Archiv für 6 vor 9

CSU-Pressesprecher als Störer, Lindemann-Streit, Kampagne?

1. Während Söder-Rede: CSU-Pressesprecher behindert Reporter
(t-online.de, Alexander Spöri & Jannik Läkamp)
Beim politischen Frühschoppen der CSU auf dem Gillamoos sollen ein Pressesprecher der Partei und zwei Sicherheitsleute die Arbeit von Journalisten behindert haben. Nachdem ein Journalist eine Protestaktion von Klimaschützern gefilmt hatte, habe sich der Pressesprecher neben die Journalisten an den Pressetisch gesetzt und versucht, die Veröffentlichung des Videos zu verhindern.

2. “Im Grunde eine Medienkampagne-Kampagne”
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Sebastian Wellendorf, Audio: 7:38 Minuten)
Der Deutschlandfunk beschäftigt sich mit der Flugblatt-Affäre um Hubert Aiwanger, den stellvertretenden Ministerpräsidenten Bayerns und Bundesvorsitzenden der Freien Wähler. Aiwanger und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kritisieren die Medien und werfen ihnen eine “Schmutzkampagne” vor. Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje sowie Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes, betonen jedoch die Bedeutung kritischer Berichterstattung und warnen vor einer “Medienopfer-Erzählung”.

3. RBB: Kein Anspruch auf Ruhegeld
(verdi.de)
Der ehemalige Verwaltungsdirektor des öffentlich-rechtlichen RBB, Hagen Brandstäter, ist nach Angaben der Gewerkschaft Verdi mit einer Klage gegen seine Kündigung gescheitert. Das Arbeitsgericht Berlin habe entschieden, dass Brandstäters Vertrag von 2018 wegen der Pensionsregelungen sittenwidrig und damit nichtig sei. Dadurch bestehe auch kein Anspruch auf Ruhegeldzahlungen und Hinterbliebenenversorgung. Finanzielle Ansprüche des RBB gegen Brandstäter wies das Gericht ebenfalls zurück. Das erstinstanzliche Urteil ist noch nicht rechtskräftig, beide Parteien können noch Berufung einlegen.

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4. Spiegel siegt in Runde 2 gegen Lin­de­mann-Kanzlei
(lto.de, Max Kolter)
Wie “Legal Tribune Online” (“LTO”) berichtet, hat das Landgericht Hamburg auf Antrag des “Spiegel” eine Pressemitteilung der Anwälte des Rammstein-Sängers Till Lindemann teilweise untersagt. Die Kanzlei Schertz Bergmann dürfe nicht mehr behaupten, dem “Spiegel” seien zwei Tatsachenbehauptungen untersagt worden. Die Entscheidung ist Teil eines größeren Rechtsstreits zwischen dem “Spiegel” und der Kanzlei, die gegen die Entscheidung Berufung einlegen wolle. “LTO”-Redakteur Max Kolter erläutert die rechtlichen und prozesstaktischen Implikationen der juristischen Auseinandersetzung

5. Wie westliche Medien TikTok nutzen um die Generation Z zu erreichen
(de.ejo-online.eu, Tamar Merabishvili)
Der Artikel des “European Journalism Observatory” diskutiert, wie westliche Medien TikTok nutzen, um die Generation Z zu erreichen. Traditionelle Medienorganisationen wie die Deutsche Welle hätten TikTok-Strategien entwickelt, um Inhalte zu präsentieren, die speziell auf die Interessen der jüngeren Generation zugeschnitten sind. Trotz des rasanten Wachstums von TikTok gebe es Bedenken hinsichtlich Fehlinformationen und der chinesischen Eigentümerschaft der Plattform.

6. Twitter wegen angeblicher Hilfe für Saudi-Arabien verklagt
(spiegel.de)
Nach Informationen des “Guardian” werde Twitter beziehungsweise X von einer Frau verklagt, die behauptet, das Unternehmen habe der saudischen Regierung bei der Identifizierung ihres Bruders geholfen, der später zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Zwei ehemalige saudische Mitarbeiter des Kurznachrichtendienstes sollen – lange Zeit vor der Twitter-Übernahme durch Elon Musk – Nutzerdaten an die Behörden ihres Landes weitergegeben haben. Einer von ihnen wurde bereits in den USA zu einer Haftstrafe verurteilt, der andere hatte sich rechtzeitig nach Saudi-Arabien abgesetzt. Bei dem Vorgang könnten womöglich finanzielle Interessen eine Rolle spielen: “Saudi-Arabien ist bis heute über die Kingdom Holding Company (KHC) und das Büro von Prinz Alwaleed bin Talal einer der wichtigsten Geldgeber von Twitter.”

Das Versagen der “Republik”, “Nius”, Karlsruher Wochenvorschau

1. Vorwürfe der sexuellen Belästigung: Eine Stellungnahme
(republik.ch)
Vor einer Woche haben wir in der Wochenendausgabe der “6 vor 9” auf eine Sonderausgabe des SRF-“Medientalks” hingewiesen, in der es um den Vorwurf der sexuellen Belästigung durch einen bekannten Schweizer Journalisten des Magazins “Republik” und die Folgen für die Betroffenen ging. In der Zwischenzeit hat die “Republik”-Redaktion mit einer Stellungnahme reagiert, in der sie sich erschüttert zeigt und einräumt, in dieser Angelegenheit versagt zu haben, insbesondere in Bezug auf die Unternehmenskultur und die Führungsstrukturen: “Vieles ist falsch gelaufen bei der Republik. Wir wollen der externen Unter­suchung auf keinen Fall vorgreifen, eine abschliessende Beurteilung wird erst möglich sein, wenn sie vorliegt. Schon heute jedoch gibt es Indizien dafür, dass Fehler gemacht wurden, als der beschuldigte Mitarbeiter eingestellt wurde. Damals wehrte sich eine Republik-Mitarbeiterin, die von Vorwürfen wegen sexueller Belästigung wusste, gegen diese Einstellung. Die damalige Redaktions­leitung hat die Vorwürfe zur Kenntnis genommen, Gespräche geführt – und ist zum Schluss gekommen, dass die Vorwürfe nicht belegt seien und einer Einstellung deshalb nichts im Wege stehe.”

2. Reichelts “Nius” – Eine Beobachtung
(verdi.de, Günter Herkel)
Günter Herkel beschäftigt sich mit “Nius”, einem Onlineportal, das von dem Software- und Medienunternehmer Frank Gotthardt betrieben wird und rechtspopulistische und reaktionäre Inhalte verbreitet. Das “Nius”-Personal stamme zu einem großen Teil aus dem Umfeld des geschassten “Bild”-Chefredakteurs Julian Reichelt. Die “Frankfurter Rundschau” habe das Geschäftskonzept bereits im Juli treffend beschrieben: “Mischt man die Flaggschiffe des Springer Verlags, ‘Bild’ und ‘Welt’, mit dem Haussender der US-Republikaner, Fox News, und gibt dem Ganzen einen vermeintlich hippen Look, kommt ‘Nius’ dabei heraus.”

3. Keine Medienkampagne
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) weist die Anschuldigungen des stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger zurück, Medien würden ein antisemitisches Flugblatt aus seiner Jugendzeit für eine politische Kampagne gegen ihn missbrauchen. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall bezeichnet die Vorwürfe Aiwangers als “kruden Unsinn” und betont, dass es Aufgabe von Journalisten und Journalistinnen sei, kritisch über Politiker und Politikerinnen zu berichten. Aiwanger möge aktiv zur Aufklärung der Vorwürfe beitragen, anstatt Medien ungerechtfertigt zu beschuldigen.

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4. Was tun, wenn Politiker Journalisten zu Mikrofonhaltern degradieren?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 40:16 Minuten)
Am Freitag haben wir in den “6 vor 9” auf einen Beitrag des Deutschen Journalisten-Verbands hingewiesen, der die Bundesregierung für ihre “kommunikative Einbahnstraße” kritisierte. Medien hätten ein Recht auf Information: “Wir sind keine Mikrofonhalter. Wer glaubt, so mit den Medien umgehen zu können, hat die Rolle des Journalismus als kritische Institution in der Demokratie nicht verstanden.” Holger Klein spricht im “Übermedien”-Podcast mit der ZDF-Journalistin Winnie Heescher, die diese Praxis ebenfalls kritisiert hat.

5. Nicht zu ignorieren
(taz.de, Wilfried Urbe)
Eine Studie der Landesanstalt für Medien NRW zeige, dass Minderjährige oft unfreiwillig auf pornografische Inhalte im Internet stoßen, und dass dies einen erheblichen Einfluss auf ihre Sexualität und ihr Sexting-Verhalten hat. Die Behörde versuche, Portale wie “Pornhub” und “Xhamster” zur Einführung von Altersverifikationssystemen für den deutschen Markt zu verpflichten, stoße dabei aber auf rechtliche und technische Hürden. Eine entsprechende Regelung könne wohl nur auf EU-Ebene eingeführt werden.

6. Die neue Karlsruher Wochenvorschau
(lto.de, Christian Rath)
Wie Christian Rath bei “Legal Tribune Online” berichtet, hat das Bundesverfassungsgericht am 1. September eine neue Pressestrategie eingeführt. Dazu gehöre, dass jeden Freitag um 9:30 Uhr ein “Wochenausblick” publiziert werde, in dem die Entscheidungen angekündigt werden sollen, die in der folgenden Woche per Pressemitteilung veröffentlicht werden sollen. Die bisherige Praxis der Vorabinformation ausgewählter Journalistinnen und Journalisten werde eingestellt, den Pressemitteilungen werde eine etwa einseitige Zusammenfassung in allgemeinverständlicher Sprache vorangestellt.

KW 35/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Verdachtsberichterstattung im Fokus – was dürfen Journalisten?
(br.de, Ingo Lierheimer, Audio: 27:57 Minuten)
Der Medienpodcast von BR24 diskutiert die Grenzen der Verdachtsberichterstattung im Journalismus, die es Medien erlaubt, über Fälle zu berichten, auch wenn diese noch nicht gerichtlich geklärt sind. Als Beispiele werden die Beiträge über den stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger, die Band Rammstein und den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff genannt. Die Diskussionsteilnehmer, darunter Daniel Drepper, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”, sowie der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes Frank Überall, erörtern die ethischen und rechtlichen Aspekte.

2. “Clans”: Mediendebatte um einen (Kampf-)Begriff
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 35:16 Minuten)
In der aktuellen Folge des Medienpodcasts “quoted” sprechen Nadia Zaboura und Nils Minkmar über die Entwicklung des “Clan”-Begriffs in Medien: “Wie ist er zu einem medialen Dauerbrenner in unzähligen TV-Dokus, Sachbüchern und Schlagzeilen geworden? Wie sieht die Berichterstattung über kriminelle Mitglieder arabischer Großfamilien wirklich aus? Und würde ein Verzicht auf den umstrittenen Begriff die damit beschriebene Kriminalität wirklich verharmlosen?” Als Gast haben sich Zaboura und Minkmar den Soziologen Özgür Özvatan vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung eingeladen.

3. Warum TRIGGER-Warnungen oft triggern
(youtube.com, Filmanalyse, Wolfgang M. Schmidt, Video: 27:33 Minuten)
Unter einer Triggerwarnung versteht man eine Warnung vor möglichen auslösenden Reizen (Triggern). Traumatisierte Menschen sollen dadurch die Möglichkeit bekommen, selbst zu entscheiden, ob sie sich den eventuell belastenden Inhalten aussetzen wollen. Der gut gemeinte Hinweis werde immer weiter ausgedehnt und umfasse mittlerweile auch Mikroaggressionen und überholte Stereotype, findet Wolfgang M. Schmitt und führt diese Ansicht in seiner “Filmanalyse” weiter aus.

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4. Mit Aktivismus in den Burnout?
(ndr.de, Daniel Bröckerhoff, Video: 24:33 Minuten)
Wer für eine Sache brennt, kann auch ausbrennen. Sogenannte Sinnfluencer sind in dieser Hinsicht womöglich besonders gefährdet. Daniel Bröckerhoff hat sich für seinen “Zapp”-Film mit Betroffenen über deren Erfahrungen unterhalten: mit der Nachhaltigkeitsaktivistin Louisa Dellert, der Krankenschwester und Pflegeaktivistin Franzi Böhler und dem queeren, veganen Arzt Aljosha Muttardi. Bröckerhoff hat dabei fünf Ursachen herausgearbeitet, warum das Leben als Sinnfluencer mental so anstrengend sei.

5. Was Dokufilme nicht zeigen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 37:37 Minuten)
Der Deutschlandfunk greift regelmäßig Kritik von Hörerinnen und Hörern auf und diskutiert sie im Medienpodcast “Nach Redaktionsschluss”. Diesmal kommt eine Hörerin zu Wort, die der Meinung ist, dass in Afrika-Dokumentationen “immer das Gleiche” gezeigt werde. Stimmt ihr Eindruck? Darüber diskutiert die Hörerin mit dem Filmemacher Jide Akinleminu, Arte-Redakteur Uwe Lothar Müller und Deutschlandfunk-Redakteurin Annika Schneider.

6. LNP466 Wodka Red Bull
(logbuch-netzpolitik.de, Tim Pritlove & Linus Neumann, Audio: 2:02:58 Stunden)
Julian Hessenthaler war einer der Köpfe hinter dem sogenannten “Ibiza”-Video, das einen der größten politischen Skandale Europas auslöste und in Österreich zum Bruch der Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ führte. Im “Logbuch Netzpolitik” erzählt Hessenthaler die ganze Geschichte mit dem großen Schlimmen und ihren vielen kleinen trivialen und absurden Nebenaspekten noch einmal und verrät, warum eine Veröffentlichung in österreichischen Medien nicht in Frage kam.

Keine Mikrofonhalter, Unklare Zukunft, Antifeminismus-Doku

1. “Wir sind keine Mikrofonhalter”
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert, dass die Bundesregierung nur noch Erklärungen an die Medien herausgebe und keine Fragen der Journalistinnen und Journalisten beantworte. Der DJV bezeichnet dies als eine “kommunikativen Einbahnstraße”. Die Medien hätten ein Recht auf Information: “Wir sind keine Mikrofonhalter. Wer glaubt, so mit den Medien umgehen zu können, hat die Rolle des Journalismus als kritische Institution in der Demokratie nicht verstanden”, so der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall.

2. Wenn Medien als Gegner wahrgenommen werden
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Sebastian Wellendorf, Audio: 7:43 Minuten)
Der Deutschlandfunk greift eine Studie der Universität Hohenheim auf, die zeige, dass etwa ein Fünftel der Deutschen ein rechtspopulistisches Weltbild habe und sich von klassischen Nachrichtenmedien fernhalte. Etwa ein Viertel der Befragten sei der Meinung, “Medien und die Politik arbeiten Hand in Hand, um die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren”, und: “Medien bringen nur, was die Herrschenden vorgeben”. Wie können Medien dem entgegnen? Indem sie zum Beispiel Positionen und politische Prozesse besser erklären, so der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider.

3. Unbequeme Wahrheiten aussprechen
(taz.de, Leif Kramp & Stefan Weichert)
In der “taz” plädieren Leif Kramp und Stefan Weichert für einen Journalismus, der sich stärker am Gemeinwohl orientiert und weniger an Reichweite und Klicks: “Wir brauchen einen neuen ‘alten’ Journalismus, der sich an ethischen Grundtugenden und demokratischen Werten orientiert, der die Menschen dadurch überzeugen kann, dass er ganzheitlich und transparent agiert, dass er Kontexte diskutiert. Und dass er sich frei von Abhängigkeiten macht – von Geldgebern, ökonomischen Launen, politischen Einflüssen und den digitalen Infrastrukturen des US-amerikanischen Tech-Kapitalismus.”

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4. Beten wir für eine bessere Doku über Antifeminismus
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Eine “Y-Kollektiv”-Doku geht der Frage nach, was Antifeminismus mit rechter Ideologie zu tun hat. Ein wichtiges Thema, wie Lisa Kräher bei “Übermedien” findet, dessen filmische Umsetzung jedoch von starker Kritik begleitet werde. Kräher hat sich die Kritik an der Doku angesehen und sortiert, was daran aus ihrer Sicht berechtigt ist und was nicht.

5. Unklare Zukunft für “Meedia” und “Blickpunkt Film”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, steht der Verlag hinter den Redaktionen von “Meedia” und “Blickpunkt Film” unter der Kontrolle eines Insolvenzverwalters, die Zukunft der Medienmarken sei ungewiss. Ursprünglich habe die Geschäftsführung versucht, das Unternehmen in Eigenregie zu sanieren, was sich jedoch als aussichtslos erwiesen habe.

6. Schülerzeitungen als Teil der Demokratie
(verdi.de, Susanne Stracke-Neumann)
Der Schülerzeitungswettbewerb in Brandenburg für das Jahr 2022/2023 habe ungewöhnlich wenige Einsendungen, mit nur 17 teilnehmenden Zeitungen von Schülerinnen und Schülern. Brandenburgs Bildungsminister Steffen Freiberg und Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke betonten die wichtige Rolle dieser Zeitungsprojekte für die demokratische Mitbestimmung und Meinungsbildung an Schulen. Beim Wettbewerb habe ein besonderes Augenmerk auf dem Thema Urheberrecht bei redaktionell verwendeten Fotos gelegen. Die Liste aller Preisträger gibt es hier (PDF).

Ex-BSI-Chef vs. ZDF, Minderjährige und Pornos, Websites sperren KI aus

1. Ehemaliger BSI-Chef Schönbohm will 100.000 Euro vom ZDF
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Nachdem Jan Böhmermann ihm in einer Folge des “ZDF Magazin Royale” eine zu große Nähe zu einem Verein mit angeblichen Kontakten zum russischen Geheimdienst vorgeworfen hatte, fordert Arne Schönbohm, ehemaliger Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), 100.000 Euro Entschädigung vom ZDF. Schönbohms Anwalt argumentiere, dass das ZDF den Ruf und die Karriere seines Mandanten zerstört habe. Das ZDF habe die Forderungen jedoch zurückgewiesen.

2. Mehr als ein Drittel der Minderjährigen hat Pornos gesehen
(spiegel.de)
Eine von der Landesanstalt für Medien NRW in Auftrag gegebene Studie zeige, dass mehr als ein Drittel der Minderjährigen zwischen 11 und 17 Jahren schon einmal pornografische Filme gesehen hat, sei es freiwillig oder unfreiwillig. Der Konsum von Pornografie beeinflusse das Verhalten von Kindern und Jugendlichen: “Fast die Hälfte der Jungen gab an, dass sie beim Versenden erotischer Nachrichten Handlungen oder Begriffe verwendeten, die sie aus den Pornos kennen (46 Prozent). Bei Mädchen sei dieser Zusammenhang deutlich schwächer ausgeprägt (17 Prozent).”

3. Rechtsextreme sind keine guten Interviewpartner*innen.
(neuemedienmacher.de)
Der Artikel auf neuemedienmacher.de diskutiert, wie Journalistinnen und Journalisten verantwortungsvoll über die AfD und rechtsextreme Gruppierungen berichten können. Die “Neuen deutschen Medienmacher*innen” betonen, wie wichtig es sei, marginalisierte Gruppen in den Fokus zu rücken, und warnen davor, antidemokratischen Akteuren eine Plattform zu bieten. Außerdem gibt es fünf konkrete Tipps für die Berichterstattung über Rechtsextreme, darunter die Notwendigkeit von Kontextualisierung und Transparenz.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche 224
(netzwerkrecherche.org, Anna Behrend)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. In der aktuellen Ausgabe stimmt Anna Behrend die Leserinnen und Leser auf die kommenden Konferenzwochen ein und verrät ihre Tipps des Monats. Außerdem gibt es wie gewohnt einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Wie der Konstruktive Journalismus gegen die Nachrichtenmüdigkeit wirken kann
(de.ejo-online.eu, Pauline Wörsdörfer)
Pauline Wörsdörfer geht der Frage nach, ob der Konstruktive Journalismus ein Mittel zur Bekämpfung der sogenannten Nachrichtenmüdigkeit sein kann. Konstruktiver Journalismus konzentriere sich auf Lösungsansätze und positive Perspektiven, um die Leserschaft zu ermutigen und gesellschaftliche Probleme anzugehen. Studien würden zeigen, dass diese Form des Journalismus bei den Leserinnen und Lesern positive Emotionen auslöse und so der Nachrichtenmüdigkeit entgegenwirken könne.

6. Bild, Spiegel, Amazon.de: Reichweitenstarke deutsche Websites sperren OpenAI’s GPT Bot aus
(omr.com, Roland Eisenbrand)
Roland Eisenbrand beschäftigt sich mit den Überlegungen von Websitebetreibern, wie man mit Künstlichen Intelligenzen (KI) wie ChatGPT umgehen soll. Viele große deutsche Medienhäuser und Marken hätten bereits Maßnahmen ergriffen, um den GPT Bot der Firma OpenAI von ihren Seiten fernzuhalten.

Equal-Pay-Streit, Schweigen und weitermachen, Zensur-Browser

1. ZDF einigt sich mit Journalistin
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Annika Schneider, Audio: 8:09 Minuten)
Nach achtjährigem Rechtsstreit haben sich die Journalistin Birte Meier und ihr ehemaliger Arbeitgeber ZDF in einem Equal-Pay-Streit auf einen Vergleich geeinigt. Meier verklagte das ZDF, nachdem sie herausgefunden hatte, dass sie deutlich weniger Geld verdiente als ihre männlichen Kollegen mit gleichen Aufgaben und gleichem Status als fest-frei Beschäftigte. Die genaue Vergleichssumme wurde nicht veröffentlicht, der Fall gelte aber als wichtiger Schritt im Kampf um Lohngerechtigkeit.
Siehe dazu auch die Stellungnahme der am Verfahren beteiligten Gesellschaft für Freiheitsrechte: “Equal Pay: Jahrelanger Rechtsstreit mit ZDF endet mit Vergleich”.

2. Schweigen und weitermachen
(taz.de, Florian Bayer)
Wie vor eineinhalb Wochen in den “6 vor 9” zu lesen war, sind die ORF-Nachrichten auf zwei prorussische Propagandavideos hereingefallen. Die Aufnahmen seien fälschlicherweise als Beispiele für Zwangsrekrutierungen in der Ukraine ausgestrahlt worden, sollen aber unter anderem die Festnahme eines russischen FSB-Spions gezeigt haben. Florian Bayer kritisiert in der “taz” den seiner Meinung nach wenig souveränen Umgang des österreichischen Senders mit dem Fehler.

3. Neues Gesetz in Frankreich will Browser zur Zensur verpflichten
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Ein in Frankreich geplantes Gesetz soll Webbrowser dazu verpflichten, von der Regierung erstellte Sperrlisten zu implementieren, um bestimmte Webseiten zu blockieren. Mozilla, die Stiftung hinter dem Firefox-Browser, warne davor, dass diese Maßnahme autoritären Regimen die Zensur erleichtern und die bisherige Zensur von der Ebene der Internet Service Provider auf die Ebene der Browser verlagern könnte. Die Mozilla Foundation habe daher eine Petition gegen den Gesetzesentwurf gestartet.

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4. 50 Jahre Bildung!
(medienbildungshub.de)
Der Artikel auf medienbildungshub.de beleuchtet die 50-jährige Geschichte des Grimme-Instituts, das 1973 als Adolf-Grimme-Institut gegründet und von seinem Gründer Bert Donnepp als “Modellversuch im Bildungswesen” bezeichnet wurde. Neben der Verleihung des Grimme-Preises betreibt das Institut unter anderem wissenschaftliche Forschung zu Medien und Bildung und beschäftigt sich mit den Herausforderungen neuer Medientechnologien.

5. X erlaubt in den USA wieder politische Werbung
(zeit.de)
Die ehemals als Twitter bekannte Online-Plattform X hebt das 2019 vom damaligen Twitter-Chef eingeführte Verbot politischer Werbung in den USA auf. Das Unternehmen betont, dass es Regeln für die bezahlte Verbreitung politischer Botschaften geben werde, einschließlich des Verbots falscher oder irreführender Informationen. Auch die Sicherheitsabteilungen der Plattform würden ausgebaut. Vor nicht allzu langer Zeit hatte es auch dort einen massiven Stellenabbau gegeben.

6. Spiegel-Gruppe übernimmt RTL-Anteile an “11 Freunde”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” unter Bezug auf eine “Spiegel”-Meldung berichtet, hat die “Spiegel”-Gruppe die Mehrheitsanteile am Fußballmagazin “11 Freunde” übernommen, die zuvor von Gruner + Jahr beziehungsweise RTL gehalten wurden. Die Übernahme soll nach Zustimmung der Kartellbehörden vollzogen werden, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. “Spiegel” und “11 Freunde” wollen unabhängig voneinander arbeiten, aber Synergien bei digitalen Produkten, Vertrieb und Werbung nutzen.

Radio-Razzia rechtswidrig, Kritik an “SZ”, Auf ein Stück Erdbeertorte

1. Razzia bei Radio Dreyeckland war rechtswidrig
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Wie netzpolitik.org berichtet, habe das Landgericht Karlsruhe die Hausdurchsuchungen beim Freiburger Sender Radio Dreyeckland (RDL) letztinstanzlich für rechtswidrig erklärt. Dies hätten der Sender und die juristisch beteiligte Gesellschaft für Freiheitsrechte mitgeteilt. Die Durchsuchungen waren erfolgt, nachdem RDL einen Link zum Archiv der 2017 verbotenen Internetseite linksunten.indymedia.org veröffentlicht hatte. Das Gericht habe betont, dass die Durchsuchungen mehrere Grundrechte verletzt hätten und eine einschüchternde Wirkung ausüben könnten.

2. Kritik an der Berichterstattung der SZ
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Sören Brinkmann, Audio: 8:12 Minuten)
Am Samstag berichtete die “Süddeutsche Zeitung” über ein antisemitisches Flugblatt (nur mit Abo lesbar), das vor rund 35 Jahren in einem bayerischen Gymnasium gefunden und mit dem heutigen stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger in Verbindung gebracht wurde. Aiwanger bestreitet, das Flugblatt verfasst zu haben. Stattdessen sagt sein Bruder, er sei der Urheber. Die Art der Berichterstattung hat Kritik hervorgerufen. Stefan Niggemeier erklärt im Interview mit dem Deutschlandfunk, worum es im Einzelnen geht und was die “Süddeutsche” seiner Meinung nach hätte besser machen können.

3. Auf ein Stück Erdbeertorte bei ganz normalen Leuten
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Bei “Übermedien” kritisiert Lisa Kräher die Berichterstattung der “Zeit” über Menschen, die 2020 versucht haben, das Reichstagsgebäude in Berlin zu stürmen. Kräher bemängelt, dass die Redaktion den Beteiligten eine große Plattform biete, ohne deren Motive und Hintergründe ausreichend kritisch zu hinterfragen. Sie argumentiert, dass die Darstellung verharmlosend wirken könne und die tatsächlichen Probleme nicht angemessen adressiere. Besonders kritikwürdig seien aus ihrer Sicht die von der “Zeit” in deren Social-Media-Kanälen verwendeten Zitatkacheln.

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4. “Hier findet Entgrenzung statt”
(taz.de Wilfried Urbe)
Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, spricht im Interview mit der “taz” über die Herausforderungen von Hass und Desinformation im Internet. Er betont, dass die Gesellschaft zunehmend Verantwortung übernehme, indem sie entsprechende Hassbotschaften melde. Die NRW-Initiative “Verfolgen statt nur Löschen” habe bereits zu zahlreichen Ermittlungsverfahren und Verurteilungen geführt: “Nachdem wir 2018 starteten, haben wir inzwischen 1.500 Anzeigen an das LKA NRW beziehungsweise das BKA weitergeleitet. Daraus sind 900 Ermittlungsverfahren entstanden und 400 Beschuldigte identifiziert worden. Aktuell laufen 52 Anklagen, bisher kam es zu 38 Verurteilungen.”

5. Länder wollen Intendantengehalt im RBB-Staatsvertrag deckeln
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Wie Joachim Huber beim “Tagesspiegel” berichtet, sieht der neue Staatsvertrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) eine Gehaltsobergrenze für die Intendanz von 180.000 Euro vor – deutlich weniger als das derzeitige Gehalt der Senderchefin Katrin Vernau von 295.000 Euro. Die Ziele der Reform seien eine bessere Kontrolle, höhere Wirtschaftlichkeit und mehr Transparenz im Sender. Neben der Gehaltskürzung seien auch strukturelle Veränderungen wie die Verschlankung der Senderspitze und die Professionalisierung der Aufsichtsgremien geplant.

6. Youtuber sind keine Journalisten
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert ein Urteil des Verwaltungsgerichts Minden, das einen Youtuber mit professionellen Journalistinnen und Journalisten gleichstelle. Das Gericht habe laut “FAZ” entschieden, dass es für die unterstellte Pressetätigkeit ausreichend sei, einen Youtube-Kanal zu haben, und die Reichweite des Kanals dabei unerheblich sei. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall findet das befremdlich und “verhaltensoriginell”. Er fragt unter der etwas generalisierend wirkenden Überschrift “Youtuber sind keine Journalisten”: “Wie will man eigentlich noch journalistische Angebote von lustigen Katzenvideos und anderem Klamauk unterscheiden?”

Doppelter Schirach, “Bravo” und die Fußballer, KI in der Medienaufsicht

1. “Auf die Community angewiesen”
(taz.de, Carolina Schwarz)
Das feministische “Missy Magazine” feiert sein 15-jähriges Bestehen, steht aber vor finanziellen Herausforderungen. Die Produktionskosten seien aufgrund der Papierkrise und der Inflation gestiegen, die Inflation habe gleichzeitig zu “signifikant mehr Abokündigungen” im ersten Halbjahr 2023 geführt. Carolina Schwarz hat sich mit den beiden “Missy”-Chefinnen über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ihres Magazins unterhalten.

2. Der doppelte Schirach
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der bekannte Autor Ferdinand von Schirach hat ein neues Buch veröffentlicht und wurde vom “Stern” interviewt. Das Gespräch weise jedoch viele Ähnlichkeiten mit einem früheren Interview von Schirach im “SZ-Magazin” auf, beobachtet Stefan Niggemeier, sowohl in den Zitaten des Autors als auch in der Darstellung. Niggemeier kommentiert: “Verblüffenderweise ist jedes der Zitate, die der ‘Stern’ in seinem Schirach-so-privat-wie-noch-nie-Artikel besonders hervorhebt, eines, das sich mehr oder weniger wörtlich schon im ‘SZ-Magazin’ fand.”

3. Das BKA nutzt KI in der Medienaufsicht
(verdi.de, Günter Herkel)
Die Medienwächter der Landesanstalt für Medien NRW kooperieren seit Mai 2022 mit dem Bundeskriminalamt; diese Kooperation sei inzwischen auf alle Medienanstalten in Deutschland ausgeweitet worden. Bei dem Versuch, Kriminalität, Hass und Hetze im Internet zu bekämpfen, komme auch eine Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz: Die Software KIVI sucht online nach strafbaren Inhalten. Es gebe jedoch Bedenken hinsichtlich der Effektivität des Tools, möglicher Voreingenommenheit der KI und einer eventuellen Ausweitung des Einsatzes in autoritären Systemen. Günter Herkel hat Stimmen und Argumente zusammengetragen.

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4. Internetseiten mit “SEO-freundlich” umgeschriebenen Nachrichten von KI entdeckt
(heise.de, Martin Holland)
Im Internet tauchen immer mehr Websites auf, die von KI-Textgeneratoren umgeschriebene Nachrichten etablierter Medien veröffentlichen, um Einnahmen aus Online-Werbung zu erzielen. Dies habe die US-amerikanischen Firma NewsGuard festgestellt und darauf hingewiesen, wie schwierig es sei, derartige Inhalte zu identifizieren – es sei denn, der umgeschriebene Text enthalte Phrasen von Chatbots wie ChatGPT, die nicht entfernt wurden (beispielsweise: “Note: As an AI language model, I don’t have personal preferences or opinions. I have just tried to rephrase the title in a grammatically correct and alternative way.”).

5. Die Uhr tiktokt
(zeit.de, Pauline Schinkels)
TikTok-Nutzerinnen und -Nutzer in der Europäischen Union können künftig personalisierte Vorschläge ausschalten und stattdessen regional oder international beliebte Videos sehen. Dieser Schritt sei eine Reaktion auf den Digital Services Act der EU, der Online-Plattformen zu mehr Transparenz und Kontrolle durch die User verpflichte. Trotz der Möglichkeit, den personalisierten Feed abzuschalten, erwarte der Medienforscher Stephan Dreyer, dass viele weiterhin die personalisierten Empfehlungen bevorzugen werden, da diese relevanter und ansprechender seien. Pauline Bartels fasst in ihrem Beitrag zusammen, was an TikTok sonst noch kritisiert wird.

6. Nicht warm, son­dern heiß
(11freunde.de, Andreas Bock)
Andreas Bock beschreibt bei “11 Freunde”, wie Fußballer in den 1970er-Jahren auch durch die Jugendzeitschrift “Bravo” zu Teenie-Schwärmen wurden. Insbesondere Hansi Müller gewann mehrfach den “Bravo Otto”, eine Trophäe, die bis dahin vor allem an Schauspieler und Musiker vergeben worden sei. Aber auch andere Fußballspieler wie Karl-Heinz Rummenigge seien von der Jugendzeitschrift mit viel medialer Aufmerksamkeit bedacht worden.

KW 34/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Sollten Medien das Wort “Clan-Kriminalität” streichen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 15:11 Minuten)
Die “Frankfurter Rundschau” (“FR”) hat beschlossen, den Begriff “Clan-Kriminalität” nur noch in Ausnahmefällen zu verwenden, da er Menschen stigmatisiere und “politisch missbraucht” werde (siehe die “6 vor 9” vom 16. August). Die Entscheidung wurde maßgeblich von der “FR”-Volontärin Yağmur Ekim Çay beeinflusst, die betont, dass Journalisten und Journalistinnen darauf achten sollten, wie sie über Themen sprechen und welche Begriffe sie verwenden. Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit ihr darüber, wie das Thema auf die Agenda kam, wie die redaktionsinterne Diskussion und die Entscheidungsfindung verliefen und welche Reaktionen es gab.

2. Clickworker – Ausgebeutet für künstliche Intelligenz
(swr.de, Christian Kretschmer, Audio: 28:45 Minuten)
Diese Woche empfahlen wir in den “6 vor 9” einen tagesschau.de-Beitrag von Christian Kretschmer über die Rolle und Situation von Clickworkern bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI). Clickworker, oft aus Ländern wie Kenia oder Kolumbien, trainieren Maschinen, indem sie Daten für KI-Systeme sammeln, und sind oft prekären Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen ausgesetzt. Trotz ihrer entscheidenden Rolle bei der Entwicklung von KI berichten viele von Ausbeutung, Perspektivlosigkeit und intensiver digitaler Überwachung. Im SWR-Beitrag kann man Kretschmer auf seiner Recherchereise nach Kenia begleiten, wo er mit zahlreichen Betroffenen gesprochen hat.

3. Sechs Frauen werfen «Republik»-Reporter sexuelle Belästigung vor
(srf.ch, Salvador Atasoy & Oliver Kerrison, Audio: 28:48 Minuten)
In einer Spezialausgabe des SRF-Medientalks geht es um mutmaßliche sexuelle Belästigungen durch einen bekannten Schweizer Journalisten und die Folgen für die Betroffenen. Die Recherche beleuchtet die “Strukturen hinter den mutmaßlichen Übergriffen” und diskutiert, warum die Betroffenen bisher gezögert haben, rechtliche Schritte einzuleiten. Dabei wird ausdrücklich betont, dass bei allem die Unschuldsvermutung gilt.

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4. Zwischen Milliardengeschäft und öffentlichem Anspruch – Sportübertragungen im TV
(ardaudiothek.de, BR24 Medien, Ingo Lierheimer, Audio: 24:41 Minuten)
Es ist ein krasses Ungleichgewicht: Während die TV-Rechte der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft der Männer rund 200 Millionen Euro einbrachten, waren es für die TV-Rechte der Fußball-WM der Frauen vergleichsweise magere, geschätzte fünf Millionen Euro. Das BR24-Medienmagazin wirft einen Blick auf das Geschäft mit den Übertragungsrechten von Sportereignissen und die offensichtliche Schieflage. Der Medienwissenschaftler Thomas Horky bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, dass es im deutschen Sportfernsehen vor allem drei Sportarten gebe: “Fußball, Fußball und Fußball”.
Weiterer Hörtipp: Bundesliga: Profitabel dank TV-Rechten (deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 23:53 Minuten).

5. Medien im Exil – Freier Journalismus nach dem russischen Angriffskrieg
(deutschlandfunk.de, Axel Schröder, Audio: 18:58 Minuten)
Die Deutschlandfunk-Sendung “Hintergrund” thematisiert die schwierige Situation kremlkritischer Medien, die in Russland unter enormem Druck stehen und denen oft nur der Weg ins Exil bleibt. Es kommen russische Medienmacher und -macherinnen sowie Betroffene zu Wort, die unter abenteuerlichen und prekären Umständen ins Ausland übersiedeln mussten.

6. Videospiele und Journalismus? Die Gamescom in Köln
(sr.de, Thomas Bimesdörfer & Florian Mayer, Audio: 20:12 Minuten)
Anlässlich der in Köln stattfindenden Gamescom, der größten Videospielmesse der Welt, hat sich die SR-Mediensendung “Cross und Quer” mit Heiko Klinge, Chefredakteur des Videospielmagazins “GameStar”, über das Thema “Videospiele und Journalismus” unterhalten: Wo stehen Videospiele gesellschaftlich aktuell? Wie hat sich die Branche verändert? Und wie passt da der Journalismus rein?

Strafanzeige gegen Reichelt, Vom Winde verdreht?, Causa Mockridge

1. NDR erstattet Strafanzeige gegen Julian Reichelt
(spiegel.de, Anton Rainer)
Wie der “Spiegel” berichtet, hat der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bei der Berliner Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den ehemaligen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt gestellt. Der NDR werfe Reichelt vor, in einem früheren Prozess gelogen zu haben, als er eidesstattlich versicherte, keine “diversen Affären” mit Mitarbeiterinnen des Springer-Konzerns gehabt zu haben. Als Beweis führe der NDR die eidesstattliche Versicherung einer betroffenen Frau an, die ihre Angaben durch einen Chatverlauf zwischen ihr und Reichelt bestätigt sieht.

2. Vom Winde verdreht? Mediale Narrative über Windkraft, Naturschutz und Energiewandel
(otto-brenner-stiftung.de, Georgiana Banita)
Die Kulturwissenschaftlerin Georgiana Banita hat im Auftrag der Otto Brenner Stiftung untersucht (PDF), wie Qualitätszeitungen “über klimapolitische Hoffnungen, ökonomische Erwartungen, wissenschaftliche Notwendigkeiten und umwelt- beziehungsweise gesundheitspolitische Bedenken” im Kontext der Windenergie berichten. Banita identifiziert “wiederkehrende Narrative, Mythen und Verzerrungen in der Berichterstattung” und betont, dass die mediale Debatte um Windenergie als Kulturkampf geführt werde.

