Archiv für Juni, 2020

Was falsch läuft, Klenks Kampf, Diversitäts-Checkliste

1. Was falsch läuft im Journalismus
(br.de, Knut Cordsen)
Birk Meinhardt schrieb lange Zeit als festangestellter Reporter für die „Süddeutsche Zeitung“, doch irgendwann setzte eine Entfremdung ein, und Meinhardt verließ schließlich das Blatt. In seinem neuen Buch „Wie ich meine Zeitung verlor“ schildert er, warum er der „SZ“ den Rücken kehrte. Im Telefoninterview mit dem BR gibt Meinhardt den Medien eine Mitschuld am Lagerdenken: „Der Journalismus trägt meines Erachtens eine Riesenschuld an der Verhärtung der Fronten, die er selber beklagt. Er bringt sie maßgeblich mit hervor und er beklagt sie danach.“ Typisch sei ein Satz, der einmal in der „Süddeutschen“ gestanden habe: „Da hieß es: Wir sollten schon mit den Ausgescherten, also mit den Populisten, den Wütenden, all denen, zu denen wir nicht mehr dringen, reden, auch wenn es fast sicher ist, dass wir sie nicht werden überzeugen können. Das ist ein scheinbar banaler Satz. Wenn man ihn aber einmal hin- und herwendet, dann ist eine ungeheure Anmaßung darin enthalten: die Anmaßung, wir, die Journalisten, könnten und müssten die Leute von etwas überzeugen, auch wenn uns das nicht gelingen wird. Und was auch darin steckt: Wir müssen nicht überzeugt werden. Wir wollen von der Gegenseite gar nichts empfangen.“

2. Reddit sperrt Gruppe mit 800.000 Trump-Anhängern
(spiegel.de)
Die Online-Plattform Reddit hat eine Trump-Supporter-Gruppe mit 800.000 Mitgliedern wegen fortgesetzter Hassrede geschlossen. Die Moderatoren hätten sich geweigert, „unsere einfachsten Erwartungen zu erfüllen“, so die Reddit-Verantwortlichen. Bei der Amazon-Tochter Twitch sei der offizielle Kanal von US-Präsident Donald Trump wegen beleidigender Kommentare in einem Stream zumindest zeitweilig gesperrt worden.
Weiterer Lesehinweis: Reddit, Acting Against Hate Speech, Bans ‚The_Donald‘ Subreddit (nytimes.com, Mike Isaac).

3. Dieter E. Zimmer gestorben
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Die „Süddeutsche Zeitung“ erinnert an den Journalisten, Autor und Übersetzer Dieter E. Zimmer („der letzte Universalfeuilletonist“), der vergangene Woche im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben ist.

Bildblog unterstuetzen

4. Ich hab mich ja schon gefragt, wieso die Krone und ihr Redakteur Pommer so auf mich gefeuert hat.
(twitter.com/florianklenk)
„Falter“-Chefredakteur Florian Klenk wurde vor einiger Zeit vom „Krone“-Kolumnisten Michael Jeannée auf besonders üble Weise beschimpft und in die Nähe des sexuellen Missbrauchs gerückt (auf Klenks Facebook-Seite per Foto dokumentiert). Im März hat das Landesgericht Wien über die Sache entschieden und Jeannée zu einer Geldstrafe von 9000 Euro sowie die „Krone“ zu einer Entschädigung von 6000 Euro verurteilt. Das Urteil weise nach Klenks Ansicht jedoch einen Schönheitsfehler auf: „Wir werden das Urteil aber bekämpfen, denn der Richter hat nur einen kleinen Teil der Suada berücksichtigt, die Jeannee über mich ergossen hat. Viele andere Unwahrheiten blieben unsanktioniert und wurden ihm als ‚Meinung‘ erlaubt. Das werden wir vor dem OLG monieren.“ Auf Twitter schreibt er weiter dazu: „Mein ‚Sieg‘ gegen Jeannee ist nur zum Teil Grund zur Freude. Denn das Gericht hat nur die Bezeichung ‚verderbte Figur‘ als Beleidigung gewertet. Alle anderen Insultationen wurden als ’sachbezogene Kritik‘ beurteilt. Ich reibe mir immer noch die Äuglein.“

5. Filmförderung führt Diversitäts-Checkliste gegen Klischees ein
(rnd.de)
Wer bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) einen Förderantrag stellt, muss auch einen Diversity-Fragebogen ausfüllen. Dabei gehe es in erster Linie darum, die Drehbuchautoren, Produzentinnen oder Regisseure auf diesem Gebiet zu sensibilisieren und unbewusste Vorurteile und Klischees zu hinterfragen. „Wir wollen verstehen und wissen, warum sie ihre Rollen so besetzt und den Stoff so entwickelt haben, wie sie es getan haben“, so die FFHSH-Sprecherin Claudia Hartmann. „Manchmal gibt es ja auch inhaltliche Gründe, warum ein Film nicht divers ist. Die wollen wir aber nachvollziehen können.“

6. Neue Glücks-Zahlen eingetroffen!
(uebermedien.de, Mars Schönauer)
Mats Schönauer ist der offizielle Regenbogenpressebeauftragte des medienkritischen Portals „Übermedien“. Dort ruft er regelmäßig zum „Schlagzeilenbasteln“ auf: „Kettensägen raus, es wird wieder gebastelt! Wir geben Ihnen eine Nachricht, und Sie schnippeln daraus eine titelseitenwürdige Schlagzeile. Sind Sie so gut wie die Profis? Probieren Sie es aus!“

