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PR-Coup, Mediatheken, Falschmedien

1. Lesertäuschung wird bestraft
(tagesspiegel.de, Klaus Beck)
Schleichwerbung bleibt Schleichwerbung, auch wenn man es “Native Advertising” nennt, findet Klaus Beck in seiner “Tagesspiegel”-Kolumne. “Die Täuschung fängt schon beim Begriff an, der ein PR-Coup ist: Werbung in den journalistischen Medieninhalt einzubauen, ist weder neu noch natürlich, sondern eine Kunstform, die längst als Product Placement oder Schleichwerbung bekannt ist. Das erste ist dank EU legal, aber kenntlich zu machen, das zweite immer noch verboten.”

2. Es kann nicht genug Problemzonen geben
(faz.net, Julia Bähr)
Julia Bähr hat sechs willkürlich ausgewählte Frauenzeitschriften auf deren Frauenbild überprüft. Bährs Befund: “Die Dame von Welt ist heute zugleich Bastelfee, Supermodel, Sexgöttin, Karrierefrau und Kuratorin ihrer persönlichen Umgebung. Sie ist blitzgescheit und gerät über kleine rosa Glitzerdinger aller Art aus dem Häuschen.”

3. Mehr Angebot, längere Abrufzeiten: Online-Chef des ZDF möchte Mediathek verbessern
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
“Netzpolitik” macht auf einen Deutschlandfunkbeitrag aufmerksam, in dem es um die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen geht. Diese würden beim Zuschauer oftmals für Frust sorgen, hauptsächlich wegen der komplizierten und undurchsichtigen Regelungen und der kurzen Verweildauer der Beiträge. ARD und ZDF seien mit der Situation auch nicht zufrieden und würden über neuen Modellen brüten, so der Online-Chef des ZDF. In dem Zusammenhang stellt “Netzpolitik”-Autor Markus Reuter die Frage, warum die öffentlich-rechtlichen Sender nicht viel häufiger Creative Commons Lizenzen nutzen würden, um die Inhalte freier zugänglich zu machen.

4. In der dunklen Welt der Falschmedien
(bernerzeitung.ch, Christian Zeier)
Immer mehr selbsternannte Newsportale bringen bewusst falsche Nachrichten in Umlauf, die abertausende Male in den Netzen geliket werden und sich viral verbreiten. Christian Zeier wurde über eine Bekannte eine dieser Falschmeldungen in die Timeline gespült. In seinem Artikel schreibt er über die Parallelnachrichtenwelt von angeblichen Newsportalen, die auf Ideologie statt Fakten setzen würden. Und von der Schwierigkeit, die Dinge richtig zu stellen.

5. Ausländische Journalisten vor Überwachung durch den BND schützen
(reporter-ohne-grenzen.de)
“Reporter ohne Grenzen” hat eine Petition zum Schutz von ausländischen Journalisten vor der Überwachung durch den BND gestartet. Die Organisation fordert den Deutschen Bundestag gemeinsam mit zahlreichen nationalen und internationalen Medien, Verbänden und Menschenrechtsorganisationen auf, den Entwurf des BND-Gesetzes umgehend zu überarbeiten. Die beteiligten Medien und Organisationen würden die globale Massenüberwachung des BND für einen Verstoß gegen die Menschenrechte halten und in der Überwachung von Journalisten einen schwerwiegenden Eingriff in die Pressefreiheit sehen.

6. „Indianische Wunderdiät“ oder „Der Schmu des Manitu“?
(noemix.twoday.net, Michael Nöhrig)
“nömix” hat eine indianische Wunderdiät entdeckt, die in der Tat manches Wunder bereithält. Es beginnt bei der angeblichen Reporterin “Esther Fischer”, die auf anderen Webseiten als Gas-Wasser-Elektro-Installateurin sowie als Teppich-Reinigungsfee wirkt. Und es endet mit Zutaten, die es… Ach lesen Sie am besten selbst.

