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Niveau ist keine Hautcreme (5)

Auf den ersten Blick ist es ein ganz normaler Artikel, der am vergangenen Donnerstag auf hna.de, dem Online-Auftritt der “Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung” erschienen ist:Morgens ruckzuck fertig: Wecken Sie Ihr Zeitsparpotential!

Auch inhaltlich bleibt es größtenteils eher belangharmlos. So erfährt der Leser etwa, dass er morgens Zeit sparen könne, indem er “Kajal statt Eyeliner” benutzt (lässt sich schneller auftragen) oder “sich schon am Vorabend für ein Outfit entscheidet und es bereit legt”. Soso!

Interessant wird’s aber unter der Zwischenüberschrift “Multitalente im Multitasking”. Dort heißt es:

Wer statt Tagescreme, Sonnenschutz, Abdeckstift, Make-up & Co. eine sogenannte “BB Cream” wie zum Beispiel die neue NIVEA BB Cream 5-in-1 verwendet, spart damit morgens im Bad wertvolle Minuten! Die Trendhautpflege von NIVEA ist nämlich ein wahres Multitalent: Sie glättet das Hautbild, verfeinert die Poren, deckt kleine Schönheitsmakel ab, perfektioniert den Teint, versorgt die Haut lang anhaltend mit Feuchtigkeit und schützt sie gleichzeitig mit LSF 10 vor lichtbedingter, vorzeitiger Hautalterung. BB Cream ist die perfekte, wirkungsvolle Tagespflege mit Multitaskingfaktor!

Zur Erinnerung: Dieser Text steht als “Meldung” im redaktionellen Teil von hna.de – optisch aufgemacht wie jeder andere Artikel und ohne jegliche Werbekennzeichnung.

Oder besser: So stand er da. Vier Tage lang. Am Sonntag fragten wir dann bei der Redaktion der “HNA” nach, warum eine solche Werbebotschaft ohne Kennzeichnung im redaktionellen Teil veröffentlicht wird. Wenige Stunden später sah der Artikel plötzlich so aus:Anzeige: Morgens ruckzuck fertig: Wecken Sie Ihr Zeitsparpotential!

Farblich abgehoben und mit dem deutlichen Hinweis “Anzeige”.

Der Artikel hatte in den Tagen davor zeitweise sogar auf der Startseite gestanden — ohne besondere Kennzeichnung. Die Redakteure bei hna.de haben also offenbar bis zu unserer Nachfrage entweder tagelang nicht bemerkt, dass ein PR-Text im redaktionellen Teil steht, oder sie haben ihn absichtlich so dort platziert. Was schlimmer ist, dürfen Sie selbst entscheiden.

Nun könnte man natürlich sagen: Ups, kann ja mal passieren. Klar, könnte man — wenn es denn mal passiert wäre. Allerdings war das bei weitem nicht der erste Artikel auf hna.de, in dem massiv für Nivea geworben wurde. Denn die Marke taucht dort seit Monaten immer wieder im vermeintlich redaktionellen Teil auf. Und wie.

Los ging es am 6. August 2011 mit diesem “Interview mit Dr. Henrike Neuhoff, die seit 2009 das Labor NIVEA VISAGE der Produktentwicklung leitet”:

Neue Pflegeserie von Nivea - Was ist das Besondere an Pure & Natural?

Die Fragen klangen etwa so:

Welche Philosophie steht denn eigentlich hinter Pure & Natural?

Die Antworten so:

Bei NIVEA versuchen wir schon seit Jahrzehnten, nachhaltige Pflege auf so schonende und natürliche Weise wie möglich zu formulieren. So verwenden wir natürliche Pflanzenwirkstoffe in unseren Cremes und setzen bewusst Stoffe ein, die schon in der Natur oder in der Haut vorkommen, wie z.B. körpereigenes CoEnzym Q10. Mit Pure & Natural gehen wir noch einen Schritt weiter. Die Inhaltstoffe der Pure & Natural Serie sind zu 95% natürlich oder natürlichen Ursprungs. (…)

Kaum verwunderlich also, dass dieser Text (in einer minimal anderen Version) woanders unter der Rubrik “Anzeige” zu finden ist. Bei hna.de hingegen steht er im redaktionellen Teil.

Ebenso wie dieser, am 30. September 2011 erschienene Text:

Energie tanken in der Spätsommerzeit

Jetzt ist die ideale Jahreszeit, um die Haut zu regenerieren, bevor sie sich auf neuen Stress einstellen muss: den Wechsel zwischen klirrender Kälte und trockener Heizungsluft. Was die Haut nun also unbedingt benötigt, ist Energie. Die erhält sie durch Q10. (…)

Seine Premiere in der Hautpflege feierte der Inhaltsstoff Q10 1998, als NIVEA ihn erstmals für eine Pflegeserie einsetzte. Dem Original kann man vertrauen: Mit der Q10-Pflege von NIVEA lässt sich der natürliche Verlust von Q10 nachweislich effektiv ausgleichen. Die Haut wirkt länger jung und strahlend. Auch den Körper verwöhnt die Q10-Pflege: Die Haut wird gestrafft und geschmeidiger.

