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Rechter Siff, Queer in den Medien, “Framing Manual” der ARD

1. Warum “linksgrün versifft”?
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
“Spiegel”-Kolumnistin Margarete Stokowski denkt über die Besonderheiten rechter Sprache nach, in der Formulierungen wie “links-/rotgrün versifft” auftauchen. Derlei Begriffe seien in einem historischen Kontext zu sehen, wobei nicht jeder Verwender derartiger Vokabeln durch und durch ein Faschist sei: “Aber wenn man schon genau sein will, dann muss man auch sehen, dass heute Begriffe in die Alltagssprache sehr vieler Menschen übergegangen sind, die direkt aus dem Faschismus kommen und bei denen sich eine klare Linie zu Hitler ziehen lässt, die offensichtlicher ist, als viele sich wohl wünschen würden, die heimlich immer noch auf einen Führer warten, der sie an die Hand nimmt.”

2. Eine Frage der Ressourcen
(taz.de, Wilfried Urbe)
Gleich vier Kinder-Fernsehprogramme buhlen um die Gunst der jungen Zuschauer, doch die Angebote werden von Kritikern bemängelt, vor allem hinsichtlich Qualität und Vielfalt. Medienexpertin Gudrun Sommer kritisiert: “Es wird vorrangig ein bestimmter Ausschnitt der Gesellschaft gezeigt, Hauptschüler*innen beispielsweise kommen, wenn überhaupt, nur problematisiert vor. Die Vielfalt junger Lebenswelten, jenseits von Berlin oder Köln, und jenseits der herkömmlichen Geschlechterstereotypen findet sich höchstens marginalisiert im Kinderfernsehen wieder.”

3. Wenn der Druck zu groß wird
(de.ejo-online.eu, Alice Antheaume)
Französischen Journalistinnen und Journalisten, die über die Gelbwesten-Bewegung berichten, scheint es derzeit so zu gehen wie ihren deutschen Kolleginnen und Kollegen in der Hochblüte der “Pegida”-Versammlungen: Die Feindlichkeit ist teilweise so heftig, dass sie die Logos ihrer Medienhäuser auf ihren Mikrofonen verstecken. Gleichzeitig soll mit knappem Personal möglichst rund um die Uhr berichtet werden. Ein Druck, der seinen Tribut fordert.
Weiterer Lesetipp: Bei den Gelbwesten haben die traditionellen Medien einen schlechten Ruf. Ihr Held ist ein junger Live-Reporter (nzz.ch, Nina Belz).

4. Queer in den Medien: Homosexualität ist keine Privatsache und Stonewall war keine Online-Petition!
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Etwa 150 Medienschaffende haben die “Queer Media Society” gegründet, unter anderem, um die Präsenz der LGBTI-Community in den Medien zu verbessern. Johannes Kram spricht in seiner Eröffnungsrede über die Wahrnehmung in Medien und Unterhaltungsindustrie und über die damit verbundenen Widersprüche und Dilemmata: “Wir wollen endlich als ganz normale Charaktere sichtbar sein, die nicht vor allem ihr Anderssein zur Schau stellen. Einerseits. Denn andererseits haben wir darum gekämpft, endlich anders sein und auch stattfinden zu dürfen! Wir wollen endlich, dass Homo- oder Transsexualität nicht immer nur als Problem, sondern als Normalität gezeigt wird. Einerseits. Denn andererseits wollen wir, dass endlich unsere Opfergeschichten angemessen gezeigt werden. Wir wollen, dass es egal ist, ob eine Figur LGBTI ist. Anderseits wollen wir zeigen, dass, und wo es eben nicht egal ist. Wir wollen keine Klischees, keine Stereotypen mehr sein. Aber andererseits sind viele dieser Stereotype auch ikonenhafte Ergebnisse und auch Erfolge von Queer Culture! Wir wollen, dass es nicht immer um Sex geht. Andererseits haben wir auch dafür gekämpft, dass wir keine bürgerlichen, aseptischen Homos mehr sein müssen!”
Weiterer Lesetipp: “Queer Media Society” gegründet: Für mehr Diversität in den Medien (tagesspiegel.de, Tilmann Warnecke).

5. “Framing Manual” der ARD sorgt für Diskussionen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Sprachforscherin und Framing-Expertin Elisabeth Wehling hat im Auftrag der ARD ein Gutachten erstellt, wie man mit sprachlichen Mitteln den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in ein besseres Licht rücken kann. Das ruft Kritiker auf den Plan, die von Manipulation sprechen.
Weiterer Lesetipp: Wofür braucht die ARD denn ein “Framing Manual”? Generalsekretärin Susanne Pfab über den viel diskutierten Sprach-Leitfaden (meedia.de, Stefan Winterbauer).

6. Klick durchs Museum
(sueddeutsche.de, Benedikt Frank)
Beim Fernsehsender ZDFkultur soll heute eine virtuelle Kunsthalle eröffnet werden mit Werken, die der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich sind. Aber auch sonst tut sich viel bei dem Spartensender, der einen Relaunch mit 15 Eigenproduktionen und interaktiven Tools hinlegt. Siehe dazu auch: Comeback im Digitalen: Das kann das neue ZDFkultur (dwdl.de, Timo Niemeier) und die dazugehörige Formatübersicht.