“The European” wärmt den “Sex-Mob-Alarm” auf

Peter Harzheim, der Präsident des “Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister” (BDS) hat in der “Rheinischen Post” neulich folgenden Vorschlag gemacht: Man könnte doch eine gewisse Zahl Geflüchteter zu Bademeistern ausbilden.

“Uns fehlen Fachkräfte. Darum wäre es fahrlässig, diese Ressourcen nicht zu nutzen”, betonte der BDS-Chef. Außerdem könnten zum Schwimmmeister ausgebildete Flüchtlinge dazu beitragen, dass es in den Bädern seltener zu interkulturellen Konflikten kommt.

Klingt nach einer Idee, die zumindest nichts schlimmer machen würde und vielleicht ein paar Probleme im Schwimm- und Freibadalltag lösen könnte. Sprachschwierigkeiten von ausländischen Badegästen zum Beispiel.

Joachim Nikolaus Steinhöfel, unter anderem Anwalt von Akif Pirinçci und Matthias Matussek, scheint kein Unterstützer von Harzheims Einfall zu sein. Er schreibt bei “The European”:

Full disclosure: Ich bin jetzt nicht mehr dazu gekommen, abschließend zu recherchieren, ab welcher Überdosis Chlorwasser mit nachhaltigen Schädigungen des Denkvermögen zu rechnen ist. Oder beim Springen vom Beckenrand, wenn das Wasser vorher abgelassen wurde.

Aber eigentlich geht es Steinhöfel auch gar nicht um die Sache mit den möglichen neuen Bademeistern. Er will viel lieber über ein anderes Thema sprechen. Das macht er schon im Teaser des Artikels klar, direkt unter der “Mohammad”-Überschrift:

Im Text führt er weiter aus:

Was gibt es bei diesen Temperaturen schöneres, als eine sachkundig ausgeführte Arschbombe in einem öffentlichen Schwimmbad. Sie muss ja nicht unbedingt vom sympathischen Peter Altmaier demonstriert werden, dem 16-Tonner unter den Bundespolitikern. Nur muss ich da gleich etwas Wasser in den Wein kippen. Denn die Meldungen über einem enormen Anstieg sexueller Übergriffe in Schwimmbädern häufen sich. Laut Auskunft der Kriminalpolizei insbesondere Vergewaltigung und sexueller Mißbrauch von Kindern. Die Täter seien in erster Linie “Zuwanderer”, zitiert die “Bild” aus einem internen Polizeidokument.

Folgendes Problem: Es ist längst bekannt, dass der “Bild”-Artikel, auf den Steinhöfel sich bezieht, und der damit verbundene “Sex-Mob-Alarm” völliger Unsinn sind.

Dass Joachim Nikolaus Steinhöfel die “Bild”-Geschichte dennoch vor wenigen Tagen aufgreift, obwohl sie schon längst entkräftet ist, verdeutlicht das Folgeproblem an unsauberer Berichterstattung über Geflüchtete und Zuwanderer: Einmal veröffentlicht, werden die Artikel von Leuten herangezogen, die populistische Thesen in die Welt jagen wollen und die sich nicht sonderlich dafür interessieren, ob eine Meldung stimmt oder nicht, solange sie eine Quelle haben, die zur eigenen Position passt. Da kann man noch so viel richtigstellen.

Mit Dank an @Sancho_P für den Hinweis!

