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dpa, sid  etc.

Nichts zu berichtigen

Der 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga stand offensichtlich unter keinem guten Stern. Neben der medialen Überforderung in einem anderen Fall (BILDblog berichtete) gab es auch noch diese Schlagzeile, die so oder so ähnlich durch viele Medien ging (hier: “Welt Online”):

Bundesliga Hooligan verliert bei Fan-Randale in Köln einen Arm Während einer heftigen Auseinandersetzung zwischen gewalttätigen Fußballfans in Köln wurde ein Schläger vor einen Zug gestoßen. Er überlebte schwer verletzt.

Das Mitleid in den Leserkommentaren hält sich dabei in Grenzen. Auf “Welt Online” heißt es etwa:

Hooligan vs Hooligan, also nichts tragisches. Wer sich freiwillig und mutwillig in Gefahr begibt, muss halt mit den Konsequenzen rechnen. Gilt schließlich auch für jeden Straftäter.

Oder:

Hätte ruhig mehr als nur der Arm sein können, auf sowas kann man gut verzichten.
Wenigstens wird er wohl künftig Ruhe geben…zumindest eine Sorge weniger

Dass es sich bei dem verletzten Nürnberg-Fan überhaupt um einen Hooligan handeln soll, geht auf Berichte des bayrischen Landesdienstes von dpa und des Sportinformationsdienstes sid vom Sonntag zurück, deren Überschriften “Nürnberger Hooligan verliert Arm bei Schlägerei” bzw. “Schlägerei in Köln: Hooligan verliert Arm” lauteten. Im dpa-Bericht heißt es unter anderem:

Ein Nürnberger Fußball-Hooligan hat bei einer Schlägerei mit Mainzer Fans im Kölner Hauptbahnhof einen Arm verloren. (…) Das Opfer war der Polizei selbst als sogenannter “Gewalttäter Sport” bekannt und zur Personenkontrolle ausgeschrieben.

So eindeutig, wie dpa und sid sie darstellen, scheint die Sachlage jedoch nicht zu sein. Am Montag meldet sich die Nürnberger Ultraabspaltung “Banda di Amici” zu Wort und wehrt sich gegen die Bezeichnung des Verletzten als Hooligan:

Unser Gruppenmitglied (…) war weder einer der körperliche Gewalt gesucht hat, noch war er in irgendeiner Weise vorbestraft. Sein viel zitierter “Gewalttäter Sport” Eintrag stammt von den Vorfällen beim Derby Heimspiel im Februar 2010, wo er einen Freispruch erster Klasse erhielt.

Auch der Nürnberger Sport-Vorstand Martin Bader sagt in einem Interview auf fcn.de, dass der verletzte Clubfan seinen Informationen zufolge kein Hooligan ist. Und im Onlineauftritt des “Kölner Stadtanzeigers” heißt es:

Der Kölner Oberstaatsanwalt Alf Willwacher konnte Medienberichte nicht bestätigen, nach denen es sich bei dem Opfer um einen polizeibekannten Hooligan handeln soll.

In der “Allgemeinen Zeitung” und auf nordbayern.de, dem gemeinsamen Onlineauftritt der “Nürnberger Nachrichten” und der “Nürnberger Zeitung”, werden sogar ernsthafte Zweifel an der ursprünglichen Darstellung laut. So wird inzwischen auch ein Unfall nicht mehr ausgeschlossen:

Zeugen, die keiner Fangruppe angehören, gaben mittlerweile Hinweise darauf, dass es sich auch um einen Unfall gehandelt haben könnte. “Sie haben ausgesagt, dass der 19-Jährige über die Bahngleise gelaufen war und dabei vor den Zug gefallen sei”, sagte der ermittelnde Kölner Oberstaatsanwalt Alf Willwacher der Nürnberger Zeitung. Die Ermittlungen laufen nun in beide Richtungen.

Kein Wunder also, dass sich jetzt auch noch die “Rot-Schwarze Hilfe”, eine Art Hilfsorganisation für FCN-Fans, die mit Justiz oder Presse in Konflikt geraten sind, eingeschaltet hat. Sie schreibt:

Tatsache ist, dass der Geschädigte (Mitglied der RSH) noch nie strafrechtlich verurteilt wurde. Die Nürnberger Polizei hat ausdrücklich bestätigt, dass die Pressemeldung der Deutschen Presseagentur von gestern falsch ist.

Über den für den Fall zuständigen RSH-Anwalt wurde daher die Deutsche Presseagentur aufgefordert, die Meldung zu widerrufen und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung noch am heutigen Tage abzugeben.