3. Mockridge gegen “Spiegel”: Jetzt geht’s erst richtig los
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der “Spiegel” veröffentlichte im September 2021 einen Artikel über den Comedian Luke Mockridge, in dem Vergewaltigungsvorwürfe einer Ex-Freundin thematisiert wurden. Mockridge ging juristisch gegen die Berichterstattung vor und war im sogenannten Verfügungsverfahren zunächst erfolgreich, wodurch wesentliche Teile des Artikels verboten wurden. Nun beginne das Hauptsacheverfahren, in dem es auch um die Frage geht, wie ausgewogen und sorgfältig das Nachrichtenmagazin berichtet hat. Timo Niemeier ordnet den Rechtsstreit und seine möglichen Folgen ein.

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4. Ein Schuss, kein Tor, die Bayern
(uebermedien.de, Andrej Reisin)
Bei “Übermedien” beschäftigt sich Andrej Reisin mit einem Vorfall, bei dem während des Bundesligaspiels zwischen dem FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach ein Polizist einen Schuss abgegeben haben soll, der einen leeren Transporter eines Fanclubs traf. Die meisten Medienberichte dazu stützten sich auf eine Pressemitteilung der Polizei, die den Schuss als unbeabsichtigt darstellte und von vier verletzten Beamten berichtete. Reisin kritisiert die unkritische Übernahme der Polizeidarstellung durch viele Redaktionen und betont, dass solche Vorfälle einer genaueren Untersuchung und Berichterstattung bedürfen, insbesondere wenn die Polizei selbst involviert ist.

5. Schluss mit Willkürhaft
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen die nach einem Geheimprozess beschlossene Verlängerung der Untersuchungshaft für Evan Gershkovich, Korrespondent des “Wall Street Journal” in Moskau. Gershkovich, dem die russischen Behörden Spionage vorwerfen, soll weitere drei Monate im berüchtigten Lefortowo-Gefängnis bleiben. Der stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster kritisiert die Vorwürfe als absurd und sieht Gershkovich “als Bauernopfer für die diplomatischen Spannungen zwischen den USA und Russland”.
Weiterer Lesetipp: Im Interview mit der “Jungle World” berichtet die russische Investigativjournalistin Jelena Kostjutschenko über ihre mutmaßliche Vergiftung und ihre Erfahrungen mit dem russischen Geheimdienst. Bemerkenswert ist ihre Antwort auf die Frage, ob sich ihre Einstellung zu Russland in den vergangenen eineinhalb Jahren geändert habe: “Nein. Ich liebe mein Land, ich möchte dort leben und arbeiten. Für mich sind Russland und diejenigen, die versucht haben, mich zu töten, nicht ein und dasselbe. Es ist dumm und sinnlos, Journalisten zu töten. Der Journalismus bildet nur die Realität ab, und die verändert sich nicht durch die Ermordung von Journalisten.”

6. Wie Klickarbeiter in Kenia ausgebeutet werden
(tagesschau.de, Christian Kretschmer)
Tagesschau.de beschäftigt sich mit der Rolle und der Situation von Clickworkern bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI). Die Klickarbeiter, oft in Ländern wie Kenia oder Kolumbien ansässig, trainieren Maschinen, indem sie Daten für KI-Systeme sammeln, sind aber oft prekären Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen ausgesetzt. Trotz ihrer entscheidenden Rolle bei der Entwicklung von KI berichten viele von Ausbeutung, Perspektivlosigkeit und intensiver digitaler Überwachung: “Es hat etwas von Sklavenarbeit. Denn die Menschen hier haben keine andere Wahl. Es gibt kaum Jobs”, so ein Betroffener.

24-Stunden-Frist, DLF bedauert Gewaltaufruf, Gelöschte Kritik

1. ver.di kritisiert Kanzleramt wegen 24-Stunden-Frist zur Kommentierung des BND-Gesetzes
(dju.verdi.de, Daniela Milutin)
Das Bundeskanzleramt habe betroffenen Verbänden und Organisationen, einschließlich der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, lediglich 24 Stunden Zeit gegeben, um den Referentenentwurf zur Überarbeitung des BND-Gesetzes zu kommentieren. Christoph Schmitz, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, kritisiert diese kurze Frist und betont, dass das BND-Gesetz die Rechte von Journalistinnen und Journalisten nicht ausreichend schütze, was bereits zu Kritik vom Bundesverfassungsgericht geführt habe. Die dju fordert das Kanzleramt auf, die Frist zur Stellungnahme anzupassen und die Verbände angemessen zu beteiligen.
Weiterer Lesehinweis: Bundeskanzleramt simuliert Verbändebeteiligung mit 24-Stunden-Frist (netzpolitik.org, Markus Reuter).

2. LinkedIn löscht sachliche Kritik an AfD
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Wie netzpolitik.org berichtet, hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Robin Mesarosch auf LinkedIn vor einer Zusammenarbeit mit der AfD gewarnt. Sein Beitrag sei daraufhin von der Plattform wegen angeblicher Hassrede gelöscht worden. Mesarosch klage nun mit Unterstützung der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) gegen die Löschung, da er die Maßnahme als Einschränkung seiner Meinungsfreiheit sieht. Die GFF argumentiert, dass Plattformen nicht willkürlich vorgehen dürfen und in Mesaroschs Beitrag keine Herabwürdigung zu erkennen ist.

3. Außergerichtlich geeinigt
(taz.de, Christian Rath)
Der Axel-Springer-Verlag und der geschasste “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt haben ihren arbeitsgerichtlichen Streit mit einem Vergleich beigelegt, wodurch Reichelt seine Abfindung von zwei Millionen Euro behalten könne. Der ursprünglich für den 15. November angesetzte Prozess sei abgesagt worden; die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin gegen Reichelt wegen Betrugs würden hingegen weiterlaufen. Die Kontroverse hatte mit Vorwürfen des Machtmissbrauchs gegen Reichelt begonnen. Als Gerüchte aufkamen, dass Reichelt nach seiner Entlassung anderen Medien Unterlagen aus seiner Springer-Zeit angeboten haben könnte, habe der Verlag die Abfindung infrage gestellt.

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4. DLF bedauert gesendeten Gewaltaufruf gegen Selenskyi
(dwdl.de, Manuel Weis)
Im Deutschlandfunk (DLF) wurde eine Hörermeinung ausgestrahlt, in der gefordert wurde, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj “lebendig zu vierteilen”. Diese Passage der Sendung “Kontrovers” sei mittlerweile entfernt worden, der Sender habe für den Vorfall um Entschuldigung gebeten. Der DLF habe die Ausstrahlung als “Fehler eines erfahrenen Redaktionsteams” bezeichnet und interne Gespräche angekündigt, um zu klären, wie es dazu kommen konnte.

5. Fußball-Experten ohne Distanz?
(deutschlandfunk.de, Constantin Eckner, Audio: 5:14 Minuten)
Der Deutschlandfunk beschäftigt sich mit dem Transferjournalismus, also der Berichterstattung über Spielerverkäufe im Profifußball (siehe dazu auch die “6 vor 9” vom 16. August). Das Interesse an den millionenschweren Deals sei immens, die journalistische Neutralität gerate dabei jedoch manchmal in den Hintergrund, so Sportjournalist Constantin Eckner: “Transfers sind gewiss ein besonderes Spektakel. Dieses mit ausreichender journalistischer Distanz zu beobachten, ist mitunter die größte Herausforderung.”

6. Die Formel 1 und das gute Gefühl, dass jederzeit etwas passieren könnte
(uebermedien.de, Sebastian Hotz)
Im Rahmen der “Übermedien”-Serie “Geheimen Leidenschaften” reflektiert Sebastian Hotz, bekannt als “El Hotzo”, seine Faszination für die Formel 1 trotz der offensichtlichen moralischen und ökologischen Bedenken, die der Sport mit sich bringe. Für ihn liege die Magie unter anderem “in den gewaltigen Anstrengungen, die Fernsehsender auf der ganzen Welt auf sich nehmen, um diesen Sport vollends zu vermarkten und aus perfekten Athleten, die in perfekten Autos perfekte Runden um perfekte Strecken drehen, irgendetwas aufregendes zu machen. Und darauf falle ich nur allzu gerne rein.”

Gluckernde Güllepumpe, Geseufztes Halleluja, Klimajournalismus

1. Andreas Ellermann und die Güllepumpe aus Trash
(uebermedien.de, Peter Breuer)
Bei “Übermedien” beschäftigt sich Peter Breuer mit der medialen Selbstvermarktung des Andreas Ellermann, der sich durch seine Beziehungen zu Prominenten wie Patricia Blanco und Nadja Abd el Farrag in die Schlagzeilen der Boulevardpresse katapultiert hat. Breuer kritisiert die Redaktionen für ihre Bereitschaft, Ellermanns Inszenierungen zu verbreiten und bezeichnet die Beziehung zwischen Ellermann und den berichtenden Medien als “Perpetuum mobile” und “gluckernde Güllepumpe aus Trash, die bereits mit minimaler Nährstoffanreicherung ein unfassbares Textwachstum düngt”.

2. Klimajournalismus – über Herausforderungen und Perspektiven eines zukunftsträchtigen Ressorts
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Die Klimajournalistin Annika Joeres spricht im Interview über die Entwicklung und Herausforderungen ihres Themenfeldes. Sie betont, dass Klimajournalismus nicht nur über physikalische Gesetzmäßigkeiten berichtet, sondern auch kritisch hinterfragt, welche politischen und wirtschaftlichen Interessen die Klimapolitik beeinflussen. Und sie hat einen Tipp für junge Journalistinnen und Journalisten: “Wer sich für den Klimajournalismus interessiert, sollte sich in die Europapolitik im Zusammenhang mit der Klimakrise einarbeiten. Da wird dringend Nachwuchs gebraucht!”

3. Ein geseufztes Halleluja zum Geburtstag: Wo steht Bild TV?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Mit großen Ambitionen startete der Springer-Konzern vor zwei Jahren sein Projekt “Bild TV”. Zum Jubiläum zieht Alexander Krei eine Zwischenbilanz. Die aktuellen Entwicklungen und Entscheidungen des Senders lassen in ihm Zweifel aufkommen, ob “Bild TV” langfristig in der Medienlandschaft bestehen kann: “In zwei Jahren steht die nächste Bundestagswahl an. Dass es dann noch einmal eine ‘Kanzlernacht’ bei Bild TV geben wird, darf bezweifelt werden. Wahrscheinlicher ist da schon, dass dann mal wieder ein Film über das Schwarze Loch gesendet wird. Wenn überhaupt.”

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4. “Clankriminalität”: Berichten, aber wie?
(deutschlandfunk.de, Luise Sammann, Audio: 5:57 Minuten)
Im Deutschlandfunk geht es um die Berichterstattung über “Clankriminalität”. Obwohl das Wort von Medien und Polizei häufig verwendet werde, gebe es keine einheitliche Definition. Oft werde der Begriff mit einer bestimmten ethnischen Herkunft in Verbindung gebracht, was zu Diskriminierung und Pauschalisierung führen könne. Experten empfehlen, dass Redaktionen differenzierter berichten und auch nicht-kriminelle Familienmitglieder zu Wort kommen lassen sollten.

5. “Frankfurter Rundschau” ohne Tarif
(taz.de, Caspar Shaller)
Die “taz” berichtet über den Tarifkonflikt bei der “Frankfurter Rundschau” (“FR”). Die Gewerkschaften Verdi und DJV würden eine Rückkehr in die Tarifbindung fordern, was die Geschäftsführung des Blattes ablehne. Die “FR” sei vor zehn Jahren aus der Tarifbindung ausgestiegen, was dazu führe, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vergleich mehrere hundert Euro weniger im Monat bekämen. Die Eigentümerin der Zeitung, die Ippen-Gruppe, argumentiert, die “FR” könne sich höhere Gehälter nicht leisten, was die Gewerkschaftsvertreter bezweifeln. Sie fordern mehr Transparenz über die finanzielle Situation des Unternehmens.

6. Wenn Pointen von damals heute aufregen
(tagesspiegel.de, Ariane Bemmer)
Der WDR hat alte Sendungen von Otto Waalkes und Harald Schmidt in der eigenen Mediathek mit einem Hinweis versehen, dass einige Passagen heute als diskriminierend empfunden werden könnten. Dafür wurde der Sender in Sozialen Medien heftig kritisiert. Zu Unrecht, findet Ariane Bremmer. Sie spricht in diesem Zusammenhang von einem Akt der Rücksichtnahme: “Es wird damit nichts zensiert, es wird nichts ungeschehen gemacht, es wird nichts zurückgenommen.”

AfD in den Medien, Presserecht ausgehebelt, “Spiegel” vs. Steingart

1. Berichterstattung über die AfD: “Der Medienopfer-Mythos fruchtet bei ihren Anhängern”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
In einem Interview mit dem Kommunikationsberater Johannes Hillje beschäftigt sich der “Tagesspiegel” mit der Berichterstattung über die AfD und dem “Medienopfer-Mythos” der Partei. Hillje identifiziert rückblickend drei Phasen des journalistischen Umgangs mit der AfD: Erstens die mediale Verstärkung der rechtspopulistischen Rhetorik, zweitens eine Phase mit mehr journalistischer Verantwortung und drittens eine Phase der Orientierungslosigkeit, in der Medien wieder verstärkt über die AfD berichten. Er betont, dass die AfD die Normen der demokratischen Öffentlichkeit sprenge und einige Redaktionen nach wie vor Schwierigkeiten hätten, den Extremismus der Partei richtig einzuordnen.

2. Journalistenschelte überzogen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert die pauschalen Vorwürfe von Springer-Chef Mathias Döpfner gegen Journalistinnen und Journalisten. Döpfner hatte in einem Beitrag in der “Welt” Medienschaffenden, insbesondere jenen, die sich um den Politikbetrieb in Berlin kümmern, eine Mitschuld am Aufstieg der AfD gegeben und behauptet, sie würden zu Aktionismus und überzogenen moralischen Erwartungen an Politikerinnen und Politiker neigen. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall sagt, dass Döpfners Kritik in Einzelfällen zutreffen möge, sie zeichne aber insgesamt ein Zerrbild der Medienlandschaft.

3. Wenn Vereinsrecht Presserecht aushebelt
(verdi.de, Stefan Mey)
“In der deutschen Rechtsordnung gibt es also eine Hintertür, mit der sich eine Grundsäule des Rechtsstaats aushebeln lässt. Über ein wenig aufregend erscheinendes Gebiet namens Vereinsrecht lässt sich die Pressefreiheit hacken. Diese ‘Sicherheitslücke’ sollte dringend geschlossen werden.” Stefan Mey weist auf eine aus seiner Sicht gefährliche Schwachstelle unseres Rechtsstaates hin.

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4. Wie der “Spiegel” an Gabor Steingarts Bullshit scheiterte
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Bei “Übermedien” beschäftigt sich Stefan Niggemeier mit einem Konflikt zwischen dem Nachrichtenmagazin “Spiegel” und dem Medien-Start-up “Media Pioneer” von Gabor Steingart. Der “Spiegel” kritisiere Steingarts Unternehmen und werfe ihm vor, dass Firmen und Vereine durch die Buchung von Steingarts “Medienschiff” für Veranstaltungen möglicherweise auch eine redaktionelle Vorzugsbehandlung erhalten könnten. Niggemeier stellt die Recherche des “Spiegel” infrage und betont, dass viele der vom “Spiegel” aufgeworfenen Punkte entweder irrelevant oder unbewiesen seien. Sein Fazit: “Die unendlich lange ‘Spiegel’-Geschichte ist vor allem ein erschütterndes Dokument einer gescheiterten Recherche.”

5. New York Times gegen ChatGPT
(deutschlandfunk.de, Doris Simon, Audio: 5:43 Minuten)
Die “New York Times” (“NYT”) soll eine Urheberrechtsklage gegen das US-Unternehmen OpenAI prüfen, das hinter der Künstlichen Intelligenz (KI) ChatGPT steht. Die KI sei auch mit Texten der “NYT” trainiert worden, so der Vorwurf. Doris Simon berichtet für den Deutschlandfunk aus Washington und weiß mehr über den Streit und seine möglichen Folgen.

6. Weniger Geld für Demokratie-Projekte?
(youtube.com, Monitor, Herbert Kordes & Till Uebelacker & Laurie Stührenberg, Video: 7:53 Minuten)
Die Bundesregierung plant, die Finanzierung von Projekten, die sich für Demokratie und gegen Rechtsextremismus engagieren, zu kürzen. Hintergrund ist der Versuch, die sogenannte Schuldenbremse einzuhalten. Das treffe unter anderem die Organisation HateAid, die Betroffenen von rechter Hetze im Internet hilft, und die Bundeszentrale für politische Bildung mit zahlreichen Unterprojekten. Die Kürzungen seien ein falsches Signal und eine Gefahr für die Demokratie, kritisiert der “Monitor”-Beitrag.

Prorussische Propaganda, Blockiertes Blockieren?, Afrika

1. Prompt auf Fake News reingefallen
(taz.de, Florian Bayer)
Wie die “taz” unter Berufung auf Andre Wolf vom Blog “mimikama” berichtet, sind die ORF-Nachrichten auf zwei prorussische Propagandavideos hereingefallen. Die Aufnahmen wurden fälschlicherweise als Beispiele für Zwangsrekrutierungen in der Ukraine ausgestrahlt, tatsächlich sollen sie aber unter anderem die Festnahme eines russischen FSB-Spions zeigen. Trotz breiter medialer Kritik und Hinweisen von Faktencheckern habe der ORF zunächst heftig widersprochen und erst nach einiger Zeit den Fehler eingestanden.

2. Musk will auf X das Blockieren verhindern
(spiegel.de)
Elon Musk, Eigentümer des früher als Twitter bekannten Kurznachrichtendienstes X, will offenbar die Blockierfunktion abschaffen – eine Grundfunktion eines Sozialen Netzwerks, mit der man verhindert, dass bestimmte Konten einen kontaktieren, Beiträge sehen oder einem folgen können. Das Blockieren werde als Feature abgeschafft, mit Ausnahme von Direktnachrichten, so Musk in einem Beitrag auf X.
Weiterer Lesehinweis: Untersuchungen des Fachmagazins “Nature” und der Zeitschrift “Trends in Ecology & Evolution” würden zeigen, dass viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitglieder der Klima-Community die Plattform X/Twitter verlassen oder ihre Aktivitäten reduziert haben: Wenn die Wissenschaft verstummt (zeit.de, Eike Kühl).

3. Nur Krisen und Krieg? Afrika-Berichterstattung in Deutschland
(sr.de, Michael Meyer, Audio: 17:10 Minuten)
In der aktuellen Folge des SR-Medienmagazins “Cross und Quer” geht es um die Afrika-Berichterstattung deutscher Medien. Der Kontinent komme dort meist nur vor, wenn es um Krieg und Krisen gehe. Michael Meyer hat sich mit dem freien Journalisten und Afrika-Kenner Issio Ehrich über die Herausforderungen und Gefahren seiner Arbeit unterhalten.

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4. Kann sich die Sportschau behaupten?
(tagesspiegel.de)
Die ARD-“Sportschau” habe in Zeiten von Streamingdiensten und Pay-TV an Bedeutung verloren und verzeichne sinkende Zuschauerzahlen. Ihren “Nimbus als Pflichtveranstaltung für Fußballfans” habe sie “längst verloren”, schreibt der “Tagesspiegel”. Drei Mitglieder der Redaktion geben ihre Einschätzungen zur Zukunft der “Sportschau” ab: Joachim Huber, verantwortlicher Redakteur Medien, Kulturredakteur Christian Schröder und Sportredakteur Martin Einsiedler.

5. Fremder Fehler könnte das Aus bedeuten
(faz.net, Jochen Zenthöfer)
Jochen Zenthöfer berichtet in der “FAZ”, dass die gemeinnützige Rechtsprechungsdatenbank “OpenJur” wegen der Veröffentlichung eines von einem Gericht nicht ausreichend anonymisierten Urteils verklagt wird. Trotz einer schnellen Anonymisierung des Namens nach einem Hinweis klage nun ein Betroffener vor dem Landgericht Hamburg auf Schadenersatz. Die Klage stelle eine existenzielle Bedrohung für das Projekt dar, so Zenthöfer: “Sollte die Klage erfolgreich sein, wäre die einzige gemeinnützige Rechtsprechungsdatenbank in Deutschland am En­de.”

6. Wie das deutsche Fernsehen zum Losverkäufer wurde
(dwdl.de, Christian Richter)
Christian Richter zeichnet bei “DWDL” die Entwicklung und den Einfluss der Fernsehlotterien im deutschen Fernsehen nach. Die Geschichte beginnt 1955 mit der Spielshow “1:0 für Sie”, moderiert von Peter Frankenfeld, der durch seine humorvolle Art und die Interaktion mit dem Publikum große Popularität erlangte. Frankenfelds Idee, westdeutsche Familien zur Aufnahme von Kindern aus dem isolierten Berlin für eine Art Erholungsferien zu bewegen, führte zur Gründung der “ARD-Fernsehlotterie”, die sich aus dem Verkauf von Losen finanzierte und bedürftigen Kindern Ferienreisen ermöglichte.

KW 33/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Wie nah kommt man als Journalist an Bord eines Regierungsfliegers den Politikern?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 20:41 Minuten)
Der Versuch von Außenministerin Annalena Baerbock, nach Australien zu reisen, scheiterte kürzlich an einem Defekt an den Landeklappen des eingesetzten Regierungsfliegers. Wie meist bei solchen Reisen waren auch dieses Mal mehrere Journalistinnen und Journalisten an Bord, darunter t-online.de-Korrespondent Patrick Diekmann. Im “Übermedien”-Podcast “erzählt Diekmann, wie wichtig es für ihn ist, mit an die Orte zu reisen, an denen Außenpolitik gemacht wird. Und wie das zugeht an Bord eines Regierungsfliegers: Wer sitzt wo? Wer zahlt das, wenn Journalisten dort mitfliegen? Und wie nah kommt man ran an die Regierenden?”

2. Zwei Jahre unter den Taliban: Afghanistan in den Medien
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 41:11 Minuten)
Vor zwei Jahren, am 15. August 2021, übernahmen die Taliban die Macht in Afghanistan. Den Jahrestag nehmen viele Redaktionen zum Anlass, mal wieder auf das Land zu schauen. Doch die aktuelle Aufmerksamkeit sei eine Ausnahme – seit dem überstürzten Abzug der westlichen Truppen und den dramatischen Szenen am Flughafen Kabuls sei es in deutschen Medien sehr still geworden um Afghanistan. Nadia Zaboura und Nils Minkmar fragen in ihrem Podcast “quoted”: “Tauchen das Land und seine Menschen so in unseren Medien auf, wie es angesichts der dramatischen Situation und der jahrelangen westlichen Militärpräsenz angemessen wäre? Geht die Berichterstattung über die Abbildung von Krise, Elend und Taliban-Gräueltaten hinaus? Und was macht das alles mit unserem Bild von Afghanistan?” Als Gast haben sie sich Emran Feroz eingeladen, österreichischer Journalist mit afghanischen Wurzeln und Autor des Buchs “Der längste Krieg. 20 Jahre War on Terror”.

3. RTL und ProsiebenSat.1 – Alarmstufe bei den Privaten?
(br.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 30:31 Minuten)
Im Medienpodcast des Bayerischen Rundfunks geht es um die Situation der Privatsender in Deutschland, die derzeit teils massiv Stellen abbauen und sich umstrukturieren müssen: “Schon länger machen die Werbeflaute und die amerikanischen Streaming-Angebote den privaten Fernsehsendern hierzulande das Leben schwer. Wir schauen auf die zwei großen Privatsender RTL und ProsiebenSat.1.”

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4. Brückner: “Paradigmenwechsel im TV-Markt”
(wdr.de, Sebastian Sonntag, Audio: 10:01 Minuten)
In Hollywood streiken die Drehbuchautorinnen und -autoren. Aber wie steht es in Deutschland um die Branche? Darüber spricht Drehbuchautor Thomas Brückner im Interview: Das aktuelle Jahr sei “von Verunsicherungen, verschobenen Projekten, Absagen geprägt.”

5. Wie wir mehr Positivbeispiele in die Medien bekommen
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann, Audio: 30:37 Minuten)
Im Deutschlandfunk-Podcast “Nach Redaktionsschluss” geht es dieses Mal um den konstruktiven Journalismus, also die Grundidee, in der Berichterstattung Lösungen statt nur Probleme aufzuzeigen. Eine Hörerin wünscht sich mehr davon und diskutiert darüber mit Lisa Urlbauer vom Bonn Institute, Charlotte Horn, Korrespondentin im ARD-Studio Neu-Delhi, und Moderator Sören Brinkmann.

6. Sicherheit für Kinder und Jugendliche im Netz
(podcast.leibniz-hbi.de, Johanna Sebauer , Audio: 26:34 Minuten)
Ob Cybermobbing, Hate Speech oder Cybergrooming – es gibt online ernstzunehmende Gefahren für Kinder und Jugendliche. Sie komplett vom Internet fernzuhalten, ist aber sicher auch keine Lösung. Der “BredowCast” stellt daher die Frage: “Wie soll diesen Gefahren begegnet werden?” Antworten liefern die Juristin Sünje Andresen und die Medienforscherin Kira Thiel.

Klimakrise, Journalisten in Afghanistan, Die Hölle auf Speed

1. Objektivität ist eine Illusion
(taz.de, Valérie Catil)
“Texten über das Klima wird häufig vorgeworfen, zu viel Haltung zu zeigen und nicht objektiv genug zu sein”, schreibt Valérie Catil in ihrem Essay über die “Klimakrise im Journalismus”: “Dabei sind wir an so einem kritischen Punkt in der Klimakrise angekommen, dass die Plattformen, die nicht ernsthaft über sie schreiben, der unterlassenen Hilfeleistung bezichtigt werden sollten.”

2. DJV warnt Medienschaffende vor Reisen in die Türkei: Bitte nicht pauschalisieren
(freitag.de, Barış Altıntaş)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) reagierte auf die Festnahme einer Bundestagsabgeordneten bei deren Einreise in die Türkei mit einer Art Reisewarnung für Journalistinnen und Journalisten (siehe die “6 vor 9” vom vergangenen Dienstag). Barış Altıntaş fragt im “Freitag”: “War es eine Überreaktion des DJV?” Für eine differenzierte Antwort hat Altıntaş mit mehreren Medienschaffenden und -experten in der Türkei gesprochen, und die widersprechen dem DJV zum Teil, stimmen ihm in manchen Punkten aber auch zu.

3. Reichelt revanchiert sich
(jungle.world, Markus Liske)
Markus Liske hat sich durch “Nius” gekämpft, ein neues Medienangebot, das “die Stimme der Mehrheit” verkörpern will und dessen Gesicht der geschasste “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt ist: “Dass der geradezu minimalistisch enge Meinungskorridor, den Nius abbildet, tatsächlich ‘die Stimme der Mehrheit’ wiedergibt, darf bezweifelt werden. Selbst rechte Gesinnungen in diesem Land sind deutlich vielfältiger.” Liskes Fazit: “Derzeit dient Nius hauptsächlich dazu, Julian Reichelt im Gespräch zu halten. Das immerhin scheint geglückt.”

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4. Taliban nehmen neun Journalisten fest
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen berichtet über die erschütternde Situation für Medienschaffende in Afghanistan: “In den vergangenen elf Tagen ließen die Taliban landesweit insgesamt neun Journalisten verhaften. Faqir Mohammad Faqirzai, Jan Agha Saleh, Haseeb Hassas, Habib Sarab, Sayed Wahdatullah Abdali, Shamsullah Omari, Wahidrahman Afghanmal, Ataullah Omar und Parwiz Sargand wurden bei Razzien in fünf afghanischen Provinzen ohne Angabe von Gründen verhaftet. Mit einer Ausnahme sind alle noch in Haft.” Der Text wirft auch einen kritischen Blick auf das Mitte Oktober 2022 angelaufene Bundesaufnahmeprogramm Deutschlands.
Noch ein zusätzlicher Hörtipp: Eine positive Nachricht aus einem völlig anderen Land: Natalie Amiri berichtet, dass die im Iran verhaftete Journalistin Nazila Maroofian offenbar wieder frei ist (deutschlandfunk.de, Audio: 5:50 Minuten).

5. Razzia bei Zeitung in Kansas sorgt für Entrüstung
(spiegel.de)
Die kleine Wochenzeitung “Marion County Record” aus dem US-Bundesstaat Kansas, die laut “New York Times” eine Auflage von etwa 4.000 Exemplaren hat, steht im Zentrum einer großen Debatte um die Pressefreiheit in den USA. Beamte hatten die Redaktionsräume des “Record” sowie das Haus des Herausgebers durchsucht und unter anderem Computer und Handys beschlagnahmt. Große Medienorganisationen sind von der Razzia entsetzt, sogar das Weiße Haus schaltete sich ein: Der Vorgang böte Grund zur Sorge. Inzwischen soll der Durchsuchungsbeschluss wieder zurückgezogen und die beschlagnahmten Geräte zurückgegeben worden sein.

6. Süchtig nach TikTok
(uebermedien.de, Armin Wolf)
In der neuen “Übermedien”-Serie “Geheime Leidenschaften” stellen “bekannte Leute Mediendinge vor, die sie mögen – obwohl man das vielleicht von ihnen nicht erwartet hätte.” Den Anfang macht der österreichische Journalist Armin Wolf, der über seine TikTok-Sucht schreibt: “TikTok ist die Hölle. Glauben Sie einem demnächst 57-Jährigen. Ich habe keine Erfahrung mit herkömmlichen Drogen oder anderen Substanzen, die süchtig machen. Aber der Algorithmus von TikTok ist die Hölle. Auf Speed.”

Lindemann-Berichterstattung, Erfundener Tweet?, Drosselung bei X

1. Wenn aus Erin­ne­rungs­lü­cken ein Ver­ge­wal­ti­gungs­ver­dacht wird
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Bei den ganzen gerichtlichen Entscheidungen zur Berichterstattung unterschiedlicher Medien über Rammstein-Sänger Till Lindemann kann man schnell den Überblick verlieren: Was wurde von Gerichten alles untersagt? Und was darf aktuell noch berichtet werden? Da ist es praktisch, dass Felix W. Zimmermann bei “Legal Tribune Online” genau dazu einen Überblick liefert, die aktuellsten Entscheidungen des Landgerichts Hamburg einordnet (“Erstmals werden nun auch Schilderungen von Frauen verboten, aus denen sich der Verdacht der Vergewaltigung ergibt.”) und einen Ausblick gibt, wie es juristisch weitergeht.
Weiterer Lesehinweis: Lindemann war juristisch auch gegen Formulierungen in einer Petition der Organisation Campact vorgegangen. Nach einem Hinweis des Landgerichts Berlin soll der Anwalt des Rammstein-Sängers den Unterlassungsantrag gegen Campact allerdings zurückgezogen haben. Bei Tagesschau.de folgern Daniel Drepper, Elena Kuch, Sebastian Pittelkow und Isabel Schneider aus dem Vorgang, dass man dem Landgericht Berlin zufolge “das Rekrutierungssystem um Lindemann wohl als ‘sexuellen Missbrauch’ bezeichnen” dürfe.

2. RTL setzt Zusammenarbeit mit “Explosiv”-Moderator Maurice Gajda aus
(uebermedien.de, Frederik von Castell)
Im RTL-Magazin “Explosiv” wurde am 5. August in einem Beitrag ein angeblicher Tweet der ehemaligen AfD-Politikerin Frauke Petry eingeblendet, der inzwischen gelöscht sei. Es gibt allerdings große Zweifel daran, dass es diesen Tweet je gegeben hat. Der Vorwurf: Der Reporter habe sich den Tweet ausgedacht. Frederik von Castell berichtet, dass RTL nun erste Konsequenzen ziehe: “Der Sender teilte Übermedien auf Anfrage mit, dass er die Zusammenarbeit mit Moderator und Reporter Maurice Gajda vorerst aussetzt, ‘bis die im Raum stehenden Vorwürfe geklärt sind’.” Von Castell bietet in seinem Beitrag zusätzlich noch einen Service: “Eigentlich sollte man Journalist:innen im Jahr 2023 nicht mehr erklären müssen, wie man Inhalte, die man online findet, sichert. Muss man aber offenbar doch”. Deshalb erklärt er noch einmal, wie online das richtige Archivieren funktioniert.
Weiterer Lesehinweis: Bei “DWDL” schreibt Alexander Krei, er habe von Maurice Gajdas Management als Beweis einen Link zugeschickt bekommen, der einst zum fraglichen, aber längst gelöschten Tweet von Frauke Petry geführt haben soll. Das Problem laut Krei: Dieser Link verweist bekanntermaßen zu einem anderen gelöschten Tweet Petrys.

3. FR-Belegschaft mit Offenem Brief an Ippen: “Enorme Ungerechtigkeit” bei der Bezahlung
(journal-frankfurt.de, Katja Thorwarth)
“Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau sind unzufrieden mit ihrem Gehalt”, schreibt Katja Thorwarth und berichtet von einem Offenen Brief, in dem die Belegschaft von der Geschäftsführung des Ippen-Verlags eine “Rückkehr in eine tarifliche Bezahlung” fordert. Thorwarth kennt sich mit der Materie aus: Sie schrieb einst selbst für die “Frankfurter Rundschau”.

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4. RBB weist Vorwürfe gegen Chefredakteur Biesinger zurück
(dwdl.de, Manuel Weis)
Der RBB widerspreche vehement einem Bericht des Portals “Business Insider”, der sich mit dem inzwischen gestoppten Bau des Medienhauses des öffentlich-rechtlichen Senders befasse und RBB-Chefredakteur David Biesinger Fehler ankreide.

5. X verhängte Zeitstrafe für missliebige Links
(spiegel.de)
Die einst als Twitter bekannte Plattform X soll für bestimmte Links eine Drosselung eingebaut haben: “Experten entdeckten eine merkwürdige Verzögerung, die auftrat, wenn man in dem sozialen Netzwerk Links aufrief, die zur ‘New York Times’, zur Nachrichtenagentur Reuters sowie zu mehreren Konkurrenzangeboten führten.” So seien nicht nur aus Sicht von X-Eigentümer Elon Musk unliebsame Medien, sondern auch die zu X in Konkurrenz stehenden Plattformen Bluesky, Facebook und Instagram ausgebremst worden. Laut golem.de habe das Unternehmen die Verzögerung nach öffentlicher Kritik wieder aufgehoben.

6. 35 Jahre Geiseldrama von Gladbeck: Was Medien heute anders machen würden
(deutschlandfunk.de, Herwig Katzer, Audio: 5:32 Minuten)
Vor 35 Jahren, am 16. August 1988, begann das Geiseldrama von Gladbeck. Herwig Katzer nimmt das zum Anlass, noch einmal auf all die furchtbaren Aussetzer der Journalisten und Journalistinnen vor Ort zurückzublicken. Er spricht auch mit einem bemerkenswert selbstkritischen Udo Röbel, der damals nicht davor zurückschreckte, ins Fluchtauto der Geiselnehmer zu steigen und sie aus Köln zu lotsen.

“Clan-Kriminalität”, Medien im Exil, Hass gegen Herr Ingeborg

1. “Clan-Kriminalität”: Gefährliche Diskurse über gefühlte Wahrheiten
(fr.de, Yağmur Ekim Çay)
“Die Redaktion der Frankfurter Rundschau hat den umstrittenen Begriff ‘Clan-Kriminalität’ intern umfassend diskutiert. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass er politisch missbraucht wird und Menschen stigmatisiert. Deshalb werden wir die Bezeichnung nur in Ausnahmefällen verwenden – nämlich wenn wir über Polizeieinsätze und politische Debatten berichten, in denen die Kategorie zentral ist. Um uns von der falschen und gefährlichen Rhetorik zu distanzieren, setzen wir von nun an den Begriff in Anführungszeichen oder machen das mit sprachlichen Formulierungen wie sogenannte Clan-Kriminalität deutlich”, schreibt die “FR”-Redaktion “in eigener Sache”. Diese Positionierung ist eingebettet in einen Text von Yağmur Ekim Çay zum Thema. Zusätzlich gibt es ein Interview mit Thomas Feltes: “Kriminologe kritisiert den Begriff ‘Clan-Kriminalität’ und Faeser: ‘PR-Gag im Vorfeld der Wahl in Hessen'”.

2. Keine Nachrichten sind schlechte Nachrichten. Medien im Exil als “letzte Bastion der Freiheit”
(de.ejo-online.eu, Simone Benazzo)
Simone Benazzo hat zu Exilmedien geforscht und präsentiert beim Europäischen Journalismus-Observatorium eine Zusammenfassung seiner Ergebnisse: 98 Exilmedien aus 33 Ländern konnte er ausmachen. Was verbindet sie? Und wo liegen die Unterschiede je nach Herkunftsregion?

3. Die Hasswelle rollt: Erste queere Person im “Sandmännchen”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Mit Herr Ingeborg gibt es erstmals in sechs Jahrzehnten eine queere Figur beim “Sandmännchen”. Angetrieben vom Entsetzen verschiedener einschlägiger Medien (“Nius”, “Junge Freiheit”, “Bild”) sei eine Welle des Hasses ins Rollen gekommen. Joachim Huber kommentiert, dass diese Empörung empören müsse: “Da hilft kein Drumherumreden, da hilft keine Beschwichtigung: Hier toben sich Menschenfeinde aus. Und deswegen: Lasst nicht einen Herrn Ingeborg, lasst viele Herren Ingeborg um uns sein.”

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4. Qualifizierte Ausbildung für Nachwuchs beim Film
(mmm.verdi.de, Andrea Wenzek)
Wie in so vielen Branchen herrscht auch in der Filmbranche ein Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Das liege unter anderem “an den Arbeitsbedingungen für die Filmschaffenden: Befristete Arbeitsverträge, 12stündige Drehtage und eine erhöhte Arbeitsverdichtung”, schreibt Andrea Wenzek, aber auch am “unübersichtlichen Aus- und Weiterbildungsbildungsdschungel”. Wenzek präsentiert erste Initiativen, die das “kaum vorhandene und kaum regulierte deutsche Ausbildungssystem für die Filmberufe” verbessern wollen, um dem “Personalnotstand in der deutschen Filmwirtschaft entgegenzuwirken.”

5. “Es gibt nur zwei Monate, in denen Ruhe ist”
(dwdl.de, Manuel Weis)
Manuel Weis porträtiert Sky-Reporter Florian Plettenberg, der ein bekannter Vertreter einer ganz besondere Journalismusnische ist: Des Transferjournalismus, in dem es um die Vereinswechsel von Fußballspielern geht. Der Text ist allein schon wegen der Gaga-Aussagen Plettenbergs lesenswert. Kostprobe: “Je größer das ‘Transfer Update’ wird, desto größer werde ich auch.”