Nachtrag, 27. Juli: Joachim Nikolaus Steinhöfel hat sich zu diesem Beitrag geäußert und führt fünf Punkte an, warum doch alles in Ordnung ist mit seinem Text:

1. Fehler in der Berichterstattung unterlaufen jedem Medium. Sogar der „Süddeutschen“, „Neues Deutschland“ und der „Frankfurter Rundschau“. Ob man das „bildblog“ hier ausnehmen muss, kann ich nicht sagen, da ich ihn in der Regel nicht lese. Es genügt in jedem Falle journalistischen Standards auch der MSM, wenn man sich zum Beleg für eine Behauptung auf andere seriöse journalistische Quellen bezieht. Diese Arbeitsweise genügt auch den rechtlichen Anforderungen an Berichterstattung im Bereich des Persönlichkeits- und Presserechts. Wenn dieselbe Tatsache in der „Bild“ und im übrigen auch in der „Welt“ veröffentlicht wird, besteht kein Anlaß, sie ohne begründete Zweifel nochmals zu überprüfen. „bildblog“ gehört nicht zur notwendigen Lektüre eines Journalisten. Ob dort tatsächlich etwas entkräftet wurde, kann man durch Zufall erfahren. Eine Recherchepflicht auf gerade diesem Medium existiert nicht. Die erkennbare ideologische Schlagseite des Blogs macht es auch in der Regel verzichtbar.

2. Die Quellen hatten den Zweck, die Zunahme an Delikten, insb. Sexualdelikten durch „Flüchtlinge“, insb. in Schwimmbädern zu belegen. Hierbei ist der Tatort Schwimmbad nachrangig, da massenhafte Sexualdelikte durch „Flüchtlinge“, egal wo verübt, grundsätzlich kein Qualifikationskriterium für die Bademeisterschaft zu sein scheinen.

3. Wenn diese Masse an Sexualdelikten von „Flüchtlingen“ aber gegeben ist, ist es für die Zielrichtung des Artikel nachrangig, ob die Quelle stimmt. Stimmt die Behauptung trotzdem, wäre eine falsche Quelle unerfreulich, aber sekundär. Denn die aufgestellte Behauptung ist wahr.

4. Öffentlich zugänglichen Quellen wie Presseberichten und Angaben der Polizei sind mindestens 747 sexuelle Übergriffe, 107 (auch versuchte) Vergewaltigungen und 600, auch sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche durch „Flüchtlinge“ zu entnehmen.

5. Vor dem geschilderten Tatsachenhintergrund den von mir verfassten Artikel zu kritisieren, ist tatsächlich „unsaubere Berichterstattung“. Oder, um in der Terminologie des Autoren des „bildblog“ zu bleiben: Linke Hetze.

Joar.

Deformationsthesen, Abgehoben, Feuer und Flamme

1. Aufklärung oder Animationsarbeit? Zur Deformation des Journalismus
(carta.info, Hans-Jürgen Arlt & Wolfgang Storz)
Das Geschäftsmodell vieler Medienhäuser basiere längst nicht mehr auf dem Verkauf von Information, sondern auf dem Verkauf von Aufmerksamkeit, so lautet die Botschaft des Thesenpapiers zur “Deformation des Journalismus”. Dies würde jedoch nicht offen zugegeben. Desorientierung des Publikums und Ansehensverluste seien die Folge. Die Publizistik- und Kommunikationsexperten Arlt und Stolz haben neun Thesen über eine “Industrie am Scheideweg” entwickelt.

2. Redaktionen für Reklame
(sueddeutsche.de, René Martens)
Zahlreiche Unternehmen setzen auf “Content Marketing” und sprechen ihre Zielgruppe mit Informations- oder Unterhaltungsangeboten an, die auf das eigene Produkt oder Unternehmen abstrahlen sollen. Die Otto-Brenner-Stiftung hat untersuchen lassen, wie diese Kommunikationsform wirkt und welche Folgen sie für die Medienbranche hat. René Martens von der “SZ” pickt einige interessante Ergebnisse heraus und lässt den Studienleiter zu Wort kommen.

