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Trumps Adblocker, Grimmige Grimme-Juroren, Kluger Kotau

1. Endlich Klarheit: Adblocker sind schuld an Trump und Brexit
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Der Zeitungsverleger-Verband Nordrhein-Westfalen will Adblocker verbieten lassen, zum “Schutz der Integrität von journalistisch-redaktionellen Telemedienangeboten”. Der Verband feilt in einer für den Landtag bestimmten Stellungnahme sogar an der Theorie, Adblocker hätten Donald Trump an die Macht gebracht: “Die Meinungsbildung für die breite Masse erfolgt dann durch Blogger ohne journalistische Standards und soziale Netzwerke. Erste Auswirkungen eines solchen Trends lassen sich in den letzten Wahlen in Großbritannien und den USA besichtigen.” Darüber hinaus werden die Onlineannoncen im bedeutungsschweren Schwampfdeutsch als “Nachrichten” bezeichnet, die einen “informations-, meinungs- und bildungsfördernden Einfluss auf den Leser hinsichtlich des jeweiligen Sachgebietes” hätten. Markus Reuter hat auf “Netzpolitik.org” ein paar Anmerkungen dazu.

2. Kluger Kotau
(taz.de, Georg Löwisch)
Demutsgesten der freien Presse gegenüber ihren Gegnern seien gefährlich, doch der Brief von “Welt”-Chef Poschardt an Erdogan sei richtig, so “taz”-Chefredakteur Löwisch: “Sein Ziel ist es, Deniz Yücel freizubekommen, den der Autokrat als Geisel genommen hat. Der Chefredakteur verspricht nichts, er entschuldigt sich nicht. Er macht sich allerdings klein, damit sich Erdoğan größer machen kann. Er setzt darauf, dass der Präsident vom Bild des starken Mannes lebt, der jedes Armdrücken gewinnen muss.”

3. Opposition ist kein Mist
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Das Politikmagazin “Monitor” (WDR) kann auf mehr als 50 Jahre Fernsehgeschichte zurückblicken. Seit 2012 wird die Sendung von “Monitor”-Chef Georg Restle moderiert, der auch vor Kritik am eigenen Haus nicht zurückschreckt. “Wenn man Restle eine Weile zuhört, wie er die Dinge beschreibt, wie er das Feuer seiner sechsköpfigen Redaktion beschreibt, wie er die Widerständigkeit seiner Mannschaft skizziert, dann kommt man auf das Bild vom kleinen gallischen Dorf, das sich in seiner Sendung ganz allein alle drei Wochen eine halbe Stunde lang gegen die Römer wehrt.”

4. Organversagen
(kreuzer-leipzig.de, Juliane Streich)
Ein in Leipzig über lange Jahre wegen vieler Großprojekte bekannter Baudezernent wird neuer Chef des Berliner Flughafenprojekts BER. Man möchte meinen, dass ein lokales Medium wie die “Leipziger Volkszeitung” den Mann gut kennen und entsprechend berichten müsste, doch dort wird vor allem seine Haartolle erwähnt. Was eventuell an Stellenabbau und Umstrukturierung liegen wird, die dafür gesorgt haben, dass derartige Texte jetzt wahrscheinlich aus dem fernen Hannover kommen. Im Leipziger Stadtmagazin “Kreuzer” kommentiert Juliane Streich den Vorgang: “In der Praxis des Redaktionsalltages scheint dieses Konzept leider oft nicht aufzugehen, wie nicht nur dieses Beispiel zeigt. Mit Stärkung des Lokaljournalismus hat dies nichts mehr zu tun, wobei nur noch ein Motivationsgrund bleibt: Sparen. Das Zeitungssterben wird man so nicht aufhalten können, denn Lütke Daldrups Haartolle kann man im kostenlosen Internet weitaus besser sehen als in der LVZ.”

5. Merkels Geheimgespräche mit der Presse bleiben geheim
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) wies die Informationsklage eines Tagesspiegel-Redakteurs ab, der unter anderem Auskünfte zu Treffen begehrte, bei denen Merkel mit anderen Journalisten über die Flüchtlingskrise, den Brexit sowie den Umgang mit der AfD gesprochen hatte. Bundeskanzlerin Angela Merkel muss nach dem neuen Richterspruch und anders als erstinstanzlich entschieden, keine Auskünfte über ihre geheimen Zusammenkünfte mit Journalisten geben.

6. Zwei Jury-Mitglieder distanzieren sich von Grimme-Preisvergabe an Oliver Polak und seine Sendung “Applaus und raus”
(medienkorrespondenz.de)
Comedian Oliver Polak hat für seine mittlerweile abgesetzte Talkshow “Applaus und raus” einen Grimme-Preis bekommen. Die Entscheidung der Jury ist umstritten. Von den sieben Jury-Mitgliedern haben sich zwei von der Entscheidung öffentlich distanziert: „Medienkorrespondenz“-Chefredakteur Dieter Anschlag und der Leiter des “taz”-Medienressorts Jürn Kruse. Beide Juroren finden es unter anderem nicht hinnehmbar, dass für die Sendung der Hashtag “#gastoderspast” verwendet wurde. Weiterer Lesetipp: Unter Bist du behindert, du Spast? berichtet eine Bloggerin davon, was sie nach ihrer Kritik an dem Hashtag Unschönes erlebte und wie der Sender reagierte.