6. Digitales killt Requisite: Warum sich der SWR von seinem Fundus trennt
(deutschlandfunk.de, Thomas Wagner, Audio: 6:25 Minuten)
Ob Ritterrüstungen, Flipperautomaten oder Leichenteile – im Fundus des SWR gibt es alle möglichen Großrequisiten, geschätzt sind es 11.500 verschiedene Teile. Nun will der Sender den Fundus aber weitgehend auflösen: 80 Prozent will er loswerden. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die Kosten für die Aufbewahrung sollen reduziert werden, digitale Technologien machen analoge Requisiten immer häufiger überflüssig, und viele Produktionen sind inzwischen an externe Firmen mit eigenem Fundus ausgelagert worden.

Türkei-Reisen, Mit Lügen Politik machen, Berichte aus der Sahelzone

1. Journalistenverband rät von Türkeireisen ab
(spiegel.de)
Gökay Akbulut, Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke, wurde kürzlich bei ihrer Einreise in die Türkei für mehrere Stunden festgenommen. Vier Jahre alte Social-Media-Posts sollen ihr als “Terrorpropaganda” vorgehalten worden sein. “Wenn selbst die parlamentarische Immunität einer Abgeordneten nicht vor der Festnahme schützt, sei die Gefahr für Journalistinnen und Journalisten umso größer”, warnt der Deutsche Journalisten-Verband. Dessen Bundesvorsitzender Frank Überall sagt: “Wer sich als Journalist schon einmal kritisch in den eigenen Beträgen und in den sozialen Netzwerken über die Türkei, ihren Präsidenten oder die Regierungspartei AKP geäußert hat, sollte sich von dem Land fernhalten.”

2. Wenn mit Lügen Politik gemacht wird
(zeit.de, Kai Biermann)
“Irgendjemand hat es auf sie abgesehen und verbreitet im Internet Lügen. Sie ist das Opfer einer breit angelegten Desinformationskampagne. Steckt dahinter die Führung eines Landes, das sie als Politikerin kritisiert hat?” Kai Biermann schreibt über die EU-Parlamentarierin Hannah Neumann und rekonstruiert dabei sehr lesenswert die Kampagne, die gegen die Politikerin läuft: vom ersten Text mit haltlosen Vorwürfen über offensichtlich extra für dessen Verbreitung geschaffene Twitter-Accounts bis zu vermeintlich seriösen Websites, die die Vorwürfe aufgreifen. Biermann hat mit Expertinnen und Experten für Desinformation über den Fall gesprochen und auch den Urheber des Ausgangstextes per Telefon erreicht.

3. Berliner Sumpf oder BRD-Mief?
(taz.de, Caspar Shaller)
Gut ein Jahr ist es her, dass RBB-Intendantin Patricia Schlesinger fristlos entlassen wurde. Caspar Shaller fasst die damaligen Vorgänge noch einmal zusammen und blickt auf die aktuelle Situation beim öffentlich-rechtlichen Sender. “Doch die Affäre rbb ist weder eine Lokalposse noch eine Geschichte über die dysfunktionale Hauptstadt”, so Shaller, sondern “ein typisches Problem der miefigen BRD”.

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4. Journalist Lutz Mükke beklagt die mediale Vernachlässigung des Sahel
(deutschlandfunk.de, Antje Allroggen, Audio: 8:23 Minuten)
Lutz Mükke forscht und publiziert schon viele Jahre zur Afrika-Berichterstattung deutscher Medien. Im Interview mit dem Deutschlandfunk spricht er speziell über die Sahelzone, die nach dem Putsch im Niger wieder in den medialen Fokus gerückt ist. Deutsche Redaktionen hätten sich bisher “ganz wenig, leider Gottes ganz wenig” für den Sahelraum interessiert, “und das schon seit vielen Jahren”, so Mükke. Man habe sich schon länger nicht mehr “um tiefgreifende Berichterstattung bemüht.” Mükke nennt verschiedene Gründe, die aus seiner Sicht dazu beigetragen haben.

5. Blackbox-Reporting: Wie Journalist*innen über KI und Algorithmen berichten können
(medium.com, Katharina Brunner & Rebecca Ciesielski & Uli Köppen & Cécile Schneider)
Künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen spielen eine immer größere Rolle, auch als Objekt der Berichterstattung. Aber wie können Journalistinnen und Journalisten fachkundig und angemessen kritisch über KI berichten? Ein Team des Bayerischen Rundfunks, das schon länger in dem Themenfeld recherchiert, hat dazu ein sogenanntes Whitepaper veröffentlicht. Es bietet “vier Ansätze für KI-Recherche”: 1. “Wichtig ist, was rauskommt: Recherche mit Experimenten”, 2. “Software auf dem Prüfstand: Recherche mit technischen Analysen”, 3. “Recht auf Einblick: Recherche mit juristischen Mitteln” und 4. “Erklär mir den Algorithmus: Interviews und Anfragen”. Der oben verlinkte Beitrag bietet eine Zusammenfassung, das 19-seitige Whitepaper (PDF) einen ausführlicheren Einblick.

6. Wo Hafer und Korn verloren sind
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Über den Auftritt der Medienpersönlichkeiten Markus Lanz und Richard David Precht beim Kongress “Zukunft Handwerk” wurde schon an verschiedenen Stellen geschrieben. Aber so wütend wie der Text von BILDblog-Mitarbeiter Lukas Heinser dürfte kein anderer gewesen sein. Wer sich auch über das Lanz-Precht-Geschwafel von “Hafermilch-Gesellschaft” und über das Mokieren über “Work-Life-Balance”-suchende junge Leute geärgert hat, sollte klicken. Und alle anderen auch.

Höcke-Interview, Schüsse auf die Pressefreiheit, “Barbie”-Verbot

1. Hilfe, mein Interviewer brummt!
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Nach dem MDR-“Sommerinterview” mit dem rechtsextremen thüringischen AfD-Politiker Björn Höcke gab es die Diskussion, ob man jemandem wie Höcke medial Platz geben sollte (siehe die “6 vor 9” von vergangenem Freitag). Und wenn ja, dann wäre die Frage: wie? Nach Sichtung des Interviews hat Stefan Niggemeier noch eine weitere Frage – und auch eine klare Antwort: Die Gesprächsführung des MDR-Moderators zeige, “dass es ein viel elementareres Problem gibt als die gerade mal wieder heftig diskutierte Frage, ob und wie man am besten ein Interview mit Björn Höcke führen sollte. Nämlich: Wie man überhaupt ein Interview führt. Kurz gesagt: So nicht.”

2. Artikel über Rammstein-Sänger von SZ und NDR: Lindemann erwirkt weitere einstweilige Verfügungen
(tagesspiegel.de)
Till Lindemann und dessen Anwälte haben vor dem Landgericht Hamburg einstweilige Verfügungen gegen Artikel des NDR und der “Süddeutschen Zeitung” (nur mit Abo lesbar) erwirkt. Unter dem NDR-Beitrag, der bei tagesschau.de erschienen ist, steht nun: “Das Gericht untersagte auf Antrag des Rammstein-Musikers Till Lindemann, von sexuellen Handlungen zu schreiben, denen die Frauen nicht zugestimmt hätten. Die Redaktion von tagesschau.de hat sich dazu entschieden, die Passagen zunächst entsprechend anzupassen. Der NDR prüft Rechtsmittel.” Einem Twitter-Thread zufolge stehe für die Redaktion der “SZ” bereits fest, dass sie Rechtsmittel gegen die einstweilige Verfügung einlegen wird. Das beteiligte NDR-Rechercheteam betont zu der Entscheidung des Landgerichts: “Große Teile der Berichterstattung bleiben auch nach den Verfügungen online.”

3. Drei Schüsse auf die Pressefreiheit
(taz.de, Knut Henkel)
Vergangene Woche wurde der ecuadorianische Präsidentschaftskandidat Fernando Villavicencio erschossen. Villavicencio war lange als Journalist tätig und “dank seiner investigativen Recherchen, vor allem im hochkorrupten Ölsektor, alles andere als beliebt bei den Eliten”, schreibt Knut Henkel. Der Artikel schlägt einen Bogen zur allgemeinen Lage der Pressefreiheit in Ecuador.
Weiterer Lesehinweis: Anders als im oben verlinkten Artikel zu lesen ist, wurde inzwischen doch nicht die Umweltaktivistin Andrea González Náder, sondern der Journalist Christian Zurita von Villavicencios Partei als Ersatzkandidat nominiert.

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4. Journalisten trotzen den Gefahren
(reporter-ohne-grenzen.de)
Bald jährt sich die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan zum zweiten Mal. Die Organisation Reporter ohne Grenzen erinnert daher “an das Schicksal und den Widerstand afghanischer Journalistinnen und Journalisten. Sie recherchieren trotz schwierigster Bedingungen vor Ort weiter oder informieren die Bevölkerung aus dem Exil.”

5. MDR setzte Belieferung der “Tagesschau” mit Regional-News aus
(dwdl.de, Alexander Krei)
Für mehr als zwei Wochen soll es laut einer Recherche der “Mitteldeutschen Zeitung” (nur mit Abo lesbar) in der App und auf der Website der “Tagesschau” keine Regionalnachrichten aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt gegeben haben. Grund dafür sei ein Streit zwischen der in Hamburg angesiedelten Redaktion ARD-aktuell und dem MDR. Alexander Krei schreibt bei “DWDL” dazu: “Im April hatte ARD-aktuell damit begonnen, die für ‘tagesschau.de’ zugelieferten Texte der Landesrundfunkanstalten nicht mehr als externe, sondern als eigene Beiträge zu kennzeichnen. Seither werden die Leserinnen und Leser nicht mehr zur jeweiligen Landesrundfunkanstalt weitergeleitet, sondern bleiben im ‘Tagesschau’-Angebot – was der MDR-Führung offenbar nicht gefällt, weil sie dadurch eine Schwächung des eigenen Angebots fürchtete.” Inzwischen könne man bei tagesschau.de wieder Neuigkeiten aus den drei Bundesländern finden.

6. Libanesische Regierung will »Barbie«-Vorführung verbieten
(spiegel.de)
Der weltweit irre erfolgreiche Film “Barbie” sollte eigentlich Ende des Monats auch im Libanon in die Kinos kommen. Dieses Vorhaben stoppte nun aber der libanesische Kulturminister Mohammed Mourtada: “Barbie” mache “Werbung für Homosexualität und Geschlechtsumwandlung” und verstoße gegen die “moralischen und religiösen Werte”.
Weiterer Lesehinweis: Auch in Kuwait wurde “Barbie” verboten, aufgrund von “Ideen und Überzeugungen, die der kuwaitischen Gesellschaft und öffentlichen Ordnung fremd” seien, teilte der fürs Kino zuständige Zensurausschuss mit.

KW 32/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Vom Umgang mit Hintergrundgesprächen
(deutschlandfunk.de, Ann-Kathrin Büüsker, Audio: 49:05 Minuten)
Wie läuft das eigentlich, wenn Journalistinnen und Journalisten auf der einen Seite und Politikerinnen und Politiker auf der anderen zu Hintergrundgesprächen zusammenkommen? Was bedeutet es, wenn ein Gespräch “unter drei” läuft? Und wieso kann schon die Frage maßgeblich sein, wer zu dem Treffen überhaupt eingeladen hat? Im “Politikpodcast” des Deutschlandfunks (Dlf) sprechen Katharina Hamberger, im Dlf zuständig für die Berichterstattung über CDU/CSU und das Bundesinnenministerium, Stephan Detjen, Leiter des Hauptstadtstudios, Johannes Kuhn, der die Partei Die Linke und die Digitalisierungspolitik journalistisch bearbeitet, und Ann-Kathrin Büüsker, Klimakorrespondentin und zuständig für die FDP, über die nötige Nähe zur Politik und die genauso nötige Distanz. Ein interessanter Blick hinter die Kulissen der Politikberichterstattung – zum Glück “unter eins”, also: Alles, was das Quartett bespricht, ist zur Veröffentlichung bestimmt.

2. Brauchen wir gemeinnützigen Journalismus?
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 30:21 Minuten)
Journalismus kann in Deutschland nicht gemeinnützig sein, zumindest aktuell nicht. Journalistische Projekte, die als gemeinnützig gelten wollen, müssen derzeit noch einen Umweg gehen, beispielsweise über zusätzliche Bildungsarbeit. Aber bräuchte es für eine vielfältige Medienlandschaft nicht einen gemeinnützigen, spendenbasierten Journalismus? Darüber spricht Nina Landhofer mit Susanne Stiefel von der gemeinnützigen “Kontext:Wochenzeitung”, mit Grünen-Politikerin Tabea Rößner, die dafür sorgte, dass das Thema gemeinnütziger Journalismus im aktuellen Koalitionsvertrag zu finden ist, und mit der Journalistin Maryse Sulimma, die Einblicke in den gemeinnützigen Journalismus in den USA liefert, wo alles schon deutlich besser klappt.

3. Das Millionengeschäft mit OnlyFans & Co.
(ardmediathek.de, Video: 32:07 Minuten)
In der Doku-Serie “Money Maker” werden Menschen porträtiert, die auf unterschiedlichste Weise Geld verdienen. Dieses Mal ist es eine Person, die sich selbst folgendermaßen vorstellt: “Hi, ich bin Bonny und ich ziehe mich für Geld aus und habe damit in den letzten zwei Jahren über eine Million gemacht.” Bonny Lang produziert Inhalte für Plattformen wie OnlyFans. In dem Beitrag geht es aber nicht nur ums große Abkassieren, sondern auch um die möglichen negativen Folgen ihres Geschäftsmodells.

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4. Kinderfernsehen unter der Lupe: Wunsch und Realität
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 19:08 Minuten)
Wie sollte Kinderfernsehen aussehen? Was wünschen sich die Eltern? Und wie ist Kinderfernsehen momentan tatsächlich? Eine neue Studie (PDF) habe “Elternwünsche ans Kinderfernsehen und die Realität in den Sendern miteinander abgeglichen”. Alexander Matzkeit spricht mit Maya Götz, die die Studie durchgeführt hat, über die Erkenntnisse.

5. Bibliothek früher und heute: Von der Bücherei zum “Dritten Ort”
(buecherrausch.podigee.io, Marcus Anhäuser, Audio: 34:17 Minuten)
In der letzten Folge von “BücherRausch”, des Podcasts der Städtischen Bibliotheken Dresden, schaut sich Marcus Anhäuser die Entwicklung der Bibliothek in den vergangenen Jahrzehnten an – vom Aufbewahrungsort für Bücher hin zum sogenannten Dritten Ort, der Ausgleich zu Beruf und Zuhause bieten soll. Anhäuser blickt zum Beispiel auf die Veränderung beim Verhältnis zwischen Bibliothek und Publikum: War die Bibliothek in der DDR noch Teil des staatlichen Systems, der nicht kritisiert werden durfte, gebe es heute eine Begegnung auf Augenhöhe.

6. New York: PR und Charity
(rbb-online.de, Ortrun Schütz, Audio: 39:45 Minuten)
Der Podcast “Banksy – Rebellion oder Kitsch” nähert sich in neun Folgen dem Kunstphänomen Banksy. Diese Folge handelt davon, wie es dem Streetart-Künstler “auf einzigartige Art und Weise gelingt, politischen Aktivismus und PR für sein eigenes Werk miteinander zu verbinden.” Ortrun Schütz zeigt anhand einer Kunstaktion in New York, wie der PR-Weg von Social Media über klassische Medien hin zu einem “wahren Banksy-Hype” funktioniert.

“Aktenzeichen XY”, Höcke-Interview, Im Prospekt lebt das Hackfleisch noch

1. Wem wollte Eduard Zimmermann Angst machen und warum?
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Gestern Abend lief im ZDF die knapp eineinhalbstündige Doku “Diese Sendung ist kein Spiel – Die unheimliche Welt des Eduard Zimmermann”. Stefan Niggemeier hat sie sich angeschaut: “Wenn man den Film von Regina Schilling über ‘Aktenzeichen XY ungelöst’ beim Wort nimmt, war die legendäre ZDF-Sendung womöglich ein groß angelegtes Propagandaprojekt, mit dem Eduard Zimmermann die Frauen dazu bringen wollte, ‘brav zuhause zu bleiben'”. Niggemeier findet, der Film sei “brillant komponiert, voller unglaublicher Sendungsszenen vor allem aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, die die Autorin mit den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in der Bundesrepublik kontrastiert und mit persönlichen Anmerkungen versieht. Er hat nur einen Haken: Er überzeugt mich nicht.”
Weiterer Lesetipp: Die Kritik bei “DWDL” zu Schillings Doku liest sich so, als sei Autor Alexander Krei durchaus von ihr überzeugt.

2. Einladung an alle?
(mdr.de, Ralf Heimann)
Björn Höcke, rechtsextremer thüringischer AfD-Landessprecher, war vor zwei Tagen für das jährliche Sommerinterview beim MDR. Ralf Heimann geht in der Medienkolumne “Altpapier” (die ebenfalls beim MDR erscheint) der “immer wieder gestellten Frage” nach: “Muss das denn sein?” Eine Antwort darauf sei kompliziert, schreibt Heimann und versucht, eine zu finden.

3. Neues Klima im Journalismus: Viele Wege in die Krise
(taz.de, Adefunmi Olanigan)
Eines sei klar, schreibt Adefunmi Olanigan in der “taz”: “Klima gehört zur Berichterstattung. Das Bewusstsein für das Thema ist in vielen Redaktionen gewachsen, auch durch die Klimabewegung.” Nur wie berichten die unterschiedlichen Medien über Klima, mit welcher Infrastruktur: mit eigenen Klimaressorts, mit regelmäßigen Themenschwerpunkten, mit ressortübergreifenden Teams? Olanigan beleuchtet unterschiedliche, derzeit praktizierte Ansätze verschiedener Redaktionen.

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4. Koordinierter Vertrauensverlust
(cemas.io, Lea Frühwirth)
“Wenn die Gefahren von Desinformation thematisiert werden, geht es oftmals nur in einer kurzfristigen Betrachtung darum, dass Menschen falsche Behauptungen für wahr erachten und dass hieraus unmittelbare Probleme entstehen”, schreibt Lea Frühwirth im Blog des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie CeMAS: “Zur umfassenden Betrachtung von Desinformation gehört jedoch auch der Blick auf ihre langfristigen Auswirkungen auf die Demokratie.”
Frühwirth erklärt anhand verschiedener Beispiele und Untersuchungen, warum Desinformation “ein konstanter Stressfaktor für demokratische Gesellschaften” ist.

5. Strafaussetzung zur Bewährung nach Absprache zu “mild”?
(community.beck.de, Henning Ernst Müller)
Ein, so der Vorwurf, zu mildes Urteil des Amtsgerichts Regensburg in einem Vergewaltigungsfall sorgte jüngst für wütende Kommentare und hitzige Debatten in klassischen wie Sozialen Medien. Zieht eine Entscheidung eines Gerichts derartige Reaktionen nach sich, lohnt es immer, sich differenzierte Einschätzungen von Juristen anzusehen. Zum Fall aus Regensburg erklärt Juraprofessor Henning Ernst Müller in seinem Beitrag unter anderem, was aus seiner Sicht durchaus für eine Bewährungsstrafe spricht. Und er wirft exemplarisch einen Blick auf die Berichterstattung der “Welt” zum Gerichtsurteil: “In diesem ausführlichen Beitrag wird die 6-monatige Untersuchungshaft nicht erwähnt. Das ist, Verzeihung, liebe Journalisten der ‘Welt’, eine schon grobe Verzerrung der Wirklichkeit.” Müllers Text ist bereits eine Woche alt, aber immer noch sehr lesenswert.

6. Lang lebe das Hack
(zeit.de, Moritz Hürtgen)
Moritz Hürtgen hat sich heldenhaft in die Flut aus Werbeprospekten gestürzt, sei es von Aldi, Lidl, Hit oder Edeka: “Auch ich hatte das auflagenstärkste deutsche Printprodukt bisher unterschätzt. Zu Unrecht, wie ich heute zugeben muss. Wenn etwas mit 25 bis 30 Millionen Exemplaren pro Ausgabe gedruckt wird (Bild-Auflage mal 25 bis 30), dann kommt man irgendwann einfach nicht mehr daran vorbei. Dann ist die Diskursmacht zu groß.” Hürtgens erste Erkenntnis “nach ein paar Stunden Lektüre”: “Hier lebt das Hackfleisch noch!”

Journalistisches Multitasking, Radiozoff, Cringe Jugendwort-Wahl

1. EU-Bürger wünschen sich laut Studie mehr Maßnahmen gegen Fake News
(zeit.de)
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeige, dass Falschinformationen und gefälschte Fotos im Internet viele EU-Bürgerinnen und -Bürger verunsichern. 54 Prozent der Befragten würden sich oft oder sehr oft unsicher fühlen, wenn sie online Informationen erhalten. Eine klare Mehrheit wünsche sich, dass die Politik stärker gegen die Verbreitung von Desinformation vorgeht, und 89 Prozent würden ein stärkeres Engagement der Betreiber von Online-Plattformen erwarten.

2. “Verloren im Klein-Klein”
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 5:59 Minuten)
Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan im Jahr 2021 mussten viele afghanische Journalisten und Journalistinnen, die für ausländische Medien gearbeitet hatten, das Land verlassen. Der Journalist Martin Gerner, der mehrere von ihnen bei der Ausreise unterstützt hat, betont die unverzichtbare Rolle dieser lokalen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Trotz ihrer wichtigen Arbeit in Afghanistan würden sie in Deutschland auf Integrationsprobleme und Druck stoßen, insbesondere beim Spracherwerb.

3. Zwischen Job, Herzensprojekt und Ehrenamt
(fachjournalist.de, Gunter Becker)
Viele Journalistinnen und Journalisten, insbesondere freiberufliche, setzen auf mehrere Standbeine: Neben ihrer Haupttätigkeit betreiben sie Blogs, schreiben Bücher oder produzieren Filme. Manche engagieren sich zusätzlich in NGOs und bei Kampagnen. Gunter Becker stellt drei dieser “Multiengagierten” vor: Die Kamerafrau Susanne Hensdiek, die neben ihrer Arbeit Dokumentarfilme dreht und NGOs unterstützt, die Journalistin Oyindamola Alashe, die neben ihrer journalistischen Tätigkeit Bücher schreibt und sich für soziale Themen einsetzt, und den Datenjournalisten Lorenz Matzat, der sich sowohl in der Medienbranche als auch im NGO-Bereich engagiert.

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4. Für mehr Transparenz
(taz.de, Wilfried Urbe)
Der neue Medienstaatsvertrag stärkt die Kompetenzen der Rundfunk- und Verwaltungsräte, die Zusammensetzung der Gremien werde jedoch kritisiert. Viele Mitglieder seien in Politik, Behörden oder Verbänden tätig. Es fehle an der Vertretung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen, etwa von Menschen mit Behinderungen. Experten würden die Notwendigkeit eines Kulturwandels in den Einrichtungen betonen und eine bessere Repräsentation der Gesellschaft in den Räten fordern. “taz”-Autor Wilfried Urbe weist zudem auf den Altersdurchschnitt in den Gremien hin, der bei über 50 Jahren liege.

5. Radiozoff in Sachsen
(verdi.de, Günther Herkel)
Wie Günther Herkel berichtet, kritisiert der Bundesverband Freier Radios die Vergabe einer Lizenz als “Nichtkommerzielles Lokalradio” durch die Sächsische Landesmedienanstalt an das private Radio WSW, die mit der Gewährung von Fördermitteln einhergeht. Dieser Schritt werde als Verschiebung der “Grenzen des Mediensystems” betrachtet, da er die klare Trennung zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Veranstaltern verwische.

6. Digga, goofy und Side eye
(tagesschau.de)
Die Entscheidung über das “Jugendwort des Jahres” steht an, und “Tagesschau”-Sprecherin Susanne Daubner hat es sich nicht nehmen lassen, jeden einzelnen der zehn zur Wahl stehenden Begriffe einzulesen. Eine Aktion irgendwo zwischen slay und cringe.

Kontroverse um Berichterstattung, Globaler Süden, KI-Radio

1. War doch nicht so gemeint
(kontextwochenzeitung.de, Johanna Henkel-Waidhofer)
Das baden-württembergische Innenministerium hat dem Journalisten Franz Feyder falsche Berichterstattung über Machtnetzwerke in der Polizei vorgeworfen. Die Opposition sieht das grundsätzlich anders und fordert eine Entschuldigung von Innenminister Thomas Strobl, nicht nur beim betroffenen Journalisten, sondern auch bei den “Stuttgarter Nachrichten” und der “Stuttgarter Zeitung”. Johanna Henkel-Waidhofer erläutert die Kontroverse hinsichtlich ihrer medialen und politischen Aspekte.

2. #TelegramBriefing Juli ’23
(fairmedia.ch)
Für den gerade beendeten Monat Juli hat die Initiative “Fairmedia” eine Datenanalyse von Telegram-Kanälen mit Bezug zur Schweiz durchgeführt, mit besonderem Fokus auf das Thema Hitze. Dabei wurden verschiedene Inhalte identifiziert, die nicht verifiziert werden konnten oder klare Falschaussagen enthielten, beispielsweise in Bezug auf Hitze und einen angeblichen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Derlei Erzählungen seien auch von Medien wie der “Weltwoche” übernommen worden.

3. Die Welt spricht miteinander
(journalist.de, Hanna Israel)
Beim “journalist” berichtet “Zeit-Online”-Projektleiterin Hanna Israel über das Format “The World Talks”, das von ihrer Redaktion sowie 15 Medienpartnern ins Leben gerufen wurde und tausende Menschen aus 116 Ländern zu Gesprächen zusammenbrachte: “Die Idee, einander unbekannte Menschen zu politischen Vieraugengesprächen zusammenzubringen, hatten wir erstmals vor der Bundestagswahl 2017. Westliche Gesellschaften schienen damals besonders gespalten, auch die deutsche. Wir fragten uns in der Redaktion von Zeit Online: Sprechen wir eigentlich noch genug mit Menschen, die politisch anderer Meinung sind? So entstand die Idee eines ‘politischen Tinders’.”

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4. Den Globalen Süden kaum im Bild
(de.ejo-online.eu, Ladislaus Ludescher)
Ladislaus Ludescher hat untersucht, wie viel Sendezeit und Aufmerksamkeit Österreichs wichtigste Nachrichtensendung “Zeit im Bild 1” und die größte österreichische Nachrichtenseite ORF.at dem Globalen Süden widmen. Das Ergebnis ist ernüchternd, wobei die mediale Marginalisierung des Globalen Südens Routine habe. Eine knapp elfminütige Videozusammenfassung der Ergebnisse kann man sich hier ansehen.

5. KI-gesteuertes Radio bigGPT gestartet
(verdi.de)
Gestern ist “BigGPT” gestartet, ein von Künstlicher Intelligenz (KI) gesteuerter Webradiosender, der vollständig aus computergenerierten Inhalten und synthetischen Stimmen besteht. Die KI-Moderatorin “bigLayla” werde durch Trainingsdaten, die auf GPT-Modellen basieren, und Anweisungen von Redakteuren und Redakteurinnen gesteuert, die ihr journalistische Aufgaben für die aktuelle Berichterstattung und die Musikzusammenstellung geben. Trotz der Automatisierung halte man sich an journalistische Standards und ethische Regeln und lasse die Inhalte vor der Veröffentlichung von der Redaktion prüfen, sagt der technisch verantwortliche Koordinator des Senders.

6. Wir wollen neue Stimmen im Journalismus fördern
(spiegel.de)
Der “Spiegel” und die Deutschlandstiftung Integration haben das Journalismus-Stipendium “Geh Deinen Weg” gestartet, um die Diskrepanz zwischen dem Anteil der Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland (über 27 Prozent) und dem Anteil von Medienschaffenden mit Migrationsbiografie (unter 10 Prozent) zu überwinden. Das Stipendium biete Mentoring durch erfahrene “Spiegel”-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, Zugang zu Fortbildungen sowie die Möglichkeit zu Austausch und Vernetzung. Ziel sei es, Vielfalt und Diversität in den Medien zu fördern.

Haftstrafe wegen Attacke, Falsche Außenministerin, Roberto Saviano

1. Haftstrafe nach Angriff auf Reporter bei Pressekonferenz
(zeit.de)
Ein 24-jähriger Mann wurde vom Amtsgericht München zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt, weil er im August 2022 im Anschluss an eine Corona-Pressekonferenz einen Journalisten des Bayerischen Rundfunks körperlich attackiert hatte. Der Angeklagte hatte den Angriff teilweise gestanden und sein Verhalten bedauert, anwesende Pressevertreter jedoch zu Prozessbeginn als “Drecksjournalisten” beschimpft.

2. Gegen Festlegung der Länderchefs
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert die Aussagen von sechs Ministerpräsidenten und einer Ministerpräsidentin, die sich gegen eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags ausgesprochen haben, ohne die Empfehlung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten KEF abzuwarten. Der stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster wertet dies als “Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk” und kritisiert eine Ignoranz gegenüber Expertenmeinungen.

3. Verschwörungserzählungen und die AfD
(cemas.io, Pia Lamberty & Josef Holnburger)
“Mit der Berichterstattung über den kürzlichen Bundesparteitag im Zuge der Entwicklung des Europawahlprogramms und der Abstimmung über die Kandidierendenliste der Alternative für Deutschland (AfD) zeigte sich noch einmal verstärkt der rechtsextreme Charakter dieser Partei.” Pia Lamberty und Josef Holnburger erklären in einem Blogbeitrag, wie sich die AfD Verschwörungserzählungen zunutze macht, um ihre Klientel zu mobilisieren.

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4. RAI auf Regierungslinie. Warum Saviano nicht mehr senden darf
(epd.de, Birgit Schönau)
Birgit Schönau berichtet beim epd über die schwierigen Lebensbedingungen des italienischen Schriftstellers und Journalisten Roberto Saviano. Nicht nur, dass er wegen seiner Arbeit gegen die Mafia seit Jahren unter ständiger Bedrohung und unter Polizeischutz lebt, nun wurde Saviano auch noch vom öffentlich-rechtlichen italienischen Sender RAI ausgeschlossen, unter anderem wegen seiner Kritik am rechtspopulistischen Politiker Matteo Salvini. Diese Maßnahme sei Teil einer beispiellosen “Säuberungswelle”, die sich gegen Medienschaffende richtet, die nicht der Regierungslinie folgen, so Schönau.

5. Kolumbien: Unter medialem Störfeuer
(verdi.de, Knut Henkel)
Kolumbiens Präsident Gustavo Petro stehe trotz Erfolgen wie dem Waffenstillstand mit der ELN-Guerilla medial unter Druck, berichtet Knut Henkel. Die vor Ort aktive Stiftung für Pressefreiheit FLIP führe dies auf strukturelle Probleme in der kolumbianischen Medienlandschaft zurück, da es dort keine Institutionen gebe, die den Informationsauftrag der Medien überwachen. Die Regierung plane nun, alternative Medien zu fördern, um die vorherrschenden Medienstrukturen und die Medienkonzentration in den Händen weniger, einflussreicher Akteure aufzubrechen.

6. Auswärtiges Amt ging gegen Parodie-Account vor
(spiegel.de)
Eine Parodie auf Außenministerin Annalena Baerbock erreicht auf X (ehemals Twitter) mehr als 50.000 Followerinnen und Follower. Nach einer Beschwerde des Auswärtigen Amtes wurde der Account kurzzeitig gesperrt, da er ein offizielles Foto Baerbocks verwendete und das Wort “Parodie” nicht deutlich genug hervorhob. Nachdem die Betreiber des Accounts dies deutlicher in den Vordergrund gerückt haben, dürfen sie offenbar munter weitermachen.

Medien-Affäre Wolff, “Welt” im Empörungsrausch, Hollywood besorgt

1. Fundiert spekuliert
(taz.de, Carolina Schwarz)
“Wer die Debatte um den Publizisten Fabian Wolff verstehen möchte, muss bereit sein, sehr viel Text zu lesen. Denn wie das so mit Debatten im Feuilleton ist, kurz hält sich kaum jemand.” Carolina Schwarz hat sich durch die vorhandene Berichterstattung gekämpft und versucht, den Fall zu entwirren, bei dem es nicht nur um das Fehlverhalten eines Einzelnen geht, sondern auch um den Umgang der Medien und Redaktionen damit.

2. Sorgen in Hollywood: Warum streikt die Filmbranche?
(br.de, Linus Lüring, Audio: 29:23 Minuten)
Im Medienpodcast von BR24 spricht Linus Lüring mit Expertinnen und Experten über den Streik der Filmschaffenden in Hollywood: Katharina Wilhelm (ARD-Korrespondentin in Los Angeles), Nina Franoszek (Schauspielerin in Hollywood) und Christian Lex (Drehbuchautor). Sind die Ängste vor dem Einzug von Künstlicher Intelligenz berechtigt? Welche Forderungen haben Schauspielerinnen und Schauspieler, Drehbuchautorinnen und -autoren? Und warum stehen bei den Streiks vor allem auch die Streaming-Plattformen in der Kritik?

3. Salon 5: Jugendreporter:innen und Medienkompetenz
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
“Salon5”, ein Webradio und Podcast von “Correctiv”, will jungen Menschen Medienkompetenz vermitteln und ihnen die Möglichkeit geben, sich gesellschaftlich zu engagieren. Die Initiative bildet Jugendliche zu Reportern und Reporterinnen aus, die ihre eigenen Themen setzen und gestalten können. Im Interview mit dem “European Journalism Observatory” erzählt Redaktionsleiterin Hatice Kahraman, was “Salon5” von anderen Formaten unterscheidet, woher die Idee stammt und welchen Stellenwert das Projekt innerhalb von “Correctiv” hat.

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4. Facebook muss um Zustimmung bitten
(verdi.de)
Meta, der Konzern hinter Facebook, Instagram und WhatsApp, habe angekündigt, sich künftig an die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) halten und die Zustimmung seiner Nutzerinnen und Nutzer in der EU einzuholen zu wollen, bevor deren Daten verwendet werden. Die Entscheidung folge auf eine Geldstrafe in Höhe von 390 Millionen Euro, die Meta im Januar 2023 wegen Verstößen gegen die DSGVO auferlegt worden sei. Meta werde nun die Zustimmung der Nutzerinnen und Nutzer in der EU einholen, bevor es personalisierte Werbung auf der Grundlage des Nutzungsverhaltens schaltet.

5. Twitter heißt jetzt “X” – sonst ändert sich alles
(gutjahr.biz)
Richard Gutjahr schreibt über die Transformation von Twitter zu X. Was die von Elon Musk angestrebte Verwandlung zu einer Art “Super-App” anbelangt, mit der man chatten, shoppen und bezahlen kann, ist Gutjahr skeptisch: “Anders als die anderen Musk-Unternehmen SpaceX oder Starlink ist das Führen eines Sozialen Netzwerks offenbar keine Raketenwissenschaft. Es ist schwerer.”

6. “Welt” erfindet Aufregung um “Rolling Stone”-Bestenliste
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die deutsche Ausgabe des Musikmagazins “Rolling Stone” hat 135 Personen aus der Musikbranche nach deren Lieblingsalben gefragt und daraus eine Liste der “500 besten Alben aller Zeiten” erstellt. Ein Autor der “Welt” will daraufhin einen große Empörung über diese Besten-Liste entdeckt haben. Die vermeintliche öffentliche Erregung findet sich jedoch vor allem in den Kommentaren der “Welt”-Leserschaft, meint Medienkritiker Stefan Niggemeier. Die “erhitzte öffentliche Debatte”, die die “Welt” sich ausgedacht habe, sei nur ein “warmes Flatulenz-Lüftchen in der eigenen Leserkommentarspalte”.

KW 31/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Medien und die AfD: Wie berichten über Rechts?
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 33:20 Minuten)
Im Medienpodcast “quoted” sprechen die Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura und der “SZ”-Journalist Nils Minkmar mit der Rechtsextremismusexpertin Pia Lamberty über die aktuell hohen Zustimmungswerte der AfD und den medialen Umgang mit Rechts. Handelt es sich bei AfD-Wählern tatsächlich um Protestwähler, wie oft behauptet wird? Schenken manche Medien der AfD zu viel Aufmerksamkeit? Und welche Art der Berichterstattung wäre angemessen?

2. Tür an Tür mit dem Gangster:Leben in Rios größter Favela
(ardaudiothek.de, Weltspiegel Podcast, Philipp Abresch, Audio: 30:09 Minuten)
Für den “Weltspiegel” sind Matthias Ebert, ARD-Korrespondent in Rio de Janeiro, und die Filmemacherin Joana Jäschke in die größte Favela Rios gezogen und haben von dort eine packende Video-Reportage mitgebracht. Im “Weltspiegel”-Podcast berichten sie über das Making-of des Projekts, und das ist nicht minder spannend.

3. Ärger bei “Siegener Zeitung” und Kreml-Videos auf Tiktok
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 42:19 Minuten)
Das WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” beschäftigt sich wie gewohnt mit einer Reihe von Themen: Zu Beginn steht die “Siegener Zeitung” im Fokus, die Druck durch die Industrie- und Handelskammer beklagt. Darüber hinaus geht die Sendung auf die Herausforderungen der Lokalzeitungen in Nordrhein-Westfalen ein. Ein weiteres Thema ist die Nutzung von TikTok als Plattform für Videos aus dem Kreml. Und es geht um die Pläne von Instagram, Abonnements für Zusatzinhalte einzuführen.

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4. Künstliche Intelligenz im Journalismus: Chance, Bedrohung, Perspektiven
(youtube.com, Frankfurter PresseClub, Kim Björn Becker, Video: 1:31:40 Stunden)
Wie wird sich Künstliche Intelligenz (KI) auf den Journalismus auswirken? Ist sie eher Chance oder eher Bedrohung? Welche Regeln braucht es für ihren Einsatz? Und wie schützen sich Redaktionen vor KI-generierten “Fake News” oder gar systematischer Einflussnahme? Unter anderem darüber diskutieren Alessandro Alviani (Lead Natural Language Processing Ippen Digital), Felix M. Simon (Journalist, Kommunikationsforscher und Doktorand am Oxford Internet Institute) und Sarah Stein (Head of Search Experience beim SWR).

5. Warum X keinen Spaß macht, eine Drohne aber schon
(br.de, Christian Sachsinger & Markus Schuler, Audio: 37:23 Minuten)
Im Tech-Podcast “Umbruch” ist Markus Schuler zu Gast, der für den Bayerischen Rundfunk aus Kalifornien berichtet. Im virtuellen Silicon-Valley-Streifzug geht es um die Umbrüche bei X (vormals Twitter), die Frage, warum die USA auf ein europäisches KI-Gesetz hoffen, und die Fähigkeiten der neuen Drohne des Markt-Primus DJI.

6. Grenzenloser Spaß: Darf Humor alles?
(youtube.com, unbubble, Jo Schück, Video: 41:42 Minuten)
Bei “13 Fragen” geht es um die Fragestellung, was Humor darf: Wo liegen die Grenzen? Und wer definiert sie? Hat sich der Umgang mit grenzwertigen Witzen verändert? Und haben Comedians eine moralische Verantwortung? Darüber diskutieren Philipp Leinenbach (Comedian), David Geßner (Medienanwalt), Minh Thu Tran (Journalistin), Oliver Pocher (Komiker), Kerstin Hensel (Schriftstellerin) und Hamza Raya (Comedian).

