Archiv für 6 vor 9

„Implant Files“-Recherche, BAMF-Nichtskandal, „Anti-Fa“-Duschgel

1. So lief die Recherche
(sueddeutsche.de, Katrin Langhans & Frederik Obermaier)
Hinter dem etwas sperrig wirkenden Begriff „Implant Files“ steckt ein internationales Rechercheprojekt, bei dem es um unzureichend geprüfte Implantate und fehlerhafte Medizinprodukte geht. Katrin Langhans und Frederik Obermaier erzählen, wie es zu dem Projekt kam, warum die Informationen daraus so wichtig sind, wie die Behörden auf die Vorwürfe reagiert haben, und was man als Betroffener machen kann.
Weiterer Lesehinweis: Georg Mascolo leitet den Rechercheverbund von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“. Im Gespräch mit dem „Deutschlandfunk“ erläutert er, warum internationale Kooperationen und gemeinsame Recherchen sinnvoll sind: „Wir haben festgestellt, dass es bestimmte globale Missstände gibt, wo es Sinn hat, eben auch einen globalen Journalismus entgegenzusetzen“.

2. Distanzierung von der Distanzierung
(djv.de, Hendrik Zörner)
Bei der „FAZ“ erschien am Wochenende online ein Beitrag über das Saudi-Arabien-Lobbying der Berliner PR-Agentur WMP EuroCom AG, der sich auf die vorhergehende Berichterstattung der „Bild am Sonntag“ berief. Wenige Zeit später löschte die „FAZ“ den Artikel und veröffentlichte einen aktualisierten Bericht. Ein Verwirrspiel, bei dem auch die „BamS“-Chefin und (indirekt) Friedrich Merz vorkommen und bei dem man sich, wie Hendrik Zörner vom Deutschen Journalisten-Verband ausführt, ein paar erläuternde Worte gewünscht hätte.

3. Der Skandal, der keiner war: Mit diesem Erlass nahm die BAMF-Affäre ihren Anfang
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Im Frühjahr erschütterte ein vermeintlicher Skandal die Republik: Die Bremer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurde von Medien und der eigenen Revisionsabteilung beschuldigt, ab 2015 tausendfach falsche Asylbescheide ausgestellt zu haben und dies auch noch in Verfahren, für die sie mehrheitlich nicht zuständig gewesen sei. Mit ihren Vorwürfen handelten die Medien wie auch die interne Revision äußerst fahrlässig, wie Arne Semsrott berichtet. Das schlecht ausgestattete Revisions-Referat des BAMF habe offenbar nicht den Erlass der eigenen Behörde gekannt, nach der die Bremer Außenstelle tatsächlich für die Fälle zuständig war.

4. „Stille Orbánisierung“
(taz.de, Markus Nowak)
Markus Nowak berichtet in der „taz“ über die zunehmend bedrohte Pressefreiheit in Litauen. Vor allem der öffentlich-rechtliche Sender LRT sehe sich durch das litauische Parlament in seiner Freiheit bedroht. Noch liegt Litauen in der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 36 von 180 Ländern. Das kann sich jedoch 2019 ändern, wenn in dem baltischen Land neben EU-Parlament und Kommunalwahlen auch ein neues Staatsoberhaupt bestimmt wird.

5. Sorgenkind Fairness
(spiegelkritik.de)
Wenn einem Onlinemedium gerichtlich eine Gegendarstellung auferlegt wird, drängte es sich geradezu auf, den Originalbeitrag im Onlinearchiv um diese Gegendarstellung zu ergänzen. Doch damit tun sich manche Medien schwer, wie „Spiegelkritik“ am Beispiel von „Spiegel Online“ erklärt. Das Portal habe sich dazu nach neun Jahren erneut an den „Spiegel“ gewandt, aber keine Antwort bekommen und fragt nun: „Unfähigkeit oder Trotz?“

6. So geht es weiter mit dem „Anti-Fa“-Duschgel
(horizont.net, Ingo Rentz)
In einer frechen Werbekampagne preist der FC St. Pauli sein „Anti-Fa“-Duschgel („Die wilde Frische auf der Straße“) an. Das hat die Firma Henkel auf den Plan gerufen, die sich um ihre Marke Fa sorgt. Nun hat man sich friedlich geeinigt: Das Produkt werde in den Filialen der Drogeriekette Budni „nur sehr eingeschränkt vermarktet“, den Verkauf über die eigene Website darf der Fußballklub jedoch uneingeschränkt fortführen.

Hannibal ohne Resonanz, Bayers Lügphosat, Schöne-Wort-Ministerin

1. Wo bleibt die Resonanz auf die „Hannibal“-Recherche?
(deutschlandfunkkultur.de, Tim Wiese & Jenny Genzmer, Audio, 13:59 Minuten)
Die „taz“ hat in einer aufwändigen Recherche ermittelt, dass es ein rechtes Netzwerk in der Bundeswehr gibt, das beste Verbindungen in deutsche Behörden hat. Warum gab es so wenig Resonanz auf die Recherche? Wo bleibt die große Debatte zum Thema „Rechtsextremismus in den Behörden“? „Deutschlandfunk Kultur“ versucht, diese Fragen zu beantworten.

2. Medien übernahmen unbedarft eine Lüge des Bayer-CEO Baumann
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Verantwortliche des Bayer-Konzerns verwiesen gerne auf die angeblich 800 wissenschaftlichen Studien, die bewiesen, dass das Pestizid Glyphosat nicht krebserregend sei. Problem Nummer 1: Das Bundesinstitut für Risikobewertung kenne nur rund 50 thematisch einschlägige Berichte, wie die „taz“ erfahren habe. Problem Nummer 2: Die maßlos übertriebene Zahl des Bayer-Konzerns sei ungeprüft von Medien verbreitet worden. Eine notwendige Richtigstellung beziehungsweise Einordnung sei nicht vorgenommen worden.