Dazu ein passendes Gewinnspiel:

Gewinnspiel: Tageslicht und Energie tanken

Auch die Haut benötigt Energie. Die erhält sie durch den Energiespender Q10. (…)

Deshalb verlost die HNA Gesundheitsredaktion gemeinsam mit NIVEA zwei Tageslichtleuchten von Philipps und zwei Produktpakete der NIVEA Q10 Pflegeserie. (…)

Das NIVEA Q10-Programm umfasst eine komplette Pflege-Serie für Gesicht und Körper. Bereits bestehende Fältchen werden gemildert, der Entstehung neuer Falten wird vorgebeugt. Denn das wertvolle Coenzym Q10 unterstützt den Zellstoffwechsel der Haut und regt dadurch den Zellschutz und die Zellregeneration an. Als Antioxidans neutralisiert Q10 zudem DNA-schädigende freie Radikale. Den Körper verwöhnt die Body Lotion Q10plus mit ihrem Geheimnis für eine spürbar straffere Haut.

Am 18. November 2011 folgte dieser Artikel:

Stets unterwegs und trotzdem immer gepflegt

Sie haben Berufe, von denen kleine Jungen träumen. Ihr Arbeitsalltag bringt Verantwortung und gleichzeitig Spaß mit sich. Piloten, Trucker, Djs (…). So unterschiedlich die Berufe sind, so verschieden sind die Männer, die sie ausüben. Dementsprechend muss auch die individuelle Hautpflege völlig unterschiedliche Ansprüche erfüllen. Und für jede Herausforderung gibt es das passende Pflegeprodukt.

Und jetzt raten Sie mal, von welcher Marke. Richtig.

Für Piloten:

Die revitalisierende Gesichtspflege Q10 von NIVEA FOR MEN füllt die Energie-Depots von müder und gestresster Haut schnell und lang anhaltend wieder auf. Die Haut fühlt sich rund um die Uhr entspannt an und strotzt vor Energie.

Für DJs:

Einen Frische-Kick bekommt das Gesicht mit dem NIVEA FOR MEN Cool Kick Arctic Freeze Feuchtigkeitsgel. Die leichte Gel- Pflege mit Freeze Cooling Agents und Guarana vitalisiert und erfrischt sofort und versorgt die Haut mit Feuchtigkeit.

Für Snowboard-Lehrer:

Zuverlässigen Schutz gegen die Einflüsse der Natur bietet die NIVEA FOR MEN Sensitive Gesichtspflege. Ihre extra milde Active Comfort System Pflegeformel mit natürlicher Kamille, Vitamin E und UVA & UVB-Filtern erhöht schrittweise die Widerstandsfähigkeit der Haut. Die Haut wird beruhigt, vor Irritationen geschützt und intensiv mit Feuchtigkeit versorgt.

Für Trucker:

Der NIVEA FOR MEN Double Action After Shave Balsam erfüllt dank seiner schnell einziehenden Formel mit dem hauteigenen Coenzym Q10 und Kamille gleich zwei Aufgaben auf einmal: Er beruhigt die gestresste Haut nach der Rasur und gibt ihr zusätzlich einen Energie- und Feuchtigkeitsschub – mit 24h Wirksamkeit. Ergebnis: Die Haut fühlt sich beruhigt und revitalisiert an.

Passend dazu am selben Tag dieses “Interview”:Interview: Männerhaut ist anders

“Experte Dr. Jens Schulz, Leiter der Produktentwicklung Nivea for men” sagt darin zum Beispiel:

Nivea hat die sich ändernden Bedürfnisse der Männer sofort erkannt und war mit seiner Sparte Nivea for men als Trendsetter von Anfang an mit dabei. (…)

Doch in Studien ergründeten die Beiersdorf-Hautforscher mit modernsten Messmethoden die geschlechts-typischen Merkmale (…)

Die richtigen Pflegeprodukte lösen die Probleme der strapazierten Haut schnell und zuverlässig. Nivea for men bietet mit den Sensitive Produkten eine Pflegeserie speziell für empfindliche Haut. Um die Widerstandsfähigkeit der Haut schrittweise zu erhöhen und ihre intensive Versorgung mit Feuchtigkeit zu gewährleisten, empfiehlt sich die Anwendung des Nivea for men Sensitive Hydro Gels mit natürlicher Kamille und Aloe Vera als tägliche Gesichtspflege. Es zieht schnell ein, ohne fettige Rückstände zu hinterlassen. Während der Rasur pflegt dann das Nivea for men Sensitive Rasiergel mit Kamille und Vitamin E die sensible Haut optimal und beugt Hautirritationen vor. (…)

Grundsätzlich ist Hautpflege auch bei Männern Typsache. Allgemein legen sie Wert auf pflegende Texturen, die sich gut verteilen lassen, wenig fetten und besonders schnell einziehen. Außerdem sollen sie einen männlichen Duft haben. Dieser Wunsch wurde in allen Pflegeprodukten von Nivea for men realisiert.

Am 1. Dezember dann mal wieder ein Gewinnspiel:

Gewinnen und Pflegen: NIVEA-Kulturtasche für Ihn

Besonders Männer mit Berufen, die die Haut stark beanspruchen, etwa Piloten, DJs oder Trucker, brauchen eine besondere Pflege. Deshalb verlost die Gesundheit&Pflege-Redaktion der HNA gemeinsam mit NIVEA zehn Jogi Löw-Kulturtaschen samt Inhalt.

