„Katapult“-Effekt, Seehofers „Nicht-Anzeige“, Wumms, Bumms und Rumms

1. Werk und Wirkung
(spiegel.de, Sebastian Fischer)
Sebastian Fischer kommentiert Horst Seehofers „Nicht-Anzeige“ gegen eine „taz“-Kolumnistin. Die gut zwei DIN-A4-Seiten lange Erklärung des Bundesinnenministers sei „Politpoesie für Fortgeschrittene“ eines Politikers, der schwer zu fassen sei: „Seehofers Wendungen – Spitzname: Drehhofer – sind Legion. Das Hin und Her, das So-tun-als-ob, das Heute-hier-morgen-dort sind das Betriebssystem, mit dem der Politiker Seehofer operiert. Erinnern Sie sich noch an die Ansage, er werde keine Koalitionsvereinbarung unterschreiben, die keine Steuersenkung beinhaltet? Oder an die Sache mit der Maut? Oder die Obergrenze für Flüchtlinge? Ist am Ende alles irgendwie gekommen und zugleich auch nicht gekommen. Seehofer ist nicht zu fassen.“
Weiterer Lesehinweis: Die „taz“-Chefredakteurin Barbara Junge kritisiert, Seehofer habe für seine Entscheidung zu lange gebraucht. Für seinen Vorschlag, mit der „taz“-Chefredaktion über die umstrittene Kolumne zu sprechen, hat sie einen Gegenvorschlag: „taz will mit Seehofer in Polizeischule“ (taz.de).

2. Der Hintergrund bleibt stets im Vordergrund
(migazin.de, Clara Herdeanu)
In Zusammenhang mit den jüngsten Geschehnissen in Stuttgart, verwendete die „Bild“-Redaktion in einer Überschrift die Formulierung von den „Deutschen mit Migrationshintergrund“, einem Begriff von dem es oft heiße, es handele sich doch lediglich um eine offizielle und amtliche Bezeichnung. So einfach sei es jedoch nicht, wie die Linguistin Clara Herdeanu erklärt. Die Formulierung sei „ein Paradebeispiel eines sprachlichen Phänomens, das Linguisten als semantischen Kampf bezeichnen. Und das führt uns auch dazu, weshalb diese Formulierung eben nicht nur eine amtliche, vermeintlich neutrale Bezeichnung ist, sondern in ihr auch stets unterschwellig bestimmte Deutungen und Wertungen mitschwingen.“

3. Zeit-Autoren kopieren gesamtes KATAPULT-Buch
(katapult-magazin.de, Benjamin Fredrich)
Der für seine Infografiken und Karten bekannte „Katapult“-Verlag wirft seinem bisherigen (Buch-)Verlag vor, andere Autoren mit der Umsetzung eines Fortsetzungswerks beauftragt zu haben, das dem bisherigen Werk auffällig ähnele. „Katapult“-Chefredakteur Benjamin Fredrich hat sich seinen Frust über den unerquicklichen Vorgang in bemerkenswerter Offenheit von der Seele geschrieben, was sich recht unterhaltsam liest.
Weiterer Lesehinweis: Einer der neuen Autoren des vermeintlich oder tatsächlich abgekupferten Buchs hat auf seiner Website mit einer Stellungnahme reagiert: „Ich kann ja verstehen, dass ihr sauer seid, aber …“ (herrfischer.net, Martin Fischer).

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4. „Die Zuschauer müssen sofort verstehen, worum es geht“
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Der „Fachjournalist“ hat sich mit Peter Kloeppel unterhalten, dem Chefmoderator der Nachrichtensendung „RTL aktuell“. Es geht um Kloeppels Werdegang, den Arbeitsalltag eines Nachrichtenredakteurs, die Entwicklungen im Nachrichtenressort, die Verzahnung von Fernsehen und Onlinemedien sowie die Frage, was Kloeppel Nachrichten-Neulingen rät.

5. Klage wegen ungleicher Bezahlung: ZDF-Reporterin Birte Meier siegt vor Bundesarbeitsgericht
(berliner-zeitung.de, Christine Dankbar)
Nach einem fünfjährigen juristischen Streit hat die ZDF-Reporterin Birte Meier vor dem Bundesarbeitsgericht einen Teilsieg in Richtung gleicher Bezahlung errungen: Das Entgelttransparenzgesetz gelte auch für Beschäftigte eines Unternehmens, die dort nicht im klassischen Sinne festangestellt sind. Meier war bei ihrer Arbeit für das ZDF-Magazin „Frontal21“ aufgefallen, dass nahezu alle männlichen Kollegen mehr verdienten als sie selbst. Der juristische Sieg bezieht sich jedoch nicht auf die ungleiche Bezahlung, sondern nur auf die Anwendung des Entgelttransparenzgesetzes. Dementsprechend kommentiert die Gesellschaft für Freiheitsrechte, welche die Klage begleitet hatte: „Mit dieser Entscheidung ist die Klägerin ihrem Ziel – gleicher Lohn wie die männlichen Kollegen mit vergleichbarer Tätigkeit – jedoch noch nicht nähergekommen. Selbst wenn der herausgegebene Median der männlichen Vergleichsgehälter höher ist, bleibt dies für das ZDF erst einmal ohne Konsequenzen. Das Entgelttransparenzgesetz sieht keinerlei Sanktionen für Arbeitgeber vor. Auch deutschen Gerichten reicht ein höherer Median bislang nicht als Indiz für Diskriminierung.“

6. Wumms, Bumms und Rumms: Hört auf, mit Wählern wie mit Kindern zu sprechen
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm ärgert sich über die Unsitte einzelner Politiker und Politikerinnen, ihre Wähler und Wählerinnen auch sprachlich wie Kinder zu behandeln: „Ob Wumms, Rumms, oder Bumms: Die Infantilisierung der Politrhetorik schreitet voran. Kurze Frage: Wäre es bitte möglich, mit Wählern nicht so zu sprechen, wie mit Waldmenschen, deren Vorfahren noch gemolken wurden?“