Anzeigenblätter, AFP verklagt ehemaliges Twitter, Radiopreis

1. Presserat kümmert sich nun auch um Gratiszeitungen
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wie “DWDL” berichtet, wird der Deutsche Presserat im Rahmen der freiwilligen Selbstregulierung künftig auch Gratiszeitungen berücksichtigen. Dies bedeute, dass Anzeigenblätter am Beschwerdeverfahren teilnehmen können, sofern die Verlage zuvor eine Selbstverpflichtungserklärung abgegeben haben. Der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen unterstütze die Initiative und setze sich dafür ein, dass seine Mitgliedsverlage den Pressekodex befolgen.

2. Nachrichtenagentur AFP verklagt X
(spiegel.de)
Die Nachrichtenagentur AFP hat in Frankreich eine Urheberrechtsklage gegen den Online-Dienst Twitter, der inzwischen unter dem Namen X läuft, eingereicht. Sie wirft der Plattform vor, nicht für die Verbreitung journalistischer Inhalte zu zahlen, wie es das französische Leistungsschutzrecht für Presseverleger vorsehe. Elon Musk, der Twitter im vergangenen Jahr übernommen hat, bezeichnete den Rechtsstreit als als “bizarr” und äußerte Unverständnis für die Geldforderung.

3. Wir hätten es wissen können
(taz.de)
Die “taz” hatte fälschlicherweise berichtet, dass Pink-Floyd-Sänger Roger Waters Mitherausgeber der Zeitung “Demokratischer Widerstand” sei. Die Anwälte von Waters haben dies dementiert und klargestellt, dass ihr Mandant zu keinem Zeitpunkt für die Zeitung tätig war und auch keine Zusammenarbeit mit dem Herausgeber der Zeitung bestehe. Die “taz”-Redaktion entschuldigt sich für die Fehlinformation, zumal auch andere Medien die falsche Meldung übernommen hätten.

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4. Wie verändert KI die Suchmaschinenoptimierung?
(fachjournalist.de, Dennis Fajt)
Beim “Fachjournalist” beschäftigt sich Dennis Fajt mit den Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz (KI) auf die Suchmaschinenoptimierung (SEO). Er nennt drei Tipps für Journalistinnen und Journalisten, Bloggerinnen und Blogger in der KI-gesteuerten SEO-Landschaft: das Setzen auf “Qualitätsinhalte”, das “Verstehen der Nutzerintention” und die “Anpassung an Veränderungen”. Trotz des Einflusses von KI seien die menschlichen Qualitäten wichtig: “Journalisten und Blogger sollten ihre Expertise, Kreativität und Originalität einbringen, um ihren Lesern einen Mehrwert zu bieten. Die Fähigkeit, einzigartige Perspektiven, Meinungen und Geschichten zu präsentieren, macht den Unterschied und schafft eine engagierte Leserschaft.”

5. Die Nominierten für den Deutschen Radiopreis 2023 stehen fest
(radiowoche.de, Tom Sprenger)
Die Nominierungen für den Deutschen Radiopreis 2023 stehen fest. In diesem Jahr haben 150 Sender insgesamt 453 Beiträge eingereicht, aus denen die unabhängige Nominierungskommission des Grimme-Instituts für jede der zehn Preiskategorien drei Finalistinnen und Finalisten ausgewählt hat. Wer sich aus dieser kleinen, aber feinen Gruppe durchgesetzt hat, gibt die Grimme-Jury am 7. September bei der Preisverleihung bekannt.

6. Wie “Digital Streetwork” auf TikTok funktioniert
(belltower.news)
Die Plattform TikTok stellt für viele Jugendliche und junge Erwachsene eine wichtige Informationsquelle dar. Dabei stoßen sie häufig auf Inhalte unterschiedlicher Qualität, die von sachlicher Information bis zu Desinformation reichen. Das interdisziplinäre Team von “pre:bunk” habe es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, Nutzerinnen und Nutzer von TikTok mit dem Ansatz des “Digital Streetwork” medienpädagogische Unterstützung anzubieten, um sie medienkompetent durch die Inhalte zu führen. Der TikTok-Kanal @prebunk biete Raum für Austausch, praktische Hilfestellungen und “engagierte medienpädagogische Gegenrede”.

“Linksunten”-Razzia, Journalismus fürs Gemeinwohl, UN-Radios

1. Razzia bei mutmaßlichen Betreibern von »Linksunten.indymedia«
(spiegel.de)
In Freiburg wurden die Wohnungen von fünf mutmaßlichen Betreiberinnen und Betreibern der längst verbotenen Internetplattform “Linksunten.indymedia” durchsucht. Sie stünden im Verdacht, die linksradikale Seite trotz Verbots weiter betrieben zu haben. Bei der Razzia wurden unter anderem Handys, Laptops und andere Speichermedien beschlagnahmt, die nun ausgewertet werden. “Linksunten.indymedia” war im August 2017 nach den Krawallen am Rande des G20-Gipfels in Hamburg vom Bundesinnenministerium verboten worden. Für weitere Hintergrundinformationen siehe auch: Was ist eigentlich Linksunten.indymedia?

2. WDR-Frau als vermeintliche Penny-Kundin: Peinlicher als der Lapsus ist die fehlende kritische Distanz
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Dass in einem Nachrichtenbeitrag über eine Aktion des Discounters Penny, der vom WDR produziert wurde und unter anderem in der “Tagesschau” lief, eine WDR-Mitarbeiterin als Penny-Kundin präsentiert wurde (siehe die “6 vor 9” von gestern), sei “für die Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fake-News-Krakeeler” ein Fest gewesen, kommentiert Kurt Sagatz. Noch bedenklicher als “der peinliche Lapsus” sei “allerdings die insgesamt fehlende kritische Distanz des Penny-Beitrags.”

3. Journalismus für die Gesellschaft
(journalist.de, Alexander von Streit)
Alexander von Streit, Gründer und Herausgeber des unabhängigen Online-Magazins “Krautreporter” und einer der Köpfe von “Vocer”, dem “Institut für Digitale Resilienz”, setzt sich für einen am Gemeinwohl orientierten Journalismus ein. Von Streit ist der Meinung, dass Journalismus einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben sollte, und dass die Beziehung zwischen Medienkonsumenten und journalistischen Angeboten gestärkt werden müsse: “Wir benötigen ein neues Koordinatensystem, in dem sich Medien mit einer konsequenten gesellschaftlichen Verantwortung für das Gemeinwohl bewegen und daran ihre Arbeit ausrichten.”

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4. Hurra, die Welt geht unter
(taz.de, Arabella Wintermayr)
Arabella Wintermayr hat sich angeschaut, wie die Gaming- und Streaming-Industrie mit dem Thema Klimakrise umgeht. Ihr Fazit: Es werde in Serien und Spielen bislang überraschend selten aufgegriffen, obwohl dystopische Szenarien und Endzeitstimmung sonst beliebte Settings seien. Der vom UN-Umweltprogramm initiierten Allianz “Playing for the Planet” steht Wintermayr abwartend bis skeptisch gegenüber: “Inwiefern sich hinter der Initiative mehr als bloßes ‘Greenwashing’ verbirgt, wird die Zeit zeigen. Ebenso, ob es Serien und Spielen gelingen wird, eine erzählerische Herangehensweise an den Klimawandel zu entwickeln, die mehr ist als ästhetische Weltuntergangskulisse für schaurig-schönen Grusel.”

5. UN-Radios in Friedenseinsätzen: Öffentlicher Rundfunk oder PR?
(de.ejo-online.eu, Roja Zaitoonie)
Roja Zaitoonie berichtet über die Rolle von UN-Radios in Friedensmissionen. Seit dem ersten Einsatz von Radio UNTAC in Kambodscha 1992 hätten sich einige UN-Sender zu den beliebtesten Radiostationen in ihren Ländern entwickelt. Dennoch seien die UN-Radios nicht unumstritten, insbesondere im Hinblick auf ihren Einfluss auf die lokale Medienlandschaft und die Frage, was mit ihnen geschieht, wenn ein Friedenseinsatz beendet ist.

6. Autorenstreik in Hollywood: Kommt nun Bewegung rein?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Seit drei Monaten streiken die TV- und Film-Autorinnen und -Autoren in den USA. Nun scheint Bewegung in die festgefahrene Situation zu kommen: Die Writers Guild of America habe bestätigt, dass der Verband der Produzenten und Produzentinnen AMPTP ein persönliches Treffen vorgeschlagen habe, um die Möglichkeit offizieller Verhandlungen zu erörtern. Laut Uwe Mantel halten Beobachter eine schnelle Einigung jedoch für unwahrscheinlich, da die Positionen zu weit auseinander lägen.

Die Causa Wolff, “Saublöder Fehler” oder “Skandal”?, X gegen Forschung

1. Faktencheck: Beitrag des freien Autors Fabian Wolff
(blog.zeit.de)
Der freie Journalist und Autor Fabian Wolff hatte in einem “Zeit-Online”-Artikel mit dem Titel “Mein Leben als Sohn” erklärt, dass er, obwohl er sich selbst als “Jude in Deutschland” bezeichnet, in Wirklichkeit kein Jude sei. Dieses Gerücht hatte offenbar bereits in der Medienszene kursiert, war aber erst durch Wolffs Artikel öffentlich geworden. Der Text löste eine breite Debatte aus, in der die eine Seite Wolffs Darstellung infrage stellte und die andere über die Gründe und Implikationen einer falschen jüdischen Identität diskutierte. Philipp Peyman Engel zeigte sich in der “Jüdischen Allgemeinen” nicht überzeugt von Wolffs Aussagen: “Selbst in einem Text, der eigentlich maximale Transparenz und Ehrlichkeit bieten sollte, verheddert Wolff sich weiter in Lügen.” Nun versucht “Zeit Online” in einem selbstkritischen Faktencheck, den Vorgang aufzuarbeiten.
Wer einen anderen Blick auf den Vorgang haben möchte, sollte sich auch Mirna Funks Gastbeitrag in der “FAZ” durchlesen (nur mit Abo lesbar).

2. “Ein Skandal”: Heftige Kritik an ARD-Interview
(t-online.de)
In einem Nachrichtenbeitrag der ARD wurde eine Mitarbeiterin des Senders als zufällig interviewte Supermarktkundin präsentiert, was zu Kritik führte. Die ARD hat daraufhin den Beitrag, der in “Tagesschau” und “Tagesthemen” lief, bearbeitet und einen Hinweis in der Mediathek hinzugefügt, dass das Interview nicht den journalistischen Standards entspreche. Stefan Brandenburg, Chefredakteur Aktuelles beim WDR, habe den Vorfall als “saublöden Fehler” bezeichnet und erklärt, dass die Mitarbeiterin zufällig nach ihrer Schicht interviewt worden und es dabei zu einem Missverständnis gekommen sei.

3. Nicht jeder Blog ist Presse
(lto.de)
Nach Informationen von “Legal Tribune Online” hat das Landgericht Schweinfurt entschieden, dass politische Aktivisten und Whistleblowerinnen bei Verdachtsberichterstattung keine Stellungnahmen einholen müssen, sofern sie kein journalistisch-redaktionelles Angebot betreiben. Hintergrund der Entscheidung sei eine Klage der ehemaligen Compliance-Beauftragten einer Stadt gegen einen Eintrag auf der Website buergerplattform-schweinfurt.de, in dem über Ermittlungen gegen sie berichtet wurde. Das Gericht habe betont, dass nicht jedes Blog automatisch als Presse anzusehen sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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4. ZDF betreibt auf sieben Plattformen 101 Social-Media-Kanäle
(epd.de)
Wie epd Medien berichtet, betreibe das ZDF derzeit 101 Social-Media-Kanäle auf sieben verschiedenen Plattformen, wobei Youtube und Instagram dominierend seien. Im Jahr 2023 seien bisher acht Kanäle eingestellt worden, darunter der Facebook-Auftritt von “Aktenzeichen XY… Ungelöst”. Die Entscheidung, bestimmte Kanäle zu schließen, sei oft aufgrund nicht erreichter quantitativer Ziele getroffen worden, wie im Fall des Youtube-Kanals des Wissensformats “Heureka”, der statt der angestrebten 300.000 nur 100.000 Views erzielt habe.

5. Podcasts pendeln sich auf hohem Fan-Niveau ein
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Wie das Blog der Medientage München schreibt, bestätigen erhobene Daten den gefühlten Podcast-Trend in Deutschland: Laut einer Bitkom-Umfrage würden 43 Prozent der über 16-Jährigen zumindest gelegentlich Podcasts hören, was rund 29,7 Millionen Menschen entspreche. Die noch junge Reichweitenanalyse “ma Podcast” liefere nun detailliertere Zielgruppeninformationen, um das Medium besser planbar zu machen, und zeige, dass 40,6 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung schon einmal Podcasts genutzt hätten.

6. X gegen Forschung
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Erst hieß es noch, Elon Musk drohe kritischen Forscherinnen und Forschern mit Konsequenzen. Nun wird bekannt, dass sein Unternehmen X, das einst Twitter hieß, das Center for Countering Digital Hate (CCDH), das sich gegen Hatespeech einsetzt, tatsächlich verklagt. Grund sei ein im Juni veröffentlichter Forschungsbeitrag des CCDH. Dafür hatte die Organisation nach eigenen Angaben 100 kostenpflichtige Accounts bei Twitter wegen der Verbreitung von Hass gemeldet. Twitter habe die Beiträge in 99 Prozent der Fälle nicht gelöscht.

Staatstrojaner, Elon Musk droht, Gesellschaftliche Transformation

1. Staatstrojaner ist verfassungswidrig
(djv.de, Hendrik Zörner)
In einer Stellungnahme gegenüber dem Bundesverfassungsgericht (PDF) hat der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) seine Haltung zur Überwachung der digitalen Kommunikation von Journalistinnen und Journalisten deutlich gemacht. “Der Staatstrojaner ist die für uns Journalisten heimtückischste Waffe im Arsenal der Überwacher”, so der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall in der dazugehörigen Pressemitteilung: “Es wäre wünschenswert, wenn das Bundesverfassungsgericht die angegriffenen Regelungen für verfassungswidrig erklärt.”

2. Algorithmen rütteln kaum an politischen Einstellungen
(netzpolitik.org, Daniel Leisegang)
Sind die Algorithmen Sozialer Medien mitverantwortlich für die Verbreitung von Falschinformationen und für die Polarisierung der Gesellschaft, wie oft angenommen wird? Verschiedene Untersuchungen haben sich dieser Frage gewidmet, doch ihre Ergebnisse sind nicht so klar, wie man erwarten könnte. Daniel Leisegang hat die Studien mitsamt ihrer wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

3. Elon Musk droht kritischen Forschern mit Konsequenzen
(spiegel.de)
Das Zentrum zur Bekämpfung von digitalem Hass (CCDH) habe eine Zunahme von Hass und Hetze auf dem einst als Twitter bekannten Netzwerk X festgestellt, seit der Tech-Milliardär Elon Musk dort das Ruder übernommen hat. Nun drohen Musk und dessen Team den Forscherinnen und Forschern mit rechtlichen Konsequenzen. Die Publikationen des CCDH würden darauf abzielen, “dem Geschäft von Twitter zu schaden, indem Werbekunden mit aufrührerischen Behauptungen von der Plattform vertrieben werden”, so ein Anwalt, der die Plattform X vertritt, in einem Schreiben an das CCDH.
Unbedingte Hörempfehlung in diesem Zusammenhang: Der Podcast “Haken dran” von Gavin Karlmeier und Dennis Horn, die gerade gestern wieder das tägliche Twitter- beziehungsweise X-Chaos fachkundig diskutiert haben und heute daran anknüpfen.

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4. Gesellschaftliche Transformation – kostenloser Download
(netzwerk-weitblick.org)
Der von Journalistinnen und Journalisten gegründete Verein Netzwerk Weitblick hat sich zum Ziel gesetzt, Medienschaffende über das Thema Nachhaltigkeit zu informieren. Nun stellt der Verein ein einführendes Handbuch “für Journalist*innen und alle, die es wissen wollen” zum kostenlosen Download zur Verfügung: “Die Weltgemeinschaft steht vor großen Herausforderungen. Eine gesamtgesellschaftliche Transformation scheint angesichts von Klimakrise, Ressourcenknappheit und Artensterben unabdingbar zu sein. Unser Handbuch thematisiert diese Transformation. Es beschreibt, was eine Überschreitung der planetaren Grenzen bedeutet, stellt die Frage, ob es noch genügend Zeit für eine evolutive Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft gibt und skizziert Lösungswege.”

5. Bund fördert Qualitätsjournalismus
(mmm.verdi.de)
Wie auf den Seiten der Gewerkschaft Verdi zu lesen ist, fördert die Bundesregierung mit etwa einer Million Euro Projekte, die den Qualitätsjournalismus stärken. Kulturstaatsministerin Claudia Roth habe betont, dass ein selbstbewusster Journalismus für ein freiheitlich-demokratisches Zusammenleben unverzichtbar sei. Seit 2021 unterstütze der Bund Modellprojekte, die die strukturellen Rahmenbedingungen journalistischer Arbeit verbessern und den unabhängigen Journalismus schützen. Anträge können bis zum 30. September eingereicht werden.

6. 20 Jahre Podcasting, jetzt auch auf Uhren!
(podjournal.de, Jörg Schaar, Audio: 5:31 Minuten)
Jörg Schaar fasst einmal im Monat die Neuigkeiten aus der unabhängigen deutschen Podcastszene zusammen. In der aktuellen Folge geht es um den 20. Geburtstag des Mediums Podcast, Podcasts für Uhren, die nächste Version der Publishing-Lösung Podlove und die aktuellen Neuerungen der Komplettsoftware Riverside. Interessant für alle Podcasterinnen und Podcaster und alle, die mit dem Gedanken spielen, selbst einmal einen Podcast zu starten.

Die Zerschlagung von G+J, Auf Recherche, Kanye West auf X

1. Jeden Tropfen ausgewrungen
(taz.de, Thomas Schuler)
Die Sendergruppe RTL und deren Mutterkonzern Bertelsmann planen, zahlreiche Magazine des Verlags Gruner + Jahr (G+J), der 2021 von RTL übernommen wurde, einzustellen oder zu verkaufen. Das Vorhaben läuft zum Teil schon. Die Zerschlagung von G+J durch RTL habe insbesondere die freien Journalistinnen und Journalisten hart getroffen, da sie keine Abfindungen erhalten sollen. Thomas Schuler fragt, wie es zum Auseinandernehmen des einst führenden Verlagshauses in Deutschlands und Europa kommen konnte und ob dies wirklich wirtschaftlich notwendig war, wie es Bertelsmann-Chef Thomas Rabe darstelle.

2. Newsletter Netzwerk Recherche 223
(netzwerkrecherche.org, Hakan Tanriverdi)
Im aktuellen Newsletter des Netzwerk Recherche hat Hakan Tanriverdi eine Idee für den medialen Umgang mit Anwaltsschreiben, in denen einseitig ein Zitierverbot ausgesprochen wird. Er schlägt folgende Formulierung vor: “Auf Anfrage schickte der Anwalt von XY ein fünfseitiges Schreiben, aus dem wir angeblich nicht zitieren dürfen. So einem Deal haben wir nicht zugestimmt, also sehen wir uns nicht an die Auflagen gebunden. Hier also die Antworten.” Wie immer bietet der Newsletter außerdem einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

3. Fußmärsche ins Dickicht – und plötzlich Drohnenalarm
(spiegel.de, Janita Hämäläinen & Thore Schröder, Video: 13:31 Minuten)
Der “Spiegel” bietet einen interessanten Blick hinter die Kulissen einer Recherche in der Ukraine. Dabei geht es um ganz praktische Überlegungen, die immer wieder angestellt werden müssen: Welche Routen können genutzt werden? Und welche nicht? Wie läuft der Kontakt zum Militär? Wo ist die nächste Deckung?

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4. Wenn Medien zu wenig über Inhalte berichten
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 38:05 Minuten)
Der Deutschlandfunk (Dlf) stellt sich regelmäßig der Kritik seiner Hörerinnen und Hörer und hat dafür sogar ein eigenes Sendeformat geschaffen: “Nach Redaktionsschluss”. In der aktuellen Folge geht es um die Frage, ob Medien bei der politischen Berichterstattung zu wenig auf die Inhalte und zu viel auf die Performance der Protagonistinnen und Protagonisten achten. Darüber diskutieren ein Dlf-Hörer, Martin Ganslmeier aus dem ARD-Hauptstadtstudio und der Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer.

5. Sommerinterviews: Ist das Journalismus oder kann das weg?
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 29:21 Minuten)
Das jüngste ZDF-Sommerinterview mit Friedrich Merz wurde in vielen Medien intensiv diskutiert. Auch die ARD führt in der parlamentarischen Sommerpause ausführliche Interviews mit Politikern und Politikerinnen wie Olaf Scholz, Janine Wissler und Ricarda Lang. Nina Landhofer beleuchtet die Möglichkeiten solcher Interviewformate und geht der Frage nach, ob Journalistinnen und Journalisten dabei nur als Stichwortgeber fungieren oder die Chance haben, Themen und Personen kritischer zu hinterfragen.

6. Kanye West darf wieder “x-en”
(tagesschau.de)
Der Künstler Kanye West, der sich inzwischen Ye nennt, wurde aufgrund antisemitischer Äußerungen im Dezember 2022 auf Twitter gesperrt. Er hatte unter anderem ein Bild eines Davidsterns mit einem eingearbeiteten Hakenkreuz geteilt. Nun darf West auf der Plattform, die sich inzwischen X nennt, wieder posten. Trotz der Aufhebung der Sperre werde er sein Konto jedoch nicht monetarisieren können.

KW 30/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Pferdefotos und ein Mord
(geschichte.fm, Daniel Meßner & Richard Hemmer, Audio: 52:05 Minuten)
Seit mehr als sieben Jahren tauschen die Historiker Daniel Meßner und Richard Hemmer wöchentlich Geschichten aus der Vergangenheit aus. “Das Besondere daran: der eine weiß nie, was der andere ihm erzählen wird.” In der aktuellen Folge geht es um einen historischen Medienmacher, den Fotopionier Eadweard Muybridge.

2. Klimawandel: Berichterstattung zwischen Alarm und Aufklärung
(sr.de, Florian Mayer & Kai Schmieding, Audio: 16:06 Minuten)
Florian Mayer und Kai Schmieding sprechen mit dem “FAZ”-Wissenschaftsredakteur Joachim Müller-Jung über Probleme und Chancen einer objektiven Klimaberichterstattung: Was kann Journalismus zu diesem komplexen Thema beitragen? Und wie kann man der von Müller-Jung beobachteten zunehmenden “Klimamüdigkeit” begegnen?

3. Dagmar Berghoff, schauen Sie noch die Tagesschau?
(zeit.de, Jochen Wegner & Christoph Amend, Audio: 4:33:54 Stunden)
Dagmar Berghoff, eine Ikone des deutschen Fernsehens und erste Sprecherin der “Tagesschau”, ist zu Gast im “Zeit”-Podcast “Alles gesagt?”. In dem Gespräch blickt Berghoff auf ihre Karriere zurück, spricht über ihre Zeit bei der “Tagesschau” und persönliche Erlebnisse wie Begegnungen mit Prominenten sowie über ihre eigene Nachrichtenmüdigkeit. Außerdem erzählt Berghoff persönliche Anekdoten, etwa wie sie mal ein Angebot von RTL bekommen hat und wie sie über den Hockenheimring gerast ist.

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4. Persönlichkeitsrechte von Personen der Öffentlichkeit
(podcast04b645.podigee.io, Nadine Mannshardt & David Geßner, Audio: 46:42 Minuten)
Medienanwalt David Geßner und seine Kanzleikollegin Nadine Mannshardt unterhalten sich mit ihrer Mandantin Chethrin Schulze, die an zahlreichen Trash-TV-Formaten und Reality-Shows (“Love Island”, “Promi Big Brother”, “Kampf der Reality Stars”) teilgenommen hat: Wie viel persönliche Intimität muss geopfert werden, um das Publikum zu unterhalten oder zu informieren? Wie wirkt es sich auf die Beziehungen zu Partnern und Kindern aus, wenn diese ungewollt in die Öffentlichkeit gezerrt werden?

5. “Guter Journalismus ist vielfältig”
(fachjournalist.de, Aileen Gharaei, Audio: 12:04 Minuten)
Aileen Gharaei hat sich mit der Vorsitzenden der Neuen Deutschen Medienmacher*innen Ella Schindler unterhalten: “Warum ist Diversität in den Medienhäusern notwendig und sollte Voraussetzung sein? Und wie können Medienschaffende ohne internationale Biografie selbst eine diverse Berichterstattung mit ermöglichen bzw. diese unterstützen?”

6. Journalisten als Botschafter für ihre Medienhäuser
(youtube.com, Nina Mülhens, Video: 1:07:38 Stunden)
Moderatorin Nina Mülhens begrüßt im Frankfurter Presseclub Stefanie Michels, Leiterin des Social-Media-Ressorts der “FAZ”, und Vanessa Zaher, Pressesprecherin des Hessischen Rundfunks. Es geht dabei um die Frage, inwieweit Journalistinnen und Journalisten auch die Kommunikation mit ihrem Publikum übernehmen und als Botschafter der jeweiligen Medienmarke auftreten sollten.

Aus für Blendle, Netflix und der KI-Experte, Kommentarkapitulation

1. Du wolltest schon immer Zeitungsartikel einzeln kaufen? Mit Blendle stirbt diese Möglichkeit gerade.
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der Online-Kiosk Blendle, über den Nutzerinnen und Nutzer einzelne Zeitungs- und Zeitschriftenartikel ohne Abonnement kaufen konnten, wird in Deutschland nach fast acht Jahren geschlossen. Mehrere Verlage hatten bereits ihre Inhalte von der Plattform genommen; der Einzelverkauf von Artikeln passte nicht mehr zum Geschäftsmodell der meisten Verlagshäuser, die sich auf den Verkauf von Abonnements konzentrieren. Stefan Niggemeier fasst die Entwicklung Blendles zusammen, das anfangs als innovativer und hoffnungsvoller Weg zur Finanzierung von Journalismus gefeiert wurde.

2. Warum wir die Kommentarfunktion abschaffen
(queer.de, Micha Schulze)
Bei queer.de meldet sich Micha Schulze in eigener Sache mit einer Art Kapitulationserklärung zu Wort. Nach langen Diskussionen habe man sich zähneknirschend dazu entschlossen, die Kommentarfunktion auf der Seite abzuschalten: “Nicht nur auf queer.de besteht heute ein Großteil der Kommentare aus einem sich wiederholenden Zank zwischen wenigen Personen, der oft kaum etwas mit dem eigentlichen Artikelthema zu tun hat. Neue Argumente oder einen Erkenntnisgewinn gibt es selten. In unserem kleinen Team bindet das Freischalten der Beiträge enorme Ressourcen, wobei uns gleichzeitig von der einen Seite Zensur und von der anderen ein Dulden von Hass vorgeworfen wird.” In seinem Text führt Schulze die Gründe näher aus und spricht Probleme an, die vermutlich auch andernorts bestehen.

3. Das langsame Sterben der alten Medien
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz nimmt die aktuellen Entwicklungen in der Medienbranche zum Anlass, um über das schwindende Interesse an traditionellen Medien wie Printpublikationen und dem linearen Fernsehen nachzudenken. Viele dieser Medienangebote würden mittlerweile als veraltet und für jüngere Generationen nicht mehr relevant angesehen, was sich in sinkenden Auflagen und Zuschauerzahlen widerspiegele. Jakubetz argumentiert, dass Medienunternehmen sich spezialisieren, ihre Angebote personalisieren und auf die Bedürfnisse ihrer Zielgruppen eingehen müssten, um in der heutigen digitalen Medienlandschaft erfolgreich sein zu können.

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4. Abschied von gedruckten Ausgaben
(verdi.de, Gerd Hautsch)
Wer sich für die wirtschaftliche Entwicklung in der Medienbranche interessiert und nach ausführlichen Informationen dazu sucht, wird auf den Seiten der Gewerkschaft Verdi fündig. Dort hat Gerd Hautsch das zwei Quartal 2023 unter die Lupe genommen. Sein Bericht gliedert sich in drei Teile: Im ersten Teil findet sich ein umfassender Branchenüberblick (PDF), im zweiten geht es um die Entwicklung der großen Medienkonzerne (PDF) und im dritten um Übernahmen, Beteiligungen und Joint Ventures (PDF).

5. KIM-Studie: Wie Kinder 2022 Medien nutzten
(de.ejo-online.eu, Pauline Wörsdörfer)
Pauline Wörsdörfer wirft einen Blick auf die Ergebnisse der aktuellen KIM-Studie, die sich mit der Mediennutzung von 6- bis 13-Jährigen in Deutschland beschäftigt. Die Ergebnisse würden zeigen, dass digitale Medien fest im Alltag der Kinder verankert seien, wobei insbesondere Streamingdienste im Vergleich zu 2020 an Beliebtheit gewonnen hätten. Während Kinder digitale Medien immer selbstbestimmter nutzen würden, kämen nur selten technische Hilfsmittel zum Einsatz, mit denen Eltern ihre Kinder vor ungeeigneten Inhalten schützen können. Eine frühzeitige Förderung eines kompetenten Umgangs mit diesen Medien und die Unterstützung der Eltern seien daher von größerer Bedeutung.

6. Netflix bietet KI-Experten 900.000 Dollar – streikende Schauspieler empört
(spiegel.de, Patrick Beuth)
In Hollywood streiken seit einiger Zeit Drehbuchautorinnen und -autoren sowie Schauspielerinnen und Schauspieler, unter anderem aus Angst, ihre Jobs könnten künftig von Künstlicher Intelligenz erledigt werden. Eine (inzwischen geänderte) Stellenanzeige von Netflix scheint ihre Befürchtungen zu bestätigen. Darin suchte der Streaminganbieter eine Person mit Kenntnissen im Bereich des maschinellen Lernens, um “großartigen Content zu kreieren”, und bot für den Posten ein Jahresgehalt von 300.000 bis 900.000 US-Dollar.

TV-Umbau, Micropayment am Ende, Burdas dubioses Rentenschreiben

1. Erst Werbung weg, dann Jobs weg
(taz.de, Wilfried Urbe)
Wilfried Urbe ordnet in der “taz” die Umstrukturierungen beim Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 ein, die mit dem Abbau von 400 Stellen einhergehen. Die Probleme des Medienkonzerns seien symptomatisch für die gesamte private TV-Branche in Deutschland: “Die Werbeeinnahmen im linearen Angebot gehen zurück, mit den Streamingangeboten wird aber noch lange nicht genügend Geld verdient, um das aus­zu­gleichen.”

2. Zusatzrente zu gewinnen? – Diese Masche steckt dahinter
(swr.de)
Laut SWR verspricht ein Werbeschreiben von Burda Direct, ein Tochterunternehmen des Medienriesen Hubert Burda Media, den möglichen Gewinn einer Zusatzrente durch das Freirubbeln eines Codes. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warne, dass es bei solchen Gewinnspielen hauptsächlich um das Sammeln persönlicher Daten gehe, die dann für weitere Werbezwecke genutzt würden. Das Schreiben sei besonders irreführend gestaltet, da es stark an einen Rentenbescheid erinnere und somit den Eindruck erwecken könnte, von einer staatlichen Institution zu stammen.

3. Blendle stoppt Micropayment-Dienst für Journalismus in Deutschland
(heise.de, Nico Ernst)
Wenn es um Bezahlmöglichkeiten für Medieninhalte im Internet geht, lehnen viele Menschen herkömmliche Abomodelle ab und wünschen sich einen Abruf von einzelnen kostenpflichtigen Artikeln: “Ich möchte nur diesen einen Artikel kaufen, und das wäre mir XY Cent/Euro wert”. Mit Blendle gab es einen entsprechenden Dienst, der aber offenbar nur wenig genutzt wurde und mangels Interesse nun wieder eingestellt wird. Bei “Heise” erklärt Nico Ernst unter anderem, was mit eventuell noch vorhandenen Blendle-Guthaben passiert.

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4. Die große Wahl-Überraschung
(deutschlandfunk.de, Anh Tran)
Bei der jüngsten Parlamentswahl in Spanien gab es eine Überraschung: Obwohl viele Meinungsforscher und Medien einen Sieg des rechtskonservativen Lagers vorhergesagt hatten, schnitt vor allem die rechtspopulistische Partei Vox schlechter ab als erwartet. Kritiker bemängeln die Ungenauigkeit der Prognosen und die Berichterstattung, die sich zu sehr auf diese Umfragen stützte (siehe dazu auch den vor zwei Tagen in den “6 vor 9” empfohlenen Beitrag von Stefan Niggemeier). Im Deutschlandfunk erklärt Spanien-Korrespondent Marc Hoffmann, warum so viele Meinungsforscher vor der Wahl danebenlagen.

5. Ein Jahr Stories-Leiste auf SPIEGEL.de: Wo wir stehen und wie wir weitermachen
(devspiegel.medium.com)
Vor einem Jahr hat der “Spiegel” auf seiner Website eine Leiste mit “Stories” im Hochformat eingeführt. Im hauseigenen Entwicklerblog kann man nachlesen, ob sich das Angebot bewährt hat, wie die Zugriffszahlen sind, wie sich die Leiste auf den Abschluss neuer Abonnements ausgewirkt hat und wie es mit der ganzen Sache weitergehen soll.

6. “Der Vogel erinnert uns an eine großartige Version des Internets”
(zeit.de, Jonas Schulze Pals & Jonas Wagner)
Wie vorgestern in den “6 vor 9” zu lesen war, hat Elon Musk Twitter in X umbenannt, was nicht wenige als weiteren Schritt zur Zerstörung der Plattform sehen. Im Interview mit “Zeit Online” erzählt der Designer Martin Grasser, wie er vor elf Jahren das Twitter-Logo entwarf, wie er von der Änderung erfuhr und was er tun würde, wenn er das alte Logo zurückbekommen könnte.

Parteisender gesetzeswidrig?, Causa Lindemann, Mastodon preiswürdig?

1. Parteisender gesetzeswidrig
(djv.de, Hendrik Zörner)
Ein Kreisverband der AfD werde auf dem am Freitag stattfindenden Bundesparteitag womöglich den “Aufbau eines AfD-freundlichen TV-Senders” beantragen. Vorsorglich weist der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) schon einmal darauf hin, dass ein solcher Fernsehsender nach dem geltenden Medienstaatsvertrag gesetzeswidrig wäre: “Dafür ist eine Rundfunklizenz erforderlich, die bei den Medienanstalten beantragt werden muss”, so der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Dass die AfD eine derartige Lizenz bekommt, sei unwahrscheinlich.

2. Lin­de­mann erfolg­reich gegen YouTu­berin Kayla Shyx
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Rammstein-Sänger Till Lindemann ist vor dem Landgericht Hamburg erfolgreich gegen die Youtuberin Kayla Shyx vorgegangen, die schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben hatte. Das Gericht untersagte Shyx mehrere Passagen aus einem Video, in denen sie unter anderem sagte, Frauen seien auf Rammstein-Partys mit K.-o.-Tropfen betäubt worden. Parallel dazu kam es zu einer öffentlichen Auseinandersetzung zwischen Lindemanns Anwälten und dem “Spiegel” um die Berichterstattung zu den Vorwürfen gegen Lindemann. Felix W. Zimmermann ordnet den Fall juristisch ein, der in Österreich eine Fortsetzung finden könnte.

3. Hätte Mastodon einen Grimme Online Award bekommen sollen?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 26:31 Minuten)
Bei den Grimme Online Awards im Juni wurde ein Projekt nicht ausgezeichnet, das sich einige Jurymitglieder dringend als Preisträger gewünscht hätten: der nichtkommerzielle Mikroblogging-Dienst Mastodon. Alexander Matzkeit spricht mit dem Jury-Vorsitzenden Stephan Anpalagan über die Gründe der Entscheidung und die Rolle von Mastodon im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Zu Wort kommt auch der Journalist Christian Bartels, der die Bedeutung von Mastodon hervorhebt.

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4. Jan Stremmel – Galileo Reporter, SZ Journalist, “Y-Kollektiv” Filmemacher
(podcasters.spotify.com, Lisabell Shewafera, Audio: 37:21 Minuten)
Im Podcast “Inside Medien” begrüßt Gastgeberin Lisabell Shewafera den weitgereisten Journalisten Jan Stremmel, der als “Galileo”-Reporter bereits in mehr als 45 Ländern unterwegs war. Stremmel ist aber auch als Journalist für das Gesellschaftsressort der “Süddeutschen Zeitung”, als Filmemacher für das “Y-Kollektiv” und als Buchautor tätig.

5. Westfalen-Blatt schließt Druckzentrum
(verdi.de, Nicole Tomasek)
Wie die Gewerkschaft Verdi berichtet, soll das Druckzentrum des “Westfalen-Blatts” in Bielefeld zum 31. Juli schließen, wobei die Geschäftsleitung diese Entscheidung der Belegschaft erst am 4. Juli mitgeteilt habe. Die Schließung sei mit gescheiterten Verhandlungen über einen neuen Druckauftrag und mangelnder Auslastung des Druckzentrums begründet worden und betreffe 54 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

6. Mehr als Spielergebnisse
(taz.de, Sebastian Moll)
Sebastian Moll, USA-Korrespondent der “taz”, berichtet über eine überraschende Entscheidung der “New York Times”(“NYT”), die nach über 100 Jahren ihre Sportredaktion auflöst. Statt einer eigenen Sportberichterstattung setze die “NYT” künftig auf das Sportportal “The Athletic”, das sie zuvor für 550 Millionen US-Dollar erworben hatte. Dieser Schritt zeige einen Trend zum Outsourcing klassischer Zeitungsressorts und könne darauf hindeuten, “dass sich das Geschäftsmodell der Marke immer weiter vom klassischen journalistischen Angebot entfernt.”

