“Macht es der Mars so heiß?” fragt “Bild” heute groß auf Seite 1 (siehe Ausriss) und wartet mit der hanebüchenen These auf, die gegenwärtigen Sommertemperaturen könnten damit zusammenhängen, “daß sich der Mars dieses Jahr so weit von der Erde entfernt wie nie”. Angeblich stehen “Forscher vor einem Rätsel” und “diskutieren jetzt eine verblüffende These: Ist der Mars Schuld an der Hitze?”
“Es ist, als wäre der Erde die Klimaanlage weggenommen worden”, behauptet “Bild”-Redakteur Attila Albert und zitiert, wie zum Beweis, drei Wissenschaftler:
Ulrich Köhler vom DLR-Institut für Planetenforschung
Uns gegenüber betont Christian-Dietrich Schönwiese allerdings, er habe “Bild” ein kurzes Telefoninterview gegeben und “dabei gesagt, dass die gegenwärtige Hitzewelle nichts, aber auch gar nichts mit dem Mars oder anderen Planeten zu tun habe”.
Und Gerhard Neukum erklärt uns, er habe die “Bild”-Frage, ob die Planeten, insbesondere Mars, Einfluss auf das irdische Wetter hätten, “klar verneint”.
Bleibt Ulrich Köhler. Er wird in “Bild”, wie er uns sagt, “korrekt” mit dem Satz zitiert, die Oberflächen-Temperatur des Mars betrage “–60 bis –80 Grad, an den Polen sogar bis –140 Grad”. Allerdings, so fügt Köhler hinzu, sei im Gespräch mit “Bild” die Frage nach der Marswirkung aufs Erdwetter “gar nicht Gesprächsgegenstand gewesen”. Hätte “Bild” ihn danach gefragt, hätte er geantwortet:
“Das ist absoluter Quatsch.”
Gedankt sei auch den vielen, vielen Hinweisgebern für ihre Mühe.
Man kann wahrlich nicht behaupten, dass “Bild” dem Besuch von George Bush bei Angela Merkel wenig Platz einräumt. Die Seiten 2 und 3 der heutigen Ausgabe sind voll davon. “Bild” zeigt Händeschüttel-Fotos, Kuss-Fotos (gleich vier!), Bush beim Grillen, Bush beim Radfahren, Bush beim Baby-Hochhalten usw. “Bild” berichtet über “Wirtin Hanni”, die sich “die Hand nicht mehr waschen” will, weil Bush ihr ein Autogramm darauf gegeben hat, und “Bild” druckt ein “Minuten-Protokoll des historischen Besuchs”. Das alles (und ein wenigmehr) unter der großen Überschrift: “Deutschland fliegt auf die Bushs” (siehe Ausriss).
Das “Minuten-Protokoll” glänzt mit Detailverliebtheit. Ein paar Auszüge:
Bush duscht, zieht seinen schwarzgrauen Anzug mit blauer Krawatte an, frühstückt. (…) Auf dem Tisch: Extra eingeflogenes US-Mineralwasser (“Deer-Park”) – doch Bush trinkt lieber Cola light. (…) Mittagessen. Lachs und Heilbutt aus der Ostsee, Entenbrust mit grünem Spargel, Waldbeeren mit weißer Schoko-Mousse. Dazu Mineralwasser, danach Espresso. (…) Das Präsidentenehepaar hat sich zum Grillfest umgezogen (Bush: hellblaues Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln, Laura Bush: beigemelierter Hosenanzug) (…) Gemeinsam mit dem Ehepaar Merkel (in Jeans und Blazer) und Sauer (beige Hose, offenes Hemd) begrüßen die Bushs fünfzig handverlesene Gäste. Das von Gastwirt Olaf Micheel selbstgeschossene 30-Kilo-Wildschwein (eineinhalb Jahre alt), seit sechs Stunden auf dem Grill, ist fertig. (…) Merkel und ihr Mann bringen Laura und George W. Bush zu ihrem Hubschrauber. Er startet in die Abendsonne – Angela Merkel und ihr Mann winken ihren Gästen noch lange hinterher.
