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Buschmann, Ratgeber-Tante, Wolfsburg

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Studien verstehen – Statistiken im Journalismus”
(ndr.de, Video, 5:32 Minuten)
Studien werden von Medien gerne aufgegriffen, da ja, wenn schon genau untersucht wurde, nicht mehr genau recherchiert werden muss. In der kürzlich herumgereichten Studie zur Internetabhängigkeit (PDF-Datei) ist die von vielen Medien verbreitete Zahl der 560.000 internetsüchtigen Deutschen übrigens nirgends zu lesen – die taucht erst in der Pressemitteilung der Drogenbeauftragten auf.

2. “Aus der Sicht unserer Leser”
(zeit.de, Sebastian Horn)
Sebastian Horn blickt zurück auf hundert erschienene Leserartikel.

3. “Telegen sei der Buschmann, fröhlich und bunt”
(philibuster.de, Marko Pfingsttag)
Marko Pfingsttag befasst sich mit dem Afrikabild im Fernsehen: “So hat und hätte man ihn gerne, den Schwarzen: lebens- und farbenfroh, weswegen er sich ganz hervorragend im Bildermedium Fernsehen macht, gerade in einem bierdimpfelig-wohlfühligen Unterhaltungsformat wie ‘Schwiegertochter gesucht’, wo ein jedes sein dazugehöriges Adjektiv trägt, wo das Happa stets ‘herzhaft’ und Brandenburg ‘beschaulich’ ist, und wo die Teilnehmer wahlweise zum ‘Brillenträger’ oder zur ‘Keksverpackerin’ reduziert werden.”

4. “Journalismus oder Hetzjagd?”
(nachrichten.at, Peter Grubmüller)
Der neue Trainer der Fußballnationalmannschaft Österreichs, Marcel Koller, wird von den Medien frostig empfangen. Im Interview versucht Sport- und Medienwissenschafter Minas Dimitriou, Gründe dafür zu finden. Siehe dazu auch den Leitartikel von Gerald Mandlbauer.

5. “Kein Politikjournalist – und stolz drauf!”
(anitagrasse.com)
Kollegen lächeln spöttisch, “sobald sie erfahren, dass ich die Senioren-Seiten schreibe und die Ratgeber-Tante der Zeitung bin”, bemerkt Anita Grasse. “Das macht mich wütend, denn handwerklich unterscheidet sich meine Arbeit nicht von der eines Politikjournalisten.”

6. “Wolfsburg erwartet den 100. ICE, der nicht anhält”
(welt.de, Hans Zippert)
“In Wolfsburg laufen die Vorbereitungen für die größten Feierlichkeiten, die die Stadt je erlebt hat. In Kürze erwartet man dort den 100. ICE, der nicht in Wolfsburg anhält.”

Bild  

Der letzte Blondikaner

Es spricht für die eigene geistige Gesundheit, wenn man nicht ganz versteht, warum “Bild” ausgerechnet zum 21. Jahrestag der Deutschen Einheit ein “Zukunfts-Special” darüber bringt, wie die Welt in 20 Jahren aussehen wird (“Ein Putz-Roboter macht unsere Hausarbeit”, “Fährt die Formel 1 bald elektrisch?”).

Franz Josef Wagner plagen in seiner “Post” an das “Liebe Jahr 2031” ganz andere Sorgen:

abgesehen davon, dass es in 20 Jahren kaum noch echte Blondinen gibt, wird sich die Welt nicht groß verändern. (…)

Natürlich ist es ein Verlust, wenn die Blondinen aussterben, “weil die Erbanlagen für dunkle Haare das blonde Haar dominieren” (so der Genetikforscher Prof. Steve Jones von der Universität London).

Welche Verluste, außer den Blondinen (blondes have more fun), werden wir in 20 Jahren spüren? (…)

2031 wird es im Winter schneien, der Mond wird aufgehen, die Sterne werden funkeln.

Ein 17-Jähriger wird eine chemisch gefärbte Blondine küssen.