Später Triumph, Unpure Pur-Abos, Tönnies und der Buddy-Journalismus

1. Der späte, aber große Triumph der Financial Times
(meedia.de, Nils Jacobsen)
Der mittlerweile insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard galt vor seinem tiefen Fall lange Zeit als Vorzeigevertreter des Finanztechnologie-Sektors. Die „Financial Times“ warnte hingegen seit Jahren vor dem Unternehmen sowie dessen Geschäftspraktiken und handelte sich für ihre kritische Berichterstattung viel Ärger, Widerstand und eine Schadensersatzklage ein. Nils Jacobsen würdigt in seinem Beitrag die Beharrlichkeit der Finanzrechercheure, die den Fall Wirecard mit aufzudecken halfen: „Es ist ein Triumph des Journalismus, der in Zeiten der andauernden Branchenkrise eine nicht zu überschätzende Beachtung verdient.“

2. Nicht ganz ohne
(netzpolitik.org, Matthias Eberl)
Der österreichische „Standard“ bietet seit einiger Zeit ein sogenanntes „Pur-Abo“ an. Damit sei der Besuch der Website werbefrei, werbetrackingfrei, trackingfrei und DSGVO-konform. „Zeit Online“ und „Spiegel“ sind dem „Standard“ gefolgt und bieten ebenfalls „Pur-Abos“ an. Ganz so pur wie das Vorbild aus Österreich seien diese jedoch nicht, wie der Journalist und Datenschutz-Experte Matthias Eberl in seiner Recherche herausgefunden hat.

3. „Zielgruppe ist die breite Masse“
(taz.de, Baha Kirlidokme)
Die „taz“ hat sich mit Thomas Laschyk unterhalten, der unter dem Namen „Volksverpetzer“ eine Art „Anti-Fake-News-Blog“ betreibt. In dem Interview geht es unter anderem um die Fragen, warum sich Verschwörungsmythen auf Social Media vor allem unter Rechten so gut verbreiten und was man dem entgegensetzen kann. Der „Volksverpetzer“ bediene sich bei seinen Schlagzeilen oft eines reißerischen Tons, so ein Vorhalt: „Wenn wir gehört werden wollen, müssen wir nach den Regeln von Social Media spielen. Dazu gehört eindeutiges Framing, die richtigen Schlagworte oder der Appell an Emotionen. Wir versuchen also die Strategien der Verschwörungsideologen gegen sie zu verwenden, allerdings ist unser Anspruch, auch alles belegen zu können.“

Bildblog unterstuetzen

4. Liebesgrüße nach Rheda-Wiedenbrück
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
„Ich will gar nicht erst versuchen, den Eindruck zu erwecken, ich sei unvoreingenommen. Clemens Tönnies war bei meiner Geburtstagsfeier eingeladen. Ich bei seiner. Wir kennen uns schon viele Jahre, wir haben uns über den Fußball kennengelernt.“ So lauten die ersten Zeilen eines „Bild“-Beitrags über die Causa Tönnies. Jürn Kruse findet: „Wenn man dem eigenen Kommentar eine solche Präambel voranstellen muss, sollte man eigentlich die Finger von dem Thema lassen“. Er hat trotzdem weitergelesen und fühlte sich prompt an einen anderen Fall von Buddy-Journalismus erinnert.

5. Facebook will stärker gegen Hassbotschaften vorgehen
(zeit.de)
Wenn Facebook demnächst stärker gegen Hassbotschaften und Rassismus vorgeht, liegt das eventuell nicht an Appellen der Zivilgesellschaft, Forderungen von Justiz und Politik oder gar einer eigenen moralischen Einsicht, sondern schlicht an wirtschaftlichen Interessen: Erst der Boykott einiger zahlungskräftiger Werbekunden habe den Konzern dazu bewogen, seine bisherige Praxis zu überdenken.

6. Gefährlicher Insta-Hype im Nationalpark
(br.de, Florian Heinhold, Video: 5:24 Minuten)
Der Königsbach-Wasserfall im Nationalpark Berchtesgaden mitsamt seines „Infinity-Pools“ ist ein beliebter Foto-Spot für Influencerinnen und Influencer. Am Königssee ist man jedoch nicht begeistert über den Hype: Die Instagram-Junkies brächten sich und andere in Gefahr, würden die Natur stören und Müll hinterlassen. Was tun?

„Katapult“-Effekt, Seehofers „Nicht-Anzeige“, Wumms, Bumms und Rumms

1. Werk und Wirkung
(spiegel.de, Sebastian Fischer)
Sebastian Fischer kommentiert Horst Seehofers „Nicht-Anzeige“ gegen eine „taz“-Kolumnistin. Die gut zwei DIN-A4-Seiten lange Erklärung des Bundesinnenministers sei „Politpoesie für Fortgeschrittene“ eines Politikers, der schwer zu fassen sei: „Seehofers Wendungen – Spitzname: Drehhofer – sind Legion. Das Hin und Her, das So-tun-als-ob, das Heute-hier-morgen-dort sind das Betriebssystem, mit dem der Politiker Seehofer operiert. Erinnern Sie sich noch an die Ansage, er werde keine Koalitionsvereinbarung unterschreiben, die keine Steuersenkung beinhaltet? Oder an die Sache mit der Maut? Oder die Obergrenze für Flüchtlinge? Ist am Ende alles irgendwie gekommen und zugleich auch nicht gekommen. Seehofer ist nicht zu fassen.“
Weiterer Lesehinweis: Die „taz“-Chefredakteurin Barbara Junge kritisiert, Seehofer habe für seine Entscheidung zu lange gebraucht. Für seinen Vorschlag, mit der „taz“-Chefredaktion über die umstrittene Kolumne zu sprechen, hat sie einen Gegenvorschlag: „taz will mit Seehofer in Polizeischule“ (taz.de).