Wichtiger Hinweis an alle “Bild”-Mitarbeiter

Mit zwei großen Ausrufezeichen, aber ohne erkennbaren Grund oder Zusammenhang richtet sich die “Bild”-Redaktion heute in ihrem Blatt “an alle BILD-Leser-Reporter”:

Ausriss Bild-Zeitung - Wichtiger Hinweis an alle Bild-Leser-Reporter - Bringen Sie weder sich selbst noch andere bei dem Versuch in Gefahr, ein Foto oder ein Video zu machen. - Seien Sie beim Fotografieren rücksichtsvoll und beachten Sie geltende Gesetze. - Ach­ten Sie stets darauf, dass Sie zum Bei­spiel bei Un­fäl­len nie­mals die Ret­tungs­kräf­te oder die Po­li­zei be­hin­dern. Bedenken Sie: Wer an einem Un­fall­ort zunächst Fotos macht und sich erst da­nach um die Un­fall­op­fer küm­mert, macht sich strafbar. - Wahren Sie die Per­sön­lich­keits­rech­te an­de­rer Men­schen, verletzen Sie niemals die Privatsphäre oder die Intimsphäre anderer Menschen. - Senden Sie nur Fotos an BILD, die Sie selbst gemacht haben. Nur, wenn Sie die Urheberrechte an einem Foto besitzen, können Sie damit BILD-Leser-Reporter werden.
(Draufklicken für größere Version.)

Unter anderem auch mit diesem Absatz:

Wahren Sie die Per­sön­lich­keits­rech­te an­de­rer Men­schen, verletzen Sie niemals die Privatsphäre oder die Intimsphäre anderer Menschen.

Und diesem:

Senden Sie nur Fotos an BILD, die Sie selbst gemacht haben. Nur, wenn Sie die Urheberrechte an einem Foto besitzen, können Sie damit BILD-Leser-Reporter werden.

Was angeblich für “BILD-Leser-Reporter” gelten soll, scheint nicht für die “Bild”-Mitarbeiter selbst zu gelten. In dem noch jungen Jahr haben sie jedenfalls schon zahlreich diese Grundsätze missachtet. Nachdem zum Beispiel ein 7-Jähriger zu Tode gequält wurde, zeigte Bild.de ein unverpixeltes Foto auf der Startseite:

Screenshot Bild.de - Eltern und Bruder angeklagt - Junge (7) geötet, weil er Bibelverse vergaß - dazu ein unverpixeltes Foto des Jungen
(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag durch uns.)

Nachdem zwei Jugendliche auf ein Bahngleis geschubst und von einer S-Bahn überfahren wurden, zeigte “Bild” auf der Titelseite unverpixelte Fotos der beiden:

Ausriss Bild-Titelseite - F (16) und L (16) von S-Bahn überrollt - zwei 17-Jährige in U-Haft - Nach Disco in den Tod gestoßen - dazu zwei unverpixelte Fotos der verstorbenen Jugendlichen

Die Familien wehrten sich gegen die Veröffentlichung.

Nachdem bei einem Unfall fünf Kinder starben, zeigte Bild.de zwei von ihnen unverpixelt:

Screenshot Bild.de - Sie waren nicht angeschnallt - Fünf Kinder sterben bei Horror-Unfall. Dazu ein Foto, das zwei der Kinder, die bei dem Unfall gestorben sind, zeigt.

Nachdem eine 19-Jährige wohl aus Versehen von ihrem Vater erschossen wurde, zeigte “Bild” ein unverpixeltes Foto:

Ausriss Bild-Zeitung - Tragödie in der Wohnung - Jäger erschießt seine Tochter (19) - dazu ein unverpixeltes Foto der Tochter

Nachdem ein Mann bei einem Lawinenunglück ums Leben kam, zeigte “Bild” ihn unverpixelt auf der Titelseite:

Ausriss Bild-Titelseite - Seine Freundin sah alles mit an - Doppel-Lawine töte Mathe-Lehrer - Die erste überlebte er noch, die zweite begrub ihn - dazu ein unverpixeltes Foto des Verstorbenen

Auch hier wehrte sich die Familie gegen die Verwendung des Fotos.

Dass solche Schweinereien nicht in Ordnung sind, egal, ob “BILD-Leser-Reporter” oder bigotte “Bild”-Redakteure dafür verantwortlich sind, zeigt schon ein Blick in den Pressekodex. Dort steht:

Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen. Für das Verständnis eines Unfallgeschehens, Unglücks- bzw. Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich. Name und Foto eines Opfers können veröffentlicht werden, wenn das Opfer bzw. Angehörige oder sonstige befugte Personen zugestimmt haben, oder wenn es sich bei dem Opfer um eine Person des öffentlichen Lebens handelt.

Und speziell zu Kindern und Jugendlichen:

Insbesondere in der Berichterstattung über Straftaten und Unglücksfälle dürfen Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres in der Regel nicht identifizierbar sein.

Dazu auch:

Mit Dank an Markus S. und @Nordhessische für die Hinweise!

Uneinsichtig, Abgeblitzter Markwort, Frankreichs Facebook-Frauenhasser

1. “Erzähltes muss natürlich stimmen”
(taz.de, Markus Kowalski)
Michael Haller leitet das Europäische Institut für Journalismus- und Kommunikationsforschung und ist der Verfasser mehrerer Standardwerke des Journalismus, darunter auch der Lehrbuchklassiker “Die Reportage” (siehe dazu auch Stefan Niggemeiers wichtigen Text auf “Übermedien”: Die Reportage: Manipulationen nach Lehrbuch). Die “taz” hat mit Haller anlässlich des Falls Relotius (beziehungsweise des Falls “Spiegel”) über das Reportageformat gesprochen: Was ist zulässig, was nicht? Haller versteht angeblich gut, “wenn man hier heute strenger denkt”. Angeblich, weil es an anderer Stelle des Interviews scheint, als ob diese Einsicht nicht vollständig bei ihm angekommen ist: “Und ich vermute, manche Redaktion wird jetzt ihren Reportern ganz pingelig vorschreiben: Wenn der Satz nicht in dieser Situation von dieser Person so gesagt wurde, musst du ihn weglassen.”

2. Wie Fake News und alternative Medien die Unabhängigkeit der Branche bedrohen
(ard-wien.de, Vera Gasber, Video: 4:30 Minuten)
Das ARD-Studio Wien hat mit der Autorin Ingrid Brodnig (unter anderem “Hass im Netz”) über die zunehmende Wut bestimmter Personengruppen auf Journalisten und Journalistinnen gesprochen und darüber, wie man ihr begegnen kann: “Wie eine Gesellschaft mit ihren Journalisten umgeht, ist ein guter Gradmesser, wie gesund eine Gesellschaft ist. Und ich würde sagen in den letzten Jahren ist es schlechter geworden.”

