhalten. Dort, wie auch beim Landespolizeiamt, habe man jedoch keinen Redebedarf gesehen.

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4. Die fast perfekte Selbstdarstellung eines Kanzlers
(deutschlandfunk.de, Srdjan Govedarica, Audio: 4:39 Minuten)
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz lässt sich bei seinen öffentlichen Terminen gerne von einem eigenen Fotografen begleiten, der für PR-wirksames Bildmaterial sorgt. Diese idealtypischen und geschönten Aufnahmen sorgen gelegentlich für Kopfschütteln, wie jüngst bei einem Termin im Kleinwalsertal, bei dem sich die realen Verhältnisse gänzlich anders darstellten als durch die Kurz-Bilder erahnbar.

5. So weiblich war das Handwerk beim Fernsehpreis noch nie
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Beim Deutschen Fernsehpreis hat man das Kategoriesystem ausgeweitet, mit positiven Folgen für die Sichtbarkeit von Frauen im Filmbusiness. In neun von zwölf Handwerkskategorien (beispielsweise Schnitt, Drehbuch, Ausstattung) habe es Auszeichnungen für Frauen gegeben: „Es sind diese Kategorien, die in der Vergangenheit oft nicht berücksichtigt wurden. Durch die Neuaufstellung des Deutschen Fernsehpreises werden auch hier endlich besondere Leistungen geehrt.“

6. „Otto – Der Film“ und die Rassismus-Frage: Warum der Film heute so verstörend ist
(tip-berlin.de, Jacek Slaski)
Jacek Slaski hat sich mit seinem zehnjährigen Sohn die Comedy-Klamotte „Otto – Der Film“ aus dem Jahr 1985 angeschaut. Der Ausflug in die eigene Kinobesucher-Vergangenheit sei ein eher verstörendes Erlebnis gewesen: „Der Humor ist seltsam gealtert, die infantilen Gags sitzen stellenweise, doch die Klischees, die Otto bedient, sind aus der Zeit gefallen.“ Slaski stört sich vor allem an den rassistischen Klischees: „Es mag ja sein, dass er mit den Gags auf den unterschwelligen Rassismus in der bundesdeutschen Wirklichkeit der 1980er-Jahre hinweisen wollte. Aber es geschieht mit einer Plumpheit, die heute einfach nicht mehr zeitgemäß ist und daher besteht Redebedarf.“

Polizei-Kolumne der „taz“, Raabs diskriminierende Clips, Kein Porno

1. Jugendliche informieren sich bei Instagram über Corona
(spiegel.de, Anton Rainer)
Deutsche Jugendliche würden laut „Reuters Institute Digital News Report“ immer stärker auf Instagram als Nachrichtenquelle zurückgreifen. Anton Rainer hat den Report gelesen und stellt einige interessante Erkenntnisse zu Mediennutzung und Vertrauen vor: „Fast allen Zeitungen, Verlagen, Sendeanstalten und Medienhäusern wurde 2020 eher misstraut als noch vor einem Jahr. Nirgends aber zeigt ist der Zweifel so groß wie bei der ‚Bild‘-Zeitung. 58 Prozent der Befragten sagen, sie vertrauten dem Boulevardblatt nicht.“

2. „Kinderpornographie“ – kein Porno, sondern Missbrauch
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 1:40 Minuten)
Im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch ist oft auch von „Kinderpornographie“ die Rede. Stefan Fries erklärt im Deutschlandfunk, warum er den Begriff für ungeeignet hält: „Unter Pornographie verstehen wir vor allem Videos und Fotos, die Sex zeigen. Die Aufnahmen dazu entstehen normalerweise freiwillig, die Herstellung ist erlaubt und der Kauf auch. Bei ‚Kinderpornographie‘ trifft nichts davon zu.“

3. Polizeigewerkschaft erstattet Strafanzeige gegen „taz“
(faz.net)
In einer Kolumne hat eine „taz“-Autorin über die Abschaffung der Polizei sinniert und verschiedene mehr oder weniger launige Gedanken über die alternative Verwendung der dort Beschäftigten ausgebreitet. Am Ende rät sie dazu, die Polizisten und Polizistinnen auf einer Mülldeponie unterzubringen („Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“). Daraufhin habe die Deutsche Polizeigewerkschaft Strafanzeige gegen die „taz“ erstattet.
Weiterer Lesehinweis: Marc Felix Serrao schreibt in seinem „NZZ“-Kommentar: „Man möchte im Sinne der ‚TAZ‘ annehmen, dass es auch Redaktorinnen und Redaktoren gibt, die diesen Text so furchtbar finden wie viele ihrer Leser. Bis auf weiteres ist es ein trüber Tag für alle, die diese Zeitung regelmässig und gerne lesen, sei es aus weltanschaulicher Überzeugung oder um sich an den oft genug geistreichen Gegenpositionen zu reiben.“

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4. Gruner + Jahr meldet für Stern-Redaktion Kurzarbeit an
(meedia.de)
Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr soll bei der Bundesagentur für Arbeit um Hilfe für den „Stern“ angefragt und Kurzarbeit beantragt haben. Diese betreffe die gesamte Redaktion, die Maßnahme soll jedoch monatsweise überprüft und nötigenfalls verlängert werden. Grund seien die massiv weggebrochenen Werbeeinnahmen.