3. Number26 antwortet so nicht
(handelsblatt.com, Martin Dowideit & Yasmin Osman)
Die Smartphone-Bank “Number26” hat sich von zahlreichen ihrer Kunden getrennt. Anlass vieler Kündigungen sollen Bargeldabhebungen gewesen sein, die für die Kunden kostenlos waren, das Unternehmen jedoch nach eigenen Angaben 1,50 bis 2,00 Euro je Abhebung kostete. Da das Unternehmen selbst damit wirbt, weltweit kostenlos Geld abheben zu können, verursachte die Kündigungsaktion in den sozialen Medien einigen Wirbel. Nachdem sich das Handelsblatt auf Twitter einen Rüffel des Firmengründers eingefangen hatte, bot es ein Interview an, zu dem es nach anfänglicher Zusage jedoch nicht kommen sollte.

4. Das ist Spitze!
(taz.de, Anne Fromm)
Immer wieder taucht der Vorwurf auf, die AfD genieße in den Medien eine zu hohe Aufmerksamkeit und Vertreter der Partei säßen zu häufig in Talkshows. Die “taz” hat nachgezählt und kommt zum Ergebnis: Das hängt vom Thema ab. Gauland und Petry würden sich jedoch in Richtung Gästelistenspitze bewegen.

5. Wieso bei Brexit-Fans die EU-Flagge so schlecht brennt
(morgenpost.de, Lars Wienand)
In der politischen Auseinandersetzung kommt dem Verbrennen von Flaggen eine besondere Symbolkraft zu. Heute vielleicht mehr denn je, denn die Entflammungsfilmchen lassen sich öffentlichkeitswirksam auf sozialen Netzwerken verbreiten. Im Zuge der bevorstehenden Brexit-Abstimmung taucht nun erneut das Video auf, das einen Mann beim (misslungenen) Verbrennen einer EU-Flagge zeigt. Schuld daran soll eine EU-Verordnung zur Entflammbarkeit von Flaggen sein, so die englischen Nationalisten und EU-Hasser. Die Pointe: Das Gegenteil ist der Fall, in Großbritannien gelten bei Textilien höhere Anforderungen an den Brandschutz…

6. Tagesschau bietet Kurzvideos für soziale Netzwerke an
(horizont.net)
Die “Tagesschau” bietet in einem Versuchsprojekt GIFs zur Einbindung auf Facebook und Co. an. Stoße das Projekt auf das Interesse der User, wolle man das Angebot (derzeit sind es neun Kurzfilmchen aus verschiedenen Jahrzehnten “Tagesschau”) ausbauen. Man hat dafür einen eigenen Kanal eingerichtet.

Flüchtlingsmythen, Rechtsschwung, FC Bayern

1. Flüchtlingsforschung gegen Mythen 3
(fluechtlingsforschung.net)
Das “Netzwerk Flüchtlingsforschung” ist ein multidisziplinäres Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die zu Zwangsmigration, Flucht und Asyl forschen. Die Feststellung der ForscherInnen: Immer wieder würden Politikerinnen und Politiker sowie Personen des öffentlichen Lebens fragwürdige Behauptungen in den Raum stellen, die durch Medien aufgegriffen und teils zu Stammtischparolen würden. Dabei würden häufig Stereotypen über Asylsuchende gefördert, die als Fakten dargestellt werden, doch im besten Fall nicht viel mehr als Annahmen seien. Im Blog greifen die WissenschaftlerInnen typische Behauptungen auf und klopfen sie auf ihren Wahrheitsgehalt ab.

2. Was Werbung im Radio darf: das Wichtigste zum Sponsoring
(blmplus.de, Gerhard Kriner)
Im Blog der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien beschäftigt man sich mit dem Thema Sponsoring im Radio. Die Hörer würden Sponsoring als Werbung verstehen und viele Radiosender würden es ihren Werbekunden als ebensolche anbieten. Doch in den Werbe- und Sponsoringbestimmungen des Rundfunkstaatsvertrags sei festgehalten, dass Sponsoring eben keine Werbung sei und nicht “werblich” daherkommen dürfe. Diese Konstellation sorge natürlich für Probleme in der Werbeaufsicht. Der Artikel beschreibt, was erlaubt und was verboten ist.

