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“Bild”-Leser wissen weniger

Anders als Mainhardt Graf Nayhauß in seiner heutigen “Bild”-Kolumne schreibt, heißt der “Schuhverkaüfer” [sic!], der bei der Europa-Premiere von “King Kong” als Berlusconi auftrat, nicht Maurizio Antonius, sondern Maurizio Antonini.

Der Mann hatte schon Nayhauß’ Kollegen Iris Rosendahl und Jürgen Wenzel schwer verwirrt: “Und plötzlich tauchte da ein Staatsgast auf”, schrieben sie am Donnerstag in “Bild” über den “herrlichen” “Berlus-King-Kong” und blieben ratlos: “Isser’s oder isser’s nicht”?

Nayhauß war einen Tag später nur wenig schlauer. Dass die Doppelgänger-Aktion ein PR-Gag für den Berlusconi-kritischen Film “Bye, bye, Berlusconi” war, wusste er entweder nicht oder fand es nicht erwähnenswert.

Die Information, dass der echte Berlusconi “derweil in der Mailänder Oper erwartet” wurde, scheint Nayhauß dagegen exklusiv zu haben. Seine Kollegin von der “Berliner Morgenpost” behauptet jedenfalls, persönlich in Rom nachgefragt und erfahren zu haben, dass Berlusconi im Palazzo Chigi, dem Sitz des Ministerpräsidenten in Rom, ein “Meeting” hatte.

P.S.: Als Punkt 10 seiner grundsätzlich aus Superlativen bestehenden “Top-10 der Woche” schreibt Nayhauß:

Der neuste Polit-Witz

… lautet: Wo geht es denn zum Aufbau Ost? Antwort: Immer den Bach runter.

Nun ja. Der stand schon am 21. Juli 2005 im “Tagesspiegel”, am 21. Januar 2005 im “Freitag” und am 11. November 2000 in der “Mitteldeutschen Zeitung”, die ihn in der “Wende-Revue” des “neuen theaters” gehört hatte.

Danke an Filippo R.!

Bild.de und seine Spleens!

Hey, Recherchieren kann ja jeder. Die wahre Kunst ist es, “Stille Post” mit Schwerhörigen zu spielen und das Ergebnis trotzdem für wahr zu halten.

Bild.de hat eigens für dieses Spiel eine eigene Rubrik eingerichtet. Sie nennt sich “Internet-Klatsch” und gestern stand darin unter anderem etwas über die Schauspielerin Claire Danes:

Hollywood-Stars und ihre Spleens! So zum Beispiel Claire Danes (25). Die “Romeo & Julia”-Beauty scheint ein wenig verschreckt zu sein! Auf der Psycho-Coach erzählte sie ihrem Therapeuten von angeblichen Geistern in ihrer Nähe. Im Interview verrät sie laut Internetdienst “FemaleFirst”: “Ja! Oh, mein Gott, ja! Ich meine, natürlich hatte ich Ärger. Ich habe Geister und so ein Zeugs gesehen, aber das hing von dem New Yorker Umfeld ab, glaub’ ich… In New York City geht jeder zur Therapie.“ Is’ schon klar! Na, solange sie ihren Therapeuten nicht für ein Ghost Buster hält…

Mal abgesehen davon, dass wir mit Grammatik, Orthographie und Inhalt des letzten Satzes einige Probleme haben, ist das doch eine merkwürdige Geschichte. Zum Glück kann man sie ja bei “FemaleFirst” nachlesen. Dann stellt man fest, dass Bild.de ein nicht unwesentliches Detail weggelassen hat: Frau Danes hat nämlich nicht gestern oder voriges Jahr Geister gesehen, sondern als Kind.

Ebenfalls weggelassen hat Bild.de die eigentliche Quelle für die Zitate. Die gibt “FemaleFirst” an: Es handelt sich um die britische Zeitung “The Guardian”. Und dort schließlich klärt sich auch diese scheinbar zusammenhangslose Formulierung “Yeah! Oh my God, yeah!”, die in der Form, wie Bild.de sie zitiert, den Eindruck erweckt, als sei Frau Danes völlig durchgeknallt. Tatsächlich hat “FemaleFirst” die Reihenfolge des Zitates verändert. Im Original heißt es:

“In New York City, everybody goes into therapy.” When they’re six? “Yeah! Oh my God, yeah!”