5. Account einer „Hassorganisation“ darf gelöscht werden
(urheberrecht.org)
Facebook darf den Account einer Organisation schließen, wenn diese als „Hassorganisation“ im Sinne der Gemeinschaftsstandards betrachtet werden kann, so eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Dresden zum „virtuellen Hausrecht“. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Aufnahme in das Netzwerk bestehe auch dann nicht, wenn dieses eine monopolartige Stellung besitze.

6. Diskriminierung im Fernsehen: Reden wir mal über Stefan Raab
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Nachdem Streaminganbieter wie Netflix und HBO mehrere diskriminierende Serien und Filme aus dem Programm genommen haben, sollte sich die deutsche TV-Branche ebenfalls den Sünden der Vergangenheit stellen, fordert Matthias Schwarzer. Er denkt dabei vor allem an das Œuvre von Stefan Raab, der sich in den 2000er-Jahren an homofeindlichen Klischees abgearbeitet habe. Schwarzer schlägt bei derartigem Videomaterial zumindest eine Hinweistafel vor und hat dafür auch einen Formulierungsvorschlag parat: „Hier sehen Sie einen der größten deutschen Entertainer, wie er 4:33 Minuten lang Lesben und Schwule beleidigt. Historischer Kontext: Das hat man im Jahr 2001 hier so gemacht.“

„Probleme bei der Rechteklärung“, Ver­un­glimp­fung von Frauen, Burda

1. Warum die ARD „Wuhan – Chronik eines Ausbruchs“ kurzfristig abgesetzt hat
(spiegel.de, Klaus Raab)
Gestern Abend sollte im Ersten die SWR-Doku „Wuhan – Chronik eines Ausbruchs“ ausgestrahlt werden. Die Produktion war im Vorfeld stark kritisiert worden, vor allem wegen der Verwendung von Filmmaterial einer chinesischen Propagandastelle. Nun kam es zu einer kurzfristigen Absetzung des Films, bei der vor allem die Begründung überraschte: Es gebe „Probleme bei der Rechteklärung“. Klaus Raab erklärt, was es damit auf sich hat.

2. Ver­un­glimp­fung von Frauen kann Volks­ver­het­zung sein
(lto.de)
Ein Mann hatte auf seiner Internetseite Frauen in zahlreichen Beiträgen als „Menschen zweiter Klasse“, „minderwertige Menschen“ und „den Tieren näherstehend“ bezeichnet und war dafür zunächst wegen Volksverhetzung verurteilt, danach jedoch freigesprochen worden. Nun hat das Oberlandesgericht Köln den Freispruch aufgehoben. Hauptanwendungsbereich der Volksverhetzung sei zwar immer noch rechtsradikale Hetze gegen Minderheiten, diskriminierende Äußerungen gegen Frauen seien jedoch auch vom Tatbestand erfasst.

3. RTL startet neuen Sender für Kinder
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 4:47 Minuten)
In Deutschland existieren zahlreiche Radiosender, doch das Hörfunkangebot für Kinder ist relativ begrenzt. Nun will Super RTL mit seinem neuen Sender Toggo die Lücke schließen. Doch wie groß ist der Markt eigentlich? Zumindest bei den Öffentlich-Rechtlichen habe man das Angebot reduziert: Der Kinderradiokanal KiRaKa sei vergangenes Jahr eingestellt worden, das bekannte Kindermagazin „Kakadu“ gebe es nur noch digital auf Abruf. Michael Borgers hat bei einem Experten für Kinderradio nachgefragt.

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4. Nichtrassistische Sprache: Abschied von Blacklist und Whitelist
(heise.de, Matthias Parbel)
In der Softwareentwickler-Szene gebe es derzeit Diskussionen, wie man sich im Sinne einer diskriminierungsfreien Sprache von althergebrachten Fachtermini wie „Master“ und „Slave“ oder „Blacklist“ und „Whitelist“ lösen kann. Ganz neu seien die Vorstöße jedoch nicht. Beispielsweise habe das Drupal-Projekt bereits 2014 entsprechende Neudefinitionen vorgenommen, denen sich andere Entwicklerinnen, Entwickler und Teams angeschlossen hätten.

5. Newsletter Netzwerk Recherche, Nr. 186, 15.06.2020
(netzwerkrecherche.org, Daniel Drepper & Albrecht Ude)
Das Netzwerk Recherche widmet sich vornehmlich der „Förderung der Bildung durch Vermittlung von Recherchetechniken, Vermittlung von Wissen über professionelle Recherche zur Qualitätssteigerung der Medienberichterstattung, Erfahrungsaustausch über investigativen Journalismus“. Der Verein wird in der Branche für seine Jahreskonferenz geschätzt, eine Art Pflichtveranstaltung für Journalisten und Journalistinnen mit und ohne Rechercheambitionen. Und gelegentlich gibt es einen Newsletter, der eine wahre Fundgrube an weiterführenden Links und spannenden Beiträgen ist und allen Medieninteressierten ausdrücklich empfohlen werden kann.