Wagners Horrorvision einer Zukunft ohne Blondinen ist so befremdlich wie unbegründet. Zwar ist es korrekt, dass das “Blond-Gen” (oder besser Allel) rezessiv ist und sich daher in der Regel nicht durchsetzt, was zu einem (leichten und langsamen) Rückgang der Anzahl an (phänotypisch) blonden Menschen führen wird. Da das rezessive Gen aber auch in Nicht-Blonden schlummert und sogar dazu führen kann, dass zwei Nicht-Blonde blonde Kinder bekommen, ist ein Aussterben nahezu unmöglich.

Überhaupt ist das Aussterben der blonden Haarfarbe eine gut gepflegte Urbane Legende, die es sogar zu einem eigenen Eintrag in der englischen Wikipedia gebracht hat. Dort heißt es:

Bei dem verschwindenden Blond-Gen handelt es sich um eine pseudowissenschaftliche Behauptung, die seit 1865 immer wieder durch die Medien geistert. (…)

Die Behauptung basiert auf einer Fehlinterpretation von Rezessivität in der Genetik. In Wirklichkeit ist es unwahrscheinlich, dass blonde Haarfarbe ausstirbt (…).
(Übersetzung von uns.)

Dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass 20 Jahre evolutionsbiologisch ohnehin eine lächerlich kurze Zeitspanne sind.

Jeder, der im Jahr 2031 in den Archiven der bis dahin längst eingestellten “Bild”-Zeitung wühlt, wird nur ein Kopfschütteln für die Sorgen von Wagner übrig haben — mit wallendem blonden Haar versteht sich.

Euro-Krise, Sexualisierung, Augustin

6 vor 9

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1. “Die Medien müssen die Euro-Krise besser erklären”
(tagesschau.de, Jörn Unsöld)
Gabriele Goderbauer-Marchner bringt Vorschläge, wie man die Euro-Krise besser erklären könnte: “Es kann nicht sein, dass um 12.50 Uhr eine Meldung veröffentlicht ist, fünf Minuten später schon die ersten Kommentare dazu auf Homepage sind – und nach weiteren drei Stunden womöglich alles schon wieder relativiert wird.”

2. “Peinlich-Auftritt von Herzlos-Vermieter”
(belleslettres.eu)
“Wo gar nichts Festes ist, schmie­den sie däm­liche Kom­posita”, schreibt “Belles Lettres” über “das In­fan­tile bei der Sprache der Bild­zei­tung und vom Spie­gel”. “Die sollen aussehen, als hätte der Redak­teur den Kern der Sache ge­fun­den, ein Wort, das alles erklärt. Aber in Wahr­heit ist nichts mehr im Fluß, wenn ein Be­griff erst ein­mal ge­bil­det ist, das Den­ken ist fest­gefügt und sim­ples Schema.”

3. “Der Abgeordnete 2.0”
(journalist.de, Wolfgang Lenders)
Eine Auswertung der Twitter- und Facebook-Nutzung von Bundestagsabgeordneten.

4. “Der Mediensport unter Sexualisierungsdruck”
(journalistik-journal.lookingintomedia.com, Jörg-Uwe Nieland und Daniela Schaaf)
Weil sowohl unter den Produzenten als auch unter den Rezipienten von Sportjournalismus vorwiegend Männer anzutreffen sind, seien Frauen dazu gezwungen, “ihre Weiblichkeit stärker zu betonen, um eine redaktionelle und werbliche Berücksichtigung zu erzielen”. “Anzumerken ist jedoch, dass die Sexualisierung nicht nur mehr die Sportlerinnen betrifft, sondern zunehmend auch ihre männlichen Kollegen.”

5. “‘Augustin’-Fälschung: Herausgeber fürchtet Nachahmer”
(diepresse.com)
Von der Wiener Straßenzeitung “Augustin” sind vermutlich gefälschte Ausgaben im Umlauf. “Hinter den Fälschungen sollen fünf Slowaken stecken, die den ‘Augustin’ in ihrer Heimat gefälscht und in Österreich mit falschen Ausweisen verkauft haben.”

6. “30 000 Jahre Fehlentwicklung”
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.com, Thomas Steinschneid)

Zu viel Gas gegeben

Sie heizen mit Gas? Dann haben wir eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie.