(“In New York City geht jeder zur Therapie.” Schon mit sechs Jahren? “Ja. Oh mein Gott, ja!”)

Ach, und hat Bild.de wirklich “Psycho-Coach” geschrieben? Ja. Oh mein Gott, ja!

Nachtrag, 9. Dezember, 9.13 Uhr: Claire Danes ist übrigens nicht “(25)”, sondern 26 Jahre alt.

Nachtrag, 12. Dezember: Bild.de hat offenbar den Versuch aufgegeben, den Beitrag über Claire Danes zu korrigieren, und ihn komplett gestrichen.

Mit Harry Potter kennt “Bild” sich aus

Am 31. Dezember 1999 erschien in der amerikanischen Zeitschrift “People” ein Interview mit der Schriftstellerin J. K. Rowling. Darin sagte sie, dass sie das letzte Kapitel des letzten “Harry Potter”-Buches schon geschrieben habe. Sie überarbeite das zwar ständig, aber im Moment laute das letzte Wort “scar”.

Nicht einmal sechs Jahre später hatte Bild.de Wind von dieser Neuigkeit bekommen:

Obwohl top-secret, sickerte das letzte Wort des Buches bereits durch: "scar", "Wunde..."

Tja: Anscheinend haben nicht nur “top-secret” und “durchsickern” bei “Bild” eine andere Bedeutung, sondern auch “scar”, das man landläufig mit “Narbe” übersetzt. Es ist für Harry Potter ein relativ unspektakuläres Wort, denn eine Narbe trägt er seit dem ersten Band auf der Stirn.

Nach mehreren Stunden hat Bild.de heute abend die Übersetzung von “scar” schließlich korrigiert. Und vielleicht erbarmt sich dort auch noch jemand des Darstellers von Harry Potter und ändert die Schreibweise seines Namens von “Daniel Ratcliff” in “Daniel Radcliffe“. Dass jemand den ganzen anderen Quatsch korrigiert, damit ist ja nicht zu rechnen.

Danke an die vielen Hinweise!

Nachtrag, 23.15 Uhr: Der Name ist nun korrigiert worden.

Symbolfoto XX

Gnadenlos: Die DSDS-Juroren Dieter Bohlen, Silvia Kollek und Hienz Henn zeigen den Kandidaten die kalte Schulter.

Jaha, so fies sind die bei “Deutschland sucht den Superstar”: wenden jungen Menschen, die “all’ ihre Hoffnungen auf diesen einen Moment” gesetzt haben (“Bild”), einfach gnadenlos den Rücken zu. Die Zeitung fragt heute scheinbar besorgt: “Wie übersteht man als Kandidat den ‘Superstar’-Rausschmiß”, und illustriert das Thema u.a. mit diesem Foto, das ja auch für sich spricht…

…außer, dass sich die Juroren gar nicht aus Gemeinheit umgedreht haben, sondern um einer Kandidatin einen Gefallen zu tun. RTL beschreibt die Szene so:

Die 18-jährige Mandy war beim Casting in Köln zuerst so nervös, dass sie keinen Ton heraus brachte. Damit sie lockerer wurde, drehte die Jury sich kurzerhand um.

Danke an Sven K. für den Hinweis!

Das Wunder vom Glottertal

Morgen gibt es eine neue Folge der “Schwarzwaldklinik” mit Klausjürgen Wussow. Soviel darf als gesichert gelten — da ist sich “Bild” sogar mit “Bild” einig. Ungefähr alle weitergehenden Fakten rund um das Thema sind blattintern umstritten.