6. Burda erweckt Fake-Tochter von Prinzessin Diana zum Leben
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Regenbogenpresse-Experte Mats Schönauer macht auf einen besonders beschämenden Fall von Betrug an Leserinnen und Lesern aufmerksam: Die Burda-Zeitschrift „Freizeit Spaß“ präsentiert die angebliche Tochter von Prinzessin Diana („Lady Di“) und spricht dabei von einer „sensationellen Enthüllung“. Sensationell ist dabei jedoch höchstens, wie scham- und gewissenlos die Geschichte zusammengebaut und zusammengelogen wurde.

Billiger Ruf nach härteren Strafen, Umstrittene Wuhan-Doku, Irrglaube

1. Härter, härter, härter
(diekolumnisten.de, Heinrich Schmitz)
Der Jurist Heinrich Schmitz kommentiert die neue „Bild“-Kampagne für höhere Strafen bei Kindesmissbrauch und „Kinderpornographie“: „Wer den Missbrauch von Kindern verhindern will, muss früher ansetzen. Strafgesetze greifen immer erst, sobald eine Tat begangen wurde. Dann ist es zu spät. Aber – und das macht den großen Reiz von Gesetzesverschärfungen für Politiker aus – verschärfte Gesetze kosten nichts und lassen sich im Wahlkampf gut vermarkten. Das ist wohl der Hauptgrund, warum so gerne lautstark nach ihnen gerufen wird. Wirksame Maßnahmen hingegen sind teuer und unpopulär.“

2. Gesetz gegen Hasskriminalität im Netz soll verabschiedet werden
(spiegel.de, Frank Patalong)
Diese Woche stimmt der Bundestag über das „Gesetz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität“ ab. Es gehe darum, die Identifizierung von Netz-Hetzern und -Hetzerinnen zu ermöglichen oder zu erleichtern sowie die Durchsetzbarkeit von Klagen zu verbessern. Der Gesetzesentwurf werde wahrscheinlich eine Mehrheit finden, doch es gebe auch Kritik an den neuen Bestimmungen, wie Frank Patalong erklärt.

3. Die ARD zeigt Chinas Kampf gegen Corona – wie China ihn sehen will
(uebermedien.de, Hinnerk Feldwisch-Drentrup)
Heute Abend um 22:45 Uhr strahlt das Erste die SWR-Doku „Die Story im Ersten: Wuhan – Chronik eines Ausbruchs“ aus, zu der es bereits vor wenigen Tagen Kritik in der „SZ“ gab. Bemängelt wurde zum Beispiel, dass die Filmproduktionsfirma nicht in China gewesen sei und stattdessen Material des chinesischen Propagandaapparats verarbeitet habe. Hinnerk Feldwisch-Drentrup hat den Fall für „Übermedien“ nochmal gründlich aufgearbeitet: „Auch wenn der Sender sich ‚von Anfang an der nicht unheiklen Materiallage bewusst‘ gewesen sei, wie ein Sprecher betont, übernimmt die Doku in weiten Strecken die Inszenierung der KP: Nach dieser kam in der Coronakrise die Wende, als die Zentralregierung in Peking ‚die Zügel‘ in die Hand nahm. Dabei war Xi schon Anfang Januar über den Ausbruch informiert und damit befasst. Das lässt der Film aber ebenso unerwähnt wie viele andere Probleme aus der Frühphase der Pandemie.“

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4. Markus Lanz im ZDF: Ein Moderator verblüfft mit gewaltiger Ignoranz
(fr.de, Daland Segler)
Daland Segler kritisiert den ZDF-Moderator Markus Lanz, den er für politisch voreingenommen hält: „Drei Dinge sollte mitbringen, wer als Gast zu einer Talkshow geht: Selbstbewusstsein, Kompetenz beim Thema und eine gewisse Dickfelligkeit. Wer sich von Markus Lanz einladen lässt, braucht allerdings noch etwas mehr: Ein gerüttelt Maß an Masochismus. Wobei: Das gilt vor allem für Menschen, die der Moderator (der keiner ist), verdächtigt, links zu sein.“

5. Verschwörungstheorien: Was gegen den Irrglauben hilft
(aerzteblatt.de, Alina Reichardt)
Alina Reichardt wendet sich mit ihrem Beitrag über Verschwörungserzählungen vornehmlich an Ärztinnen und Ärzte. Im medizinischen Alltag gebe es immer wieder Patientinnen und Patienten, die dem klassischen Gesundheitssystem und „der Schulmedizin“ misstrauisch gegenüberständen, weil sie allerlei Mythen, Spekulationen und Verschwörungsideen aufsäßen. Der Artikel ist auch für medizinische Laien geeignet und kann dazu beitragen, die Gründe für derartige Verhaltens- und Denkmuster besser zu verstehen.