Die Weihnachtsgeschenkpackungen sind gefüllt mit den speziell für die Männerhaut entwickelten Pflegeprodukten von NIVEA FOR MEN. Im Mild Set sorgen das After Shave Mild, das Rasiergel Mild und die Dusche Muscle Relax für ein rundum gepflegtes Erscheinungsbild und ein angenehmes Hautgefühl.

Ein paar Monate später, am 12. April 2012, erschien dieser Text samt Illustrationen:

Gesichtsgymnastik: Anti-Ageing ohne Creme

Die NIVEA Haut-Expertin Nora Mohra hat sieben Übungen für einen schönen Hals, eine straffe Gesichts- und Augenpartie und klare Lippenkonturen zusammengestellt. (…)

Für alle, denen ihre bisherige Anti-Age-Pflege zu reichhaltig war, hat NIVEA die Q10 plus Anti-Falten Porenverfeinernde Pflege speziell für die Bedürfnisse von Frauen ab 30 mit Mischhaut entwickelt. Die innovative Formel mit Q10, Kreatin und einem Algenextrakt vereint die bekannte Anti-Falten-Wirkung aller NIVEA Q10 plus Produkte in einer leichten Gel-Creme, die intensiv Feuchtigkeit spendet ohne zu fetten.

Der gleiche Text ist im Internet auch an anderer Stelle zu finden, dort heißt es: “Text & Illustration: Beiersdorf” – bei hna.de gibt es keinen solchen Hinweis.

Ähnlich verhält es sich mit folgendem Text, der am 21. Juni 2012 erschien:

Eine gute Nacht zum Tag des Schlafes

NIVEA erklärt zum Tag des Schlafs, warum gut schlafen für die Haut so wichtig ist und wie man sie bei der Regeneration optimal unterstützt. (…)

Wie man der Haut helfen kann, sich in der Nacht optimal zu regenerieren, das weiß Sepideh Reshad, Leiterin Produktentwicklung Face Care bei Beiersdorf.

Auf einer anderen Internetseite trägt der Artikel (dort zusätzlich mit den Fragen “Was ist das Besondere an der NIVEA Visage Pure & Natural Regenerierenden Nachtpflege?” und “Wie bereite ich meine Haut auf das nächtliche Beautyprogramm vor?”) den Hinweis “Text: Beiersdorf”. Bei hna.de nicht.

Am 26. September 2012 ein weiteres “Interview”:

Reden ist Silber, Berührungen sind Gold

NIVEA hat in einem Experteninterview mit der Diplom-Psychologin Iris Nowacki die Bedeutung von Berührungen in der Schwangerschaft, in der Erziehung und der Familie genauer beleuchtet.

Zwei Tage später nochmal ein Gewinnspiel:

Gewinnen und gut ausschauen: Nach dem Feiern muss Mann sich pflegen

Das Oktoberfest ist in vollem Gange. Dass Mann ordentlich feiern kann und am nächsten Tag trotzdem wieder fit ist, dafür sorgt die Q10-Pflege-Serie von Nivea for Men. Deshalb verlost die HNA gemeinsam mit Nivea for Men zehn Pflegesets, die müde Männerhaut nach langen Nächten fit machen.

Und am 17. Oktober 2012 wieder ein “Interview”:

Es muss rasiert werden: "Ohne-Bart-Tag" am 18. Oktober

Männer, es muss rasiert werden! Zum “Ohne-Bart-Tag” verrät Dr. Jens Schulz, Produktentwickler bei NIVEA FOR MEN, die besten Tipps für eine perfekte Rasur.

Auch dieser Text taucht auf anderen Plattformen auf, dort heißt es dann: “Quelle: NIVEA FOR MEN” oder “Text: Beiersdorf/NIVEA”. Bei hna.de fehlt ein solcher Hinweis.

Nur mal zum Vergleich: Die Ankündigung einer Informationsveranstaltung zum Thema “Hüfterkrankungen” ist ganz klar als “Anzeige gekennzeichnet:

Anzeige: Informationsveranstaltung zu Hüftgelenkprothese

Vielleicht liegt es an den besonders cleveren Marketingleuten des Beiersdorf-Konzerns, vielleicht werden die Journalisten beim Gedanken an die blaue Dose wehmütig an ihre Kindheit erinnert und veröffentlichen deshalb alles, was von Nivea reinkommt. Wir wissen es nicht, aber es ist bemerkenswert, wie großzügig einige Medien über die gebotene Trennung zwischen Redaktion und Werbung hinwegsehen, wenn es um Nivea geht (BILDblog berichtete schon mehrfach).

Alle oben aufgeführten Artikel sind im redaktionellen Teil von hna.de erschienen, optisch aufgemacht wie jeder andere redaktionelle Beitrag. Lediglich am Ende einiger Texte steht das Kürzel “nh” — das steht in der Regel für “nicht honoriert” und wird sonst eigentlich bei Fotos verwendet.

Wir haben den “HNA”-Chefredakteur Horst Seidenfaden gefragt, welche dieser Texte von Nivea bzw. der Firma Beiersdorf selbst produziert und wie stark sie redaktionell bearbeitet wurden. Wir haben auch gefragt, ob es mit den journalistischen Grundsätzen der “HNA” vereinbar ist, solche Werbetexte ohne Kennzeichnung (oder wenn, dann lediglich mit dem unüblichen und kaum bekannten Kürzel “nh”) im redaktionellen Teil zu veröffentlichen und ob Nivea die einzige Marke ist, von der regelmäßig solche PR-Texte übernommen werden.

