Angriffe auf Journalisten, Todsünden, „The Westport Independent“

1. Tagesspiegel-Autor Helmut Schümann angegriffen
(tagesspiegel.de)
Der „Tagesspiegel“-Kolumnist Helmut Schümann ist von hinten niedergeschlagen worden, der Angreifer rief offenbar: „‚Du bist doch der Schümann vom Tagesspiegel, du linke Drecksau'“. Schümann hatte sich in der Flüchtlingsdiskussion zuvor deutlich positioniert. Bei Facebook schreibt er, dass er sich nicht einschüchtern lassen wolle, in der „taz“ äußert er sich ebenfalls zum Angriff. Dazu auch „Meedia“: Gestern ist ein Videoteam der „Welt“ bei einer Neonazi-Demo attackiert worden.

2. „Bild“, de Maizière und ein Schinkenteller auf Mallorca
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky)
Innenminister Thomas de Maizière ist gerade von einer schweren Grippe genesen, hat wochenlang mehr oder weniger durchgearbeitet und saß mit hohem Fieber auf Flüchtlingsgipfeln. Jetzt macht er einen Kurzurlaub auf Mallorca. Für die „Bild“-Zeitung ist das ein Grund zur Empörung. Angeblich „flüchtet“ de Mazière vor der Krise, der stellvertretende „Bild“-Chefredakteur Béla Anda kommentiert: „instinktlos!“ Claudia Tieschky fragt: „Ist das noch Bericht oder schon Kampagne?“

3. Die „sieben Todsünden“ der Nachrichten
(deutschlandfunk.de, Marco Bertolaso)
Die Nachrichtenredaktion des „Deutschlandfunks“ will mit den Hörern in Kontakt kommen und sich der Kritik stellen — „per Post und per Mail, über die sozialen Medien, am Telefon und manchmal tatsächlich sogar noch per Fax“, nur Brieftauben seien etwas aus der Mode gekommen. Bestimmte Vorwürfe werden dabei besonders oft geäußert. Marco Bertolaso relativiert sieben dieser Anschuldigungen.

4. Instagram: Märchenstunde im Bayerischen Rundfunk
(buggisch.wordpress.com, Christian Buggisch)
Christian Buggisch hält das BR-Computermagazin für „naiv und wirklichkeitsfremd“. Zuhörer bekämen den Eindruck, dass Soziale Medien „gefährlicher Unfug“ seien. Die Redakteure würden die Welt mit der „Brille des Datenschützers“ betrachten und die Realität nur schwarz und weiß sehen: „Datenschutz ist gut, alles andere böse.“ Seine Beobachtung belegt er an einer Sendung über Instagram, die „nicht nur tendenziös, sondern auch schlecht recherchiert“ sei. Buggischs Fazit: „Aber eher fährt ein Fisch Fahrrad als dass im Computermagazin des BR mal ausgewogen über soziale Medien berichtet wird.“

5. „Straßengezwitscher“: Twitterprojekt erhält Auszeichnung für Zivilcourage
(tagesschau.de, Siegbert Schefke, Video, 1:43 Minuten)
Mit ihrem Twitter-Account „Straßengezwitscher“ berichten zwei Dresdner seit einigen Monaten von „Pegida“-Aufmärschen. Gestern haben sie für ihren Einsatz gegen Rassismus und Antisemitismus den „Preis für Zivilcourage“ verliehen bekommen.

6. Lügenpresse als Spiel
(dradiowissen.de, Thomas Ruscher, Audio, 5:33 Minuten)
Nachrichten auswählen, Überschriften drübersetzen — das Computerspiel „The Westport Independent“ simuliert die Arbeit in der Redaktion einer Tageszeitung. Allerdings in einem Staat, der am Rande eines Bürgerkriegs steht. Jede Schlagzeile kann das Land weiter in die Krise führen. Die Stärke dieses „politischen Games“ ist laut Thomas Ruscher der ständige Zwiespalt: „Befolgt der Spieler seine Anweisungen und Befehle, oder handelt er nach seinem Gewissen?“