3. Gegen die Obdachlosigkeit
(sueddeutsche.de, Thomas Hahn)
Vor 25 Jahren wurde das Hamburger Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“ gegründet. Einerseits ein Grund zum Feiern, andererseits gebe es Grund zur Sorge: Die Print-Ausgabe des Obdachlosenmagazins sei weit von den Blütezeiten entfernt und werde nur noch weitgehend von Älteren gekauft. Um ein junges Publikum zu erreichen, setze man auf das Online-Angebot und die sozialen Medien. Aber nur das gedruckte Heft sorgt dafür, dass die Obdachlosen etwas in der Hand haben, das sie verkaufen können.

4. Die Schöne-Worte-Ministerin
(udostiehl.wordpress.com)
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey versteht sich aufs Framing und erfindet für ihre Gesetzesvorhaben positiv klingende Wortschöpfungen: Nach dem „Gute-KiTa-Gesetz“ folgte das „Starke-Familien-Gesetz“. Was aus Sicht der Ministerin legitim ist, sollte von den Medien jedoch nicht gedankenlos nachgeplappert werden, findet Udo Stiehl: „Verblüffend ist, dass trotz aller Bekundungen zu Objektivität und journalistischer Distanz die „Schöne-Worte-Politik“ kritiklos ihren Weg findet. Gerade in Zeiten, da Medienhäuser neue Investigativredaktionen bilden, ein US-Präsident das Thema Schönfärberei täglich auf dem Silbertablett serviert und über den Umgang mit den Kampagnen der AfD diskutiert wird, müsste doch die Sensibilität für politische PR inzwischen sehr hoch sein.“

5. Gefährliche Orte
(spiegel.de, Thomas Fischer)
Vergangene Woche erschien der Jahresbericht „Beziehungsgewalt“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Anlass für viele Medien, alarmistische Töne anzuschlagen. Ex-BGH-Richter und Strafrechtsexperte Thomas Fischer ordnet die Zahlen ein und kritisiert die Medien für ihren einseitigen Umgang mit dem Thema.

6. In der „Welt“ der Reichen
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Schutz- und wehrlos sieht sich eine gesellschaftliche Minderheit Deutschlands schlimmsten Formen der Diskriminierung ausgesetzt: die Reichen. Diesen Eindruck wollen jedenfalls „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt und sein Redakteur Dirk Schümer erzeugen. Boris Rosenkranz setzt sich in seiner „Übermedien“-Glosse mit den steilen Thesen von „Welt“ auseinander und hat zum Abschluss noch eine schöne Pointe parat.

True-Schwampf-Agenda, Wir sind denen egal, Sinnloses Clickbait

1. „Dass jetzt diese Verlage loslegen, ist mindestens fragwürdig“
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries)
Fünf bedeutende Medienkonzerne haben eine „Agenda für True Media“ beschlossen. „Wir sichern das publizistische Fundament für die pluralistische Demokratie“, heißt es dort in einer Mischung aus Stolz, Selbstbewusstsein und Hybris, unterschrieben von Axel Springer, der Bauer Media Group, Gruner+Jahr, der Funke Mediengruppe und Hubert Burda Media. Das Manifest handelt von so hehren Zielen wie publizistischer Verantwortung, Wahrheit, Aufrichtigkeit, Sicherheit und Transparenz. Im Interview mit dem „Deutschlandfunk“ verrät BILDblog-Chef Moritz Tschermak, was er von den wohlklingenden Worten der Medienkonzerne hält.

2. Vernünftige Argumente haben häufig keine Wirkung mehr.
(planet-interview.de, Laura Bähr)
„Planet Interview“ hat mit Kultur- und Wissenschaftsjournalist Gert Scobel gesprochen, der seit über drei Jahrzehnten für Rundfunk und Fernsehen arbeitet. Scobel spricht unter anderem über die Rolle von Kultur im Fernsehen, Unterforderung der Zuschauer, asoziale Netzwerke, die Bedeutung von Quoten und Satireformate. Und er denkt zurück an die Zeit ohne Internet: „Natürlich war es damals schwieriger an Informationen zu kommen, aber die Schnelligkeit und der Wahrheitswert der Informationen war gemessen an der damaligen Zeit nicht schlechter als heute. Heute habe ich eher das Problem, dass ich in Echtzeit so viele unterschiedliche Informationen zu einem Thema reinbekomme, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich das filtern soll.“

3. Im Rundfunk sind Frauen in Spitzenpositionen die Minderheit
(sueddeutsche.de)
Der Verein „Pro Quote“ hat eine vom Bundesfamilienministerium geförderte Studie zur Geschlechterverteilung in journalistischen Führungspositionen durchgeführt. Eine Erkenntnis daraus: Der Rund­funkjournalismus ist mehrheitlich weiblich, in Spitzenpositionen dominieren jedoch weiterhin die Männer.

4. Tim Cook als Präsident 2020? So hat Facebooks PR-Agentur Schmutzkampagnen gesteuert
(meedia.de, Robert Tusch)
Nach Angaben der „New York Times“ soll die Firma Public Definers im Auftrag von Facebook und anderen Firmen Konkurrenten diskreditiert haben. Robert Tusch hat für „Meedia“ die Erkenntnisse der amerikanischen Kollegen zusammengefasst und aufgeschrieben, mit welchen zweifelhaften Methoden die Agentur gearbeitet hat und welche Schmutzkampagnen von ihr angestoßen wurden.

