Suchergebnisse für ‘the’

Volks-Volksentscheid

Gestern abend war Dirk Hoeren, “Bild”-Experte für PolitikerPensionen und –Gehälter, für RentenLügen, Krankenkassenbeiträge oder Vogelgrippe-Impfungen, zu Gast in der Sendung “Hart aber Fair”. Es ging um Steuern und Abgaben. Als “Hart aber Fair”-Moderator Frank Plasberg Hoeren mit gewissen Inkonsistenzen in der “Bild”-Berichterstattung konfrontierte und fragte, wie denn die Forderungen nach weniger Steuern auf der einen und nach mehr Staat auf der anderen Seite zusammen passten, ergab sich dieser kurze Dialog:

Hoeren: Das passt sehr gut zusammen, weil der Eindruck entsteht, dass Steuern gleich Staat und Staat gleich Steuern sind. Das ist ja nicht unbedingt der Fall. “Bild” spricht eine klare Sprache. Es gibt in Deutschland keine Volksabstimmungen und auch keine Volksbefragungen, “Bild” ist mit zwölf Millionen Lesern am Tag so was wie die tägliche Volksbefragung, der tägliche Volksentscheid. (Gemurmel im Publikum und in der Runde)

Plasberg: Entschuldigung, darf ich noch mal an unsere Frage erinnern: Heißt das, dass wir auch so einäugig sind als Bürger (…)? Das kann ja sein, dass Sie tatsächlich nur unsere eigene Schizophrenie wiedergeben…

Hoeren: Also, da würde ich Ihnen jetzt nicht unbedingt widersprechen.

6 vor 9

Eine ganz eigene Welt (+ +)
(blog.zeit.de/blogruf)
Die Welt wird ihr Onlinegesicht liften. Zu einer kleinen Vorschau lud sie am gestrigen Dienstag einige Medienblogger ins Berliner Axel-Springer-Hochhaus ein. Noch ist nicht alles perfekt, doch in den nächsten Tagen soll das in vielem runderneuerte Portal starten.

?Journalismus hat andere Probleme. Blogger gehören nicht dazu?
(politik-digital.de)
Der elektrische Reporter Mario Sixtus outete sich am Dienstag in der Blogsprechstunde als digitaler Bohemien und riskierte die Einweisung in die Metaphernhölle. Im Chat ging es um Journalismus und Blogs, freies Arbeiten und das nächste große Ding im Internet.

?New York Times?: Der stille Abschied vom Papier
(welt.de, Eytan Avriel)
Bei der angesehensten Zeitung der Welt hat die Online-Leserschaft die Zahl der Abonnenten der Printausgabe bereits abgehängt. Und ob die Zeitung in fünf Jahren noch gedruckt erscheint, kümmert Herausgeber Sulzberger herzlich wenig.

Schnäppchen Content
(taz.de, Martin Reichert)
Axel Springer hat neue Honorarbedingungen für freie Mitarbeiter formuliert: Mehrmals nutzen, einmal zahlen.

Top 10 der vernachlässigten Themen 2006
(nachrichtenaufklaerung.de)
Über fehlende Therapiemöglichkeiten für Medikamentenabhängige wird kaum berichtet.

Vanity Fear – das Video
(axel-springer-akademie.de)
Niels Ruf hat investigativ recherchiert und aufgedeckt, wie die Redaktionskonferenzen von ?Vanity Fair? wirklich laufen. Ein Meisterstück des investigativen Journalismus (vanityfear.mov, Video).

Kurz korrigiert (315)

Nachdem “Bild”-Kolumnist Franz-Josef Wagner gestern bereits (wie berichtet) die ehemalige RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt fälschlicherweise als “begnadigt” bezeichnet hatte, macht er heute wieder einen Fehler.* Wagner schreibt:

Der Bundesgerichtshof hat nun für die Vielleicht-Väter entschieden und gegen die Lügenmütter.

Es war natürlich das Bundesverfassungsgericht. Die Kollegen aus der “Bild”-Redaktion wussten das und haben Wagner trotzdem wieder nicht korrigiert. Aber deswegen zu behaupten, dass bei “Bild” niemand mehr liest, was Wagner da so zusammen schreibt, wäre natürlich eine gemeine Unterstellung.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis.

*) Gestern hatten wir an dieser Stelle noch der Fairness halber die Möglichkeit formuliert, dass Wagner sich extrem gut mit Rechtsthemen auskenne — ein Hinweis, auf den wir rückblickend auch getrost hätten verzichten können.