BJV geht gegen Abhöraktion vor, Quellenschutz, Verstümmelte Barbie

1. Pressefreiheit verletzt: BJV geht gegen unzulässige Abhöraktion vor
(bjv.de)
Der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) geht gegen das Abhören eines Pressetelefons der “Letzten Generation” vor. Zwei BJV-Mitglieder hätten beim Amtsgericht München eine Überprüfung der Abhörmaßnahme beantragt. Der BJV-Vorsitzende Harald Stocker kritisiert die Abhöraktion als rechtswidrigen Eingriff in die Pressefreiheit: “Die Abhörung eines Telefons, auf dem vor allem Journalistinnen und Journalisten anrufen, hätte nie genehmigt, geschweige denn verlängert werden dürfen.”
Zusätzlicher Gucktipp: Auf Youtube ordnet Rechtsanwalt Chan-jo Jun, der die zwei BJV-Mitglieder vor Gericht vertritt, den Fall juristisch ein: Justiz belauscht Presse. Skandal oder Routine? (youtube.com, Video: 9:00 Minuten)

2. Der sicher geglaubte Rechtsruck
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Im Vorfeld der Parlamentswahlen in Spanien wurde in vielen deutschen Medien über einen bevorstehenden Rechtsruck berichtet – basierend auf Umfragen, die die Konservativen und die rechtspopulistische bis rechtsextreme Partei Vox schon in einer Regierungskoalition sahen. Die Realität hielt sich da jedoch nicht dran. Medienkritiker Stefan Niggemeier kommentiert: “Die Geschichte vom ‘drohenden Rechtsruck’ war nicht falsch, aber sie war ein so dominantes Narrativ, dass sie viele andere ebenfalls nicht falsche Erzählungen über die Politik in Spanien überschattete. Spätestens wenn aus dem möglichen Rechtsruck ein bevorstehender Rechtsruck wird, und sei es nur ein gefühlter, wäre es gut, sich daran zu erinnern, dass Wahlen von den Wählern entschieden werden.”

3. Corona-Verordnungen: Gesundheitsministerium hat Auskunft zu Unrecht verweigert
(profil.at)
Der Journalist Maximilian Werner wollte Ende 2021 vom Gesundheitsministerium Österreichs die fachlichen Begründungen für die Corona-Verordnungen des Landes erfahren. Das Ministerium verweigerte die Auskunft und argumentierte, dass diese Begründungen nur als interne Dokumente existieren und keinen Mehrwert für die Öffentlichkeit hätten. Das österreichische Bundesverwaltungsgericht entschied jedoch zugunsten Werners. Nun werde das Gesundheitsministerium die angefragten Dokumente in Kürze übermitteln.

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4. Wie investigative Journalisten arbeiten und ihre Quellen schützen
(sueddeutsche.de, Lena Kampf & Daniel Drepper)
“Investigativer Journalismus funktioniert nur, weil uns Menschen Geheimnisse anvertrauen. Die größte Herausforderung in unserer Arbeit ist deshalb, dieses Vertrauen zu Menschen aufzubauen und nicht zu enttäuschen. Der Schutz unserer Quellen ist die wichtigste Währung im Journalismus.” Auf Süddeutsche.de schreiben Lena Kampf, stellvertretende Ressortleiterin Investigative Recherche der “SZ”, und Daniel Drepper, Leiter des Rechercheverbunds von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”, über die Grundlagen ihrer Arbeit und erklären dabei, wie sie ihre Quellen schützen.

5. TikTok als Radikalisierungsmotor
(belltower.news, Denis Groß)
Eine Studie der NGO Media Matters hat den TikTok-Algorithmus und dessen mitunter gefährliche Auswirkungen untersucht: Polarisierende, teils radikale Inhalte würden belohnt, problematische Inhalte und Filterblaseneffekte gefördert. Bei “Belltower News” warnt Dennis Groß vor möglichen Folgen: “Die Gefahr in ein sogenanntes ‘rabbit hole’ (dt. ‘Kaninchenbau’) zu geraten, also nur noch Inhalt aus gewissen Themenbereichen angezeigt zu bekommen, ist dabei extrem hoch. So kann ein toxischer Kreislauf entstehen: skandalösere Videos rufen Reaktionen bei den Nutzer*innen hervor und werden dadurch wiederum vermehrt vom Algorithmus ausgespielt.”

6. Twitter macht die Augen zu
(taz.de, Carolina Schwarz)
Elon Musk hat Twitter in X umbenannt, was nicht wenige als weiteren Schritt zur Zerstörung der Plattform sehen, so auch Carolina Schwarz, die sich an den Umgang mit einem überdrüssig gewordenen Spielzeug erinnert fühlt: “Wenn wir früher neue Barbies geschenkt bekommen haben, verloren wir auch schnell das Interesse an ihnen. Zuerst schnitten wir ihnen die Haare ab. Das sah meist schräg aus. Da halfen nur noch exzentrische Klamotten oder das Anmalen der Haare. Es entstand ein Desaster und endete meist mit einer Puppe, die ohne Arme und Beine in einem Karton verrottete.”

“Nur für den Dienst­ge­brauch”, Fabian Wolff, Musk hat keinen Vogel

1. “Nur für den Dienst­ge­brauch” gehört abge­schafft
(lto.de, Vivian Kube & Hannah Vos & Arne Semsrott)
Bei “Legal Tribune Online” kritisieren Vivian Kube, Hannah Vos und Arne Semsrott die Praxis des Staates, Dokumente als “Verschlusssache” einzustufen, insbesondere wenn Bürgerinnen und Bürger Auskunftsersuchen stellen oder Klagen einreichen. Diese Praxis diene häufig dazu, unliebsame Informationen zu verbergen und Transparenz und demokratische Kontrolle zu untergraben: “Man braucht nur einen VS-NfD-Stempel, um Unterlagen wie in vordemokratischen Zeiten der Öffentlichkeit vorzuenthalten.”

2. Worum geht es in der Debatte über den »Kostümjuden«?
(spiegel.de)
Der Journalist Fabian Wolff hat in einem Artikel mit dem Titel “Mein Leben als Sohn” bekannt gegeben, dass er, obwohl er sich selbst als “Jude in Deutschland” bezeichnet, in Wirklichkeit kein Jude sei. Dieses Gerücht habe bereits in der Medienszene kursiert, sei aber erst durch Wolffs Artikel öffentlich geworden. Die Enthüllung löste eine breite Debatte aus, in der die einen Wolffs Darstellung in Frage stellten und die anderen über die Gründe und Implikationen einer falschen jüdischen Identität diskutierten.
Weiterer Lesetipp: Der Kommentar von Philipp Peyman Engel in der “Jüdischen Allgemeinen”, für die Wolff auch geschrieben hat: “Selbst in einem Text, der eigentlich maximale Transparenz und Ehrlichkeit bieten sollte, verheddert Wolff sich weiter in Lügen.”

3. Studie: Wie beeinflusst die Parteineigung die Nutzung und Wahrnehmung von Medien?
(de.ejo-online.de, Johanna Mack)
Das Institut für Journalistik an der Technischen Universität Dortmund hat in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa mehr als 1.000 Personen zu deren Mediennutzung befragt, zum Vertrauen in Medien je nach politischer Neigung, zur vermuteten politischen Neigung der jeweiligen Medien und zum Zusammenhang dieser drei Faktoren. Johanna Mack fast die Ergebnisse der Befragung zusammen.

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4. Campus-Feeling in Unterföhring: Neustart in harten Zeiten
(dwdl.de, Alexander Krei)
Vor Kurzem hat die Sendergruppe ProSiebenSat.1 angekündigt, mehrere hundert Stellen abbauen zu wollen. Das steht im Kontrast zu den ehrgeizigen Neubauplänen des Senders, die allerdings schon vor Jahren angestoßen wurden. Alexander Krei schreibt bei “DWDL” dazu: “Vielleicht kann der Neubau ja dabei helfen, das Wir-Gefühl wieder zu stärken. Nach den jüngst angekündigten Sparmaßnahmen und der damit verbundenen Unsicherheit innerhalb der Belegschaft ist das vermutlich dringend nötig.”

5. Zwischen Dudelfunk und Popmüll
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 42:36)
Der Deutschlandfunk stellt sich regelmäßig der Kritik seiner Hörer und Hörerinnen und hat dafür sogar ein eigenes Sendeformat geschaffen: “Nach Redaktionsschluss”. In der aktuellen Folge kritisiert eine Hörerin die Musik des Deutschlandfunks und bezeichnet diese als “zu experimentell”. Wie es anders gehen könnte, diskutieren Musikabteilungsleiter Holger Hettinger, die freie Journalistin Melanie Gollin, der freie Journalist Jan Kedves und Moderatorin Anh Tran.

6. Elon Musk will berühmtes Vogel-Logo aufgeben
(zeit.de)
Twitter-Eigentümer Elon Musk plant anscheinend, das bekannte blaue Vogellogo der Plattform durch ein X-Logo zu ersetzen. Seit der Übernahme von Twitter durch Musk gab es bereits viele kontroverse Veränderungen; die Ankündigung des neuen Logos stieß bei vielen Nutzerinnen und Nutzern auf Kritik. Trotz der Bedeutung des aktuellen Logos für den Wiedererkennungswert von Twitter habe sich das Unternehmen noch nicht offiziell zu Musks Vorschlag geäußert.

KW 29/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Haben die Medien die AfD groß gemacht?
(br.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 27:07 Minuten)
Die AfD erfreut sich hoher Umfragewerte und Medienpräsenz, trotz deutlicher Einschätzungen durch den Verfassungsschutz. Jonathan Schulenburg hat sich mit dem Journalisten Johannes Reichart und dem Soziologen Wilhelm Heitmeyer über den Einfluss von Medien auf den Aufstieg der Partei und die Herausforderungen der Berichterstattung unterhalten. Heitmeyer kritisiert insbesondere das Alice-Weidel-Interview und -Cover des “Stern”. Außerdem beleuchtet der Politikberater Martin Fuchs den Erfolg der AfD in den Sozialen Medien.

2. Endlich “professionell”? Frauen im Fußball und die Medien
(deutschlandfunk.de, Mirjam Kid & Maximilian Rieger, Audio: 5:48 Minuten)
Seit dieser Woche läuft die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland, am Montag steht das erste Spiel des deutschen Teams an. Anlässlich des Turnierstarts wirft Maximilian Rieger im Gespräch mit Mirjam Kid einen Blick auf die mediale Berichterstattung über den Fußball der Frauen: Wie und wie ausführlich wird heutzutage berichtet? Und wie hörte sich das früher an?

3. Wo bleibt der positive Journalismus? Wie berichten die Medien über die Klimaproteste?
(youtube.com, Universität Göttingen, Vladimir Balzer, Video: 1:15:12 Stunden)
Im “Forum Wissen” der Universität Göttingen fand kürzlich eine von Klimaaktivistinnen und -aktivisten kuratierte Sonderausstellung zur Klimakrise statt, die vor Ort auf große Resonanz gestoßen sei, in Medien aber nur wenig Beachtung gefunden habe. Dies ist der Anlass für eine Podiumsdiskussion: “Wo bleibt der positive Journalismus? Welche Nachrichten bekommen die meiste Aufmerksamkeit? Welche Konsequenzen hat das für Protestbewegungen? Und: Wie ist die Rolle der Medien? Können sie beim Thema Klimakrise überhaupt neutral bleiben?”

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4. Polarisiert und parteiisch? Spanische Medien vor der Wahl
(sr.de, Florian Mayer & Michael Meyer, Audio: 15:48 Minuten)
Bei “Medien Cross und Quer” des Saarländischen Rundfunks unterhalten sich Florian Mayer und Michael Meyer mit Karin Janker, Madrid-Korrespondentin der “Süddeutschen Zeitung”. Anlass sind die bevorstehenden Wahlen in Spanien und der Umgang der spanischen Medien damit: Wie groß ist ihr Einfluss? Wie sehr unterstützen sie die rechte Opposition?

5. Was Content-Moderatoren ertragen müssen und Streiks in Hollywood
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 43:14 Minuten)
Im WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” geht es um das, was Content-Moderatoren und -Moderatorinnen aushalten müssen, den Streik der Drehbuchautorinnen und -autoren, die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Medienbranche, den Streit zwischen Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt und dem Herausgeber der “Berliner Zeitung” Holger Friedrich, die Diskussion um den Informantenschutz sowie die Hitze als willkommenes Thema zum Füllen des Sommerlochs.

6. Folgen des Streiks der Schauspielenden
(deutschlandfunknova.de, Tom Westerholt & Anna Wollner, Audio: 35:37 Minuten)
In Hollywood streiken derzeit die Drehbuchautorinnen und -autoren und die Schauspielerinnen und Schauspieler gleichzeitig – das hat es seit 63 Jahren nicht mehr gegeben. Bei dem Arbeitskampf geht es um Themen wie inflationsbedingte Lohnanpassungen, bessere Arbeitsbedingungen, Entschädigungen für Wiederholungen von Filmen und Serien auf Streamingportalen und den Schutz digitaler Persönlichkeitsrechte im Kontext der Künstlichen Intelligenz. Die Folgen des Streiks sind ausfallende Dreharbeiten, verschobene Filmstarts, abgesagte Interviewtermine und leere rote Teppiche bei Filmfestivals. Auch bei “Eine Stunde Film” treten Gastgeber und Gastgeberin gewissermaßen in den Streik: “Anstatt neue Kino- und Streamingportal-Tipps zu besprechen, stellen wir Filme und Serien aus den Mediatheken vor.”

Mitleser Facebook, Rechter Verschwörungssender, Einheitsbrei

1. Facebook soll aufhören mitzulesen
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Wie netzpolitik.org berichtet, hat die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) Klage gegen Facebook-Mutterkonzern Meta eingereicht. Der Grund: Facebook scanne die unverschlüsselten Messenger-Nachrichten seiner Nutzerinnen und Nutzer, um mögliche Missbrauchsinhalte zu identifizieren. Die GFF, die gemeinsam mit einem betroffenen Nutzer vor dem Amtsgericht Passau klagt, wolle gerichtlich feststellen lassen, dass das automatisierte Scannen von Nachrichten gegen die Datenschutzgrundverordnung und das Grundrecht auf Datenschutz verstößt.

2. Rechter TV-Verschwörungssender: “Der Kampf beginnt”
(taz.de, Andreas Speit)
Der österreichische Internetsender AUF1, der besonders in den Kreisen der Coronaleugner und sogenannten “Querdenker” bekannt ist, will laut “taz” demnächst im gesamten deutschsprachigen Raum auf Sendung gehen. Experten würden vor dem Potenzial des Senders warnen, Verschwörungsnarrative zu verbreiten und antidemokratische Weltbilder in Deutschland zu verfestigen.

3. “Da hatte ich meine ersten Fremdschäm-Momente im Aufsichtsrat”
(journalist.de, Jan Freitag)
Im Interview mit dem “journalist” spricht Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, über ihre Erfahrungen als Medienmanagerin und ihre Bemühungen um Qualitätsjournalismus. Gut, dass Interviewer Jan Freitag sie in diesem Zusammenhang auf Clickbaiting-Portale im eigenen Haus und das von einer Künstlichen Intelligenz erstellte, vermeintliche Interview mit Michael Schumacher im Regenbogenblatt “Die Aktuelle” anspricht.

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4. Das ist nicht sozialverträglich
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert den Vorstand der privaten Sendergruppe ProSiebenSat.1 für dessen Pläne, Stellen zu streichen, obwohl man zuvor sozialverträgliche Lösungen angekündigt habe. Entgegen früheren Aussagen sollen der Informationsbereich und Redaktionen wie die des Promi-Magazins “red” sowie das Format “Akte” betroffen sein. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall bezeichnet das Vorgehen als “nicht sozialverträglich” und kritisiert den Rasenmäher-Ansatz bei den Kürzungen.

5. Französische Medien: Zu viel Raum für Rechts?
(sueddeutsche.de, Nils Minkmar, Audio: 24:54 Minuten)
Die gewalttätigen Ausschreitungen in Frankreich nach der Tötung des Jugendlichen Nahel M. durch einen Polizisten sind zwar abgeflaut, doch die Debatte über die Rolle der Medien bei der Eskalation geht weiter. In der aktuellen Folge des Podcasts “quoted” diskutiert Frankreich-Experte Nils Minkmar mit Frankreich-Experte Léonardo Kahn, warum rechte Meinungsführer in einigen französischen Medien ständig präsent sind, während differenzierte Stimmen kaum Gehör finden.

6. Schluss mit dem Einheitsbrei! Wie zwei Musiknerds für mutigeres Popradio kämpfen
(rnd.de Imre Grimm)
Melanie Gollin und Martin Hommel haben das Projekt “Wo ist hier der Krach?” ins Leben gerufen, um gegen die musikalische Eintönigkeit im Mainstream-Radio zu protestieren. Sie kritisieren, dass viele Radiosender, vor allem die öffentlich-rechtlichen, eine zu gleichförmige Musikauswahl anbieten, und fordern mehr Vielfalt und Mut. Trotz der Kritik an der mangelnden musikalischen Vielfalt betonen Gollin und Hommel ihre Leidenschaft für das Radio und bezeichnen es als “knattergeiles Medium”.

Unsichtbarer Protest, Kein Geld für HateAid, Millionen für Medien

1. Stell Dir vor, es ist Protest und keiner kriegt’s mit
(uebermedien.de, Anne Haeming)
Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) protestieren 359 der 1.500 freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter dem Motto “Wir sind nicht da” mit einer einwöchigen Arbeitsniederlegung. Die Aktion ist eine Reaktion auf die laufenden Tarifverhandlungen und die Forderungen nach besseren Honoraren, langfristigen Arbeitsverträgen und einer gerechteren Honorarverteilung. Trotz der Bedeutung des Protests für den Sender werde er in den offiziellen Kanälen des RBB nicht erwähnt, was Anne Haeming wie folgt kommentiert: “Indem das Unternehmen den Protest ignoriert, ist es, als existierten die Sorgen der Freien für das Haus nicht. Und die stellen immerhin über 40 Prozent des Teams. Bemerkenswert unsozial für eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit gesamtgesellschaftlichem Auftrag.”

2. Grundprinzip verdrehte Fakten
(taz.de, Malene Gürgen)
Malene Gürgen kritisiert das von einem Milliardär finanzierte Medienportal “Nius” dafür, rechtspopulistische Inhalte zu fördern und Fakten zu verdrehen. Die Plattform, bei der auch der geschasste “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt aktiv ist, wähle Themen mit hohem empfundenen Empörungspotenzial aus, hetze gegen Minderheiten und versuche, die Klimakrise herunterzuspielen. Dabei werde “überspitzt, verkürzt, aus dem Zusammenhang gerissen und manchmal auch schlicht gelogen”.

3. Bundesjustizministerium streicht Förderung für Beratung bei Online-Hass
(hateaid.org)
Die Organisation HateAid unterstützt Betroffene von digitaler Gewalt durch Beratung und Prozesskostenfinanzierung und wurde für diese Arbeit bisher vom Bundesjustizministerium mit 600.000 Euro gefördert. Diese Förderung soll nun den Kürzungsplänen der Bundesregierung zum Opfer fallen, was massive Einschränkungen für die Beratungsarbeit von HateAid bedeute: “Die Sparmaßnahmen treffen das Herzstück unserer Arbeit: die Betroffenenberatung. Das ist angesichts stetig steigender Fallzahlen ein katastrophales Zeichen. Und es spielt denjenigen in die Hände, die digitale Gewalt gezielt einsetzen, um die Polarisierung der Gesellschaft voranzutreiben”, so Josephine Ballon, Leiterin der Rechtsabteilung bei HateAid.

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4. So viel öffentliches Geld bekamen Medien 2022
(kobuk.at, Yilmaz Gülüm)
Yilmaz Gülüm wollte wissen, welches Medium in Österreich wie viel öffentliches Geld erhält, doch diese Frage sei nicht so einfach zu beantworten. Die Medienförderung in Österreich sei vielschichtig und umfasse verschiedene Bereiche wie die Förderung des digitalen Wandels, den Privatrundfunkfonds und die Presseförderung für Printmedien. Insgesamt habe die öffentliche Hand im vergangenen Jahr mehr als 200 Millionen Euro ausgegeben. Gülüm hat die stattlichen Fördersummen genauer unter die Lupe genommen, und die Ergebnisse sind ziemlich erschütternd.

5. Verbot von SWR-App Newszone aufgehoben
(verdi.de)
Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart erlaubt dem öffentlich-rechtlichen SWR, seine Nachrichten-App “Newszone” wieder anzubieten, nachdem das Landgericht Stuttgart sie erst verboten hatte. 16 Zeitungsverlage hatten der App eine zu große Presseähnlichkeit vorgeworfen. Das OLG betonte, dass vor der Anrufung staatlicher Gerichte ein Einigungsverfahren hätte stattfinden müssen.

6. Hauptberuf Literaturwissenschaftler, Nebenberuf Kulturjournalist
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Im Gespräch mit dem “Fachjournalist” schildert der Literaturwissenschaftler und Kulturjournalist Johannes Franzen seinen Weg aus der Wissenschaft in den Journalismus. Er weist auf die finanziellen Herausforderungen im Kulturjournalismus hin, da die Werbeeinnahmen zurückgehen und Hochschulangehörige oft für geringe Honorare oder gar umsonst schreiben. Franzen glaubt, dass der Kulturjournalismus trotz der Digitalisierung und der Präsenz von Künstlicher Intelligenz einen einzigartigen Stil und Sound behält, der von maschinellen Systemen nicht reproduziert werden kann.

Springers Digitalerlöse, Nein zu Nullrunden, Reichelts Rechtsstreit

1. Springer: Digitalerlöse kompensieren Print-Rückgänge
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, ist der Axel-Springer-Konzern im ersten Halbjahr 2023 gewachsen, was angesichts des schwierigen Werbemarktes “eine ziemlich beachtenswerte Leistung” sei. Niemeier fasst zusammen, woher das Wachstum kommt, und wirft auch einen Blick auf “Welt” und “Bild”. Beide hatten zuletzt massiv Stellen abgebaut und würden zukünftig verstärkt auf Künstliche Intelligenz setzen.

2. Rechtsstreit zwischen Reichelt und Friedrich geht in weitere Runde
(tagesspiegel.de)
Der geschasste “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt hat Berufung gegen die Entscheidung des Berliner Landgerichts im Rechtsstreit mit dem Herausgeber der “Berliner Zeitung”, Holger Friedrich, eingelegt. Das Gericht hatte in der Weitergabe von Informationen Reichelts durch Friedrich an den Medienkonzern Axel Springer keine Verletzung des Quellenschutzes gesehen und eine Unterlassungsklage Reichelts abgewiesen. Der Deutsche Journalisten-Verband hatte diese Entscheidung scharf kritisiert, da es mit einem wirksamen und praktikablen Informantenschutz nicht vereinbar sei.

3. RBB: Nein zu zwei Jahren Nullrunde
(verdi.de)
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die sie vertretenden Gewerkschaften des öffentlich-rechtlichen RBB hätten schockiert auf das Scheitern der Tarifverhandlungen reagiert, bei denen Intendantin Katrin Vernau ihnen vorgeschlagen habe, von 2024 bis 2026 auf Tarif- und Honorarerhöhungen zu verzichten. Als Reaktion darauf wollen rund 350 der 1.500 freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter dem Motto “Wir sind nicht da” spontan Urlaub nehmen. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert Vernau scharf: Sie beschädige ihre persönliche Glaubwürdigkeit und die des gesamten RBB, zerstöre die Vertrauensbasis und hinterlasse ihrer Nachfolgerin Ulrike Demmer ein Trümmerfeld.

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4. Schauspiel-Streik: Drama in Hollywood
(out-takes.de, Peter Hartig)
In Hollywood streiken Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren – ein Doppelstreik, wie es ihn seit 63 Jahren nicht mehr gegeben habe. Peter Hartig hat sich die deutsche und die US-amerikanische Berichterstattung dazu angesehen und berichtet über den Stand der Verhandlungen sowie die vielfältigen Auswirkungen auf die Filmindustrie.

5. Facebook-AGB beschränken
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband fordert den europäischen Gesetzgeber auf, die Sperrung oder Einschränkung von Accounts von Medienschaffenden nicht den Allgemeinen Geschäftsbedingungen internationaler IT-Plattformen zu überlassen. Dies müsse im geplanten EU-Medienfreiheitsgesetz berücksichtigt werden, da sonst große IT-Plattformen die Macht hätten, journalistische Vielfalt einzuschränken und die demokratische Meinungsbildung zu manipulieren.

6. Threads kämpft mit Spammern und sinkendem Interesse
(spiegel.de)
Threads, der neue Twitter-Konkurrent aus dem Hause Meta, kämpft offenbar mit Spam-Problemen und sinkendem Interesse der Nutzerinnen und Nutzer. Nach einem anfänglichen Boom mit über 150 Millionen erstellten Accounts sei die Nutzung laut Webanalyse-Daten deutlich zurückgegangen. Dazu gebe es zunehmend Beschwerden über Spam von Bot-Accounts. Voreilige Schlüsse sollte man daraus nach Ansicht des “6-vor-9”-Kurators jedoch nicht ziehen – das Projekt ist gerade erst gestartet und noch nicht großflächig beworben worden.

Niederlage für “Spiegel”, Erfundene Debatte, “Politico Deutschland”

1. Berichterstattung über Till Lindemann: Niederlage für den “Spiegel”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie bei “DWDL” zu lesen ist, hat der “Spiegel” eine empfindliche juristische Niederlage erlitten, was die Berichterstattung über den Rammstein-Sänger Till Lindemann anbelangt. Das Landgericht Hamburg habe dem “Spiegel” untersagt, “den Verdacht zu erwecken, Till Lindemann habe Frauen bei Konzerten der Gruppe ‘Rammstein’ mithilfe von K.O.-Tropfen/Drogen/Alkohol betäubt oder betäuben lassen, um ihm zu ermöglichen, sexuelle Handlungen an den Frauen vornehmen zu können”, heißt es in einer Pressemitteilung der Lindemann vertretenden Kanzlei.

2. Die erfundene Debatte, ob Frauen in der Öffentlichkeit Eis essen dürfen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier befasst sich bei “Übermedien” mit den Reaktionen auf eine Kolumne (nur mit Abo lesbar) eines Journalisten aus Syrien in der “Süddeutschen Zeitung”, der als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist und der seine Anpassung an deutsche Normen und Gewohnheiten beschreibt. Niggemeier kritisiert, dass rechte und rechtsextreme Akteure die Kolumne missinterpretieren und als Argument gegen die Aufnahme von Geflüchteten verwenden. Sein Fazit: “Schlimm ist, dass wir es hinnehmen, dass ein Kolumnist, der vor Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen ist und eine sehr ehrlich wirkende Kolumne über seine Integration schreibt und darüber, von welchen früheren Überzeugungen und Gewohnheiten er sich verabschiedet hat, nun dargestellt wird wie das Paradebeispiel für einen der vielen bösen Ausländer, die angeblich unser Land kaputt machen mit ihrer Taliban-Kultur.”

3. “Politico Deutschland”: Springer kündigt baldigen Start an
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Wie Kurt Sagatz im “Tagesspiegel” berichtet, will Springers Politik-Informationsdienst “Politico” noch in diesem Jahr in Deutschland starten. Die Redaktion werde mit Gabor Steingarts Medienmarke “Media Pioneer”, an der Springer beteiligt ist, zusammenarbeiten und neben Politik auch die Bereiche Energie und Technologie abdecken. Springer-Chef Mathias Döpfner hoffe, dass “Politico” zur “Vielfalt, Unberechenbarkeit und Qualität des politischen Journalismus in Deutschland” beitrage.

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4. Freie machen Urlaub
(taz.de, Erica Zingher)
Erica Zingher berichtet in der “taz” über die gescheiterten Tarifgespräche der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des RBB. Rund 350 der 1.500 Freien des Senders hätten sich für einen Spontanurlaub abgemeldet. Die Aktion unter dem Titel “Wir sind nicht da” könne in den nächsten Tagen zu Lücken und nötigen Wiederholungen im Programm führen, da weniger Reporter und Reporterinnen unterwegs seien.

5. Klimajournalistin: Medien müssen Wetter und Klimakrise zusammen denken
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 23:13 Minuten)
Leonie Sontheimer, Mitbegründerin des “Netzwerks Klimajournalismus”, fordert im Deutschlandfunk eine klarere mediale Darstellung des Zusammenhangs zwischen Extremwetter und Klimakrise. Sie kritisiert eine oft irreführende Bebilderung von Hitzemeldungen und plädiert für eine optische Umsetzung, die die Auswirkungen der Hitze realistisch zeigen soll. Darüber hinaus sieht Sontheimer das Klima als eine Dimension, die in der Berichterstattung immer berücksichtigt werden müsse, ähnlich wie Menschenrechte oder Demokratie.

6. Innenministerium prüft Bußgeldverfahren gegen Telegram
(spiegel.de, Max Hoppenstedt & Marcel Rosenbach)
Wie der “Spiegel” berichtet, prüft das Bundesinnenministerium ein Bußgeldverfahren gegen den Messengerdienst Telegram, weil dieser sich weigere, Bestandsdaten verdächtiger Nutzer und Nutzerinnen an deutsche Sicherheitsbehörden herauszugeben. Die Bundesregierung plane nun, sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene gegen Telegram vorzugehen. Der Streit zwischen Bundesregierung und Messengerdienst dauere seit Beginn der Ampelregierung an. Trotz anfänglicher Anzeichen der Zusammenarbeit habe Telegram laut der Analyseorganisation Cemas die Bemühungen, extremistische Kanäle zu löschen, deutlich reduziert.

Schutz vor Staatstrojanern, Meta blockiert Threads, Hütchenspieler

1. EU-Abgeordnete fordern starke Schutzmaßnahmen für Journalist:innen
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Alexander Fanta berichtet über die Forderung von Mitgliedern des Europäischen Parlaments, Journalistinnen und Journalisten besser vor staatlicher Überwachung durch Staatstrojaner zu schützen. Die EU-Kommission hatte ein europäisches Medienfreiheitsgesetz vorgeschlagen, das einen europaweiten Standard für den Quellenschutz schaffen und den Einsatz von Staatstrojanern gegen Medienschaffende weitgehend verbieten sollte. Der Rat der EU-Staaten habe diese Schutzbestimmungen jedoch durch eine Blanko-Ausnahme für die “nationale Sicherheit” aufgeweicht, gegen die sich nun das EU-Parlament wehre.

2. So schützen wir Menschen, die mit uns sprechen
(recherche.substack.com, Daniel Drepper)
In einer neuen Ausgabe seines Newsletters “Daniels Recherchebrief” bietet Daniel Drepper, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”, “einen Blick in den Maschinenraum und ein FAQ für potentielle Quellen”. Anhand von Antworten auf verschiedenste Fragen, die sich stellen können, wenn man sich als Quelle an einen Journalisten oder eine Journalistin wendet, erklärt er beispielsweise, wie ein erster Kontakt abläuft, wie ein Schutz der Quelle sichergestellt wird und was eine eidesstattliche Versicherung eigentlich genau ist. Ein lesenswerter Einblick in die Arbeit von Investigativjournalistinnen und -journalisten.
Drepper ist auch beteiligt an den heute veröffentlichten, neuen Recherchen zur Band Rammstein, nachzulesen bei tagesschau.de und der “Süddeutschen Zeitung” (nur mit Abo lesbar).

3. Hütchenspieler für Russia Today
(taz.de, Anne Fromm & Jean-Philipp Baeck & Jean Peters)
Die “taz” berichtet über die Rolle der luxemburgischen Firma GCore Labs bei der Verbreitung von Inhalten des russischen Staatssenders Russia Today (RT) in Europa. Trotz der EU-Sanktionen gegen RT nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine habe GCore Labs weiterhin zur Verbreitung von RT-Inhalten beigetragen. Die luxemburgischen Behörden hätten bisher wenig dagegen unternommen. Es gebe enge Verbindungen zwischen GCore Labs und der luxemburgischen Politik. Das Unternehmen bestreite alle Vorwürfe und auch die Staatsanwaltschaft Luxemburgs habe die Ermittlungen eingestellt. Aus ihrer Sicht liege keine Straftat vor, so ein Sprecher.

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4. Jeder Datenpunkt eine Geschichte
(journalist.de, Mia Pankoke)
Max Donheiser, ein in New York geborener Datenjournalist, arbeitet für die Redaktion von “Correctiv” und sammelt in Deutschland Daten zu kommunalen Themen wie dem Grundwasserspiegel und der Gesundheitsversorgung. Er koordiniert große datenbasierte Recherchen und glaubt, dass hinter jedem Datenpunkt eine Geschichte steckt. Wie kommt jemand aus der Weltmetropole New York dazu, in ländlichen deutschen Kommunen Daten zu sammeln?

5. Meta blockiert Threads in Europa
(zeit.de)
Viele deutsche Nutzer und Nutzerinnen von Threads, dem neuen Twitter-Konkurrenten aus dem Hause Meta, vermuteten zunächst technische Fehler, als sie keine Profile mehr aufrufen, auf Posts nicht mehr antworten oder selbst nichts mehr veröffentlichen konnten, doch es war eine bewusste Entscheidung des Konzerns. Auf Anfrage von “Zeit Online” habe Meta die Blockade bestätigt: “Threads ist derzeit in den meisten Ländern Europas nicht verfügbar und wir haben weitere Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass Menschen aus diesen Ländern auf Threads zugreifen können”, so eine Sprecherin des Unternehmens. Meta stört sich anscheinend an in Europa geltenden gesetzlichen Bestimmungen.

6. Männer täuschen Ohnmacht vor – für TikTok-Video von Fahrt im Krankenwagen
(spiegel.de)
Zwei junge Männer sollen in Italien einen Notfall vorgetäuscht haben, um eine Fahrt in einem Krankenwagen filmen und das Video bei TikTok teilen zu können. Sie riefen den Rettungsdienst und gaben an, einer von ihnen wäre ohnmächtig geworden, nachdem sie sich auf dem Land verirrt hätten. Die Polizei identifizierte die Männer anhand des Videos und kündigte rechtliche Schritte gegen sie an, nachdem die regionale Gesundheitsbehörde Anzeige erstattet hatte.

KW 28/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Rammstein: Der Kampf um die Wahrheit
(ndr.de, Manuel Biallas & Inga Mathwig, Video: 18:58 Minuten)
Die Berichterstattung über den Fall Till Lindemann bewegt sich häufig im Spannungsfeld zwischen Verdachtsberichterstattung und Unschuldsvermutung. Das Medienmagazin “Zapp” hat untersucht, welche Akteure die öffentliche Debatte bestimmen: Wie sammeln Journalistinnen und Journalisten Informationen? Und mit welchen Mitteln prägen Anwälte und Krisenberaterinnen das öffentliche Bild?

2. Klimawandel – so (un)wichtig ist er deutschen Medien
(ardaudiothek.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 23:17 Minuten)
Wie gehen Medien mit dem Thema Klima und insbesondere mit dem Klimawandel um? Darüber spricht Jonathan Schulenburg mit dem Datenanalyse-Spezialisten Stefan Paulus und der freien Journalistin Leonie Sontheimer, Mitbegründerin des Netzwerks Klimajournalismus.
Passend dazu ein Videotipp: Auf der re:publica hat Stefan Paulus einen interessanten Vortrag über seine Analysen gehalten: So berichten Spiegel, FAZ und Co. über den Klimawandel (youtube.com, Video: 26:31 Minuten).

3. Zu viele LGBT-Themen im Programm?
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 39:59 Minuten)
Der Deutschlandfunk greift regelmäßig Kritik von Hörerinnen und Hörern auf und diskutiert sie im Medienpodcast “Nach Redaktionsschluss”. Diesmal kommt ein Hörer zu Wort, der der Meinung ist, dass im Deutschlandradio viel zu oft über sexuelle Minderheiten berichtet wird. Stimmt sein Eindruck? Und warum ärgert ihn das? Darum geht es im Gespräch mit den Deutschlandradio-Journalistinnen Christine Watty und Annika Schneider.

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4. Rolle der Medien bei der Flut und Probleme beim NRW-Lokalfunk
(wdr.de, Sebastian Sonntag, Audio: 47:54 Minuten)
Das WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” beschäftigt sich unter anderem mit der Rolle der Medien bei der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vor zwei Jahren. Der Journalist Marius Reichert stammt selbst aus dem damals heftig betroffenen Ahrtal und hat beobachtet, wie internationale Medien tagelang mit einer unglaublichen Intensität und in allen Medienformen vom Ort der Katastrophe berichteten. Weitere Themen der Sendung: NRW-Lokalfunk in Schwierigkeiten sowie von der Künstlichen Intelligenz kopierte Stimmen.

5. Wie veraltet ist die Messung der Radio-Einschaltquote?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 17:58 Minuten)
Die halbjährlich erscheinende Media-Analyse Audio weist die Hörerzahlen der Radiosender aus. Die Radiosender suchen sich aus diesem Zahlenwerk gerne die für sie passenden Werte heraus, um sich gegenüber der Werbewelt als Gewinner zu feiern. Wie verlässlich sind diese Zahlen, wenn es keine Verlierer zu geben scheint? Und wie aktuell und aussagekräftig ist die Erhebung wirklich? Darüber spricht Holger Klein mit der Kommunikationswissenschaftlerin Anna Schnauber-Stockmann, die vor ihrer wissenschaftlichen Karriere selbst in der Markt- und Meinungsforschung tätig war.

6. Nach 7 Jahren: Ciao funk!
(youtube.com, Y-Kollektiv, Video: 7:36 Minuten)
Vor sieben Jahren startete ein Kollektiv von Reporterinnen und Reportern den Youtube-Kanal “Y-Kollektiv”, ein öffentlich-rechtliches, journalistisches Angebot mit Recherchen für das jüngere Onlinepublikum. Nun wechselt der Kanal sein digitales Zuhause: “Ab sofort findet ihr uns primär in der ARD Mediathek. Unsere größeren Recherchen gibt’s in ihrer vollen Länge ab sofort nur noch da. Und zwar alles montags.”

Billiger Trick, Informantenschutz für Reichelt, Hollywood im Streik

1. Der billige Trick des Philipp da Cunha – und was Medien daraus lernen müssen
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter kommentiert bei netzpolitik.org ein Interview mit dem SPD-Landespolitiker Philipp da Cunha, in dem dieser einer einfachen Frage nach den Kosten einer Raumbuchung minutenlang und mit quälender Penetranz ausweicht. Dieses Verhalten sei nicht ungewöhnlich, sondern gängige Praxis in der politischen Kommunikation, stellt Reuter fest: “Es sollten deshalb mehr Videos wie das mit da Cunha öffentlich werden. Wer vor laufender Kamera mit billigen Tricks davonkommen möchte, der sollte erst Recht kritische Aufmerksamkeit bekommen. Auf Dauer könnte das sogar die Art verändern, wie sich Politiker:innen öffentlich äußern.”

2. Informantenschutz auch in Berlin
(taz.de, Christian Rath)
Der geschasste “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt habe dem Herausgeber der “Berliner Zeitung” Holger Friedrich vertrauliche Unterlagen zugespielt, die dieser offenbar an Reichelts früheren Arbeitgeber, den Springer-Verlag, weiterreichte. Springer habe daraufhin von Reichelt eine Abfindung in Höhe von zwei Millionen Euro wegen Verletzung einer Vertraulichkeitsvereinbarung zurückverlangt. Das Landgericht Berlin wies nun eine Unterlassungsklage Reichelts gegen Friedrich ab und entschied, Reichelt könne sich nicht auf den Informantenschutz berufen, was beim Deutschen Journalisten-Verband für Empörung sorgt.