Er wollte uns keine dieser Fragen beantworten.

Mit Dank auch an Jens-Uwe H.

Nachtrag, 17.32 Uhr: Über den Artikeln sowie in den Unterbereichen der Rubrik “Magazin” steht seit gerade ein “redaktioneller Hinweis”:

Dieses Sonderthema im Magazin-Bereich wird von der Redaktion des HNA RD Media Pools betreut. Hier lesen Sie neben eigenen Texten der RD-Media-Redakteure auch Agentur- und Public Relations (PR)-Texte. Die Magazin-Artikel haben nichts mit den redaktionellen Beiträgen der Nachrichtenredaktionen zu tun.

Zum Lachen ins Kabinett gehen

Nächstes Jahr ist Bundestagswahl und weil ja sonst im Moment in der Welt nicht viel los ist, hat Bild.de schon mal die Glaskugel vom Speicher geholt und schaut jetzt, wie das Kabinett aussehen könnte, falls Deutschland nach der Wahl von einer schwarz-grünen Koalition regiert würde.

Oder, noch unpräziser:

Sieht so das nächste Kabinett aus?

Dass die Grafiker von Bild.de zunächst erst mal die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt (mit “dt”) schwarz unterlegt hatten, als gehöre sie zur CDU/CSU, ist ihnen inzwischen aufgefallen und sieht jetzt nicht mehr so aus:

Aber im Kabinett gibt es neben vielen naheliegenden Ideen eine echte Überraschung:

Und zu guter Letzt: Es wird wieder einen Guttenberg im Kabinett geben.

Karl Theodor-Bruder Philipp Franz Maria Antonius Friedrich Wilhelm Emanuel Johannes Freiherr von und zu Guttenberg wird für die CSU neuer Landwirtschaftsminister. Er ist übrigens aktueller Träger des Ordens “Wider den tierischen Ernst”. Und somit künftig auch zuständig für die Kalauer im Kabinett.

Na ja, fast: Aktueller Träger des Ordens ist der Kabarettist Ottfried Fischer. Dessen Vorgänger war Karl-Theodor zu Guttenberg.

Der war zugegebenermaßen weder im vergangenen Jahr, als er den Orden erhielt, noch in diesem Jahr zum Festakt erschienen, als er die Laudatio auf Ottfried Fischer hätte halten sollen. Beide Male hatte ihn sein kleiner Bruder Philipp vertreten. Aber Ordensträger bleibt nun mal Karl-Theodor.

Eigentlich unvorstellbar, dass die Leute bei “Bild” ihrem einstigen Liebling noch einen Titel abnehmen. So viele hat der ja nicht mehr.

Mit Dank an Marco G., Tobias U., Ferdinand D., Thomas P. und Andreas H.

Alistair McAlpine, Altvordere, Notopfer

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Ohne viele Worte: ‘Augen schließen und genießen'”
(flurfunk-dresden.de, gast)
Wie Werbung und Inhalte auf Sz-online.de (nicht) zusammenpassen.

2. “Britischer Politiker will 10.000 Twitterer verklagen”
(zeit.de, Kai Biermann)
Kai Biermann weist im Fall Alistair McAlpine auf Besonderheiten des britischen Rechts hin: “Denn in Großbritannien darf man eine Behauptung eigentlich nur verbreiten, wenn man sich sicher ist, dass sie stimmt. Im Zweifel muss man das beweisen können. In den USA hingegen genügt es, nicht zu wissen, dass sie nicht stimmt. Wer also argumentiert, er habe zu dem Zeitpunkt nicht wissen können, dass die Berichte über McAlpine falsch sind, müsste in den USA und auch in Deutschland keine Strafe wegen Verleumdung fürchten.”

3. “Can every Twitter user be expected to factcheck Newsnight?”
(newstatesman.com, Alex Andreou, englisch)
Wenn man nicht mehr frei über Berichte einer an sich verläßlichen Nachrichtenquelle wie der BBC diskutieren könne, sei die öffentliche Debatte für immer erstickt, schreibt Alex Andreou: “If there was any doubt that McAlpine had been accused in error, I would fully support his attempt to clear his name. But that is not the case here. The fact that he was unfairly accused has now been registered and publicised much more widely than the original accusation.”

4. “Siebenhaar: ‘ARD und ZDF sind zu einem Rundfunkstaat im Staat verkommen'”
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de)
Hans-Peter Siebenhaar im Interview über die Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland: “ARD/ZDF und die Parteien leben in einer Symbiose. Die Anstalten sichern sich ihre Expansion durch die Politik. Und für die Politik sind die Anstalten die letzten großen Bühnen zur Selbstdarstellung. Die Kosten trägt ab nächstem Jahr jeder Haushalt in Deutschland. (…) Gerade unter jungen Journalisten in den Reihen von ARD und ZDF gibt es eine wachsende Kritikfähigkeit und Distanz zum selbstherrlichen System der Altvorderen. Ich bin bei meinen Reisen vielen kritischen Mitarbeitern in den Anstalten begegnet.”