Heute schreibt Detlef Wos in “Bild” von Wussows “erschütterndem letzten TV-Auftritt”, und wir fassen mal kurz das Wichtigste zusammen:

… nur in drei Szenen zu sehen … schwach und gebrechlich … spricht gerade mal vierzehn Sätze … Mühe, das Pensum durchzustehen … Diabetes … Konzentrationsstörungen … konnte sich seine Texte kaum merken … geistesabwesend … Probleme … nur ganz kurze Szenen … Text in leichter zu sprechende Sätze umgeschrieben …

All das wäre nicht so erstaunlich, hätten vor gut drei Monaten nicht Christian Schommers und Tina Gaedt ebenfalls in “Bild” über die exakt selben Dreharbeiten geschrieben: “Schwarzwaldklinik macht Wussow gesund”. Weitere Stichworte aus ihrem Artikel lauteten:

… Wunder vom Glottertal … wie ausgewechselt … nach vielen privaten und gesundheitlichen Problemen … überglücklich … fühle mich wohl … Kummer, Sorgen um die Gesundheit wie weggewischt … total fit … blüht hier förmlich auf … Arbeit tut ihm gut … sieht blendend aus … prima gehalten … endlich hat er nur noch im Drehbuch große Probleme …

Bestimmt ist es eine Gnade, wenn man als Zeitung nicht nur an Realitätsverlust, sondern auch an Gedächtnisverlust leidet.

PS: Interessanterweise ist Wussow laut “Bild” in den letzten drei Monaten um ein Jahr jünger geworden.

Vielen Dank an Malte K. für den Hinweis.

Werte & Normen

“Die Bibel ist Grundlage unserer Kultur, unserer Normen, unserer Sicht auf die Welt. Sie bietet Halt und Trost in einer Zeit, in der die Sorge um unsere Zukunft zum bestimmenden Thema wird.”

“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann in einer Pressemitteilung von heute zum Verkaufsstart der “Goldbibel” von “Bild” und “Weltbild”. Gesellschafter der Verlagsgruppe Weltbild sind 14 katholische deutsche Diözesen und die Soldatenseelsorge Berlin.

neu  

Über ein völlig okayes Interview

Es gibt Dinge, die nehmen sie bei der Axel Springer AG ganz genau. Interviews zum Beispiel. Die müssen vor der Veröffentlichung vom jeweiligen Gesprächspartner autorisiert werden, und zwar ausnahmslos, “auch im Falle besonderen Termindrucks”, wie es in den “journalistischen Leitlinien” des Verlages heißt. Deshalb kann man davon ausgehen, dass das, was von einer Springer-Publikation als Interview veröffentlicht wird, der Gesprächspartner nicht nur gesagt hat, sondern von ihm ausdrücklich zur Veröffentlichung freigegeben wurde.

Soweit die Theorie.

Praktisch hätte es deshalb gar nicht die Verwirrungen geben dürfen, die um ein “Bild”-Interview mit dem Fußballstar Zinédine Zidane entstanden sind. Laut “Bild”-Zeitung, die — ausweislich eines Fotos — Zidane in Madrid besucht hat, sagte er über Michael Ballack und Real Madrid unter anderem: “Er kann gerne kommen, aber meinen Platz gebe ich nicht her!” Für Kenner waren diese Äußerungen erstaunlich; sie wurden weltweit nachgedruckt.

Allerdings dementiert Zidane. Noch am selben Tag, an dem der Artikel in “Bild” erschien, erschien auf seiner offiziellen Internetseite folgendes Statement:

Zinédine Zidane hat sich auf Fragen deutscher “Bild”-Journalisten zu Michael Ballack geäußert, dessen Wechsel nach Madrid diskutiert wird. Seiner Gewohnheit treu bleibend hat sich Zizou nicht allzu lang mit dem Thema aufgehalten, ganz im Gegensatz zu dem Eindruck, den der “Bild”-Artikel zu erwecken sucht.

Im Gegensatz zu dem, was die “Bild” am Montag, 28. November, schreibt, hat Zinédine Zidane nie bestätigt, dass er nie erklärt habe, dass er Michael Ballack “mit offenen Armen empfange”. Er bestreitet auch, folgende Aussage gemacht zu haben: “Es wird schwer, zusammen zu spielen. Ich werde nicht so leicht meinen Posten aufgeben.” Gegenüber Zidane.fr betonte Zinédine am Montagmorgen, er habe lediglich gesagt, dass es sich bei Ballack um einen “sehr guten Spieler” handele, dass Real immer sehr gute Spieler suche und dass Ballack die notwendigen Qualitäten haben könnte, um bei Real zu spielen. Mehr hat Zinédine zu dem Thema nicht gesagt.

(Übersetzung von uns.)