2. Der Hintergrund bleibt stets im Vordergrund
(migazin.de, Clara Herdeanu)
In Zusammenhang mit den jüngsten Geschehnissen in Stuttgart, verwendete die „Bild“-Redaktion in einer Überschrift die Formulierung von den „Deutschen mit Migrationshintergrund“, einem Begriff von dem es oft heiße, es handele sich doch lediglich um eine offizielle und amtliche Bezeichnung. So einfach sei es jedoch nicht, wie die Linguistin Clara Herdeanu erklärt. Die Formulierung sei „ein Paradebeispiel eines sprachlichen Phänomens, das Linguisten als semantischen Kampf bezeichnen. Und das führt uns auch dazu, weshalb diese Formulierung eben nicht nur eine amtliche, vermeintlich neutrale Bezeichnung ist, sondern in ihr auch stets unterschwellig bestimmte Deutungen und Wertungen mitschwingen.“

3. Zeit-Autoren kopieren gesamtes KATAPULT-Buch
(katapult-magazin.de, Benjamin Fredrich)
Der für seine Infografiken und Karten bekannte „Katapult“-Verlag wirft seinem bisherigen (Buch-)Verlag vor, andere Autoren mit der Umsetzung eines Fortsetzungswerks beauftragt zu haben, das dem bisherigen Werk auffällig ähnele. „Katapult“-Chefredakteur Benjamin Fredrich hat sich seinen Frust über den unerquicklichen Vorgang in bemerkenswerter Offenheit von der Seele geschrieben, was sich recht unterhaltsam liest.
Weiterer Lesehinweis: Einer der neuen Autoren des vermeintlich oder tatsächlich abgekupferten Buchs hat auf seiner Website mit einer Stellungnahme reagiert: „Ich kann ja verstehen, dass ihr sauer seid, aber …“ (herrfischer.net, Martin Fischer).

Bildblog unterstuetzen

4. „Die Zuschauer müssen sofort verstehen, worum es geht“
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Der „Fachjournalist“ hat sich mit Peter Kloeppel unterhalten, dem Chefmoderator der Nachrichtensendung „RTL aktuell“. Es geht um Kloeppels Werdegang, den Arbeitsalltag eines Nachrichtenredakteurs, die Entwicklungen im Nachrichtenressort, die Verzahnung von Fernsehen und Onlinemedien sowie die Frage, was Kloeppel Nachrichten-Neulingen rät.

5. Klage wegen ungleicher Bezahlung: ZDF-Reporterin Birte Meier siegt vor Bundesarbeitsgericht
(berliner-zeitung.de, Christine Dankbar)
Nach einem fünfjährigen juristischen Streit hat die ZDF-Reporterin Birte Meier vor dem Bundesarbeitsgericht einen Teilsieg in Richtung gleicher Bezahlung errungen: Das Entgelttransparenzgesetz gelte auch für Beschäftigte eines Unternehmens, die dort nicht im klassischen Sinne festangestellt sind. Meier war bei ihrer Arbeit für das ZDF-Magazin „Frontal21“ aufgefallen, dass nahezu alle männlichen Kollegen mehr verdienten als sie selbst. Der juristische Sieg bezieht sich jedoch nicht auf die ungleiche Bezahlung, sondern nur auf die Anwendung des Entgelttransparenzgesetzes. Dementsprechend kommentiert die Gesellschaft für Freiheitsrechte, welche die Klage begleitet hatte: „Mit dieser Entscheidung ist die Klägerin ihrem Ziel – gleicher Lohn wie die männlichen Kollegen mit vergleichbarer Tätigkeit – jedoch noch nicht nähergekommen. Selbst wenn der herausgegebene Median der männlichen Vergleichsgehälter höher ist, bleibt dies für das ZDF erst einmal ohne Konsequenzen. Das Entgelttransparenzgesetz sieht keinerlei Sanktionen für Arbeitgeber vor. Auch deutschen Gerichten reicht ein höherer Median bislang nicht als Indiz für Diskriminierung.“

6. Wumms, Bumms und Rumms: Hört auf, mit Wählern wie mit Kindern zu sprechen
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm ärgert sich über die Unsitte einzelner Politiker und Politikerinnen, ihre Wähler und Wählerinnen auch sprachlich wie Kinder zu behandeln: „Ob Wumms, Rumms, oder Bumms: Die Infantilisierung der Politrhetorik schreitet voran. Kurze Frage: Wäre es bitte möglich, mit Wählern nicht so zu sprechen, wie mit Waldmenschen, deren Vorfahren noch gemolken wurden?“

Wenigstens werden diesmal keine Witwen geschüttelt

20 Millionen Euro soll der Axel-Springer-Verlag derzeit in den Versuch stecken, „Bild“ auch als (Live-)Video-Plattform zu etablieren. Das kann schon aus rein inhaltlicher Sicht kein wohltätiges Projekt sein und das soll es sicher auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht sein – Springer will mit „Bild TV“ Geld verdienen.

Das soll vor allem durch Werbung reinkommen. Seit ein paar Wochen kann man beobachten, wie das beim „Bild“-Fernsehen aussieht: In der Fußball-Talk-Sendung „Reif ist live“ mit Marcel Reif ist seit einigen Folgen auf ganz geschickte und natürliche Weise eine Produktplatzierung eingebunden. Nicht mit dem Holzhammer – das würde ja stören und kaum wirken -, sondern feinfühlig, wie man es von „Bild“ gewohnt ist. Aber seht selbst:

In einem Prospekt (PDF) präsentiert der Springer-Vermarkter Media Impact die verschiedenen Möglichkeiten, mit denen Firmen in „Reif ist live“ werben kann. Auch dabei: „PRODUCT PLACEMENT“. Wie viel Müllermilch dafür bezahlt hat, dass der Chefredakteur des „Bild“-„Sport-Kompetenzcenters“ Matthias Brügelmann die Flaschen schüttelt, als hätte er schon immer mal einen Sex on the Beach mit einem Augenzwinkern servieren wollen, oder der „Bild“-Sportchef Walter M. Straten verzweifelt nach Überleitungen sucht, die ihn nicht komplett wie einen Werbeheini aussehen lassen, erfährt man dort leider nicht.

Bildblog unterstuetzen

Aber kommt dieses Bauerntheater bei den „Bild“-Zuschauerinnen und -Zuschauern an? Lohnt sich das eifrige Werbeschütteln? Die Reaktionen unter den entsprechenden „Reif ist live“-Youtube-Videos lauten:

Wegen dieser beschissenen Werbung werde ich mir nie wieder auch nur 1 einzige Flasche Müller Milch kaufen.

