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Bild.de fällt über englische Zeitungen her!

Es gibt journalistische Herausforderungen, die sich wirklich meistern ließen. Die Berichterstattung britischer Zeitungen über Pokalfinale Chelsea gegen Arsenal korrekt zusammenfassen: Das müsste doch machbar sein.

Nach Durchsicht der entsprechenden Artikel befand Bild.de gestern:

Britische Presse vernichtet Ballack

bzw.:

Englische Zeitungen fallen über Ballack her!

…und zwar “wie noch nie”! Na, dann gehen wir die Beispiele schnell mal durch.

Die “Daily Mail” schrieb: “Ballack hat weder die Kraft noch die Begeisterung, um es mit den Arsenal-Youngstern aufzunehmen.” Er habe einen “anonymen Auftritt” hingelegt.

Naja: Das zweite Zitat ist gar nicht aus der “Daily Mail”, sondern aus dem “Daily Telegraph”. Und das erste Zitat stimmt zwar, aber so furchtbar vernichtend kann es nicht gemeint gewesen sein: Die “Daily Mail” gab Ballack für seinen Auftritt 7 von 10 möglichen Punkten — und erklärte ihn damit zu einem der besten Spieler.

Die “Sun” nannte den Deutschen “faul”. Der “Daily Mirror” ätzte, Ballack sei “wieder einmal eine Riesen-Enttäuschung” gewesen.

Rumms! Was für eine vernichtende Kritik!

Och jo: Korrekt übersetzt lautet das “Daily Mirror”-Zitat: “Lieferte den Pass für Drogbas Ausgleichstreffer, aber für einen WM-Kapitän gegen kleine Jungs war das Spiel wieder eine Riesen-Enttäuschung…”

Überhaupt erwähnt die britische Presse Ballack dafür, dass sie ihn angeblich gerade “vernichtet”, erstaunlich beiläufig. Er steht alles andere als im Mittelpunkt der Berichterstattung, die meisten Bild.de-Zitate stammen nicht zufällig aus den tabellarischen Einzel-Kritiken der Spieler.

Weiter im Text:

Viele Zeitungen kürten Ballack zum schlechtesten Spieler des Matches.

Ja? Wir haben keine gefunden. Der “Daily Mirror” fand drei andere Spieler genauso schlecht wie Ballack und zwei eingewechselte Spieler schlechter, der “Daily Telegraph” fand insgesamt fünf Spieler genauso schlecht wie Ballack und zwei schlechter. Die “Sun” fand zwölf Spieler schlechter als Ballack, der “Independent” neun, der “Guardian” acht, “The Times” fünf.

Wie gesagt: Es gibt journalistische Herausforderungen, die sich wirklich meistern ließen. Man muss es natürlich wollen.

Nachtrag, 19.20 Uhr: Der Bild.de-Artikel beruht auf einer dpa-Meldung, die selbst schon zweifelhaft war und von Bild.de mit zusätzlichen Fehlern und dramatischen Übertreibungen angereichert wurde.

Danke an Mario G. und Harald G.!

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An der Erkenntnisschnittstelle
(fr-online.de, Stephan Loichinger)
Max Dax, der neue Chefredakteur der “Spex“, über Kontinuität und Wandel beim Neuanfang des Musikmagazins.

“E-Mails kühlen Ärger ab”
(welt.de, Thomas Heuzeroth)
Der Chef des kanadischen Blackberry-Herstellers Research in Motion, Jim Balsillie, hat der Welt das E-Mail-Handy gebracht. Damit sind Nutzer rund um die Uhr und überall erreichbar. WELT ONLINE spricht mit Balsillie über Kommunikationssucht.

Bei Anruf Sex
(watchberlin.de, Video, 3:11 Minuten)
Oliver Gehrs über Sexanzeigen in Printmedien.

Die Ruhe der Riesenschildkröte
(faz.net, Andreas Kilb)
Seit Google angekündigt hat, die Inhalte großer englischer und amerikanischer Bibliotheken ins Netz zu stellen, tickt die digitale Uhr. Europa lässt sich Zeit bei der Digitalisierung seines Kulturerbes. Verspielt es so die Zukunft?