Und das ist ja nun merkwürdig*. Und es wird nicht weniger merkwürdig, wenn man versucht, mit den Betroffenen zu reden und den Widerspruch aufzuklären. Fragt man Olivier De Los Bueis, der Zidanes offizielle Website redaktionell verantwortet, erhält man zur Antwort: “Ich glaube dem, was Zidane mir gesagt hat. Ich habe keine Zweifel an dem, was er auf seiner Website sagt.”

Fragt man Tobias Fröhlich, den Pressesprecher von “Bild”, sagt der, es handele sich um ein Missverständnis, und das Dementi sei von Zidandes Website entfernt worden. Weist man ihn darauf hin, dass das nicht der Fall ist, sagt er, das müsse sehr bald passieren. Weist man ihn einen Tag später darauf hin, dass es immer noch nicht geschehen ist, sagt er, er könne das auch nicht erklären.

Die entscheidende Frage, ob das Interview von Zidane autorisiert wurde, beantwortet der “Bild”-Sprecher nicht. Auch nach vielmaligem Nachfragen über mehrere Tage sagt er nur, das Interview sei “völlig ok” und werde “von niemandem beanstandet”. Er verweist auf die “journalistischen Leitlinien”, weigert sich aber ausdrücklich, die Frage zu beantworten, ob das Interview, wie darin vorgeschrieben, autorisiert wurde.

Und wir haben es nicht geschafft herauszufinden, was Zidane nun tatsächlich gesagt hat und was er zur Veröffentlichung freigegeben hat, wenn überhaupt etwas. Eine Möglichkeit ist, dass die “journalistischen Leitlinien” von Axel Springer in diesem Punkt offenbar in der Praxis nicht die gleiche Bedeutung haben wie in der Theorie.

*) Merkwürdigerweise berichtete die Agentur sid am Montag über Zidanes Widerspruch in zwei verschiedenen Versionen. Zunächst sprach sie von einen “Dementi” Zidanes und schrieb:

Am Montag bestritt Zidane auf seiner eigenen Homepage (www.zidane.fr) jedoch, die Aussagen in dieser Form getätigt zu haben. Er habe lediglich gesagt, dass Ballack ein sehr guter Spieler sei und Real immer sehr gute Spieler brauchen könne. Alles andere entspreche nicht der Wahrheit.

Drei Stunden später veröffentlichte sid die Meldung erneut, sprach diesmal aber von einer “Präzisierung” statt von einem “Dementi” und formulierte:

Am Montag relativierte Zidane auf seiner eigenen Homepage (www.zidane.fr) jedoch zwei seiner Aussagen. Er haben zum einen nicht von einem Empfang mit “offenen Armen” gesprochen. Zudem könne er nicht ausschließen, vielleicht zusammen mit Ballack auf dem Platz zu stehen.

An den Aussagen Zidanes hatte sich in der Zwischenzeit nichts geändert.

Tokio Hotel – Die andere Hälfte der Wahrheit

Am Samstag berichtete “Bild” (wir erinnern uns) über ein paar minderjährige Musiker (Tokio Hotel), die sich auf einer Party (Oberhausen) angeblich danebenbenommen hatten (“kippen erste harte Drinks im Minutentakt”). Und am Montag stand’s schon wieder in “Bild”:

“Besonders Gitarrist Tom (16) kippte dabei hochprozentige Cocktails in Mengen, u. a. gemixt mit Wodka (BILD berichtete).”

Dazu später. Denn am Montag hieß es in “Bild” auch exklusiv:

“Jetzt ermittelt das Jugendamt des Ohrekreises (Sachsen-Anhalt), in dem die jungen Popstars leben, wegen Verstoßes gegen das ‘Gesetz zum Schutz junger Menschen vor Gefahren des Alkoholkonsums’. Dieses besagt, daß hochprozentige Getränke nicht an Personen unter 18 Jahren ausgeschenkt werden dürfen.”