3. Lokaljournalismus mit Herz und Relevanz
(journalist-magazin.de, Hannah Suppa)
Im Medienmagazin “journalist” kommt Hannah Suppa zu Wort, Chefredakteurin der “Märkischen Allgemeinen Zeitung” (“MAZ”), der größten Tageszeitung in Brandenburg. Suppa hat sieben lesens- und bedenkenswerte Thesen für den Lokaljournalismus der Zukunft entwickelt, der das Digitale nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung sieht: “Nicht das Digitale ist schuld an der Erosion des Geschäftsmodells. Im Gegenteil: Es serviert uns die Lösung auf dem Silbertablett. Digitales Denken führt uns im Journalismus näher zum Leser zurück — und gibt uns die Chance, mit ihm noch einmal neu zu starten.”
Lesetipp am Rande: Was im Lokaljournalismus schiefgehen kann, zeigt Fastnachtsfiasko in der MAZ — Ein offener Brief (stuecken.de).

4. BR-Rundfunkrat lehnt Helmut Markwort ab
(t-online.de)
Der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks hat den ehemaligen “Focus”-Chef und jetzigen FDP-Abgeordneten Helmut Markwort wegen möglicher Interessenkonflikte abgelehnt. Grund seien Markworts Beteiligungen an und seine geschäftlichen Aktivitäten bei privaten Radiosendern. Markworts Polterantwort: “Der Bayerische Rundfunk will sich seine Kontrolleure selbst aussuchen”.

5. Das Sterben der Netzsendungen
(blog.wdr.de, Dennis Horn)
Dennis Horn beklagt das Sterben der Netzsendungen. In letzter Zeit hat es bekannte Formate wie “Trackback” und das “Chaosradio” (beide Radio Fritz/rbb) erwischt, zu früheren Zeiten Sendungen wie den “WDR Computerclub”, das 3sat-Magazin “neues” oder den “Elektrischen Reporter” bei ZDFinfo. Horn kommentiert: “Ich halte das für ein Problem: Mit diesen Sendungen und Formaten stirbt auch die Tiefe, die digitale Themen brauchen. Schließlich hat die digitale Welt weitreichende Folgen für unseren Alltag, für Gesellschaft, Politik und Recht. Es geht um Themen, die uns alle betreffen und die übrigens immer wieder zu denen gehören, die vom Publikum am erregtesten diskutiert werden. Netzthemen sind keine Nerdthemen.”

6. “Ligue du LOL” – Facebook-Club für Frauenhass
(spiegel.de, Sonja Peteranderl)
Ein erschütternder Fall von Onlinemobbing hat sich in Frankreich ereignet. Dort haben sich Männer in einer Facebook-Gruppe zusammengerottet und digitale Attacken vor allem gegen Frauen koordiniert. Zu den organisierten Frauenbelästigern gehörten unter anderem Journalisten, Werber, Grafikdesigner und Informatiker.

Tichys Taktik, Giffey im Visier, Tipps zum Umgang mit Rechtspopulisten

1. Kein Kampf: Roland Tichy macht sich zum Opfer
(uebermedien.de. Stefan Niggemeier)
Der Publizist Roland Tichy (“Tichys Einblick”) ist von der Mediengruppe Madsack abgemahnt worden. Nach Informationen von “Übermedien” sei das Unternehmen im Kern gegen zwei Tatsachenbehauptungen Tichys vorgegangen: Dass die SPD bestimme, was in den Zeitungen der Gruppe stehe, und dass es sich bei den Madsack-Medien um “SPD-Medien” handele. Daraufhin löschte Tichy den Artikel und inszenierte sich in einem neuen Beitrag als unschuldiges Zensur-Opfer. Eine Strategie, die Stefan Niggemeier mit deutlichen Worten kritisiert: “Tichys ursprünglicher Artikel war ein übles Machwerk, aber seine Reaktion auf die Abmahnung ist besonders perfide. Er wird wissen, warum er eine juristische Auseinandersetzung scheut: Er müsste all seine forschen und extrem aggressiv formulierten Behauptungen von der Parteipropaganda belegen, die die SPD zentral gesteuert über Medien wie das RND verbreite.”

2. Ein Verdacht ist schnell in der Luft
(faz.net, Jochen Zenthöfer)
Jochen Zenthöfer kritisiert die Berichterstattung des “Spiegel” über die Plagiatsvorwürfe gegen Familienministerin Franziska Giffey. Diese sei laut “Spiegel” wegen ihrer politikwissenschaftlichen Dissertation ins “Visier der Plagiatsjäger” geraten. Zenthöfer kommentiert: “Ehrlicher müsste man wohl sagen: Giffey ist ins Visier des “Spiegel” geraten, der nicht abwarten konnte, bis die Plagiatsprüfung zuerst zu Ende geführt wird.”

3. Gutachten: Macht den Journalismus gemeinnützig!
(netzwerkrecherche.org, Thomas Schnedler)
Ein im Auftrag der nordrhein-westfälischen Landesregierung erstelltes Gutachten empfiehlt, den Journalismus steuerrechtlich als gemeinnützig anzuerkennen. Kommt die vorgeschlagene Gesetzesänderung zur Umsetzung, schaffe dies auch Rechtssicherheit. Bislang mussten journalistische Institutionen wie die “Kontext:Wochenzeitung”, das Recherchezentrum “Correctiv” oder das Online-Magazin “MedWatch” Umwege bemühen, um von den Finanzbehörden als gemeinnützig anerkannt zu werden. Was die Umsetzung auf Bundesebene anbelangt, geben sich die Gutachter optimistisch: “Das politische Klima der 19. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages scheint für eine Gesetzgebungsinitiative günstig.”

