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6 über 2008

Traditionelle Medienkonzerne gehören auch 2008 zu den grossen Verlieren, und zwar schlimmer denn je
(medienkonvergenz.com, Andreas Göldi)
“Sorry, aber weder die Musik-, noch die Film-, noch die Zeitungs-, noch die Fernsehbranche haben 2007 irgendeinen Hinweis darauf gegeben, dass sie digitale Medien verstehen und eine brauchbare Strategie für den Umgang mit diesem Phänomen haben.”

Die Trends des Jahres 2008 – Versuch einer Vorhersage
(blog.handelsblatt.de/indiskretion, Thomas Knüwer)
“Diese Berufsstandsbeamten, für die ich mich als Journalist schämen muss, werden leider auch im neuen Jahr nicht verstummen – im Gegenteil. Ihre Angriffe werden heftiger werden, sollte die Konjunktur kippen – und dafür spricht viel.”

Orakel 2008
(debatte.welt.de, Don Dahlmann)
“Für Schlagzeilen dürfte die Musikindustrie sorgen. Es sieht ganz so aus, als ob dort die Probleme mit den Künstlern größer werden, als die mit den Käufern.”

Ins Nichts
(blogbar.de, Don Alphonso)
“2008 wird das Jahr der Exits. Ich vermute mal, dass bekanntere Blogger vermehrt nach Chancen suchen werden, schnellstmöglich umzusteigen, sich als Berater andienen oder nach Aufträgen für Verwandtes suchen. Damit noch etwas kommt, wenn man begriffen hat, dass nichts mehr kommt.”

Wird 2008 zum Jahr der Privatsphäre?
(mrtopf.de/blog)
“Wenn etwas das Thema 2008 werden kann, dann sicher die Privatphäre, denn es brodelt an vielen Stellen. Manche Themen sind heute schon aktuell und werden ins neue Jahr getragen werden, andere Dinge sind noch nicht akut, könnten es aber dennoch werden.”

“In 2008, a 100 Percent Chance of Alarm
(nytimes.com, John Tierney)
In 2008, your television will bring you image after frightening image of natural havoc linked to global warming. You will be told that such bizarre weather must be a sign of dangerous climate change ? and that these images are a mere preview of what?s in store unless we act quickly to cool the planet.”

6 vor 2008

NUHR 2007 – Der Jahresrückblick
(zdf.de, Dieter Nuhr, Video, 60 Minuten)
Dieter Nuhr schaute zum Abschluss des Jahres 2007 in ironisch-witziger Art auf die Höhepunkte des Jahres und präsentierte seinen persönlichen Jahresrückblick am 27. Dezember, 23.15 Uhr im ZDF.

Richling als Köhler
(youtube.com, Video, 7:33 Minuten)
Neujahrsansprache des Bundespräsidenten aus dem Scheibenwischer Jahresrueckblick von Ende 2007.

Batz Headroom, das war das Jahr!
(nochetwassalz.de, Video, 9:15 Minuten)
Max Headroom reloaded.

Der Extra3-Jahresrückblick 2007
(youtube.com, Video, 3:24 Minuten)
“Udo, ein Onkel von Problembär Bruno, wandert illegal nach Deutschland ein und beginnt eine Affäre mit Karin Stoiber…”

Augenblicke
(focus.de)
Die Reportagebilder des Jahres.

So arg war’s nicht
(welt.de, Juli Zeh)
Das Jahr 2007. Doch es ruhe sanft. Eine Jahresendlitanei in einem Atemzug und einem Satz.


6 vor 9

Helden oder Verräter?
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
Krumme Touren in Unternehmen und Behörden werden meist von internen Informanten aufgedeckt. Ruhm ernten die Tippgeber hierzulande allerdings selten.

Die Bedeutung von Weblogs für Politikjournalisten (+)
(thewavingcat.com, Peter Bihr, pdf, 1118 kb)
“Weblogs haben für die Arbeit von Politikjournalisten in Deutschland derzeit eine geringe Bedeutung.”