Die Deutsche Presseagentur bestätigte uns gegenüber den Eingang einer Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung, wies die Vorwürfe jedoch zurück und flüchtete sich in Details:

1. Ja, wir sind durch einen Anwalt zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert worden.

2. Nein, wir haben keine solche Erklärung abgegeben und werden das nach derzeitigem Erkenntnisstand auch nicht tun.

3. Unsere Berichterstattung war nicht falsch, sondern jederzeit durch gute Quellen bei Polizeibehörden gedeckt.

(…)

Was die Verwendung des Begriffs “Hooligan” angeht (…): Wir schreiben in unserer Berichterstattung im Konjunktiv und unter Verweis auf die uns vorliegenden Polizeiquellen, der Betroffene sei “der Polizei als sogenannter ‘Gewalttäter Sport’ bekannt”. Wir behaupten nicht selbst, dass er ein solcher “Gewalttäter Sport” ist. Dass sein Mandant in der entsprechenden Datei als “Gewalttäter Sport” geführt wird, hat übrigens auch sein Anwalt uns gegenüber nicht bestritten – er erklärt lediglich, eine solche Eintragung in die Datei sei nicht gleichzusetzen mit der Behauptung, der Betroffene sei auch tatsächlich ein “Gewalttäter”. Aber, wie gesagt, dies hat die dpa ja auch nie behauptet.

Die dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH hat an ihrer Berichterstattung nichts zu widerrufen oder zu berichtigen.

Man muss wohl schon Jurist (oder dpa-Mitarbeiter) sein, um in den Sätzen “Ein Nürnberger Fußball-Hooligan hat bei einer Schlägerei (…) einen Arm verloren” und “Das Opfer war der Polizei selbst als sogenannter ‘Gewalttäter Sport’ bekannt und zur Personenkontrolle ausgeschrieben” die feine Nuancierung zu erkennen, dass es sich nur um einen “Hooligan” oder “Gewalttäter Sport” handeln könnte.

Unterdessen hat dapd schon längst eine neue Nachricht gemeldet. Die Überschrift lautet: “Verunglückter Fan kein Hooligan”

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 27. Oktober: In einer Meldung vom Freitag geht jetzt auch dpa deutlich differenzierter mit dem Fall um. Unter anderem heißt es dort:

Der 19-Jährige wird nach Angaben des bayerischen Innenministeriums in der Datei “Gewalttäter Sport” geführt. Auf diese Liste kann man nach Polizei-Angaben auch kommen, ohne jemals selbst gewalttätig geworden zu sein. Es kann dafür ausreichen, dass jemand zu einer Gruppe gerechnet wird, aus der heraus Straftaten begangen werden. Das bayerische Innenministerium will keine Angaben dazu machen, weshalb der 19-Jährige in die Gewalttäter-Datei aufgenommen wurde.

Der junge Mann hat mittlerweile über seinen Anwalt Jahn-Rüdiger Albert bestreiten lassen, dass er Gewalttäter sei. “Mein Mandant ist keinHooligan und gehört auch keiner Hooligan-Gruppierung an”, versicherte Albert. Der 19-Jährige sei auch zu keinem Zeitpunkt verurteilt worden, weder wegen einer Gewalttat im Zusammenhang mit einem Fußballspiel noch wegen sonstiger Delikte.

Die Rot-Schwarze Hilfe nennt diese Zeilen einen “riesigen Erfolg” und sieht darin ein Einknicken der dpa.

Von der Dramatik überfordert

Am Samstag wurde das Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 eine knappe Stunde vor Anpfiff abgesagt. In der ersten Eilmeldung, die dazu über die Ticker ging, schrieb der Sportinformationsdienst (sid):

“Der Schiedsrichter ist nicht eingetroffen”, sagte FC-Pressesprecher Tobias Schmidt: “In der Kürze der Zeit konnte kein Ersatzmann kommen. Wir können keine weiteren Angaben machen.” Das Spiel sollte von Babak Rafati (Hannover) geleitet werden.

In einer eilig einberufenen Pressekonferenz erklärte Kölns Sportdirektor Volker Finke, dass es “einen Unfall des Schiedsrichters” gegeben habe. Doch zu diesem Zeitpunkt war schon eine andere Version in Umlauf, auf den Draht gegeben von der Deutschen Presseagentur (dpa):

Nach dpa-Informationen soll Rafati einen Selbsttötungsversuch unternommen haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Das sind Sätze, deren Dimension sich einem nicht auf den ersten Blick erschließt. Wenn sich die “dpa-Informationen” als falsch herausgestellt hätten, wäre es ein mittelgroßes Desaster für die dpa gewesen: Ein paar Leute hätten sich bei Rafati und ein paar anderen Leuten entschuldigen müssen. Aber dieses Szenario wäre womöglich weniger verheerend gewesen, als das, was dann passierte.

In ihrer Radio-Fußballübertragung gingen die ARD-Anstalten früh auf das Gerücht ein, das sich bald als Fakt bestätigte. Der WDR vermeldete stolz, herausgefunden zu haben, in welchem Hotel Rafati mutmaßlich seinen Selbstmordversuch unternommen habe, und die Onlinemedien drehten auf. Die Nachrichtenagentur dapd stimmte erstaunlich spät mit ein, aber vielleicht hatte dort einfach niemand mitbekommen, was los war.