“taz”-Frauenbot, Männliches Wikipedia, Umstrittener Prank

1. Wie man Lügen am besten bekämpft
(faz.net, Tabea Rößner & Karl-E. Hain)
Wie soll man Fake News wirksam begegnen? Helfen schärfere Gesetze oder ein „Wahrheitsministerium“? Die “FAZ” hat Tabea Rößner (medienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen) und Karl-E. Hain (Direktor des Instituts für Medienrecht und Kommunikationsrecht der Universität Köln) um ihre Meinung gebeten. Die beiden Autoren überlegen, ob das bestehende Recht verschärft werden sollte und ob die Einführung einer Clearing-Stelle weiterhelfen würde. Letztlich sei der Staat jedoch auf “kommunikatives Ethos” angewiesen.

2. taz.frauentag: JudithBotler mischt Twitter auf
(blogs.taz.de, Marie Kilg)
Die “taz” will am heutigen Weltfrauentag Twitter aufmischen und hat den Bot @JudithBotler entwickelt, der ab 9.00 Uhr über Feminismus twittert und Menschen in ihre Schranken weist, die frauenfeindliche Kurznachrichten verbreiten. Das Ganze hat Experimentcharakter: “Ob unsere Judith also etwas Peinliches macht, oder ob sie sich benimmt, müssen wir abwarten. Wir haben sie zwar ein bisschen getestet, aber wirklich entfalten wird sie sich erst in der Interaktion mit anderen Twitter-Nutzer*innen. Im besten Fall macht sie Spaß – im schlimmsten stürzt sie ab, oder wir lassen sie abstürzen.”

3. Die Medienkompetenz der AfD
(correctiv.org, Marcus Bensmann)
Der Deutschen Journalisten-Verband hatte die medienpolitischen Sprecher der NRW-Parteien zur Diskussionsrunde eingeladen. Mit dabei: AfD-Politiker Marcus Pretzell, der mit “alternativen Fakten” zu AfD und Pegida um sich geworfen hätte. Außerdem hätte NRW-Spitzenkandidat Pretzell den Staatsfunk gefordert und den Ausschluss von Journalisten bei Parteitagen verteidigt.

4. Autorinnen kämpfen gegen Wikipedias Frauenproblem
(futurezone.at, Barbara Wimmer)
Die Wikipedia ist männderdominiert: Nur rund zehn Prozent der aktiven Autoren sind Frauen. Die Unterrepräsentierung macht sich auch in den Inhalten bemerkbar. Um die Einseitigkeit zu ändern, haben sich Frauen in Graz zum “Edit-a-thlon” zusammengefunden, einem Editier-Marathon, bei dem Freiwillige gemeinsam die Online-Enzyklopädie bestücken. Mit dem Ziel, möglichst viele Artikel zu Künstlerinnen aus unterschiedlichen Bereichen wie Musik, Film, Literatur, Theater, Kunst und Kultur, zu erstellen.

5. Offener Brief an Staatspräsident Erdogan
(welt.de, Ulf Poschardt)
„Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt appelliert in einem offenen Brief an den türkischen Staatspräsidenten, Deniz Yücel freizulassen. “Ich glaube, die Türkei und Deutschland verbindet viel. Nicht nur Millionen von Bundesbürgern mit türkischen Wurzeln, die häufig wie Deniz die doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, sondern auch eine wechselvolle Geschichte, in der es beiden Seiten am besten ging, wenn gemeinsame Interessen gewürdigt und gepflegt wurden. Das augenblickliche Verhältnis spiegelt nicht wider, was unsere beiden Länder verbindet. Sie können das ändern. Sie vor allem.”

6. Technische Exzellenz beim Treten nach unten
(sueddeutsche.de, Jakob Biazza)
Dem Team von “Circus Halli Galli” ist es gelungen, ein Ryan-Gosling-Double bei der “Goldenen Kamera” einzuschleusen und den bekannten Fernsehpreis einzuheimsen. Der Prank der beiden “ProSieben”-Spaßmacher sei nicht der große Wurf, zu dem er gerade gemacht werde, findet Jakob Biazza in der “SZ”. Er richtet sich an einen Gegner, der eh schon am Boden liege: das deutsche Fernsehen. Und auch für Verena Maria Dittrich bleibt in ihrem Artikel bei “n-tv” ein fahler Beigeschmack: “Das “#GoslingGate” ist ein Schabernack, der in unseren Zeitgeist passt. Alles wird nur noch benutzt, um einen Kalauer loszutreten. Pennäler-Gags auf Kosten der Zuschauer. Eher per Zufall wird dabei aufgedeckt, wie Hollywood-Leuten die Füße geleckt werden.”
“Circus Halli Galli” hat mittlerweile zwei, wenn man die Kritikpunkte beiseitelässt, gut produzierte und unterhaltsame Making-of-Videos ins Netz gestellt.
#GoslingGate: Fake Ryan Gosling Prank | Goldene Kamera 2017 – Teil 1
#GoslingGate: Fake Ryan Gosling Prank | Goldene Kamera 2017 – Teil 2

“BILD ist hier nichts vorzuwerfen”

Ernst Elitz ist Ombudsmann der “Bild”-Zeitung. Er schaltet sich ein, wenn Leser ihre politischen Ansichten falsch oder verzerrt dargestellt finden. Aber auch, wenn sie Zweifel an Fakten haben.

Seine erste Kolumne erschien am Donnerstag. Am Wochenende schrieb er gleich die nächste. Diesmal fand er sogar einen berechtigten Kritikpunkt. Nur leider schickte er die fertige Kolumne an die falsche E-Mail-Adresse. Sie landete bei uns. Wir veröffentlichen sie hier. Exklusiv bei BILDblog.