Die Arroganz der Papierverfechter
(taz.de, Stefan Niggemeier)
Mühelos kann heute jeder seine Meinung ins Netz posaunen. Davon fühlt sich mancher Profi auf den Schlips getreten – doch das spricht für einen merkwürdigen Minderwertigkeitskomplex.

Die beispiellose Misserfolgsgeschichte von “Bild”
(bildblog.de, Max Goldt)
“An ‘Bild’ käme niemand vorbei, wird gesagt. Ja, warum denn nicht? Vielleicht sollte man erst einmal versuchen, an ihr vorbeizukommen! Meiner Erfahrung nach ist das gar nicht schwer.”

Ich blogge, also bin ich
(zeit.de, Thomas Groß)
Immer mehr Menschen produzieren sich im Internet. Wir treten ein in die Epoche des »digitalen Nihilismus«. Ein Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Geert Lovink.

Das Evangelium nach Google
(dasmagazin.ch, Rico Czerwinski)
Die Suchmaschine Google hat auf jede Frage eine Antwort. Eher: Tausende von Antworten. Gilt das auch für Vinton G. Cerf, den Vordenker des unheimlich mächtigen Unternehmens?

BILDblog hält Winterschlaf (2)

Mit Dank für die sachdienlichen Hinweise des Jahres 2007 an A.J., A.K., Adrian C., Adrian J., Albert G., Alex, Alex C., Alex E., Alex G., Alex H., Alex Z., Alexa F., Alexander, Alexander B., Alexander H., Alexander J., Alexander K., Alexander N., Alexander R., Alexander S., Alexander W., Alice B., Allan D., Amin N., Andrea B., Andrea E., Andrea R., Andreas, Andreas B., Andreas F., Andreas G., Andreas H., Andreas K., Andreas R., Andreas S., Andreas U., Andreas W., Andy, Andy S., Anika H., Anna, Anna F., Anna K., Annabell, Anne-Kirstin K., Ansgar, Antonio, Astrid G., Astrid K., Axel B., Axel L., Axel M., Axel S., Axel W., B., Basti, Bastian B., Bastian D., Bastian V., Batihu, Ben G., Benedikt H., Benjamin, Benjamin G., Benjamin H., Benjamin K., Benjamin S., Benjamin T., Benny J., Bense, Bense F., Bernard G., Bernd H., Bernd O., Bernd R., Bidisch, Björn B., Björn K., Bloggwurst.de, Boris H., Boris M., c_d_k, Carsten, Carsten E., Carsten K., Carsten M., Carsten S., Carsten Z., Cay D., Chakamoto.de, Chris, Chris H., Chris K., Chris K., Christian, Christian A., Christian B., Christian H., Christian K., Christian M., Christian N., Christian R., Christian S., Christian V., Christian Z., Christiane H., Christoph E., Christoph F., Christoph H., Christoph K., Christoph S., Christoph W., Christopher, Claudia K., Claudia P., Constantin M., D.L., Daniel , Daniel B., Daniel E., Daniel F., Daniel G., Daniel Große, Daniel L., Daniel N., Daniel O., Daniel P., Daniel S., Daniel T., Daniel von B., Daniel W., Daniele, das Wortschnittchen, DauerKind, David N., Demian K., den, Denis R., Dennis K., Dennis S. , Denny A., Derek F., Dhidalgo, Dieter B., Dietmar P., Dietmar S., Dietrich K., Dirk, Dirk G., Dirk S., Dirk U., Dirk W., Dirty Harry, Dominik B., Dominik R., Donas, Eric A., Eric H., Eric S., Erik F., Erik K., Fabian K., Falk B., farry2003, Ferranno, Flo E., Florian, Florian F., Florian G., Florian K., Florian L., Florian S., Frank, Frank A., Frank Abel, Frank B., Frank H., Frank J., Frank T., Fred J., Frederik Alexander T., Friedrich, fritzali, fufofa, G.M.B., Gecko, Georg H., Gerald H., Gerd K., Gerhard T., Gerrit H., Gert M., Gordon, Gregor D., Gregor G., Guido F., Guido S., Gunnar W., Günter S., Günter V., H., Hanno E., Hanns K., Harald G., Harald W., Hariolf B., Haro V., Harry S., Hauke R., Heiko S., Heiner H., Heinz M., Heinz-Günter K., Hendrik G., Hendrik L., Henning B., Hermann B., Holger, Holger A., Holger E., Holger R., Holger S., ihlkawimsns, Ilona R., Ingo F., Ingo K., J.v.Z., J.W., Jack, Jakob S., Jan, Jan A., Jan K., Jan W., Jana H., Jan-Christoph K., Jason M., Jenny D., Jenny R., Jens F., Jens