Hat Deutschland ein Problem mit der Pressefreiheit?
(dw-world.de, Daphne Antachopoulos)
Ein Geheimdokument des BKA, ein Journalist, der es zitiert, und eine umstrittene Polizei-Razzia. Das ist die “Cicero”-Affäre. Nun entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob die Pressefreiheit verletzt wurde.

Ein Käfig voller Narren
(taz.de, Robert Misik)
Wie Henryk M. Broder in Wien auf einen anderen Durchgeknallten traf und dabei fast verhaftet wurde.

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Blogger nehmen sich zu wichtig?
(basicthinking.de, Robert Basic)
Leute, mal die pathetische Nummer: Viele Blogger haben nicht mal ansatzweise verstanden, was sie da in der Hand halten. Die Power, die Blogs alleine für sich und gemeinsam im Netzverbund entwickeln, ist brachial und disruptiv.

Wie hältst Du?s mit der RAF?
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
100 Interviewanfragen: Ins Fernsehen will Ex-Terroristin Mohnhaupt aber nicht.

Bei RTL.de ist das Grauen jetzt blau
(stefan-niggemeier.de)
RTL.de erstrahlt in neuem Glanz und einheitlicher Farbe. Es gibt viel zu sehen.

Von engen T-Shirts und echten Mädchen
(telepolis.de, Christian Gapp)
Ein in Beirut arbeitender Journalist hat die Personen gefunden, die auf dem kontrovers diskutierten Siegerfoto des diesjährigen World Press Photo Contest zu sehen sind.

Glaub mir!
(sueddeutsche.de, Christoph Kappes)
Die Netzeitung steht zum Verkauf und putzt sich heraus – gerade noch rechtzeitig.

Aeschbacher – Sturm & Drang
(sf.tv, Video, 14:06 Minuten)
Ex-Sat1-Senderchef Roger Schawinski zu Gast bei Kurt Aeschbacher. Achtung: Gespräch in Schweizerdeutsch!

Ronaldinhos Geliebte sieht aus wie eine Ente

Im Sommer 2006, wenige Tage nachdem eine Französin namens Alexandra Paressant dem britischen Boulevardblatt “The Sun” intime Details über den brasilianischen Fußballspieler Ronaldinho erzählt hatte, sah die letzte Seite der “Bild”-Zeitung so aus:

Und man kann nicht einmal behaupten, dass “Bild” damals keine Anstrengung unternommen hätte, sich von der eigenen Geschichte zu distanzieren:

(…) jetzt soll Brasiliens Superstar Ronaldinho (26) angeblich einen echten Traumtreffer gelandet haben. Das französische Top-Model Alexandra Paressant (…) behauptet steif und fest, daß der weltbeste Fußballspieler abseits des Rasens nur für SIE dribbelt. (…)
(Fettungen von uns.)

Allerdings: Damit SIE der “Bild”-Zeitung “jetzt zum 1. Mal” erzähle, wie sie Ronaldinho kennengelernt habe, wurde “Ronaldinhos angebliche Geliebte” von den “Bild”-Kollegen Cathrin Gilbert und Florian Scholz extra “aufgespürt”.

Aufgespürt, aha.

Wenige Tage später druckte die “Bild am Sonntag” ein Interview von Gilbert & Scholz mit Paressant, illustriert mit einem der “Bild”-Fotos und einem unscharfen Foto, das zuvor bereits in der “Sun” zu sehen war. Der Text klang ähnlich vertraut:

Weltfußballer Ronaldinho (26) dribbelt neben dem Platz nur noch für Sie [sic]: Alexandra Paressant (26). Das behauptet zumindest das Top-Model aus Frankreich.

Und wiederum kaum eine Woche später berichteten Gilbert & Scholz in “Bild” erneut über Paressant — diesmal mit einem neuen Foto, das angeblich Ronaldinho “und Freundin Alexandra” auf Marbella zeigte, tatsächlich aber etwas ganz anderes zeigte.