Liebe BILD-Leser,

zunächst muss ich Ihnen sagen: Julian Reichelt hat mich für meine erste Kolumne sehr gelobt. Darüber freue ich mich ganz besonders. Denn das zeigt: Er nimmt die kritische Auseinandersetzung mit BILD ernst. Aber kommen wir gleich zu den Zuschriften.

Ralf Heimann hat vor ein paar Jahren aus Versehen einen Zeitungsbericht über einen umgefallenen Blumenkübel berühmt gemacht. Seitdem lassen ihn abseitige Meldungen nicht mehr los. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt zusammen mit Jörg Homering-Elsner “Bauchchirurg schneidet hervorragend ab — Perlen des Lokaljournalismus”. Fürs BILDblog kümmert er sich um all die unwichtigen Dinge, die in Deutschland und auf der Welt so passieren.
(Foto: Jean-Marie Tronquet)

Ich bin den folgenden Fällen nachgegangen.

► BILD-Leser Maik Warschnitz schreibt: “Ich habe von verschiedenen Seiten gehört: Zu Karneval sind mehrere Pärchen in der Öffentlichkeit beim Liebesspiel gefilmt worden. Warum finde ich die Videos nicht bei Bild.de?”

Meine Antwort: Dafür habe ich leider keine Erklärung. Wir haben alle Aufnahmen veröffentlicht. Prominent auf unserer Startseite. Ich habe in der Chefredaktion recherchiert. Der Browser-Verlauf zeigt: Auch dort wurden sie gefunden.

Mein Urteil: BILD ist hier nichts vorzuwerfen.

► BILD-Leser Ferdinand Huhn fragt: “Früher habe ich immer gern die BILD-Korrekturspalte gelesen. Leider finde ich sie nicht mehr. Warum hat die Redaktion sie abgeschafft?”

Die Redaktion sagt: “Diese Frage hören wir oft. Die Antwort überrascht viele Leser: Wir haben die Korrekturspalte nicht abgeschafft. Im Gegenteil: Oft würden wir Fehler gern berichtigen. Aber leider ist unser Platz begrenzt. Unsere Aufgabe ist es, die wichtigsten Themen des Tages auszuwählen. Wenn dazu unserer Meinung nach ein Fehler zählt, werden wir die Korrekturspalte auch weiterhin nutzen. Sie bleibt also ein ebenso fester Bestandteil der BILD wie das kritische Urteil von Ernst Elitz.”

Mein Urteil: Stark!

► Bei der Berichterstattung über Verbrechen wirft BILD-Leser Gisbert Holunder uns vor, oft einen Teil der Wahrheit zu verschweigen. So würden in vielen Fällen lediglich Fotos veröffentlicht, die das Opfer vor der Tat zeigen.

Meine Antwort: BILD-Reporter sind auch nur Menschen. Sie können nicht gleichzeitig überall sein. Vor allem bei Verbrechen sind wir auf Augenzeugen angewiesen. Und dabei dürfen wir nicht vergessen: Das sind keine Profis. Diese Menschen sind meistens von der Situation überfordert. In ihrer Panik vergessen sie, vom Tatort ein Foto zu machen. Und oft holen sie zunächst Hilfe, statt unsere Reporter zu kontaktieren.

Mein Urteil: BILD trifft keine Schuld!

► BILD-Leser und Türkei-Kenner Hans-Eberhard Müller aus Torgau (Sachsen) fordert “deutliche Worte” zu den “Mätzchen” des türkischen Präsidenten Erdogan.

Meine Antwort: BILD hat dazu deutliche Worte gefunden. Wir werden auch weiter über die Türkei und Präsident Erdogan berichten.

Mein Urteil: BILD hat alles richtig gemacht.

► BILD-Leser Kevin Knoblikowsky möchte wissen: “Warum hat das BILD-Girl eine Hose an?”

Meine Antwort: Sie haben vollkommen Recht. Das muss nicht sein! BILD steht für transparenten Journalismus. Diese Frage müssen wir uns gefallen lassen.

Die Redaktion sagt: “Die Fotos werden uns zugeliefert. Mit Photoshop ist da nichts zu machen. Aber wir bleiben an der Sache dran.”

Mein Urteil: Hier muss sich dringend etwas ändern.

► Stichwort Kommentar!

Manche Leser sind unzufrieden mit Berichten und Formulierungen, die ihrer eigenen Vorstellung von Anstand und Redlichkeit zuwiderlaufen.

Meine Empfehlung: Stellen Sie sich nicht so an!

PS: Sind Sie bei Facebook? Werden Sie Fan von BILDblog!

Herzlichst,

Ihr BILD-Ombudsmann
Ernst Elitz

Alfi-Suche, Homophobie-YouTuber, Pilger-Lust

1. Viele Journalisten von Angriffen betroffen
(mediendienst-integration.de)
Das “Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung” (IKG) der Universität Bielefeld und der „Mediendienst“ haben Journalisten online und anonym über Leserreaktionen befragt. Die Studie zeigt: Zwei Drittel von ihnen nehmen einen Anstieg hasserfüllter Reaktionen gegen sich und Kollegen wahr.

2. Vorverurteilung von höchster Stelle
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ verurteilt die Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zum Fall des in der Türkei in Untersuchungshaft sitzenden Korrespondenten Deniz Yücel: „Präsident Erdogan hat mit seinen gravierenden, durch nichts belegten Anschuldigungen jeden noch so kleinen Rest Hoffnung auf eine rechtsstaatliche Behandlung von Deniz Yücel zunichte gemacht. Spätestens nach dieser unentschuldbaren Vorverurteilung von höchster Stelle ist an ein faires Gerichtsverfahren nicht mehr zu denken. Schon alleine deshalb muss Deniz Yücel sofort freigelassen werden.”