3. “Journalismus der Zukunft” – der fünfte Pfeiler der Qualität: Recherchiere immer!
(kress.de, Paul-Josef Raue)
Paul-Josef Raue ist zusammen mit Wolf Schneider der Autor des “Handbuch des Journalismus”, das vielen als das Standardwerk der schreibenden Zunft gilt. Auf “kress.de” erscheint eine bislang sechzehnteilige Artikelserie über den Journalismus der Zukunft und journalistisches Handwerk. Im aktuellen Beitrag geht es um den “fünften Pfeiler der Qualität”, die Recherche. Freundliche Skepsis sei für den Journalisten wichtig, aber: “Die Skepsis sollte ihn aber nicht verschlingen, er sollte ihr folgen mit einem fröhlichen Pfeifen – auch in dem Wissen, dass seine Leser nicht nur von Problemen umgeben sein wollen.”

4. Konkurrenz für Griechenlands mächtige Medienbarone
(de.ejo-online.eu, Bryn Retherford)
In Griechenland sind die Medien nach Meinung der Wissenschaftlerin und Journalistin Bryn Retherford derart eng mit Wirtschaftsinteressen verflochten, dass objektive Berichterstattung auf der Strecke bleibe. Das Medienprojekt “AthensLive”, an dem Retherford als Redaktionsmanagerin beteiligt ist, will eine Alternative zu den griechischen Mainstream-Medien bieten. Die Plattform sei eine Kooperation zwischen griechischen und internationalen Journalisten. Durch Crowdfunding finanziert wolle man englischsprachige Berichterstattung, Analyse und Kommentare aus Athen und ganz Griechenland liefern..

5. Wie weit nach rechts rückt Europa?
(blog.zeit.de, Philip Faigle)
“Zeit”-Blogger Philip Faigle greift den Artikel der “New York Times” zum Thema Rechtsschwung in Europa (How Far Is Europe Swinging to the Right?) auf, der als gutes Beispiel für Datenjournalismus gelten kann. Für alle, die keine Zeit für den langen englischsprachigen Artikel haben, destilliert Faigle wesentliche Aussagen des Artikels heraus.

6. Stellungnahme Dietrich Schulze-Marmeling zum FC Bayern in der NS-Zeit
(zeitspiel-magazin.de, Hardy Gruene)
Wie hat sich der FC Bayern in der NS-Zeit verhalten? Ein aktueller Artikel des “Spiegel” (Bezahlartikel) kommt zum Schluss, dass der FC Bayern entgegen eigener Beteuerungen keineswegs Distanz zum Regime hielt. Die Sache wird kontrovers diskutiert. Auch von Dietrich Schulze-Marmeling, dem Verfasser des Buches „Der FC Bayern und seine Juden. Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur“.
(Zum Weiterlesen: “Nicht besser oder schlechter” im Blog des “Spiegel” und “Die Bayern waren nicht so schlimm wie andere Vereine” in der “SZ” (Bezahlartikel).

Verlegertreff, Schweizer Käse, Ruthe-Apell

1. “Jetzt hilft nur noch ein Nobelpreis”
(boersenblatt.net, Holger Heimann)
Unter dem Motto “Verlage (in) der Zukunft” haben sich drei Verleger Gedanken über die Planbarkeit des Erfolgs und das Bild von Verlagen in der Öffentlichkeit gemacht: Felicitas von Lovenberg, seit etwa 50 Tagen Verlegerin des Piper-Verlags, Hanser-Verleger Jo Lendle und Jonathan Beck vom Verlag C.H. Beck. Letzterer klagte: “In den letzten Jahren hat es eine ganze Reihe von Entscheidungen gegeben, die ein Bild von Verlagen als bloße Verwerter transportieren, die Manuskripte lediglich an Druckereien weitergeben und arme Autoren dazu zwingen, für sie ungünstige Verträge zu unterschreiben”. Was für ein Wunder möchte man hinterherrufen, wenn man liest, wie unsouverän die anwesende Kulturstaatsministerin mit der höchstrichterlichen Entscheidung umgeht, der nichterlaubten Selbstbedienung der Verlage an den VG-Wort-Einnahmen (Ministerdeutsch: “bewährte Praxis”) endlich ein Ende zu bereiten.