5. „Unsere Stimme zählt“
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
Johanna Mack hat für „EJO“ mit dem preisgekrönten pakistanischen Reporter, Moderator und Menschenrechtsaktivisten Saddam Tufail Hashmi gesprochen. Im Interview geht es um die Schwierigkeiten und Gefahren, denen Journalisten in Pakistan täglich ausgesetzt sind. Mit deutlichen Worten kritisiert Hashmi die pakistanischen Medienunternehmen, die ihre Mitarbeiter nicht ausreichend schützten: „Wir sind denen völlig egal. Was sie wollen sind Breaking News, so schnell wie möglich.“ Dazu gibt es gleich das passende Beispiel: „Einmal durfte ich nicht in die Redaktion zurückkehren, um mir eine schusssichere Weste zu holen, bevor ich von einer Schießerei berichten musste — ich sollte nicht langsamer sein als die Konkurrenz.“

6. Warum BuzzFeed kein Clickbait macht
(buzzfeed.com, Ben Smith)
„Buzzfeed“-Chefredakteur Ben Smith schreibt über Clickbait: „Wenn du nicht willst, dass deine Leser etwas teilen, dann ist der beste Weg dafür, sie auszutricksen. Jeder, der die letzten 20 Jahre im Netz verbracht hat, kennt dieses nervige Gefühl, wenn eine Überschrift ihr Versprechen nicht einhält. Es ist das Gefühl, das man hat, wenn man in einen glänzenden, aber verdorbenen Pfirsich beißt. Die Webseite hat den Klick bekommen, die Klickzähler registrieren deine Wut nicht — aber deinen Freunden und deiner Familie wirst du das niemals zumuten.“

Lösch Dich, Trecker auf der Überholspur, Christine Prayon

1. Schlechte Nachrichten. Zur dreifachen Krise des Journalismus
(arminwolf.at)
Seit 2005 verleiht die Otto-Brenner-Stiftung alljährlich die Otto-Brenner-Preise für kritischen Journalismus. Dieses Jahr wurde die Festrede vom renommierten österreichischen Journalisten Armin Wolf gehalten, der sich zur Krise des Journalismus geäußert hat. (Wolfs Rede gibt es auch als Videomitschnitt auf Youtube.)

2. Lösch dich: Wie der Hass im Netz die Politik beeinflusst
(kooperative-berlin.de)
Der Youtuber Rayk Anders und der Journalist Patrick Stegemann haben für ihre Doku über Hater und Trolle („Lösch dich! So organisiert ist der Hass im Netz“) gerade den Otto-Brenner-Preis gewonnen. Im Interview spricht Stegemann über digitale Meinungsbildung, bürgerliches Engagement und die Tatsache, dass sich die Medienkritik zu selten mit Youtube-Inhalten beschäftigt.

3. Die Stasi spielte mit
(zeit.de, Denis Gießler)
Denis Gießler schreibt über das Thema „Videospiele in der DDR“, und das ist nicht nur kulturwissenschaftlich, geschichtlich und politisch interessant, sondern wurde auch äußerst liebevoll grafisch gestaltet.
Weiterer Tipp: „Neuland“ bei „Deutschlandfunk Kultur“. „Die sechsteilige Feature-Serie erzählt vor dem Hintergrund der Geschichte der ostdeutschen Mikroelektronik-Industrie ein Stück deutsch-deutscher Vergangenheit. Im Zusammenspiel vieler kleiner Geschichten und Beobachtungen ergibt sich ein Panorama der DDR kurz vor und nach der Wende.“ Hier gibt es alle Folgen auf einer Seite.

4. Über heilige Kühe und die Grenzen der Satire
(medienblog.hypotheses.org, Natalie Berner)
Die Kabarettistin Christine Prayon ist einem breiteren Publikum als „Birte Schneider“ aus der „heute show“ (ZDF) bekannt. Im Rahmen einer Uni-Veranstaltung hat Prayon 90 Minuten über ihren Werdegang, ihren Antrieb, ihre Arbeitsweise und Haltungsfragen gesprochen.
Video-Tipp des „6 vor 9“-Kurators, Comedy-Highlight und Satire-Evergreen: Christine Prayon liest aus „Nussloch“ von Mario Barth (youtube.com, Video, 4:21 Minuten).

5. Was wir so tun. Eine Woche unterwegs mit Fearless Democracy.
(fearlessdemocracy.org, Gerald Hensel)
Wenn die Macher von „Fearless Democracy“ keine Texte schreiben, sind sie höchstwahrscheinlich auf Achse, sitzen auf Podien oder referieren zum Beispiel über digitale Medien als Propaganda- und Mobbingtools. In einem Blogpost erzählen sie von den vergangenen Veranstaltungen.

6. Mit dem Trecker auf der Überholspur
(deutschlandfunk.de, Angelika Gördes-Giesen)
Für viele überraschend: Unter den fünf meistverkauften Fachzeitschriften in Deutschland beschäftigen sich gleich zwei mit dem Thema Landwirtschaft: das „Wochenblatt“ von Bauernverband, Genossenschaften und Landwirtschaftskammer sowie „Top Agrar“ mit über 90.000 Abonnenten. Es ist vor allem die Mischung aus Fachinformation und Unterhaltung, mit denen die Agrarmagazine punkten.

Crowdfunding rettet kremlkritisches Magazin, Kältebus, Göttinger Rätsel

1. Politisches Crowdfunding
(taz.de, Klaus-Helge Donath)
Ende Oktober wurde das kremlkritische Magazin „The New Times“ mit einer Geldstrafe von 22 Millionen Rubel (umgerechnet 300.000 Euro) belangt, dem höchsten Zahlungsbefehl, der jemals über ein russisches Medium verhängt wurde. Normalerweise hätte dies das Aus für das Nachrichtenmagazin bedeutet, doch dann war da noch die Sache mit dem Internet: Mehr als 20.000 Menschen spendeten via Crowdfunding und sorgten dafür, dass der Betrag innerhalb von vier Tagen zusammen war.