6. „Immer die gleiche Polizeiarbeit“
(taz.de, Erica Zingher)
Die „taz“ hat sich mit der Kulturwissenschaftlerin und Literaturexpertin Sandra Beck über Krimis unterhalten. Wie wirken sich TV-Polizeiserien auf unser Verständnis von Wahrheit und Gerechtigkeit aus? Warum sind Polizeigewalt und Rassismus in Polizeiserien eher selten ein Thema? Und wie könnte eine neue Ethik des Erzählens im Krimi aussehen?

AfD-Elfmeter, Sarah Coopers Trump, Abnehmendes Corona-Interesse

1. Wie Medien der AfD helfen, sich rechtlich reinzuwaschen
(uebermedien.de, Johannes Hillje)
2018 veröffentlichte das Bundesinnenministerium auf seiner Website ein Interview, in dem Minister Horst Seehofer die AfD „staatszersetzend“ nannte – eine „Verletzung des Rechts einer Partei auf Chancengleichheit im politischen Wettbewerb“, wie das Bundesverfassungsgericht befand. Leider schloss sich dem Versagen der Behörde das Versagen einiger Medien bei der Berichterstattung an. Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje zeigt anhand von Beispielen, was schiefgelaufen ist.

2. Facebooks teure Jagd auf den „schlimmsten kriminellen“ Nutzer
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Patrick Beuth berichtet von einer True-Crime-Story mit einigen rechtlichen Implikationen und einem moralisch-ethischen Dilemma: Facebook habe dem FBI dabei geholfen, einem Erpresser Schadsoftware unterzuschieben, mit deren Hilfe dessen IP-Adresse ermittelt werden konnte. Der Mann habe jahrelang auf Facebook junge Mädchen erpresst und bedroht und seine Spuren mit einem speziellen Betriebssystem verwischt.

3. Zoom schließt kurzzeitig Konten chinesischer Menschenrechtsaktivisten
(zeit.de)
Die US-amerikanische Plattform für Videokonferenzen Zoom greift anscheinend in Gespräche von chinesischen Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten ein beziehungsweise beendet oder unterdrückt sie. Zoom begründe das Vorgehen damit, dass man sich „an örtliche Gesetze“ halten müsse.
Weiterer Lesehinweis: Twitter hat nach eigenen Angaben eine umfangreiche Löschaktion durchgeführt und dabei 170.000 chinesische Propaganda-Accounts entfernt (spiegel.de).

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4. News-Angebote leiden unter abnehmendem Corona-Interesse
(meedia.de, Jens Schröder)
Im Monat Mai hat sich einiges getan bei den Abrufzahlen der hundert erfolgreichsten journalistischen Digital-Angebote in Deutschland. Jens Schröder erklärt bei „Meedia“, was sich im Ranking verschoben hat. Bei den teilweise drastischen Abstürzen und bedeutenden Zuwächsen spiele das abnehmende Interesse an der Corona-Berichterstattung, aber auch ein geänderter Google-Algorithmus eine Rolle.

5. Volontariat in Corona-Zeiten
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 5:23 Minuten)
Anh Tran berichtet im Deutschlandfunk, wie sich die Corona-Pandemie auf das journalistische Volontariat bei Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen auswirkt. Viele der Auswahlverfahren seien in diesem Jahr coronabedingt ausgesetzt oder hätten per Videoschalte stattgefunden. Tran hat sich mit Verantwortlichen sowie Bewerberinnen und Bewerbern über die derzeit erschwerten Umstände unterhalten.

6. Wie man Trump wird
(faz.net, Tobias Rüther)
Die Comedy-Künstlerin und Entertainerin Sarah Cooper wird derzeit für ihre kurzen Videoclips gefeiert, in denen sie US-Präsident Donald Trump synchronisiert (Lip sync) und auf hinreißend komische Weise imitiert: „Zum Vorschein kommen die Gesten eines Chefs, der seinen Worten durch Posen Macht verleiht, und dadurch auch sich selbst. Cooper wiederum reißt diese Posen an sich und macht so Trumps Präpotenz sichtbar. Dabei dachte man eigentlich, man hätte ihn längst durchschaut.“