3. Alfi finden
(heise.de, Peter Glaser)
„heute journal“-Moderator Claus Kleber sucht auf Twitter nach der Adresse eines Fans, da der Umschlag mit der Adresse verloren gegangen ist. Denn „Alfi“, so der Name des Fans, soll das gewünschte Autogramm des ZDF-Anchormans Kleber bekommen. Klebers Such-Tweet erreichte theoretisch über eine Million Follower, doch gefunden wurde Alfi bislang noch nicht. Peter Glaser fragt sich, ob die sogenannte Follower-Power der sozialen Medien überschätzt wird und sich durch die neuen Kommunikationskanäle die Qualität der Nachrichtenverbreitung verbessert hat. Und er erinnert sich an die Zeit, als er als Briefträger gearbeitet hat.

4. Ein Quiz gegen die Trolle
(taz.de, Cornelius Oettle)
„NRKbeta“, ein Ableger des norwegische Rundfunks, testet ein neues Verfahren und lässt Leser Fragen über Artikel beantworten, bevor sie sie online kommentieren dürfen. Es sieht so aus, als ob dadurch die Anzahl unsachlicher Kommentare und Beschimpfungen abgenommen hätte.

5. Null Toleranz
(faz.net, Franziska Müller)
Der YouTuber Mert Eksi hat mehr als 700.000 Abonnenten, die er nicht nur mit Musikinhalten, sondern auch mit offen homophoben Statements versorgt. Nun ist es seinem Vermarkter „Digimove“ zu viel geworden und er hat die Zusammenarbeit gekündigt.
Weiterer Lesetipp: #WirGegenHomophobie: Wie sich das Netz gegen die schwulenfeindlichen Aussagen des YouTubers Mert Eksi stellt

6. Weichgepilgert
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky)
Claudia Tieschky stellt auf süddeutsche.de die Zeitschrift „Der Pilger — Magazin für die Reise durchs Leben“ vor: „Die erste Nummer widmet sich dem Fastenwandern, selbstgemachtem Kirschlikör und Bogenschießen; es gibt eine Kolumne des medienauffälligen Benediktinerpaters Anselm Grün und Naturbilder mit Texten von Franz von Assisi. Katholizismus als Wellness. Eigentlich sieht Der Pilger aus wie Landlust mit Nonnen. Bei den sanften Fragen – “Bin ich schon am Ziel? Möchte ich überhaupt ankommen?” – hält das Heft mit anderen Achtsamkeits-Produkten locker mit. Kuschel-Prädikat wertvoll: Hier streichelt die Kirche jedes Seelchen selbst.“

Schoßhund im Ombudsmann-Pelz

Ernst Elitz hat geschrieben. Der “Bild”-Ombudsmann, den in den ersten Tagen seiner Tätigkeit knapp 100 Anfragen erreicht haben sollen, hat heute in der “Bild”-Zeitung und bei Bild.de seinen Premierentext in neuer Funktion veröffentlicht:

Drei Themen ist Elitz nachgegangen — der Berichterstattung über Vorkommnisse in Schweden, der Berichterstattung über Dieselautos, Kommentare im Allgemeinen. Das Ergebnis: Die “Bild”-Redaktion macht einen tollen Job! Mehr noch: “Bild” ist besser als viele andere Zeitungen in Deutschland.

Punkt 1, die Berichterstattung über Vorkommnisse in Schweden. Elitz schreibt:

BILD-Leser Dietrich Eberle wirft uns nach Trumps Schweden-Rede “unterlassene Berichterstattung” vor.

Das “uns” ist schon mal ganz interessant. Und so klingt Elitz’ Antwort auch wie eine Verteidigung der “Bild”-Redaktion:

Meine Antwort: BILD hat in der Zeitung und digital mit mehreren Artikeln ausführlich informiert und Fakten gecheckt. Ergebnis: Die Kriminalität in Schweden ist seit der Flüchtlingskrise nicht gestiegen. Trotzdem gibt es Gewalt. Deshalb berichtete eine Reporterin schon zwei Wochen vor Trumps Aussagen über “No-go-Zonen” in Schweden, in denen viele Ausländer wohnen.

Also:

Mein Urteil: Die Berichterstattung war vielfältig und nicht zu beanstanden.

Klasse, “Bild”!

Punkt 2, die Berichterstattung über Dieselautos, ist dann noch harmloser. Elitz schreibt:

Leser und Dieselfahrer Frank Röhring forderte schnelle Aufklärung über die Folgen der Diesel-Fahrverbote und “Schutz für getätigte Investitionen”.

Die Antwort des Ombudsmanns:

BILD druckte gestern einen großen Report mit der Schlagzeile: “Wer Diesel fährt, ist bald der Depp.” Wo andere nur von “alten Dieselschleudern” reden, wird BILD weiter über die Probleme der Bürger berichten, deren Autos rapide an Wert verlieren und die von der Politik mit Recht einen Ausgleich fordern.

Extraklasse, “Bild”!

Und dann hat sich Ernst Elitz noch allgemein mit “Kommentaren und Formulierungen” beschäftigt:

Manche Leser sind unzufrieden mit Kommentaren und Formulierungen, die ihrer eigenen politischen Sicht zuwiderlaufen.