2. Kaeser muss Reise nach Saudi-Arabien absagen
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ („ROG“) fordert den Siemens-Chef Joe Kaeser auf, seine für den 26. November geplante Reise zu einer Konferenz in Saudi-Arabien abzusagen. Hintergrund ist der Mord am Journalisten Jamal Khashoggi, der allem Anschein nach von der saudischen Regierung beziehungsweise von Kronprinz bin Salman persönlich beauftragt wurde: „Der Mord an Khashoggi im Konsulat in Istanbul ist in seiner Brutalität wie Dreistigkeit ein Ausnahmefall. Zudem ist immer noch unklar, wer die Verantwortlichen sind und inwiefern Kronprinz bin Salman persönlich in den Fall verstrickt ist. Dass einer der wichtigsten internationalen Investoren in Saudi-Arabien in dieser Situation zur Tagesordnung übergeht, ist zynisch“, sagte „ROG“-Geschäftsführer Christian Mihr: „Jetzt das Gespräch zu suchen, ist nicht in erster Linie ein Zeichen an das saudische Volk, wie Siemens betont. Es zeigt vor allem dem Regime, dass es wirtschaftlich nicht viel zu befürchten hat, wenn es Journalisten inhaftiert, auspeitscht, entführt und ermordet.“

Weiterer Lesehinweis: Das Länderdossier der „Reporter ohne Grenzen“ zu Saudi-Arabien.

3. Kältebus-Aufruf mit falscher Nummer
(hinzundkunzt.de, Simone Deckner)
„The same procedure as every year, James.“ Jedes Jahr kursieren auf Facebook und Co. die unterschiedlichsten Bildtafeln („Sharepics“) mit Telefonnummern von Kältebussen, die Obdachlosen helfen sollen. Das Problem: Oftmals sind die Nummern veraltet oder schlicht falsch wie man am Beispiel Hamburg sehen kann. Das Hamburger Straßenmagazin „Hinz und Kunzt“ hat einen Tipp: Wer in kalten Nächten einen Obdachlosen sehe und es unklar sei, ob sich dieser in Gefahr befindet, solle zunächst herausfinden, ob die Person ansprechbar ist: „Reagiert sie nicht mehr auf Ansprache, sollte man die 112 anrufen. Braucht sie Hilfe, dann ebenfalls die 112 wählen! Wenn sich aber herausstellt, dass die Person in der akuten Situation keine Unterstützung will, sollte man dies auch akzeptieren.“

4. Polizei überwacht möglicherweise Journalisten
(amnesty-polizei.de)
Nur durch einen Irrtum der Polizei ist herausgekommen, dass diese anscheinend einen Journalisten überwacht hat. Wie das Ganze ans Licht gekommen ist? Die sächsische Polizei hatte versehentlich ein für die Göttinger Polizei vorgesehenes Schreiben an den Anwalt des Journalisten adressiert.
Weitere Einzelheiten zu dem unter vielerlei Aspekten bemerkenswerten Fall gibt es beim „Göttinger Tageblatt“: Weitere Klage gegen Polizei bei Datenpanne (Matthias Heinzel & Michael Brakemeier).

5. Sächsische.de: Ein Besuch im neuen Newsroom
(flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy)
Der Dresdner „Flurfunk“ hat sich auf Einladung der „Sächsischen Zeitung“ auf der Baustelle des neuen Newsrooms umgesehen, einer hippen Bürofläche mit Brickwall-Elementen und Coffeeshop-Atmosphäre. Die Einrichtung des Newsrooms liege am grundlegenden Konzeptwechsel der Zeitung zu „online first“ bis zu einem möglicherweise „online only“.

6. Frankreich beschließt Gesetz gegen „Fake News“
(zeit.de)
Die französische Nationalversammlung stimmte in letzter Lesung für zwei Gesetze gegen die Verbreitung von Falschnachrichten im Wahlkampf. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte angekündigt, „das demokratische Leben“ schützen zu wollen. Kritiker sähen in den Gesetzen einen Versuch Macrons, missliebige Informationen zu unterbinden.

Nuhr Verachtung, Gespräch mit dem Rechtsfluencer, Wirbellose ARD

1. Fischers kleine Presseschau: Diesel-Depression in der FAZ und Dieter Nuhrs Hohn-Gipfel in der ARD-Themenwoche
(meedia.de, Thomas Fischer)
In seiner „kleinen Presseschau“ rechnet Thomas Fischer, Bundesrichter a.D., mit der Diesel-Berichterstattung der „FAZ“ und dem ARD-Satiriker Dieter Nuhr ab, für den er keine guten Worte findet: „Er verhöhnt den menschenrechtlichen Gleichheitssatz, indem er ihn in sein Gegenteil verdreht und frei erfundenen Unsinn als angeblichen „Mainstream“ ausgibt, dem er sich zu widersetzen behauptet. Das Prinzip der Nuhrschen Komik ist dabei immer gleich: Von oben nach unten wird Verachtung durchgereicht. Das erreicht, bei Licht betrachtet, bestenfalls das Niveau eines Karnevalsabends im AfD-Ortsverein.“