Und auf einmal schüttelt er sich die müllermilch, ich Dreh ab

Dieses geschüttel während einer Fragestellung .. unmöglich

Reif Ehrenmann rührt Müllermilch nicht an

Ihr macht euch mit dieser Müllermilch lächerlich!!

Hahahaha der schüttelt die Müller Milch und legt sie wieder hin hahahah

Böse Zungen behaupten, der Bild-Sportmodertor geht nach jeder Talkshow erst einmal brechen.

Sorry, das ist so affig und zum Fremdschämen… geschüttelt, nicht gerührt. Wie fremdgesteuert muss hier geschüttelt werden… :-)

Also ich mochte Müller Milch aber jetzt würde ich das nicht mehr kaufen das nenne ich mal Werbung

Oh je ist das schlecht mit der Müllermilch, Leute lasst es einfach weg bitte und versucht nicht noch Werbeeinnahmen zu generieren.

Die Müller Milch Werbung ist einfach peinlich.

Diese unfassbar dumme Werbung ist soooooooooo peinlich und zum fremdschämen. Einfach nur lächerlich.

Diese Werbung nervt ungemein

Wie Horny die Müllermilch geschüttelt wird.

Verstehe ja, dass man Werbung macht um Geld zu verdienen aber das war schon sehr aufgesetzt und wirkte unangenehm unnatürlich.

Bild, einfach nur peinlich, wie immer !!! Warum hält er die Flasche nicht einfach debil grinsend direkt in die Kamera. Dann weiss auch der letzte wie seriöser Journalismus funktioniert !!

… wir könnten hier noch lange weitermachen.

Mit Dank an J. A. für den Hinweis!

Bundesminister für Hin und Her, „Krawallnacht“, Drosten und „Bild“

1. Bundesminister der Verzögerung, für Hin und Her
(spiegel.de, Florian Gathmann & Wolf Wiedmann-Schmidt)
Am Wochenende kündigte Bundesinnenminister Horst Seehofer an, Strafanzeige gegen eine „taz“-Autorin stellen zu wollen, allein es kam bislang nicht dazu. Der angebliche Grund: ein voller Terminkalender … Eine Begründung, die Seehofer nicht jeder abnimmt: „In Wahrheit dürfte er nur noch nach dem Weg suchen, möglichst gesichtswahrend aus der Sache wieder herauszukommen. Und es ist auch denkbar bei dem alten Politik-Spieler Seehofer, dass es ihm einfach einen Heidenspaß bereitet, die Öffentlichkeit so lange warten zu lassen.“
Weiterer Lesehinweis: Der differenzierte Kommentar des Kriminologen Thomas Feltes zur Arbeit der Polizei und dem sich dort auftuenden Spannungsfeld: Verfolgte Grundrechtsträger? Was passiert im Moment mit und in unserer Polizei? (verfassungsblog.de).

2. Stuttgart steht noch
(kontextwochenzeitung.de, Johanna Henkel-Waidhofer)
Johanna Henkel-Waidhofer kritisiert die Berichterstattung rund um die „Krawallnacht“ von Stuttgart. Diese habe bundesweit eine mediale Realität erzeugt, die von der Wirklichkeit weit entfernt sei: „Statt einzuordnen hat in der Medienberichterstattung aber vor allem die Übertreibung Konjunktur, seit in der Nacht zum Sonntag die ersten Mitschnitte die sozialen und die ersten Meldungen die klassischen Medien eroberten.“

3. „Das sind die nicht endenden, unterstellenden und aggressiven Anfragen der Bild-Zeitung.“
(twitter.com, Christian Drosten)
Am Dienstag erschien die vorerst letzte Ausgabe des „Coronavirus-Update“ mit dem Virologen Christian Drosten: Der Podcast befindet sich im Juli und August in der Sommerpause. Auf Twitter wurde Drosten von einem Hörer angesprochen: „In Folge 50 klangen Sie für meine Ohren erstmals erschöpft und auch auf eine neue Art ‚dünnhäutig‘. Ich kann das so sehr nachvollziehen und gönne Ihnen die Podcast Pause sehr. Hoffentlich können Sie Akkus aufladen.“ Drosten antwortete darauf: „Das sind die nicht endenden, unterstellenden und aggressiven Anfragen der Bild-Zeitung. Fast jeden Tag kostet das mich, die Pressestelle der Charité, sowie zwei Medienanwälte Stunden unserer Arbeitszeit. Seit über einem Monat geht das so.“

Bildblog unterstuetzen

4. Was Tiktok zeigt – und was nicht
(faz.net, Caroline Jebens)
Caroline Jebens weist auf das widersprüchliche Verhalten von Tiktok hin. Die chinesische App sei eine wichtige Plattform der „Black Lives Matter“-Proteste in den USA geworden, Clips zu den Demonstrationen in Hongkong würden jedoch zensiert.

5. Streit zwischen Storymachine und PR-Rat geht weiter
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
„Unprofessionell und leichtfertig“: Wegen der PR-Arbeit für die Heinsberg-Studie des Bonner Professors Hendrik Streeck hatte die Agentur „Storymachine“ eine Rüge des Deutschen PR-Rats kassiert. Nun hat die Agentur einen Medienrechtler losgeschickt, der dem Vorsitzenden des Trägervereins eine Interview-Aussage untersagen will. Die übersandte Unterlassungserklärung wolle dieser jedoch nicht unterzeichnen. Stefan Winterbauer kommentiert: „Freunde werden Storymachine und der PR-Rat in diesem Leben vermutlich nicht mehr.“

6. Umworbene Journalisten: PR für Urlaubsland Türkei
(spiegel.de, Oliver Mayer-Rüth, Video: 3:03 Minuten)
Das türkische Tourismusministerium hat 40 internationale Journalistinnen und Journalisten nach Antalya eingeladen, um Werbung für das Urlaubsland zu machen. Als das ARD-Team auf der Pressekonferenz mit dem zuständigen Minister allzu forsch nachfragte, kippte die schöne Urlaubs-Stimmung: „Skeptische Touristen, kritische Journalisten. Kein einfacher Job für die Minister. Es könnte trotz der Kampagne ein trauriges Jahr für den Tourismus in der Türkei werden.“
Weiterer Lesehinweis: Peter Steudtner zu Türkei: „Trage die Haft in meinem Gefühlsrucksack mit mir herum“ (rnd.de, Markus Decker).