Zuerst die schlechte: Gas wird laut den Internetvergleichsportalen Verivox und Check24 um gut zehn bis elf Prozent teurer.

Und jetzt die gute: So hoch, wie Bild.de die Mehrbelastung angibt, ist sie dann doch nicht:

Auf einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt (Jahresverbrauch: 20 000 Kilowattstunden) könnten Mehrbelastungen von gut 100 Euro im Monat zukommen.

Da der “durchschnittliche Vier-Personen-Haushalt” nur in den seltensten Fällen über 1.000 Euro monatlich für Gas bezahlt, darf davon ausgegangen werden, dass die von Bild.de berechnete Mehrbelastung nicht monatlich sondern jährlich anfällt.

Und so sehen das auch die beiden Vergleichsportale, die Bild.de als Quelle angibt.

Verivox:

Ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden (kWh) müsse mit einer jährlichen Mehrbelastung von 126 Euro rechnen

Check24:

Im Durchschnitt steigen die Preise für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh) um 144 Euro oder elf Prozent.

Mit Dank an Hendrik G.

Nachtrag, 28. September: Bild.de hat sich inzwischen — ohne jeglichen Hinweis — korrigiert. Aus den “gut 100 Euro im Monat” wurden “Mehrbelastungen von mehr als 100 Euro im Jahr”.

Tod, Facebook, Korinthenkacker

6 vor 9

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1. “Der Tod in der Timeline”
(bjoern-sievers.de)
Björn Sievers fragt sich, wie wir in den Zeiten von internetbasierten sozialen Netzwerken mit dem Tod in unseren “Timelines” umgehen sollten. Auch Lucas Negroni beklagt in der Frankfurter Rundschau, dass der Umgang mit dem Tod in sozialen Netzwerken nicht richtig geklärt sei. Negroni hat aber die Hoffnung, dass ein “Trauerportal”, an dem die Süddeutsche Zeitung angeblich arbeitet, genau das ändert.

2. Facebook ist nicht AOL 2.0, Facebook ist das Gegenteil
(neunetz.com, Marcel Weiss)
Marcel Weiss widerspricht Frank Rieger, der in der FAZ behauptete, Facebook habe sich zum Ziel gesetzt, dass seine Nutzer im Web möglichst nirgendwo anders mehr hingehen und auf Facebook selbst verbleiben. Facebook sei laut Marcel Weiss eine Plattform, die deshalb gewinne, weil sie “Verbindung zwischen Facebook und dem Rest des Webs” und anderen “Webdiensten” ermögliche. Das Wort “offen” kommt aber auch Marcel Weiss nicht über die Lippen.

3. “Facebook responds to allegations of privacy violations via cookie tracking”
(venturebeat.com, Tom Cheredar, englisch)
Facebook hat auf die Vorwürfe von Nik Cubrilovic reagiert (siehe auch 6 vor 9 von gestern) und besteht darauf, dass man ausgeloggte Facebooknutzer zwar über das Netz verfolgen könne, das aber nicht tue. Die Trackingmechanismen würden ausschliesslich dem Wohl und der Sicherheit der Benutzer dienen.

4. “LandIdee redux: Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Magazinen ist rein zufällig”
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Offensichtlich lassen sich Gartenbilder aus der Datenbank von Getty Images sowohl als Herbst-, als auch als Frühlingsmotive verwenden.

5. “DFB bestraft vorlaute BVB-Kommentatoren”
(spiegel.de)
Weil sie in einem vom Bundesligaverein Borussia Dortmund finanziertem Netzradio einen Schiedsrichter unter anderem als Blinden, Arschloch und Korinthenkacker bezeichnet haben, hat der DFB-Kontrollausschuss zwei BVB-Mitarbeiter mit einer Geldstrafe und einem Kommentarverbot belegt.

6. “Immer wieder Sonntags”
(kochsiek.org)
Jens Kochsiek zitiert Jan Georg Pambor, der sich auf Facebook fragt, ob das ZDF Humor habe oder häufig Leute mit eigenartig kontextsensitiven Namen beschäftige.