Wenn man das alles so liest, bekommt man tatsächlich den Eindruck, dass Deutschland auf die Bushs fliegt. Jedenfalls erwähnt “Bild” heute mit keinem Wort, dass es Proteste und Demonstrationen gegen den Besuch von George Bush gab. In Stralsund und auch in anderen deutschen Städten. Das ist zumindest bemerkenswert. Andere Medien schaffenesnämlichohneProbleme, daseinoderandereWortüberdie Anti-Bush-Demonstrationen zuverlieren.
Mehr als bemerkenswert, man könnte sagen irreführend oder sogar gelogen, ist allerdings die Überschrift. Tatsächlich fliegt “Deutschland” (was immer “Bild” auch damit meint) nicht auf die Bushs. Und damit meinen wir gar nicht die demonstrierende und protestierende Minderheit, sondern rund die Hälfte der Deutschen. Laut einer repräsentativen Umfrage der Forsa im Auftrag des “Stern” bewerten nämlich 52 Prozent den Bush-Besuch negativ und nur 41 Prozent positiv. Auch davon erfahren die “Bild”-Leser freilich nichts. Dabei wäre eigentlich genügend Platz gewesen.
“Bild” hat sich verpflichtet, den Pressekodex einzuhalten. Zu dessen Grundsätzen gehört, dass eine Zeitung, die vom Presserat öffentlich gerügt wurde, diese Rüge selbst abdrucken muss (Ziffer 13). Eine Richtlinie konkretisiert diese Pflicht:
Der Leser muss erfahren, welcher Sachverhalt der gerügten Veröffentlichung zugrunde lag und welcher publizistische Grundsatz dadurch verletzt wurde.
Soweit die Theorie.
Im Dezember 2004 rügte der Presserat die “Bild”-Zeitung dafür, dass sie mit ihrer Berichterstattung die Schauspielerin Sibel Kekilli “entwürdigt” habe. “Bild” veröffentlichte diese Rüge nach langen Wirren mit fünfzehnmonatiger Verspätung, und zwar so:
Tja. Und das soll reichen? So sieht die schärfstmögliche Sanktion aus, die das Kontrollorgan der deutschen Presse aussprechen kann?
Auf die Fragen gibt es nun eine Antwort vom Presserat: Ja, das reicht. Mehr Rüge im eigenen Blatt muss nicht sein.
Wir hatten uns beim Presserat über die “Bild”-Zeitung beschwert (Beschwerdesache BK1-71/06):
Es ist sicherlich weder im Sinne des Presserates, noch im Sinne der Selbstverpflichtung der Verlage, dass sich gerügte Presseorgane ihrer Pflicht zum Abdruck öffentlicher Rügen auf diese Weise entledigen können, die dem Leser keinerlei Möglichkeit gibt, Anlass und Inhalt der Rüge nachzuvollziehen.
Der Beschwerdeausschuss 1 des Deutschen Presserates erklärte unsere Beschwerde nun für “unbegründet”:
Die sehr knapp gehaltene Rügenveröffentlichung hält die inhaltichen Vorgaben des Pressekodex ein. Es wird mitgeteilt, dass der Presserat BILD wegen der Berichterstattung im Februar 2004 zur Schauspielerin Sibel Kekilli gerügt hat. Der Leser erfährt außerdem, nach welchen Ziffern des Pressekodex diese Maßnahme ausgesprochen wurde. Dass Leser nicht ausführlicher, etwa über den Kontext der Presseratsbewertung oder über den Inhalt der Kodexziffern 1 und 12 informiert werden, verletzt Ziffer 16 des Pressekodex nicht. Die Entscheidung über eine darüber hinausgehende Information von Leserinnen und Lesern liegt im redaktionellen Ermessen der Zeitung. Sie trägt auch das Risiko möglicher Nachfragen oder Irritationen von Lesern.
Das ist für “Bild” (und andere Zeitungen) gut zu wissen. Wenn Sie jemanden entwürdigen, müssen sie schlimmstenfalls als Sanktion vom Presserat zwei Jahre später eine solche Notiz veröffentlichen:
Und natürlich “das Risiko möglicher Nachfragen” tragen.