Auch da kann Elitz alle “Bild”-Kritiker beruhigen:

Meine Empfehlung: Jeder muss die Meinung anderer aushalten, denn das ist Voraussetzung für einen fruchtbaren Dialog. Gerade zum Genre einer Boulevardzeitung wie BILD gehört auch die Zuspitzung und die darf und muss manchmal auch wehtun.

Joar, das war’s.

Natürlich haben wir von “Bild” keine Selbstzerfleischung erwartet. Aber allein aus taktischen Gründen wäre es doch klug gewesen, zum Start der Ombudsmann-Reihe den Schein der Selbstkritik und der Unabhängigkeit von Ernst Elitz zu wahren, indem man einen Fall auswählt, über den man schreiben könnte: “Ja, gut, das ist nicht 1A gelaufen, aber da gibt es Gründe für, warum die Redaktion das so gemacht hat. Beim nächsten Mal sollte genauer berichtet werden.” Wenigstens ein kleines Bisschen so tun, als wäre man an einer Verbesserung der eigenen Arbeit interessiert. Stattdessen gibt es Lob vom vermeintlichen Kritiker.

Und es gab ja Fälle zwischen Elitz’ Ernennung zum Ombudsmann und heute, denen er hätte nachgehen können. Warum nicht mal beim zuständigen Autor anfragen, wie er darauf kommt, dass “30 Prozent aller arabischstämmigen Männer in der Hauptstadt zwei Frauen haben.” Denn die Zahl entbehrt jeder Grundlage. Oder warum nicht noch mal detailliert aufklären, wie “Bild” an die falsche (und auch völlig nichtige) Info gelangte, dass es in der Kantine des Umweltministeriums vor einer Woche keinen Fisch gab. Da hätte Elitz dann schreiben können: “Doof gelaufen. Aber immerhin hat ‘Bild’ am nächsten Tag eine Korrektur veröffentlicht.” Tut doch keinem weh. Stattdessen aber lobhudelt er wie eh und je.

Drei Gründe fallen uns ein, warum Ernst Elitz die Beispiele ausgewählt hat, die er ausgewählt hat: Entweder ist ihm nichts wirklich Problematisches in/an “Bild” aufgefallen. Oder er hat kein Interesse an wirklicher Kritik. Oder er darf nicht über wirklich Kritisches schreiben. In allen drei Fällen ist seine neue Rolle ein Witz.

Freundliche Volksverhetzer, Millionäre-Check, Kommentare-Quiz

1. Keine Zeit für den Fascho-Check
(taz.de, Dinah Riese)
Eine verurteilte Volksverhetzerin postet bei Instagram ein Foto von sich mit einer Cola in der Hand und hinterlässt einen freundlichen Spruch. Das Social-Media-Team des Hamburger Brauseherstellers antwortet nett zurück, ohne zu wissen, um wen es sich auf dem Foto handelt — und bekommt dafür ordentlich Online-Haue. Dinah Riese fragt: Zu Recht? Zu Unrecht? “Gehört es zu den grundlegenden Kompetenzen von Social-Media-Redakteur*innen, Mitglieder der rechten Szene zu erkennen?”

2. Zahal, Dschihad und anderes
(juedische-allgemeine.de, Daniel Killy)
Die Vorwürfe, die Daniel Killy bei der “Jüdischen Allgemeinen” in Richtung “DRadio Wissen” schickt, haben es in sich: Der Sender habe einen Beitrag über zwei junge Jüdinnen verhindert, weil er nicht Israel-kritisch genug gewesen sei. “DRadio Wissen” hat inzwischen auf die Anschuldigungen geantwortet: Anders als die “Jüdische Allgemeine” suggeriere, “wurde der fragliche Beitrag nicht aus inhaltlichen, sondern aus handwerklichen Gründen von der Redaktion abgelehnt.”

3. Deutsche rechnen mit Fake News — und informieren sich vor allem im Fernsehen
(horizont.net, Marco Saal)
In einer “Exklusivumfrage zur Bundestagswahl” hat “Horizont” herausfinden lassen, auf welchem Wege sich die Deutschen zu politischen Themen informieren (Junge: Internet, Alte: Fernsehen). In die Überschrift hat es allerdings ein anderes Umfrage-Thema geschafft: “Fake News”. “Deutsche rechnen mit Fake News”, steht über dem Text von Marco Saal. Das stimmt schon, aber nicht die Mehrheit, sondern 44 Prozent. Der größere Teil der Befragten, 51 Prozent, glaubt hingegen, dass Falschmeldungen im Bundestagswahlkampf keine Rolle spielen werden (wobei man die Gleichsetzung von “Fake News” und “Falschmeldungen” durch “Horizont” sicher kritisch sehen kann).

4. Millionäre lieben Deutschland — und wandern nicht aus
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
“Tausende Millionäre verlassen Deutschland”, schreibt das “Manager Magazin”. “Business Insider” alarmt: “Massen-Auswanderung”. Und “Sputnik” fragt in freudiger Endzeitstimmung: “Sinkt das Schiff?” Thomas Knüwer hat sich die Zahlen, die eine südafrikanische Beratungsgesellschaft namens “New World Wealth” veröffentlicht hat, und aus denen einige Medien in Deutschland Artikel gebaut haben, genauer angeschaut. Er klingt selbst ein wenig überrascht, wie viele Zweifel er “mit nur einer Viertelstunde googlen” erzeugen konnte.