Projekt „Hassmaschine“, Taschengeld fürs Lokale, Zwang zur Solidarität

1. Wie Facebook im Kampf gegen Hass versagt
(tagesschau.de, Benedikt Nabben & Maximilian Richt & Niels Ringler & Robert Schöffel & Hakan Tanriverdi & Maximilian Zierer & Nils Altland & Sebastian Pittelkow & Christian Basl & Katja Riedel)
Das Projekt „#Hassmaschine“ von BR, NDR und WDR offenbare das Versagen von Facebook im Umgang mit der rechten, mitunter rechtsextremen Schattenwelt der Facebook-Gruppen. In einer gemeinsamen Auswertung habe man 2,6 Millionen Posts und Kommentare aus 138 meist geschlossenen rechten Facebook-Gruppen technisch erfasst und analysiert. Mit einer einfachen Schlagwortsuche habe man neben mehr als 10.000 schweren Beleidigungen (viele davon rassistisch) weit mehr als 1000 mutmaßlich rechtswidrige Inhalte identifizieren können, darunter Aufrufe zur Vergewaltigung, SS-Runen oder antisemitische Hasspropaganda. Facebook habe auf eine Weise reagiert, mit der ein derartiges Unternehmen wohl standardmäßig reagiert: „Wir möchten Hassrede natürlich löschen. Und wir haben im Kampf gegen Hassrede in den letzten Jahren sehr große Fortschritte gemacht.“
Weiterer Lesehinweis: Lesens- und sehenswert, auch wegen der interaktiven Aufbereitung der Recherche: Wie Facebook beim Hass im Netz versagt (br.de).
Und wegen des Bezugs zu Facebook die aktuelle Meldung: BGH stoppt Datensammlung von Facebook: „Der Bundesgerichtshof hat eine Verbotsverfügung des Bundeskartellamts im Eilverfahren bestätigt. Es stimme, dass Facebook seine marktbeherrschende Stellung missbrauche.“ (zeit.de)

2. 3F3A: Wieder mehr Transparenz bei NDR Info
(fair-radio.net, Mario Köhne)
Die Initiative „fair radio“ setzt sich für ein glaubwürdiges Radio ein, das offen damit umgeht, wann live moderiert wird und wann Konserven gesendet werden. Aktuell vermeldet „fair radio“ eine positive Nachricht aus dem NDR. Die Initiative sei im Besitz einer internen Mail des Senders mit „Transparenzkriterien für Gesprächsaufzeichnungen“.

3. Bremen: Regionale Nachrichten für alle
(mmm.verdi.de, Eckhard Stengel)
Eine neue App will zum Aggregator für Lokalnachrichten werden. Das mit Forschungsmitteln des Bundes entwickelte „molo.news“ stellt die wichtigsten Artikel regionaler Medien, aber auch Mitteilungen von lokalen Vereinen und Initiativen zusammen. Die Entwicklung der App habe bislang 800.000 Euro gekostet, das meiste Geld sei vom Bundesforschungsministerium gekommen. Anmerkung des Kurators: Nach einem kurzen Testlauf fragt man sich, wie dieser Betrag zustande kam. Die beteiligten Medienhäuser würden ihre Nachrichten gratis liefern, und die Personalkosten dürften sich in Grenzen halten, denn die Redaktion bestehe lediglich aus fünf bezahlten studentischen Hilfskräften „mit journalistischer Vorerfahrung“.

Bildblog unterstuetzen

4. ze.tt wird Ressort von ZEIT ONLINE
(zeit-verlagsgruppe.de)
„ze.tt“, das Jugendportal der „Zeit“ verliert seine Eigenständigkeit und wandert im Herbst als eigenes Ressort zu „Zeit Online“. Die Umstrukturierung solle „ze.tt“ „langfristig auf eine wirtschaftlich zukunftsfähige Basis stellen und den Austausch mit anderen Angeboten von ZEIT ONLINE verstärken“. Man kann also annehmen, dass sinkende Werbeerlöse der Grund für den Umbau waren. Damit ist die „Zeit“ nicht allein – vor Kurzem hatte es den „Spiegel“-Ableger für junge Leute „Bento“ getroffen, der zum Herbst eingestellt wird.

5. Nur ein Taschengeld
(taz.de, Steffen Grimberg)
„Obwohl Lokaljournalismus so wichtig ist, wird dort beschissen bezahlt“, so Steffen Grimbergs markige Zusammenfassung des neuen Honorarreports der Freischreiber. Über ein Viertel der freien Lokaljournalistinnen und -journalisten würden laut der Umfrage des Berufsverbandes maximal 10 Euro brutto pro Stunde verdienen.