Danach dauerte es ein wenig, bis Gilbert & Scholz mit neuen Neuigkeiten aufwarten konnten, aber am 19. Juli war es soweit. Illustriert mit einem der aus “Bild” bekannten Fotos hieß es nun:

Ronaldinho bekennt sich öffentlich zu seiner neuen Liebe, dem französischen Top-Model Alexandra Paressant (…).

Frech oder selbstvergessen, jedenfalls so, als hätte es die “Sun”-Enthüllungen nie gegeben, hieß es über Ronaldinhos “neue Liebe” nun sogar:

BILD berichtete exklusiv.

Die Zeitschrift “Rund” schreibt jedoch in ihrer März-Ausgabe (u.a. unter Berufung auf das französische Magazin “So Foot”):

"Alexandra Paressant war niemals die Geliebte von Ronaldinho – nicht einmal für eine Nacht."

Laut “Rund”-Magazin handelt es sich bei Paressant vielmehr um “eine Expertin der Medienmanipulation” (oder gar “eine Verrückte”). Ihr sei es mit allerlei Tricks gelungen, “ein virtuelles Double” ihrer selbst zu schaffen — und das so gut zu vermarkten, dass ihre vermeintliche Liebesgeschichte mit dem Fußballstar nicht nur in der “Sun” und vielen, vielen anderen Medien nachzulesen war (und ist), sondern auch “exklusiv” in “Bild”.

Die Fotos, mit denen “Bild” und “BamS” ihre Paressant-Geschichten immer wieder großzügig bebilderten (O-Ton “Bild”: “Wow!”), bekam “Bild” übrigens offenbar von einer vermeintlichen Managerin des “Top-Models” zur Verfügung gestellt (“Bild”-Fotocredit: “privat”). Sie zeigen allerdings leider nicht die “Heckansicht” und “schönsten Fankurven” von Alexandra Paressant, sondern (irgend)ein Mannequin namens Alexandra Kabi.

Man findet sie leicht im Internet.

PS: Laut “Rund”-Magazin wollten sich weder die “Bild”-Autoren noch “Bild” zu den Schwindel-Vorwürfen äußern. Bei Bild.de ist keiner der Paressant-Texte mehr zu finden.

6 vor 9

Das Ende der Bescheidwisser (+)
(zeit.de, Thomas Gross)
Die Allgegenwart von Musik hat die Popkritik in eine Krise gestürzt. Im Streit um »Spex«, einst das wichtigste deutsche Musikmagazin, zeigt sich die Sehnsucht nach alten Verbindlichkeiten. Doch der Kritiker als Stilpapst hat ausgedient.

ConnectedMarketing.tv | Folge 11: Robert Basic
(connectedmarketing.de, Martin Oetting, Video, 16:15 Minuten)
Bei der Aufschwung-Messe für Existenzgründer habe ich Über-Blogger und Content-Kanone Robert Basic interviewt. Eigentlich bemühe ich mich immer darum, meine Interviews nicht länger als 5 Minuten werden zu lassen… Aber wenn das Gespräch einfach läuft, dann muss man’s ja nicht unbedingt künstlich abbrechen.

Bloggen auf Papier
(blogpiloten.de, Thomas Gigold)
Wir haben über 50 Bücher zum Thema Blogging zusammen gestellt. Angefangen von allgemeinen Einführungen über wissenschaftliche Abhandlungen bis hin zu Blog-Einträgen zwischen zwei Buchdeckeln.

Die Zukunft liegt in der Vergangenheit
(floriansteglich.de)
Über die Zukunft des Journalismus wird viel gesprochen und geschrieben dieser Tage. Das Internet scheint die traditionellen Medien zu bedrohen – und wird darum schon mal als ?Seuche? oder ?Serienkiller? bezeichnet. In einem neuen Buch versuchen neun Wissenschaftler und Praktiker eine Momentaufnahme der Debatten und Visionen.

Proporz frisst Profil
(merkur.de, Rainer Braun)
Fakt” u. Co. verlieren langsam, aber stetig Zuschauer. Der Versuch, auf Boulevardthemen anstatt auf investigativen Journalismus zu setzen, ist gescheitert.