Babak Rafati hat überlebt, aber ein Selbstmordversuch ist und bleibt ein versuchter bzw. nicht gelungener Suizid. Um Nachahmungstaten (den sogenannten “Werther-Effekt”) möglichst gering zu halten, empfehlen Psychologen den Medien, bei der Berichterstattung über Suizide Folgendes zu beachten:

  • Sie sollten jede Bewertung von Suiziden als heroisch, romantisch oder tragisch vermeiden, um möglichen Nachahmern keine post-mortalen Gratifikationen in Form von Anerkennung, Verehrung oder Mitleid in Aussicht zu stellen.
  • Sie sollten weder den Namen der Suizidenten noch sein Alter und sein Geschlecht angeben, um eine Zielgruppen-Identifizierung auszuschließen.
  • Sie sollten die Suizidmethode und – besonders bei spektakulären Fällen – den Ort des Suizides nicht erwähnen, um die konkrete Imitation unmöglich zu machen.
  • Sie sollten vor allem keine Informationen über die Motivation, die äußeren und inneren Ursachen des Suizides andeuten, um so jede Identifikations-Möglichkeit und Motivations-Brücke mit den entsprechenden Lebensumständen und Problemen des Suizidenten vermeiden.

Die Medien verzichten in aller Regel darauf, sich diese Empfehlungen zu Herzen zu nehmen.

Der sid jedenfalls eröffnete schon um 16.09 Uhr, keine Stunde, nachdem der erste Hinweis auf Rafatis Selbstmordversuch über den Ticker gegangen war, den munteren Spekulationsreigen: Die Reporter hatten jemanden gefunden, den sie mit den Worten zitieren konnten, “depressive Verhaltensverweisen” von Rafati seien ihm nicht bekannt.

“Spiegel Online” hatte zunächst so über Rafatis Ausfall für das Bundesligaspiel berichtet:

Unfall des Schiedsrichters:
Bundesliga-Spiel in Köln kurzfristig abgesagt. Spieler und Zuschauer in Köln warteten am Samstagnachmittag auf den Anpfiff der Bundesliga-Partie gegen Mainz. Doch daraus wurde nichts. Das Spiel musste ausfallen. Der vorgesehene Schiedsrichter Babak Rafati hatte einen Unfall erlitten.

Offenbar ein Versehen, denn eine halbe Stunde sah der gleiche Artikel so aus:

Suizidversuch des Schiedsrichters: Bundesliga-Spiel in Köln kurzfristig abgesagt. Spieler und Zuschauer in Köln warteten am Samstagnachmittag vergeblich auf den Anpfiff der Bundesliga-Partie gegen Mainz. Das Spiel musste ausfallen, da der vorgesehene Schiedsrichter Babak Rafati einen Selbsttötungsversuch unternommen hatte.

DFB-Präsident Theo Zwanziger gab noch am Samstagnachmittag in Köln eine Pressekonferenz, in der er es schaffte, an den Satz “Ich würde Sie bitten, mir Einzelheiten zu ersparen” mit einer Kurzbeschreibung der Auffindesituation anzuschließen, die die Medien gerne weiter verbreiteten. Georg Fiedler, der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention kritisierte im Gespräch mit der dpa die Ausführungen Zwanzigers mit den Worten: “Ich glaube, man muss nicht sagen, wie es jemand gemacht hat”. Die dpa wiederum hielt es für eine gute Idee, Zwanziger in diesem Kontext noch mal zu zitieren.

“Spiegel TV” und “Kicker TV” bemängelten in einem gemeinsamen Videobeitrag “zweifelhafte Reaktionen”:

So gehören die Details der Situation, in der Rafati aufgefunden wurde, sicherlich zu seiner Privatsphäre, aber die Dramatik überforderte auch den DFB-Präsidenten.

So spricht der Off-Sprecher, dann spricht Theo Zwanziger und nennt die Details der Situation, in der Rafati aufgefunden wurde.

Der Totalausfall der Selbsterkenntnis geht weiter:

Ohne um die Motive oder Beweggründe Rafatis zu wissen, sind jede Menge Spekulationen im Umlauf — auch über die Rolle des Drucks auf Schiedsrichter, ohne dass jemand weiß, ob dieser Umstand im Fall Rafati zutrifft.

Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention, die die Berichterstattung der Medien als “im Großen und Ganzen angemessen” bezeichnet hatte, stellte angesichts der Spekulationen über Rafatis Beweggründe die Frage, “ob uns das überhaupt etwas angeht?”

Für Bild.de lautete die Antwort offenbar: Natürlich. Sie stellten einen Artikel aus der “Bild am Sonntag” unter dieser Überschrift online:

Drama in Köln: Warum wollte der Schiri vor dem Spiel sterben?

Reporter von “Bild” und “Berliner Kurier” hatten unterdessen Rafatis Vater ausfindig gemacht und befragen den Mann, der am Samstag beinahe seinen Sohn verloren hätte, zu aktuellen Entwicklungen und möglichen Beweggründen.