6. Ich will mich nicht solidarisieren, muss es aber doch
(djv.de, Hendrik Zörner)
Hendrik Zörner von Deutschen Journalisten-Verband kommentiert die bislang nicht umgesetzte, aber eventuell noch erfolgende Strafanzeige des Bundesinnenministers gegen eine „taz“-Kolumnistin: „Der Minister also, der qua Amt die Pressefreiheit besonders schützen soll, holt den Knüppel aus der Schublade. Der Minister, der bisher trotz mehrmaliger Aufforderungen keine sichtbaren Anstrengungen unternommen hat, Journalisten vor rechtsextremistischem Hass zu schützen. Horst Seehofer zwingt damit mich und viele andere Journalisten zur Solidarität mit der taz-Kolumnistin. Das ist bitter. Denn ich finde die ‚Kolumne‘ wirklich abgrundtief schlecht.“

Seehofers Anzeigeabsicht, Letzte Worte an Rezo, Mehr Frauen ins TV

1. „Finger weg von der Pressefreiheit“
(taz.de, Carolina Schwarz)
Innenminister Horst Seehofer sprach am Wochenende von seiner Absicht, die „taz“-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah anzuzeigen, bei dieser Absicht scheint es jedoch geblieben zu sein (Stand heute). Ein möglicher Grund für den möglichen Rückzug: Der breite Widerstand vieler Medien, die Seehofers Plan als Angriff auf die Pressefreiheit verstehen. Carolina Schwarz zitiert ein paar wichtige Stimmen.
Weiterer Lesehinweis: 5 Gründe, warum sich Seehofer lieber selbst anzeigen sollte (schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann).

2. Letzte Worte an Rezo
(faz.net)
In seinem Video „Die Zerstörung der Presse“ hatte der Youtuber Rezo auch der „FAZ“ in Zusammenhang mit der Berichterstattung über ihn selbst zahlreiche Vorwürfe gemacht. Die „FAZ“ hatte darauf mit einem Antwortvideo reagiert, auf das Rezo in seinem neuesten Video seinerseits reagierte. Der muntere Schlagabtausch scheint vorerst ein Ende gefunden zu haben: Die „FAZ“ richtet einige „letzte Worte“ an Rezo und schließt mit: „Du bist offensichtlich bereit, jede unserer Aussagen aus dem Kontext zu reißen oder im Sinn zu verdrehen, bis sie in deinen Feldzug gegen uns und weitere Zeitungen passen, die dich kritisiert haben. Also wozu dann überhaupt argumentieren? Wenn es so läuft, sind wir raus. Denn so gewinnt nur der, der bereitwillig und geschickt die Wahrheit manipuliert – und diese Trophäe überlassen wir gerne dir.“

3. Immer an die Leserinnen denken
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 5:30 Minuten)
Die Ippen-Gruppe ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt und dennoch ein Riese in der Zeitungslandschaft. In dem Konglomerat aus Tageszeitungen und deren Online-Auftritten, aus Radiostationen und zahlreichen Anzeigenblättern spiele immer noch der 79-jährige Firmenpatriarch Dirk Ippen eine entscheidende Rolle. Der Deutschlandfunk berichtet über die Verlagsgruppe, die sich vor allem aufs Lokale fokussiere und unter denselben Problemen leide wie alle anderen: „Dirk Ippen macht sich keine Illusionen über die Zukunft der gedruckten Presse. Das Produkt Zeitung werde durch die Digitalisierung vom Massen- zum Nischenmarkt. Wer zu klein sei, werde über kurz oder lang geschluckt.“

Bildblog unterstuetzen

4. „Die Moderatorinnen, die es gibt, könnte man viel, viel größer machen“
(jetzt.de, Berit Dießelkämper)
Volker Herres, Programmdirektor der ARD, erklärte vor einiger Zeit in einem „Bild am Sonntag“-Interview, dass er zwar ein Defizit bei Moderatorinnen im Showbereich sehe, ihm aber aktuell auch kein weibliches Pendant zu einem Kai Pflaume einfalle. Wer Vorschläge hätte, dürfe sich jederzeit melden. Davon machten viele Menschen Gebrauch, unter anderem Eva Schulz, die gleich eine Liste mit dreißig Namen einreichte. jetzt.de hat mit Schulz gesprochen und auch bei Carlolin Kebekus durchgeklingelt, die das System aus dem System heraus kritisiere.
Weiterer Guckhinweis: Gemeinsam mit der Moderatorin Janin Ullmann hat Kebekus einige satirische Werbespots für mehr Frauen im deutschen TV produziert (youtube.com, Video: 4:28 Minuten).

5. „Ein Newsletter ist ein Marathon, kein Sprint“ – David Streit von Shelfd
(dirkvongehlen.de)
David Streit ist „Media Strategist“ beim Empfehlungsportal Shelfd, einer Indie-Plattform für Streamingtipps. Nachdem Streit anlässlich des 250. Newsletters über seine fünf wichtigsten Erkenntnisse geschrieben hat, stellt er sich nun den Fragen von Dirk von Gehlen.
Weiterer Lesehinweis: Auf briefingbriefing.de geht es um die Frage, wie man aus journalistischer Sicht erfolgreiche Newsletter erstellt.

6. Bundesliga: Sky ist mit einem blauen Auge davongekommen
(dwdl.de, Alexander Krei)
Beim Poker um die Bundesliga-TV-Rechte mischten die verschiedensten Player mit: unter anderem der Bezahlsender Sky und dessen Konkurrent DAZN, aber auch Sender wie Sat.1, Sport1 und die ARD. Alexander Krei erklärt bei „DWDL“, wer die Gewinner und Verlierer des aktuellen Rechtedeals sind und wie dies strategisch zu bewerten ist.

Konflikt bei der „taz“, Rezos Antwort, Kritik zum Hasskriminalitätsgesetz

1. Schwerer Konflikt bei der „Taz“
(sueddeutsche.de, Elisa Britzelmeier & Jens Schneider)
Der Konflikt um eine umstrittene Kolumne in der „taz“ über die Polizei scheint mittlerweile völlig eskaliert. Eine Mitteilung im Hausblog der „taz“, eine Stellungnahme der Chefredaktion und verschiedene Gegenstimmen (so die von Bettina Gaus und die von Stefan Reinecke) lösen sich ab, nun wolle angeblich sogar Innenminister Seehofer mit einer Anzeige reagieren.
Weiterer Lesehinweis: Darf die „taz“ Yaghoobifarah kritisieren? (NDR.de, Daniel Bouhs & Inga Mathwig).