Antworten auf Rezo, Aus für „Bento“, Tichy vs. Roth 0:2

1. Die Verhöhnung der Presse
(faz.net, Constantin van Lijnden, Video: 31:00 Minuten)
In seinem Video „Die Zerstörung der Presse“ rechnet Youtuber Rezo mit verschiedenen Medien ab. Vor allem hat er es auf Boulevardredaktionen und Titel der Regenbogenpresse abgesehen, erhebt aber auch anderen Medien gegenüber schwere Vorwürfe. Ein Dreh- und Angelpunkt seines Videos ist eine Untersuchung, bei der er selbst der Untersuchungsgegenstand ist: Rezo hatte sich angeschaut, wie über ihn berichtet wurde. Die Berichterstattung der „FAZ“ sei dabei seiner Ansicht nach besonders fehlerhaft gewesen. Dort hat man nun mit einem Antwortvideo reagiert, das gleichzeitig eine Art Gegenschlag ist. Rezo „verbrämt eine persönliche Abrechnung als aufklärerische Medienkritik – und bedient sich dabei genau der manipulativen Techniken, die er zu entlarven vorgibt.“ (Wer lieber lesen statt schauen möchte: Hier gibt es die schriftliche Stellungnahme zum Vorwurf falscher Berichterstattung.)
Weiterer Lesehinweis: Nahezu zeitgleich erschien bei Welt.de eine Stellungnahme: Rezos „Zerstörung der Presse“ im Faktencheck (welt.de, Curd Wunderlich).

2. „Bento“ wird eingestellt
(taz.de, Volkan Agar)
Noch im vergangenen Jahr hatte der „Spiegel“ seinem Ableger für junge Leute „Bento“ einen Relaunch spendiert, doch nun ist es vorbei mit dem „Spiegel“-Jugendmedium: „Bento“ werde zum Herbst eingestellt. Das Zielpublikum unter 30 Jahren werde von da an mit einem neuen Angebot bedient. Von der Auflösung seien 16 Redakteurinnen und Redakteure betroffen – das neue Angebot (Arbeitstitel: „Spiegel Start“) soll jedoch nur fünf Stellen umfassen. Ohne Namen zu nennen, zitiert die „taz“ einen Betroffenen: „Wir haben jahrelang über prekäre Arbeit berichtet, jetzt erleben wir sie selbst. Was heute mit uns geht, wird morgen auch mit allen anderen Mitarbeitern des Verlags möglich sein.“

3. Medienmanager und Chefredakteure: Entscheiden Sie, wie viel „vor Corona“ Sie wirklich zurückhaben wollen!
(kress.de, Christian Lindner)
Medienberater Christian Lindner wendet sich mit einem Aufruf an die Führungskräfte der Medienwelt, der gleichzeitig eine Abrechnung mit der bisherigen Unternehmenskultur ist: „Wir haben etwa die Arbeit im Homeoffice vor Corona eher ferngehalten als forciert. Wir schätzten es, jeden unserer Leute rufen lassen und fünf Minuten später in unserem Büro sprechen zu können. Wir haben es im doppelten Sinne gebraucht, durch unsere belebten Verlagsräume gehen zu können. Wir waren es gewohnt, dabei mit wachem Auge und siebtem Sinn das komplexe Räderwerk des Medienschaffens zu checken und bei Bedarf einzugreifen. Wir haben uns dabei aber auch als Führungskraft inszeniert. Jetzt müssen wir uns fragen, warum uns die Präsenz unserer Leute im Verlag eigentlich wichtiger war als ihr Output.“

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4. „Es gibt Menschen, die werde ich nie überzeugen können“
(dwdl.de, Alexander Krei)
Mai Thi Nguyen-Kim ist promovierte Chemikerin, erfolgreiche Wissenschafts-Youtuberin, TV-Moderatorin und Wissensvermittlerin. Im Interview mit „DWDL“ geht es um ihren Blick auf die Berichterstattung in den Medien und um den Umgang mit Kritik, Hassmails und Drohungen. Außerdem macht sie auf die ihrer Ansicht nach bestehenden Defizite bei der schulischen Wissensvermittlung aufmerksam: „Man muss sich mit Geschichte und Politik auskennen. Aber was jetzt die drei Hauptsätze der Thermodynamik sind, nein, das muss mein Kind doch nicht wissen – das wird oft als Freak-Wissen abgetan. Oder noch einfacher: Wer weiß heutzutage schon, was der Unterschied zwischen einem Virus und einem Bakterium ist? Da überrascht es nicht, dass einem ein Xavier Naidoo da interessante Möglichkeiten liefern kann.“

5. Roland Tichy scheitert mit erneuter Klage gegen Claudia Roth
(tagesspiegel.de)
Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth hatte in einem Interview der „Augsburger Allgemeinen“ in Zusammenhang mit der neurechten Plattform „Tichys Einblick“ von einem „Geschäftsmodell“ gesprochen, das „auf Hetze und Falschbehauptungen beruhe“. Dagegen war Plattformbetreiber Roland Tichy, zunächst erfolglos, juristisch vorgegangen und ist nun auch im zweiten Anlauf gescheitert.