Bild.de spekuliert heute munter drauf los:

Sportliche Gründe? Zum 1. Januar sollte er den Status als Fifa-Schiedsrichter verlieren (und damit internationale Einsätze). Auch in der Bundesliga kam er immer seltener zum Zuge (erst 4 Spiele in dieser Saison). Das bedeutet für ihn auch finanzielle Einbußen.

Rafati hätte am Samstag, dem 13. Spieltag, sein fünftes Saisonspiel pfeifen sollen. Hochgerechnet auf die Saison wäre Rafati auf etwa 13 Einsätze gekommen — in der vergangenen Saison waren es neun.

Auch express.de beteiligt sich an den Spekulationen:

Kam der 41-Jährige am Ende mit dem Druck nicht mehr zurecht? Fakt ist: Auf Facebook gibt es eine Anti Rafati-Seite. Dort werden meist tief unter der Gürtellinie seine Leistungen auf dem Platz beurteilt. Derzeit diskutieren die User allerdings, ob sie den Schiedsrichter gemobbt hätten. Und ob man diese Seite nicht besser löschen sollte. Das ist bisher noch nicht geschehen.

Die Popularität dieser Facebook-Seite könnte natürlich auch auf express.de zurückgehen, wo die Reporter vor zehn Monaten geschrieben hatten:

Vor einer Woche riefen Nürnberg-Fans die Facebook-Seite “Anti Babak Rafati” ins Leben. Die hatte am Montag bereits über 1000 Anhänger – inzwischen auch viele aus Düsseldorf. Wer stoppt “Tomati” endlich?

“Bild” fragt heute “Wie krank macht die Bundesliga?” und stellt fest:

Immer mehr Akteure scheinen mit dem Druck nicht fertig zu werden.

“Bild” verweist in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf den Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke vor zwei Jahren und zitiert den Sportpsychologen Andreas Marlovits mit den Worten:

“Vor allem wenn es um negative Wertungen geht, also beispielsweise der schlechteste Schiedsrichter o. ä. gewählt wird und Personen ständig persönlich angegriffen werden, kann es gefährlich werden, weil es einen gewaltigen Druck erzeugt.”

In einer kurzen Phase der Selbstreflexion hatte sich Walter M. Straten, stellvertretender Sportchef von “Bild”, nach Enkes Tod mit den Worten zitieren lassen:

“Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein”, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, “ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht”.

Die Phase hatte damals fünf Wochen angehalten, seitdem knüppelt “Bild” wieder wie gewohnt drauf.

In der gleichen Ausgabe, in der ein Psychologe vor dem “gewaltigen Druck” warnt, der durch negative Wertungen entsteht, bewertete “Bild” die Leistung der Spieler des SV Werder Bremen im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach heute so:

Alle Bremer Spieler: 6

Wie Journalisten dem öffentlichen Interesse nachkommen können, ohne alles noch schlimmer zu machen, beweist sueddeutsche.de mit der knappen Meldung, dass Babak Rafati inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen sei.

Fast so lang wie der Artikel selbst ist diese Anmerkung:

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Selbstmorde zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Die Berichterstattung im Fall Rafati gestalten wir deshalb bewusst zurückhaltend, wir verzichten weitgehend auf Details. Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Suizide.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 22. November: Die Nachrichtenagentur dapd hat uns mitgeteilt, dass ihre Redakteure – entgegen unserer Spekulationen – durchaus mitbekommen hätten, dass sich offenbar Schlimmes zugetragen hatte. Die Redaktion habe sich aber erst ganz sicher sein wollen, bevor sie darüber berichtete.

Müllbilder, Behinderung, Ai Weiwei

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Geschichten aus der Gruft zum Gruseln”
(faz.net, Peer Schader)
Wie die RTL-Sendung “Einsatz in 4 Wänden” und andere Menschen mit Messie-Syndrom inszenieren: “Müllbilder werden farblich verfremdet und mit Choralgesängen unterlegt. Außenaufnahmen der renovierungsbedürftigen Häuser werden mit surreal wirkenden Effekten aufgepeppt. Per Computer lässt RTL dunkle Wolken aufziehen, schickt Blitze und Regen vom Himmel und montiert zwei in der Wohnung aufgenommene Weberknechte so ins Bild, dass es aussieht, als würde das Haus von Riesenspinnen angegriffen.” Siehe dazu auch Peer Schaders Blogeintrag “Die falschen Experten aus den Messie-Sendungen”.