5. “Ach, das Netz ist so gefährlich”
(kaliban.de, Gunnar)
Gunnar kommentiert den Sueddeutsche.de-Artikel “So ein Schwarm kann sehr dumm sein”.

6. “Zeitungskrise: ‘Notopfer’ Frankfurter Rundschau”
(blogs.taz.de/hausblog, Mathias Broeckers)
Die “taz” revanchiert sich für eine Kaffeespende der “Frankfurter Rundschau” aus dem Jahr 1980.

Turbulenzen-Turbulenzen

Ein Flugzeug der italienischen Fluggesellschaft Neos ist auf dem Weg von Havanna nach Mailand in heftige Turbulenzen geraten und hat ordentlich an Höhe verloren.

Wie viel, ist nicht ganz klar: Die für gewöhnlich gut informierte Website “The Aviation Herald” schreibt von “etwa 1.000 Fuß”, was rund 305 Metern entspräche. Die Nachrichtenagentur Associated Press hatte zunächst von “3.000 Metern (10.000 Fuß)” geschrieben, war aber auf “1.000 Meter (3.300 Fuß)” umgeschwenkt, nachdem der “Corriere della Serra” einen Vertreter der Airline mit den Worten zitiert hatte, dass die Maschine erst 500 Meter in die Höhe gestiegen und dann auf 500 Meter unter der ursprünglichen Flughöhe abgesackt sei — die Maschine also insgesamt 1.000 Meter abgesackt sei.

Bild.de entschied sich ebenfalls für die 1.000-Meter-Variante, hat aber bei der Art des Flugzeugs völlig den Faden verloren: Zunächst schrieb die Seite, es habe sich um eine “Boeing 731” gehandelt. Ein Maschine solchen Typs hat Boeing allerdings nie gebaut, die Flugnummer lautete “NO731″.

Bild.de hat sich also korrigiert und schreibt jetzt von einer ”Boeing 737*)”:

*)In einer früheren Version des Artikels war irrtümlicherweise eine Boeing 731 genannt. Wir bitten, das Versehen zu entschuldigen

Nur: Eine Boeing 737 kann maximal bis zu 215 Passagiere aufnehmen, an Bord waren aber 268, drei Piloten und sieben Besatzungsmitglieder.

Tatsächlich hat es sich laut “Aviation Herald” und dpa um eine 767-300 gehandelt.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 16.10 Uhr: Das ging schnell: Im Artikel ist jetzt von einer “Boeing 767-300*)” die Rede, in den Bildunterschriften steht immer noch “Boeing 731 sackte 1000”.

Hinweis/Korrektur, 21. November: In der ursprünglichen Fassung dieses Artikels hatten wir im zweiten Absatz geschrieben, dass 1.000 Fuß “rund 330 Metern entspräche”. Das war ein Denkfehler. Richtig sind 305 Meter, wie jetzt oben stehen.

Retweet, RSS, Reinhard Schulze

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “‘Krone’ fälscht Foto von Millionengewinner”
(kobuk.at, Philipp Schmidt)
Die “Kronen Zeitung” nimmt ein Reuters-Foto als Grundlage, tauscht den Kopf aus: “Dass es sich um eine Fotomontage handelt, druckte die Krone am rechten Bildrand sehr klein ab.”

2. “Mitgegangen, mitgefangen”
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Der zu Unrecht wegen sexuellem Missbrauch von Kindern beschuldigte Lord McAlpine will “gegen jene vorgehen, welche die Falschmeldung des öffentlichen Rundfunks über Twitter weiterverbreiteten und dabei überdies den Namen des Politikers kenntlich machten”. “Die BBC-Affäre sollte dazu anregen, auch den Retweet-Knopf vorsichtiger zu betätigen. Wer schwere Vorwürfe weiterverbreitet, macht sich zum Komplizen. Es gilt die unspektakuläre Regel: erst denken, dann zwitschern.”

3. “RSS für das persönliche Wissensmanagement nutzen”
(blogwerk.com, Claudio Schwarz)
Eine kurze Anleitung zur Verwendung von RSS.

4. “‘Medien sind Geiseln von Ausnahmefällen'”
(medienwoche.ch, Felicie Notter)
Ein Interview mit dem Islamwissenschaftler Reinhard Schulze über Medien und Journalismus: “Ich hatte eine Erfahrung mit dem ‘Blick’, die war nicht so positiv. Es ging um eine Aussage, die sich auf eine Stelle im Koran bezog. Ich wurde dermassen falsch zitiert, dass ich mich selbst als jemanden, der die islamische Gewalt im Grunde befürwortet, wiederfand. Die Medien reduzieren ohnehin schon stark, aber das empfand ich als eine Katastrophe. Seither lehne ich alles ab, was für mich Skandalpresse ist, dazu gehört auch ’20 Minuten’.”

5. “Auf nach Europa”
(ardmediathek.de, Video, 28:43 Minuten)
Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad auf der Suche nach der “Seele Europas”.

6. “Ultimative Chartshow auf RTL präsentiert die 50 erfolgreichsten ultimativen Chartshows auf RTL”
(eine-zeitung.net)

Kruschel, Frank Stronach, Bewerbungen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die grosse Glitzer-Show”
(nzz.ch, Michael Furger)
Erfundene Zitate, Blumen ans Krankenbett, inszenierte Schnappschüsse – ein Artikel über People-Journalismus in der Schweiz.

