Archiv für November 8th, 2019

Bild.de macht Oliver Welke „DROGEN-ÄRGER“ und entdeckt Verpixelung

„Oliver Welke hat DROGEN-ÄRGER mit der Polizei“ titelten sie vorgestern Abend bei Bild.de. Hui!

Doch das, was nach Redaktionsexzessen und Koks auf dem Teleprompter klingt, ist bei genauerer Betrachtung viel, viel unspektakulärer: In der ZDF-Sendung „heute-show“ vom vergangenen Freitag ging es unter anderem um die Legalisierung von Cannabis. Dazu zeigte Moderator Welke in einer Fotomontage einen Polizisten, der einer Frau einen Joint anzündet. Die Aufnahme des Beamten (ohne Feuerzeug in der Hand und auch ohne Frau mit Joint neben sich) hatte sich die „heute-show“ nach eigener Aussage bei einer Fotodatenbank besorgt.

Einem Heilbronner Polizeisprecher gefiel das überhaupt nicht, denn er ist derjenige, der auf dem Bild als Feuerspender zu sehen ist. Informiert war er über die Verwendung des Fotos nicht, schon gar nicht in diesem Kontext. Die Polizei Heilbronn prüfte rechtliche Schritte gegen das ZDF, genauso der Polizeisprecher selbst. Inzwischen hat er eine Entschuldigung des Senders angenommen.

Über den Zwist berichtete Bild.de und brachte dazu eben diese irreführende Schlagzeile auf der Startseite, die eigentlich nur die Assoziation zulässt, dass Oliver Welke Drogen verkauft, Drogen nimmt oder sonst irgendwas mit Drogen am Hut hat:

Screenshot Bild.de - Heute Show - Oliver Welke hat Drogen-Ärger mit der Polizei

Der Bild.de-Artikel hat aber nicht nur eine ziemlich verrenkte Überschrift, die es locker mit jenen in den Knallblättern der Regenbogenpresse aufnehmen kann — er wartet auch mit einer Überraschung auf: Die „Bild“-Redaktion ist technisch in der Lage und willens zu verpixeln. Zu diesem Screenshot aus der „heute-show“ …

Screenshot Bild.de mit einem Screenshot aus der Heute Show - Die Polizei, dein Joint und Helfer

… steht in der Bildunterschrift:

Ein Screenshot der Sendung: BILD hat den Beamten auf der ZDF-Fotomontage gepixelt, die „Heute Show“ zeigte sein Gesicht erkennbar

Sind die „Bild“-Medien nun also die Hüter des heiligen Persönlichkeitsrechts? Nur zur Erinnerung:

Und das ist lediglich eine kleine Auswahl.

Mit Dank an @HoechDominik, Jens W. und Johannes für die Hinweise!

Twitters Taktik, Frontstadt Cottbus, Kriegsreporter

1. Sechs Monate Twittersperre
(tomhillenbrand.de)
Es muss sich sehr frustrierend anfühlen: Der Autor Tom Hillenbrand wird von Twitter zu Unrecht gesperrt, bekommt vor einem deutschen Gericht Recht, erfährt aber trotzdem keine Gerechtigkeit. Das sich hinter seiner Dubliner Firmenadresse verschanzende Sozialen Netzwerk nehme die Einstweilige Verfügung aus Deutschland einfach nicht zur Kenntnis. Twittersperren-Opfer Hillenbrand kommentiert: „Meiner Ansicht nach ist der Gesetzgeber gefordert. Wenn eine Social-Media-Plattform hierzulande Kunden und Geschäft hat, müsste sie eine in Deutschland ansässige Dependance haben, die Korrespondenz entgegennimmt. Bei Fällen, die das NetzDG betreffen, ist das offenbar vorgeschrieben, bei Accountsperren wie meiner hingegen nicht.“

2. Der rbb und Cottbus
(ardaudiothek.de, Sebastian Schöbel, Audio: 25 Minuten)
In bestimmten Cottbusser Kreisen zählen die Reporterinnen und Reporter des rbb zum erklärten Feindbild. Dies äußert sich zum Beispiel bei flüchtlingsfeindlichen Demos, beim Ärger mit rechtsextremen Fußballfans oder beim Berichten über den Rückzug aus der Braunkohle. In der aktuellen Folge des Podcasts „Die erzählte Recherche“ geht es um die schwierige Situation der regionalen Berichterstattung und die Frage: „Was passiert, wenn sich eine Stadt gegen einen Rundfunksender wendet?“

3. „Ich würde mich über AfD-Anhänger freuen“
(tagesspiegel.de, Thomas Gehringer)
Thomas Gehringer hat sich für den „Tagesspiegel“ mit WDR-Talker Jürgen Domian unterhalten, der heute sein TV-Comeback feiert (WDR, 23:30 Uhr). Domian hat in den vergangenen beiden Jahrzehnten mehr als 20.000 Telefongespräche geführt und dabei unter anderem gelernt, dass Menschen „erschreckend abgründig sein können. Das habe ich vorher nicht so gesehen. Auf der anderen Seite habe ich gelernt, wie großartig Menschen sein können. Mutig, tapfer, Vorbilder für andere.“

4. Nein, „Zeit-Online“-Autor Christian Bangel forderte keinen „gezielten Völkermord durch Migration“
(correctiv.org, Till Eckert)
Hat „Zeit Online“-Autor Christian Bangel tatsächlich in einem Artikel den „Genozid am deutschen Volk“ gefordert, wie die Website „Anonymous News“ und ein ehemaliger Katzenkrimi-Autor, der schon mal wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, behaupten? Natürlich nicht! „Correctiv“-Faktenchecker Till Eckert hat die Sache trotzdem noch mal aufgedröselt, zitiert die entsprechenden Passagen, erklärt die von beiden Seiten verwendeten Begriffe und zeigt, warum die Behauptung einfach nur falsch ist.

5. Kriegsreporter – Mythos und Wirklichkeit eines Berufsbildes
(de.ejo-online.eu, Martin Gerner)
Um den Beruf des Kriegsreporters beziehungsweise der Kriegsreporterin ranken sich vielerlei Mythen, doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Martin Gerner erzählt, wie sich Kriegsberichterstattung tatsächlich abspielt. Dazu gehören auch die lokalen Reporter und Reporterinnen, die oftmals die schwere und gefährliche Vorarbeit übernehmen, deren Einsatz jedoch nicht angemessen gewürdigt werde: „Meinem Freund und Kollegen, dem afghanischen Fotojournalisten Massoud Hossaini, habe ich jahrelang nahegelegt, bei seiner renommierten Nachrichtenagentur auf gleichen Versicherungsschutz zu pochen. Er zögerte. Immer wieder. Erst als er den Pulitzer-Preis in den Händen hielt, traute er sich: „Jetzt werden sie mich wohl nicht vor die Tür setzen, wenn ich danach frage.““

6. Sind Memes nun illegal oder nicht?
(twitter.com/docupy, Video: 1:43 Minuten)
Ist das Anfertigen und Posten einer Mem-Bildtafel mit urheberrechtlich geschütztem Material legal oder illegal? Diese Frage hat der Youtuber Rezo Mitgliedern des Bundestages quer durch das Parteienspektrum gestellt. Es gab zwar Antworten, aber echte Sachkompetenz kann man wohl nur einer der Befragten attestieren …