2. Der Rechtsfluencer
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
„BuzzFeedNews“-Reporter Karsten Schmehl hat sich mit einem der auffälligsten rechten Meinungsmacher in Deutschland getroffen: Der 24-jährige Henryk Stöckl treibt vor allem auf Facebook und Youtube sein Unwesen, verbreitet dort falsche Behauptungen und befeuert Hass und Hetze. Schmehl ist angesichts der Aussagen des Rechtsfluencers etwas ratlos: „Auch nach einer Stunde Gespräch fällt es nicht leicht, zu beurteilen, ob Stöckl seine Falschaussagen kalkuliert oder aus Naivität verbreitet. Es bleibt unklar, ob er die Tragweite seiner Handlungen nicht versteht oder nicht verstehen will.“

3. Kritische Begleitung – Ein Blick zurück
(apabiz.de, Caro Keller)
Was für eine Herkulesaufgabe: Über fünf Jahre hat das Team von „NSU-Watch“ den NSU-Prozess regelmäßig begleitet und fleißig Protokoll geführt. Mit dem Urteil würden viele die Frage verbinden: War es das wert? War die viele Arbeit sinnvoll? Caro Keller zieht Bilanz.
Hörtipp: „NSU-Watch“ gibt es auch als Podcast: „NSU-Watch: Aufklären & Einmischen“ (bislang 19 Folgen).

4. Google droht mit Ende für Google News wegen Plänen für Leistungsschutzrecht
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
In Brüssel wollen EU-Verhandlungsführer Google zur Kasse bitten und eine europaweite Abgabe selbst auf kurze Textschnipsel durchsetzen. Als Antwort droht Google mit der Einstellung seines Nachrichtendienstes Google News in Europa. Keine leere Drohung: Als die spanische Regierung 2014 eine Abgabe auf Einnahmen aus Nachrichten-Aggregatorenseiten einführte, schaltete Google seinen Nachrichtendienst für Spanien einfach ab.

5. „Unser Bericht soll ein Weckruf sein“
(deutschlandfunk.de, Friedbert Meurer, Audio, 5:46 Minuten)
Der „Index on Censorship“ prangert regelmäßig Fälle von Presse-Zensur in Europa an. In der von der EU-Kommission finanzierten Studie tauchen erwartungsgemäß Länder wie Ungarn und Polen auf, aber auch Finnland und Deutschland. Der Zensurbegriff müsse künftig weiter gefasst werden. Mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke gehe diese auch von einzelnen Personen aus.

6. Wirbellose ARD
(taz.de, Jürn Kruse)
Nachdem sich AfD und Junge Union über einen „Fuck AfD“-Aufkleber in einer Folge des Rostocker „Polizeiruf 110“ aufregten, knickte die ARD ein und retuschierte den Sticker. Eine falsche Entscheidung, wie Jürn Kruse in der „taz“ findet: „Diese Strategie des Einknickens vor ein paar Social-Media-UserInnen kann nicht aufgehen. Kinder merken es sich, wenn sie mit Quengeln, Jaulen und Jammern durchkommen. Und der nächste Grund zur rechten Erregung kommt bestimmt. Vielleicht wenn einem Kommissar die Schleife nicht so gebunden wird, wie es AfD und Junge Union gerne hätten.“
Weitere Leseempfehlung/Hörtipp: Der Medienrechtler Christian Schertz bei „Deutschlandfunk Kultur“: „Das ist vorauseilender Gehorsam des Senders. Es gibt keine rechtliche Pflicht, bei einer fiktionalen Erzählung wie bei einem Spielfilm solch einen Aufkleber rauszunehmen.“

Lindensackgasse, Gegen stille Diplomatie, Niemand ist eine Insel

1. Warum die ARD die „Lindenstraßen“-Lücke füllen muss
(dwdl.de, Ulrike Klode)
Die Programmverantwortlichen der ARD haben beschlossen, dass die legendäre „Lindenstraße“ nach 34 Jahren eingestellt werden soll. „DWDL“-Kolumnistin Ulrike Klode hat aufgeschrieben, warum es Pläne für die Zeit nach der „Lindenstraße“ geben muss: „Die grundlegenden Inhalte der „Lindenstraße“ sind nicht verhandelbar — sie entsprechen dem Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender. Die Frage kann nur sein: Wie kann man diese Inhalte verpacken, damit sie das Publikum erreichen?“
Weitere Reaktionen auf das „Lindenstraßen“-Aus: In Die Zeit ist an der „Lindenstraße“ vorbeigezogen (sueddeutsche.de) kommentiert Hans Hoff: „Es ist eben auch eine Herkulesaufgabe, jede Woche das ganze Elend der Bundesrepublik im gequetschten Kosmos einer Münchner Straße spiegeln zu müssen.“ Auf „Indiskretion Ehrensache“ empört sich Thomas Knüwer: „Diese Entscheidung ist eine Schande für die ARD.“ Und Christian Meier schreibt auf Welt.de: Mit der „Lindenstraße“ stirbt die alte Bundesrepublik. „taz“-Redakteurin Susanne Memarnia denkt an die 17 Jahre zurück, in denen sie selbst ein Teil des Lindenstraßen-Ensembles war. Und an die Zeit danach: „Das Leben ohne Serie war am Anfang nicht ganz leicht — aber schließlich habe ich meinen Weg gefunden. Das Einzige, was ich heute bereue: Mein Opa hatte all meine Auftritte vom Fernseher abfotografiert, einmal im Jahr bekam ich ein Album mit körnigen Fotos, am Ende waren es mehrere Regalmeter. Leider habe ich sie irgendwann alle weggeschmissen.“ Und last but not least hat „Übermedien“ der Serie eine besondere Würdigung zuteil werden lassen und einige der berühmt-berüchtigten Lindenstraßen-Cliffhanger zu einem Fünf-Minuten-Video zusammengeschnitten. Eine Horror-Kompilation cineastischen Grusels.