2. Die dümmsten und lustigsten Reaktionen
(youtube.com, Rezo, Video: 32:09 Minuten)
In seinem Video „Die Zerstörung der Presse“ rechnete Youtuber Rezo mit verschiedenen Medien ab. Dies betraf nicht nur den Boulevard und Titel der Regenbogenpresse, sondern auch ernst zu nehmende Presseorgane und Redaktionen. Ein Dreh- und Angelpunkt seines Videos war eine Recherche, bei der sich der Youtuber angeschaut angeschaut hatte, wie über ihn berichtet wurde. Laut Rezo habe die Berichterstattung von „FAZ“ und „Welt“ eine hohe Fehlerquote aufgewiesen. Beide Medien reagierten auf die Vorwürfe: Die „FAZ“ mit einem halbstündigen „Gegen-Video“, die „Welt“ mit einem „Faktencheck“ aus ihrer Sicht. Nun hat Rezo mit einem erneuten Video geantwortet, das den Eindruck einer zweiten „Zerstörung der Presse“ aufkommen lässt.

3. Zahl der Bilder von Kindesmissbrauch im Netz in Coronakrise stark gestiegen
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
In der Zeit der Corona-Pandemie sei die Zahl der im Netz geteilten Bilder von Kindesmissbrauch sprunghaft angestiegen, so ein Bericht der EU-Polizeibehörde (PDF). Max Hoppenstedt erzählt von den wichtigsten Erkenntnissen der Ermittlerinnen und Ermittler und weist zum Schluss seines Artikels auf die #Say-No-Kampagne von Europol (englisch) hin.

Bildblog unterstuetzen

4. Wie es ist, ohne Chefredaktion zu arbeiten
(journalist.de, Laurenz Schreiner)
An der Deutschen Journalistenschule wird nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch gearbeitet: Ein Teil der Ausbildung umfasse die Produktion eines eigenen Magazins. Dieses Jahr habe sich die Lehrredaktion für ein neues Modell der Zusammenarbeit und gegen die üblichen Funktionsbezeichnungen sowie eine Chefredaktion entschieden. Laurenz Schreiner erzählt, wie es mit dem kollaborativen Team-Modell geklappt hat.

5. Das Gesetz, das Daten sammelt, statt Hass zu verhindern
(zeit.de, Henrik Oerding)
Vergangenen Donnerstag hat der Bundestag das „Gesetz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität“ beschlossen, trotz einiger Bedenken von Fachleuten im Vorfeld. Das neue Gesetz sei zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht, wie Hendrik Oerding in seiner Analyse konstatiert: „Es verhindert Hass im Internet nicht, sondern gräbt bedenklich große Löcher in den Datenschutz aller Nutzerinnen: Es zwingt Internetseiten zur Datenspeicherung, erlaubt dem Bundeskriminalamt (BKA) Passwörter anzufordern und macht soziale Netzwerke zu Pseudopolizisten.“

6. John Bolton: «Grossartig für die USA» – und jetzt glaubwürdig?
(infosperber.ch, Christian Müller)
Donald Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton hat ein Buch über seine Zeit mit dem US-amerikanischen Präsidenten geschrieben, das in zahlreichen Medien bereits vor Erscheinen für viel Aufmerksamkeit sorgt. Christian Müller rät den erwartungsvollen Trump-Kritikern jedoch, „die Geisteshaltung des Autors nicht zu vergessen – oder sich das Lesen ganz zu ersparen“. Bolton habe vor seinem Amtsantritt als Chairman des Think-Tanks „Gatestone Institute“ gewirkt, einer ganz rechten Denkfabrik, die unter anderem für die Veröffentlichung anti-muslimischer Artikel bekannt ist.
Weiterer Lesehinweis (Archiv): Die Geschichtenerzähler: Beim „Gatestone Institute“ entstehen Falschmeldungen, die bis nach Deutschland wandern (correctiv.org, Till Eckert & Cristina Helberg & Tania Röttger).

Julian Reichelt in der Champions League der Heuchler

Eine der großen Stärken von „Bild“-Chef Julian Reichelt war schon immer seine Doppelmoral. Er, der schlimmste Schläger auf dem Schulhof, zeigt sich regelmäßig völlig überrascht/entsetzt/angeekelt, sobald eine Keilerei mal ihn oder „Bild“ betrifft. Die Maßstäbe, die Reichelt bei anderen anlegt, müssen ja keineswegs für ihn oder seine Redaktion gelten. Und damit herzlich willkommen zu Folge 3471 der Serie „Julian gefällt sich in der Opferrolle“.

Gestern, nach dem Bundesligaspiel zwischen der TSG Hoffenheim und Union Berlin, twitterte Holger Kliem, der in Hoffenheim für die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, folgendes (von ihm unkenntlich gemachtes) Foto:

Screenshot eines Tweets von Holger Kliem - Hier schwänzt Bild die Maskenpflicht! Auf allen Bundesliga-Pressetribünen herrscht weiterhin Maskenpflicht nur Bild macht es anders, trotz mehrmaligen Hinweises! - Dazu sieht man ein Foto eines Bild-Reporters, der seinen Mund-Nase-Schutz nicht über Mund und Nase trägt und dabei telefoniert.

Julian Reichelt fand es selbstverständlich gar nicht in Ordnung, dass Kliem öffentlich machte, dass ein „Bild“-Reporter „trotz mehrmaligen Hinweises“ seinen Mund-Nase-Schutz lieber als Kinnschutz verwendete. Der „Bild“-Chef kommentierte bei Twitter:

Screenshot eines Tweets von Julian Reichelt - Gleich zwei deutsche Volkssportarten in einem Stadion: Fußball und Denunziation.