Diese kleine Meldung stand gestern in der “Bild”-Zeitung:
Und es stimment offenbar, dass Mickey Rourke sich einen Teil des kleinen Fingers abgeschnitten hat. Es gibt auch eine aktuelle Meldung des “World Entertainment News Network” (WENN) dazu. Sie beginnt allerdings so:
Mickey Rourke once had an unusual way of dealing with his anger – he cut off his finger. Hervorhebung von uns.
Daraus wird deutlich, dass die Geschichte nicht ganz so aktuell ist, wie sie in “Bild” – und übrigens auchinanderenMedien – klingt. Im Juli 2005 erzählte er die Geschichte beispielsweise dem “Stern” und im August 2005 der “Süddeutschen Zeitung”. In beiden Interviews wird auch deutlich, wann sich das Ganze ungefähr zugetragen hatte: Nämlich vor “achteinhalb Jahren”, wie die “Süddeutsche” vor einem Jahr schrieb.
Mit Dank an Lukas J. für den sachdienlichen Hinweis.
Wir werden nie erfahren, wie viele Fehler genau in der Datenbank steckten, mit der Bild.de scheinbar über die Mannschaften der Fußball-Bundesliga-Saison 2006/07 informieren wollte. Die folgenden 100 Fehler sind keine vollständige Liste. (Einige der Fehler hat Bild.de inzwischen korrigiert.)
Alemannia Aachen:
Der Verein wurde am 16.12.1900 gegründet, nicht am 1.12.
Der Präsident heißt nicht Horst Hinrichts, sondern Horst Heinrichs.
Der Verein hat nach eigenen Angaben nicht 4500 Mitglieder, sondern über 8000.
Sergio Pinto ist Mittelfeldspieler, nicht im Angriff.
Jan Schlaudraff spielt im Angriff, nicht im Mittelfeld.
Yunus Balaban ist seit 2000 im Verein, nicht seit 2006.
Mittelfeldspieler Fiel heißt vorne Cristian, ohne “h”.
Hertha BSC
Der Verein hat nicht 12.000 sondern 13.549 Mitglieder.
Die Personalkosten betragen nicht 23 Mio. Euro, sondern rund 26 Mio. Euro.
Amadeus Wallschläger ist nicht seit dem 1.7.2006 im Verein, sondern seit dem 1.7.2001.
Wallschläger ist nicht am 12.11.1986 geboren, sondern am 1.9.1985.
Dennis Cagara ist auch nicht seit dem 1.7.2006 beim Verein, sondern seit dem 1.1.2004.
Robert Müller ist ebenfalls nicht seit dem 1.7.2006 beim Verein, sondern seit dem 1.7.2000.
Pál Dárdai ist nicht seit dem 3.12.1996 dabei, sondern seit dem 1.7.1997.
Marcelinho heißt nicht mit Nachnamen so, sondern mit vollem Namen Marcelo dos Santos.
Kevin-Prince Boateng ist nicht seit dem 1.7.1996 bei Hertha, sondern seit dem 1.7.1994.
Chinedu Ede ist nicht seit dem 1.7.2006 beim Verein, sondern seit dem 1.7.1999.
Solomon Okoronkwo ist nicht am 1.7.2005 zu Hertha BSC gekommen, sondern am 1.7.2004.
Im Mittelfeld fehlt Andreas Schmidt.
Und im Tor fehlt Nico Pellatz.
Sofian Chahed spielt nicht in der Abwehr, sondern im Mittelfeld.
Robert Müller hat die Rückennummer 18 …
… Patrick Ebert die 21 …
… Chinedu Ede die 11 …
… und Amadeus Wallschläger die 15.
DSC Arminia Bielefeld:
Der Verein hat nicht 3100 Mitglieder, sondern nach eigenen Angaben mehr als doppelt so viele.
Westfalenmeister war Bielefeld nicht nur “1922-1927”, sondern 1912, 1921-1927, 1933, 1962 und 1990.
Mathias Hain ist nicht seit 2001, sondern seit 2000 im Verein.
Pascal Formann hat die Trikotnummer 28, nicht 26.
Tobias Rau spielt im Mittelfeld, nicht in der Abwehr.