6. Mensch, Christoph
(spiegel.de, Barbara Hans)
„Wir sind damit nicht einverstanden“, schreibt „Spiegel“-Chefredakteurin Barbara Hans zum Tod von Christoph Sydow, der seit 2012 als Nahost-Experte für das Nachrichtenmagazin gearbeitet hat und sich vor wenigen Tagen, im Alter von 35 Jahren, das Leben genommen hat: „Wir können nur ahnen, wie verzweifelt Christoph gewesen sein muss, diesen Schritt zu gehen. Dass er nicht mehr die Möglichkeiten des Lebens sah: die Verheißungen, die Chancen, den Genuss – sondern nur noch die Last. Wir blicken voller Zuneigung, Wertschätzung, Hochachtung auf den Menschen, der Christoph war. Wir blicken voller Trauer auf den Tod, den er gewählt hat. Wir sind mit seiner Entscheidung nicht einverstanden.“
Weiterer Lesehinweis: Beim Magazin „Zenith“ trauert man um einen Freund und Kollegen und blickt auf die gemeinsame Zeit zurück. Ein Nachruf, der einem den Menschen Christoph Sydow noch einmal ganz nah werden lässt.
(Solltest Du Suizid-Gedanken haben, dann gibt es Menschen, die Dir helfen können, aus dieser Krise herauszufinden. Eine erste schnelle und unkomplizierte Hilfe bekommst Du etwa bei der „TelefonSeelsorge“, die Du kostenlos per Mail, Chat oder Telefon (0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222 und 116 123) erreichen kannst.)

Bauernopfer Drosten, Twittern wie Trump, Herres Frauenbild

1. Medienforscherin über inszenierte Corona-Konflikte: „‚Bild‘-Chef Julian Reichelt schlägt um sich“
(rnd.de, Imre Grimm)
Die Medienforscherin Johanna Haberer ist insgesamt recht zufrieden mit der Corona-Berichterstattung deutscher Redaktionen. Sie kritisiert jedoch den Umgang der „Bild“-Medien mit dem Virologen Christian Drosten und vermutet politische Gründe hinter der Kampagne: „Es geht gar nicht um Drosten. Es geht um die Kanzlerin. Es geht darum, eine weitere Amtszeit – um die viele Menschen in der Republik sie im Moment ja vergeblich beknien – auf jeden Fall zu verhindern. Diese Statue, zu der Merkel gerade wieder erwächst, kann ‚Bild‘ einfach nicht ertragen. Das Problem der Zeitung ist, dass die Bundesregierung mit der Krise unterm Strich sehr gut umgegangen ist, dass also die Politik nach Beratung durch die Experten vieles richtig gemacht hat. Das passt ‚Bild‘ nicht in den Kram. Das ist für die Spektakelpresse unaushaltbar. Drosten ist in diesem Kontext nur ein Bauernopfer.“

2. Rassenunruhen – ein „grundfalscher“ Begriff
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 2:25 Minuten)
Im Zusammenhang mit den derzeitigen Demonstrationen in den USA wird von manchen Medien gelegentlich der Begriff „Rassenunruhen“ verwendet. Treffender sei es, von „Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus“ zu sprechen: „Wer klarmachen will, dass es dabei auch zu Ausschreitungen und Krawallen kommt, kann die konkret benennen – und differenziert so zwischen friedlichen und gewalttätigen Demonstrierenden.“

3. Wie bunt is(s)t Maischberger?
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre hat die „Maischberger“-Gästelisten der vergangenen zwei Jahre untersucht (PDF), um herauszufinden, wie es mit der Zusammensetzung tatsächlich bestellt ist. Der Anteil weißer Gäste belaufe sich auf 95 Prozent – ein Wert, der nicht unsere bunte Gesellschaft abbilde. Da Buhre sich nicht sicher ist, ob er bei der „Maischberger“-Redaktion mit seinen Zahlen durchdringt, versucht er es mit einem anschaulichen Beispiel: „Hallo Frau Maischberger, auf dem Weg zur Arbeit fahre ich täglich an Ihrer Produktionsfirma vorbei. Wissen Sie eigentlich, was für leckere Restaurants es in Ihrer Straße gibt? Nein? Kein Problem, ich habe heute mal nachgeschaut. Also, wir hätten da fünf Mal italienische Küche, vier mal Japanisch, zwei vietnamesische und chinesische Restaurants, einen Koreaner, einen Inder und zwei Mal deutsche Küche. Auch das Angebot an Falafel/Schawarma ist top! Oder wie wäre es mit Südamerika? Da haben Sie die Wahl zwischen Mexikanisch, Argentinisch und Peruanisch! So, und jetzt stellen Sie sich mal ganz kurz vor, in Ihrer Straße gäbe es zu 95 Prozent nur Currywurst und Kartoffeln. Danke!“

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4. Die ARD und ihr Männerproblem
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
ARD-Programmdirektor Volker Herres hat in einem Interview mit „Bild am Sonntag“ unter anderem die Meinung vertreten, es gebe kein „weibliches Pendant zu Kai Pflaume“. In der Showunterhaltung treffe man laut Herres nicht viele Frauen an. Er habe jedoch nicht den Eindruck, dies sei das Ergebnis vorsätzlicher Diskriminierung. „Aber ändern würde ich es gern. Falls wir also jemanden übersehen haben, darf man sich gern bei uns melden.“ Augenblicklich meldeten sich auf Twitter zahlreiche Menschen zu Wort – mit teilweise langen und fundierten Vorschlagslisten.