2. “Plagiate gibt es nicht nur in China oder: Warum selbst entwickeln, wenn man etwas auch einfach kopieren kann”
(lerg.de)
Die “Schwäbische Kinderpost” kopiert das Konzept von “Kruschel – Deine Zeitung”. Andreas Lerg schreibt: “Die Schwäbische Post scheint hier sämtliche Standesregeln und Gesetze wie das Urheberrecht einfach zu ignorieren. Zuerst holt man sich nicht nur Inspirationen und Informationen, sondern auch ‘Daten und Dateien’, wie wir lesen und dann wird das Ganze nicht lizenziert sondern schamlos kopiert.”

3. “Frank Stronach: Die Freiheit, die er meint”
(datum.at, Stefan Kaltenbrunner)
Obwohl Frank Stronach “ausdrücklich” festhält, “dass er die Freiheit des Journalismus respektiert”, fordert er totale Kontrolle über ein Gespräch mit der Zeitschrift “Datum”, die in der Folge darauf verzichtet: “Natürlich steht es jedem frei, sich interviewen zu lassen, ein Gespräch kann auch an Bedingungen geknüpft werden. Wie Medien und Journalisten mit solchen Einschränkungen umgehen, können und müssen sie selbst entscheiden. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass zahlreiche heimische Medien, die mit Stronach in den vergangenen Monaten gesprochen haben, diese Erklärung anscheinend unterzeichnet haben.” Siehe dazu auch “Über Interview-Autorisierung sollte grundsätzlich diskutiert werden” (derstandard.at, Daniela Kraus).

4. “Thilo S.: Klarstellung”
(blogs.taz.de/hausblog, Deniz Yücel)
Eine Klarstellung von Deniz Yücel zu seiner eigenen Kolumne vom 6. November, in der er unter anderem über “die oberkruden Ansichten des leider erfolgreichen Buchautors Thilo S.” schreibt.

5. “Wieso wir Leserclubs brauchen”
(ploechinger.tumblr.com)
Stefan Plöchinger schlägt vor, das Wort Paywall zu streichen und stattdessen von Leserclubs zu reden. Zeitungs- und Zeitschriftenleser würden für einen guten Service zahlen, nicht für einzelne Artikel. Allerdings gibt es ein Problem mit der Boulevardisierung, “die viele Seiten jetzt zehn bis 15 Jahre lang getragen hat”: Wenn die meisten einfach aufgesexte News auf Agenturbasis machen und sonst wenig bieten, wo ist dann der berühmte Unique Content?” Siehe dazu auch “Zeitungssterben: Meine (sprichwörtlichen) 5 Cent” (gutjahr.biz), “Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben” (carta.info, Wolfgang Michal) und “Mein Lob der Tageszeitung!” (dirkvongehlen.de).

6. “Wer blickt durch auf dem Stellenmarkt?”
(faz-community.faz.net, Hans Ulrich Gumbrecht)
Selbst- und Fremdbild bei Bewerbungen: “Die Welt, die man live erlebt, ist jener der Bewerbungsmappen krass entgegengesetzt und kippt zwischen Castingshow und Familientherapie.”

Reality-TV, Absolute Mehrheit, Bürgerpflicht

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Reality-TV: Was für Opfer!”
(dastandard.at, Olja Alvir)
Hinter den Kulissen des österreichischen Reality-Fernsehens: “Bei besonders fürchterlichen, idiotischen und peinlichen Kommentaren und Szenen spürt man die Begeisterung und Erleichterung der Crew. Produktionsleiterin und Kameramann tauschen dann vielsagende Blicke aus: Das wird grandios! Nur noch richtig zusammenschneiden, spöttisch kommentieren, mit zweideutiger Musik unterlegen. ‘Ganz toll hast du das gemacht!’, lobt die Leiterin und Regisseurin dann K. und uns.”

2. “Politik für alle”
(freitag.de, Jana Hensel)
Mit der neuen Pro7-Talkshow “Absolute Mehrheit” kündige sich – endlich – ein Epochenwechsel an, glaubt Jana Hensel. Zu oft werde über Politik in “einer Sprache geredet, die an Briefe vom Finanzamt erinnern”.

3. “Falsches Moralisieren über den Tod der ‘Frankfurter Rundschau'”
(hogenkamp.com)
Peter Hogenkamp erinnert daran, dass die meisten Leute Zeitungen abonniert haben, weil sie sich davon einen Nutzen versprechen, und nicht, weil “sie das als ihre Bürgerpflicht empfinden”. Siehe dazu auch “‘Kein Redakteur möchte nur Gratis-Inhalte schreiben'” (kress.de, Christine Lübbers) und “Der zeitungsfressende Chefredaktor” (blog.persoenlich.com, Benedict Neff).

4. “Über Veränderungen im Rezensionsjournalismus der Tageszeitungen”
(funkkorrespondenz.kim-info.de, René Martens)
“Medien werden, um es bewusst pauschal zu formulieren, immer wichtiger”, schreibt René Martens: “Politische Skandale und Krisen werden oft quasi automatisch ein Thema für den Medienjournalismus, weil es sich aufdrängt, auch zu analysieren, wie die Kollegen über diese Themen berichten, wie sie sich an Inszenierungen beteiligen, wie sie sich instrumentalisieren lassen.”