L., Jens S., Jesko S., Jessica, Joachim, Joachim K., Joachim L., Joanna M., Johannes, Johannes B., Johannes D., Johannes K., Johannes S., Johannes W., John S., Jojo, Jonas P., Jörg F., Jörg H., Jörg W., Jos G., José R., Josh M., Julia W., Julian, Julian B., Julian R., Juliana J., Jürgen D., Jürgen K., Jürn D., Kai B., Kai K., Kai L., Kai-Oliver K., Kalman G., Karsten S., Kate B., Katharina L., Katharina M., Kathrin, Katja D., Katja M., Katy H., Kauli, Kessi, Klaus, Klaus H., klein-K, Klemens, Knut, Konni, Kuzy, Kyno, Lambert, Lars, Lars W., Leif U., Leni, Lennart O., Linda E., Lisa, Lisa H., Lothar B., Lothar S., Lothar Z., Lutz R., M., M.P., Maja I., majestic, Malte, Malte L., Mandy, Manfred H., Manfred P., Manuel B., Manuel D., Manuel N., Manuel S., Marc L., Marc W., Marcel, Marcel G., Marco G., Marco M., Marco R., Marcus S., Marcus W., Mareike, Marek F., Marek M., Mariche, Mariella A., Mario G., Mario Z., Marius M., Mark F., Mark P., Mark U., Marko B., Marko H., Markus, Markus F., Markus G., Markus K., Markus M., Markus O., Markus S., Martin, Martin A., Martin G., Martin H., Martin K., Martin M., Martin N., Martin R., Martin S., Marvin S., Mathias K., Mathias L., Matthias B., Matthias L., Matthias M., Matthias P., Matthias R., Matthias S., Matthias W., Matthoa D., Max M., Max V., Merlin S., Micha, Michael, Michael B., Michael D., Michael F., Michael H., Michael K., Michael L., Michael M., Michael N., Michael O., Michael P., Michael Q., Michael R., Michael S., Michael T., Michael W., Michaela B., Mike D., Mike S., Miriam S., Mirko M., Misch K., Monika G., Moritz A., Moritz D., Moritz E., Mumu M., N8crawler, Nadja G., Nahne J., Natascha S., Neil G., Nico M., Nico W., Nicole, Nils K., Norman S., O., Oenna, Offizieranwärter, Olaf B., Olav J., Olav L., Ole J., Oliver P., Oliver S., Oliver W., Ollewa B., Patrick, Patrick K., Patrik G., Patrizio V., Paul R., Peer S., Peter K., Peter N., Peter R., Peter T., Philip W., Philipp H., Philipp S., Philipp W., Phillipp S., Pierre, Pierre B., Piet W., Raimo W., Rainer F., Rainer H., Rainer Z., Ralf S., Ralph, Ralph K., redblog, Reichelt, Reinhard B., Rene G., René S., René T., Rob V., Robert T., Robin A., Rocco S., Rouven S., S.F., Sabine W., Sag Ich, Said V., Salman, Sandra, sarin, Sascha G., Sascha H., Sascha S’ Vater, Sascha S., Sascha W., Sebastian, Sebastian C., Sebastian D., Sebastian J., Sebastian K., Sebastian L., Sebastian P., Sebastian S., Sebastian T., Sebastian U., Sebastian V., Sebastian W., Sigrid N., Silke, Simon, Simon H., Simon K., skov, Spießer Alfons, Stefan, Stefan A., Stefan B., Stefan K., Stefan M., Stefan N., Stefan R., Stefan S., Stefanie H., Steffen, Steffen B., Steffen P., Stephan, Stephan B., Stephan F., Stephan N., Stephan S., Stephan T., Steven K., Susann, Sven H., Sven K., Sven P., Sven S., Sven W., Sybill B., Sylvio, Takuro K., Tal, Tanja, Tesy, Thekla, Thomas, Thomas C., Thomas D., Thomas K., Thomas L., Thomas M., Thomas N., Thomas R., Thomas S., Thomas W., Thorsten A., Thorsten K., Thorsten M., Till V., Tilman H., Tim, Tim B., Tim E., Tim W., Timm H., Timo R., Tina M., Tobben H., Tobi, Tobias G., Tobias L., Tobias R., Tobias W., Tobias Z., Tomchen, Tomekk, Toni L., Torben F., Torben W., Torsten D., Torsten R., Torsten W., Turrican, U. P., Udo G., Uli K., Uli W., Uli Z., Ulrich B., Urs von W., usdgzer, Verena, Verena D., Volker, Volker K., Volker M., Volker W., Volkmar D., Vroni L., Vuffi R., wayne, Werner H., Werner V., Wojtek B., Wolfgang, Wolfgang K., Wolfgang L., Wolfgang S., Wolfgang W., Yasemin Y. — und alle anderen, auch die vielen, deren sachdienliche Hinweise wir nicht berücksichtigen konnten!