2. Wir sind dann mal weg (und dieser Titel muss auch weg! Oder?)
(tageswoche.ch, Ronja Beck)
Die „TagesWoche“ stellt ihren Betrieb ein: Der Stiftungsrat der Stiftung für Medienvielfalt versagte dem Medienprojekt nach sieben Jahren die weitere Finanzierung. Die etwa 30 Arbeitsverhältnisse werden aufgehoben. Der Sozialplan sei großzügig und federe die daraus entstehenden Härten ab. Ronja Beck notiert in einem letzten Blogbeitrag: „In ihren letzten Tagen wandelt sich die TagesWoche zum Loriot-Sketch. Alltag ad absurdum. Die Akteure sind gefangen zwischen Realität und Unfassbarem, gemeinsam streifen wir durch grossen Unsinn. Und wir lachen dabei, ohne zu wissen, was zur Hölle es da eigentlich zu lachen gibt.“

3. Wenn die Gemeinschaft zahlt
(taz.de, Peter Weissenburger)
Die Onlinezeitung „Texas Tribune“ im amerikanischen Austin beschäftigt ein Team von 40 Jour­nalistinnen und Journalisten und finanziert sich komplett durch Spenden. „taz“-Redakteur Peter Weissenburger erklärt, warum das Modell so gut funktioniert.

4. „Wenn man in seiner Zelle ausharrt und schweigt, passiert nichts“
(spiegel.de)
Als die Journalistin Mesale Tolu in der Türkei im Gefängnis saß, wurde ihr geraten, stillzuhalten und auf die Kräfte der stillen Diplomatie im Hintergrund zu vertrauen. Das hält Tolu in der Nachbetrachtung für keine gute Idee: „Wenn man einfach in seiner Zelle ausharrt und schweigt, passiert nichts. Die Türkei ist kein Rechtsstaat. Abwarten heißt, sein Schicksal anderen in die Hand legen. Und jeder Tag da drinnen ist ein Tag zu viel. Wenn man Unrecht erfährt, muss man das auf die Tagesordnung setzen.“

5. Wie misst man journalistischen Erfolg?
(journalist-magazin.de, Sonja Peteranderl)
Wie misst man journalistischen Erfolg? Klicks und Marktanteile sind das eine, Einfluss auf Politik und Gesellschaft das andere. In den USA beschäftigt man sich schon seit Längerem mit der Impact-Messung. Sonja Peteranderl erklärt in ihrem Aufsatz die Besonderheiten von Erfolgsmessung und Wirkungszuschreibung bei der Impact-Analyse und schlägt eine Brücke von den USA nach Deutschland.

6. Zum Tod von „Mallorca-Jens“: Niemand ist eine Insel
(haz.de, Imre Grimm)
Jens Büchner („Mallorca-Jens“ beziehungsweise „Jenser“) war neben Daniela Katzenberger die wohl erfolgreichste Figur der TV-Auswanderer, eine verwegene Mischung aus Loser und Hero, der dem TV-Sender Vox unzählige Filmchen und tolle Einschaltquoten beschert hat. Und sich ein paar intensive Jahre als schlagersängernder Trash-Star, gefeierter Überlebenskünstler und Dschungelcamp-Berühmtheit. Nun ist Büchner im Alter von nur 49 Jahren gestorben, vermutlich an Lungenkrebs. In Imre Grimms Nachruf geht es auch um die Frage, wie es jemandem wie Büchner gelingen konnte, zu einer TV-Berühmtheit zu werden: „Die Mechanik der Medienwelt braucht auch Normalos“.
Weitere Lesehinweise: 
Anja Rützel befindet in ihrem Nachruf bei „Spiegel Online“ : „Jens Büchner war ein Fernsehgeschöpf, eine für die Bedürfnisse des Trash-Genres geschnitzte Figur und ein oft schlecht beratenes, von Format zu Format trudelndes Teilchen, dem diese Abhängigkeit völlig klar zu sein schien.“ Johanna Bruckner schreibt bei Süddeutsche.de: „Viele liebten „Malle-Jens“, weil er so offen zugab, ein Verlierer zu sein. Vielleicht weil er in seinen Misserfolgen zutiefst menschlich wirkte. Manche verachteten ihn wohl genau dafür.“

7. Spiegel-Cover: „Leben ohne Schmerzen“
(facebook.com, Lorenz Meyer)
Weil unter Beteiligung des „6 vor 9“-Kurators, ausnahmsweise ein siebter und daher zusätzlicher Link: Auf Facebook kommentiert Lorenz Meyer den aktuellen „Spiegel“-Titel über ein „Leben ohne Schmerzen“: „Lieber „Spiegel“, es würde schon mal deutlich weniger schmerzen, wenn Ihr nicht bei gefühlt jedem Gesundheitsthema eine nackte Frau aufs Cover packen würdet. Es nützt nämlich nichts, wenn Ihr in Sachen sexistischer Covergestaltung schmerzfrei seid, wir aber jedesmal schmerzerfüllt ächzen, wenn wir ein solches Titelbild sehen.“
Weiterer Lesehinweis: Auch Richard Gutjahr hat Rücken und befindet: „Von Radio, TV bis zur Zeitung habe ich im Journalismus so ziemlich alles durchgespielt. Was mir fehlt: Erfahrung als Zeitschriftenmacher. Ohne jemals für eine Illustrierte gearbeitet zu haben, habe ich aber eine vage Idee, mit welcher Titelstory ich den deutschen Qualitätsjournalimus rocken könnte …“

Abtreibungsgegner will Pressefreiheit abtreiben, Traumata, Weidel-Spende

1. Abtreibungsgegner Yannic Hendricks hat BuzzFeed News abgemahnt, weil wir seinen Namen veröffentlicht haben
(buzzfeed.com, Juliane Loeffler)
Der Abtreibungsgegner Yannic Lukas Hendricks hat „BuzzFeed News Deutschland“ abgemahnt, weil das Portal seinen Namen veröffentlicht habe. „BuzzFeed News“ nimmt dies jedoch nicht hin: „Wir wehren uns gegen die Abmahnung, weil wir die Namensnennung für rechtens halten.“ Juliane Loeffler erklärt die Position des Portals und zitiert aus der anwaltlichen Erwiderung auf die Abmahnung.