5. Wie die Medien zu Parteien wurden
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal beobachtet, dass Medienunternehmen “zu politisch-idealistischen Kampfgruppen” würden, “die die Richtung der Politik bestimmen wollen und können”: “So wurden die großen Medien, die ‘dem Internet’ vor Jahren noch erzählten, was guter und verantwortungsvoller Journalismus ist (nämlich professionelle Zurückhaltung), im Verlauf eines knappen Jahrzehnts zu Parteien, die für die gute Sache kämpfen — so wie politische Parteien, Internet-Konzerne oder NGOs seit jeher für sich in Anspruch nehmen, für die gute Sache zu kämpfen: To Make The World A Better Place.” Das sei “nicht die schlechteste Entwicklung”, findet Michal.

6. Haben Sie’s gelesen?
(sueddeutsche.de, Silke Bigalke)
Nun gibt es hier im BILDblog keine Kommentarfunktion. Aber wenn es sie gäbe, und Sie kommentieren wollten, dann müssten Sie erstmal eine Frage beantworten, die mit diesem Blogpost zu tun hätte. Zum Beispiel: Wie heißt die südafrikanische Beratungsfirma, deren Zahlen Thomas Knüwer hinterfragt? So macht es jedenfalls das norwegische Technik-Blog “NRKbeta”, das zum staatlichen Sender “NRK” gehört: Wer kommentieren will, muss vorher drei simple Fragen beantworten, die sich auf den Text beziehen, den man kommentieren möchte. Das soll Hitzköpfe ausschließen, die nur rumpöblen wollen. Und funktioniert in den ersten Testwochen recht gut.

Somuncu-Stopp, Fake-Fake-News, Kuscheltierwanze

1. Somuncu: “Das war im Umgang nicht besonders fair”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Fernsehsender „n-tv“ hat am Dienstag kurzfristig entschieden, die bereits produzierte Ausgabe der Talkshow “So! Muncu” aus dem Programm zu nehmen. Die aktuelle Sendung mit einigen satirischen Einspielern genüge nicht den „Qualitätsansprüchen des Senders“. Im Interview mit “DWDL” schildert Kabarettist Serdar Somuncu Ablauf und Hintergründe und kündigt an, darüber nachzudenken, “ob n-tv unseren Qualitätsansprüchen entspricht”.

2. Journalisten-Verband löscht Falschmeldung über Falschmeldung
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Der Pressesprecher des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) ließ sich auf der Internetseite des DJV zu einer kleinen Wutrede gegen „RT Deutsch“ hinreißen, die — wie er sie nennt — „Putin treue Propagandaschleuder“. Problem: Sein Hauptvorwurf, der Sender habe in einem konkret benannten Fall als erster Sender „Fake News“ verbreitet, erwies sich als falsch. Inzwischen hat der DJV-Pressesprecher den Eintrag einfach gelöscht. Mit dem DJV, sagt er, habe das nichts zu tun, was „Übermedien“-Autor Boris Rosenkranz entsprechend kommentiert: „Wenn der DJV-Pressesprecher im DJV-Blog auf der DJV-Internetseite etwas kommentiert, was sollte das dann auch mit dem DJV zu tun haben?“

3. Der Schulz-Höcke-Effekt
(taz.de, Lalon Sander)
Die „taz“ hat sich erneut durch die rechten Medien und einschlägigen Plattformen geklickt und die wichtigsten Meldungen des Monats Februar zusammengefasst. Was auffalle: Die Themen der rechten Nische würden denen der so verhassten „Mainstream-Medien“ ähneln. Es sei vor allem um den Aufstieg von Martin Schulz gegangen, den Skandal um Björn Höcke — und den gleichzeitigen Absturz der AfD.

4. Freiheit für Shawkan und andere Inhaftierte
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ ruft Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich bei ihrer Ägypten-Reise für die Freilassung inhaftierter Journalisten und für Reformen an medienfeindlichen Gesetzen einzusetzen. Unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi habe die Unterdrückung der Pressefreiheit in Ägypten erschreckende Ausmaße angenommen. Mindestens 25 Journalisten würden wegen ihrer Arbeit im Gefängnis sitzen. Ägypten belege auf der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit Platz 159 von 180 Ländern.

5. “Wir verstehen soziale Medien immer noch nicht wirklich”
(futurezone.at, Patrick Dax)
Iyad Rahwan beschäftigt sich am MIT Media Lab in Boston mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von Technik. „futurezone“ hat mit ihm über die Auswirkungen von “Fake News” gesprochen. Rahwan sieht in Hinblick auf die sozialen Medien dringenden Forschungsbedarf: „Tools wie Facebook und Twitter zu schaffen ist eine Sache, zu verstehen, wie diese Werkzeuge mit menschlichen kognitiven und sozialen Prozessen zusammenspielen, ist eine andere. Wir müssen erforschen, wie soziale Prozesse fehlschlagen, wenn es unterschiedliche Geschwindigkeiten zwischen technischen Entwicklungen und der menschlichen Fähigkeit, darauf zu reagieren, gibt.“

6. Internet der Kuscheltiere
(golem.de, Hauke Gierow)
Vernetztes Kinderspielzeug kommt nicht aus den Schlagzeilen: Nach Sicherheitslücken bei „Hello Barbie“ und der Puppe „Cayla“ sitzt diesmal ein Teddy aus der „Cloudpets“-Reihe auf der Anklagebank. Das dahinterstehende Unternehmen sei von verschiedenen Seiten gewarnt worden, dass Hunderttausende von Accountdaten und Millionen von Sprachsamples unzureichend gesichert in der Cloud abgelegt seien, habe jedoch nicht reagiert.