Sink an einem anderen Tag

Es ist Weihnachten, da muss man auch mal ein Auge zudrücken.

Hätte damit aber immer noch eins mehr offen, als die Menschen, die bei Bild.de die Weihnachtsfernsehtipps verfassen. Vergangenen Freitag bestand rund die Hälfte der Highlights, die sie empfahlen, aus dem Weihnachtsprogramm 2006. Der Artikel ist dann unauffällig entsorgt worden, stattdessen machte sich nun eine andere Kollegin noch einmal an das Thema und schrieb:

Bei so viel Angebot fällt die Auswahl schwer.

Wir helfen Ihnen und zeigen hier die TV-Highlights für die Feiertage.

Tolle Hilfe. Schwer fällt zum Beispiel die Entscheidung zwischen den beiden Spielfilmen, die laut Bild.de beide gleichzeitig am 25. Dezember um 20.15 Uhr auf ProSieben laufen sollen: “Titanic” und “Pearl Harbor”…


…insbesondere, wenn sich dann herausstellt, dass keiner der beiden am 25. Dezember um 20.15 Uhr auf ProSieben läuft. “Pearl Harbor” kommt auf RTL, “Titanic” erst am 2. Weihnachtstag. Stattdessen zeigt ProSieben am 1. Weihnachtstag “Armageddon”, einen Film, den Bild.de als Highlight des 2. Weihnachtstages ankündigt.

Und Alexander von Schönburg, von “Bild” ganz unbeirrt als “Adels-Experte” bezeichnet, versucht zwar mit vermeintlichem Insiderwissen zu imponieren, wenn er in der “Bild” den Ablauf des Heiligabends bei den Windsors beschreibt:

Die englischen Royals haben sich in Schloss Sandringham versammelt. Ihr heutiger Tag: Morgens spazieren gehen oder Ausritt. Um 15 Uhr sitzen alle vor dem Fernseher, hören die Weihnachtsansprache der Queen. Danach trifft man sich im holzgetäfelten Rauchsalon zum Tee. Um 18 Uhr Bescherung im Weißen Salon… [etc. pp.]

Aber die Details (“Lammbraten, danach Pina-Colada-Mousse”) wären noch beeindruckender, wenn von Schönburg wenigstens wüsste, dass die Weihnachtsansprache der Queen erst am folgenden Tag, dem 25. Dezember, ausgestrahlt wird.