2. Das Trauma klopft meist sachte an
(facebook.com/carsten.stormer)
Seit vielen Jahren berichtet Carsten Stormer aus den Krisengebieten der Welt, ob als Journalist, Buchautor oder Filmemacher. Eine Tätigkeit, die körperliche Wunden und seelische Narben hinterlässt. In einem Facebook-Post schreibt Stormer auf eindrückliche und bedrückende Weise von den Erinnerungen an Krieg, Tod und grausame Gewalt, die er in einem Buch verarbeitet hat und die ihn immer wieder verfolgen: „Das Sediment dieser Geschichten lagert sich wie toxischer Schlamm in meinem Kopf ab, Schicht um Schicht.“
Siehe dazu auch: Traumatisierte Journalisten: Es gibt zu wenig Hilfe (ndr.de, Inga Mathwig, Video, 6:31 Minuten).

3. Die fixe Idee der neutralen Berichterstattung halte ich für absurd.
(planet-interview.de, Anja Reschke)
Jakob Buhre hat die NDR-Journalistin und Buch-Autorin („Haltung zeigen“) Anja Reschke interviewt. Es geht um ihr Verständnis von Gerechtigkeit und das Bemühen um neutrale Berichterstattung, Selbstkritik, Transparenz und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Gleichstellung innerhalb der Sender und ihre Mail-Korrespondenz mit Zuschauern.

4. Julian Reichelt still loves patriarchy
(genderequalitymedia.org)
Der Verein „Gender Equality Media“ hat mit „Still <3 patriarchy" ein neues Projekt gestartet, bei dem "sexistische und patriarchale Entscheidungsträger*innen" benannt werden. "Was muss passieren, um einen Platz auf der Website zu bekommen? Ein sexistisches Bild hier, ein schiefes Wort da? Nein, wir wollen Journalist*innen nicht bloßstellen -- Fehler machen wir alle, und im besten Fall lernen wir daraus. Wir wollen die Journalist*innen zur Verantwortung ziehen, die Sexismus mit System in ihrer Arbeit einsetzen." Ganz vorne mit dabei: "Bild"-Chef Julian Reichelt. Weiterer Lesetipp: Unser Beitrag von gestern: Schülerzeitung entlockt Julian Reichelt „tiefe innere Wahrheit“ mit einem Hinweis auf ein in jeder Hinsicht herausragendes Interview.

5. „Beeindruckendes Wachstum“
(faktenfinder.tagesschau.de)
Patrick Gensing vom ARD-„Faktenfinder“ beschäftigt sich mit den rätselhaften Wahlkampfspenden an Alice Weidel (AfD), mit denen wahrscheinlich der Social-Media-Erfolg finanziert und die Reichweite auf Twitter und Facebook massiv ausgebaut wurde.

6. Warum Journalisten nicht vom „Gute-Kita-Gesetz“ sprechen sollten (Spoiler: Weil sie damit der Ministerin einen Gefallen tun)
(stefan-fries.com)
Aus dem „Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung“ hat das Bundesfamilienministerium das „Gute-Kita-Gesetz“ gemacht. Stefan Fries erklärt, warum es keine gute Idee ist, wenn Medien diesen Begriff in ihrer Berichterstattung übernehmen.

ORF droht Zerstörung, Y***** H******** mahnt ab, MedWatch

1. Redakteursvertreter befürchten „absichtliche Zerstörung“ des ORF
(derstandard.at)
Redakteure schlagen Alarm: Dem ORF drohe die „größte existenzielle Krise seit Bestehen“. In einer Resolution beklagen sie die kontinuierliche Reduktion der journalistischen Arbeitsplätze sowie die Auslagerung von Informationsprogrammen: „Wir befürchten die absichtliche Zerstörung des öffentlich-rechtlichen Senders — über einen wirtschaftlichen und politischen Zangenangriff. (…) Währenddessen bauen die Regierungsparteien systematisch ihre PR-Stellen aus.“

2. Y***** H******** mahnt ab
(taz.de, Dinah Riese)
Die „taz“ macht darauf aufmerksam, dass der Mathematikstudent Yannic Hendricks, der unzählige öffentlich über Abtreibung informierende Ärzte und Ärztinnen angezeigt hat, nun Menschen abmahnt, die seinen Namen im Zusammenhang mit diesen Anzeigen öffentlich genannt haben.
Weiterer Lesetipp: Yannic Hendricks zeigt Ärztinnen an, die gegen 219a verstoßen, aber möchte anonym bleiben (buzzfeed.com, Juliane Loeffler).