2. “Wenn Sprache behindert”
(raul.de, Raúl Krauthausen)
Raúl Krauthausen liest Zeitungen und Magazine, die über “Behinderung” schreiben. “Journalisten_innen neigen dazu, die Extreme einer Person beziehungsweise einer Geschichte hervorzuheben und zu überhöhen. Dann überstrahlt das schwere ‘Schicksal’ des ‘Sorgenkinds’, alles, was diesen Menschen über seine Behinderung hinaus auszeichnen könnte. Das andere Extrem ist der ‘Superkrüppel’, jener Mensch, der seine Behinderung offenbar ‘überwunden’ hat, den Mount Everest mit seinem Rollstuhl erklimmt, und als Held gefeiert wird. Wenn jemand etwas ‘trotz’ statt ‘mit’ seiner Behinderung schafft, dann ist es sofort eine besondere Leistung. ”

3. “Ai Weiwei und die deutsche Presse – Einige Nachfragen”
(doppelpod.com, Christian Y. Schmidt)
Christian Y. Schmidt stellt Fragen zu Ai Weiwei: “Wieso gilt ein Mann, der in China auch heute noch weitgehend unbekannt ist, in Deutschland als ‘Chinas prominentester Künstler, der großartige Werke geschaffen hat’?”

4. “Chinas Informations-Monopol wackelt”
(infosperber.ch, Peter G. Achten)
Die Arbeit der chinesischen Zensur wird immer schwieriger – dank dem Internet: “Eine Fernsehsendung kurz mit einem schwarzen Bildschirm zu unterbrechen – was notabene auch heute noch vorkommt, vor allem bei Hongkong- und ausländischen Sendern – ist wahrlich keine grosse Kunst, und in Zeitungen und Zeitschriften aus dem Ausland Seiten zu entfernen – wie neulich beim deutschen Nachrichtenmagazin ‘Der Spiegel’ und dem britischen ‘Economist’ – ist zwar arbeitsintensiv, aber weiter auch kein Problem. Schwieriger schon wird es beim Internet und brenzelig bei der seit wenigen Jahren schnell wachsenden Micro-Blogger-Szene.”

5. “Neulich in der BILD (I): ’10 Urteile, die uns wütend machen!'”
(wissmit.com)
WissMit.com, “ein privates Projekt von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Hilfskräften der juristischen Fakultät der Universität zu Köln”, befasst sich mit einigen der “10 Urteile, die (nach BILD-Meinung) wütend machen sollen!”

6. “Spaniens große Parteien kontrollieren die Berichterstattung”
(dradio.de, Hans-Günter Kellner)
Wahlkampf in Spanien: “Bilder und Töne liefern die Parteien den Medien direkt per Satellit oder via Internet. Journalisten dürfen nicht in die Säle und werden in die Presseräume verwiesen, wo sie auf Bildschirmen die Veranstaltung verfolgen dürfen. So stehen die Kandidaten immer im richtigen Licht. Halbleere Säle oder gar Störer, die früher auch mal Protestplakate in die Höhe hielten, fallen nicht mehr auf.”

dapd  

Apropos Schwachsinnsanteil

Die “Nachrichtenagentur” dapd verschickte gestern um 14.38 Uhr eine “Berichtigte Neufassung” eines zuvor versendeten Artikels. “(korrigiert: Zitat Schmelzer, 3. Absatz)” stand da und die korrigierte Fassung las sich so:

“Die Bayern wissen, dass sie die beste Mannschaft Deutschlands sind. Wir wissen es auch. Wir wissen aber auch, was wir können”, sagte Marcel Schmelzer. Eine Diktion, die man in Dortmund schätzt. “Wir hatten noch nie diesen Schwachsinnsanteil in unseren Aussagen. Wir sind froh, dass wir in der Spitzengruppe sind”, sagte Klopp auf die Frage, ob man nun auf Augenhöhe mit dem Rekordmeister sei.

Alle hielten sich an die vorsichtigen Wort-Varianten, obwohl man durchaus selbstbewusster nach der jüngsten sportlichen Entwicklung auftreten könnte.

In der ursprünglichen Version anderthalb Stunden zuvor hatte das noch ein bisschen anders geklungen — so anders, dass die Formulierung “(korrigiert: Zitat Schmelzer, 3. Absatz)” vielleicht ein klein wenig untertrieben war:

“Wir sind die Bayern-Jäger Nummer eins. Die Bayern wissen, dass wir die beste Mannschaft Deutschlands sind. Wir wissen es auch”, sagte Marcel Schmelzer. Ausgerechnet der Nationalverteidiger, der ansonsten einer stillen und bedachten Gilde angehört, haute so etwas wie eine Kampfansage raus. Eine Diktion, die man in Dortmund eigentlich nicht schätzt. “Wir hatten noch nie diesen Schwachsinnsanteil in unseren Aussagen. Wir sind froh, dass wir in der Spitzengruppe sind”, sagte Klopp auf die Frage, ob man nun auf Augenhöhe mit dem Rekordmeister sei.

Bis auf Schmelzer hielten sich alle anderen an die vorsichtigen Wort-Varianten, obwohl man durchaus selbstbewusster nach der jüngsten sportlichen Entwicklung auftreten könnte.

Mit Dank an Jan.

Unruhe bitte!