6 vor 9

Schnell mal raus (+)
(sueddeutsche.de, Christina Maria Berr)
Ganz dicht dran ist Ulrich Tilgner. Der Korrespondent leitet das ZDF-Büro in Teheran – und fliegt von dort immer wieder nach Bagdad.

Unter Piraten
(zeit.de, Götz Hamann)
Für Google wird die Zeit knapp. Traditionelle Medienkonzerne verlangen, dass der Internet-Konzern die Verletzung von Urheberrechten stoppt – und setzen die juristischen Daumenschrauben an.

Nur ein bisserl pieksen
(falter.at, Christopher Wurmdobler)
Aus der Kuschelecke in die Klatschspalte: Seit zehn Jahren ist der einstige Ö3-Star Dominic Heinzl im Privatfernsehen Gesellschaftsreporter – und er ist der beste. Trotz seiner fragwürdigen Achtzigerjahrefrisur.

Ausbildung zum Schrei-Moderator
(jungle-world.com, Elke Wittich)
»Big Brother« geht weiter. Den populärsten Kandidaten winken im besten Fall Moderatorenjobs beim Quizsender Neun Live.

RTL und Weblogs
(schockwellenreiter.de, Video)
RTL Futuretrend-Beitrag über Weblogs, Blogging, und besonders über den Shopblogger und das Bildblog.

Parteien kreuzen die Klingen auf einer gemeinsamen Blog-Seite
(nzz.ch, fur.)
In der Nacht auf Mittwoch hat NZZ Online ein neues Angebot aufgeschaltet. Auf der Seite «NZZvotum» finden sich nicht nur Fakten und Hintergründe zu den kommende Zürcher Kantons- Regierungsratswahlen. Zentrales Element ist der erste parteiübergreifende Blog der Schweiz, an dem Politikerinnen und Politiker aller namhaften Parteien des Kantons Zürich teilnehmen.

“Bild”-Kolumnist begnadigt RAF-Terroristin

Das Stuttgarter Oberlandesgerichts (OLG) hat gestern entschieden, dass die ehemalige RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt im März nach 24 Jahren Haft entlassen werden soll. Und “Bild” erklärt in einem Seite-2-Text, warum die Freilassung nach “Recht und Gesetz” erfolge:

Denn: Nach dem Strafgesetzbuch (§ 57 a) bedeutet “lebenslange Freiheitsstrafe” nicht unbedingt Haft bis zum Tode. Nach frühestens 15 Jahren kann die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn nicht die “besondere Schwere der Schuld die weitere Vollstreckung gebietet”. In diesem Fall setzt das Gericht eine Mindesthaftdauer fest — bei Mohnhaupt waren es 24, bei Klar 26 Jahre!

"Post von Wagner: Begnadigte Brigitte Mohnhaupt"“Bild”-Kolumnist Franz-Josef Wagner allerdings hat das entweder nicht gelesen, oder er hat es nicht verstanden. Und offenbar hat er auch sonst nicht viel gelesen.* Denn Wagner schreibt heute an die “Begnadigte Brigitte Mohnhaupt”. Im Text heißt es:

Die deutsche Justiz hat Sie, vielfache Mörderin, Brigitte Mohnhaupt, begnadigt.

Das ist falsch. “Die deutsche Justiz” kann niemanden begnadigen. Eine solche Entscheidung trifft (im Falle von sogenannten “Staatsschutzdelikten”) der Bundespräsident nach freiem Ermessen. Die Entscheidung über die von “Bild” beschriebene Haftentlassung nach Paragraph 57 a StGB hingegen ist an bestimmte, im Gesetz beschriebene, Voraussetzungen gebunden. Darauf wies das OLG Stuttgart gestern in einer Pressemitteilung (die Wagner offenbar auch nicht kennt) sogar ausdrücklich hin:

Es handelt sich nicht um eine Entscheidung im Gnadenweg, sondern um eine an bestimmte gesetzliche Voraussetzungen gebundene richterliche Entscheidung.

Offenbar hat niemand bei “Bild” Wagner auf seinen Fehler aufmerksam gemacht. Aber er passt ja auch ganz gut zur Haltung von “Bild”. So erkennt Hans-Jörg Vehlewald die Mohnhaupt-Entscheidung in seinem Kommentar (“Recht ohne Gerechtigkeit”) zwar als “rechtens” an, findet sie aber ungerecht, weil Mohnhaupt “kein Zeichen von Reue” habe erkennen lassen. Reue allerdings ist keine Voraussetzung für die Freilassung nach Paragraph 57 a StGB. Bei einer Begnadigung hingegen, kann man das so oder so sehen.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

*) Es besteht übrigens auch die entfernte Möglichkeit, dass Wagner an die “begnadigte” Mohnhaupt schreibt, weil er sich extrem gut mit dem Thema auskennt. Tatsächlich wird nämlich die Haftentlassung nach Paragraph 57 a StGB in Juristenkreisen offenbar zuweilen als “kleine Gnade” bezeichnet. Aber das sei hier nur der Fairness halber erwähnt.

