Bundeskartellamt vs. Facebook, Grenzwerte, Diversity-Heuchelei

1. Bundeskartellamt beschränkt Facebook im Sammeln von Nutzerdaten
(zeit.de)
Das Bundeskartellamt hat das Sammeln und die Verarbeitung von Daten der eigenen Nutzerinnen und Nutzer durch Facebook stark eingeschränkt. Facebook besitze in Deutschland eine marktbeherrschende Stellung und missbrauche diese. Das Netzwerk dürfe seine Nutzerinnen und Nutzer künftig nicht mehr zwingen, einer „faktisch grenzenlosen Sammlung und Zuordnung von Nicht-Facebook-Daten zu ihrem Nutzerkonto“ zuzustimmen. Justizministerin Katarina Barley begrüßte die Entscheidung des Kartellamts.
Weitere Lesetipps: Wird auf Facebook jetzt alles anders? (zeit.de, Eike Kühl) und Was Facebook nicht darf, sollte Google auch nicht dürfen (zeit.de, Lisa Hegemann).

2. WhatsApp-Maßnahmen ohne Wirkung?
(faktenfinder.tagesschau.de, Silke Diettrich)
Whatsapp ist in Indien nicht nur sehr verbreitet, sondern auch sehr wirkmächtig. Immer wieder werden über den Messenger falsche Nachrichten und Gerüchte in Umlauf gebracht, die teilweise zu Lynchmorden führten. Mittlerweile hat Whatsapp das schnelle Weiterleiten von Nachrichten eingeschränkt und landesweit Aufklärungskampagnen geschaltet. Damit ist das Problem jedoch nicht gelöst, wie Silke Diettrich vom ARD-Studio Neu-Delhi berichtet.

3. ROG belegt erstmals Menschenrechtsverletzungen
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ („ROG“) wurden geleakte Informationen aus dem iranischen Justizministerium zugespielt, nach denen im Iran allein zwischen 1979 und 2009 hunderte von Journalistinnen und Journalisten verfolgt, festgenommen, inhaftiert und in manchen Fällen hingerichtet worden seien. „Mithilfe dieser Datei können wir endlich nachweisen, dass das iranische Regime über Jahrzehnte die Weltöffentlichkeit belogen hat. Wir wissen jetzt, dass es hunderte Journalisten und tausende politische Gefangene inhaftiert und viele von ihnen gefoltert und ermordet hat. Über Jahrzehnte hat die iranische Regierung sie auf perfide und unbarmherzige Weise für ihre Überzeugungen oder ihre unabhängige Berichterstattung verfolgt“, so „R“OG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Wir werden unsere Erkenntnisse der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet vorlegen, damit der Iran sich für seine Taten verantworten muss.“

4. Überdenkt Eure Anspruchshaltung
(wijo.wordpress.com, Josef Zens)
Josef Zens antwortet auf den vielfach geäußerten Vorwurf, bei der Feinstaub- und Stickoxiddebatte habe es sich um ein Kommunikationsversagen der Wissenschaft gehandelt: „Muss Wissenschaft wirklich über jedes Stöckchen springen, das ihr hingehalten wird? Muss sie immer wieder längst bekannte Fakten und Zusammenhänge präsentieren, weil die Abendschicht in der Redaktion halt nicht weiß, was die von der Frühschicht letzte Woche schon recherchiert und gesendet oder geschrieben haben? Ja, muss sie. Ich weiß. Und ja, wir im System Wissenschaft müssen auch schneller reagieren. Aber deshalb versagt nicht gleich die ganze Branche mit ihrer Kommunikation.“
Weiterer Lesetipp: Grenzwertedebatte: Warum blieben die Experten unsichtbar? — Zum ZEIT-Artikel von Ulrich Schnabel (jensrehlaender.com).

5. Ein unklares Verhältnis zur Wahrheit
(taz.de, Markus Kowalski)
Das jüngste Buch der US-Journalistin und ehemaligen Chefredakteurin der „New York Times“ Jill Abramson steht unter Plagiatsverdacht. Das ist insofern pikant, als dass es in „Merchants of Truth“ („Händler der Wahrheit“) um den Kampf um Fakten und Wahrheit im Journalismus geht.

6. „Diversity“, das It-Piece der Saison
(sueddeutsche.de, Julian Dörr)
In der neuen Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ geht es auf einmal um menschliche Vielfalt. Dahinter stecke aber keine feministische Erleuchtung, sondern kapitalistisches Kalkül, so Julian Dörr in seinem Kommentar bei der „SZ“: „Nein. Heidi Klum interessiert sich nicht wirklich für Diversity. Es geht ihr nicht um Gleichberechtigung, um faire Chancen für alle. Klum geht es darum, dass Diversity „gerade DAS Thema in der Fashionwelt“ ist.“