Was sorgt für mehr Unruhe? Ein Spieler, der sich in der Winterpause bei seinem ehemaligen und wahrscheinlich auch zukünftigen Verein fit halten will oder eine Schlagzeile wie diese?

Ex-Nationalspieler sorgt für Unruhe Dicke Luft zwischen Werder und Frings

Bild.de behauptet:

Er war viele Jahre Leistungsträger, Kapitän und Aushängeschild des Klubs. Jetzt herrscht dicke Luft zwischen Torsten Frings (34) und Werder!

Für die nötige Stimmung sorgt Bild.de vor allem selbst, indem sämtliche eher harmlosen Zitate der Beteiligten möglichst krawallig interpretiert werden:

“Ich habe gerne das Heft des Handelns in der Hand. Und der Trainer auch”, sagt Boss Klaus Allofs gereizt. “Ich habe noch nicht mit Torsten gesprochen. Wir müssen sehen, wie wir da eine Lösung finden.”
Harmonie klingt anders…
(…)
Was Allofs außerdem nervt:
Bis heute hat Frings seinen Anschlussvertrag noch immer nicht unterschrieben.
Geplant war, dass er nach seiner Spieler-Karriere bei in Werders Trainerstab einsteigt. Doch Frings lässt sich dabei Zeit: “Wer weiß denn heute schon, was in einem Jahr ist.”
Das ärgert Allofs, der den Anschlussvertrag als ein Entgegenkommen des Klubs ansieht: “Torsten sollte nach seiner Karriere hier was machen. Das zeigt, wie wir zu seiner Person stehen. Aber zwingen werden wir ihn nicht, bei uns zu arbeiten…”
Auch die geplante Verabschiedung im Weserstadion läuft nicht reibungslos.
(Hervorhebungen von uns.)

Torsten Frings selbst sieht die Situation ganz anders. In seinem eigenen Blog schreibt er unter der Überschrift “Zwischen Werder und mir ist alles gut!”:

Als ich heute bei Bild.de allein schon die Überschrift “Dicke Luft zwischen Werder und Frings” gelesen habe, konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Was soll denn das? Das bringt Unruhe in den Verein, schadet meinem Namen und so eine “Story” ist nicht nur überflüssig, sondern auch nicht richtig! Ich habe mich stets zu Werder bekannt und weiß nicht, was die Journalisten davon haben, einen Keil zwischen den Verein und mir zu treiben? Aber um es nochmals klar zu stellen: zwischen Werder und mir ist alles gut! Es gab verschiedene Gespräche in guter Atmosphäre bei denen wir gemeinsam die zukünftige Vorgehensweisen besprochen haben. Wir sind dabei eine gute Lösung für das “fit halten” zu finden und auch meine offizielle Verabschiedung wird an diesem Samstag wie geplant stattfinden. Und dass ich nach meinem Karriereende dem Verein gern zur Verfügung stehe, habe ich nun auch schon mehrmals öffentlich gesagt. (…)

Dazu passt, dass sich Frings und der SV Werder Bremen inzwischen geeinigt haben, wie sid und dpa melden:

“Es gab keinen Zoff”, sagte Allofs und reagierte damit auf entsprechende Medienberichte.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 4. November: Aus der von allen Beteiligten einvernehmlich getroffenen Vereinbarung, dass Torsten Frings mit der U19-Jugendmannschaft von Werder Bremen trainiert, konstruiert Bild.de das:

Praktikant bei U19 statt Training mit den Profis Werder schiebt Frings ab

Das hat sich Torsten Frings (34) ganz anders vorgestellt… (…)

Praktikant bei U19 statt Training mit den Profis – Werder schiebt Frings ab! (…)

Ob ihm diese Lösung wirklich schmeckt? (…)

Heißt: Basisarbeiter in der Jugend statt wie erhofft Assistent von Thomas Schaaf.

Wann und ob Frings, der immer noch beim FC Toronto unter Vertrag ist, jemals geäußert hat, er wolle Assistent von Thomas Schaaf sein, erfährt man bei Bild.de nicht — ebensowenig wie das, was Frings selbst laut kreiszeitung.de zur Einigung sagt:

Nach einem Gespräch mit Sportchef Klaus Allofs hat Frings die U 19-Lösung akzeptiert. “Das ist eine neue Erfahrung für mich – und es ist okay”, meinte Frings gestern und ergänzte: “Ich wollte ohnehin nicht jeden Tag trainieren – und bei den Profis hätte ich das machen müssen.”

Die Toten Hosen, Henryk Broder, Oliver Welke

6 vor 9

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1. “Steuergelder für Die Toten Hosen? – Eine Richtigstellung”
(dietotenhosen.de)
Die Toten Hosen schreiben an “Welt” und “Berliner Morgenpost”: “Man kann sich sicherlich darüber streiten, ob die Toten Hosen deutsches Kulturgut sind, aber Tatsache ist, dass diese Tournee nur stattfinden konnte, weil wir selber ca. 100.000.-€ aus eigener Tasche an Reisekosten, Transport und Crew-Löhnen beisteuerten. Wir sind zudem ohne Gage aufgetreten.” Der Journalist schreibt zurück: “Wie Sie vielleicht wissen, bedienen sich die Nachrichten-Websites von Tageszeitungen in der Regel aus den gedruckten Artikeln, versehen sie mit neuen Fotos, etwas anderen (in der Regel zugespitzteren) Überschriften und vor allem mit einem knappen Vorspann (‘Teaser’).”