6 vor 9

Die zehn besten Texte aus den Feuilletons des Jahres 2006
(satt.org, Frank Fischer)
Janina Turek, Willi Winkler, Rechtschreibreform, Tate Modern, Bachmann-Preis, “Spiralblock-Affäre”, Emphatiker & Gnostiker, GraSS, Analverkehr, Ein Jahr Große Koalition.

“Das Internet nimmt einen großen Raum ein”
(sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs)
Wachwechsel in einem der größten deutschen Verlage: Stefan von Holtzbrinck übernimmt vom scheidenden Manager Michael Grabner das Zeitungsgeschäft – und redet erstmals über “Gruscheln”.

“Wir bieten Craigslist auch in deutscher Sprache an”
(faz.net, Holger Schmidt)
Craig Newmark, Gründer der populären Kleinanzeigenseite Craigslist, erklärt sein “Geschäftsmodell”, seinen Verzicht auf viele Werbemillionen, seine Pläne im Ausland und was Zeitungsverleger im Internetzeitalter tun sollten.

Natural Born Marktführer
(stefan-niggemeier.de)
Ich versuch das mal zurückhaltend zu formulieren: In den vergangenen Wochen hat die ?Readers Edition? viel negative Aufmerksamkeit bekommen. Und die freundlichste Umschreibung für das, was da gerade passiert, ist wohl: Die ?Readers Edition? befindet sich in einem schwierigen und schlecht organisierten Umbruch.

Nachrichtenagentur AP setzt auf Blogger
(spiegel.de, pat)
“Citizen Journalism”, bei dem jedermann Berichterstatter sein kann und darf, liegt im Trend: Immer mehr Medienunternehmen setzen auf die Laien-Journalisten, um ihr Korrespondentennetz zu erweitern. So auch die Nachrichtenagentur AP, die Blogger als lokale Berichter sieht.

Geist im Äther
(taz.de, Monika Boll)
Mit seinen Vorträgen, Reden und Essays war das Kulturradio der Fünfziger- und Sechzigerjahre eine intellektuelle Instanz der Bundesrepublik. Warum fehlt die kritische Stimme der Öffentlichkeit heute?

Hybridjournalismus

Auch wenn sich der Verdacht aufdrängt: Nein, nein, um unzulässige Schleichwerbung bzw. einen Verstoß gegen die (laut Pressekodex und gemäß den “journalistischen Leitlinien” bei Springer) gebotene Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung handelt es sich bei der Toyota-Beseeltheit der heutigen “Bild”-Titelgeschichte selbstverständlich nicht. In einem ähnlichen Fall hielt der Presserat dergleichen jedenfalls für “zulässiges Eigenmarketing”. Warum auch immer.

Doch wenn sich “Bild” und “BamS” nun gemeinsam mit Toyota unter dem gewagten Motto “Wir machen Deutschland sauber” als Umweltschützer gerieren, freuen wir uns einfach abermals über den erstaunlichen Sinneswandel im Hause “Bild”: Hatte die “Bild am Sonntag” doch vor gerade mal zwei Monaten fast eine Seite freigeräumt (siehe Ausriss), um eine angebliche “Empörung im Bundestag” zu promoten — darüber nämlich, dass die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt schon seit längerem genau das tut, was “Bild” und “BamS” seit gestern groß anpreisen: einen Hybrid-Toyota fahren.

Mit Dank auch an Stefan M.

Symbolfoto XLV

Netter Versuch.

Aber die heute von “Bild” abgebildete Boeing 747 (also das als “Jumbo-Jet” bekannte Flugzeug mit dem charakteristischen “Buckel”) wird leider auch dadurch nicht zum Airbus 330-300, dass die “Bild”-Zeitung “Airbus A330-300” draufschreibt.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

PS: Bild.de zeigt das falsche Flugzeug immerhin kommentarlos.

Nachtrag, 13.2.2007: “Bild” hat’s heute in ihrer “Korrekturspalte” korrigiert.