5. “Stray penises and politicos”
(davidsimon.com, englisch)
Anlässlich der aktuellen Berichterstattung über David Petraeus erinnert sich David Simon daran, wie er aufhörte, als Journalist über das Sexualleben anderer zu schreiben: “I told myself that I wasn’t in journalism to chase something so ordinary, so adolescent as other people’s sexuality, that I wouldn’t play this game, that there were better reasons to be a reporter, and there were better things for readers to consume.”

6. “Neues TV-Format: extra 3 hilft!”
(ndr.de, Video, 2:46 Minuten)

Diagnose: untervögelt

Heute werden wir mal ein bisschen intimer. Also, liebe Leser: Haben Sie eigentlich genug Sex?

Wir fragen deshalb, weil Bild.de neulich folgende Schreckensnachricht aufgedeckt hat:

Es kommt vor, dass man länger keinen Sex hat – und es einem gar nicht auffällt.

Ob Sie selbst zur Genug-Sex-Fraktion gehören oder ob Sie es doch “mal wieder so richtig nötig haben” (Bild.de), können Sie im selben Artikel schnell mal überprüfen. Dort wurden nämlich (mit Unterstützung der “B.Z.”) “13 Anzeichen für einen akuten Sex-Mangel” zusammengestellt.

Darunter finden sich dann so originelle Punkte wie:

Sie ordnen Ihre Pornosammlung nach cineastischen Gesichtspunkten.

Oder:

Sie fahren häufiger Fahrrad als sonst, weil sich das so schön anfühlt.

Nun ja.

Interessant ist jedoch, dass gerade die Leute von Bild.de von Zeit zu Zeit genau jene Symptome zeigen, die in dem Artikel beschrieben werden. Hier eine kleine Gegenüberstellung.

Sex-Mangel-Anzeichen Nr. 4: Sie finden sogar Zeichentrickfiguren erregend.

Bild.de vom 17. Dezember 2009:
Blauhaarige Beauty in sexy Dessous - Marge Simpson strippt für Playboy

Im Innenteil des Magazins sollen heiße Dessous-Bilder von der Hausfrau und dreifachen Mutter mit der blauen Turmfrisur befinden. Sicher ist: Die gelbhäutige Lady wird einfach nicht älter!

Bild.de vom 3. und 23. Dezember 2007:
Sexy Kalender 2008 - Superheldinnen im Nackteinsatz

Werfen Sie einen Blick unter die Kampfanzüge weiblicher Comic-Legenden wie Lara Croft oder Superwoman – ganz exklusiv, versteht sich. So verführerisch haben wir die Starlets noch nie gesehen.

Sex-Mangel-Anzeichen-Nr. 5: Sie kichern jedes Mal, wenn jemand Penis sagt.

Bild.de vom 8. November 2012:

Krasser Penis-Versprecher bei Anne Will
Der “köstliche Versprecher” (O-Ton des Bild.de-Videos): In der Talkshow hatte ein Gast “Phallussieg” statt “Pyrrhussieg” gesagt. Hihi.

Sex-Mangel-Anzeichen-Nr. 1: Sie nennen Sex Geschlechtsverkehr oder sprechen vom Kopulieren.

Bild.de vom 18. Oktober 2011:

Anschließend kopulieren Gastgeber und Gäste mit den schönen Sammlerinnen, bis der Papst die ausdauerndsten Herren mit Ehrenpreisen belohnt.

Bild.de vom 3. Juni 2010 und 11. Mai 2011:

 Kopulieren setzt Endorphine frei, also Glückshormone.

Bild.de vom 16. November 2009:

Die Prostituierten suchen quasi im Konzertsaal ihre Freier, um dann in den oberen Etagen, wahrscheinlich weit weniger taktvoll, zu kopulieren.

Sex-Mangel-Anzeichen Nr. 7: Sie sehen im Supermarkt keine Gurken, sondern pflanzliche Sextoys.

Bild.de vom 4. März 2008:

Kennen Sie dieses Kribbeln an der Gemüsetheke? Diesen winzigen Moment der Verlegenheit beim Anblick von Stangen-Sellerie, Kürbis, Aubergine? So manches erinnert in seiner Form doch stark an das beste Stück des Mannes.

Bild.de vom 17. August 2010:
Schniedlwurzel - BILD-Leser Dirk Philippi (39, Saarwellingen) zog diese Karotte aus der Erde

Fragt sich also, wer es hier tatsächlich “mal wieder so richtig nötig” hat.

Messerwisser

Zu den Kernkompetenzen von “Bild” gehören (angeblich) Fußball und (offensichtlich) Nacktheit.

So gesehen war gestern ein großer Tag:

Nackt-Zelte bald vor jedem Stadion?

Vor dem Spiel des FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt hatten die Bayern zwei Zelte aufgestellt, in denen die Gästefans laut “Bild” kontrolliert wurden “wie auf dem Flughafen”:

Drinnen wurden die Fans vom Bayern-Sicherheitsdienst auf verbotene Gegenstände wie Pyrotechnik kontrolliert. Bei einem Anfangs-Verdacht hätten sich Fans für weitere Kontrollen wohl komplett ausziehen müssen.