2. “Wir basteln uns ein Weltbild (mit Dank an Henryk M. Broder)”
(scienceblogs.de/zoonpolitikon, Ali Arbia)
Ali Arbia kritisiert einen “Welt”-Text von Henryk M. Broder. “Der ganze Artikel ist eine Ansammlung von Verzerrungen, selektiven Informationen, gezielten Auslassungen, Tatsachenverdrehungen und Phantastereien.”

3. “Das Töten ist des Volkes Lust”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
“Des Volkes Lust am Töten der Mörder mag ja bei dem einen oder anderen Bürger Zuspruch finden. Aber es sind unsinnige Diskussionen, die nach jedem abscheulichen Mord in den Medien und Internetforen geführt werden.”

4. “Tränen lügen doch”
(haz.de, Imre Grimm)
Die “Bild”-Empörung über “Bauer sucht Frau”. Imre Grimm macht darauf aufmerksam, dass eine ganze Reihe von Produktionsfirmen davon lebt, “sich absurde Liebesquerelen auszudenken, arglose Kandidaten zu finden und sie mit sanftem Druck und 150 Euro Tagesgage durch schlecht gelüftete Dreizimmerwohnungen zu schubsen, angeleitet von sogenannten ‘Realisatoren’ hinter der Kamera”.

5. “Merkel ist der ultimative Test für Interviewer”
(journalist.de, Hans Hoff)
Ein Interview mit Oliver Welke von der “Heute-show”: “Ich habe mich ja darüber amüsiert, dass Jauch alle Gäste inklusive Thomas Gottschalk auslädt, weil Angela Merkel anruft und sagt, sie hätte Lust vorbeizukommen. Wir müssten ihr natürlich auch die komplette halbe Stunde geben.”

6. “Best statistics question ever”
(flowingdata.com, englisch)

Bild  

Der nette Rassist von nebenan

Heute erfahren wir aus “Bild”: Angela Merkel ist mit dem Preis für Verständigung und Toleranz ausgezeichnet worden. Die Türken haben Deutschlands Wirtschaft um Döner und Brautkleider bereichert.

Doch nicht überall ist es um Toleranz und Integration so gut bestellt:

Kommen Millialden Eulos von den Chinesen?

Wenn Zeitungen in anderen Ländern mit uralten Stereotypen arbeiten, nennt “Bild” das übrigens “Hass” und “Beleidigung” …

Mit Dank an Henman.

Tatort, Arne Friedrich, Natascha Sagorski

6 vor 9

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1. “Gab nie ein Österreich-Interview zu meinem Buch”
(kurier.at)
Eine Journalistin von “Österreich” ruft Hugo Portisch an und fragt nach einem Interview. Obwohl dieser ablehnt, erscheint die kurze Plauderei als Interview. Siehe dazu auch “Ein Interview ist ein Interview!” (diepresse.com, Thomas Kramar)

2. “Im Angesicht des Todes”
(uni-muenster.de)
Stephan Völlmicke untersucht in seiner Doktorarbeit die Darstellung des Todes in der Krimiserie “Tatort”: “Im Verlauf der untersuchten 40 Jahre hat sich die Bebilderung des Todes deutlich verändert. Die Todesdarstellungen sind heute so intensiv und direkt wie nie zuvor.”

3. “Unsere Kunden erwarten, dass wir ein Convenience-Produkt liefern”
(persoenlich.com, Edith Hollenstein)
Die Meldungen der inzwischen einzigen Schweizer Nachrichtenagentur SDA “werden häufig 1:1 von Onlineportalen übernommen und auch in den Printausgaben gedruckt.” Ein Interview mit dem Chefredakteur Bernard Maissen.

4. “Die Medien zum Feind”
(zeit.de, Steffen Dobbert)
Fußballer Arne Friedrich und die Medien. “Nach der WM in Deutschland bemerkte er, wie die veröffentlichte Meinung sich von der vieler Menschen unterscheidet. Während der WM machten ihn die Medien für einige Gegentore in der Vorrunde verantwortlich. Dabei hatte er nur, wie vom Trainer verlangt, nicht auf Abseits gespielt.”