Bild, Sky  

Riesendruckerzeugnisse

Seit Ralf Rangnick vergangene Woche wegen eines Erschöpfungssyndroms überraschend vom Amt des Cheftrainers bei Schalke 04 zurückgetreten ist, haben hierzulande 82 Millionen potentielle Bundestrainer eine Schnellumschulung zum Psychologen absolviert.

So wurde auch am Sonntag auf dem Bezahlsender Sky in der Fußballtalkshow “Sky90” über Rangnick und das Thema Burnout diskutiert. Zu Gast war unter anderem der heutige Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld, der nach der völlig vergeigten EM 2004 heißer Kandidat für den Posten des deutschen Bundestrainers gewesen war — “Bild” hatte damals unter der Überschrift “Es geht um die Zukunft des deutschen Fußballs: Herr Hitzfeld, unterschreiben Sie hier” sogar einen symbolischen “Arbeitsvertrag” abgedruckt. Doch Hitzfeld sagte ab, weil er sich nach sechs Jahren beim FC Bayern München “ausgebrannt und verbraucht” fühlte.

Bei Sky erinnerte sich Hitzfeld gestern so an jene Zeit:

Es war ein immenser Druck 2004. Ich wurde entlassen bei Bayern München und danach eine Woche später ruft Franz Beckenbauer wieder an, nicht in Funktion von Bayern München, sondern als Funktionär vom DFB und sagte: “Jetzt wirst du unser Bundestrainer” und da sag ich “Das kann ich nicht machen, weil ich bin ausgelaugt und ich brauche eine Pause”. Er hat da wenig Verständnis gehabt und sagt “das ist kein so stressiger Job wie Bundesliga-Trainer oder Bayern München-Trainer. Das kannst du doch machen!” Aber ich habe gesagt, ich kann das nicht und das war sicherlich auch eine schwierige Entscheidung, weil die BILD-Zeitung hatte zu der Zeit auch Riesendruck aufgesetzt und gesagt “Ottmar, mach des!” – haben sogar eine Schlagzeile und mich auch von außen unter sehr viel Druck gesetzt. Und ich glaube das war für mich auch eine schwierige und mutige Entscheidung Deutschland abzusagen.

(Zitiert nach “Alles außer Sport”.)

Sky fand diese Aussagen so bemerkenswert, dass der Sender sie anschließend im Wortlaut in einer Pressemitteilung weiterverbreitete.

Also, fast im Wortlaut:

“2004 war ein immenser Druck. Ich wurde beim FC Bayern entlassen und eine Woche später rief Franz Beckenbauer an in Funktion vom DFB und sagte,: ‘Du wirst jetzt unser Bundestrainer.’ Da sagte ich, ich kann das nicht machen, ich bin ausgelaugt und ich brauche eine Pause. Dafür hatte er wenig Verständnis und sagte, es ist kein so stressiger Job wie Bundesliga-, bzw. Bayern-Trainer – das kannst du doch machen. Es war eine sehr schwierige Phase, weil auch die Medien einen riesigen Druck aufgebaut haben. Ich glaube, das war für mich damals eine schwierige aber mutige Entscheidung, Deutschland abzusagen. Ich habe mich zurückgezogen und über ein Jahr gebraucht, um zu regenerieren, um wieder richtigen Appetit zu haben und um mich wieder am Leben zu erfreuen.”

(Hervorhebung von uns.)

Via “Alles außer Sport”, mit Dank an Stefan M.

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Wario Basler

Jeder Fußballfan weiß: Es gibt nur ein’ Rudi Völler. Was viele jedoch nicht wissen: Es gibt mindestens zwei Mario Baslers.

Einer dieser Mario Baslers wurde von bundesliga.de interviewt, ist nicht so leicht zu überraschen und hat folgende Meinung zum erfolgreichen Saisonstart von Werder Bremen:

bundesliga.de: Wie sehr überrascht Sie das gute Abschneiden?

Basler: Für mich kommt das nicht ganz so überraschend. Denn Werder ist ja seit Jahren eigentlich immer im Kampf um die internationalen Plätze mit dabei. (…)

bundesliga.de: Ist die Truppe von Thomas Schaaf für Sie ein ernsthafter Meisterschaftskandidat?