5. ZDF gibt Bildungsinhalte nicht nur für Schulen und Wikipedia frei
(heise.de)
Erstmals stellt das ZDF zahlreiche Medien und Animationen unter freier Lizenz online, so dass sie von jeder Person genutzt und weiterverbreitet werden können. Der Sender folgt damit einer gewissen Logik, denn die Beiträge wurden oft mit öffentlichen Geldern beziehungsweise Beiträgen der Allgemeinheit produziert. Da liegt es nahe, sie nach der Erstausstrahlung auch der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Betroffen sind zunächst 50 Beiträge zu Geschichte und Wissenschaft, die beispielsweise im Schulunterricht verwendet oder von Plattformen wie Wikipedia genutzt werden können. Einzige Voraussetzung sei die korrekte Nennung der Quelle.

6. Wer twittert wie Donald Trump, wird gesperrt
(spiegel.de)
Was passiert, wenn man sich auf Twitter verhält wie der US-Präsident? Ein US-Amerikaner hat das Experiment gewagt, den Text einiger Trump-Tweets übernommen und auf seinem Account gepostet. Es dauerte nicht lange, bis die erste Sperre erfolgte. Der „Spiegel“ hat mit dem Twitterer über dessen Versuch und die bisherigen Erkenntnisse gesprochen. Es gebe eine „reale Doppelmoral in Bezug auf akzeptables Verhalten zwischen normalen Nutzern und Anführern der Welt“.

Darknet des kleinen Mannes, Post für Porno-Portale, Gegenrede wirksam

1. Neue Studie zeigt Wirksamkeit von Gegenrede im Netz
(netzpolitik.org, Daniel Laufer)
Viele erinnern sich noch an die von Jan Böhmermann initiierte Aktion „Reconquista Internet“ zur Abwehr der rechten Trollarmee „Reconquista Germanica“. Nun haben US-amerikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Aktion untersucht und festgestellt, dass organisierte Gegenrede tatsächlich ein wirksames Mittel gegen Hass im Netz sein könnte. Böhmermann fasst zusammen: „Die Studie belegt erstmals empirisch, was wir mit ‚Reconquista Internet‘ praktisch erfahren haben: Wer organisierten Hass, rassistische Hetze oder die cleveren Diskursverschiebungskampagnen rechtsextremistischer Netzwerke im Internet erfolgreich bekämpfen will, muss wissen, wie diese verdeckten Manipulationsnetzwerke arbeiten, sie analysieren und gegen sie aktiv werden“.

2. Wenn Peking die Bilder liefert
(sueddeutsche.de, Lea Deuber)
Am 15. Juni soll die SWR-Dokumentation „Inside Wuhan“ im Format „Story im Ersten“ laufen, doch es gibt bereits im Vorfeld Kritik an der Produktion. Der Titel klinge, als habe sich der SWR für die Zuschauerinnen und Zuschauer auf Spurensuche in Wuhan begeben. Es sei jedoch kein eigenes Team entsendet worden, stattdessen sei mit Material der chinesischen Propagandabehörden gearbeitet worden.

3. Die schlimmste App der Welt
(youtube.com, Walulis, Video: 10:36 Minuten)
Als „die schlimmste App der Welt“ und das „Darknet des kleinen Mannes“ bezeichnet Philipp Walulis den Messengerdienst Telegram. Die WhatsApp-Alternative habe sich mittlerweile zu einem Spielplatz für Verschwörungserzähler wie Attila Hildmann und Xavier Naidoo entwickelt, die dort ungestört agieren könnten. Gegründet worden sei der Dienst von Pawel Durow, der zuvor bereits das in Russland meistgenutzte Soziale Netzwerk Vk.com gegründet habe, dann aber in Ungnade gefallen sei und heute seinen Geschäften von Dubai aus nachgehe.

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4. Das Milliardenspiel
(spiegel.de, Peter Ahrens & Jörn Meyn)
Derzeit liegen die Live-Rechte für die Fußball-Bundesliga vor allem beim Bezahlsender Sky, doch das könne sich bald ändern: Bis zum 19. Juni laufe die Ausschreibungsfrist für die TV-Rechte an den Spielzeiten 2021/2022 bis 2024/2025. Peter Ahrens und Jörn Meyn erklären, welche Rechtepakete zum Verkauf stehen, wer alles mitbietet, und welche Rolle Amazon dabei spielt. Außerdem geht es natürlich um die Frage, ob eine weitere Gewinnexplosion zu erwarten ist.