Tim Danneberg hat die Trikotnummer 13, nicht 15.
Jonas Kamper fehlt ganz.
Ioannis Masmanidis hat die Trikotnummer 21, nicht 17.
Radim Kucera spielt bei Arminia im Mittelfeld, nicht in der Abwehr.
Radomir Dalovic ist nicht mehr bei der Arminia.
VfL Bochum:
Andreas Luthe ist nicht in der ersten Mannschaft.
Polat Keser auch nicht.
“Edu” heißt eigentlich Eduardo Goncalves de Oliveira …
… ist seit dem 1.9.2003 bei Bochum, nicht seit dem 05.08.2005 …
… und ist nicht am 10.01.1979, sondern am 30.11.1981 geboren.
Werder Bremen
Kasper Jensen ist nicht seit dem 1.7.2005 beim Verein, sondern seit dem 1.2.2005.
Naldo heißt nicht mit Nachnamen Naldo, sondern mit vollem Namen Ronaldo Aparecido Rodrigues.
Naldo ist nicht seit dem 29.7.2005 beim Verein, sondern seit dem 28.7.2005.
Clemens Fritz spielt bei Werder nicht im Mittelfeld, sondern in der Abwehr.
Leon Andreasen wurde nicht am 23.4.1982, sondern am 23.4.1983 geboren.
Christian Schulz ist nicht seit dem 1.7.1993, sondern seit dem 1.7.1995 bei Werder.
Mohamed Zidan ist seit dem 7.1.2005 beim Verein, nicht seit dem 1.7.2006.
Energie Cottbus:
Das Stadion liegt nicht am Elisapark, sondern am Eliaspark.
Das Wappen ist eigentlich viel größer und nicht rechteckig.
Präsident ist nicht Ulrich Lepsch, sondern Michael Stein.
Stiven Rivic ist Stürmer, nicht Mittelfeld-Spieler.
Markus Dworrak fehlt im Kader.
Borussia Dortmund:
Das Stadion heißt nicht mehr “Westfalenstadion”, sondern “Signal Iduna Park”.
Hamburger SV:
Vincent Kompany hat die Rückennummer 10 und nicht 27…
… er kam nicht am 05.08.2005 zum HSV, sondern gerade erst …
… und spielt deshalb logischerweise nicht mehr für Anderlecht.
Raphael Wickys Verein ist nicht die Schweiz …
… aber er ist Schweizer, kein Deutscher.
Hannover 96
Das gezeigte Logo ist nicht mehr aktuell.
Eintracht Frankfurt:
Der Verein gibt seine Mitgliederzahl mit 9600 an — statt 6000.
Christoph Spycher spielt nicht im Mittelfeld, sondern in der Abwehr.
Borussia Mönchengladbach:
Kasey Keller trägt als Rückennummer weder die 26 (wie in der Vereinsübersicht stand) …
… noch die 18 (wie in der Spielerübersicht stand), sondern die 1 …
… und ist nicht Deutscher, sondern US-Amerikaner …
… und nicht seit dem August 2005, sondern dem Januar 2005 beim Verein.
Bayer 04 Leverkusen:
Ahmed Madouni wurde nicht am 4.10., sondern am 1.10.1980 geboren.
Pierre de Wit ist schon seit 1999 im Verein, nicht erst seit 2006.
Marco Babic spielt seit 1999 für Leverkusen, nicht seit 2000.
Andrej Voronin hat die Trikotnummer 12, nicht 10 …
… ist seit 2004 im Verein, nicht seit 2006 …
… und ist kein Deutscher, sondern Ukrainer.
1. FSV Mainz 05:
Der Verein ist nicht 1990 in die Bundesliga aufgestiegen, sondern 2004.
Fatmir Pupalovic fehlt.
Bayern München:
Christian Lell hat die Trikotnummer 30.
Owen Hargreaves ist seit dem 1.7.1997 im Verein, nicht seit dem 5.8.2005 …
… und er ist kein Deutscher, sondern ist in Kanada geboren und hat einen britischen Pass.
Stephan Fürstner spielt schon seit 2005 im Verein, nicht erst seit 2006.