3. Vice-Manager erhielten noch kurz vor Pleite hohe Boni
(spiegel.de)
Hochrangige Manager des US-Medienunternehmens Vice Media sollen kurz vor der Insolvenz der Firma noch hohe Bonuszahlungen erhalten haben. Beim deutschen Ableger von “Vice” sorgt dies für Verwunderung. Chefredakteur Tim Geyer schreibt bei Twitter: “Wir sind irritiert, dass Einzelne viel Geld eingesteckt haben, während die Mehrheit in dieser Firma unter schwierigen Bedingungen daran gearbeitet hat, sie durch das Bankruptcy-Verfahren zu bringen.”

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4. “Deutsche” Inhalte produziert von russischen Staatsmedien
(deutschlandfunk.de, Lena Fuhrmann)
Lena Fuhrmann berichtet über die Verbreitung russischer Propaganda auf der Videoplattform TikTok. Der Kreml nutze TikTok, um seine Interessen im Ausland zu fördern, während derartige Plattformen in Russland selbst oft zensiert würden. Ein Beispiel sei der deutschsprachige TikTok-Kanal “Bloß mit Biss”, der laut einer Auswertung des Instituts für strategischen Dialog vom deutschen Ableger des russischen Staatssenders “Sputnik” produziert werde.

5. Online-Dienst soll Medien in Propaganda schulen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen kritisiert einen neuen Onlinedienst, der chinesische Medienschaffende in der Propaganda des Regimes schulen und ihnen dabei, nun ja, helfen soll, einen Loyalitätstest gegenüber Staats- und Parteichef Xi Jinping zu bestehen: “Seit zehn Jahren führt das chinesische Regime einen regelrechten Feldzug gegen die Presse- und Informationsfreiheit. Das neue Online-Programm soll Journalistinnen und Journalisten indoktrinieren und dazu zwingen, die staatlichen Narrative zu übernehmen. Die internationale Gemeinschaft muss den Druck auf das Regime erhöhen, um Peking von seiner repressiven Politik abzubringen und Medienschaffende zu schützen.”

6. “Hatten keine Wahl”: Hollywood-Schauspieler treten in Streik
(zeit.de)
Wie die dpa berichtet, haben in den USA nach den Drehbuchautoren und -autorinnen nun auch die Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Arbeit niedergelegt. Sie fordern eine bessere Bezahlung und Regeln für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Branche. Der Streik, der nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Verband der Film- und Fernsehstudios AMPTP begann, habe weitreichende Auswirkungen auf Film- und Fernsehproduktionen.

Teures Verfahren, Neuer Anlauf?, Döpfner gegen “Medieninsider”

1. RBB beendet überraschend Compliance-Verfahren
(spiegel.de)
Der öffentlich-rechtliche RBB hat eine Untersuchung über die Verschwendung von Gebührengeldern in Auftrag gegeben, die von Kritikern als Verschwendung von Gebührengeldern angesehen werden könnte und vielleicht deshalb vorzeitig abgebrochen wurde. So überspitzt könnte man das überraschende Ende der vom Sender angestoßenen Compliance-Untersuchung sehen, das einer externen Anwaltskanzlei Einnahmen in Höhe von 1,63 Millionen Euro bescherte. Bei dieser Summe seien die Rechnungen für die Monate Mai und Juni noch nicht berücksichtigt.

2. Führt die Firma Juris den Bundesjustizminister hinters Licht?
(faz.net , Jochen Zenthöfer)
Anfang März musste Bundesjustizminister Marco Buschmann das redaktionelle Angebot “Libra – Rechtsbriefing” wegen mangelnder Staatsferne einstellen. Nun gerät die mehrheitlich in staatlicher Hand befindliche Betreibergesellschaft juris erneut in die Schlagzeilen: Eine Stellenanzeige konnte den Eindruck erwecken, juris plane einen neuen Anlauf. Die “FAZ” hat nachgefragt, was dazu führte, dass die Stellenanzeige unter Hinweis auf einen angeblichen Fehler eines Personaldienstleisters gelöscht wurde.

3. Döpfner gegen Medieninsider: kein Grund zu feiern
(medieninsider.com, Marvin Schade)
Springer-Chef Mathias Döpfner geht offenbar juristisch gegen einen Bericht des Portals “Medieninsider” über seine Geburtstagsfeier vor. Der Vorgang ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Erstens lässt Döpfner die “Financial Times”, die ebenfalls berichtet hat, aber finanziell und juristisch deutlich besser aufgestellt ist, offenbar unbehelligt. Und zweitens will Döpfner anscheinend eine Art der Berichterstattung verbieten, die in den Medien seines Verlags gang und gäbe ist.

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4. Mehr als 550 Journalisten in Haft
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RoG) berichtet, dass weltweit mehr als 550 Journalisten und Journalistinnen derzeit inhaftiert sind, wobei der Iran, Belarus und die Türkei besonders hervorstechen. Absolut sind die meisten Medienschaffenden in China inhaftiert, während in Myanmar im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die meisten im Gefängnis sitzen. RoG fordert die sofortige Freilassung aller Journalistinnen und Journalisten.

5. Von der Überschrift bis zum Stil: KI als Werkzeug für effizientes Schreiben
(fachjournalist.de, Markus Reiter )
Kann Künstliche Intelligenz (KI) den Journalismus tatsächlich effizienter machen und Texte aufpeppen? Dieser Frage geht Markus Reiter nach und stellt drei Thesen auf: Erstens: “Die klassische Kunst des Redigierens gewinnt wieder an Bedeutung.” Zweitens: “KI kann nur gute Ergebnisse erzielen, wenn sie mit den richtigen Eingaben (Prompts) gebrieft wurde.” Und drittens: “Eine KI kann menschlichen Input, persönliche Erfahrungen und einen eigenen Stil nicht ersetzen.”

6. Das wird aus Landlust, art und Co.
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Sebastian Wellendorf, Audio: 5:31 Minuten)
Beim Deutschlandfunk geht es um den Zeitschriften-Ausverkauf bei Gruner+Jahr. Einige Titel wie “Stern”, “Brigitte”, “Capital” und “Geo” sollen im Universum von Neu-Eigentümer RTL verbleiben, während andere Titel wie “Barbara”, “Guido” und verschiedene Ableger von “Brigitte” und “Geo” bereits eingestellt wurden. Zwei Titel, “P.M.” und das Wirtschaftsmagazin “Business Punk”, wurden bereits verkauft, über den Verkauf des Fußballmagazins “11Freunde” und des Kunstmagazins “art” an die “Spiegel”-Gruppe werde derzeit noch spekuliert.

Kampf gegen juristische Ohrfeigen, Neues Twitter?, Drei Gänge mit Klenk

1. So will die EU gegen die juristische Ohrfeige vorgehen
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Isabelle Klein, Audio: 5:29 Minuten)
“SLAPP” ist die englische Abkürzung für “Strategic Lawsuits Against Public Participation”. Solche Klagen sollen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivistinnen und Aktivisten einschüchtern und von ihrer Arbeit abhalten. Die EU will derartige missbräuchlichen Klagen verhindern, doch es gibt Zweifel, ob die neuen, vorgeschlagenen Regeln ausreichen. Der Anwendungsbereich der Richtlinie sei zu eng gefasst und erhöhe das Risiko für Medienschaffende, da nicht alle Arten strategischer Klagen erfasst würden, so die Kritik.

2. Es braucht mehr frei lizenzierte Fotos aus den Parlamenten
(netzpolitik.org, Stefan Kaufmann)
Stefan Kaufmann schreibt bei netzpolitik.org, dass es mehr frei lizenzierte Fotos von Abgeordneten geben sollte. Obwohl fast alle Fraktionen auf Bundes- und Landesebene Fotos ihrer Abgeordneten zur Verfügung stellen, würden diese selten unter einer freien Lizenz veröffentlicht, was die Verwendung der Aufnahmen in Projekten wie Wikipedia einschränke. Wikimedia Deutschland hat nun einen Leitfaden veröffentlicht, um den Prozess der Bereitstellung frei lizenzierter Fotos zu erleichtern und die Menge frei nutzbarer Medieninhalte zu erhöhen (PDF).

3. Anti-Zeitgeist-Projekt: Eine Zeitschrift über Mensch und Maschine
(uebermedien.de, Katrin Wilkens)
Anfang nächster Woche erscheint zum ersten Mal die Zeitschrift “human”, die sich schwerpunktmäßig mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt. Was bewegt eine Verlegerin, gegen den Trend der Zeit ein neues Printmagazin auf den Markt zu bringen? Wie sieht das redaktionelle Konzept aus? Und was sind die thematischen Schwerpunkte? Katrin Wilkens hat sich das erste Heft angesehen und mit der mutigen Herausgeberin gesprochen.

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4. Die Welt braucht ein neues Twitter
(zeit.de, Sasan Abdi-Herrle)
“Lassen Sie uns mit einer weitreichenden Behauptung beginnen: Die Welt braucht ein soziales Netzwerk, das in Sekundenschnelle Informationen, Einordnung und Meinungen liefert. Und Threads von Mark Zuckerbergs Meta-Konzern könnte dieses Netzwerk sein.” Sasan Abdi-Herrle betont bei “Zeit Online” die Notwendigkeit eines Netzwerks wie Twitter, das jedoch nicht zwangsläufig Twitter sein muss.

5. Gesellschaft für Freiheitsrechte startet Projekt “Mach Meldung!” für besseren Whistleblowing-Schutz in der Polizei
(freiheitsrechte.org)
Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) hat das Projekt “Mach Meldung! Starke Stimmen für die Polizei” ins Leben gerufen, um Whistleblowing in der Polizei zu stärken und zu erforschen. Das von der Alfred Landecker Foundation geförderte Projekt habe zum Ziel, Missstände und Rechtsverstöße innerhalb der Polizei aufzudecken und den Schutz von Hinweisgebern und -geberinnen zu verbessern. Für den Herbst plane die GFF den Start eines Online-Informationsportals, das Polizistinnen und Polizisten umfassende Informationen über Meldestellen und rechtliche Rahmenbedingungen bieten soll.

6. Drei Gänge mit … Florian Klenk
(profil.at, Markus Huber)
Das österreichische Nachrichtenmagazin “Profil” habe ihm einen Lebenstraum erfüllt, schreibt Markus Huber auf Twitter. Er habe mit “dem ausgezeichnetsten Printjournalisten des Landes”, gemeint ist “Falter”-Chefredakteur Florian Klenk, essen gehen und darüber schreiben dürfen. Man war im Fontana-Ressort des umtriebigen österreichischen Managers Sigi Wolf, der auch in der ÖVP-Korruptionsaffäre eine Rolle spielte. Aus dem Ausflug der beiden Journalisten ist ein in vielfacher Hinsicht vergnüglich zu lesender Text entstanden.

Frankreich will TikTok verbieten, Sich kloppende 14-Jährige, Datenpakt

1. Frankreich will Tiktok verbieten – kognitive Kriegsführung”
(heise.de, Stefan Krempl)
Wie Stefan Krempl berichtet, hat eine Untersuchungskommission des französischen Senats in einem Bericht TikTok als potenzielle “Bedrohung der nationalen Sicherheit” bezeichnet, da die Plattform der chinesischen Regierung als Instrument der “kognitiven Kriegsführung” dienen könne. Der Bericht kritisiere TikToks mangelnde Transparenz in Bezug auf die Datensammlung und -verarbeitung und fordere eine Ausweitung des Verbots der App auf Personal, das im Krisenfall eine wichtige Rolle bei Betreibern kritischer Infrastrukturen spielt. TikTok habe die Ergebnisse des Berichts als “Fehleinschätzungen” des Senats zurückgewiesen.

2. EU und USA haben einen neuen Datenpakt
(spiegel.de)
Die Europäische Union und die USA haben ein neues Datenschutzabkommen namens “EU-US Data Privacy Framework” eingeführt. Dieses Abkommen soll neue und verbindliche Garantien einführen, um Bedenken hinsichtlich des Zugriffs von US-Geheimdiensten auf EU-Daten auszuräumen und ein angemessenes Schutzniveau für personenbezogene Daten zu gewährleisten. Trotz positiver Reaktionen einiger Branchenverbände bleibe der Datenschutzaktivist Max Schrems skeptisch. Er habe die Notwendigkeit einer Änderung der US-amerikanischen Überwachungsgesetze betont.

3. CSU und Funk: Alles eine Frage der Einstellung
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier berichtet über die Forderung des Parlamentarischen Geschäftsführers der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Stefan Müller, den öffentlich-rechtlichen Jugendsender Funk abzuschalten. Die Forderung wurde in der “Bild”-Zeitung veröffentlicht und stützt sich auf Müllers Kritik an den “sich ständig wiederholenden Entgleisungen” und fehlenden “journalistischen Standards” von Funk. Niggemeier kritisiert die mangelnde Bereitschaft Müllers, auf Nachfragen zu seiner Forderung zu antworten, und wirft der CSU vor, mit populistischen Forderungen billige Punkte bei Wählerinnen und Wählern machen zu wollen, ohne eine ernsthafte Debatte über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und den Umgang “mit angeblichen unverbesserlichen Problemen” zu führen.

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4. Viro­loge Streeck gewinnt Eil­ver­fahren gegen Face­book
(lto.de, Max Kolter)
Max Kolter schreibt über eine Entscheidung des Landgerichts Bonn, die den Facebook-Mutterkonzern Meta dazu verpflichtet, gefälschte Werbeanzeigen mit dem Bild des Virologen Hendrik Streeck zu entfernen und sicherzustellen, dass solche Anzeigen nicht mehr veröffentlicht werden. Streeck hatte Facebook verklagt, weil sein Bild in Werbeanzeigen für pseudomedizinische Produkte verwendet wurde und er darin eine Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte sah. Das Gericht stellte fest, dass Facebook als Plattformbetreiber verpflichtet sei, solche Anzeigen vor der Veröffentlichung auf mögliche Rechtsverletzungen zu prüfen. Die Entscheidung sei noch nicht rechtskräftig und es sei nicht bekannt, ob Meta Berufung einlegen wird.

5. »Linke verstehen zu wenig von Wirtschaft.« Dieser Mann will sie intellektuell ausrüsten
(perspective-daily.de, Benjamin Fuchs)
Maurice Höfgen ist Wirtschaftserklärer im weitesten Sinne und sehr breit aufgestellt: Er veröffentlicht klassisch Bücher und Kolumnen, betreibt eigene Erklärvideo-Kanäle bei Youtube, Instagram und Twitter und moderiert das wöchentliche “Wirtschaftsbriefing” bei “Jung und Naiv”. Im Interview mit “Perspective Daily” erzählt Höfgen von seiner Motivation und erklärt, warum Wirtschaftswissen seiner Meinung nach wichtig ist. Außerdem verrät er, warum er sich gelegentlich sogar bei “Bild TV” blicken lässt.

6. Wenn zwei Vierzehnjährige sich kloppen
(faz.net, Harald Staun)
Harald Staun kommentiert in der “FAZ” die öffentliche Auseinandersetzung zwischen Elon Musk und Mark Zuckerberg, in der sich die beiden Milliardäre gegenseitig zu einem physischen Kampf im Stil der Mixed Martial Arts herausfordern. Er deutet dies als Ausdruck der geistigen Reife und existentiellen Langeweile der Tech-Unternehmer. Mit Blick auf den kürzlich gestarteten Twitter-Konkurrenten Threads kommt Staun zu dem Schluss, dass der größte Vorteil des neuen Netzwerks darin bestehe, dass es nicht Elon Musk gehöre, und der größte Nachteil darin, dass Mark Zuckerberg dort die Regeln mache.

Abhören des Pressetelefons, Opfer der “B.Z.”, Landrat muss antworten

1. Abhören des Pressetelefons der Letzten Generation verstößt gegen die Pressefreiheit – GFF und Reporter ohne Grenzen gehen mit betroffenen Journalisten vor Gericht
(freiheitsrechte.org)
Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) lässt gemeinsam mit Reporter ohne Grenzen und drei betroffenen Journalisten die Abhöraktion der Generalstaatsanwaltschaft München gegen das Pressetelefon der “Letzten Generation” gerichtlich überprüfen. “Recherchen zu Protestgruppen und das Auftun von Quellen seien elementarer Ausdruck der Pressefreiheit. Wenn Journalist*innen befürchten müssen, dass ihre Gespräche abgehört werden, ist die freie Berichterstattung in Gefahr”, so Benjamin Lück, Jurist und Verfahrenskoordinator bei der GFF: “Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Generalstaatsanwaltschaft und das Amtsgericht die Pressefreiheit offensichtlich komplett außer Acht gelassen haben.”

2. Opfer rechter Gewalt wird posthum auch noch Opfer der “B.Z.”
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier schreibt über einen Fall, der traurig und wütend zugleich macht. Ein mutmaßlicher Ladendieb – so ganz geklärt ist der Fall nicht – wurde von einem offenbar fremdenfeindlichen Supermarktbetreiber in einem Gewaltexzess so zusammengeschlagen, dass er wenige Tage später an den Verletzungen starb. Nun wollen Lokalpolitiker einen bislang namenlosen Platz nach dem Opfer benennen. Für die “B.Z.” ein willkommener Anlass, wieder einmal die ganze Bösartigkeit des Boulevards herauszukehren.

3. Sieg für die Pressefreiheit: Landrat muss Auskunft über Flüchtlingsunterkunft geben
(suedkurier.de, Günter Ackermann)
Das Landratsamt des Bodenseekreises muss dem “Südkurier” umfassend Auskunft über die Verwendung von Steuergeldern geben. Im konkreten Fall geht es um die Kosten für die mehrjährige Anmietung einer geplanten Flüchtlingsunterkunft, in der nie Geflüchtete untergebracht wurden.

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4. Reichelts “Pleiteticker” darf trans Frau nicht als Mann bezeichnen
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wie Alexander Krei bei “DWDL” berichtet, hat das Landgericht Frankfurt seine Entscheidung aus dem März bestätigt: Eine trans Frau dürfe im Blog des geschassten “Bild”-Chefredakteurs Julian Reichelt nicht als Mann bezeichnet werden. Die Äußerung sei im Gesamtkontext “bewusst verunglimpfend und persönlichkeitsrechtsverletzend”, so das Gericht. Einem Bericht des Hessischen Rundfunks zufolge habe Reichels Anwalt angekündigt, die Entscheidung vor dem Oberlandesgericht anzufechten.

5. Interdisziplinäres Schritt halten
(taz.de, Emily Kietsch)
Emily Kietsch stellt in der “taz” das Hans-Bredow-Institut vor, in dem sich 87 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Medien und deren Auswirkungen auf Mensch und Gesellschaft wissenschaftlich beschäftigen. In dieser Forschung geht es auch um die Fragen, wie sich Medienformen im Laufe der Zeit verändern, über welche Kanäle Menschen kommunizieren und welche Probleme Massenmedien mit sich bringen.

6. Können Sie KI-Bilder von echten Fotos unterscheiden?
(spiegel.de)
Der “Spiegel” hat das Titelbild seiner aktuellen Ausgabe mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz generiert und die Überlegungen dazu sowie die generierten Bilder in einem begleitenden Artikel vorgestellt. Wer ausprobieren möchte, wie gut er oder sie maschinell generierte Fotos von echten unterscheiden kann, sollte das kleine Bilderquiz mit elf Beispielbildern ausprobieren.

KW 27/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Sabine Rückert: Kann jeder zum Verbrecher werden?
(n-joy.de, Norbert Grundei, Audio: 57:01 Minuten)
Norbert Grundei hat sich mit Sabine Rückert unterhalten, der stellvertretenden Chefredakteurin der “Zeit” und Co-Moderatorin eines der erfolgreichsten Podcasts in Deutschland, “Zeit Verbrechen”. In dem Gespräch geht es unter anderem um Rückerts persönlichen Hintergrund als Pfarrerstochter, ihre journalistische Arbeit, die allgemeine Faszination der Menschen für Verbrechen und die Zukunft der Zeitungen.

2. Medienrecht & Journalismus – mit Christian Solmecke
(youtube.com, Medienwerkstatt Bonn, Audio: 39:47 Minuten)
“Was muss man bei ‘Verdachtsberichterstattung’ beachten? Wie teuer ist anwaltlicher Beistand? Kann ich alles immer und überall veröffentlichen, nur weil ich im Besitz von Tönen und Bildern bin?” Zu Gast in der “Medienwerkstatt Bonn” ist der Medienanwalt und erfolgreiche Youtuber Christian Solmecke, der zahlreiche rechtliche Fragen aus der Medienwelt beantwortet.

3. Armenien – Journalismus im vergessenen Krieg
(youtube.com, Falter, Audio: 1:12:05 Stunden)
Im Radio der österreichischen Wochenzeitung “Falter” geht es um Journalismus in einem vergessenen Konflikt: “Den Krieg mit Aserbaidschan um die Region Bergkarabach hat Armenien 2020 verloren, seither herrscht ein brüchiger Waffenstillstand zwischen den verfeindeten Nachbarn im Kaukasus.” Beim Journalismusfest Innsbruck diskutierten die Journalistinnen Anna Aridzanjan, Marianna Deinyan und der Journalist Tigran Petrosyan darüber, wie dieser vergessene Krieg wieder in das Interesse Europas gerückt werden kann.

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4. Lähmen Meinungsumfragen die Politik?
(deutschlandfunk.de, Martin Krebbers, Audio: 42:22 Minuten)
Ein Deutschlandfunk-Hörer kritisiert die zahlreichen “Politbarometer” und “Deutschlandtrends” innerhalb der Politikberichterstattung. Der Deutschlandfunk (Dlf) hat diese Kritik aufgenommen und den Hörer in eine Sendung eingeladen. Er diskutiert mit Dlf-Hauptstadtreporter Volker Finthammer, Politikwissenschaftler Thorsten Faas und Martin Krebbers aus der Dlf-Medienredaktion “Mediasres”.

5. Was ist los bei funk?
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 26:50 Minuten)
In einem Instagram-Beitrag des öffentlich-rechtlichen Jugendformats “Funk” hieß es: “Björn Höcke, Alice Weidel, Friedrich Merz und Markus Söder haben was gemeinsam: Sie sind rechts.” Die (später geänderte) Darstellung wurde teilweise heftig kritisiert und von politischen Akteuren mitunter zum Anlass genommen, die komplette Einstellung von “Funk” zu fordern. Was ist da los und wo soll es hingehen, fragt Nina Landhofer ihre Gäste, den Medienwissenschaftler Janis Brinkmann, den Programmgeschäftsführer bei “Funk”, Philipp Schild, den Politikwissenschaftler Benjamin Höhne und Florian Mayer-Hawranek, den “Funk”-Beauftragten des Bayerischen Rundfunks.

6. Rechtskonservative Medien und Gespräch mit Özden Terli
(wdr.de, Sebastian Sonntag, Audio: 46:31 Minuten)
Das WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” geht unter anderem den Fragen nach, ob es einen Rechtsruck in der Medienlandschaft gibt, wie sich die Wetterberichte von früher von heute unterscheiden, und wie Threads, die Twitter-Alternative des Instagram-Mutterkonzerns Meta, zu bewerten ist.

Keine Presseförderung, Nichts Geheimes von Kai, Threads gestartet

1. Vorerst keine Presseförderung für Verlage
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf & Christoph Sterz, Audio: 5:24 Minuten)
Die Presseverlage in Deutschland leiden unter sinkenden Abo- und Werbeeinnahmen einerseits und steigenden Produktions- und Vertriebskosten andererseits. Da liegt der Ruf nach staatlicher Unterstützung nahe. Doch die wird es zumindest im kommenden Jahr nicht geben. Im Bundeshaushalt 2024 ist kein entsprechender Posten vorgesehen.

2. Ein Herz für Kai
(taz.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg hat sich die RTL-Doku über Ex-“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann angesehen, in der dieser angeblich seine “geheimen Archive” öffnet. Allzu viel Geheimes konnte Grimberg allerdings nicht entdecken: “Lady Gaga barfuß zu kalter Jahreszeit auf Redaktionsbesuch, die Interviews bei Putin, die berühmten Sprachnachrichten von Christian Wulff. Alles schon erzählt und noch mal für die ewigen publizistischen Jagdgründe heraufbeschworen.”

3. Meta fordert Twitter mit Konkurrenz-App heraus
(tagesschau.de)
Gestern ging Metas an Instagram angekoppelter Twitter-Konkurrent Threads an den Start, wegen datenschutzrechtlicher Fragezeichen allerdings noch nicht in Europa. Der erste Tag war schon mal ein Erfolg: Allein in den ersten Stunden soll es zehn Millionen Anmeldungen gegeben haben. Bei Tagesschau.de hat man sich den Start näher angeschaut. Die App lässt sich über Umwege übrigens auch auf deutschen Handys installieren.
Weiterer Lesehinweis: Twitter droht Meta angeblich mit Klage wegen Konkurrenz-App Threads (spiegel.de).

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4. Hass-Immersion: Nazikitsch und Heimatfolklore
(belltower.news, pre:bunk)
Bei “Belltower News” ist der dritte und letzte Beitrag einer Reihe über Rechtsextremismus auf dem bei Kindern und Jugendlichen beliebten Videoportal TikTok erschienen. Der erste Teil beschäftigte sich mit der Bandbreite rechtsextremer Akteurinnen und Akteure auf TikTok, der zweite mit den Mobilisierungsstrategien der rechtsextremen Szene und der dritte und nunmehr abschließende mit rechtsextremer Bildsprache und Ästhetik.

5. Die besten Ohrwürmer
(sueddeutsche.de, Stefan Fischer)
Beim Deutschen Podcast Preis wurden zehn Preise vergeben, sechs durch eine Fachjury und vier durch ein Online-Voting. Stefan Fischer stellt die Gewinnerinnen und Gewinner vor.

6. Wie kann die Musik im öffentlich-rechtlichen Radio besser werden?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 17:02 Minuten)
Melanie Gollin und Martin Hommel sind nach eigener Aussage “Musikjournalist*innen, Musikliebhaber*innen und Fans des öffentlich-rechtlichen Rundfunks” und sorgen sich um die musikalische Vielfalt im öffentlich-rechtlichen Radio. Deswegen haben sie die Initiative “Wo ist hier der Krach?” gestartet. Dort stellen sie ihre Erkenntnisse aus Gesprächen mit Programmmacherinnen und -machern aus verschiedenen Ländern vor. Bei “Übermedien” erzählt Martin Hommel, was er und seine Kollegin dabei gelernt haben, warum das Medium Radio weiterhin wichtig ist und wie gutes öffentlich-rechtliches Musikradio beschaffen sein sollte.

Streit ums “Mittagsmagazin”, Hoffest, Falsche Hoffnung Threads?

1. Streit ums “Mittagsmagazin”: Sagt MDR-Chefredakteurin Krittian die Unwahrheit?
(uebermedien.de, Andrej Reisin)
Beim “Mittagsmagazin” von ARD und ZDF ändern sich die Zuständig- und Verantwortlichkeiten. Der bisher mit der Produktion beauftragte RBB gibt das Format an den MDR ab. Dies habe auch personelle Konsequenzen: Einer Moderatorin und einem Moderator, beide mit Migrationshintergrund, sei gekündigt worden mit der angeblichen Begründung, man wünsche sich Leute mit ostdeutschem Hintergrund. Die MDR-Chefredakteurin will von dieser Aussage jedoch nichts gewusst haben. Andrej Reisin ist der Sache nachgegangen.

2. dju in ver.di kritisiert Verletzung der Pressefreiheit beim Hoffest 2023 des Regierenden Bürgermeisters
(dju.verdi.de)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di Berlin-Brandenburg kritisiert die Einladungspraxis zum Hoffest des Regierenden Berliner Bürgermeisters Kai Wegner und bezeichnet sie als Verletzung der Pressefreiheit. Von rund 200 Repräsentanten aus allen Medienbereichen sei nur dem RBB und der dpa es ermöglicht worden, vor Ort zu arbeiten: “Diese Ungleichbehandlung und das Fehlen von Wettbewerbsfreiheit unter den Medienformaten sind inakzeptabel”, so dju-Landesgeschäftsführer Jörg Reichel.

3. Warum privilegierte Stimmen die öffentliche Meinung prägen
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband, Audio: 4:11 Minuten)
“Warum gibt es so wenig Diversität in den Medien? Warum hören wir immer wieder ähnliche Perspektiven? Ist die sogenannte Berliner Bubble überrepräsentiert?” Um diese Fragen geht es in der Deutschlandfunk-Kolumne von Marina Weisband, die nicht nur das große Bild zeichnet, sondern auch von ihren ganz persönlichen Erfahrungen berichtet.

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4. Threads ist die Hoffnung der Stunde – und der falsche Weg
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Mit dem stetig voranschreitenden Niedergang von Twitter sehnen sich viele nach einer Alternative. Diese könnte aus dem Hause Meta kommen und Threads heißen. Das Netzwerk ist mittlerweile online, auch wenn die App in Deutschland aus Datenschutzgründen noch nicht verfügbar ist. Markus Beckedahl warnt jedoch davor, zu große Hoffnungen in Threads zu setzen.

5. Die seltsame Gedankenfreiheit des Eckart Sackmann
(kreuzer-leipzig.de, Stefan Pannor)
In einem Leipziger Comic-Magazin sei eine lobende Rezension einer Publikation aus dem rechten Hydra-Verlag erschienen. Stefan Pannor erläutert die Hintergründe und analysiert die Argumentation des Rezensenten, der bereits an anderer Stelle aufgefallen sei.

6. »Superintelligenz könnte die Menschheit entmachten«
(spiegel.de)
Den Erfindern der Künstlichen Intelligenz (KI) ChatGPT scheint ihr eigenes Produkt (das zunehmend auch im Medienbereich eingesetzt wird) unheimlich zu werden: “Die enorme Macht der ‘Superintelligenz’ könnte zu einer Entmachtung der Menschheit oder sogar zum Aussterben der Menschheit führen”, heiße es in einem Blogbeitrag der Betreiberfirma OpenAI: “Derzeit haben wir keine Möglichkeit, eine potenziell superintelligente KI zu steuern oder zu kontrollieren und zu verhindern, dass sie eigene Wege geht.”

“Irrationale” Debatte, “Antwort auf Twitter”, ÖVP greift “Falter”-Chef an

1. “Irrationale” Debatte über Rundfunkbeitrag
(deutschlandfunk.de, Audio: 6:36 Minuten)
Die Festsetzung des Rundfunkbeitrags gerät immer wieder zum Politikum, so auch aktuell. Sechs Landesregierungen hätten sich gegen eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags ausgesprochen: Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Niedersachsen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. Dies verkenne jedoch das Verfahren, nach dem die Höhe des Rundfunkbeitrags festgelegt werde. Medienkritiker Stefan Niggemeier kommentiert auf Twitter zum Thema: “Was Gerhard Baum hier im Interview mit der @SZ sagt, ist Tatsache. Politiker (und insbesondere Ministerpräsidenten), die pauschal eine Beitragserhöhung für ARD und ZDF ablehnen, handeln verfassungswidrig.”

2. ÖVP Niederösterreich attackiert “Falter”-Chef
(derstandard.de)
Der “Standard” berichtet über einen Angriff der ÖVP Niederösterreich auf “Falter”-Chefredakteur Florian Klenk. Die ÖVP werfe Klenk politische Einflussnahme und mangelnde journalistische Integrität vor. Auf Twitter kommentiert der österreichische Journalist und Moderator Armin Wolf die Vorwürfe: “Ich habe schon viele bizarre Presseaussendungen gelesen. Aber das ist inhaltlich, glaube ich, die bizarrste. Der Mediensprecher der nö. ÖVP spricht allen Ernstes Journalist·innen das Recht auf eine politische Einstellung ab. Da hat jemand Pressefreiheit echt nicht verstanden.”

3. Metas »Antwort auf Twitter« könnte diese Woche starten
(spiegel.de, Matthias Kremp)
Die Gerüchte um einen Twitter-Konkurrenten aus dem Hause Meta verdichten sich peu à peu zur Gewissheit. Der Facebook- und Instagram-Mutterkonzern hat die App offenbar bereits im Google Play Store und im App Store von Apple gelistet. Im HTML-Quellcode sei die Freigabe erkennbar. Demnach soll die App morgen auf den Markt kommen. Das könnte einige Wanderbewegungen in der Social-Media-Landschaft auslösen, denn Twitter ist schwer angeschlagen und Threads, so der Name des neuen Netzwerks, ist an Instagram gekoppelt.

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4. Was Freie gegen miese Honorare tun können
(verdi.de, Sarah Schaefer)
Sarah Schaefer schreibt auf der Medienseite der Gewerkschaft Verdi über das Problem niedriger Honorare für Freiberuflerinnen und Freiberufler und deren Möglichkeiten, diese Situation zu verbessern. In dem Beitrag geht es sowohl um Strategien wie den Zusammenschluss in Interessenverbänden oder Gewerkschaften, um sich kollektiv für bessere Honorare einzusetzen, als auch um individuelle Maßnahmen wie Verhandlungen auf Augenhöhe und die Ablehnung von Aufträgen mit unangemessen niedrigen Honoraren.

5. Newsletter Netzwerk Recherche
(netzwerkrecherche.org, Annelie Naumann)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe bietet einen Rückblick auf die diesjährige Jahreskonferenz (Mitschnitte auf Youtube) und einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. Beyond the newsroom – das Konzept für die neue dpa-Zentrale in Berlin
(dpa.com, Sven Gösmann)
Sven Gösmann beschreibt das Konzept für die neue Zentrale der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. Ziel des Projekts sei es gewesen, moderne und innovative Räumlichkeiten zu schaffen, die den Anforderungen an flexibles Arbeiten, Kollaboration und digitale Transformation gerecht werden. Für alle, die lieber schauen als lesen, gibt es bei Youtube einen 48-sekündigen Rundgang durch die neuen Redaktionsräume.

Lindner-Ministerium muss antworten, Twitter am Limit, Dekade unter al-Sisi

1. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­rium muss bestimmte Pres­se­fragen beant­worten
(lto.de)
Bundesfinanzminister Christian Lindner hatte von der BBBank einen Privatkredit erhalten und ein gutes Jahr später ein Grußwort für die weitgehend unbekannte Bank gesprochen. Das wirft Fragen auf. Mit einigen dieser Fragen hatte sich ein Redakteur einer deutschen Tageszeitung an das Bundesfinanzministerium gewandt, doch dort wollte man ihm keine Antworten geben. Nun hat das Verwaltungsgericht Berlin entschieden, dass das Ministerium zumindest zu vier der neun Fragen Stellung nehmen muss. Es kann aber noch Beschwerde gegen den Gerichtsbeschluss eingelegt werden.

2. Frankreich: Riskante Berichterstattung
(verdi.de)
Nach dem tödlichen Polizeischuss auf einen 17-Jährigen flammen in ganz Frankreich Proteste auf. Dabei seien mindestens sieben Journalistinnen und Journalisten angegriffen worden. Eine Entwicklung, die Pavol Szalai, Leiter des EU-Balkan-Desks der Organisation Reporter ohne Grenzen als “völlig unakzeptabel” bezeichnet. Es müsse alles dafür getan werden, damit Medienschaffende “das Recht auf Nachrichten und Informationen mit größtmöglicher Sicherheit gewährleisten können”. Auch der “Faktenfinder” der “Tagesschau” beschäftigt sich mit den Protesten in Frankreich, legt den Fokus aber auf die Flut an falschen Videos und Bildern (tagesschau.de, Carla Reveland & Pascal Siggelkow).

3. Twitter am Limit
(zeit.de, Jakob von Lindern)
Die Benutzerfreundlichkeit von Twitter nimmt weiter ab. Elon Musk schränkt nun ein, wer wie viele Tweets am Tag lesen darf. Damit wolle er “Datenplünderung” verhindern und meint wohl automatisierte Zugriffe, die von KI-Modellen wie beispielsweise ChatGPT ausgehen können. Die Nutzung von Programmierschnittstellen hatte Musk bereits so teuer gemacht, dass Apps von Drittanbietern ihre Dienste einstellen mussten. Auch das beliebte Twitter-Dashboard TweetDeck soll es laut “Spiegel”-Meldung künftig nur noch für die zahlende Kundschaft geben.
Und noch ein Hörtipp: Im Deutschlandfunk bezeichnet Medienprofessor Wolfgang Schweiger die Twitter-Drosselung als “betriebswirtschaftlich begründbare” Maßnahme, die jedoch völlig absurd kommuniziert worden sei: Musk und die Lesebeschränkung (deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 8:09 Minuten).

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4. Für ChatGPT 300 Millionen Wörter aus dem Internet gestohlen
(faz.net, Johanna Schwanitz)
Wie Johanna Schwanitz in der “FAZ” berichtet, hat eine kalifornische Anwaltskanzlei im Auftrag anonymer Kläger eine Sammelklage gegen OpenAI, den Betreiber der KI-Software ChatGPT, eingereicht. Das Unternehmen soll “systematisch 300 Millionen Wörter aus dem Internet gekratzt” haben, darunter persönliche Informationen und Gespräche, etwa aus E-Mails oder Chats, sowie sensible Gesundheitsdaten.

5. Eine Dekade unter al-Sisi: Die schlimmsten Jahre
(reporter-ohne-grenzen.de)
Anlässlich der Machtübernahme des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi vor zehn Jahren erinnert Reporter ohne Grenzen an die katastrophale Lage der Medien im Land: “Präsident Abdel Fattah al-Sisi lässt sich heute feiern, aber er ist ein Diktator, der die Medien brutal unterdrückt”, sagt Geschäftsführer Christian Mihr: “Nach zehn Jahren an der Macht haben seine Behörden und die Geheimdienste den unabhängigen Journalismus fast vollständig ausgelöscht. Wir kämpfen darum, dass die letzten noch verbliebenen medialen Inseln überleben.”

6. Ist Fraktur eine Nazischrift?
(taz.de, Ulrich Gutmair)
Die Frakturschrift hat viele Fans, besonders im rechtsextremen Lager, aber nicht nur dort. Auch die “Stern”-Redaktion nutzte die Typo, um ihrem umstrittenen Alice-Weidel-Cover einen entsprechenden Spin zu geben. Doch die Geschichte der Schrift sei kompliziert, schreibt “taz”-Kulturredakteur Ulrich Gutmair und zitiert Adolf Hitler, der kein Fan der Jahrhunderte alten Schrift gewesen sein soll: “Eure vermeintliche gotische Verinnerlichung passt schlecht in das Zeitalter von Stahl und Eisen, Glas, Beton.”

Abgehörte Telefone, Kein Union Busting, Morgenandacht abschaffen?

1. Telefonabhörung: Wieso sind Journalisten besonders geschützt?
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 29:49 Minuten)
Seit einiger Zeit ist bekannt, dass das bayerische Landeskriminalamt die “Letzte Generation” überwacht hat, was sich offenbar auch auf die Kommunikation mit Journalistinnen und Journalisten erstreckte. Im BR24-Medienpodcast spricht Nina Landhofer mit einem Medienanwalt, einer Journalistin und einem Vertreter der Organisation Reporter ohne Grenzen über die mögliche Verletzung des Grundrechts auf Pressefreiheit. Das Amtsgericht München, das die Abhörmaßnahme genehmigte, habe bis zur Produktion der Sendung nicht auf eine Anfrage reagiert.

