Archiv für März 12th, 2019

Es gibt kein Modern-Talking-Comeback

Die — je nach Musikgeschmack — gute beziehungsweise schlechte Nachricht vorweg: Es wird kein Modern-Talking-Comeback geben. Auch wenn viele Medien das heute behaupten:

Screenshot bz-berlin.de - Live-Konzert im August - Dieter Bohlen feiert Modern-Talking-Comeback in Berlin
(bz-berlin.de)
Screenshot derstandard.at - Dieter Bohlen verkündet via Bild Modern-Talking-Comeback
(derstandard.at)
Screenshot Stern.de - Comeback - Modern Talking kehrt zurück - diesmal ohne Thomas Anders - Ende August wird You're My Heart, You're My Soul wieder in Deutschland auf der Bühne zu hören sein: Modern Talking startet ein Comeback. Das kündigte Dieter Bohlen an. Auf Thomas Anders will er dieses Mal aber verzichten.
(Stern.de)
Screenshot Volksstimme.de - Modern-Talking-Comeback mit Dieter Bohlen
(Volksstimme.de)

Was es gibt: Einen geschickten PR-Schachzug von Dieter Bohlen und „Bild“, und zahlreiche Redaktionen, die mal wieder blind hinterherlaufen.

Tatsächlich kündigt „Bild“ heute exklusiv an, dass Dieter Bohlen nach langer Zeit mal wieder in Deutschland auftreten wird. In der Titelzeile auch das Wort „Comeback“:

Ausriss Bild-Zeitung - Nach 16 Jahren! Dieter Bohlen - Comeback als Modern Talking

Gestern Abend bereits gab es die Meldung bei Bild.de, allerdings ohne das Wort „Comeback“:

Screenshot Bild.de - Das erste Konzert nach 16 Jahren - Warum Dieter Bohlen wieder Modern Talking singt und keine Lust mehr auf Thomas Anders hat

Dass „Bohlen wieder Modern Talking singt“ trifft es deutlich besser als das Gerede vom Modern-Talking-Comeback. Denn: Bohlen wird bei seinem Auftritt im August auch Modern-Talking-Songs spielen. Auch. Genauso werde es aber Songs von „Blue System“ zu hören geben oder welche von „Deutschland sucht den Superstar“. Das steht so auf dem Plakat, das den Bohlen-Auftritt ankündigt. Und Dieter Bohlen erzählt es auch im Interview mit Bild.de:

Auf was dürfen sich die Fans freuen?

Bohlen: „Ich habe 21 Nummer-1-Hits — und die wollen die Fans ja hören. Ich habe die Bands früher immer gehasst, wenn sie ihre alten Hits nicht gespielt haben, sondern den aktuellen Mist, den sie selber gerade gut finden. Am Ende kam dann der Hit. Das ist Mist. Daher spiele ich Modern Talking, Blue System aber auch ‚We have a dream‘ von DSDS oder ‚Midnight Lady‘ von Chris Norman. Ein Abend mit den Meilensteinen meiner Karriere.“

„Ein Abend mit den Meilensteinen“ aus Dieter Bohlens Karriere wird zum Modern-Talking-Comeback. Man stelle sich vor, Paul McCartney singt bei „Carpool Karaoke“ Beatles-Songs. Das wäre dann auch kein Beatles-Comeback. Oder Thomas Anders, Bohlens früherer Partner, spielt auf Konzerten die alten Modern-Talking-Sachen. Genau das macht er auch seit Jahren. Und niemand spricht oder schreibt von einem Modern-Talking-Comeback.

Dass bei vielen Medien nun doch von einem solchen Comeback die Rede ist, und dass das Hashtag #ModernTalking bei Twitter trendet, ist vor allem ein Erfolg für Dieter Bohlen und „Bild“. Denn beide wollen an der Sache verdienen. Bohlen, klar, indem er Tickets verkauft. Und die „Bild“-Redaktion ebenfalls, indem sie Tickets (und Abos) verkauft. Denn die gibt es exklusiv bei Bild.de und nur mit einem „Bild plus“-Abo:

Screenshot Bild.de - Diesen Artikel lesen Sie nur mit Bild Plus - Endlich wieder die Songs von Modern Talking live - Hier gibt es die Tickets für Bohlens Mega-Comeback - Mittwoch, 10 Uhr, startet in diesem Artikel der exklusive Vorverkauf für das erste Deutschland-Konzert von Dieter Bohlen seit 2003!