3. Ein ungutes Gefühl im Bauch
(jmwiarda.de, Jan-Martin Wiarda)
Einer Juristin wurde von der Internet-Plattform „VroniPlag Wiki“ vorgeworfen, sowohl bei der Promotion als auch bei der Habilitation plagiiert zu haben. Als Medien darüber berichteten, ging die Juristin dagegen juristisch vor und bekam zunächst Recht. Der Journalist Jan-Martin Wiarda kommt bei dem Konflikt zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsrecht zu keinem eindeutigen Ergebnis und befindet schlussendlich: „Ich habe keine Antworten. Nur ein ungutes Gefühl im Bauch.“

4. Neues aus dem Fernsehrat (29): Von „funk“ für die Zukunft öffentlich-rechtlicher Medien lernen
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Seit zwei Jahren existiert das öffentlich-rechtliche Jugendangebot „funk“. Zeit für eine Zwischenbilanz, findet Leonhard Dobusch. Als reines Online-Angebot sei „funk“ in vielerlei Hinsicht wegweisend für Öffentlich-Rechtliche im Netz. Potentiale jenseits von YouTube und Facebook würden jedoch bislang nicht genutzt. Dobusch hat Ideen, wie sich das ändern ließe.

5. „Fake-Informationen bedrohen das Leben von Patienten“
(vocer.org, Nicola Kurth)
Der diesjährige #Netzwende-Award ging an das von den Wissenschaftsjournalisten Nicola Kuhrt und Hinnerk Feldwisch-Drentrup gegründete Projekt „MedWatch“, das sich für verlässliche Gesundheitsinformationen im Netz einsetzt. Warum Gesundheitsinformationen im Netz journalistische Kontrolle brauchen, erklärte Mitgründerin Kuhrt beim „Vocer Innovation Day“ in Hamburg.

6. Die Financial Times hat einen Bot entwickelt, der warnt, wenn nur männliche Experten zu Wort kommen
(piqd.de, Simon Hurtz)
Bei der britischen Zeitung „Financial Times“ warnt eine Analyse-Software (Bot), wenn nur männliche Experten zu Wort kommen. Der Journalist Simon Hurtz kommentiert: „Der Bot kann keine strukturellen Probleme innerhalb der Redaktionen lösen. Aber ich glaube, dass es manchmal schon reicht, daran erinnert zu werden, Frauen zu zitieren. Gerade im Alltagsstress vergisst Mann (und manchmal auch Frau) das oft, ohne dass Absicht dahinter steckt. Vielleicht kann die Financial Times den Code veröffentlichen, sodass andere Medien vergleichbare Mechanismen implementieren können.“

Erika Fakebach, Pro und Contra Klarnamenpflicht, Debatten-Detlev

1. Steinbach wegen Twitter-Fake belangt
(faktenfinder.tagesschau.de, Karolin Schwarz)
Die ehemalige CDU-Politikerin und jetzige Vorsitzende einer AfD-nahen Stiftung Erika Steinbach nutzt begeistert Social-Media-Kanäle, um ihre Botschaften unters Volk zu bringen. Falschmeldungen, untergeschobene falsche Zitate und bösartige Empörungs-Bildchen haben es ihr besonders angetan. Nach Claudia Roth ist nun auch deren Grünen-Kollegin Renate Künast rechtlich dagegen vorgegangen. Erfolgreich: Steinbach musste eine entsprechende Erklärung abgeben, die sie verpflichtet, das Fake-Zitat nicht erneut zu verbreiten.

2. Auf kurzem Weg zum Verleger
(taz.de, Ralf Leonhard)
Auf dem österreichischen Pressemarkt gibt es Bewegung: Ein medienscheuer Selfmade-Milliardär namens René Benko hat jeweils 24 Prozent der „Krone“ und des „Kurier“ übernommen. Der für Österreich zuständige „taz“-Korrespondent Ralf Leonhard erklärt Hintergrund und Zusammenhänge.

3. Weniger Anonymität im Netz?
(brodnig.org)
Immer wieder gibt es Bestrebungen zur Einführung einer Klarnamenpflicht im Internet. Die Idee dahinter: Wenn sich Menschen nicht mehr hinter ihrer Anonymität verstecken können und befürchten müssen, für strafbare Äußerungen belangt zu werden, gibt es weniger Hass und Hetze. Ingrid Brodnig führt aus, warum eine solche Pflicht aus ihrer Sicht die Probleme nicht löst.

4. Philipp Kadelbach: „Ganz ehrlich, es gibt zu viele Serien“
(dwdl.de, Alexander Krei)
Für „Unsere Mütter, unsere Väter“ bekam er einen Emmy, nun steht für Filmregisseur Philipp Kadelbach mit der ZDFneo-Serie „Parfum“ das nächste deutsche Projekt an. „DWDL“ hat sich mit Kadelbach über Inszenierung, Rhythmus, Zeitgeist und die allgegenwärtige Serien-Flut unterhalten. Und natürlich über seine Arbeit an dem berühmten Süskind-Stoff.

5. Facebook kann Portale in die Bedeutungslosigkeit herunterpegeln
(sueddeutsche.de, Adrian Lobe)
Von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gibt es das Zitat, nach dem er mit dem Newsfeed „die perfekte personalisierte Zeitung für jede Person auf der Welt“ schaffen wolle. In den USA sei ihm das nach einer Erhebung eines Meinungsforschungsinstituts in gewisser Hinsicht bereits recht gut gelungen. Die Allmacht des Konzerns sei riesig, schreibt Adrian Lobe. Wenn Facebook an seinen Algorithmen drehe, habe dies massiven Einfluss auf den Traffic von Nachrichtenportalen und könne diese schon mal in den wirtschaftlichen Abgrund reißen.

6. Debatten-Detlev
(titanic-magazin.de, Paula Irmschler)
„Titanic“-Autorin Paula Irmschler lässt „Debatten-Detlev“ zu Wort kommen: „Frauen mit ihren Entscheidungen machen mich wahnsinnig. Ich sage nur, wie es ist. Wir geben ihnen Posten, Wahlrecht und Kolumnen, und was machen sie damit? Hysterisch rumstressen.“

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