Basler: Nein, ich glaube nicht, dass Werder bereits ein Titelkandidat ist. (…) Aber einen Platz unter den ersten Vier (…) traue ich den Bremern schon zu.

Der andere Mario Basler schreibt unter dem Titel “SUPER MARIO gibt Gas” eine krawallige Kolumne bei “Bild” und hat die Lage seines Ex-Vereins am Anfang der Saison so eingeschätzt:

Hottentottenwerder! Wer da in Bremen noch von der Champions League oder so träumt, der sollte besser nie mehr aufwachen …

Die fetten Jahre in Bremen sind vorbei. (…)

Der Thomas Schaaf muss es also wieder richten. Mit seinen Interview-Ikonen und Invaliden muss er in eine schwierige Saison starten. Der Thomas macht mit dem hoffentlich bald fitten Naldo hinten drin das Beste draus, wird Neunter.

Normalerweise wäre das für Werder-Verhältnisse eine völlig verkorkste Saison. Nun ist es das Maximum!

Mit Dank an Daniel M.

Hokusai, Ürümqi, Women’s Health

6 vor 9

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1. “Hokusai und die Linguistik”
(schnellinterkulturell.de, Marco Damm)
“Im Land der aufgehenden Sonne” (Japan) gebe es “kein Wort für die mörderische Wucht meterhoher Wellenwände, überhaupt kaum Begriffe für Katastrophen”, schreibt Roland Mischke auf mainpost.de. Schnellinterkulturell.de setzt eine Grafik mit den Entsprechungen von Wörtern wie Taifun, Erdbeben, Hochwasser, Erdrutsch, Vulkanausbruch, Hitzewelle und Kältewelle im Japanischen dagegen.

2. “Women’s Health – Zeitlos langweilig”
(kioskforscher.posterous.com)
Der Kioskforscher liest die “Women’s Health”: “Austauschbarkeit Zeitlosigkeit scheint bei den Health-Zeitschriften zum Markenkern zu gehören.”

3. “Richter fördern Presse-Monopol”
(taz.de, Jean-Philipp Baeck)
“Nur eine einzige Journalistin des marktbeherrschenden Weser-Kuriers war geladen, als sich fünf Bremer GerichtspräsidentInnen gemeinsam mit der Generalstaatsanwältin und dem Leiter der Justizvollzugsanstalt zu Sparplänen des Bremer Senats äußerten.”

4. “Hausrecht oder Pressefreiheit?”
(journalist.de, René Martens)
Bundesliga-Vereine machen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen Vorschriften darüber, wer von wo aus dem Stadion berichtet. “De facto wird damit die Pressefreiheit beschnitten, denn selbstverständlich muss ein Journalist das Recht haben, sich privat – bei einem Stadionbesuch ja sogar als zahlender Kunde – an jedem beliebigen Ort aufzuhalten und darüber zu schreiben.”

5. “Entwicklung Leichtathletik-Weltrekorde: Datenjournalismus”
(danieldrepper.de)
Datenjournalismus im Sport: “Im Gegensatz zu brisanten Daten bei harten Recherchen sind Zahlen und Fakten im Sport sehr leicht zugänglich.”

6. “Internetzensur in China – ein Selbstversuch”
(klartext-magazin.de, Friedrich Leist)
Friedrich Leist testet das Web in Ürümqi: “Als Suchmaschine kann man nur baidu.cn aufrufen, Google ist nicht erreichbar. Dafür kommt man auf Spiegel.de oder die Seite der Bildzeitung, bei letzterer sind aber alle Bilder gesperrt.”

Bulle, Apple, Füllstoff

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1. “Mein Bulle”
(lawblog.de, Udo Vetter)
Ein Polizist wird vom Amtsgericht Mannheim zu einer Geldstrafe verurteilt, “wegen der Verhaftung einer Bundestagskandidatin, die so inszeniert war, dass die Journalistin eine exklusive Schlagzeile bekam.” Die Schlagzeile lautete 2009 auf Bild.de: “Hier wird eine Bundestags-Kandidatin verhaftet”.