5. Bundesverfassungsgericht verrät vorab seine Urteile
(tagesspiegel.de, Jost-Müller Neuhof)
Es gibt Kritik an der Veröffentlichungspraxis des in Karlsruhe sitzenden Bundesverfassungsgerichts. Noch vor der offiziellen Verkündung der Urteile, teile das Gericht Informationen zu seinen Entscheidungen vor Ort einem kleinen Kreis ausgewählter Journalistinnen und Journalisten mit. In rund der Hälfte der Fälle würden diese Exklusiv-Infos an Vertreterinnen und Vertreter von ARD und ZDF gehen. Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert das Vorgehen des Gerichts als „befremdlich und nicht mehr zeitgemäß“.

6. Youporn, Pornhub und MyDirtyHobby bekommen Post
(faz.net)
Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) geht gegen drei reichweitenstarke Pornoportale vor, die in der gegenwärtigen Form nicht weiterbetrieben werden dürften. Die Websites würden gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag verstoßen, indem sie Pornografie frei zugänglich machen würden, ohne sicherzustellen, dass Kinder keinen Zugang haben. Es dürfte ein zähes Ringen werden, denn das dahinterstehende Unternehmen hat seinen Sitz auf Zypern. Die KJM gibt sich jedoch kämpferisch und könne nötigenfalls auf das Mittel der Netzsperre zurückgreifen.

Inklusive Sprache, VW klärt seit Wochen schnellstmöglich, „NYT“

1. Intuition und Abwehr
(taz.de, Peter Weissenburger)
Inklusive Sprache in den Medien entwickelt sich langsam, aber sie entwickelt sich. Die „taz“ hat sich bei vier Sprecher-Profis nach deren Einschätzung erkundigt: bei der Deutschlandfunk-Moderatorin Ann-Kathrin Büüsker, bei „Aspekte“-Moderator Jo Schück, bei der Produzentin des Instagram-Kanals „Erklär mir mal“ Victoria Jeffries und beim Politik­-Pod­caster Ulf Buermeyer („Lage der Nation“).

2. Dunning-Kruger-Effekt: Warum sich Halbwissende für besonders klug halten
(nationalgeographic.de, Jens Voss)
In Mediendiskussionen und Kommentarspalten besonders häufig anzutreffen: der Dunning-Kruger-Effekt. Ein nach zwei US-amerikanischen Psychologen benanntes Phänomen, laut dem inkompetente Menschen ihre eigenen Fähigkeiten auffällig oft überschätzen, während sie gleichzeitig die Leistungen kompetenter Menschen unterschätzen. Jens Voss erzählt von der zugrundeliegenden Studienreihe und zeichnet nach, wann das Phänomen erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde.

3. VW-Vorstand soll Instagram-Affäre klären
(faz.net)
„Wir werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Öffentlichkeit nach der Beratung im Konzernvorstand schnellstmöglich über alle wichtigen Details und Hintergründe informieren“. So lautete die offizielle Stellungnahme des Volkswagen-Konzerns, nachdem er einen rassistischen Videoclip veröffentlicht hatte und nach heftiger Kritik zurückziehen musste. Das „schnellstmöglich“ liegt mittlerweile zwei Wochen zurück, doch nun gebe es „erste Ergebnisse“. Wie die aussehen, sei aber immer noch nicht bekannt – der Konzernvorstand wolle zunächst „die Erkenntnisse bewerten“.

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4. RSF begrüßt Verzicht auf Online-Durchsuchung
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Reporter ohne Grenzen (RoG) begrüßen, dass die Große Koalition auf ihr ursprüngliches Vorhaben, dem Verfassungsschutz Befugnisse zur Online-Durchsuchung zu erteilen, verzichten will. Das sei jedoch kein Grund für völlige Erleichterung, so RoG-Chef Christian Mihr: „Die Online-Durchsuchung für den Verfassungsschutz hätte das Redaktionsgeheimnis und damit eine der Säulen der Pressefreiheit in Deutschland ausgehöhlt. Es ist gut, dass die große Koalition auf diese maßlosen Pläne verzichtet. Dass der Verfassungsschutz künftig Staatstrojaner einsetzen dürfen soll, um verschlüsselte Kommunikation wie Online-Telefonate und sichere Chats abzuhören, wirft dennoch heikle Fragen auf. Wir werden genau beobachten, ob und wie die Kommunikation von Journalistinnen und Journalisten dabei geschützt wird.“

5. Meinungschef der „New York Times“ tritt ab
(sueddeutsche.de)
In einem Gastkommentar in der „New York Times“ hat der republikanische Senators Tom Cotton den Einsatz des Militärs bei den aktuellen Protesten in den USA gefordert (Überschrift: „Schickt die Truppen rein“). Das habe eine Revolte in der Redaktion ausgelöst und dem Chef der Meinungsseite den Posten gekostet.

6. ProSieben entschuldigt sich für Kommentar bei „SdS“
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Am Samstagabend sorgte ein geschmackloser Kommentar in der TV-Sendung „Schlag den Star“ (ProSieben) für Entsetzen und Empörung in den Sozialen Medien, für den Moderator und Sender jedoch noch während der Live-Ausstrahlung um Entschuldigung baten.

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