“Bild” schneidet sich Kritik zurecht

So richtig rund scheint es nicht zu laufen mit der neuen “Fußball Bild”. Seit Ende Januar liegt die tägliche “Springer”-Fußball-Zeitung bundesweit an den Kiosken (zuvor hatte der Verlag das Projekt schon in Stuttgart und München getestet), ein Mix aus zusammengewürfelten Berichten der “Bild”-Regionalausgaben und ein paar Exklusiv-Inhalten. “Meedia” berichtete vor knapp zwei Wochen, dass pro Tag “im Schnitt zwischen 48.000 und 55.000 Exemplare” verkauft würden. Der Plan, die sinkende “Bild”-Auflage durch “Fußball Bild” auszugleichen, gehe bisher nicht auf.

Und so versucht “Fußball Bild” aktuell einiges, um gemocht zu werden. Zwölf Tage kann man sie kostenlos testen, ab heute gibt es das Blatt im Abo und für die “333 schnellsten Besteller” verspricht die Redaktion sogar “einen FUSSBALL BILD Kaffeebecher” gratis.

Ein neues Werbevideo gibt es auch:

Der 20-Sekunden-Clip ist seit vorgestern online und zeigt, wie “Bild” von VfL-Bochum-Trainer Gertjan Verbeek “beschimpft” wird (von der Beliebtheit bei den Fans ist hingegen nichts zu sehen, doch dazu später mehr):

Verbeek sagt in dem “Fußball Bild”-Werbespot:

“Bild”. Nee. Warum schreibt ihr dann immer solche Scheiße? Warum spielt ihr immer zwei Parteien gegeneinander aus? Ihr seid ja Arschlocher. Das seid ihr.

Vielleicht erinnern Sie sich: Die Aussage stammt aus einer Pressekonferenz des VfL Bochum, die im September 2015 stattfand. Wir hatten damals auch hier im BILDblog darüber berichtet. Das “Arschlocher” von Gertjan Verbeek ging an “Bild”-Reporter Joachim Droll, der zuvor über angebliche Meisterambitionen Verbeeks berichtet hatte. Später entschuldigten sich der Trainer und der Vereinsvorstand für die Wortwahl, von Verbeeks Kernaussagen wollte sich der Verein hingegen nicht distanzieren.

“Fußball Bild” schnappte sich also — mit Genehmigung des VfL Bochum — die kurze Passage aus der knapp 20-minütigen Pressekonferenz (ab Minute 4:05 wird’s interessant) und fügte diese zwei Texttafeln ein, die zwischendrin eingeblendet werden:


Die Aussage soll wohl sein: Ist das nicht toll, liebe Fans, wie wir uns für euch solchen Biestern wie Gertjan Verbeek stellen und uns von ihnen sogar beschimpfen lassen? Dafür müsst ihr uns doch lieb haben.

Die erste Tafel (“VON TRAINERN BESCHIMPFT.”) gibt “Fußball Bild” allerdings auch die Möglichkeit, die Originalaufnahme zu schneiden, ohne dass man es auf Anhieb merkt. Verbeeks Kritik hatte nämlich durchaus Inhalt. Er kritisierte in einem Satz, den “Fußball Bild” weggelassen hat, die “Bild”-Berichterstattung über Flüchtlinge. Der VfL-Trainer sagte damals in voller Länge:

“Bild”. Nee. Warum schreibt ihr dann immer solche Scheiße? Warum spielt ihr immer zwei Parteien gegeneinander aus? Selbst mit Flüchtlingen dazwischen. Ihr seid ja Arschlocher. Das seid ihr.

Ein bisschen Kritik an “Bild” ist für “Bild” also in Ordnung. Richtige Kritik wird aber doch lieber rausgeschnitten.

Und dann ist da ja noch die Behauptung, dass “Bild” beziehungsweise “Fußball Bild” “von den Fans geliebt” werde. Ebenfalls im September 2015, als die “Bild”-Zeitung auf dem Höhepunkt ihrer “Wir helfen”-Imagekampagne an einem Spieltag der 1. und 2. Bundesliga “Wir helfen”-Aufnäher auf den Trikotärmeln aller 36 Mannschaften platzieren wollte, reagierten die Fans vieler Vereine in den Stadien mit “Bild”-Kritik.

Zum Beispiel die des BVB:

Und des 1. FC Köln:

Und des Karlsruher SC:

Und des FSV Mainz 05:

Und des FC Ingolstadt:

Und des SV Darmstadt 98:

Und des VfB Stuttgart:

Und des 1. FC Nürnberg:

Und des SC Freiburg:

Und des FC Schalke 04:

Und von Fortuna Düsseldorf:

Und des TSV 1860 München:

Und von Hertha BSC:

Und von Union Berlin:

Und von der SpVgg Greuther Fürth:

Und auch die Fans des VfL Bochum, für die sich “Bild” und “Fußball Bild” ja von Trainer Gertjan Verbeek heldenhaft beschimpfen lassen, schlossen sich #BILDnotwelcome an:

Mit Dank an @FeaturedMoritz für den Hinweis!

BILDblog dankt

Ohne die finanzielle Unterstützung durch unsere Leser wäre das BILDblog undenkbar. Wir können allerdings nicht auf große Reise gehen und jedem persönlich dafür danken — sonst wäre hier auf der Seite Stillstand. Deswegen veröffentlichen wir regelmäßig einen großen SammelDank. Heute ist es wieder soweit.