6 vor 9

Springer baut Online-Geschäft aus
(handelsblatt.com, Hans-Peter Siebenhaar)
Vorstandschef Mathias Döpfner treibt den Ausbau des Internet-Geschäfts des Medienkonzerns Axel Springer massiv voran. “Die Digitalisierung ist von existenzieller Bedeutung für die Zukunft und hat daher Priorität”, sagte Döpfner im Interview mit dem Handelsblatt. Er sieht den Konzern im Internet in der “Beschleunigungsphase”.

Papier wird ungeduldig
(zeit.de, Matthias Nass)
Den Tageszeitungen laufen die jungen Leser davon – das Internet ist für sie wichtiger.

Informationssuche im Internet – Blogs als neues Recherchetool
(blogstudie2007.de)
Die Uni Leipzig hat in Kooperation mit der Suchmaschine Ask.com über 600 Internetnutzer in Deutschland zum Thema Weblogs befragt. Die Online-Umfrage zeigt: Blognutzer sind “investigative Multiplikatoren”, es gibt fünf Typen von Blognutzern, Weblogs sind wichtige Impulsgeber für neue Ideen und die Meinungsbildung, aber schwer auffindbar. (pdf, 356 kb)

Der Korresponaut
(berufundchance.fazjob.net, Matthias Hannemann)
Als Junge wollte er ins All fliegen, wegen einer Sehschwäche wurde er aber erst mal Lokal-Journalist in Köln und brachte es später immerhin bis nach Washington: Claus Kleber, ZDF-Moderator.

Sex.com
(ftd.de, David Schumacher)
Vor fast zwölf Jahren klaute ein Schwindler die wertvollste Domain der Welt. Der Kampf ist noch lang nicht vorbei: Es geht um 80 Millionen Dollar.

Was ist los in Second Life?
(titanic.de)
Ein Tagebuch aus der “virtuellen Welt”.

neu  

“…dass sich das nicht wiederholt”

Am vergangenen Freitag gab “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann im Hamburger NDR-Radio 90,3 eines seiner seltenen Interviews. Angesprochen auf die Rügen durch den Presserat sagte er:

“Wir drucken diese Rügen selbstverständlich ab und achten auch sehr darauf, dass sich das nicht wiederholt. Es gibt, um ein Thema zu sagen, das Thema der Selbstmorde. Da hat sich eben etwas verändert, auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Bei uns muss jede Berichterstattung über einen Selbstmord vom Chefredakteur abgesegnet werden, ob das zulässig ist oder nicht zulässig. Egal, ob das in einer Regional- oder einer Lokalausgabe ist. Das muss mit mir abgestimmt werden. Einfach um zu verhindern, das wir in diesem Bereich — weil wir das insgesamt in dem Pressekodex, den wir uns als Printmedium gegeben haben, sehr sehr eng sehen.”

Kai Diekmann ist seit 1. Januar 2001 Chefredakteur der “Bild”-Zeitung.

Im selben Jahr rügt der Presserat “Bild” dafür, “in ausführlichen Bildstrecken und unter voller Namensnennung den Tod eines jungen Mannes dargestellt” zu haben, “der erfolgreich an einem Selbstmordversuch gehindert wurde, beim Abstieg von einem Gerüst jedoch zu Tode stürzte.”

Ebenfalls 2001 rügt der Presserat “Bild” dafür, “ohne erkennbares öffentliches Interesse über den Selbstmord eines jungen Mannes berichtet” zu haben.

2002 rügt der Presserat “Bild” dafür, dass die Zeitung von einer Frau, die sich auf einem Friedhof angezündet hatte, das gut erkennbare Leichenfoto gezeigt, “jegliche Zurückhaltung vermissen” gelassen und sich hinterher nicht öffentlich entschuldigt habe.

2003 rügt der Presserat “Bild” dafür, dass die Zeitung identifizierbar über den Tod eines Mannes berichtet und die Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Selbstmorde “grob missachtet” habe.

2005 rügt der Presserat “Bild” dafür, über den Freitod eines Polizisten unangemessen sensationell berichtet und keine Rücksicht auf das Leid der Opfer und die Gefühle der Angehörigen genommen zu haben.

2006 rügt der Presserat “Bild” dafür, detailliert, identifizierbar und mit ausführlichen Spekulationen über den Selbstmord einer überschuldeten Mutter berichtet zu haben.

Andererseits: Seit wann die behaupteten Vorsichtsmaßnahmen in der “Bild”-Redaktion in Kraft sind, hat Diekmann ja nicht gesagt.

PS: Der zuletzt vom Presserat gerügte Selbstmord-Artikel aus dem Jahr 2006 ist bei Bild.de nach wie vor unverändert online.

Blättern:  1 ... 557 558 559 ... 614