“Bild” zitierte Kritiker der Aktion, erklärte die Rechtslage (“Nur die Polizei darf Fans zum Entkleiden auffordern.”), ließ die Bayern aber auch zu Wort kommen:

Bayern-Sprecher Markus Hörwick verteidigt die Maßnahme: “30 bis 40 Anhänger wurden strenger kontrolliert, mussten maximal ihre Jacken ausziehen.” Dabei wurden laut Polizei 22 Messer und ein Pfeffer-Spray gefunden.

Ähnliche Angaben finden sich auch in anderen Medien.

süddeutsche.de berichtete:

Am vergangenen Samstag, beim Spiel des FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt, von DFB vorab als “Spiel mit erhöhtem Sicherheitsrisiko eingestuft, wurden darin stichprobenartig Frankfurter Fans kontrolliert. Dabei wurden sichergestellt: 20 Messer, zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube und Pfefferspray, außerdem Kokain.

Der Sportinformationsdienst sid schrieb:

Bei den Kontrollen am Samstag seien unter anderem 20 Messer, zwei Schlagstöcke, ein Schlagring, eine Sturmhaube, Pfefferspray und Kokain sichergestellt worden.

Und die Deutsche Presse Agentur dpa vermeldete:

Die Maßnahmen rechtfertigte der Verein etwa damit, “verbotene Pyrotechnik und Gewalt im Stadion” verhindert haben zu wollen, um dadurch “die Sicherheit von rund 71 000 Zuschauern in der Allianz Arena zu gewährleisten”. Bei den Kontrollen seien unter anderem 20 Messer sichergestellt worden.

20 (oder 22) Messer wären eine ganze Menge, wenn sie bei der näheren Kontrolle von “30 bis 40 Anhängern” gefunden worden wären, wie man es aus dem “Bild”-Bericht herauslesen könnte. Oder bei der “stichprobenartigen” Kontrolle der Frankfurter Fans auf süddeutsche.de.

Stattdessen fand die Polizei die aufgezählten Gegenstände bei ihren Kontrollen im gesamten Stadionbereich, wie Sprecher von Polizei und FC Bayern gegenüber dem Eintracht-Blog der “Frankfurter Rundschau” heute bestätigten:

“Bild” hatte da in der Frankfurter Regionalausgabe bereits diese Klarstellung veröffentlicht:

Klarstellung: Zum BILD-Artikel über die "Nackt-Zelte" in der gestrigen Ausgabe: 20 Messer, zwei Schlagstöcke und eine Dose Pfefferspray fand die Polizei vorm Eintracht-Spiel in München — bei sämtlichen Kontrollen rund ums Stadion. Damit sind nicht nur die umstrittenen Vollkörperkontrollen vorm Eintracht-Bereich gemeint.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber.

Pressereisen, Kampfdrohnen, BBC

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Luxusreisen des Thyssen-Managers auf Firmenkosten”
(welt.de, Jörg Eigendorf)
Mit Journalisten der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”, der “Süddeutschen Zeitung”, des “Tagesspiegel”, der “NRZ” und der “Rheinischen Post” fährt Jürgen Claassen, Mitglied des Vorstands der ThyssenKrupp AG, auf luxuriöse Pressereisen. Siehe dazu auch “Wenn Journalisten eine teure Reise tun” (welt.de, Jan-Eric Peters).

2. “Rundum sorglose Journalisten”
(dradio.de, Adalbert Siniawski)
Eine Pressereise deutschsprachiger Journalisten nach Warschau: “Der Organisator von der PR-Agentur zieht eine positive Bilanz. Alle Journalisten, die in Warschau auf der Pressereise mit dabei waren, werden in ihren Berichten den Namen des Luxushotels nennen. Reklame im redaktionellen Beitrag, das ist die Zukunft – so der PR-Berater.”

3. “Journalismus aus dem Automaten”
(czyslansky.net, Tim Cole)
“Im Journalismus der Zukunft”, hat Tim Cole gelernt, “gibt es keine Leser mehr, nur noch Nutzer”. “Nein, der Redakteur wird nicht bei Focus Online per Click bezahlt. Soweit sind wir noch nicht. Die Leistungskomponente der Redaktion, also das, was es am Jahresende zusätzlich zum Grundgehalt gibt, sei an gewisse Traffic-Kennzahlen gekoppelt, sagt Schlott.”

4. “Kurzer Fakten-Check: Lufthansa und die Kampfdrohnen”
(augengeradeaus.net, Thomas Wiegold)
Schon seit 2011 bilde die Lufthansa Drohnen-Piloten der Luftwaffe der Bundeswehr aus, schreibt “Bild”. Thomas Wiegold dagegen: “Die Lufthansa bildet nicht wirklich Drohnen-Piloten der Bundeswehr aus, und schon gar nicht für Kampfdrohnen.”

5. “Entwistle: I am doing everything I can”
(news.bbc.co.uk, Audio, 15:11 Minuten)
John Humphrys konfrontiert den inzwischen zurückgetretenen BBC-Generaldirektor George Entwistle mit Fehlern in der Sendung Newsnight.

6. Wie “Spiegel Online” über einen Unfall von Bradley Wiggins berichtet, im Locktext und im Artikel
(facebook.com, Screenshots)

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