Türkischer Rausschmiss, Krone gegen Windräder, Rechte Geburtstagsparty

1. Rausschmiss deutscher Korrespondenten
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ („ROG“) fordert die Türkei dazu auf, die willkürliche Ausweisung von Auslandskorrespondenten zu stoppen. Hintergrund: Die türkischen Behörden haben den beiden deutschen Journalisten Jörg Brase und Thomas Seibert die Arbeitserlaubnis entzogen. „So lange Brase und Seibert nicht ihre Akkreditierung zurückbekommen, darf die Bundesregierung sich keinen Illusionen hingeben und zu normalen Beziehungen mit der Türkei übergehen, so wie sie es in den vergangenen Monaten durch zahlreiche Besuche in Istanbul und Ankara versucht hat“, so „ROG“-Geschäftsführer Christian Mihr.
Weiterer Lesehinweis: Im „Tagesspiegel“ berichtet der nunmehr ehemalige Türkei-Korrespondent Thomas Seibert, wie es sich anfühlt, nach 22 Jahren aus dem Land rausgeschmissen zu werden, mit dem er sich äußerst verbunden fühlt. Und er schreibt über Ankaras unmoralisches Angebot an seinen Arbeitgeber, ihn durch einen anderen Korrespondenten zu ersetzen.

2. Entspannt Euch, Leute! Zehn Fragen, mit denen Sie sich vor überhitzten medialen Erregungsblasen schützen
(meedia.de, Daniel Bröckerhoff)
Daniel Bröckerhoff, Journalist und ZDF-Moderator bei „heute+“, hat selbst erlebt, wie leicht einen die Twitter-Empörung mitreißen kann. Nun hat sich Bröckerhoff Gedanken gemacht, wie man den „überhitzten medialen Erregungsblasen die Luft rauslassen“ kann, und dazu einen Zehn-Punkte-Fragenkatalog entworfen.

3. Politik im Direktversand
(sueddeutsche.de, Jens Schneider)
Jens Schneider berichtet von den Social-Media-Aktivitäten der Bundestagsfraktionen. Die größte Zahl an Facebook-Abonnenten mit mehr als 125.000 hat die Linksfraktion. Zum Vergleich: Die AfD-Fraktion hat 82.000. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bei den Partei-Facebookseiten deutlich anders aussieht: Dort haben die Linken 264.000 Abonnenten, die AfD hat 464.000. Der Bundestag ist weder auf Facebook noch auf Instagram zugegen, obwohl durchaus Interesse an der Arbeit des Parlaments besteht: Die Internet-Seite des Bundestags sei im vergangenen Jahr 70,7 Millionen Mal aufgerufen worden, doppelt so oft wie im Jahr zuvor.

4. Die Privatkampagne des Chefs der Salzburg-Krone gegen Windräder
(kobuk.at, Gabriele Scherndl)
In unzähligen Artikeln schrieb die „Salzburger Krone“ gegen einen geplanten Windpark an. Mit einseitigen Informationen, verzerrten Fakten und Verunglimpfungen der Gegenseite, wie Gabriele Scherndl im medienkritischen Watchblog „Kobuk“ anmerkt. Handelte es sich um eine Privatkampagne des „Krone“-Chefs? Auf diese Idee könnte man kommen, denn die massive Kampagne endete mit dem Rückzug des „Krone“-Chefs ins Pensionärs-Leben: „Seitdem erschien keine Titel- oder Doppelseite, kein Kommentar, kein Artikel oder Leserbrief mehr zu dem Thema. Der letzte Text dazu war, wie sollte es anders sein: Ein Leserbrief, in dem Hans Peter Hasenöhrls Einsatz gegen die Windräder gelobt wird.“

5. Eine Party als neurechtes Netzwerk
(belltower.news, Simone Rafael)
Matthias Matussek, ehemals angesehener Journalist bei u.a. „Spiegel“, „Stern“ und „Welt“, hat seinen 65. Geburtstag öffentlichkeitswirksam inszeniert, indem er Teile der Gästeliste und viele Fotos veröffentlichte. Es war eine Art Rechtsaußen-Klassentreffen von Politik und schreibender Zunft. Und mit einem Reinhold Beckmann, der sich (durch sein Gitarrenständchen im wahrsten Sinne des Wortes) instrumentalisieren ließ und dafür auf Facebook mühsam um eine Art Rechtfertigung ringt.

6. Disney+ hat größeres Potenzial als Netflix
(wuv.de, Franz Scheele)
Vieles deutet daraufhin, dass der Unterhaltungskonzern Disney bald einen eigenen Videostreamingdienst an den Start bringt. Disney sitzt auf einem unglaublich wertvollen cineastischen Schatz: Neben der Filmbibliothek der Walt Disney Studios gehören zu Disney auch die Pixar Animation Studios, die Marvel Studios sowie das gesamte „Star Wars“-Imperium. Dementsprechend gut sind die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten: Die amerikanische Investmentbank J.P. Morgan habe in ihrer Prognose von 160 Millionen möglichen Abonnenten gesprochen. Zum Vergleich: Netflix hat derzeit rund 140 Millionen zahlende Kunden.