Horst Schlämmer: Die Kreativen hinter dem Blog
(dwdl.de, Jochen Voß)
Das Weblog von Hape Kerkelings Kunstfigur Horst Schlämmer sorgt seit Wochen für Aufsehen und Unterhaltung. Doch wer steckt dahinter? Das Medienmagazin DWDL.de sprach mit Friedrich von Zitzewitz, der das Projekt als Executive Creative Director realisiert, über Idee und Umsetzung des Videoblogs.

Kurz korrigiert (317)

Bei dem Arzneimittel-Hersteller Pfizer dürfte man wohl angesichts der Berichterstattung über ein neues Produkt auf Bild.de etwas hin- und hergerissen sein:

"

Einerseits nennt Bild.de das Pfizer-Präparat, das “im März da” sein soll, immerhin schon in einer Ankündigung auf der Startseite und auch in der Artikel-Überschrift “Super-Pille”. Andererseits heißt die neue “Super-Pille” aber gar nicht “Campix”, wie Bild.de wiederholt schreibt, sondern “Champix”, was man auch bei Bild.de schon einmal wusste.

Mit Dank an Daniel für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 18.26 Uhr: Der Arzneimittelexperte von Bild.de ist inzwischen tätig geworden und hat sogar die falsche Artikel-URL korrigiert.

“Bild”-Leser müssen bis zu 6 Wochen warten

“Bild” berichtet heute über eine “schockierende AOK-Studie”, nach der Kassenpatienten “bis zu 4 Wochen warten” müssen. Im Text schreibt “Bild”:

(…) jetzt ist schwarz auf weiß bewiesen (…). Eine Studie des Wissenschaftsinstituts der AOK (WIdO) ergab jetzt: (…)
(Hervorhebung von uns)

Und mit “jetzt” muss “Bild” wohl Anfang Januar meinen. Denn bereits vor rund sechs Wochen wurden die Ergebnisse der Studie im “WIdO-Monitor” [pdf] offiziell vorgestellt, worüber damals auch verschiedene Medien berichtet hatten (wie übrigens auch schon im November 2006, als viele Zahlen aus der Studie bereits in einer Pressemitteilung bekannt gegeben worden waren).

"Große AOK-Studie beweist: So lange lassen Ärzte Kassenpatienten warten!"Dass “Bild” daraus heute sogar eine Titel-Schlagzeile macht (siehe Ausriss), könnte daran liegen, dass die Ergebnisse der Studie jetzt noch einmal (und erstmals in gedruckter Form) als “Beilage der Zeitschrift ‘Gesundheit und Gesellschaft'” veröffentlicht wurden, wie man uns beim WIdO sagt.

Aber natürlich hat so eine verspätete “Bild”-Schlagzeile auch ihr Gutes. Zumindest für “Bild”. Denn so können auch verschiedene Nachrichtenagenturen das Thema (wieder)entdecken — und dazu beitragen, dass “Bild” als meistzitierte Zeitung Deutschlands gilt.

Mit Dank an Bastian B. und Michael P. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 22.2.2007 (Mit herzlichem Dank an Stammleser Dirty Harry): “Bild” hatte am 4.11.2006 doch schon einmal über die Ergebnisse der “WIdO”-Studie berichtet — sogar auf der Titelseite. Allerdings in einer kleinen 14-Zeilen-Meldung.

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Exkremisten gegen “Bild”? (+)
(sueddeutsche.de, Doris Näger)
Unbekannte haben in München die Bild-Zeitungskästen mit absurden Titeln überklebt. Und kaum einer hat’s gemerkt.

“Lyssas Lounge im Arbeitsvertrag”
(politik-digital.de)
Katharina Borchert, in der Blogosphäre bekannt als Lyssa und verantwortlich für das neue Internetportal der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, chattete in der Blogsprechstunde über die “Männerdomäne” WAZ im Web 2.0 und Angela Merkels Vorliebe für Gemüse. Thema war auch die Kritik an ihrem Wechsel nach Essen.