Wahr ist das nicht: Das Gesetz heißt “Gesetz zur Verbesserung des Schutzes junger Menschen vor Gefahren des Alkohol- und Tabakkonsums”, kurz AlkopopStG, und besagt mitnichten, “daß hochprozentige Getränke nicht an Personen unter 18 Jahren ausgeschenkt werden dürfen”. Es besagt vielmehr, dass alkoholhaltige Süßgetränke “gewerbsmäßig nur mit dem Hinweis ‘Abgabe an Personen unter 18 Jahren verboten, § 9 Jugendschutzgesetz’ in den Verkehr gebracht werden” dürfen. (Das mit dem Verbot steht dementsprechend in § 9 Jugendschutzgesetz.)*

Doch die heutige “taz” weiß sogar noch mehr über die PR-Aktion “die halbe Wahrheit” der “Bild” zu berichten, nämlich erstens:

“Ein Jugendamt kann nicht ermitteln.”

Und zweitens:

“Das Jugendamt in Sachsen-Anhalt hätte wohl nie von der Party Wind bekommen, wenn nicht die Besorgnis-Behörde, also die Bild-Zeitung, am heiligen Sonntag das Amt informiert hätte. Und schwupps, war die Geschichte im Kasten.”

Womit auch wir, schwupps, wieder bei “Bild” angekommen wären. Denn während die “taz” noch die Frage aufwirft, ob die “Pop-Rüpel” (“Bild”) bzw. “die vier Halbgaren” (“taz”) auf der Party denn überhaupt Alkohol getrunken haben, und darauf keine Antwort findet (“Bei Universal Music wollte man sich dazu gestern nicht äußern.”), steht sie stattdessen… in “Bild”! Allerdings ist dort von den “Mengen” “hochprozentiger” “Cocktails” “mit Wodka” (Überschrift: “Suff-Orgie!”) plötzlich nur noch ein “Alkohol-Ausrutscher” übrig geblieben, den der minderjährige Musiker in “Bild” unwidersprochen — und ebenfalls exklusiv — “erklärt”:

“Ein hübsches Mädchen hat mir den bunten Drink in die Hand gedrückt. Ich war so in Feierlaune, daß ich gar nicht gemerkt habe, daß da Alkohol drin ist.”

Gut zu wissen also, was sich die täglich über 11 Millionen “Bild”-Leser unter einer “Suff-Orgie” vorzustellen haben!

*) Der falsche Name des Gesetzes und dessen falsche Inhaltsbeschreibung fanden sich leider, nachdem sie exklusiv in “Bild” erschienen waren, wörtlich (und ohne Angabe der Quelle) auch in einer Meldung der Nachrichtenagentur AP wieder, weshalb die Fehler von “Bild” nun nicht nur dort stehen, wo man unbedacht aus “Bild” abschreibt, sondern auch ganz woanders.

Pittelkaus Pop-Rüpel

“Bild”-Reporter Mark Pittelkau war in Oberhausen…

…und hat von da eine tolle Geschichte mitgebracht — über “diese jungen Pop-Rüpel” von Tokio Hotel nämlich, Überschrift:

Fummel-Alarm bei Tokio Hotel

Pittelkau schreibt:

“(…) jetzt feierten sie einen peinlichen Party-, Knutsch- und Fummel-Marathon!”

Und wir zitieren auszugsweise:

“Musikpreis-Verleihung ‘Eins Live Krone’ in Oberhausen: Georg (18), Gustav (17), Bill (16) und Tom (16) sind die Stars des Abends. Doch bei der anschließenden Party drehen die Jungs ab, kippen erste harte Drinks im Minutentakt, begrabbeln dann die weiblichen Fans.

Gitarrist Tom: ‘Ich teste erst mal 20 Hühner auf Brust und Lippen, bevor ich eine mitnehme.’ Er knutscht die Blondinen Nike (18) und Marina (18), später gefallen ihm Ann-Kathrin (18) und Jasmin (18).

Doch ‘mitnehmen’ konnte Tom letztlich keine: Sein Manager mußte den betrunkenen Teenager von der Party führen.”
(Hervorhebung von uns.)

Soweit Pittelkaus Geschichte aus Oberhausen.