2. Klatsche für Versuch des Union Busting
(verdi.de)
Wie vergangene Woche in den “6 vor 9” berichtet, sprach der Facebook-Content-Moderator Cengiz Haksöz kürzlich vor dem Digitalausschuss des Bundestages und erhielt als Reaktion seines Arbeitgebers, des kanadischen Dienstleisters Telus International, prompt ein Hausverbot und die sofortige Freistellung. Nun habe Haksöz diesem Arbeitgeber eine Niederlage vor dem Arbeitsgericht Essen beschert. Er habe wieder uneingeschränkten Zugang und könne die Vorbereitungen für die Betriebsratswahlen für die rund 1.800 Telus-Beschäftigten fortsetzen.

3. Abschaffen, wie die Staumeldungen?
(deutschlandfunk.de, Martin Krebbers, Audio: 35:00 Minuten)
Eine Deutschlandfunk-Hörerin hat sich beim Sender gemeldet und vorgeschlagen, die Kirchensendung “Morgenandacht” abzuschaffen. Im Gespräch mit dem Kirchenverantwortlichen Martin Korden, dem Kommunikationswissenschaftler Tim Karis und Martin Krebbers aus der “Mediasres”-Redaktion des Deutschlandfunks erläutert sie ihre Gründe.

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4. KI-Newsletter: 10 Angebote für Fachleute und Newbies
(vitlif.de)
In kaum einem anderen Bereich gibt es derzeit so viele Innovationen wie im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Newsletter können dabei eine wichtige Informationsquelle sein, um einen Überblick zu behalten. Der Journalist Oskar Vitlif hat sich zahlreiche KI-Newsletter angeschaut und stellt zehn interessante vor.

5. Ein altes Foto als perfektes Symbolbild für einen neuen Streit
(uebermedien.de, Hendrik Wieduwilt)
Hendrik Wieduwilt analysiert für “Übermedien” regelmäßig Nachrichtenbilder: Wie wirken sie? Und warum? Was ist inszeniert? Und von wem? In seiner Auswahl des Monats hat er besonders bemerkenswerte Beispiele fotografischer Inszenierung von Politik zusammengestellt: die Konfrontationsdarstellungen mit Friedrich Merz und Hendrik Wüst sowie Donald Trump und der KI-Kuss.

6. “Es macht für uns keinen Sinn mehr” – Comic-Verlag Zwerchfell zieht sich zurück
(tagesspiegel.de, Lars von Törne)
Nach 35 Jahren macht einer der wichtigsten deutschen Independent-Comic-Verlage dicht: der Zwerchfell-Verlag von Stefan Dinter und Christopher Tauber. Im Gespräch mit dem “Tagesspiegel” erklärt Verlagsleiter Dinter, wie es zu der Entscheidung kam und warum es, alles in allem, ein gutes Ende ist: “Ich glaube, wir haben fast alles gemacht, es war ein guter Run. Da höre ich doch lieber jetzt auf, als irgendwie verbittert weiterzumachen.”

KW 26/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Haben Medien die AfD groß gemacht?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 27:17 Minuten)
Die aktuelle Ausgabe des “Stern” mit AfD-Politikerin Alice Weidel auf dem Titel wurde in den Sozialen Medien vielfach kritisiert, auch vom “6-vor-9”-Kurator. Eine besonders qualifizierte Kritik kam von Ann-Katrin Müller, die als Politikredakteurin beim “Spiegel” für die Berichterstattung über die AfD zuständig ist. Im Gespräch mit Holger Klein erläutert Müller ihre Kritikpunkte noch einmal im Detail: “Alice Weidel liegt am Kiosk, sie ist sehr präsent und wird auch noch gefragt, was sie als Kanzlerin machen würde – und das ist dann bei einer Partei, die so gar keine Regierungsoptionen gerade auf Bundesebene hat, dann doch einfach schräg.”
Hinweis: Bei Twitter lassen sich Tweets derzeit nur noch mit einem eigenen Konto öffnen. Das gilt auch für die zwei im Teaser oben verlinkten Tweets.

2. Populismus und Medien: Wer braucht wen mehr?
(ardaudiothek.de, Victoria Michalczak, Audio: 27:38 Minuten)
In “11KM”, dem “Tagesschau”-Podcast, geht es um den kürzlich verstorbenen Silvio Berlusconi, Chef eines Medienimperiums, Milliardär, viermaliger Ministerpräsident Italiens und “Vater aller Populisten”. Wie konnte Berlusconi so erfolgreich werden? Wie funktioniert das Zusammenspiel von Populismus und Medien damals und heute? Darüber spricht Victoria Michalczak mit Steffen Grimberg, Leiter des KNA-Mediendienstes und Medienjournalist.

3. Abgehakt – Twitters Elon Musk Saga
(metacheles.de, Sascha Pallenberg, Audio: 53:33 Minuten)
In ihrem Podcast “Haken dran” berichten Gavin Karlmeier und Dennis Horn seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk fast täglich über Neuigkeiten rund um den einst so populären Kurznachrichtendienst. Im Interview mit Sascha Pallenberg erzählen die beiden, wie sie zu dem Projekt gekommen sind, wie sie zusammenarbeiten und welche Alternativen Twitter in Zukunft Probleme bereiten könnten.

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4. Die Elon Musk Story
(ardaudiothek.de, WDR, Sarah Kriesche & Klaus Uhrig & Michael Förtsch & Christian Schiffer)
Kaum eine Person polarisiert aktuell so sehr wie Elon Musk. Die einen verehren den Multimilliardär als Visionär und Vorbild. Die anderen kritisieren ihn als Verbreiter von Verschwörungsnarrativen, toxischen Machtmenschen, Troll und politischen Brandstifter. Die hörenswerte fünfteilige “Elon Musk Story” (derzeit vier Folgen davon online) geht dem Phänomen Musk in aller gebotenen Ausführlichkeit auf den Grund.

5. Warum ist die Kommunikation der ARD so undurchsichtig?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 28:00 Minuten)
Alexander Matzkeit diskutiert mit Claudia Tieschky (“Süddeutsche Zeitung”) und Diemut Roether (epd medien) über die seiner Meinung nach merkwürdige und undurchsichtige Kommunikation der ARD: “Was genau sollen ‘Kompetenzzentren’ und ‘modulare Baukästen’ sein? Wieviel Druck übt die Politik aus? Und wie kam es, dass Louis Klamroth zum Experimentier-Tier der Talkshow-Landschaft wurde?”

6. Thilo Mischke (2023) – Was ist deine größte Angst?
(youtube.com, Matze Hielscher, Video: 1:16:32 Stunden)
Im Podcast “Hotel Matze” begrüßt Gastgeber Matze Hielscher den Investigativreporter, Autor, Moderator und Fernsehjournalisten Thilo Mischke. In dem Gespräch geht es um Mischkes berufliche Projekte, aber auch um ganz persönliche Themen wie das Älterwerden der eigenen Eltern und die Angst vor dem Tod. Wie eigentlich alle Gespräche in Hielschers “Hotel”-Reihe unterhaltsam und mit dem nötigen Tiefgang.

Ende der “Wiener Zeitung”, “Funk”, 140 Schreiben vom Rechtsanwalt

1. Das ist die letzte “Wiener Zeitung”
(derstandard.at)
“Das ist ein bitterer Tag für Österreich als Medienstandort und Kulturland und ein trauriger Tag für alle, die seriösen Qualitätsjournalismus schätzen”, zitiert der “Standard” den österreichischen Politiker und SPÖ-Parteivorsitzenden Andreas Babler. Gemeint ist das Ende der “Wiener Zeitung”, die bis zu ihrer letzten gedruckten Ausgabe am heutigen Freitag als die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt gilt. Grund für die Schließung sei vor allem der Entzug der Finanzierung durch die Regierung gewesen.
Weiterer Lesehinweis: Das Ende der “Wiener Zeitung”: Chronologie einer gescheiterten Rettung (wienerzeitung.at).

2. “Immer häufiger Medienanwälte”
(taz.de, Wilfried Urbe)
Über presserechtliche Auseinandersetzungen, juristische Einschüchterungsversuche und Abmahnungen haben wir in den “6 vor 9” schon häufig berichtet, aber was Günter Wallraff in seinem Interview mit der “taz” erzählt, verblüfft auch uns: Im Vorfeld der “Team-Wallraff”-Sendung über Missstände in Krankenhäusern hätten er beziehungsweise Redaktion und Sender rund 140 Anwaltsschreiben erhalten. Wallraff habe eine einfache Faustregel: “Die Allerschlimmsten betreiben den größten juristischen Aufwand, um einzuschüchtern und damit Missstände zu vertuschen.”
Weiterer Lesetipp und ebenfalls die RTL-Sendung “Team Wallraff” betreffend: Wie Burger King vor neuen RTL-Enthüllungen in die Offensive geht (dwdl.de, Alexander Krei).

3. 1. Juli 2024: Independence Day für 12,5 Millionen Kabel-Haushalte
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Es klingt zunächst nach einer rein technischen Meldung, könnte aber erhebliche Auswirkungen auf das Mediennutzungsverhalten haben: In einem Jahr fällt das sogenannte Nebenkostenprivileg, das es Vermieterinnen und Vermietern erlaubt, die Kosten des Kabelanschlusses monatlich über die Nebenkosten auf die Mieterinnen und Mieter umzulegen. Die neu gewonnene Freiheit könnten viele nutzen, um sich endgültig vom linearen Fernsehen zu trennen. Uwe Mantel erläutert die Hintergründe.

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4. Nach Kritik an Berichterstattung über “rechte Parteien”: Funk entschuldigt sich für Fehler
(deutschlandfunk.de)
In einem Instagram-Beitrag des öffentlich-rechtlichen Jugendformats “Funk” hieß es: “Björn Höcke, Alice Weidel, Friedrich Merz und Markus Söder haben was gemeinsam: Sie sind rechts.” Diese Darstellung wurde teilweise heftig kritisiert, eine Kritik, der sich auch der Intendant des SWR und “Funk”-Gesamtverantwortliche Kai Gniffke anschließt. Der Beitrag sei umgehend offline genommen worden. Zudem veröffentlichte die zuständige Redaktion “Die da oben” ein Video-Statement, in dem sie sich zu der Kritik äußert.

5. Den Kinobetreibern explodieren die Kosten
(faz.net, Helmut Hartung)
Christine Berg, Chefin des Verbands der Kinobetreiber, klagt in der “FAZ” über die steigenden Kosten und sieht die Bundesregierung in der Pflicht. Sie plädiert für finanzielle Unterstützung bei der energetischen Sanierung der Lichtspielhäuser und der Umrüstung auf Photovoltaikanlagen. Außerdem wünscht sie sich ein “größeres Engagement des öffentlich-rechtlichen Rundfunks”, so könnte die ARD doch einmal wöchentlich vor der “Tagesschau” einen deutschen Kinofilm bewerben. Nun denn.

6. Millionen-Betrug mit Falschmeldungen: das steckt hinter der Bitcoin-Falle
(youtube.com, Mirko Drotschmann, Video: 12:24 Minuten)
Selbst auf seriösen Nachrichtenseiten wie der des “Spiegel” tauchen betrügerische Fake-Anzeigen auf. Da wird zum Beispiel Markus Lanz vermeintlich von der Polizei abgeführt, dazu die reißerische Textzeile: “Tausende strömen nach Lanz’ Verhaftung zu Geldautomaten”. Wie funktioniert diese Betrugsmasche? Wie kommt es, dass solche Fake-Meldungen auf seriösen Nachrichtenportalen landen? Und wie kann man die Klickfallen durchschauen? Mirko Drotschmann hat es sich für das Medienmagazin “Zapp” genauer angeschaut.

“Stern”-Titelbild, “Bild” stalkt Markus Lanz, Heizungsgesetz

1. Schreibt sie nicht größer als sie sind
(belltower.news, Simone Rafael)
Seit es die AfD gibt, gehen die Meinungen von Journalistinnen und Journalisten darüber auseinander, wie eine verantwortungsvolle Berichterstattung über die Partei aussieht: Sollte man ihre Provokationen und Tabubrüche ins Leere laufen lassen und mit Nichtbeachtung reagieren? Oder sollte man darüber berichten, womöglich etwas dagegensetzen, aber damit riskieren, sie größer und wichtiger zu machen? Simone Rafael nimmt das aktuelle “Stern”-Cover, auf dem AfD-Bundessprecherin Alice Weidel groß abgebildet ist, zum Anlass, darüber nachzudenken.

2. Mediale Mythen zum Heizungsgesetz
(deutschlandfunk.de, Ann-Kathrin Büüsker & Mirjam Kid, Audio: 5:58 Minuten)
Dass zum geplanten Heizungsgesetz viele Mythen und Falschinformationen in Medien herumgeistern, liegt nach Ansicht von Ann-Kathrin Büüsker aus dem Hauptstadtstudio des Deutschlandfunks an der Arbeitsverdichtung von politischen Journalistinnen und Journalisten, aber auch an der starken Personalisierung von Themen: “Die Frage, wer sich wo durchgesetzt hat, ist eine sehr häufige – auch weil sie sich schneller beantworten lässt als die Frage nach konkreten Inhalten. Und das führt dann auch dazu, dass Falschinformationen eine viel größere Chance haben: wenn die Debatte sich mehr auf Personen fokussiert und weniger auf Inhalte.”

3. “Bild” stalkt Markus Lanz über mehrere Tage und bis zur Schule seiner Kinder
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Wie Boris Rosenkranz bei “Übermedien” berichtet, stellt “Bild” dem ZDF-Moderator Markus Lanz nach, beschattet ihn regelrecht und verfolgt ihn sogar bis zur Schule seiner Kinder. Lanz’ Medienanwalt Christian Schertz werde dagegen umfassende rechtliche Schritte einleiten, “auch um präventiv so etwas für die Zukunft zu unterbinden”. Rosenkranz hat sich angeschaut, wer für diese Art von Berichten bei “Bild” verantwortlich ist und wie kaltschnäuzig nachträgliche Löschungen oder Schwärzungen offenbar einkalkuliert werden.

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4. Verleger-Klage gegen Nationales Gesundheitsportal erfolgreich
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Noch unter der alten Bundesregierung startete das Gesundheitsministerium ein Onlineportal mit “verlässlichen Informationen für Ihre Gesundheit”. Die Verlagsbranche sah dies als einen “einmaligen und neuartigen Angriff auf die Pressefreiheit”, und der Wort & Bild Verlag (unter anderem Herausgeber der “Apotheken Umschau”) ging dagegen juristisch vor. Uwe Mantel fasst den Streit zusammen und berichtet über den Ausgang.

5. Hinter den Kulissen des Reisejournalismus
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Im Gespräch mit dem “Fachjournalist” betont die renommierte Reisejournalistin Stefanie Bisping die Bedeutung von Tiefe und menschlichen Geschichten im Reisejournalismus. Obwohl sie den Stellenwert des Reisens für authentische Geschichten hervorhebt, schreibe sie ihre Artikel meistens zu Hause. Bisping rät angehenden Reisejournalisten und -journalistinnen, einen eigenen Stil zu entwickeln und sich auf unterhaltsame, tiefgründige Geschichten zu konzentrieren.

6. «Den Menschen ist bewusst: Mit dieser sprachlichen Änderung müssen sie auch ihr Weltbild ändern»
(republik.ch, Marie-José Kolly)
Es ist auffällig, dass sich rechte Parteien aus all den drängenden nationalen und globalen Problemen ausgerechnet ein Thema wie das Gendersternchen herauspicken, um es in den Mittelpunkt von Kampagnen zu stellen. Im Interview mit der Schweizer “Republik” erklärt der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, warum sich Politikerinnen und Politiker so auf das Thema stürzen, wie mit Sprache Politik gemacht wird und welche Argumente aus seiner Sicht für die Verwendung des Gendersternchens sprechen.

Medienschaffende auf der Flucht, Meta im Fediverse, Schrott-Websites

1. Neue RSF-Karte zeigt Flucht- und Aufnahmeländer
(reporter-ohne-grenzen.de)
Wie die Organisation Reporter ohne Grenzen mitteilt, habe man erstmals Migrationsbewegungen von Medienschaffenden visualisiert, die aus Sicherheitsgründen aus ihren Heimatländern fliehen mussten (PDF): “Auf der Karte sind Gebiete markiert, in denen es bewaffnete Konflikte gibt, wie in der Ukraine, im Sudan oder in Syrien. Sie zeigt außerdem, wo es zuletzt zu Spannungen und politischen Unruhen gekommen ist, welche die Verfolgung kritischer, unabhängiger Medienschaffender begünstigt haben.”

2. Zoff um die Zukunft des Fediverse
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Viele, die von der Entwicklung bei Twitter enttäuscht sind, haben sich über die Gerüchte gefreut, dass Meta, das Unternehmen hinter Facebook, WhatsApp und Instagram, an einer Twitter-Alternative bastele. Zumal diese auf dem freien Fediverse basieren soll, das auch die Grundlage für Mastodon darstellt. Hinter den Kulissen tobe jedoch eine heftige Debatte um die Gefahren und Risiken, wie Markus Reuter in seinem Beitrag sachverständig erklärt.

3. Polizei-SS-Vergleich bei Facebook strafbar
(rsw.beck.de)
Der Pressesprecher der Hamburger Polizei muss es sich nicht gefallen lassen, in Sozialen Medien mit einem SS-Obersturmführer samt SS-Abzeichen und Totenkopf in Verbindung gebracht zu werden, wie “beck-aktuell” berichtet. Das habe jedenfalls das Oberlandesgericht Hamm rechtskräftig entschieden und von einem unsäglichen Vergleich mit einem SS-Verbrecher gesprochen.

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4. Mehr als 200 neue Schrott-Websites: Kommen jetzt die AI Content Farmen?
(omr.com, Roland Eisenbrand)
Ob “World Today News”, “County Local News” oder “Alaska Commons”, überall auf der Welt entständen Nachrichtenseiten, die teilweise geradezu schlampig mit Inhalten von Künstlichen Intelligenzen gefüttert würden. Schlampig auch deshalb, weil in den Texten oft versehentlich auf ChatGPT als Autor verwiesen wird. Roland Eisenbrand wollte wissen, wie diese Seiten Traffic generieren und wie sie versuchen, Geld zu verdienen.

5. Telegram bekommt eine Stories-Funktion
(spiegel.de)
Telegram unterscheidet sich von anderen Messengern wie WhatsApp dadurch, dass Gruppenchats bis zu 200.000 Mitglieder haben können. Das hat zur Folge, dass viele Telegram als eine Art Alternativmedium nutzen, zumal bei bedenklichen Inhalten noch weniger eingegriffen wird als bei anderen Plattformen. Nun soll Telegram eine sogenannte Stories-Funktion erhalten, die Dienste wie Snapchat, Instagram oder WhatsApp bereits haben.

6. Journalistin wird nach Frage an Modi im Netz schikaniert
(faz.net)
Die White House Correspondents’ Association unterstützt eine Journalistin, die nach einer kritischen Frage an den indischen Premierminister Narendra Modi online angefeindet wird. Modi, der seit 2014 Premierminister Indiens ist und häufig wegen der Einschränkung von Demokratie und Pressefreiheit kritisiert wird, hatte während eines Besuchs bei US-Präsident Joe Biden eine seltene Pressekonferenz gegeben und Fragen zur Sicherheit von Minderheiten und zur Meinungsfreiheit beantwortet.

“Breaking-News”-Situationen, Kritisierte Abhöraktion, KI-Radio

1. Tagesschau24 bringt Nachrichten “rund um die Uhr”, aber nicht den ganzen Tag
(uebermedien.de, Frederik von Castell)
In “Breaking-News”-Situationen wie dem Aufstand des russischen Warlords Jewgeni Prigoschin gegen die russische Militärführung wird häufig Kritik an der ARD, dem ZDF und dem öffentlich-rechtlichen Nachrichtensystem allgemein laut. Vor allem in Sozialen Medien werden dann gern Screenshots herumgereicht, die belegen sollen, dass sich in den Sendern niemand um die eigentlich wichtigen Themen kümmert, und dass beispielsweise statt aktuellen Infos aus Russland Dino-Dokus gezeigt werden. Ist der Vorwurf berechtigt? Frederik von Castell ist der Sache nachgegangen, hat auch beim NDR nachgefragt und eine, nun ja, selbstbewusste Antwort erhalten.

2. Der BJV fordert Aufarbeitung der Abhöraktion gegen ein Pressetelefon der “Letzten Generation”
(bjv.de)
Wie gestern in den “6 vor 9” berichtet, hat das bayerische Landeskriminalamt die “Letzte Generation” überwacht, was sich offenbar auch auf die Kommunikation mit Journalistinnen und Journalisten erstreckte. Nun meldet sich der Bayerische Journalisten-Verband zu Wort: “Wenn der Staat vertrauliche Telefonate mit Journalisten abhört, zerstört er die Grundlage für unsere Berichterstattung. Es muss jetzt umgehend aufgeklärt werden, wie es zu der Fehleinschätzung kommen konnte, Gespräche mit der Presse zu überwachen. Wir müssen wissen, ob die aufgezeichneten Telefonate mit Journalistinnen und Journalisten umgehend gelöscht oder weiterverwertet wurden.”

3. Vielfalt und Wettbewerb im Lokaljournalismus: Das Beispiel Dortmund
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
Johanna Mack fasst eine Veranstaltung des Pressevereins Ruhr zusammen, bei der Medienschaffende die Situation der Lokalmedien in Dortmund und Umgebung seit dem Ende der “Westfälischen Rundschau” vor zehn Jahren diskutierten: Wie hat sich der Lokaljournalismus vor Ort verändert? Wie haben sich die Entwicklungen der vergangenen Jahre auf die Qualität der angebotenen Medieninhalte, die Meinungsvielfalt und die Demokratie ausgewirkt?
Transparenzhinweis: Auf dem Podium saß auch ein Vertreter von “RUMS”, dem digitalen journalistischen Angebot aus Münster. Dessen Chefredakteur Ralf Heimann hat bei uns unter anderem die Reihe “Kleine Wissenschaft des Fehlers” zur Fehlerkultur in Medien veröffentlicht.

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4. Alica Jung – ZDF-Reporterin und Moderatorin bei ZDFheute Live
(podcasters.spotify.com, Lisabell Shewafera, Audio: 35:59 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Inside Medien” ist die ZDF-Reporterin Alica Jung zu Gast, die als “crossmediale Korrespondentin” im ZDF-Studio Washington arbeitet. Lisabell Shewafera nutzte die Gelegenheit und stellte Jung viele Fragen zu ganz praktischen Dingen des journalistischen Alltags und zu nützlichen Tipps für Medien-Interessierte.

5. bigFM will erstes KI-gesteuertes Radioprogramm Deutschlands starten
(radioszene.de)
Wie in der “Radioszene” zu lesen ist, will der private Hörfunksender bigFM im September dieses Jahres mit einem Radioprogramm an den Start gehen, das von einer Künstlichen Intelligenz generiert wird. Die technische Basis soll eine Softwarelösung namens RadioGPT eines US-Unternehmens bilden. Eine Verantwortliche des Senders kommentiert: “Das Komplexeste für uns wird neben der technologischen Umsetzung der eigene Rahmen für den ethischen Umgang mit diesen neuen Möglichkeiten sein. Und das alles steht und fällt natürlich mit der Frage: wie gut und emotional sind die deutschen Stimmen, die wir noch entwickeln?”

6. Fox News benennt Nachfolger für Scharfmacher Tucker Carlson
(spiegel.de)
Der US-amerikanische Fernsehsender Fox News hat sich vor einiger Zeit von seinem Zugpferd und Quotenbringer getrennt, dem rechtslastigen und zu Verschwörungserzählungen neigenden Moderator Tucker Carlson. Lange Zeit war unklar, wer dessen Nachfolger wird, doch das ist nun vorbei: Neuer Primetime-Moderator soll der 44-jährige Jesse Watters werden, der ebenfalls als sehr umstritten gilt.

Gespräche mit “Letzter Generation” abgehört, Ende für “nd”?, Blackbox

1. Gespräche der “Letzten Generation” mit Journalisten abgehört
(tagesspiegel.de, Alexander Fröhlich)
Alexander Fröhlich kommentiert im “Tagesspiegel” die jüngst bekannt gewordene Überwachung von Mitgliedern der Gruppe “Letzte Generation” durch das Landeskriminalamt Bayern, die sich offenbar auch auf die Kommunikation mit Journalistinnen und Journalisten erstreckte: “Es muss geklärt werden, wie Polizei und Justiz diesen Angriff auf die Pressefreiheit überhaupt in Erwägung ziehen konnten. Der Verfolgungseifer muss überaus groß gewesen sein, dass niemand die Reißleine zog. Die Ermittler können sich jetzt gewiss sein, dass ihr Vorgehen von den Medien noch kritischer hinterfragt wird.”

2. Facebook-Moderator kritisiert Jobbedingungen – und darf nicht mehr arbeiten
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Content-Moderator Cengiz Haksöz sorgt dafür, dass Facebook-Nutzerinnen und -Nutzer beispielsweise keine Enthauptungsvideos auf dem Netzwerk sehen können und müssen. Wie man sich vorstellen kann, ist die Arbeit der rund 5.000 Content-Moderatoren und -Moderatorinnen in Deutschland für sie selbst extrem belastend, im Einzelfall macht sie sogar krank. Über die Umstände dieser Tätigkeit sprach Haksöz kürzlich vor dem Digitalausschuss des Bundestags und erhielt als Reaktion seines Arbeitgebers, eines kanadischen Dienstleisters, prompt ein Hausverbot und die sofortige Freistellung.

3. Vor dem Aus?
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Die Mitgliederversammlung der nd.genossenschaft hat sich am Samstag einstimmig für eine Rettungskampagne der Tageszeitung “nd” ausgesprochen, denn die Lage sei dramatisch. Angesichts von rund 400.000 Euro weniger Einnahmen als geplant und rund 200.000 Euro höheren Kosten liege das aktuelle Defizit bei 635.000 Euro, so Vorstandsmitglied und Geschäftsführer Rouzbeh Taheri. Man habe sich nun zu bitteren Kürzungen und tiefen Einschnitten entschlossen.

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4. Müssen Medien strenger hinsehen?
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 34:15)
Angeregt durch einen Hörer, der sich vom Deutschlandfunk (Dlf) eine konstruktivere Berichterstattung wünscht, diskutieren der Medienwissenschaftler Uwe Krüger, Dlf-Nachrichtenchef Marco Bertolaso und Brigitte Baetz von “Mediasres” über das Thema Konstruktiver Journalismus und die damit verbundenen Vor- und Nachteile.

5. Recherche in der Blackbox
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
“In einer zunehmend digitalen geprägten Gesellschaft sollte es auch zur zentralen Aufgabe von Journalismus zählen, [zur Funktionsweise von Algorithmen] zu recherchieren, diskriminierende Effekte offenzulegen, die Aktivitäten von Akteuren wie Regierungen, Behörden oder Softwareherstellern zu beleuchten”, fordert Sonja Peteranderl in ihrem Beitrag über das sogenannte Algorithmic Accountability Reporting.

6. Macht Künstliche Intelligenz Journalisten überflüssig?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 25:02 Minuten)
Holger Klein hat sich mit Christina Elmer, Professorin für Digitalen Journalismus und Datenjournalismus an der TU Dortmund, über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Medienbranche unterhalten: “Wie viel von der aktuellen Aufregung ist bloß ein vorübergehender Hype? Wie sehr verändern verschiedene Formen von Künstlicher Intelligenz tatsächlich die Arbeit von Journalisten? Welche ethischen Grundsätze gelten in Zukunft?”

KW 25/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug, diesmal mit dem Schwerpunkt auf der zurückliegenden Jahreskonferenz der Journalistinnen- und Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Machtmissbrauch, Imageschaden, Braindrain – Wohin geht’s mit Springer?
(youtube.com, Silke Burmester, Video: 53:13 Minuten)
Bei der Podiumsdiskussion zur Zukunft des Axel-Springer-Verlags geht es unter anderem um die strukturellen Probleme der Redaktionen von “Bild” und “Welt”: Wie unabhängig können Journalistinnen und Journalisten bei Springer arbeiten, und welche Rolle spielen dabei der Verleger Mathias Döpfner und die Chefredaktionen? Welche Folgen hat es, wenn immer mehr Recherchejournalisten und -journalistinnen das Unternehmen verlassen, und der Verlag Schwierigkeiten hat, qualifiziertes Personal zu finden? Es diskutieren Anette Dowideit, stellvertretende Chefredakteurin von “Correctiv” und zuvor Mitarbeiterin der “Welt”, Journalistikprofessor Volker Lilienthal und Pia Stendera, Reporterin, Autorin und Podcasterin (“Boys Club – Macht & Missbrauch bei Axel Springer”).

2. Schon lange geplant? Die Zerschlagung von Gruner+Jahr und die Folgen
(youtube.com, Steffen Grimberg, Video: 1:00:23 Stunden)
Gruner + Jahr war einst ein Gigant in der Zeitschriftenbranche mit so bekannten und reichweitenstarken Titeln wie “Stern”, “Brigitte” und “Geo”, doch spätestens mit der Übernahme durch RTL/Bertelsmann sind diese Zeiten vorbei. Wann begann der Niedergang? Und wer hat welche Fehler gemacht? War die Zerschlagung von Gruner + Jahr von Bertelsmann strategisch geplant? Oder war sie eine notwendige Maßnahme zur Rettung des Restgeschäfts, wie Bertelsmann-Chef Thomas Rabe behauptet? Darüber diskutieren der freie Journalist Thomas Schuler, der viel zu Gruner + Jahr recherchiert hat, der frühere “Geo”-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede, die Gewerkschafterin Tina Fritsche sowie die freie Journalistin Verena Carl, die für verschiedene G+J-Magazine geschrieben hat und schreibt.

3. Berichten über #metoo – zwischen Betroffenen, Medienanwält:innen und Gerichten
(youtube.com, Stefanie Dodt, Video: 1:05:11 Stunden)
Am Beispiel des Rammstein-Sängers Till Lindemann werde deutlich, wie schwierig das Berichten über (mögliche) #metoo-Fälle und Verdachtsberichterstattung im Allgemeinen sind. Wie gelingt der Spagat zwischen journalistischem Anspruch und juristischen Grenzen? Welche Schlüsse ziehen deutsche Medienhäuser aus den Reaktionen von Beschuldigten und Gerichten? Darüber diskutieren Sascha Sajuntz (Rechtsabteilung “Spiegel”), Lena Kampf (Investigativressort “Süddeutsche Zeitung”) und Sonja Süß (Hessischer Rundfunk).

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4. Wie eine zeitgemäße Klimaberichterstattung aussehen müsste – und warum es sie bis heute nicht gibt.
(youtube.com, Oda Lambrecht, Video: 1:06:53 Stunden)
Im Panel zur Klimaberichterstattung diskutieren Barbara Junge von der “taz”, Wulf Schmiese vom ZDF, Oliver Haustein-Teßmer von der “Lausitzer Rundschau” und Gabriele Holzner vom Hessischer Rundfunk über den richtigen Umgang von Medien mit diesem wichtigen Thema. Wichtige, weil belebende Teilnehmerin der Runde ist die Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die für ihre unbequemen, aber berechtigten Hinweise und Fragen bekannt ist.

5. Eine verminte Recherche – Wer sprengte die Nord-Stream-Pipelines?
(youtube.com, Svea Eckert, Video: 1:11:12 Stunden)
Wer ist für den Anschlag verantwortlich, bei dem beide Stränge der Ostseepipeline Nord Stream 1 und einer der beiden Stränge von Nord Stream 2 zerstört wurden? In letzter Zeit deckten verschiedene Redaktionen vor allem Spuren auf, die in Richtung Ukraine deuten (was nicht zwingend heißen muss, dass dort auch die Urheberschaft liegt). Entsprechend wachse der Druck auf die deutsche Politik und die Medien, die zu diesem Thema recherchieren. Es diskutieren Jörg Schmitt (“Süddeutsche Zeitung”), Jörg Diehl (“Spiegel”) und Holger Stark (“Zeit”). Ein spannender Einblick in eine brisante Thematik, die an einen Krimi erinnert.

6. Vom Yps-Gimmick bis zur Oper: Die Top 10 der innovativen Formate im Journalismus
(youtube.com, Christian Fuchs & Jonathan Sachse, Video: 57:53 Minuten)
Christian Fuchs (“Zeit”) und Jonathan Sachse (“Correctiv”) stellen verschiedene herausragende Beispiele für innovative Formate im Journalismus vor. Das Spektrum reicht von Live-Formaten über Graphic Novels bis hin zu Comedy-Videos und Newsgames.

Verbaselte Verpixelung, Geldstrafe, Fußballfelder

1. TV-Bericht wird teuer für Mutter
(taz.de, Kaija Kutter)
Der NDR strahlte ein unverpixeltes Video aus, in dem (identifizierbare) Jugendamtsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter bei der Abholung eines Kindes zu sehen waren. Dagegen wehrte sich eine Jugendamtsmitarbeiterin mit dem Ergebnis, dass nicht der Sender, der die Verpixelung “verbaselt” habe, sondern die Mutter, die die Aufnahmen dem NDR übergeben haben soll, zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

2. Geldstrafe für Angriff auf Fotografin
(verdi.de)
Ganze fünf Jahre habe es gedauert, bis ein Gericht einen Mann verurteil hat, der bei einer Demonstration des rechtsextremen Vereins “Zukunft Heimat” eine Fotografin angegriffen hatte. “Das ist kein Einzelfall im Gerichtsbezirk Cottbus, es ist ein strukturelles Problem. Wir haben ganz viele rechte Gewaltdelikte, die jahrelang nicht vor Gericht verhandelt werden”, so Martin Vesely von der Organisation Brandenburger Opferperspektive.

3. Wie Künstliche Intelligenz die Grenzen der Realität aushebelt
(belltower.news, Una Titz)
Verschwörungsideologen, christliche Fundamentalisten und reaktionäre Kräfte hätten die Möglichkeiten der KI-Bildgenerierung für sich entdeckt und sollen wie am Fließband falsche KI-Bilder und Fake-Videos produzieren, die Faktizität und Authentizität vortäuschen. Auch die Neue Rechte habe die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI) entdeckt. Das seien beängstigende Aussichten, wie Una Titz findet, “vor allem, wenn man bedenkt, dass die Präventionsmaßnahmen zur Identifizierung und Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten bislang auch seitens der Content-Moderationssysteme und Behörden völlig unzureichend bis komplett inexistent sind.”

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4. RTL und Monica Lierhaus: Von Normalität noch weit entfernt
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Beim Fernsehsender RTL findet vom 19. bis 25. Juni die “Woche der Vielfalt” statt, “mit vielen tollen Sendungen, Filmen und Beiträgen”. Schwerpunkt der diesjährigen Vielfaltswoche ist das Thema Inklusion. Timo Niemeier hat Störgefühle, was die Kampagne und speziell den Einsatz der Sportreporterin Monica Lierhaus betrifft: “Auch wenn RTL in den zurückliegenden Tagen immer wieder die Bedeutung von Inklusion beteuerte: So richtig macht es nicht den Eindruck, als würde man ernsthaft Inklusion betreiben. Am Montag moderierte Lierhaus den Sportblock bei ‘RTL Aktuell’ – mehr als ein Symbol ist das nicht. Zu allem Übel wurde bei der Gelegenheit noch einmal auf die Geschichte der Moderatorin zurückgeblickt. Ist Monica Lierhaus nun Berichterstatterin oder Gegenstand von Berichterstattung?”

5. Australien knöpft sich Twitter wegen Online-Hass vor
(faz.net)
Die australische Regierung droht Twitter mit Geldstrafen von mehr als 400.000 Euro pro Tag, sollte das Unternehmen nicht innerhalb von vier Wochen Auskunft darüber geben, was es gegen Hass im eigenen Netzwerk unternimmt. “Wir brauchen Rechenschaft von diesen Plattformen und Maßnahmen zum Schutz ihrer Nutzer, und es gibt keine Rechenschaft ohne Transparenz, und das ist es, was mit rechtlichen Hinweisen wie diesem erreicht werden soll”, sagt Julie Inman Grant von der zuständigen Aufsichtsbehörde.

6. Warum Fußballfelder nicht gleich Fußballfelder sind
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 2:21 Minuten)
Wenn es darum geht, Abstraktes verständlich zu machen, greifen Journalistinnen und Journalisten gerne auf Vergleiche zurück. Wenn es um die Größe einer Fläche geht, wird dann häufig das Saarland oder die Anzahl von Fußballfeldern als Bezugsgröße genannt. Stefan Fries gibt in “Sagen & Meinen” Tipps, welche Alternativen es gibt, um Zahlen und Größen zu veranschaulichen.

Medienereignis U-Boot-Suche, Keine Fragen zugelassen, Neue Satire-Opfer

1. Medienereignis U-Boot-Suche
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Sebastian Wellendorf, Audio: 7:09 Minuten)
Wenn, wie in der vergangenen Woche, ein überfülltes Boot kentert und Hunderte Menschen ertrinken, die auf der Flucht sind, ist das Medien nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit wert wie die Suche nach einem Tauchboot mit fünf Insassen, das reichen Menschen einen Unterwasserausflug zur Titanic verspricht. Der Deutschlandfunk hat mit Experten und Expertinnen über die Gründe dieses Phänomens gesprochen.

2. “Ein beispielloser Anschlag auf die Pressefreiheit”
(falter.at, Florian Klenk)
Der österreichische Investigativjournalist Franz Miklautz deckte unter anderem auf, dass sich ein Magistratsdirektor in nur einem Jahr rund 70.000 Euro für Überstunden auszahlen ließ. Damit zog Miklautz den Zorn der Klagenfurter Mächtigen auf sich, die ihn anzeigten. Er sei kein Journalist, sondern ein Krimineller, der Amtsgeheimnisse verraten habe. Damit nicht genug: Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt ließ seine “Mobiltelefone, Computer, Tablets oder andere internetfähige Geräte und dergleichen” beschlagnahmen – ein “beispielloser Justizskandal”, wie Florian Klenk schreibt.

3. Keine Fragen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert, dass bei einer Pressekonferenz mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang vom Kanzleramt keine Fragen zugelassen wurden: “Dass der deutsche Regierungschef die Regeln seiner chinesischen Gäste offenbar bereitwillig übernimmt und bei einer Pressekonferenz gestern in seinem Kanzleramt keine Fragen zulässt, ist ein Affront. Die anwesenden Korrespondenten wurden zu Statementempfängern degradiert. Dafür hätten sie sich nicht auf den Weg ins Kanzleramt machen müssen.”

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4. Haben wir denn gar nichts gelernt aus der Ära Trump?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 27:24 Minuten)
Eigentlich hätten Redaktionen in den Trump-Jahren viel über den medialen Umgang mit dem damaligen US-Präsidenten lernen können und müssen, doch mit der aktuellen Anklage gegen Donald Trump scheint vieles vergessen. Hunderte von Reporterinnen und Reportern blasen selbst die belanglosesten Beobachtungen zu vermeintlich berichtenswerten Nachrichten auf und schenken Trump eine unangemessene Aufmerksamkeit. Holger Klein spricht mit dem “Tagesthemen”-Moderator und USA-Kenner Ingo Zamperoni über das Problem, das oft auch ein Dilemma ist.