Mit Dank an Axel L.!

Nachtrag, 10.00 Uhr: Nun haben “Armageddon” und “Titanic” ihre richtigen Sendeplätze gefunden. “Pearl Harbor” empfiehlt Bild.de sicherheitshalber gar nicht mehr.

Der Geist der vergangenen Weihnacht


Stimmt. Ein Großteil der von Bild.de angekündigten “TV-Highlights” kommt einem irgendwie bekannt vor: “Moonlight Mile” (Hl. Abend, 20.15 Uhr, Pro7) zum Beispiel. Oder die “TV-Premiere” von “Tatsächlich… Liebe” (1. Weihnachtstag, 20.15 Uhr, RTL). Oder, anderes Beispiel, der erste Teil der “Der Herr der Ringe”-Trilogie…

Der erste Teil der spannenden Trilogie "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" (26. Dezember, 20.15 Uhr, RTL) ist wieder im TV
Und, ja, es stimmt: Nicht nur “Moonlight Mile”, “Tatsächlich… Liebe” und “Der Herr der Ringe – die Gefährten”, sondern auch “Cast Away”, “Forrest Gump”, “Stuart Little”, “Muppets: Der Zauberer von Oz”, “Out of Sight” und “Leon, der Profi” — also immerhin die Hälfte der “TV-Highlights” von Bild.de waren bereits vor einem Jahr im Weihnachtsprogramm zu sehen. Sogar zur selben Uhrzeit!* Auf denselben Sendern! Also dort, wo in diesem Jahr, äh… “Ladykillers”, “Pearl Harbor”, “Der Flug des Phönix” “Armageddon”, “Titanic” , “Hogfather”, “Teuflische Engel”, “10.5 Apokalypse” und der Schluss von “Armageddon” laufen.

Anders gesagt: Wenn einem die “TV-Highlights” von Bild.de bekannt vorkommen, liegt das nicht notgedrungen an den “vielen Wiederholungen”, sondern daran, dass es zu einem Großteil die TV-Highlights des vergangenen Jahres sind.

*) außer “Moonlight Mile” (lief 2006 schon um 16 Uhr auf Pro7)

Mit Dank an Michael Q. und c_d_k für den Hinweis.

Nachtrag, 22.12.2007: Sieht ganz so aus, als hätte der Geist der gegenwärtigen Weihnacht bei Bild.de vorbeigeschaut und den kompletten Artikel ersatzlos gestrichen.

Mindestlohn-Durchwinker: Hände hoch!

Der Bundesrat hat gestern gegen den Willen der “Bild”-Zeitung der Einführung von Mindestlöhnen für Briefzusteller zugestimmt. Das ist natürlich an sich schon eine Ungeheuerlichkeit, insbesondere aber deshalb, weil die Länder damit laut Meinungsumfragen dem Wunsch einer Mehrheit der Bevölkerung nachgekommen sind. Dabei handelt es sich laut “Bild” um eine besonders perfide und selbstzerstörerische Form des Populismus, denn die Entscheidung ist ja falsch, leugnet “Erkenntnisse” und widerspricht den Interessen des Volkes. Die Wähler werden das sicher nicht goutieren, wenn man einfach tut, was sie wollen, obwohl es falsch ist.

Ungefähr so argumentiert Martin Lohmann heute in “Bild”, aber sein Kommentar ist nicht nur logisch gewagt, sondern auch sachlich falsch. Kern seines Vorwurfs der “Scheinheiligkeit” und “Charakterschwäche” ist die Feststellung:

(…) gestern im Bundesrat: Alle, auch die größten Kritiker, winken ein falsches Gesetz durch.

Schon beim Lesen des “Bild”-Berichtes zum Thema hätten Lohmann Zweifel kommen können, denn darin heißt es:

11 Ministerpräsidenten stimmten dafür, darunter Hessens Regierungschef Roland Koch (CDU). Dagegen enthielt sich Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gemeinsam mit den Kollegen aus Baden-Württemberg Brandenburg, NRW und Thüringen.