Roy Makaay ist erst seit dem 4. August 2003 beim Verein, nicht seit dem 1. Juli.
Lukas Podolski hat die Trikotnummer 11.
Jan Schlösser ist, anders als bei Bild.de angegeben, nicht mehr im Kader.
Dafür fehlt Bernd Dreher.
Martin Demichelis ist kein Abwehr-, sondern Mittelfeldspieler.
1. FC Nürnberg:
Das Stadion heißt nicht mehr “Frankenstadion”, sondern “easyCredit-Stadion”
Alexander Stephan hat die Trikotnummer 30 …
… und ist schon seit 1996 im Verein, nicht erst seit 2006. (Seit 2006 ist er in der ersten Mannschaft.)
Michael Beauchamp hat die Trikotnummer 3.
Dean Heffernan hat die Trikotnummer 16.
Javier Horacio Pinola, nicht Horacia Javier Pinola.
Tomas Galasek hat die Trikotnummer 6.
Marco Engelhardt hat die Trikotnummer 22.
Sebastian Huber fehlt.
Christoph Weber spielt nicht im Mittelfeld, sondern im Angriff.
Weber trägt die Trikotnummer 26.
Weber ist nicht erst seit 2006, sondern schon seit 1998 im Verein (allerdings erst jetzt in der Bundesliga-Mannschaft).
Joshua Kennedy hat die Trikotnummer 20.
Leon Benko hat die Trikotnummer 32.
VfB Stuttgart:
Das Gottlieb-Daimler-Stadion ist wirklich nicht mehr im Umbau.
Der mexikanische Neuzugang heißt Ricardo Osorio, nicht Osoria.
VfL Wolfsburg:
Hans Sarpei ist kein Deutscher, sondern Ghanaer.
“Alex” (eigentlich Domingos Alexandre Martins da Costa) trägt nicht die Rückennummer 4, sondern 22.
Mit Autoaufklebern soll gegen “Nörgler” und “Miesmacher” zu Felde gezogen werden. BILD fordert: “Ganz Deutschland muss zur No-Go-Area werden. Für all die Miesmacher, die alles besser wissen und nichts besser können”. [Dem Frankfurter Schriftsteller Matthias] Altenburg geht das zu weit. (…) “Es wurde gewarnt davor, bestimmte Gegenden zu betreten, wenn man eine andere Hautfarbe hat. Dass das nun von der Bildzeitung ausgerechnet umgedreht wird und gesagt wird, alle, die sagen, es gibt in diesem Land Ausländerfeindlichkeit, es gibt Fremdenhass, es gibt Übergriffe und nicht zu wenige, dass die plötzlich irgendwo hingeschickt werden sollen, wo kein anderer anständiger Deutscher sich aufhält.”
Marcel Reich-Ranicki: “Worte wie Miesmacher, wie Nörgler sind im Dritten Reich vor allem von Göbbels verwendet worden. Ich würde empfehlen, auf diese Vokabeln eher zu verzichten oder vorsichtiger zu verwenden.”
Anders als die “Bild”-Zeitung heute in einem großen Artikel über Fabien Barthez schreibt, hat nicht Zinedine Zidane dem französischen Torwart bei der Weltmeisterschaft 1998 “immer auf die Glatze” geküsst, sondern Laurent Blanc.
Danke an Daniel F., Andreas G., Bernhard C. und freemagusto.
Manchmal, nicht immer, macht es einem die Zoologie leicht. Dieser Bär hier rechts zum Beispiel ist so schwarz, dass man sich fragen könnte: Höm, wieso heißt der überhaupt Braunbär? Und die Antwort lautet: Heißt er gar nicht. Er heißt Schwarzbär.
Insofern ist es doppelt quatsch, wenn “Bild” zu diesem süüüßen informativen Foto schreibt:
New York — Guck mal, Herr Minister Schnappauf! Es gibt auch Orte, wo Braunbären in Ruhe leben können!
Dieser Bär versucht, in eine Hängematte in einem Garten in New Jersey (USA) zu klettern, um ein Schläfchen zu halten — und wird dabei nicht abgeschossen, wie sein europäischer Artgenosse “Bruno”.