Man kann sie natürlich auch ein wenig anders erzählen, aus der Sicht einer “Blondine” zum Beispiel. Nike, eine von Pittelkaus “Blondinen”, hat das getan — auf der Jugendseite des “Remscheider General Anzeigers”. Und wir zitieren auch hier auszugsweise, nur mal so:

“(…) Am Ende der Show ziehen die ganzen Promis und Presseleute in Richtung Adiamo, wo die After-showparty stattfindet. (…) Wir sehen uns gerade in der Disko um, als uns Tom und Georg von Tokio Hotel über den Weg laufen. Die beiden Jungs sind echt lieb und lächeln für uns in die Kamera. Wenige Minuten später kommen die Zwei zu uns zurück und fragen: ‘Mädels, hättet ihr vielleicht Lust, mit uns ein Foto für die Bild-Zeitung zu machen?’ Marina und ich sind von der Idee begeistert und nun beginnt ein richtiges Fotoshooting. Reporter Mark Pittelkau und Fotograf Jens Koch geben uns Anweisungen. ‘Ich will Küsschen sehen’, sagt Jens und wir Vier posieren fleißig. Das macht echt Spaß und nach der ersten Runde geht’s auf der Tanzfläche direkt weiter. Immer weiter werden wir fotografiert und die Zeit vergeht wie im Flug. (…)”
(Links und Hervorhebungen von uns.)

Mit Dank an wildersueden für den Link.

49,6 million ways to kill your lover

1975 glaubte der Musiker Paul Simon, es gebe doch bestimmt “50 ways to leave your lover”. Er selbst hat dann aber nicht einmal fünf gefunden, sondern, nun ja, diese:

1.) slip out the back
2.) make a new plan
3.) hop on the bus
4.) drop off the key

Aber damals gab es ja auch noch kein Google.

Sucht man mit der Internet-Suchmaschine heute nach “ways to leave your lover”, findet man in kürzester Zeit nicht nur dies, sondern auch fast 150.000 weitere Ergebnisse, woran Paul Simon natürlich nicht ganz unschuldig ist… Lässt man die Gänsefüßchen links und rechts der Wortfolge weg und sucht nach ways to leave your lover, sind es sogar weit über 60 Millionen Ergebnisse. Und ersetzt man die Gänsefüßchen durch einfache Anführungszeichen oder Apostrophe (‘ways to leave your lover’), ist die Ergebniszahl genau so riesig! (Was übrigens nicht weiter verwunderlich ist, weil die Google-Suchmaschine, der Apostrophe völlig schnurz sind, nur Ergebnisse findet, in denen irgendwo die Wörter ways, leave und lover vorkommen. Aber geschenkt: 60 Millionen ways sind knapp 60 Millionen mehr, als Paul Simon sich 1975 hätte träumen lassen, bzw. viel!)

Am gestrigen Sonntag nun berichtete die “Bild am Sonntag” über Robert James Petrick, der, wie in den Wochen zuvor auch schon hier und da zu lesen war, mit Hilfe der Internet-Suchmaschine Google den Mord an seiner Frau geplant haben soll. In der “BamS” liest sich das so:

Mordanleitung aus dem Internet - Tötete er seine Frau mit Google?

Und mal abgesehen davon, dass der Mann seine Frau gar nicht mit einer Internet-Suchmaschine, sondern mit einem Kissen umgebracht haben soll, hat die “BamS” weder Kosten noch Mühen gescheut, der Sache nachzugehen, und schreibt:

49,6 Millionen Hinweise spuckt die Internet-Suchmaschine bei “how to kill a man” (wie töte ich einen Menschen) aus.

Wie die “BamS” darauf kommt, dass es sich bei den gefunden Ergebnissen um “Hinweise” handelt, sei dahingestellt. Dass die “BamS” allerdings gar nicht nach der Wortfolge “how to kill a man” (knapp 650 Ergebnisse wie etwa dieses oder dieses) gesucht hat, sondern nach Internetseiten, auf denen irgendwo die Wörter how und to und kill und a und man zu finden sein sollen, zeugt allerdings von… zeigt sogar der in der “BamS” abgebildete Google-Screenshot: Die “BamS” hatte schlicht die falschen Anführungszeichen benutzt.

Daneben heißt es in der “BamS”:

Und das ist nun endgültig mehr als seltsam, wenn nicht gar völlig falsch. Wir jedenfalls haben keine anderen Quellen finden können, die berichten, dass Petrick selbst nach etwas so Dämlichem wie “how to kill a man” gesucht haben soll — zumindest fand sich nach Erscheinen der “BamS” bei entsprechender Google-Suche gerade mal ein einziger “Hinweis” — dieser.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber bzw. reticon.de.

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