4. 5 Empfehlungen zum Umgang mit Rechtspopulisten in der Berichterstattung (und Talkshows)
(neuemedienmacher.de)
Der Umgang mit rechtspopulistischen Parteien ist für Medienschaffende nicht einfach. Die “Neuen deutschen Medienmacher*innen” haben daher eine Handreichung mit fünf Empfehlungen ausgearbeitet.

5. Wissenschaftler wollen Merkels Facebook-Seite für Nachwelt erhalten
(spiegel.de)
Angela Merkel hat sich von Facebook verabschiedet und ihre Seite mit immerhin 2,5 Millionen Likes abschalten lassen, was von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kritisch gesehen wird. So fordert der Bibliotheksjurist Eric Steinhauer, dass die Seite zumindest sichtbar im Netz hätte bleiben müssen: “Jedermann sollte noch auf das Konto zugreifen können.”

6. Trumps Feind ist unser Feind
(taz.de, Jürn Kruse)
Amazon-Chef Jeff Bezos wirft dem “National Enquirer” Erpressung vor. Es sei ihm per Mail mit der Veröffentlichung von privaten Nachrichten und intimen Fotos gedroht worden, die er anscheinend mit seiner neuen Lebensgefährtin ausgetauscht hatte. Die Hintergründe dazu lesen sich wie der Plot zu einer neuen Netflix-Serie.

Bundeskartellamt vs. Facebook, Grenzwerte, Diversity-Heuchelei

1. Bundeskartellamt beschränkt Facebook im Sammeln von Nutzerdaten
(zeit.de)
Das Bundeskartellamt hat das Sammeln und die Verarbeitung von Daten der eigenen Nutzerinnen und Nutzer durch Facebook stark eingeschränkt. Facebook besitze in Deutschland eine marktbeherrschende Stellung und missbrauche diese. Das Netzwerk dürfe seine Nutzerinnen und Nutzer künftig nicht mehr zwingen, einer “faktisch grenzenlosen Sammlung und Zuordnung von Nicht-Facebook-Daten zu ihrem Nutzerkonto” zuzustimmen. Justizministerin Katarina Barley begrüßte die Entscheidung des Kartellamts.
Weitere Lesetipps: Wird auf Facebook jetzt alles anders? (zeit.de, Eike Kühl) und Was Facebook nicht darf, sollte Google auch nicht dürfen (zeit.de, Lisa Hegemann).

2. WhatsApp-Maßnahmen ohne Wirkung?
(faktenfinder.tagesschau.de, Silke Diettrich)
Whatsapp ist in Indien nicht nur sehr verbreitet, sondern auch sehr wirkmächtig. Immer wieder werden über den Messenger falsche Nachrichten und Gerüchte in Umlauf gebracht, die teilweise zu Lynchmorden führten. Mittlerweile hat Whatsapp das schnelle Weiterleiten von Nachrichten eingeschränkt und landesweit Aufklärungskampagnen geschaltet. Damit ist das Problem jedoch nicht gelöst, wie Silke Diettrich vom ARD-Studio Neu-Delhi berichtet.

3. ROG belegt erstmals Menschenrechtsverletzungen
(reporter-ohne-grenzen.de)
“Reporter ohne Grenzen” (“ROG”) wurden geleakte Informationen aus dem iranischen Justizministerium zugespielt, nach denen im Iran allein zwischen 1979 und 2009 hunderte von Journalistinnen und Journalisten verfolgt, festgenommen, inhaftiert und in manchen Fällen hingerichtet worden seien. “Mithilfe dieser Datei können wir endlich nachweisen, dass das iranische Regime über Jahrzehnte die Weltöffentlichkeit belogen hat. Wir wissen jetzt, dass es hunderte Journalisten und tausende politische Gefangene inhaftiert und viele von ihnen gefoltert und ermordet hat. Über Jahrzehnte hat die iranische Regierung sie auf perfide und unbarmherzige Weise für ihre Überzeugungen oder ihre unabhängige Berichterstattung verfolgt”, so “R”OG-Geschäftsführer Christian Mihr. “Wir werden unsere Erkenntnisse der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet vorlegen, damit der Iran sich für seine Taten verantworten muss.”

4. Überdenkt Eure Anspruchshaltung
(wijo.wordpress.com, Josef Zens)
Josef Zens antwortet auf den vielfach geäußerten Vorwurf, bei der Feinstaub- und Stickoxiddebatte habe es sich um ein Kommunikationsversagen der Wissenschaft gehandelt: “Muss Wissenschaft wirklich über jedes Stöckchen springen, das ihr hingehalten wird? Muss sie immer wieder längst bekannte Fakten und Zusammenhänge präsentieren, weil die Abendschicht in der Redaktion halt nicht weiß, was die von der Frühschicht letzte Woche schon recherchiert und gesendet oder geschrieben haben? Ja, muss sie. Ich weiß. Und ja, wir im System Wissenschaft müssen auch schneller reagieren. Aber deshalb versagt nicht gleich die ganze Branche mit ihrer Kommunikation.”
Weiterer Lesetipp: Grenzwertedebatte: Warum blieben die Experten unsichtbar? — Zum ZEIT-Artikel von Ulrich Schnabel (jensrehlaender.com).

5. Ein unklares Verhältnis zur Wahrheit
(taz.de, Markus Kowalski)
Das jüngste Buch der US-Journalistin und ehemaligen Chefredakteurin der “New York Times” Jill Abramson steht unter Plagiatsverdacht. Das ist insofern pikant, als dass es in “Merchants of Truth” (“Händler der Wahrheit”) um den Kampf um Fakten und Wahrheit im Journalismus geht.

6. “Diversity”, das It-Piece der Saison
(sueddeutsche.de, Julian Dörr)
In der neuen Staffel von “Germany’s Next Topmodel” geht es auf einmal um menschliche Vielfalt. Dahinter stecke aber keine feministische Erleuchtung, sondern kapitalistisches Kalkül, so Julian Dörr in seinem Kommentar bei der “SZ”: “Nein. Heidi Klum interessiert sich nicht wirklich für Diversity. Es geht ihr nicht um Gleichberechtigung, um faire Chancen für alle. Klum geht es darum, dass Diversity “gerade DAS Thema in der Fashionwelt” ist.”