Massenmedien im Wandel: Zeitungen und Zeitschriften (+ +)
(netzwelt.de, Patrick Woods)
Das Web wirbelt den Medienmarkt auf. Redaktionelle Inhalte und Nachrichten gibt es im Internet kostenlos und dank den Suchmaschinen findet jeder in Sekundenschnelle das, was er sucht. Damit steht das Web in Konkurrenz zu den herkömmlichen Printmedien. Löst das Internet die Zeitung und das Magazin ab? Oder ergänzen sich beide Medien lediglich?

“Wikipedia steht definitiv nicht vor dem Aus”
(spiegel.de, Frank Patalong)
Seit Wochen kursieren Gerüchte um finanzielle Probleme bei der Wikipedia. SPIEGEL ONLINE hakt nach – jetzt dementiert die deutsche Wikimedia-Spitze alles, spricht über ihre notorische Geldnot und enthüllt, wie viel das Projekt kostet.

Bloggen: Und ewig schläft das Murmeltier
(basicthinking.de, Robert Basic)
Na, wer kennt das nicht als Blogger? Die typischten Dinge, die man immer wieder erlebt.

Interviews in der Stadt Bern
(weggli-tv.com, Angelo Nef, Video)
Pardon, kann ich ihnen etwas helfen?

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Als Krebs hat “Bild” natürlich Darmprobleme

Wir appellieren an die Wissenschaftler dieser Welt: Hören Sie auf! Lassen Sie davon ab, Untersuchungen zu veröffentlichen, die die Menschen klüger machen sollen. Verzichten Sie auf alle Versuche der Aufklärung. Die “Bild”-Zeitung wird sie wieder und wieder und wieder in ihr Gegenteil verkehren und als Vorlage missbrauchen, die Menschen dümmer zu machen.

Der kanadische Wissenschaftler Peter C. Austin hat mit Kollegen eine interessante Untersuchung gemacht. Sie wollten zeigen, wie leicht man mit statistischen Auswertungen alle möglichen Zusammenhänge herstellen kann, selbst völlig abwegige. Als Beispiel untersuchten sie, wie sich das Sternzeichen eines Menschen darauf auswirkt, welche Krankheiten er bekommt. Sie werteten dazu die Daten aller zehn Millionen erwachsenen Bewohner der Provinz Ontario aus und teilten sie zunächst zufällig in zwei Gruppen. Die erste Gruppe durchsuchten sie nach den 223 häufigsten Gründen für eine Krankenhauseinweisung und überprüften, ob sie bei bestimmten Sternzeichen besonders häufig auftraten. Sie fanden je Sternzeichen mindestens zwei solcher Krankheiten, die statistisch signifikant häufiger auftraten, zum Beispiel schienen sich Schützen besonders häufig den Oberarmknochen zu brechen, Krebse litten auffallend oft an Darmproblemen.

Die Forscher betrachteten nun je Sternzeichen zwei solcher scheinbar typischen Erkankungen, und überprüften den Zusammenhang anhand der zweiten Gruppe mit den anderen fünf Millionen Menschen. Doch, siehe da: Von den insgesamt 24 Krankheiten bestätigte sich in 22 Fällen die Vermutung der besonderen Häufung nach Sternzeichen nicht. Und auch bei den verbliebenen zweien stellte sich bei genauerer Betrachtung heraus, dass die Abweichung nur zufällig und nicht signifikant war.

Der Schluss der Forscher: Wenn man ziellos und ohne klare Hypothese so viele Kriterien betrachtet (223 mögliche Erkrankungen!), wird man, wenn man bei der Durchführung der Studie nicht ganz genau aufpasst, immer auf irgendwelche scheinbaren statistischen Zusammenhänge stoßen — selbst wenn es in Wahrheit gar keine gibt. Sogar etwas so abwegiges wie ein Einfluss des Sternzeichens auf die Gesundheit lässt sich dann scheinbar beweisen — obwohl die Forscher durch eine genauere Betrachtung der Daten eindeutig feststellen konnten, dass so ein Einfluss nicht existiert.

Ja. Und das machte “Bild” gestern aus der Studie:

ENDLICH ALLE 12 STERNZEICHEN ERFORSCHT. So wirken die Sterne auf Ihre Gesundheit!