Eine Enthaltung ist keine Zustimmung, und speziell im Bundesrat kann man — anders als in anderen Gremien — durch eine Enthaltung kein Gesetz indirekt “durchwinken”. Voraussetzung für einen Beschluss des Bundesrates ist nämlich immer, dass eine absolute Mehrheit mit “Ja” stimmt. Der Bundesrat selbst erklärt deshalb:

Insoweit spielen Enthaltungen bei der Abstimmung keine Rolle und werden als solche auch nicht festgehalten. Eine Enthaltung wirkt prinzipiell wie eine Nein-Stimme.

Von den 69 Mitgliedern des Bundesrates winkten also (laut “Bild”) nur 43 den Mindestlohn durch. 26 stimmten de facto gegen den Beschluss, vermutlich, weil sie ihn, wie “Bild”, für falsch halten. Ob es Kalkül der Zeitung ist, auch ihnen in einer für die Axel Springer AG so entscheidenden Frage Scheinheiligkeit und Charakterschwäche zu unterstellen, oder nur Ahnungslosigkeit, wissen wir natürlich nicht.

“weil halt”

Wir geben zu: Wir konnten uns nicht entscheiden. Weshalb es heute gleich drei “BILDblogger für einen Tag” gibt. (Aber dazu später.)

Als wir uns aber gestern Mittag mit einer Stellenanzeige auf die Suche nach einer Vertretung für den krankheitsbedingt kurzfristig ausgefallenen Gast-BILDblogger Harald Martenstein* machten, hatten wir nicht damit gerechnet, dass in den folgenden fünf Stunden über 70 Bewerbungen eingehen würden. Überrascht hat uns aber auch, warum die Bewerber/innen BILDblogger für einen Tag werden wollten. Deshalb mit Dank für die rege Teilnahme hier ein paar überraschende Begründungen:

  • weil Saarländer sonst selten ins bundesdeutsche Bewusstsein vordringen.
  • weil meine Mutter immer gesagt hat, dass “aus dem Jung’ mal was wird”.
  • “weil halt” (wie meine Kinder auf nervige Fragen immer öfter antworten).
  • weil ich es trotz meiner 15 jungen Jahre schon geschafft habe, mindestens 5 überzeugte “Bild”-Leser zu bekehren.
  • weil meine Lebensabschnittspartnerin bei Axel Springer in Hamburg arbeitet und das DIE Liebeserklärung sein wird, da ich nur ihr diesen einmaligen Blogeintrag widmen werde.
  • weil ich nur 15 Jahre alt bin.
  • weil bisher außer Knut kein Teilnehmer der Adventsaktion unter 30 war.
  • weil ich so viele Tage als Vertreter des Weihnachtsmanns immer nett und freundlich sein musste.
  • weil ich viel zu lange Sätze über viel zu viele Dinge schreiben kann, welche mich aufregen oder interessieren.
  • weil ich als kleiner Steppke jeden Morgen die “Bild” auf dem Küchenfußboden aus- und mich davorgelegt habe, die Seiten durchgegangen bin und teils lachend, teils sehr böse die Texte kommentiert habe — bis die Mutti endlich auf die regionale Tageszeitung umstieg.
  • weil mein Kommentar schon fertig ist (siehe anbei, Portrait ebenfalls schon beigefügt)!
  • weil ich als Arbeiterkind mit der “Bild”-Zeitung sozialisiert wurde.
  • weil ich während der Chaostage 1995 von einer “Bild”-Reporterin mit Bier bestochen wurde.
  • weil ein Punkt meiner Top 10-Lebens-To-Do-Liste somit abgehakt werden dürfte.
  • weil sich der Aufstieg vom Hinweisgeber zum BILDblogger für einen Tag sehr gut in meinem Lebenslauf machen würde.
  • weil ich die “Bild” nicht lese!
  • weil ich gerne mal wieder “Bild” lesen möchte.
  • weil der “Bild”-Aufmacher am Freitag lauten muss: “Propanganda-Wahnsinn! Chaos-Student übernimmt Hass-Forum!”
  • weil ich Charlotte Roche schätze und gerne das Kleid für meine Frau ersteigert hätte.
  • weil ich schon ein Praktikum bei “Bild” gemacht habe und dort köstliche Anekdoten sammeln konnte, die ich aber leider nur andeuten kann, weil alle Praktikanten eine entsprechende Unterlassungserklärung unterschreiben müssen, was ja an sich schon eine lustige Geschichte ist.
  • weil am Rhein.