5. Theodor-Wolff-Preise in fünf Kategorien vergeben
(zeit.de)
Gestern wurde der Theodor-Wolff-Preis, eine der wichtigsten Auszeichnungen im deutschen Journalismus, vom Verband der Digitalpublisher und Zeitungsverleger vergeben. Ausgezeichnet wurden Dunja Ramadan für “Der Garten und der Dschungel” (“Süddeutsche Zeitung”, nur mit Abo lesbar), Moritz Aisslinger für “Dem Sturm ausgeliefert” (“Zeit”) und Julia Ruhnau für “Endlevel Hass” (“Nürnberger Nachrichten”, nur mit Abo lesbar), Jan Georg Plavec und Simon Koenigsdorff für ihr digitales Angebot “Klimazentrale Stuttgart” (“Stuttgarter Zeitung”/”Stuttgarter Nachrichten”) sowie Daniel Brössler für sein Stück “Schreckliche neue Welt” (Süddeutschen Zeitung, nur mit Abo lesbar).

6. Die neuen Opfer der Satire: Jetzt wird auch nach unten kritisiert
(pnp.de, Raimund Meisenberger)
Raimund Meisenberger hat einen lesenswerten Essay über den Zustand des Kabaretts in Deutschland geschrieben. Er stellt fest: “Seit Hofnarrs Zeiten war es das Privileg der Satire, zur Abwechslung mal die Mächtigen an den Pranger zu stellen. Mancher Satiriker (und andersrum auch mancher Politiker) heute praktiziert das Gegenteil und kritisiert nicht mehr die Mächtigen, sondern die de facto Machtlosen – Minderheiten, die durch ihre pure Existenz ein Beispiel geben, dass die Dinge auch anders sein könnten und dass der Status quo weder sakrosankt noch alternativlos ist.”

Gegenrechtsschutz, Geldfragen, Irgendwas-mit-Afrika-Fotos

1. Gegenrechtsschutz
(fragdenstaat.de)
Die Initiative “FragDenStaat” hat nach dem “Prinzenfonds” (für Betroffene von Abmahnungen durch den Hohenzollernprinzen) einen weiteren Rechtshilfefonds, den “Gegenrechtsschutz”, aufgelegt: “Mit unserem neuen Rechtshilfefonds schützen wir den demokratischen Diskurs gegen Angriffe von rechts. Wir unterstützen Betroffene in juristischen Auseinandersetzungen bei Abmahnungen und Klagen. Für die Informationsfreiheit!”
Weiterer Lesetipp: “Wehren lohnt sich”: Juristische Einschüchterungsversuche der extremen Rechten (belltower.news, Jo Eckert).

2. Deckel drauf?
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Antje Allroggen, Audio: 8:34 Minuten)
Wie viel sollte ein Intendant oder eine Intendantin eines öffentlich-rechtlichen Senders verdienen? Über diese Frage spricht Deutschlandfunk-Redakteurin Antje Allroggen mit dem Medienökonomen Bjørn von Rimscha. Schnell wird klar: Das Thema ist komplexer als man denkt.

3. Irgendwas-mit-Afrika-Fotos: Wie die Ethnologie ein Bild vom “Fremden” geprägt hat, das bis heute nachwirkt
(uebermedien.de, Anne Haeming)
Der Artikel von Anne Haeming bei “Übermedien” beschäftigt sich mit der Darstellung Afrikas und wie diese durch die europäische Ethnologie geprägt wurde. Ein bestimmtes Foto, das ein Holzboot aus der Vogelperspektive auf einem Gewässer zeigt, wird als Beispiel für die stereotype Darstellung des afrikanischen Kontinents herangezogen. Solche Aufnahmen seien ein Beispiel dafür, wie Bilder und Metaphern, die ihren Ursprung in der europäischen Ethnologie des 19. Jahrhunderts haben, von Europa aus reproduziert werden. Diese Sichtweise, die Afrika und andere Regionen jenseits Europas als “exotisch” und “fremd” betrachtet, habe sich bis heute im kollektiven europäischen Gedächtnis erhalten.

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4. Einstiegshürden weg und Belastung runter
(hinterdenzeilen.de, Tobias Hausdorf & Niklas Münch & Olivia Samnick, Audio: 60:59 Minuten)
Mit dem bevorstehenden Ausscheiden der Babyboomer aus dem Berufsleben und sinkenden Bewerberzahlen an den Journalistenschulen droht dem Journalismus ein Fachkräftemangel. In Zusammenarbeit mit dem Podcast “Bonjourno” diskutieren die Macher von “Hinter den Zeilen” über die unattraktiven Seiten der Medienbranche, aber auch über mögliche Lösungen.

5. Er will nicht verstummen
(taz.de, Marina Mai)
Der in Deutschland lebende Autor Bui Thanh Hieu gelte als einer der einflussreichsten vietnamesischen Schriftsteller und Blogger. Mit seiner Auseinandersetzung mit dem Thema Korruption und seinem derben Sprachwitz habe er es sich jedoch mit der autoritären vietnamesischen Regierung, die ihn mehrfach wegen “Missbrauchs demokratischer Freiheiten” inhaftierte, verscherzt. Und auch in Deutschland versuche man, ihn aus der Ferne mundtot zu machen.

6. Zahlen Sie 137 Pfund!
(faz.net, Gina Thomas)
Medienschaffende, die den Parteitag der britischen Konservativen (“Tories”) journalistisch begleiten wollen, werden von der Partei mit stolzen 137 Pfund zur Kasse gebeten (bei Nachmeldungen sogar mit 880 Pfund). Dagegen regt sich nun Widerstand, wie Gina Thomas aus London berichtet. So habe die Foreign Press Association in einem von rund dreihundert Organisationen unterzeichneten offenen Brief die Abschaffung der Gebühren gefordert.

“Bild” auf Schrumpfkurs, Zum Scheitern verurteilt?, Wärmepumpen

1. »Bild« auf Schrumpfkurs
(spiegel.de)
Der Axel-Springer-Verlag will bei der “Bild”-Zeitung einen radikalen Schnitt vollziehen und kündigt einen tiefgreifenden Umbau an. Sechs der bisher 18 Regionalausgaben sollen eingestellt und Hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen werden. In einer Mail, die dem “Spiegel” vorliegt, wird als Grund auch der verstärkte Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) genannt: “Wir müssen uns damit leider auch von Kollegen trennen, die Aufgaben haben, die in der digitalen Welt durch KI und/oder Prozesse ersetzt werden oder sich in dieser neuen Aufstellung mit ihren derzeitigen Fähigkeiten nicht wiederfinden”.

2. “Wir haben hier verdammt nochmal niemanden, der …”
(twitter.com, Johannes Hillje)
“Wir haben hier verdammt nochmal niemanden, der weiß, wie so eine Wärmepumpe funktioniert”, soll “Bild”-Chefredakteurin Marion Horn laut “Süddeutscher Zeitung” (nur mit Abo lesbar) in einer Konferenz mit der Belegschaft gesagt haben. Da kann man sich nur wundern: Angesichts der Tatsache, dass die “Bild”-Redaktion seit Monaten und nahezu täglich eine angstschürende und verunsichernde Kampagne gegen die Wärmepumpen-Pläne von Robert Habeck (“Heiz-Hammer” etc.) fährt, “ist das gleichzeitig das Ehrlichste und Erbärmlichste, was man als Bild-Chefredakteurin sagen konnte”, wie der “6-vor-9”-Kurator auf Twitter anmerkte. Johannes Hillje stellt Horns Aussage ein Screenshot eines Bild.de-Artikels gegenüber, in dem ironischerweise die Erklärung versprochen wird, “warum Wärmepumpen dem Klima erstmal NICHTS bringen” (Schreibweise im Original).

3. Zum Scheitern verurteilt
(taz.de, Erica Zingher)
In der “taz” äußert Erica Zingher ihre Bedenken hinsichtlich der frisch gewählten RBB-Intendantin Ulrike Demmer: “Demmer wird ihre Position noch so gut ausfüllen können, Kri­ti­ke­r:in­nen werden ihr immer wieder ihre Vergangenheit als Regierungssprecherin vorwerfen. Der Sender macht sich in Zeiten, in denen er um das Vertrauen der Bevölkerung kämpfen muss, maximal angreifbar.”

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4. Zunehmende Probleme für China-Korrespondenten
(faz.net, Hinnerk Feldwisch-Drentrup)
Hinnerk Feldwisch-Drentrup schreibt in der “FAZ” über die zunehmenden Probleme ausländischer Korrespondentinnen und Korrespondenten in China. Der Club der Auslandskorrespondenten in China befürchte, dass das chinesische Regime indische Medien vollständig aus dem Land drängen könnte. Medien aus Australien und Kanada seien bereits nicht mehr im Land mehr vertreten.

5. Internationale Top 5 der Vergessenen Nachrichten
(derblindefleck.de)
Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) hat ihre “Internationalen Top 5 der vergessenen Nachrichten 2023” vorgestellt. Dabei handelt es sich um Themen und Geschichten, die aus Sicht der INA in der medialen Berichterstattung weitgehend unsichtbar geblieben sind, obwohl sie von gesellschaftlicher Bedeutung sind. Auf den ersten drei Plätzen: Das Pegasus-Projekt, das als “mächtigste Cyber-Waffe der Welt” gilt, die persönlichen Risiken von Umweltaktivismus für die beteiligten Menschen sowie der Umgang mit Künstlicher Intelligenz und deren Auswirkungen auf Beschäftigte und Ökosysteme.

6. Günther Jauch enthüllt nach 27 Jahren noch einmal einen bekannten ZDF-Skandal
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Wie in einigen Medien zu erfahren ist, hat der TV-Moderator Günther Jauch in einem Interview Unfassbares über die politische Einflussnahme beim ZDF enthüllt. Gut, dass Medienkritiker Stefan Niggemeier ein gutes Gedächtnis hat: “Die Geschichte ist wirklich unfassbar und deshalb ist es auf den ersten Blick nachvollziehbar, dass sie heute auf vielen Nachrichtenseiten steht. Sie ist aber nicht nur unfassbar, sondern auch alt und – bekannt. Sie machte nämlich auch vor 27 Jahren schon Schlagzeilen.”

“Verschlossene Auster”, Hackerangriff, Schmonz-Roman?

1. Verschlossene Auster 2023 für Verleger Holger Friedrich
(netzwerkrecherche.org)
Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche hat den diesjährigen Negativpreis “Die verschlossene Auster” ausnahmsweise an jemanden verliehen, der nicht zu wenig, sondern zu viel gesagt hat: an Holger Friedrich, Verleger der “Berliner Zeitung”. “Die Verschlossene Auster verleihen wir normalerweise an Menschen, die Informationen zurückhalten. Den Bruch des Quellenschutzes durch Holger Friedrich halten wir jedoch für so gravierend, dass wir in diesem Jahr eine Ausnahme machen und Friedrich mit dem Negativpreis der Verschlossenen Auster auszeichnen”, so Daniel Drepper, Vorsitzender des Netzwerks.

2. Hackerangriff legt Rheinische Post Mediengruppe in Teilen lahm
(spiegel.de)
Die Rheinische Post Mediengruppe sieht sich offenbar seit Freitag einem folgenreichen Hackerangriff ausgesetzt. Die Attacke betreffe die Seiten des “Bonner General-Anzeigers”, der “Aachener Nachrichten”, des “Trierischen Volksfreunds”, der “Saarbrücker Zeitung” und der “Wuppertaler Rundschau”.

3. Ulrike Demmer zur rbb-Intendantin gewählt
(tagesschau.de)
Der RBB-Rundfunkrat hat sich für eine Nachfolgerin von Ex-Intendantin Patricia Schlesinger beziehungsweise Interimsintendantin Katrin Vernau entschieden: Die Wahl ist auf die frühere stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung Ulrike Demmer gefallen, die davor als Journalistin tätig war. Wer sich für den Hintergrund der Wahl interessiert: Bei “DWDL” fasst Timo Niemeier Vorgang und Abläufe noch einmal zusammen: Geschafft: Ulrike Demmer wird neue RBB-Intendantin.

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4. Wenn Politik nur noch Wahlkampf ist
(deutschlandfunk.de, Stefan Beuting, Audio: 32:12 Minuten)
“Horse race journalism” bezeichnet laut Wikipedia “eine journalistische Berichterstattungsform, die den Wettbewerbs- und Konfrontationscharakter von Politik in den Vordergrund stellt.” Ein Radiohörer kritisiert, er habe diese Form der Berichterstattung auch beim Deutschlandfunk entdeckt, und diskutiert darüber mit dem Journalisten Stefan Beuting und dem Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider.

5. Fox News verbreitet neue Lügen
(faz.net, Nina Rehfeld)
Die Entlassung des rechtslastigen Moderators Tucker Carlson, der in der Vergangenheit zahlreiche Falschmeldungen und Verschwörungsmythen verbreitet hatte, hat den US-amerikanischen TV-Sender Fox News viele Zuschauer und Zuschauerinnen gekostet. Um den Quoteneinbrüchen zu begegnen, drehe der Fernsehsender nun vollends ins rechte Lager ab, beobachtet Nina Rehfeld.

6. Schmonz-Roman oder “Zeit Magazin”? Das große Kevin-Spacey-Portrait-Quiz
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
In der vergangenen Woche erschien im “Zeit Magazin” ein großes Porträt über den US-amerikanischen Schauspieler Kevin Spacey, von dem das Magazin selbst sagt, es sei “wahrscheinlich Teil seines Versuches, ein Comeback vorzubereiten.” Lisa Kräher hat ihre kritischen Fragen beiseitegeschoben und widmet sich nur einem Aspekt: der Ähnlichkeit des Spacey-Porträts mit einem Kitsch-Roman.

KW 24/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Den Vogel abgeschossen – Elon Musk vs. Twitter
(wondery.com, Audio: vier Episoden zwischen 31 und 37 Minuten)
Amazons Podcast-Tochter Wondery hat eine aufwändig produzierte vierteilige Serie über Elon Musks Twitter-Übernahme veröffentlicht. Die Episoden sind spannend erzählt und mit vielen Informationen und Originalstimmen gespickt. Eine der gelungensten medienrelevanten Infotainment-Produktionen der letzten Zeit!

2. Ulf Buermeyer über Freiheitsrechte und strategische Klageführung
(denkangebot.org, Katharina Nocun, Audio: 1:08:45 Stunden)
Im “Denkangebot”-Podcast hat Katharina Nocun Ulf Buermeyer zu Gast, Co-Moderator der “Lage der Nation”, Richter am Landgericht Berlin und einer der Gründer der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF). In dem Gespräch geht es unter anderem um das Konzept der strategischen Klageführung, Hass im Netz, die Chatkontrolle und die Arbeit der GFF.

3. Umstrittene Umfrage: Schlägt jeder 3. junge Mann seine Freundin?
(ndr.de, Daniel Bröckerhoff, Video: 10:12 Minuten)
Über die von vielen Medien unkritisch zitierte, umstrittene Umfrage, nach der ein Drittel der befragten Männer Gewalt gegen die Partnerin für “akzeptabel” hält, hatten wir diese Woche bereits in den “6 vor 9” berichtet. Nun hat sich das Medienmagazin “Zapp” mit den Fehlern und Merkwürdigkeiten der Umfrage und ihrer medialen Verwertung auseinandergesetzt.

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4. Christian Wulff wettert gegen Kai Diekmann
(turi2.de, Pauline Stahl, Video: 1:28:22 Stunden)
Bei “turi2” weist Pauline Stahl auf einen Youtube-Mitschnitt einer Veranstaltung mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff hin. Dieser habe dort gegen den ehemaligen “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann ausgeteilt und Diekmanns Vorgehen in der Mailbox-Affäre vor zwölf Jahren mit Diebstahl verglichen. Heute würde Wulff mit dem Springer-Verlag nach eigener Aussage anders umgehen: “Ich würde ganz dicht machen”.

5. Langzeitrecherchen: Wie kann man sich die leisten?
(bonjourno.de, Olivia Samnick, Audio: 39:25 Minuten)
Im Werkstattgespräch von “Bonjourno” geht es ums liebe Geld und die Frage: Wie kann man sich als Journalist oder Journalistin Langzeitrecherchen leisten? Sollte man für eine monatelange Recherche selbst in Vorkasse gehen? Oder sich um eine Förderung bewerben? Darüber spricht Olivia Samnick mit dem freien Journalisten Benjamin Hindrichs.

6. Wie Alkohol in den Medien romantisiert wird
(youtube.com, El Leykauf, Video: 20:38 Minuten)
Vor allem im Trash-TV sei zu sehen, wie Alkohol verharmlost und mit Spaß und Humor in Verbindung gebracht werde, meint El Leykauf von “Brust raus”: “Und viel zu selten wird dabei aufgeklärt, dass der hohe Konsum von Alkohol gefährlich ist. Ungesund ist. Und auch süchtig machen kann.” In ihrem Video schaut sich Leykauf genauer an, “ob die Darstellungen in den Medien von Alkohol und Co. moralisch vertretbar sind oder nicht.”

Rüge für Friedrich, Verleihung des “Leuchtturms”, Protest bei Reddit

1. Deutscher Presserat rügt Verleger Holger Friedrich
(dwdl.de, Manuel Weis)
Der Deutsche Presserat hat in seiner jüngsten Sitzung über zwei Fälle entschieden, die zuvor für größeres Aufsehen gesorgt hatten: Der Verleger Holger Friedrich (unter anderem “Berliner Zeitung”) bekam eine Rüge; er hatte den Namen eines Informanten – Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt – an den Axel-Springer-Verlag weitergegeben. Beschwerden gegen die “Zeit”-Berichterstattung über Springer-Chef Mathias Döpfner, in der auch Nachrichten Döpfners zitiert wurden, wies der Presserat hingegen zurück.

2. Netzwerk Recherche verleiht “Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen”
(netzwerkrecherche.org)
Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche verleiht ihren “Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen” dieses Jahr an die beiden iranischen Journalistinnen Niloufar Hamedi und Elahe Mohammadi für deren Berichterstattung über den Tod von Jina Mahsa Amini. “Ihre Arbeit führt uns vor Augen, wie wichtig und relevant eine freie Presse ist – und wie viel Kraft journalistische Veröffentlichungen entfalten können”, so Daniel Drepper, Vorsitzender von Netzwerk Recherche.

3. Verhandlung gegen Reichelt-Firma: Gericht folgt vorab Argumentation von Kluge
(journal-frankfurt.de, Katja Thorwarth)
Gestern hat das Landgericht Frankfurt am Main darüber verhandelt, ob die von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geführte Website “Pleiteticker” die trans Journalistin und Aktivistin Janka Kluge als “Mann” bezeichnen darf. Das Gericht sei zunächst der Argumentation der Journalistin und ihres Anwalts gefolgt und werde im Juli endgültig über den Fall entscheiden.

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4. Kein Familiendrama: Berichterstattung über Femizide und der Umgang mit Überlebenden und Angehörigen
(journalist.de)
Eine Initiative von investigativen Journalistinnen hat einen Leitfaden zusammengestellt, wie Medien mit dem Thema Femizid, also der Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts, umgehen können. Der “journalist” dokumentiert den Leitfaden auf seiner Website.

5. Gut 5.000 Communities protestieren weiter
(netzpolitik.org, Johannes Gille)
Seit Anfang der Woche streitet sich das Reddit-Management mit großen Teilen der eigenen Community über Pläne, die Programmierschnittstelle einzuschränken und kostenpflichtig zu machen. Ein solcher Schritt hätte zur Folge, dass beliebte Anwendungen von Drittanbietern ihre Dienste einstellen müssten. Als Zeichen des Protests und um den Konzern zum Umdenken zu bewegen, würden viele der größten Communities, die sogenannten Subreddits, die Seite derzeit boykottieren.

6. Von der re:publica lernen, heißt Markenführung lernen
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Bei “Indiskretion Ehrensache” macht Thomas Knüwer der re:publica, einer Konferenz zur digitalen Gesellschaft, eine Art Liebeserklärung: “Es gibt so viele UnternehmerInnengeschichten, die immer und immer wieder in Medien erzählt werden. Leider gehört die re:publica nicht dazu. Dabei macht ihr Team so vieles richtig, was andere ignorieren.”

Nachrichtenmüdigkeit, “Pleiteticker” transfeindlich?, RBB streicht Flake

1. Keine Lust mehr auf Katastrophen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider & Christoph Sterz, Audio: 6:07 Minuten)
Laut dem aktuellen “Digital News Report” des Reuters Institute verspüren immer mehr Menschen eine “Nachrichtenmüdigkeit” und entscheiden sich bewusst gegen den Nachrichtenkonsum. Fast zwei Drittel der befragten erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland hätten angegeben, Nachrichten gelegentlich zu meiden. Betroffen seien tendenziell mehr Jüngere sowie Menschen mit geringem Vertrauen in Nachrichtenmedien oder einer extremeren politischen Orientierung, so die Medienforscherin Julia Behre, die für den deutschen Teil der Studie (PDF) verantwortlich zeichnet.

2. Schlesingers “System der Geschenke” – ein Fall für den Staatsanwalt?
(rbb24.de, Gabi Probst)
“Die ehemalige rbb-Intendantin Patricia Schlesinger machte gern Geschenke und lud zum Essen ein – auf Kosten des Senders. Begünstigt wurden Weggefährten, Führungskräfte und Mitglieder der Kontrollgremien.” Das RBB-Rechercheteam hat sich das “System der Geschenke” seiner ehemaligen Chefin angeschaut und zitiert Experten, die Zweifel an der dienstlichen Veranlassung haben. Zweifel, die Schlesingers Anwalt, Ralf Höcker, nicht habe: “Jedes Mal, wenn Vorwürfe gegen Frau Schlesinger in sich zusammenfallen, werden flugs neue aus dem Hut gezaubert. Sollten auch diese vor Gericht landen, wird es nicht anders laufen.”

3. Vor Gericht gegen Transfeindlichkeit
(taz.de, Nicole Opitz)
Am heutigen Donnerstag entscheide das Landgericht Frankfurt, ob die von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geführte Website “Pleiteticker” die trans Journalistin und Aktivistin Janka Kluge “Mann” nennen darf. Kluges Anwalt habe zuvor eine Abmahnung an den Verlag geschickt, die von der Gegenseite nicht akzeptiert worden sei.

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4. Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger: RBB streicht Sendung
(t-online.de)
Der RBB-Sender radioeins hat auf die Ausstrahlung einer neuen Podcastfolge des Rammstein-Musikers Christian “Flake” Lorenz (Formatname: “Flake – Des Tastenfickers Podcast”) verzichtet: “Da Rammstein auf Tour sind, hatten wir eine vorproduzierte Sendung eingeplant, was jetzt bei der Debatte rund um Rammstein unangebracht erscheint.”

5. Die Vorhut der Avantgarden
(kontextwochenzeitung.de, Oliver Stenzel)
Oliver Stenzel hat Alexander Roobs Buch zur “History of Press Graphics” rezensiert. Das Werk umfasst die Blütezeit der Pressegrafik von 1819 bis 1921, eine Epoche, die von drucktechnischen Fortschritten und gesellschaftlichen sowie politischen Veränderungen geprägt war. Es enthält über 700 Abbildungen und wiegt fast fünf Kilogramm.

6. ARD und ZDF zeigen Frauenfußball-WM
(faz.net)
Wie aus einer Mitteilung von ARD und ZDF hervorgehe, sei der monatelange Streit um die Liveübertragung der Spiele der im Juli und August stattfindenden Frauen-Fußballweltmeisterschaft beigelegt. Wie in den vorherigen Jahren würden die öffentlich-rechtlichen Sender auch die Spiele aus Australien und Neuseeland zeigen. Vertragspartner des Fußball-Weltverbands FIFA seien jedoch nicht die Sender, sondern die European Broadcasting Union.

Rammstein hü und hott, Radio Dreyeckland, Fox warnt Carlson

1. Mal hü, mal hott
(taz.de, Johannes Eisenberg)
Die “taz” habe am 11. Juni eine “presserechtliche Abmahnung” von Hamburger Anwälten erhalten, die der Redaktion im Namen der Band Rammstein bestimmte Aussagen verbieten wollen, berichtet Medienrechtler Johannes Eisenberg, der auch für die “taz” juristisch tätig ist. In seiner Rekonstruktion der bisherigen Ereignisse zeigt er sich überrascht über das seiner Meinung nach inkonsequente Vorgehen der Band: “Dass die Rammsteins und ihr Sänger mal hü, mal hott schreien, spricht nicht für eine schlüssige Verteidigungsstrategie. Mal sagen sie, alle hätten ein Recht auf ihre Meinung – gehen dann aber doch gegen unliebsame Äußerungen juristisch vor.” (Ein Widerspruch, den der “6-vor-9”-Kurator vor wenigen Tagen in ähnlicher Weise festgestellt hatte: “Wenn Du in Deinem Statement darauf hinweist, dass die betroffenen Frauen “ein Recht auf ihre Sicht der Dinge haben”, es ihnen aber durch den Aufbau einer gigantischen juristischen Drohkulisse schwer machst, sie zu äußern.”)

2. Unzweifelhaft unklar: Der “Tagesspiegel” und sein Favorit für die rbb-Intendanz
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier greift bei “Übermedien” eine Meldung des “Tagesspiegel” auf, wonach Jan Weyrauch, derzeit Programmdirektor von Radio Bremen, “unzweifelhaft als Favorit” in die für Freitag vorgesehene Wahl zum RBB-Intendanten gehe. Der “Tagesspiegel” berufe sich dabei auf eine RBB-interne Abstimmung, die laut Niggemeier aus verschiedenen Gründen nicht herangezogen werden könne.
Weiterer Lesehinweis: “Rückzug: Juliane Leopold wird nicht neue RBB-Intendantin”: “Dem [RBB]-Rundfunkrat stehen am Freitag nun doch nur drei Personen zur Wahl des nächsten Intendanten oder der nächsten Intendantin. Juliane Leopold hat ihre Kandidatur am Dienstag zurückgezogen. Und sie hat Gründe genannt.” (dwdl.de, Manuel Weis)

3. Freiburger Journalist soll jetzt doch vor Gericht
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Am 19. Mai hatten wir in den “6 vor 9” noch darüber berichtet, dass das Landgericht Karlsruhe die Anklage gegen einen Redakteur des unabhängigen Senders Radio Dreyeckland nicht zugelassen hat. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, in einem Beitrag auf die Archivseite der verbotenen Plattform linksunten.indymedia verlinkt und damit eine verbotene Organisation unterstützt zu haben. Nun hat das Oberlandesgericht Stuttgart in nächsthöherer Instanz den Beschluss des Landgerichts aufgehoben. Sebastian Meineck fasst den aktuellen Sachstand samt seiner möglichen Entwicklungen zusammen.

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4. ChatGPT im Journalismus: 10 Prompt-Ideen für Redaktionen
(vitlif.de)
Oskar Vitlif stellt in seinem Artikel verschiedene Anwendungsszenarien vor, in denen KI-Chatbots Redaktionen effektiv unterstützen können. Von der Themenfindung über die Textgenerierung bis hin zur Suchmaschinenoptimierung und der Erstellung von Social-Media-Posts gebe es zahlreiche Möglichkeiten, wie ChatGPT, Bing Chat und Co. die redaktionelle Arbeit bereichern könnten. Vitlif veröffentlicht auch den jeweils verwendeten Prompt und die dazugehörige Antwort der Künstlichen Intelligenz.

5. Fluchtforschung gegen Mythen 8
(fluchtforschung.net, Ulrike Krause)
Das Netzwerk Flüchtlingsforschung stellt regelmäßig Behauptungen aus der Flüchtlingsdebatte auf den Prüfstand, seien es Talkshow-Aussagen, Tweets oder Stammtischparolen. Das Besondere an dieser Form des Faktenchecks: Nicht Journalistinnen und Journalisten, sondern Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft nehmen Stellung. In der achten Ausgabe setzt sich ein Team unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrike Krause mit der kürzlich beschlossenen Neuordnung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems auseinander.

6. Fox News warnt Tucker Carlson vor Fortsetzung seiner Twitter-Show
(spiegel.de)
Zwischen dem US-Fernsehsender Fox News und seinem ehemaligen Star-Moderator Tucker Carlson tobt nach der Trennung ein erbitterter Rosenkrieg. Fox News habe Carlson darauf hingewiesen, dass er trotz seines Ausscheidens an einen bis 2025 laufenden Exklusivvertrag gebunden sei. Der Sender habe ihn davor gewarnt, seine jüngst gestartete Twitter-Show fortzusetzen.

Umstrittene Umfrage, Künstlicher Skandal, Silvio Berlusconi

1. Viel Medienecho für eine kleine Umfrage
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 8:15 Minuten)
Hält wirklich ein Drittel der Männer in Deutschland Gewalt gegen die Partnerin für “akzeptabel”, wie eine von vielen Medien verbreitete Umfrage es uns weismachen will? Die Statistikerin Sabine Zinn zweifelt an der Aussagekraft der Erhebung.
Weitere Lesetipps: Was ist wirklich dran an der Studie über Gewalt gegen Frauen? (t-online.de, Sonja Eichert) und Männer sollen Gewalt gegen Frauen gutheißen: Doch die “Studie” war nur eine Umfrage (berliner-zeitung.de, Franz Becchi).

2. Wie der NDR Karin Prien eine Rassismus-Debatte einbrockte
(uebermedien.de, Martin Niewendick)
Der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien wird wegen einer Äußerung über ihre Kabinettskollegin Aminata Touré Rassismus vorgeworfen. Zu Unrecht, meint Martin Niewendick, der die Fokussierung des NDR auf einen einzigen Satz Priens als Ursache für die Debatte sieht: “Es ist ein journalistischer Taschenspieler-Trick, sich durch eine geschickte Suggestivfrage bestimmte Antworten zu erschleichen. Besonders unseriös ist es, die Nachfrage in der veröffentlichten Version wegzulassen und so einen Skandal zu produzieren, der eigentlich keiner ist.”

3. Britisches Gericht ebnet den Weg zur Auslieferung
(netzpolitik.org, Johannes Gille)
Wie Johannes Gille bei netzpolitik.org berichtet, sieht es für Julian Assange nicht gut aus. Das jahrelange juristische Tauziehen könnte nach einem neuen Beschluss des Obersten Gerichtshofs in London bald mit einer Auslieferung an die USA enden. Es sei zu befürchten, dass Assange dort kein faires Verfahren erhalte. ARD-Korrespondent Christoph Prössl kommentierte dazu vor wenigen Tagen: “Assange hat über Kriegsverbrechen berichtet, er hat der Demokratie einen Dienst erwiesen. Diese Debatte muss nun geführt werden. Und ich hoffe sehr, dass Assange niemals ausgeliefert und bald freigelassen wird.” Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) appelliert an den britischen High Court, Assange nicht an die USA auszuliefern. Der WikiLeaks-Gründer habe Kriegsverbrechen aufgedeckt und verdiene dafür Auszeichnungen und Anerkennung, so der DJV-Vorsitzende Frank Überall.

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4. Mediales Wirr­warr um sexual­straf­recht­liche Begriffe
(lto.de, Yves Georg)
In der medialen Diskussion um den Fall des Rammstein-Sängers Till Lindemann würden häufig Begriffe aus dem Sexualstrafrecht vorschnell und falsch verwendet, etwa wenn von “Missbrauch” die Rede sei. Strafverteidiger Yves Georg ordnet die Rechtslage und erläutert die juristischen Hintergründe der in der Berichterstattung immer wieder auftauchenden Zuschreibungen und Vorwürfe.

5. “Wir sagen ja zur KI – aber als Werkzeug”
(journalist.de, Kathi Preppner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat ein “Positionspapier bezüglich des Einsatzes Künstlicher Intelligenz im Journalismus” mit neun Regeln zum Umgang mit KI veröffentlicht (PDF). Außerdem fordert der Verband eine Vergütung für das sogenannte Text and Data Mining, also das automatisierte Auswerten großer Text- und Datenmengen. Im Interview mit Kathi Preppner erklärt DJV-Justiziarin Hanna Möllers, wie das funktionieren könnte.
Weiterer Lesetipp: Künstliche Intelligenz und der Journalismus: wie wir beim SPIEGEL darüber denken (devspiegel.medium.com).

6. Politiker und Medienmogul: Silvio Berlusconi ist tot
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der ehemalige italienische Ministerpräsident und Medienmogul Silvio Berlusconi ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Der für seine Ausschweifungen und Entgleisungen berüchtigte Berlusconi hatte ein milliardenschweres Wirtschaftsimperium aufgebaut, zu dem auch ein Medienkonzern gehört, der heute größter Anteilseigner von ProSiebenSat.1 ist.
Weiterer Lese- und Guckhinweis: Der “Spiegel” bietet eine kommentierte Fotostrecke mit den wichtigsten Lebensstationen Berlusconis.

Lindners Grußwort, Gegenentwurf zu Twitter, Die Causa Lindemann

1. Lindner-Grußwort für die BBBank
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Wie der “Tagesspiegel” berichtet, muss Berlins Generalstaatsanwältin Margarete Koppers der Redaktion Auskunft über die Hintergründe ihres Ermittlungsverfahrens gegen den Bundesfinanzminister und FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner geben. Das habe das Verwaltungsgericht Berlin nach einem presserechtlichen Eilantrag des “Tagesspiegel” entschieden.

2. Sein Chatverlauf vor Gericht
(taz.de, Christian Rath)
Am vergangenen Freitag trafen sich der Springer-Verlag und einer seiner ehemals prominentesten Mitarbeiter, Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt, vor Gericht. Springer fordert von Reichelt zwei Millionen Euro Abfindung zurück. Christian Rath erläutert bei der “taz” die Vorgeschichte und das Ergebnis, mit dem sich die einst eng verbundenen Parteien trennten.

3. An welche Regeln muss sich Verdachtsberichterstattung wie im Fall Till Lindemann halten?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 22:50 Minuten)
Im Zuge der Berichterstattung über die Vorwürfe gegen den Rammstein-Sänger Till Lindemann taucht immer wieder die Frage auf, was und wie in einem solchen Fall berichtet werden darf. Holger Klein hat deshalb mit Lena Kampf gesprochen. Sie ist stellvertretende Leiterin des Investigativ-Ressorts der “Süddeutschen Zeitung”, die – gemeinsam mit dem NDR – als erste ausführlich über den Fall Lindemann berichtete.

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4. Rechnungshöfe kritisieren RBB und schlagen Gehaltsobergrenze vor
(dwdl.de, Manuel Weis)
Wie “DWDL” meldet, haben die Rechnungshöfe von Berlin und Brandenburg ihre Prüfung beim öffentlich-rechtlichen RBB abgeschlossen und die Ergebnisse vorgestellt. Manuel Weis schreibt dazu: “Die Liste der Verfehlungen des einstigen Spitzenmanagements beim RBB ist lang. Mängel bei der Dokumentation, Organisation und Archivierung von wichtigen Unterlagen gehören ebenso dazu wie auch Zahlungen, die von Verantwortlichen veranlasst worden seien, ohne dass das Vier-Augen-Prinzip zum Tragen kam.”

5. KI im Journalismus – zwischen Desinformation und “Autokorrektur auf Steroiden”?
(ardaudiothek.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 24:30 Minuten)
Jonathan Schulenburg hat auf der Digitalkonferenz re:publica mit vielen Expertinnen und Experten über Künstliche Intelligenz (KI) gesprochen: Was bedeutet KI für den Journalismus? Welche Risiken gibt es? Wer nutzt sie bereits oder experimentiert damit? Und wie offen sind Medienschaffende für KI?

6. Meta zeigt Mitarbeitern seinen Gegenentwurf zu Twitter
(spiegel.de)
Während der Niedergang von Twitter seit der Übernahme durch den Tech-Milliardär Elon Musk Woche für Woche voranschreitet, wird andernorts fleißig an Alternativen gebastelt. Eine könnte von Meta, dem Mutterkonzern von Facebook und Instagram, kommen und als “Instagram ohne Bilder” funktionieren.

KW 23/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Diesmal in einer Spezialausgabe zur zurückliegenden re:publica. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Powerplay. Macht und Sexismus in der Medienbranche
(youtube.com, Juliane Löffler, Pia Stendera, Lena von Holt & Daniel Drepper, Video: 1:04:42 Stunden)
Die #MeToo-Debatte hat in den vergangenen Jahren zu einer gesellschaftlichen Sensibilisierung für Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse geführt. Ausgelöst wurden diese Diskussionen und Debatten meist durch journalistische Recherchen. Das verlinkte Panel beschäftigt sich mit Macht und Sexismus in der Medienbranche.

2. “Die Medien” und “der Osten”: Was läuft schief in deutschen Medien?
(youtube.com, Mandy Tröger, Video: 29:56 Minuten)
Ist “der Osten” wirklich eine “mediale Problemzone”, wie so oft behauptet wird? Dieser Frage geht Mandy Tröger in ihrem Vortrag nach. Sie gibt einen Überblick über die historische Entwicklung, die Probleme der Gegenwart und denkt über mögliche Lösungen für die Zukunft nach.

3. Factual vs. Fiction: Wie unterhaltsam dürfen Dokumentationen sein?
(youtube.com, Khesrau Behroz, Antje Boehmert & Benjamin Cantu & Vera Linß, Video: 59:42 Minuten)
Dokumentationen sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch eine spannende und unterhaltsame Geschichte erzählen. Doch wie findet man die richtige Balance zwischen Fakten und Fiktion?

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4. Von Social Media zu einem echten Social Web
(youtube.com, Marcel Weiß, Video: 32:36 Minuten)
Dank Mastodon hat ActivityPub als erstes Protokoll in den vergangenen zwölf Monaten genug Fahrt aufgenommen, um ein offenes Soziales Netzwerk für eine breite Öffentlichkeit in greifbare Nähe rücken zu lassen. In seinem Talk geht Marcel Weiß der Frage nach, was es das braucht, um eine wirklich vernetzte Öffentlichkeit auf einer nachhaltigen Infrastruktur zu ermöglichen.

5. Rechtsextremismus im Internet. Was wissen wir und was können wir tun?
(youtube.com, Jan Rau & Josefa Francke, Video: 27:28 Minuten)
Jan Rau und Josefa Francke geben einen Überblick über die aktuelle Situation des digitalen Rechtsextremismus: Welchen Gefahren sind wir ausgesetzt? Was können Gesetze und Gerichte tun? Wie sieht die Präventionsarbeit aus? Und welche Aufgabe hat die Gesellschaft?

6. Das Ende von Twitter? – Die dümmsten und teuersten Ideen aus sechs Monaten Musk
(youtube.com, Dennis Horn & Gavin Karlmeier, Video: 57:44 Minuten)
In ihrem Podcast “Haken dran” gehen Gavin Karlmeier und Dennis Horn mehrmals wöchentlich aktuellen Entwicklungen bei Twitter unter Elon Musk nach. Auf der re:publica sprechen sie über die “dümmsten und teuersten Ideen aus sechs Monaten Musk”.

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