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Yücels Haftprotokoll, FC-Bayern-TV, Rüttelformat

1. Deniz Yücel – das Haftprotokoll
(welt.de, Deniz Yücel)
Es gibt Neuigkeiten vom “Welt”-Korrespondenten Deniz Yücel, der sich seit dem 14. Februar im “türkischen Polizeigewahrsam” befindet (eine viel zu wohlklingende Umschreibung für “im Knast eingesperrt”). Yücel darf zwar in seiner Zelle nicht schreiben, hat aber seinen Verteidigern einen Bericht in den Block diktiert. Ein Haft-Protokoll, das deutlich macht, wie unzumutbar und unwürdig die Haftbedingungen für die Inhaftierten sein müssen und ahnen lässt, was alles in Yücel vorgehen mag.

2. FCBayern.tv – noch mehr Interviews?
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Keine guten Nachrichten für Sport-TV-Sender wie Sky und Sport1: Der FC Bayern München startet an diesem Montag als erster deutscher Fußballverein einen eigenen Fernsehsender. Dort wird sich dann rund um die Uhr mit sich selbst beschäftigt. Zu empfangen ist der Bayern-Kanal über EntertainTV der Telekom sowie über die Internetseite und die Smartphone-Apps des FC Bayern, für 5,95 Euro im Monat. Ein Weg, wie Markus Ehrenberg vom “Tagesspiegel” berichtet,den vorerst nur Platzhirsch Bayern München beschreitet.

3. Blick nach rechts
(taz.de, Daniel Bouhs)
Das ARD-Magazin „Monitor“ hat alle 141 Talkshow-Themen im ersten und zweiten Programm des vergangenen Jahres ausgewertet – von „Anne Will“ bis „Maybrit Illner“. In den Sendungen ginge es vor allem um die Lieblingsthemen der Rechten: also vor allem um Terror, Flucht und Islam. “taz”-Autor Daniel Bouhs ist über den “Monitor”-Beitrag erstaunt: “Erstens sendet „Monitor“ – wie die Talkshows – vor Millionenpublikum. Zweitens wird das Politmagazin vom WDR produziert und damit von dem Sender, der mit „Hart aber fair“ und „Maischberger“ aktuell die meisten Talks im Ersten platziert. Damit kommt die Kritik – zumindest im weiteren Sinne – inzwischen offen auch aus dem eigenen Haus.”

4. Diese Sendung ist ein Arschloch
(zeit.de, Dirk Gieselmann)
Auf “ZDFneo” gibt es ein neues Format: “Bist Du 50.000,- wert?” Unter sechs Kandidaten wird derjenige gesucht, der die Jury überzeugt, indem er einfach nur “er selbst” ist. Dirk Gieselmann fragt sich in seiner Sendungsbesprechung “wer es zugelassen hat, dass dieses wahnwitzige Potpourri aus Assessment-Center, Milgram-Experiment und Heidi Klums sadistischen Fantasien an die Öffentlichkeit gerät”. Bei dem Format handele es sich um wesentlich mehr als eine Geschmacklosigkeit: “Es ist ein Gemetzel vor laufenden Kameras, die Beteiligten erschlagen einander mit den Höflichkeitsfloskeln der Dienstleistungsgesellschaft, es ist die Rache aller an allen. Die kleinen Leute in der Jury rächen sich an den noch kleineren Leuten im Teilnehmerfeld, sie rächen sich für all die Ablehnungen, für jedes “Du bist es nicht wert”, dass sie je gehört haben. Die Redakteure wiederum rächen sich an den Juroren dafür, dass sie keiner seriösen Arbeit nachgehen können, und die Produzenten rächen sich einfach von oben nach unten durch. Dass diese Rache ausnahmslos die Falschen trifft, ist eine Metapher für vieles um uns herum.”

5. BND bespitzelte offenbar ausländische Journalisten
(spiegel.de, Maik Baumgärtner, Martin Knobbe & Jörg Schindler)
Im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags ging es fast drei Jahre um die Massenüberwachung des US-amerikanischen Dienstes und später auch um die unkontrollierten Spähaktionen des Bundesnachrichtendienstes (BND). Dabei stellte sich heraus, dass der BND ab 1999 mindestens 50 Telefon- und Faxnummern oder E-Mail-Adressen von Journalisten oder Redaktionen auf der ganzen Welt überwachte. Das Ganze könnte mit dem kommenden BND-Gesetz noch schlimmer werden, daher bereitet die “Gesellschaft für Freiheitsrechte” eine Verfassungsklage vor.
Weiterer Lesetipp: Andre Meisters erschütternder Bericht auf netzpolitik.org: Drei Jahre Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: Die Aufklärung bleibt Wunschdenken, die Überwachung geht weiter

6. Investigatives Fernsehen: Wir rütteln auch an Ihrer Tür
(dwdl.de, Hans Hoff)
Zum Standardelement eines TV-Investigativformats gehört der Überfallbesuch eines Kamerateams nebst erfolglosem Rütteln an verschlossenen Türen. Kolumnist Hans Hoff will daraus ein eigenständiges Format machen: “Ich verspreche, wir füllen mit Rütteln, Überfallbesuchen und Bildern von quellendem Faxpapier problemlos eine Dreiviertelstunde. Wir sind zudem extrem günstig im Preis, weil wir direkt losfahren und unsere Zeit nicht mit Telefonieren oder Anmeldungen oder Akkreditierungen verplempern. Wir gehen direkt dahin, wo es wehtut. Rüttel. Rüttel.”

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