2. “Die Selbstvergewisserungs-Maschine Bild”
(meedia.de, Christian Meier)
Christian Meier liest gelangweilt die am Samstag in Übergröße erschienene “Bild”: “Die Mega-Bild ist auch mega-langweilig. Sie gibt sich als Huldigung an große Deutsche und deutsche Marken (Werbekunden, hereinspaziert) und endet als Einschlafhilfe.”

3. “Live by the BILD, die by the BILD”
(sportmedienblog.de)
Fußball: Das Sportmedienblog befasst sich mit der “Führungsspieler-Debatte” und der Aufregung über das Buch von Philipp Lahm: “Seine Aussagen wurden aus dem Zusammenhang gerissen? Verkürzt dargestellt? Ach was! So arbeitet BILD nunmal.” Siehe dazu auch nennenswertes.de, das sich Aussagen von Mario Gomez im ZDF-Sportstudio widmet.

4. “traurige BILDfälschung”
(die-anmerkung.blogspot.com)
Bezugnehmend auf diese Analyse eines Fotos von Steve Jobs fragt “Die Anmerkung”, ob Bild.de eine Fotofälschung verbreitet.

5. “Artikel Fanatismus”
(343max.de, Max Winde)
Max Winde über Blogger und Twitterer, die jeden unverzüglich steinigen, der es wagt, ‘der Blog’ zu sagen. “Ganz im Ernst: Wie wollen wir jemals zu einer Gesellschaft gelangen, die jeden seine Kultur, Religion, Sexualität, Weltanschauung frei ausleben lässt, wenn wir es nicht mal schaffen solche Nebensächlichkeiten zu akzeptieren oder wenigstens zu ignorieren?”

6. “Lorem ipsum dolor sit amet (Hajos Apple-Bashing)”
(rpzine.de)
In sozialen Netzwerken hat der “Spiegel Online”-Artikel “Abrechnung eines Ex-Fans – Apple, es reicht!” von Hajo Schumacher für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Texts for Robots kürzt den Text “um den Füllstoff”.

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BILDblog-Lesen kann sich lohnen

In einem Interview, das er dem Internetportal “Meedia” gegeben hat, lässt sich “Bild”-Chef Kai Diekmann gestern mit den abfällig gemeinten Worten zitieren, er wisse gar nicht, wann er das letzte Mal ins BILDblog “hineingeschaut” habe.

Letzten Samstag wäre zum Beispiel eine schöne Gelegenheit gewesen, auch wenn es da gar nicht um “Bild” ging. Da haben wir nämlich über die Leute von kicker.de berichtet, die geschrieben hatten, der deutsche Nationalspielers Mesut Özil sei bei einem Spiel mit einem Gegenspieler aneinandergeraten, weil dieser Özils Religion beleidigt habe. kicker.de hatte das angebliche Zitat aus einer unseriösen Quelle, den Artikel aber sofort offline genommen, nachdem wir die Redakteure darauf hingewiesen hatten, dass es keinen brauchbaren Beleg für diese Version gibt. (Bei sport1.de, das sich auf kicker.de beruft, und dem “Trierischen Volksfreund”, der sich auf sport1.de beruft, steht der Unfug immer noch online.)

Wenn Kai Diekmann den BILDblog-Eintrag zu diesem Fall gelesen hätte, hätte er unter Umständen verhindern können, dass Ertuğrul Özkök, “der berühmteste Journalist der Türkei”, heute in seiner Kolumne in “Bild” schreibt:

Özil hat den Grund erklärt: “Ich saß auf der Ersatzbank. Villa hat meine Religion beleidigt. Ich habe nur meine Religion verteidigt.”

Özköks ganzer “Bild”-Text über Religion, Staatsbürgerschaft und Toleranz baut auf dem falschen Zitat Özils auf. Das wäre nicht nötig gewesen.

Nachtrag, 18.55 Uhr: Der “Trierische Volksfreund” hat seinen Artikel “Özil rechtfertigt sich: Villa hat den Islam beleidigt” unauffällig durch einen anderen Artikel zu Özils roter Karte ersetzt.

2. Nachtrag, 28. August: sport1.de hat seinen Artikel gelöscht. Jetzt verbreitet nur noch Bild.de in Özköks Kolumne das falsche Özil-Zitat.

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