Fast ohne Zutun, Rechtstrend “Dark Social”, Digital Darlings unter Druck

1. Wie ein privates Video fast ohne Zutun von Journalisten “an die Öffentlichkeit kam”
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Ein an die Öffentlichkeit gelangtes, privat gedrehtes Video einiger junger Kommissaranwärterinnen sorgt für einen Mix von künstlicher Aufregung, Heuchelei und Doppelmoral. Stefan Niggemeier fasst zusammen: “Und so ist nun ein privates Video in der Welt und alle reden über die Verantwortung junger Polizistinnen und die Gefahren von Social Media — nur für die Journalisten von “Focus” und “Bild”, die es hochgeladen und für seine Verbreitung gesorgt haben, ist die Sache erledigt.”

2. Bremer Ex-AfD-Vorstand Lührssen: Der Preis des politischen Engagements
(weser-kurier.de, Jürgen Theiner)
Als der Journalist Hinrich Lührssen (u.a. Radio Bremen, “Stern TV”) vor einigen Monaten Teil des Bremer AfD-Landesvorstandes wurde, sorgte dies in der Branche für Verwunderung. Lührssen bezeichnet seine Zeit bei der AfD heute als “Trip nach Nordkorea und zurück”, was vor allem an seinen gescheiterten Karriereplänen liegt: Der Journalist konnte sich nicht als AfD-Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl durchsetzen und fühlt sich ausgebootet.

3. Dark Social ist auch Trend bei Rechtsextremen
(belltower.news, Simone Rafael & Miro Dittrich)
Nachdem einige rechtsextreme Gruppierungen aus den sozialen Netzwerken geschmissen wurden, verlagerten sie ihre Aktivitäten zu Messengerdiensten wie Whatsapp und Telegram. Miro Dittrich vom Monitoring-Projekt “De:hate” der Amadeu Antonio Stiftung erklärt die Hintergründe.

4. Digital Darlings unter Druck
(spiegel.de, Isabell Hülsen & Martin U. Müller)
Die drei Medienmarken “BuzzFeed”, “Vice”, “Huffpo” mussten jüngst kräftig Federn lassen: “BuzzFeed” entlässt 15 Prozent seiner Belegschaft, bei “Vice” verlieren 250 der weltweit 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Job, die deutsche “Huffington Post” hat den Betrieb komplett eingestellt. Das liege vor allem an der Werbe-Übermacht von Facebook, Google und Amazon. Außerdem gebe es eine wachsende Konkurrenz durch klassische Medienhäuser, die immer mehr zahlende Abonnentinnen und Abonnenten für ihren Journalismus im Netz gewinnen.

5. Das Fragezeichen passt besser zu unserem Beruf als das doppelte Ausrufezeichen
(journalist-magazin.de, Georg Mascolo)
Der ehemalige “Spiegel”-Chef Georg Mascolo leitet seit 2014 den Rechercheverbund von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”. In einem Beitrag für das Medienmagazin “journalist” beschäftigt er sich mit der mangelnden Selbstkritik und Fehlerkultur von Journalistinnen und Journalisten und bezieht sich durchaus auch selbst mit ein: “Seit mehr als 30 Jahren bin ich nun im Beruf. Meine Arbeitgeber waren und sind das, was man “Qualitätspresse” nennt. Aber ich habe nicht immer “Qualität” abgeliefert. Manche meiner Fehler erinnere ich bis heute schmerzlich, vor allem, weil ich sie meinem Publikum verschwiegen habe.”

6. Ein TV-Sender mit Gaulands Zahnarzthelferin
(deutschlandfunk.de, Doris Anselm)
Der sächsische AfD-Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla plant der “Sächsischen Zeitung” zufolge eine Liste mit Namen “unseriöser” Journalistinnen und Journalisten. Das hat Doris Anselm in ihrer Glosse zu weiteren “guten Vorschlägen” inspiriert. Sie gibt der AfD zum Beispiel den Tipp, selbst eine AfD-kritische Zeitung zu gründen: “Man würde erfahren, dass Jörg Meuthen früher Rastalocken hatte oder dass Alexander Gauland insgeheim in seine Zahnarzthelferin verknallt ist, die ein Kopftuch trägt und ihn natürlich nicht mehr mit dem Arsch anguckt, aber genau da drauf steht er auch ein bisschen und so weiter, und so weiter — alles erfunden natürlich. Aber kritisch! Das wird toll.”

Bild.de verbreitet Messwert-“Gaga”-Unsinn des Verkehrsministers

Ernst Elitz begegnet uns ja normalerweise als Ombudsmann, der bei und in “Bild” für Recht und Ordnung sorgen soll. Manchmal schreibt Elitz aber auch als Autor für “Bild” und Bild.de und stiftet dann selbst mit falschen Fakten Unordnung. So auch jetzt wieder.

Elitz schrieb am Freitag über den Talk bei “Maybrit Illner”:

Aufreger der Woche! Das Thema bei “Maybrit Illner”: “Fahrverbot und Tempolimit — muss Deutschland runter vom Gas?”

Jeder hat eine Meinung. Wer hat die schlagenden Argumente?

Für Elitz und Bild.de offenbar Verkehrsminister Andreas Scheuer:

Screenshot Bild.de - Diesel-Talk bei Illner - Scheuer lästert über Gaga-Mess-Stationen

Scheuer macht sich lustig: In Stuttgart steht eine Mess-Station “am Neckartor in der Gebäudenische neben der Mülltonne. In Wien ist die zentrale Mess-Station in einer Fussgängerzone.” Scheuer: “Wenn man sich selber kasteien will, muss man es machen wie in Stuttgart.”