BILDblogger/in für einen Tag sind heute jedoch:

*) Dem Kollegen Martenstein wünschen wir gute Besserung!

  

Wunschzettel an die “Bild”-Redaktion


Sebastian Walther, 25, ist BILDblog-Leser. Nach eigenen Angaben hat der freiberuflicher Journalist und Discjockey “das Gefühl, dass er mit zunehmendem Alter mit seinen Wunschzetteln immer später dran ist. Zu seinen Auftraggebern zählt auch der Axel-Springer-Verlag. Er ist schon gespannt, was das neue Jahr in dieser Hinsicht bringt. An den Weihnachtsmann glaubt der Braunschweiger schon lange nicht mehr, wohl aber das Wunder der Weihnacht. Mit besonders viel Freude würde er also im Januar einen BILDblog-Eintrag über seinen erfüllten Wunschzettel (nebenstehend) lesen. Falls es damit nichts wird: Mit seiner Liste für Ostern hat er bereits begonnen.”

Von Sebastian Walther

Geschätzte Kollegen am Axel-Springer-Platz,

ich weiß, Ihr habt nichts zu verschenken. Außer vielleicht, man heißt Dieter Bohlen. Aber umsonst scheint es bei “Bild” nichts zu geben. In vier Tagen ist Weihnachten, ich möchte es trotzdem versuchen. Vielleicht bin ich damit bereits zu spät, vielleicht auch längst zu alt, aber auch ich habe einen Wunschzettel.

Eine Titelseite wünsche ich mir. Eine Überschrift, die schreit. Etwas Markerschütterndes, das die Schuhe auszieht und die Socken gleich mit. Ist doch sonst auch kein Problem. Wie wäre es mit dem “Bild”-Lieblingsthema: Soziale Gerechtigkeit kübelweise, der erhobene Zeigefinger in dicken, fetten Lettern. Zum Fest in hellem Grün bitteschön. Etwa “510 Millionen verpulvert” könnte er lauten, “Arbeiten und trotzdem arm” würde auch passen oder “9.000 ohne Job”. Nicht packend genug? Es fehlen Witz und Esprit? Wie wäre es stattdessen mit:

"Ich PIN dann mal weg"
Einen packenden Aufmacher zum Niedergang der “grünen Post”, wie Ihr den Briefdienstleister PIN AG heute nennt, das hätte ich mir gewünscht. Nach einer knappen Kurzmeldung gestern, gibt es in der heutigen Ausgabe immerhin einen Bericht dazu. Nur mündet der wieder, man hat es geahnt, im bösen Buben Mindestlohn. Das der “Stern” in seiner aktuellen Ausgabe jedoch von Zustellern berichtet, die für 40 Stunden pro Woche mit monatlich gerade mal 400 Euro entlohnt werden, ist Euch keinen Buchstaben wert. Sieht so der Kampf im Dienst des kleinen Mannes aus? Was jedoch schreit da heute stattdessen von Seite 1: die kleine Schwester von Britney Spears ist schwanger. Mit 16! Und nur wenige Zeilen darunter, räkelt sich Miriam im Wasser. Bedeckt durch eine “klitzekleine Hürde”.