2. Niederländer sollen mit Kritik an Erdogan vorsichtig sein
(faz.net)
Der türkische Ministerpräsident weitet seine Zensurzone auf immer mehr Länder aus und wertet anscheinend soziale Netze aus. Nun hat der niederländische Außenminister Bert Koenders seine Landsleute zur Vorsicht ermahnt. Es gebe „keine Garantien“ für Niederländer, die sich etwa in sozialen Netzwerken kritisch zur türkischen Führung geäußert hätten und dann in die Türkei reisten, sagte Koenders bei einer Parlamentsdebatte am Dienstag.

3. Regelwerk mit Lücken an den entscheidenden Stellen
(de.ejo-online.eu, Silke Fürst & Mike Meißner)
Wie groß die Angst vor sinkenden Werbeerlösen in der Zeitungsbranche sein muss, kann man derzeit in der Schweiz sehen. Da fordert der Chef der “Basler Zeitung” die Anzeigenkunden auf, gegen missliebige Berichterstattung vorzugehen und verteidigt sogar einen Boykott: Inserierende Unternehmen müssten sich nicht „auf der Nase rumtanzen“ lassen. Und der Verlegerpräsident Lebrument verstieg sich in der “NZZ” sogar zu der Aussage, dass die saubere Trennung zwischen redaktionellem Teil und Werbung heute nicht mehr funktioniere und “Kompromisse” notwendig seien. Im Artikel kommen verschiedene Stimmen zu Wort, auch jene, die diese Aussagen problematisieren.

4. Wie man Leser verhohnepipelt
(bilanz.de, Wolf Schneider)
Journalistenlegende Wolf Schneider (u.a. Korrespondent der “Süddeutschen Zeitung” in Washington, Chefredakteur der “Welt”, Moderator der NDR-Talkshow, Gründer und Leiter der Henri-Nannen-Schule) meldet sich auch noch mit 90 regelmäßig zu Wort. In seinem neuen Artikel nimmt er einen Brockhaus-Eintrag auseinander und seziert ein verzwirbeltes Satzmonstrum aus der „Frankfurter Allgemeinen Woche“. Schneider macht Texte verständlicher, indem er sprachlichen Ballast abwirft und die Lesbarkeit verbessert. Das ist nicht nur für Journalisten interessant, sondern für jeden Schreibenden.

5. Ruthe zum Tag des geistigen Eigentums
(facebook.com/ruthe.de)
Cartoonist Ralph Ruthe gehört zu den meistbestohlenen Comic-Künstlern im Netz. Anlässlich des “Tags des geistigen Eigentums” schreibt er, mit welchen Übernahmen er leben kann und mit welchen nicht. Und er geht mit viel Geduld und Höflichkeit auf all die gängigen Argumente der Kopierbefürworter ein (“Das ist doch Werbung für dich!”).

6. “sanft & sorgfältig” jetzt bei Spotify | NDR
(Daniel Bouhs, Video, 7:35)
Hinter dem Erfolg einer Radiosendung steht auch immer ein Programmchef, der diese mitverantwortet. Im Fall von Deutschlands beliebtester Radiosendung “sanft & sorgfältig” mit Jan Böhmermann und Olli Schultz ist es RadioEins-Chef Robert Skuppin. Im Interview zum Wechsel von Böhmermann und Schulz zu Spotify erklärt er auf sympathisch gelassene Art, warum er auf den privaten Streamingdienst richtig sauer ist, auf Jan Böhmermann und Oli Schulz dagegen nicht.

They don’t give a duck


Danke an Sidney G.