Noch ein Mess-Stationen-Witz vom Verkehrsminister: In Oldenburg wurden die höchsten Werte während eines Marathonlaufs gemessen. Scheuer: “Wenn das nicht Gaga ist.” Scheuer will die Grenzwerte noch mal überprüfen lassen.

Erstmal sollte Andreas Scheuer aber vielleicht seine Fakten überprüfen lassen. Und das am besten nicht von Ernst Elitz, der Scheuers “Mess-Stationen-Witz” aus Oldenburg bereitwillig aufgreift und verbreitet.

Denn es stimmt schlicht nicht, was der Verkehrsminister und der “Bild”-Ombudsmann da erzählen.

Die vermeintlich hohen Messwerte während des Marathons in Oldenburg kursieren schon länger. Neulich erst tauchten sie zum Beispiel in der Doku “Das Diesel-Desaster” im “Ersten” auf. Und jetzt eben bei “Maybrit Illner” und Bild.de.

Der Marathonlauf in Oldenburg fand am 21. Oktober 2018 statt. Die gesperrte Strecke führte unter anderem an einer Messstation für Stickstoffdioxid vorbei. Diese meldete für den 21. Oktober den Tageshöchstwert von 54 µg/m³, also ein gutes Stück über dem Grenzwert von 40 µg/m³.

Wurden in Oldenburg also “die höchsten Werte während eines Marathonlaufs gemessen”, wie Ernst Elitz dem Verkehrsminister nachplappert? Nein. Die 54 µg/m³ wurden um 21 Uhr gemessen, als der Marathon längst vorbei war, und wieder Autos an der Messstation vorbeifuhren. Während des Laufs — um 16 Uhr wurden die letzten Straßensperrungen aufgehoben — lagen die offiziellen Messergebnisse unter dem Grenzwert:

XXX

Die Stadt Oldenburg schreibt dazu:

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Messstation am Heiligengeistwall wird auch häufig der Tag des Marathonlaufes in Oldenburg, 21. Oktober 2018, als Argument für die möglicherweise unzutreffenden Messwerte heran gezogen. Beim Marathonlauf gab es keine Autos in der Stadt, trotzdem hohe Messwerte. Wie lässt sich das erklären? (…)

Der Tagesmittelwert am 21. Oktober 2018 hat den üblichen Sonntagswert um 1,2 µg/m³ unterschritten.

Der Laufsonntag war auch für den Heiligengeistwall nicht verkehrsfrei. Lediglich im Zeitraum zwischen 9 und 14 Uhr sorgten Absperrungen für weniger Verkehr als sonst üblich. Während dieser Zeit konnten in Richtung Julius-Mosen-Platz etwa 670 Fahrzeuge den Bereich der Messstelle passieren. Im gesamten Zeitraum von 0 bis 24 Uhr befuhren etwa 2.500 PKW und rund 200 LKW/Busse die Strecke in diese Richtung.

Auf der Bild.de-Startseite wirbt Ernst Elitz so für seine Dienste als “Bild”-Ombudsmann:

Screenshot Bild.de - Debatte falsch dargestellt? Zweifel an Fakten? Schreiben Sie dem Bild-Ombudsmann

Wir hätten da was, siehe oben.

Mit Dank an theo und @MichaelKreil für die Hinweise!

Whistleblower “John”, “Focus” muss löschen, Generaldirektors Hirsebrei

1. Whistleblower oder Hacker?
(tagesschau.de, Andreas Bellinger & Hendrik Maaßen)
Seit einigen Jahren erschüttern die “Football Leaks” die Fußballwelt. Der bislang unbekannte Informant “John” hatte rund 70 Millionen teils vertrauliche Dokumente dem “Spiegel” übergeben, die das Nachrichtenmagazin mit dem NDR und dem Recherchenetzwerk EIC teilte. Hinter dem Tarnnamen “John” steckt der 30-jährige Portugiese Rui Pinto, der am 16. Januar verhaftet wurde und mittlerweile in Budapest unter Hausarrest steht. Bis etwa Mitte März muss Ungarns Justiz über einen Auslieferungsantrag Portugals entscheiden. Sollte dieser positiv entschieden werden, könnte es für Pinto gefährlich werden: “Ich fürchte, dass, wenn ich ein portugiesisches Gefängnis betrete, vor allem eines in Lissabon, ich dort nicht lebend herauskomme.”

2. Gute Nachrichten!
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Eine katholische Religionslehrerin hat zusammen mit ihren Grundschülern einen Brief an die ARD-Nachrichtenredaktion verfasst. Die Botschaft: Die “Tagesschau” verbreite zu viele schlechte Nachrichten. “Manche von uns können deshalb nicht mehr gut schlafen”. Man wünsche sich mehr “gute Nachrichten”. “ARD-aktuell”-Chefredakteur Kai Gniffke hat den Kindern geantwortet.

3. Episode 28: Live in Berlin (mit Stefan Niggemeier)
(soundcloud.com, Lukas Heinser & Friedrich Küppersbusch, Audio: 73:15 Minuten)
Ex-BILDblog-Chef Lukas Heinser und der Journalist und TV-Produzent Friedrich Küppersbusch haben die neueste Folge ihres Podcasts vor Live-Publikum aufgenommen. Ab Minute 37 mit dabei: Der ebenfalls ehemalige BILDblog-Chef und “Übermedien”-Mitgründer Stefan Niggemeier, der sich anlässlich des Falls Relotius an seine Zeit beim “Spiegel” erinnert.