Danke an Rouven S., Gerd K. Benjamin T. und Ralf S.!

neu  

Das Märchen vom Wolf und den fünf Experten

Am Dienstag veranstaltete das Bundesumweltministerium in Berlin eine Tagung “Wer hat Angst vorm bösen Wolf?”. Es ging darum, wie bei einem solch konfliktreichen, emotionalisierten Thema wie der Wiederansiedelung des Wolfes in Deutschland eine sachliche Auseinandersetzung gelingen kann.

Am gleichen Tag demonstrierte die “Bild”-Zeitung, wie leicht es ihr fällt, bei diesem Thema jede sachliche Auseinandersetzung zu torpedieren. Jürgen Helfricht, in Dresden bei “Bild” der Mann fürs Grobe und einschlägig bekannt, schrieb diesen Artikel:

EXPERTEN FORDERN: Schießt die deutschen Wölfe ab!

(…) Jetzt warnen internationale Experten vor den Tieren, fordern ihren Abschuss! Lesen Sie selbst, was die Fachleute sagen.

Was die fünf “Fachleute” aus drei Ländern sagen, liest sich tatsächlich erfrischend eindeutig. Einer behauptet:

“Menschen sind die natürlich Beute des Wolfes.”

Ein anderer:

“Ich erwarte, dass bald Kinder von den Wölfen getötet werden.”

Hinter die Warnungen schreibt “Bild” noch den erschütternden Satz:

Sachsens Umweltminister will die Experten ignorieren.

Und fügt, ein bisschen verwirrend, die Information hinzu:

Eine Umfrage des “Internationalen Tierschutz Fund” (IFAW) ergab: Seit Jahrzehnten kam es in keinem europäischen Land mit Wolfsbestand zu Angriffen auf Menschen.

Ach.

Eine Umfrage auf der Tagung des Bundesumweltministeriums ergab nach Angaben einer Teilnehmerin, dass keiner der anwesenden internationalen Experten die “internationalen Experten” von “Bild” kannte. Allerdings scheinen sich die “internationalen Experten” von “Bild”, wie ein Gruppenfoto in “Bild” andeutet, untereinander zu kennen. Sie sitzen alle gemeinsam auf einem Sofa mit Joachim Bachmann. Und den kennen wir.

Bachmann ist Jäger, Gründer des Vereines “Sicherheit und Artenschutz”, der dafür kämpft, die Wölfe in Deutschland wieder auszurotten. Er empfindet es laut “FAZ” als eine Ehre, unter den Wolfsfreunden in der Lausitz als “Wolfsfeind Nummer eins” zu gelten. Die “Sächsische Zeitung” zitiert ihn mit den Worten: “Mit dem Wolf ist es wie mit dem Krebs im Körper. Wenn sie ihn frühzeitig bekämpfen, haben sie hohe Heilungschancen. Wenn sie warten, bis die Metastasen da sind, haben sie nur noch fünf Prozent Heilungschancen.”

Das Wildbiologische Büro “Lupus”, das in der Lausitz die Rückkehr der Wölfe fachlich begleitet und von “Bild” und Bachmann heftig kritisiert wird, sagte gegenüber BILDblog, die “internationalen Experten” von “Bild” seien allesamt von Bachmanns “Sicherheit und Artenschutz e.V.” in die Lausitz eingeladen worden. Was natürlich erklärt, warum ihre Forderungen so sehr übereinstimmen. Und warum sie in keiner Weise repräsentativ sind.

Mit der gleichen Logik, mit der “Bild” diese Leute schlicht zu Wolfs-“Experten” macht, könnte sie auch CDU-Politiker zu Fachleuten für die SPD erklären (“Experten fordern: Wählt keine Sozialdemokraten!”). Oder sich selbst zum Experten für Wahrheit.

PS: Gestern legte Jürgen Helfricht in einem weiteren “Bild”-Artikel nach. Der Text begann mit den Worten:

“Die Angst der Menschen vor den rund 30 Lausitz-Wölfen wächst von Woche zu Woche!”

Na, woher das wohl kommt.

Danke auch an Benjamin S.!

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