***


Danke an Volker S.

***


Danke an Jan K.

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Danke an Ulrike D.

***


Danke an Jim-Alan S.

Mit Dank an Johannes R. für die Überschrift!

Vergessene Themen, Rechtsextreme, Dominatoren-Orakel

1. Journalistinnen
(freitag.de, Katja Kullmann)
Passend zum heutigen Weltfrauentag stellt die stellvertretende Chefredakteurin des “Freitag” einige berühmte Journalistinnen in einem “Kolleginnenlexikon” vor. Die Liste reicht von historischen Figuren aus dem Beginn des Print-Zeitalters bis hin zu zeitgenössischen “Fernsehfrauen” wie Anja Reschke und Dunja Hayali.

2. Blinde Flecken in der Berichterstattung
(de.ejo-online.eu, Susann Eberlein)
Die “Initiative Nachrichtenaufklärung” (INA) veröffentlicht jedes Jahr eine Liste mit zehn in den Medien vergessenen Themen. Susann Eberlein hat sich mit dem Geschäftsführer des Vereins über die Arbeit des Vereins, die Auswahl der Themen und den Einfluss der Liste auf die Medienberichterstattung unterhalten. Die ersten drei Plätze der vernachlässigten Nachrichten belegen übrigens die Finanzierung von Nuklearwaffen durch deutsche Finanzinstitute, das millionenschwere EURATOM-Abkommen zur Förderung der Atomkraft und die Tatsache, dass K.O.-Tropfen nahezu unkontrolliert über das Internet bestellbar sind.

3. „Die New York Times der Millennials“
(netzoekonom.de, Holger Schmidt)
Wenn man sich das Durchschnittsalter von Tagesschau-Zuschauern (63), CNN-Sehern (63) oder Fans der konservativen Fox-News anschauen würde, könnte man denken, dass junge Menschen nicht an Nachrichten interessiert seien. Dass dem nicht so ist, beweise u.a. die amerikanische Webseite “Mic”, die auch als “New York Times der Millennials” bezeichnet werde. Um Geschichten “relevant” zu machen, würden sie aus der Perspektive von jungen Menschen erzählt. Außerdem seien die Inhalte für Smartphones optimiert. Autor Holger Schmidt beschreibt die Vorgehensweise der erfolgreichen News-Seite und liefert einige interessante Daten über Nachrichtenmedien im Allgemeinen.

4. Einfach mal dreißig Minuten Zeit
(faz.net, Gina Thomas)
Gegen den Trend der Zeit ist in Großbritannien eine neue Tageszeitung erschienen. Das Blatt heißt “The New Day”, und es richtet sich an eine Zielgruppe im Alter zwischen 35 und 55 Jahren. Mit einem Team von 25 Redakteuren will man leichtverdauliche Nachrichtenkost anbieten. In großzügiger Aufmachung und in, was die wesentlichen Nachrichten anbelangt, flapsig formulierten Zehnzeilern.

5. Rechtspopulistische Gesprächsstrategien – Eine Übersicht
(netz-gegen-nazis.de, Simone Rafael)
Rechtsextreme bedienen sich in der Diskussion in sozialen Netzwerken oft rhetorischer Tricks und Kniffe. Wie man den Gesprächsstrategien von Rechtsaußen nicht auf den Leim geht, verrät die Übersicht mit den neun häufigsten Strategien der Gegenseite und Empfehlungen für argumentative Konter.

6. Jan Böhmermann macht die meisten Schlagzeilen / Kai Diekmann auf Platz 2
(horizont.net, Tim Theobald)
Die Medienplattform “Recherchescout” hat 300 Journalisten orakeln lassen, welche Medienschaffende dieses Jahr die Schlagzeilen beherrschen werden und ein Top-10-Ranking der zukünftigen News-Dominatoren erstellt.