Wenn wir also schon dabei sind, liebe Redaktion, nutzt doch bitte die besinnliche Zeit, um die moralische Wünschelrute wieder neu zu justieren. Irgendwie will das kein stimmiges Bild ergeben: Miriam im Bikini auf dem Titel, “knisternde Verbindung” auf Seite 14: “Direkt + ohne Vorspiel” geht es dort zur Sache, mit dabei ist “Resi (69)”. Und auf den anderen Seiten weidet man sich genüsslich an vermeintlichen Schändern, Sadisten oder Perversen. Wo genau hängt denn nun das Gewissen — Keller oder Parterre? Die “sexhungrige Nachbarin verführt Jungen” auf Seite 6. Bei soviel Schweinkram kann man getrost auf eine Anonymisierung verzichten. Hat sie ja auch nicht besser verdient.

Einen dritten Wunsch, den kann ich mir zum Schluss nicht verkneifen. Sicher, es ist immer wieder beeindruckend mit wie vielen Superstars Welt- und Lebemann Körzdorfer (hat der Mann eigentlich keinen Vornamen?) per Du ist. In der heutigen Ausgabe darf Comedian Atze Schröder in eurem Blatt Imagepflege betreiben. “Der bekannteste TV-Pudel” gewährt wahrlich Einblicke in sein Leben. Endlich erfahre ich, dass er “Bücherwurm”, “DVD-Freak” und “Windsurfer” ist. Kein Wort jedoch, zum gerichtlichen Namensstreit des Atze Schröder, der untersagen ließ, dass man diesen Mann des öffentlichen Interesses mit seinem richtigen Namen nennt. Überhaupt scheint Körzdorfer seine “Begegnungen” generell in Samthandschuhen zu tippen. Das ist gelebte Nächstenliebe, der Geist der Weihnacht weht über den Axel-Springer-Platz.

 
BILDblogger für einen Tag ist morgen Jens Weinreich.

6 vor 9

Neuer Bertelsmann-Chef steuert Konzern um
(manager-magazin.de, Klaus Boldt)
“Der designierte Konzernchef Hartmut Ostrowski will nach Informationen von manager magazin den Medienkonzern Bertelsmann umbauen. Geplant sind etwa die Übernahme der Buchverlagsgruppe Harper Collins und der Verkauf der Beteiligung an Sony BMG. Zur Disposition könnte auch der Anteil am Verlagshaus Gruner + Jahr stehen.”

Sat 1 – Beinahe überflüssig
(FR Online, Jan Freitag)
Das ganze Elend von Sat 1 ausgezeichnet zusammengefasst: “So liest sich das Portfolio jenes Senders, der TV-Legenden wie Anke Engelke und Gerichtsshows, Sandra Maischberger und die Late Night, Erich Böhme und investigative Schäferhunde hervorbrachte, wie eine Liste des gediegenen Scheiterns.”

Journalismus und Internet – Online oder gar nichts
(sueddeutsche.de, Viola Schenz)
“In den USA stellen immer mehr Verlage ihre Printausgabe ein und auf Web um. Das Modell der Zukunft?”

When Will Google?s ?Big Project? YouTube Bring in Profits?
(Mediashift, Mark Glaser)
“While the site was sold to search giant Google for an eye-popping $1.6 billion in November 2006 there?s still one thing it hasn?t accomplished, by most people?s reckoning: profits.”

Ökologisch suspekt
(taz.de, Jenni Zylka)
“Internetportale mit Tipps für kritische Konsumenten liegen im Trend. An Werbung mangelt es ihnen nicht – deswegen aber an Glaubwürdigkeit”.

Lokalmedien – Heimatlos im Netz
(Spiegel Online, Jan Philipp Hein/Boris Hellmers)
“Internet-Unternehmen entwickeln unter Hochdruck lokale Dienste, doch die meisten Verleger regionaler Medien missachten die Gefahr: Ihre Webseiten hinken der Zeit chancenlos hinterher. Mit ihrem vermeintlichen Sparprogramm verschärfen sie die Krise ihrer eigenen Branche.”

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