5. “Baron Münchhausens Ururenkelin oder nur die nervigste Tratschtante, auch modisch gesehen?”
(horstson.de)
Horston schreibt über Natascha Sagorski: “Wenn man es in das Allerheiligste eines TV-Senders geschafft hat und drinnen ist, rafft man dann alles an Schnipseln zusammen, das es an elektronischen und gedruckten Fakes und aus der Luft gegriffenen Erfindungen und unbewiesenen Gerüchten über Prominente gibt, weil man von der Weiterverwertung solcher Meldungen, die eigentlich gar keine sind, lebt oder sich dann einfach mehr leisten kann, so man nebenbei auch noch einen richtigen Beruf erlernt hat und dem auch tätig nachgeht.”

6. “E-Book meldet sich, wenn’s im Text spannend wird”
(welt.de, Hans Zippert)

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Das Grauen hat einen Namen

Franz Josef Wagner hat einen Liebesbrief geschrieben. Er geht an Joachim “Jogi” Löw, den “eleganten Bundestrainer, der wunderbar aussieht”. Mit mehr als einer Prise Homoerotik erinnert sich Wagner “an Artikel, in denen es nur um Ihr strahlend weißes Hemd ging”:

Wie lässig es Ihren 50-jährigen Körper bedeckte, auf Taille geschneidert und zu allen Träumen veranlasste.

Dann war der Hype um Ihren blauen Pullover. Sie trugen ihn nackt auf Ihrer Haut.

Einmal in Fahrt, gibt es für Wagner kein Halten mehr:

Und zu Ihrer Schönheit kam das Haar, als hätte Gott jedes einzelne Haar in Ihren Kopf eingepflanzt. Dieses volle Haar. Sie sind 51 und Sie haben kein einziges graues Haar.

So gesehen dürfte Franz Josef Wagner ziemlich enttäuscht gewesen sein, als er den Sportteil jener Zeitung aufschlug, für die er arbeitet:

Keine Farbe mehr! Löw steht zu Grau. Deutschland siegt und siegt. Warum wird denn unser Bundestrainer grau und grauer? Wer Joachim Löw (51) am Fernseher genau beobachtete, sah graue Haare in der vollen Haarpracht und den Koteletten. Der Grund ist einfach: Löw färbt seine Haare schon länger nicht mehr. "Endlich fällt es den Leuten mal auf", sagt er lächelnd. Das dichte Haar hat er übrigens von seinem Vater geerbt.

Im vergangenen Jahr war “Bild” übrigens selbst noch überzeugt davon, dass Löws Haarfarbe echt sei:

Die dichten schwarzen Haare sind nicht gefärbt. Hat er vom Vater (Beruf Ofensetzer) geerbt.

Mit Dank an Flo M.

OPAL, Apple, Staatstrojaner

6 vor 9

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1. “7 ultimative Tipps für Journalisten, damit Sie auch morgen noch einen Job haben”
(gutjahr.biz, Richard Gutjahr)
“Streichen Sie das Wort ‘Synergien’ bitte noch heute aus Ihrem Wortschatz. Verbrennen Sie Ihre Social Media Guidelines. Lesen Sie keine Zeitung mehr. Zerschnippeln Sie Ihren Presseausweis. Zertrümmern Sie Ihr iPad. Meiden Sie Bedenkenträger. Denken Sie nicht an Geld.”

2. “Und weiter geht’s: Bilds Ökostrom-Bashing”
(klima-luegendetektor.de)
Der “Klima-Lügendetektor” kritisiert die “Bild”-Titelgeschichte vom Samstag. Sie lautete: “Irrsinn: Deutschland verschenkt Strom ins Ausland … und wir kaufen ihn für teures Geld zurück”.

3. “Die LVZ und die Pipeline. Eine Liebesgeschichte.”
(somereason.blogsport.eu)
Berichte über die Erdgasleitung OPAL kommen in der “Leipziger Volkszeitung” als “Werbespecials” daher. “Wer sich darüber beschweren will, darf sich übrigens an den Deutschen Presserat wenden. Bester Ansprechpartner dort ist dessen Vorsitzender – der LVZ-Chefredakteur Bernd Hilder.”

4. “Apple-Bashing bei der SZ”
(kaliban.de)
Was der Ressortleiter und Chefreporter des Wirtschaftsteils der “Süddeutschen Zeitung” über Apple und Steve Jobs schreibt.

5. “Der börsennotierte Körper”
(freitag.de, Ronnie Vuine)
Ronnie Vuine staunt, “wie sehr man in Netz und Presse Technologieunternehmen mit Ponyhöfen verwechselt” und über die Reaktionen auf den Tod von Steve Jobs: “Beides, die Trauer wie das Urteil über den Charakter, nimmt eine Vertrautheit an mit einer Person, wo niemals eine war.”

6. “Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – von Bundestrojanern, Drohnen und allgemeiner Trotteligkeit”
(schmalenstroer.net)
“Kritiker und Gegner staatlicher Überwachungsmaßnahmen rechnen immer mit dem schlimmsten, dem perfekten Staatsapparat, der effizient arbeitet. In der Realität sieht dies immer wieder anders aus.” Siehe dazu auch “Der Staatstrojaner in dreieinhalb Minuten” (youtube.com, Video, 3:29 Minuten)

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