Denn erstens ist das, wie gesagt, gar kein Braunbär. Und zweitens können Schwarzbären in den USA nicht “in Ruhe leben”, sondern werden gejagt, teilweise als Freizeitvergnügen, teilweise illegal, teilweise (gerade auch in New Jersey) aufgrund von vermeintlichen Konflikten mit Menschen — ganz wie “Bruno”.
Vollends abwegig wird der “Bild”-Artikel aber durch die Überschrift:
Denn “Bruno” hat das noch erlebt. Oder hätte es jedenfalls erleben können, wenn er in den Alpen amerikanisches Fernsehen empfangen oder einen Internet-Anschluss gehabt hätte. Jedenfalls wurden die Aufnahmen vom Schwarzbär in der Hängematte bereits Mitte Juni veröffentlicht, als “Bruno” noch lebte.
Danke an Torben F., Andreas K., Maja I. und vor allem Fabian L.!
Aber damit niemand auf den Gedanken kommt, die “Bild”-Zeitung und ihre prominenten Kolumnisten hätten schon immer an den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft und ihres Trainers geglaubt, eine nicht ganz untypische Auswahl von Kommentaren der letzten zwei Jahre.
“Sport Bild”-Kolumnist Lothar Matthäus, zitiert in “Bild”, 29. Juli 2004:
Wenn er von einem Zehn-Jahres-Plan redet, sucht Klinsmann jetzt schon eine Ausrede. … Dann kann man nach einer Pleite im Jahre 2006 sagen: ich habe doch gleich gesagt, es geht nicht so schnell.
“Bild”-Kolumnist Paul Breitner, 1. August 2004:
Klinsmann hat auch gesagt, er wolle lernen. Er muss lernen, und zwar sehr viel und sehr schnell. Obgleich ich erhebliche Probleme damit habe, dass ausgerechnet die Nationalmannschaft als Lehrstätte für Bundestrainer-Azubis dienen soll.
“Bild”, 10. Oktober 2005:
Klinsi nur noch Krisi
BILD sagt, was JETZT passieren muß.
Klinsmann muß sich helfen lassen (…)
Der Krisen-Klinsi braucht nun Hilfe von erfahrenen Trainern. Von Franz Beckenbauer, der seine Unterstützung anbietet. Von Christoph Daum, mit dem sich Klinsi in Istanbul getroffen hatte. (…)
Schluß mit Experimenten
Richtig: Klinsi hat in seiner Amtszeit 11 Neulinge geholt. War bitter nötig nach dem EM-Desaster 2004. Doch in der WM-Saison muß die Zeit der Experimente vorbei sein.(…)
Schluß mit Gummi-Twist
Keine Frage: Die US-Fitmacher helfen den Spielern mit neuen Methoden auf die Sprünge. Gummi-Twist – warum mal nicht? (…)
Allerdings: Noch immer handelt es sich um eine Fußball- und keine Fitness-Mannschaft. (…) Ja, starten wir denn bei der Bodybuilder-WM?
Klinsmann muß nach Deutschland kommen
(…) Spätestens im WM-Jahr muß Klinsi Woche für Woche in der Bundesliga seine Spieler beobachten. Man kann als Boss eine WM in Deutschland nicht aus Huntington Beach/Kalifornien vorbereiten. E-Mail und Telefon sind kein Ersatz für eigene Beobachtungen und persönliche Gespräche.
“Bild”, 3. März 2006:
Der Bundestrainer lacht — und unser Fußball ist nur noch zum Weinen.
Drei Monate vor der WM haben wir keine konkurrenzfähige Elf mehr.
Macht es Sinn, nur 98 Tage vor der WM noch schnell den Bundestrainer auszuwechseln?
Natürlich nicht! Obwohl Jürgen Klinsmann dieser Tage einiges tut, daß man auf diese Idee kommen könnte. (…)
Eine desolate Mannschaft, die weder seine Taktik noch seine Personal-Politik begreift. Und völlig verunsicherte Spieler, deren Selbstvertrauen unter Null sackt, sobald sie das Trikot mit dem Bundesadler anziehen. (…)
Wenn Klinsmann jetzt wirklich in dieses Flugzeug steigt, dann sollte er am besten gleich ganz in Amerika bleiben. Dann hat er nämlich nicht begriffen, wo ein deutscher Bundestrainer 98 Tage vor einer WM hingehört — nämlich nach Deutschland!