4. Hirsebrei für den Generaldirektor
(bstu.de, Philipp Springer, Video: 2:56 Minuten)
Am 15. Juni 1971 erschien in der von der SED gelenkten Bezirkszeitung “Freies Wort” ein Artikel, der sich mit dem Aufbau des Sozialismus in der thüringischen Stadt Schmalkalden beschäftigte. Dort wurde unter anderem von einem verdienten Generaldirektor eines örtlichen Betriebes berichtet. Einem Generaldirektor, “der früh um halb fünf an der Arbeit ist und abends um neun seine Frau anruft, sie solle die Hirse warmmachen, in einer halben Stunde sei er zu Hause”. Dieses Detail empörte einen anonymen Leserbriefschreiber: “Das kann man im Kindergarten erzählen, aber doch nicht Erwachsenen vorsetzen.” Das Ministerium für Staatssicherheit archivierte die “Tatschrift”, stieg aber nicht in weitere Ermittlungen ein, was möglicherweise auch an den fehlenden technischen Voraussetzungen lag.

5. Focus Online löscht Artikel von Osthessen News
(der-freigeber.de, Jens Brehl)
Nach Informationen des “Freigebers” Jens Brehl hat “Focus Online” verschiedene von einem Medienpartner gelieferte Artikel gelöscht, von denen Brehl zuvor zwei als Verstöße gegen den Pressekodex bemängelt hatte: Bei einem Beitrag über den Besuch eines Grünen-Politikers habe es sich um eine nicht gekennzeichnete Pressemitteilung gehandelt, ein Beitrag über die Rabattaktion eines Autohauses habe den Verdacht auf Schleichwerbung nahegelegt.

6. N-tv-Chef: “Wir brauchen mehr Luft zum Atmen”
(wiwo.de, Peter Steinkirchner)
Hans Demmel, Chef des Nachrichtensenders n-tv, sieht sich von den öffentlich-rechtlichen und gebührenfinanzierten Sendern bedroht: “Wir brauchen als Privatsender mehr Luft zum Atmen. Deshalb fordern wir von der Politik, dass sie den Auftrag von ARD und ZDF endlich neu so definiert und schärft, dass wir endlich zu einer Reduzierung des Angebots kommen.” Seiner Meinung nach sollten sich die Sender auf die Kernbereiche Bildung, Information und Kultur konzentrieren: “Wir fordern, dass diese Inhalte 75 Prozent des Angebots und der Budgetverwendung ausmachen sollen.”

Russlands Attacke, Bedrohter Whistleblowerschutz, Absturz

1. Erfindungen sind nicht zu rechtfertigen!
(zeit.de, Andreas Wolfers)
Andreas Wolfers leitet die Henri-Nannen-Journalistenschule, die von Gruner+Jahr, dem Spiegel-Verlag und dem Zeitverlag getragen wird. Der Fall Relotius hat bei Wolfers einige grundsätzliche Fragen aufgeworfen: Handelte es sich um ein systemisches Versagen? Hat das Reportage-Format noch eine Berechtigung? Was wird dazu an Journalistenschulen gelehrt? Und was kann getan werden, um Vertrauen zurückzugewinnen? Wolfers setzt auf Transparenz: “Vor allem Journalisten, die Geschichten erzählen, sollten mehr davon offenbaren, wie diese Geschichten zustande gekommen sind. Kein anderes Genre verlangt einen höheren Vertrauensvorschuss ab als die Reportage. Weil ihr Wahrheitsgehalt sich, anders als etwa bei einer Nachricht, so schwer überprüfen lässt, all diese flüchtigen Momente, beiläufigen Zitate, biografischen Details unbekannter Menschen.”

2. Russland attackiert t-online.de – Journalistenverbände weisen Kritik zurück
(t-online.de)
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums hat mehrere deutsche Medien, darunter auch t-online.de, scharf attackiert. In Deutschland gebe es eine staatlich gesteuerte Verfolgung russischer Medien, so der Vorwurf. t-online.de-Chefredakteur Florian Harms weist die Kritik entschieden zurück: “Selbstverständlich sind wir weder staatlich gesteuert noch ‘verfolgen’ wir russische Medien. Wir berichten unabhängig und gründlich, aber kritisch über den Einfluss russischer Medien und des russischen Staates in Deutschland. Dass dies manchen Stellen in Russland nicht gefällt, liegt auf der Hand.” Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und die Organisation “Reporter ohne Grenzen” wiesen die Vorwürfe zurück.

3. Instagram-Storys: Die kreative Art des Geschichtenerzählens
(fachjournalist.de, Bernd Oswald)
In den sozialen Netzwerken, aber vor allem auf Instagram, erfreut sich die Story-Funktion großer Beliebtheit. Bernd Oswald gibt am Beispiel Instagram einen Überblick über die wichtigsten Gestaltungselemente und zeigt, wie man sie für kreatives Storytelling verwendet.
Weiterer Lesehinweis: Benedikt Frank erklärt auf Süddeutsche.de, welche Social-Media-Beiträge gegebenenfalls als Werbung gekennzeichnet werden müssen und wie diese Kennzeichnung auszusehen hat: Preis der Bilder.

4. Whistleblower verdienen vollen Schutz
(djv.de, Sebastian Huld)
DJV-Sprecher Sebastian Huld kommentiert die geplante Richtlinie zum Whistleblowerschutz: “Problematisch ist auch, dass hier erneut eine Beweislastumkehr droht. Whistleblower müssten möglicherweise nachweisen, dass ihr Geheimnisverrat den Vorgaben entsprach. Aber welches Unternehmen oder Aufsichtsbehörde würde von sich aus einräumen, dass die Verantwortlichen im Fall einer ordentlichen Missstandsmeldung untätig geblieben wären?”

5. In eigener Sache: …und tschüss!
(vginfo.org)
Die VG-Wort-Aufklärer von “VG Info” machen Schluss. In den Abschied mischt sich Frust über das Verhalten von Politik und Interessenvertretern: “Man hätte erwarten sollen, dass die Politik nach dem Urteil die VG WORT dazu drängt, endlich eine rechtmäßige Verteilung der treuhänderisch verwalteten Gelder sicherzustellen. Stattdessen hat sie alles dafür getan, den Autoren das Geld, das ihnen der BGH zugesprochen hat, so schnell wie möglich wieder wegzunehmen. Man hätte erwarten sollen, dass die Autorenvertreter und Gewerkschaften alles dafür tun, dass die Rechte der Autoren gewahrt bleiben. Stattdessen haben sie alles dafür getan, sich mit den Verlegern zusammen dagegen zu wehren, dass Urheber in Zukunft mehr Geld von den Verwertungsgesellschaften bekommen.“” BILDblog dankt “VG Info” für die bisherige Aufklärungsarbeit und wünscht den Betreiberinnen und Betreibern alles Gute!