Angriffe auf Journalisten, Todsünden, “The Westport Independent”

1. Tagesspiegel-Autor Helmut Schümann angegriffen
(tagesspiegel.de)
Der “Tagesspiegel”-Kolumnist Helmut Schümann ist von hinten niedergeschlagen worden, der Angreifer rief offenbar: “‘Du bist doch der Schümann vom Tagesspiegel, du linke Drecksau'”. Schümann hatte sich in der Flüchtlingsdiskussion zuvor deutlich positioniert. Bei Facebook schreibt er, dass er sich nicht einschüchtern lassen wolle, in der “taz” äußert er sich ebenfalls zum Angriff. Dazu auch “Meedia”: Gestern ist ein Videoteam der “Welt” bei einer Neonazi-Demo attackiert worden.

2. “Bild”, de Maizière und ein Schinkenteller auf Mallorca
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky)
Innenminister Thomas de Maizière ist gerade von einer schweren Grippe genesen, hat wochenlang mehr oder weniger durchgearbeitet und saß mit hohem Fieber auf Flüchtlingsgipfeln. Jetzt macht er einen Kurzurlaub auf Mallorca. Für die “Bild”-Zeitung ist das ein Grund zur Empörung. Angeblich “flüchtet” de Mazière vor der Krise, der stellvertretende “Bild”-Chefredakteur Béla Anda kommentiert: “instinktlos!” Claudia Tieschky fragt: “Ist das noch Bericht oder schon Kampagne?”

3. Die “sieben Todsünden” der Nachrichten
(deutschlandfunk.de, Marco Bertolaso)
Die Nachrichtenredaktion des “Deutschlandfunks” will mit den Hörern in Kontakt kommen und sich der Kritik stellen — “per Post und per Mail, über die sozialen Medien, am Telefon und manchmal tatsächlich sogar noch per Fax”, nur Brieftauben seien etwas aus der Mode gekommen. Bestimmte Vorwürfe werden dabei besonders oft geäußert. Marco Bertolaso relativiert sieben dieser Anschuldigungen.

4. Instagram: Märchenstunde im Bayerischen Rundfunk
(buggisch.wordpress.com, Christian Buggisch)
Christian Buggisch hält das BR-Computermagazin für “naiv und wirklichkeitsfremd”. Zuhörer bekämen den Eindruck, dass Soziale Medien “gefährlicher Unfug” seien. Die Redakteure würden die Welt mit der “Brille des Datenschützers” betrachten und die Realität nur schwarz und weiß sehen: “Datenschutz ist gut, alles andere böse.” Seine Beobachtung belegt er an einer Sendung über Instagram, die “nicht nur tendenziös, sondern auch schlecht recherchiert” sei. Buggischs Fazit: “Aber eher fährt ein Fisch Fahrrad als dass im Computermagazin des BR mal ausgewogen über soziale Medien berichtet wird.”

5. “Straßengezwitscher”: Twitterprojekt erhält Auszeichnung für Zivilcourage
(tagesschau.de, Siegbert Schefke, Video, 1:43 Minuten)
Mit ihrem Twitter-Account “Straßengezwitscher” berichten zwei Dresdner seit einigen Monaten von “Pegida”-Aufmärschen. Gestern haben sie für ihren Einsatz gegen Rassismus und Antisemitismus den “Preis für Zivilcourage” verliehen bekommen.

6. Lügenpresse als Spiel
(dradiowissen.de, Thomas Ruscher, Audio, 5:33 Minuten)
Nachrichten auswählen, Überschriften drübersetzen — das Computerspiel “The Westport Independent” simuliert die Arbeit in der Redaktion einer Tageszeitung. Allerdings in einem Staat, der am Rande eines Bürgerkriegs steht. Jede Schlagzeile kann das Land weiter in die Krise führen. Die Stärke dieses “politischen Games” ist laut Thomas Ruscher der ständige Zwiespalt: “Befolgt der Spieler seine Anweisungen und Befehle, oder handelt er nach seinem Gewissen?”

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