Nun wäre dieser Reichelt-Tweet lediglich eine weitere Folge in der oben erwähnten Serie. Hätte der, der hier laut „Da ist eine Petze!“ ruft, nicht mit seinem Team nur wenige Stunden zuvor selbst und verblüffend ähnlich gepetzt:

Screenshot Bild.de - In Berlin-Tegel - Hier sitzt Kretschmann ohne Mundschutz im Flughafen

In dem Bild.de-Artikel geht es um ein Foto, auf dem Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu sehen ist, wie er am Flughafen ein paar Süßigkeiten isst und dabei — wenig überraschend — keinen Mund-Nase-Schutz trägt. Laut einer Augenzeugin habe Kretschmann auch später keine Maske getragen. Ein Sprecher Kretschmanns sagt hingegen, dass die Maske nur für „ganz kurze Zeit“ nicht aufgesetzt gewesen sei.

Bildblog unterstuetzen

Die Kombination aus Kretschmann-Artikel und Reichelt-Tweet lässt letztlich nur einen logischen Schluss zu: Julian Reichelt und seine „Bild“-Redaktion sind aus Sicht von Julian Reichelt Denunzianten.

Mit Dank an @the_real_urbsi und die vielen Hinweisgeber!

Kochbuchautor goes Antisemitismus, Prinzenfonds, Mallorca-Touristen

1. Attila Hildmann gibt Juden die Schuld – und verteidigt Hitler
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
„Tagesspiegel“-Autor Sebastian Leber berichtet über einen Fall von Antisemitismus im Netz. Der Berliner Kochbuchautor Attila Hildmann behaupte, jüdische Familien würden die „deutsche Rasse auslöschen“ wollen. Neben seinen antisemitischen Ausfällen verbreite Hildmann verstärkt Reichsbürger-Ideologie. Bei der Polizei seien bereits mehrere Strafanzeigen gegen Hildmann eingegangen.
Weiterer Lesehinweis: „Justizministerin Lambrecht verschärft den Kampf gegen strafbare Hetze im Netz mit einem weitreichenden Gesetz. Die Maßnahmen könnten helfen, bergen aber auch Gefahren.“ Max Hoppenstedt analysiert für den „Spiegel“ das neue Gesetz gegen Hate Speech. Der Deutsche Journalisten-Verband hat ebenfalls Bedenken und kritisiert das Antihassgesetz als „Schlag gegen den Informantenschutz und das Redaktionsgeheimnis“.

2. Der Prinzenfonds
(fragdenstaat.de)
Nach Angaben von „FragDenStaat“ geht der Hohenzollern-Vertreter Georg Friedrich Prinz von Preußen mit Abmahnungen und Klagen gegen aus seiner Sicht unerwünschte Berichterstattung vor – vor allem in Zusammenhang mit der Erforschung der Rolle der Hohenzollern im Nationalsozialismus und daraus resultierenden Auswirkungen auf die Entschädigungsforderungen der Familie. Georg Friedrich Prinz von Preußen habe in den vergangenen Jahren dutzende Personen aus Wissenschaft, Journalismus und Politik für Äußerungen zur Geschichte und Gegenwart der Hohenzollern abgemahnt und verklagt. „FragDenStaat“ hat daraufhin einen Rechtshilfefonds für Betroffene gegründet, der sich vor allem über Spenden trägt.

3. Theodor-Wolff-Preis für Hans-Georg Gottfried Dittmann, Katja Füchsel, Tina Kaiser, Katrin Langhans und Julia Schaaf
(bdzv.de)
Der Theodor-Wolff-Preis wird vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) ausgeschrieben und ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Die fünf Preise zu je 6.000 Euro gehen dieses Jahr an Julia Schaaf („FAS“), Hans-Georg Gottfried Dittmann („Mindener Tageblatt“), Katja Füchsel („Tagesspiegel“), Tina Kaiser („Welt am Sonntag“) und Katrin Langhans („Süddeutsche Zeitung“). An der Ausschreibung hätten sich 401 Journalistinnen und Journalisten beteiligt.

Bildblog unterstuetzen

4. nr-Jahresbericht 2019
(netzwerkrecherche.org, Franziska Senkel)
Beim Netzwerk Recherche geht es vor allem um die „Förderung der Bildung durch Vermittlung von Recherchetechniken, Vermittlung von Wissen über professionelle Recherche zur Qualitätssteigerung der Medienberichterstattung, Erfahrungsaustausch über investigativen Journalismus“. Der Blick in den aktuellen Jahresbericht (PDF) ist auch für Nicht-Mitglieder interessant.
Weiterer Teilnahmehinweis: Heute und morgen findet die normalerweise analoge Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche als Webinarreihe statt. Das Thema in diesem Jahr: „Corona und wir – Wie das Virus unsere Arbeit verändert“. Eine Anmeldung ist nötig, die Teilnahme ist kostenlos.

5. So hat Kurzgesagt-Gründer Philipp Dettmer mit Erklärvideos eine Milliarde Views gemacht
(omr.com, Torben Lux, Audio: 1:02:41 Stunden)
Beim „OMR“-Podcast ist Philipp Dettmer zu Besuch, der Gründer des erfolgreichen Youtube-Kanals „Kurzgesagt“. Hinter dem Kanal mit meist zehnminütigen Erklärvideos stecke ein mittlerweile 35-köpfiges Team. Vor sieben Jahren gegründet, habe „Kurzgesagt“ inzwischen 12,2 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten und über eine Milliarde Views. Im Gespräch verrät Dettmer das dahinterstehende Geschäftsmodell und erklärt, welche Themen am besten funktionieren und weshalb „Kurzgesagt“ von der Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt wird.

6. Mallorca-Touristen begeistert von Medien empfangen
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 2:34 Minuten)
„Lockdown beendet: Anfang der Woche durften die ersten Urlauberinnen und Urlauber wieder nach Mallorca fliegen. Allerdings könnte es sein, dass die meisten ‚Urlauber‘ dort einfach Journalistinnen und Journalisten sind.“ Boris Rosenkranz hat das mediale Mallorca-Geplapper in ein zweieinhalbminütiges Video gegossen.

Blättern: 1 2 3