Klinsmann hat, soviel steht fest, immer hartnäckig auf seinem Vorteil bestanden. (…)
Beim 1:4 gegen Italien hat jeder gesehen, daß der Jürgen noch viel lernen muß – so schutzlos darf man eine Elf nicht in Konter laufen lassen. Warum hört er nicht mal auf alte Taktik-Füchse wie Hitzfeld oder Rehhagel? Das wäre Stärke, keine Schwäche. (…)
Viele beschleicht eine Ahnung: Wenn es schief läuft bei der WM, dann fliegt unser blonder Held einfach davon, zurück in das sonnige Nichts.
Wieder mal.
“Bild”, 4. März 2006:
So, als sei nichts geschehen, düste Jürgen Klinsmann gestern wieder ins sonnige Kalifornien. Jetzt will der Bundestag den Nationaltrainer nach Berlin vorladen — weil es bei der WM um ein “nationales Anliegen” gehe. Ob Grinsi-Klinsi dann das Lachen vergeht?
Der verantwortliche DFB-Präsident Theo Zwanziger muß jetzt sogar darüber nachdenken, ob die Krise des deutschen Fußballs nur noch mit einem Auswechseln des Bundestrainers zu beheben ist. (…)
Klinsmann hat mit seinem unprofessionellen Verhalten inzwischen für so viel Unruhe gesorgt, daß eine erfolgreiche WM mit ihm als Bundestrainer kaum noch möglich sein dürfte.
Man mag geteilterMeinungdarübersein, ob die Sperre, die die FIFA gegen den deutschen Nationalspieler Torsten Frings ausgesprochen hat, gerechtfertigt ist, oder nicht. “Bild”-Lesern allerdings dürfte es außerordentlich schwer fallen, sich überhaupt eine eigene Meinung dazu zu bilden. Denn das Blatt kümmert sich heute ganzseitig und mit recht alttestamentarischem Eifer um den Vorfall:
Dazu sollte man wohl wissen, dass die FIFA etwas weniger von dem Grundsatz “Auge um Auge” hält, als “Bild” das offenbar tut. Jedenfalls steht im FIFA-Disziplinarreglement [pdf] nichts davon, dass man eine Tätlichkeit mit einer Tätlichkeit beantworten darf. In Artikel 48 heißt es schlicht:
Ein Spieler, der absichtlich eine Tätlichkeit an einer anderen Person begeht, ohne sie dabei zu verletzen, wird für mindestens zwei (2) Spiele gesperrt.
Und es ist nicht so, dass die FIFA in ihrem Urteil nicht berücksichtigt hätte, dass es da durchaus eine Vorgeschichte gab. Weshalb sie die Sperre für das zweite Spiel zur Bewährung ausgesetzt hat:
“Der Spieler der deutschen Nationalmannschaft, Torsten Frings, ist heute von der FIFA-Disziplinarkommission für zwei Spiele gesperrt worden. Auf Grund einer zuvor erfolgten gegnerischen Provokation wurde die Sperre für das zweite Spiel auf sechs Monate zur Bewährung ausgesetzt.”
Aus “Bild” erfährt man davon allerdings nichts. Stattdessen heißt es in einer Fotounterzeile:
Hier streckt Thorsten Frings den Arm mit geschlossener Faust gegen Cruz aus
Und im Text:
Frings war nur das Opfer. Der Argentinier Julio Cruz hatte Frings im Getümmel zuerst einen Wischer mit der Hand verpaßt, bevor der Bremer den Argentinier berührte (ohne zuzuschlagen).
Was nun wieder eine recht kuriose Einschätzung ist. Schaut man sich nämlich die TV-Bilder des Vorfalls mal an, so stellt man trotz Zeitlupe erstens fest, dass Frings seinen Arm ziemlich schnell ausstreckt. Und zweitens müsste man konsequenterweise wenigstens zu dem Urteil kommen, dass Cruz Frings auch nur “berührte”.