6. Der Fall Miguel Pablo: Was wir vom heftigsten YouTuber-Absturz Deutschlands lernen können
(motherboard.vice.com, Sebastian Meineck)
Miguel Pablo versorgt auf Youtube mehr als 750.000 Abonnenten mit Filmchen wie “24 Stunden ins Freibad einbrechen! (nachts)” oder “Ich rasiere mir meine Haare ab!” Wie sich Ende vergangenen Jahres herausstellte, hat der Youtuber massive psychische Probleme, spricht selbst von Psychose und Schizophrenie. Der Journalist Sebastian Meineck ist der Sache nachgegangen: “Der Fall Miguel Pablo zeigt mehr als das Schicksal eines einzelnen YouTubers. Er zeigt, wie die Beziehung zwischen Influencern und Fans durch soziale Medien eskalieren kann und wie die Neugier der Fans YouTuber unter Druck setzt. Der Fall zeigt auch, wie es ist, wenn Influencer nicht aufhören können, viel von sich zu zeigen — selbst, wenn sie sich mit ihrer Selbstentblößung schaden.”

“Bild” abgemahnt, Geistig Umnachtet, “Aus Frust schlug er zu”

1. Nach tödlichem S-Bahn-Streit: Familien mahnen “Bild” ab
(nordbayern.de)
Nach Angaben von nordbayern.de haben die beiden Familien der bei dem Unglück an der Nürnberger S-Bahn-Station Frankenstadion ums Leben gekommenen Jugendlichen einen Medienanwalt beauftragt und die Axel Springer SE abgemahnt. “Bild” hatte unverpixelte Fotos veröffentlicht, auf denen die beiden verstorbenen 16-Jährigen gut zu erkennen waren.

2. Sich mit den Tätern anlegen
(kontextwochenzeitung.de, Oliver Stenzel)
Die “Kontext Wochenzeitung” hat sich mit dem Enthüllungsjournalisten und langjährigen “Stern”-Autor Arno Luik über dessen Spezialgebiete Stuttgart 21 und Deutsche Bahn unterhalten. Luik kommentiert das Versagen von Politik und Medien. Schon der Einstieg sei nicht einfach gewesen: “(…) als ich KollegInnen vorgeschlagen hatte, etwas über S 21 zu machen, da hieß es zunächst sinngemäß: S 21, was ist denn das? Interessiert doch kein Schwein. Sollen die Stuttgarter unter sich ausmachen. Es hat auch deswegen niemanden interessiert, weil Stuttgart von Hamburg aus gesehen so sexy ist wie ein überfahrener Frosch.”

3. Die Macht der Geschichten
(spektrum.de, Theodor Schaarschmidt)
Diplompsychologe und Wissenschaftsjournalist Theodor Schaarschmidt hat sich Gedanken gemacht, warum wir immer wieder auf Hochstapler hereinfallen und warum packende Geschichten eine derartige Sogwirkung entfalten: “Offenbar brauchen wir narrative Strukturen, um uns die Welt zu erschließen. Wo keine Geschichten zu finden sind, halluzinieren wir manchmal sogar welche herbei!”

4. Die frustrierend falsche Berichterstattung zu Implantaten, Prothetik und Wissenschaftsthemen
(ennopark.de)
Forscher und Forscherinnen der New Yorker Columbia University haben mit einem Hirnimplantat gemessen, was im Hörzentrum des Gehirns passiert, wenn Menschen gesprochener Sprache zuhören. Über ein KI-System sei es gelungen, die gehörte Sprache während des Zuhörens aus dem Hörzentrum zu rekonstruieren. Mit “Gedankenlesen” habe dies ausdrücklich nichts zu tun, doch genau das behaupteten viele internationale Medien in ihrer Berichterstattung. Enno Park, Vorsitzender des Vereins Cyborgs e.V., kommentiert: “Manchmal sind die Artikel schlicht falsch, manchmal haben die Autor:innen völlig korrekt abgeliefert aber Redakteur:innen offenbar den Inhalt des Textes ignoriert und eine Clickbait-Überschrift drübergetackert. Der Verantwortung der Medien wird ein solches Vorgehen jedenfalls nicht gerecht.”

5. «Aus Frust schlug er zu!»
(infosperber.ch, Barbara Marti)
Immer wieder wird in der Berichterstattung über Gewalttaten gegen Frauen die Täterperspektive übernommen. Dann ist vom “Flirt-Frust” die Rede, vom “Beziehungsdrama” oder der “Eifersuchtstat”. Dadurch werden die Taten bagatellisiert, den Opfern wird eine Teilschuld zugeschoben. Auch Heute.at berichtete in dieser Form und korrigierte sich erst nach zahlreichen Protesten im Netz.

6. Geistige Umnachtung an der Falkenstrasse
(nureinefrage.blogspot.com, Benjamin Blume)
Die “NZZ am Sonntag” veröffentlichte ein “Quiz” über die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg, in dem verschiedene Krankheitsformen zur Auswahl gestellt wurden. Mittlerweile hat sich der Chefredakteur der “NZZ am Sonntag” bei Twitter mit einem knappen “Wurde geändert. Danke für die Hinweise” gemeldet. Für ein Wort des Bedauerns oder eine Entschuldigung reichte es augenscheinlich nicht …

7. “Abtreibungsärzte”
(twitter.com, Lorenz Meyer)
Als siebter und damit zusätzlicher Link, weil vom “6 vor 9”-Kurator: “Abtreibungsärzte”…. Müssen wir wirklich solche Vokabeln framen, lieber Spiegel Online?

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